Berlin - Alexanderplatz und ehem. Königsstadt

  • Der Abgang von Stimmann ist wirklich bitter. Umso mehr wiegt der Verlust, weil wir die gelungenen Planungen von Stimmann noch kennen und mit den jetzigen Albernheiten vergleichen können.


    Gibt es eigentlich ein geplantes Ende der Amtszeit von Frau Lüscher?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich finde Hochhäuser an dem Ort okay und denke der Fehler ist bislang, dass zwei, drei Stockwerke zu niedrig gebaut wurde. Die neue 130m Vorgabe ist unverständlich.

  • @East_Clintwood Was ist denn eigentlich deine Meinung zum Fernsehturm und zu den Hochhäusern am Alexanderplatz? Ich bin eben zufällig auf diese alte Ansicht gestoßen, die den Ort des hier angesprochenen heutigen Marx-Engels Forum rechts im Bild neben der Marienkirche zeigt. Vorne rechts ist der Apothekerflügel des Stadtschlosses:



    Heute sieht die Situation bekanntermaßen so aus:



    Jetzt habe ich beides mal rudimentär zusammengefügt (keine Angst, das Bild ist extern gehostet):



    Die Marienkirche wird in dieser früher eigentlich sehr schönen Sichtachse durch ein Hochhaus am Alexanderplatz erdrückt, das prachtvolle Historismus-Ensemble wird durch den Fernsehturm klein gemacht.


    Mir ist das schon in Frankfurt aufgefallen, Gründerzeitler, gerade Eckbauten mit Kuppeln und Türmen wollen ja eigentlich besonders repräsentativ und prachtvoll wirken. Ein detaillierter Kirchturm, der sie noch überragt, schmälert das Ergebnis nicht, aber ein modernes Hochhaus oder so ein Fernsehturm schaffen es irgendwie, solche Gebäude klein zu machen und gedrängt und winzig erscheinen zu lassen. Durch die verschobenen Dimensionen wirkt der Gründerzeitler plötzlich unwichtig und durch seine prachtvolle Fassade, als wolle er gegen das übermächtige Hochhaus auftrumpfen, was dann fast schon lächerlich wirkt. Eine mittelalterliche Stadt mit engen Gassen wirkt zu Füßen solcher Gebäude dann schließlich auch winzig und verloren.


    Also, was würde ein Masterplan Historische Mitte Berlin eurer Meinung nach zum Fernsehturm sagen? Da lassen, abreißen, oder abbauen und woanders wieder hinstellen?
    Der Fernsehturm ist schließlich so etwas wie das Wahrzeichen von Berlin geworden, steht aber nun mal direkt im historischen Zentrum.

  • Das Schloß darf kein Pygmäe bleiben !


    Der Fernsehturm ist eines dieser 'egoistischen' Gebäude, die einen atemberaubenden Ausblick gewähren, aber selber nicht schön anzusehen sind. Seine Berechtigung findet er somit nicht aus sich selber heraus, sondern aus dem was das Umfeld bietet. Ein Gebäude das nur Qualität hat, solange es selber nicht im Blickfeld ist, ist - für meine Begriffe - ein architektonisches 'Nullum'.
    Die von Centralbahnhof sehr zu zurecht beschriebene verzwergende Wirkung auf Marienkirche und die beide Flankenbauten der Kaiser-Wilhelm-Straße trift ebenso auf das Schloß zu. Der Turm macht aus dem Schloß einen baulichen Pygmäen. Dies darf nicht von Dauer sein !
    Wenn der Turm aber tatsächlich ein so unverzichtbares Wahrzeichen von Berlin geworden sein sollte, könnte man ihn ja in die Müggelberge versetzten. Der Fernblick von dort auf die Innenstadt wäre um nichts weniger imposant als der jetzige.
    Und eine solche Versetzung wäre zudem etwas, was Berlin kräftig vermarkten könnte, schließlich gab es etwas Derartiges bisher noch nie.

  • Tja, den Fernsehturm kriegst du nicht mehr weg, auch bei Betrachtung des Schlosses wirkt dieser miefige DDR-Betonkoloss unschön hinein. Aber wenn wir zum Beispiel das Nikolaiviertel und die kleinteilige Bebauung dort nehmen, sieht man, dass es dennoch geht und jede historische Bebauung auf diesem Gebiet ein Gewinn ist. Ich persönlich würde tatsächlich sagen: abreißen. Nur wäre das so kompliziert umzusetzen, dass ein „Masterplan Historische Mitte“ nunmal drum herum gebaut werden müsste. Gibt in Potsdam ja ein ähnliches Problem mit dem Hotel Mercure. Das Falscheste wäre jedoch, dass man nun das Altstadtquartier diesem städteplanerischen Fehler optisch anpassen und seine deplatzierte Dominanz damit noch adeln würde. Ignorieren ist die beste Lösung, [Gekürzt].


    Moderation (Fusajiro): Man kann seine Ablehnung auch ohne eine Reihe von Abwertungen und beleidigenden Worten ausdrücken.

  • Erschreckend ist die Gewalt in der Sprache.
    Es muss alles vernichtet, ausradiert und gesprengt werden, was einem nicht passt.
    Dass damit wieder auf den Emotionen und Gefühlen von Menschen getrampelt wird, stört nicht besonders.
    Hauptsache die eigene provinzielle Sichtweise wird Wirklichkeit.


    Besser wäre es, nachzufragen und Vorschläge zu machen, wie ungünstige Zustände verbessert werden können und dabei alle miteinzubeziehen. Und sich vielleicht erst einmal zu erkundigen, welche Bezüge zu bestimmten Gebäuden, Parkanlagen usw. bei den Einheimischen bestehen.

  • Entschuldigung, aber man muss ja nun nicht alles abreißen, was nach 1945 an herausragenden Gebäuden errichtet wurde. Allein dass der Fernsehturm auf fast allen Silhouetten von Berlin abgebildet ist, spricht doch für die Qualität des Gebäudes. Ähnlich auch die Gedächtniskiche, wie sie jetzt ist. Ich mag sie beide sehr gern so und würde den Verlust bedauern.


    Es gibt genug hässliche moderne Häuser, die zu Recht nirgendwo abgebildet werden und die man viel eher abreißen müsste.

  • Hallo,
    beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Historie des Alexanderplatzes in Berlin, incl. dem näheren Umfeld.
    Wohne seit fast 70 Jahren in Sichtweite und habe dadurch die Umgestaltung des Platzes - besonders vom ehem. Zustand Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre bis zur endgültigen Erneuerung incl. Fernsehturm im Jahr 1969 - hautnah miterlebt.
    Habe diverse alte Fotos als Pendant neueren Abbildungen gegenüber gestellt.


    Gegenwärtig interessiert mich die simple Frage, ob der derzeitige U-Bahn-Zugang (direkt am Saturn-Markt gelegen) noch identisch ist mit den zwei ehemals existierenden U-Bahn-Treppen von Anfang der 1960er Jahre.
    Bildvergleiche lassen dies nur schwer, wenn überhaupt erkennen.
    Und auf Darstellungen des Areals in den späten 1980er bis Anfang der 2000er Jahren fehlt dieser Zugang wohl sogar gänzlich.


    Vielleicht hat jemand entsprechendes Bildmaterial bzw. genauere Skizzen. ?(
    Danke !

  • Allein dass der Fernsehturm auf fast allen Silhouetten von Berlin abgebildet ist, spricht doch für die Qualität des Gebäudes. Ähnlich auch die Gedächtniskiche, wie sie jetzt ist. Ich mag sie beide sehr gern so und würde den Verlust bedauern.


    Es gibt genug hässliche moderne Häuser, die zu Recht nirgendwo abgebildet werden und die man viel eher abreißen müsste.

    Sehe ich ganz genauso. Die Vorstellung, der Berliner Fernsehturm könnte abgerissen werden, ist so einfältig wie absurd. Das wird nicht passieren. Er gehört zur Ikonographie der Stadt wie der CN Tower zu Toronto oder der Eiffelturm zu Paris. Nicht mehr wegzudenken, wird nicht passieren. Jede DIskussion darüber ist komplett vergeudete Liebesmüh.


    Ich sehe auch keine Schwierigkeit, die historische Mitte Berlins ungeachtet dessen in den wichtigen Zügen wiederherzustellen und damit in EInklang zu bringen. Finde auch nicht, dass der Turm in der gezeigten Montage die historistischen Prachtbauten erdrücken würde. Man würde sie ja ohnehin eher von nahem betrachten, wo der Fernsehturm aus dem Blick fällt. Da stört das Park Inn hinter der Marienkirche schon eher, aber auch dieser Anblick tut sich so ja nur auf, wenn man mitten auf der Straße steht.

  • Es gab mal zu DDR Zeiten den Witz:
    "Was passiert wenn der Fernsehturm nach Norden umfällt?
    - Dann hätten wir knapp 300 m U-Bahnstrecke nach Weissensee"


    "Sankt Walter" ist eines der wenigen modernen Gebäude die ich nicht missen möchte - allein schon der Wutausbruch des damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, daß auf der Kugel bei Sonnenlicht ein Kreuz erscheint, war zu göttlich - der fiese alte Spitzbart wollt das Gebäude am liebsten gleich wieder abreißen lassen ablachen:)

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Offen gesagt: mir gefällt er auch. Bin mal die Brunnenstraße hinunter auf den Rosenthaler Platz zu gefahren, an einem diesigen Morgen. Da tauchte er auf, unten vom Nebel verborgen, nur der obere Teil mit der Kugel "schwebte" quasi in der Ferne über den Dächern. Hatte was ikonisches. Vom Alex, besonders bei Nacht, sieht er auch gut aus. Monumental.

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Zum Fernsehturm selber brauch ich nichts weiter zusagen, er gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor, das Rote Rathaus, Schloss und Reichstag. Berlin ohne Fernsehturm ist wie Paris ohne Eiffelturm (welcher ja auch als Fernsehturm genutzt wird). Was dort aber stört ist das Gebilde zu seinen Füßen, welches leider schon denkmalgeschützt zu sein scheint. Bei einem eventuellen Umbau bzw einer Bebauung der Foren würde ich mir da aber einen passenden Neubau wünschen.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Zum Fernsehturm selber brauch ich nichts weiter zusagen, er gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor, das Rote Rathaus, Schloss und Reichstag. Berlin ohne Fernsehturm ist wie Paris ohne Eiffelturm (welcher ja auch als Fernsehturm genutzt wird). Was dort aber stört ist das Gebilde zu seinen Füßen, welches leider schon denkmalgeschützt zu sein scheint. Bei einem eventuellen Umbau bzw einer Bebauung der Foren würde ich mir da aber einen passenden Neubau wünschen.

    Es wurde rund um den Fernsehturm viel erhaltenswertes abgerissen - zuletzt am Fuße des Fernsehturmes nfang der 70iger Jahre das Bekleidungshaus. Man wollte rund um den Fernsehturm nur noch Freiflächen schaffen, was den Alexanderplatz allerdings rund um den Fernsehturm sehr kalt und steril erscheinen ließ. Nur ist die modernistische Bebauung rund um den Fernsehturm, keinen Deut besser - wenn hier rund um den Fernsehturm die historische Gebäude rekonstruiert worden wären, wäre das auch eine starke Aufwertung dieses Platzes gewesen. Als ich das erste mal auf dem Fernsehturm war, da war er gerade neu gebaut und ich war mit meinen Eltern zu vor in der ehemaligen Markthalle welche kurze Zeit später abgerissen wurde.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Sehe ich auch so, Berlin ist ohne Fernsehturm völlig undenkbar. Wer den Abriss fordert reisst tiefe Gräben in die Berliner Gesellschaft. Und als gebürtiger Ostberliner ist mir der Turm ans Herz gewachsen, ich würde auf die Barrikaden gehen wenn hier echt Abrisspläne ans Tageslicht kämen. Zudem ist der Turm anders als viele hier sagen in meinen Augen auch eine außerordentlich ästhetische Variante eines Funkturms mit drehendem Turmcafé in einer fast perfekten Kugel. Für mich der Idealtypus eines Fernsehturms. Ich hatte 2017 die Gelegenheit den Fernsehturm in Toronto zu besuchen. Abgesehen von seiner unglaublichen Höhe ist er architektonisch m.E. dem DDR-Fernsehturm in Berlin absolut unterlegen: Die wunderbar erhaltene 1960'er-Jahre Innenarchitektur, der sensationelle Sockelbau hat etwas ikonographisches, was ich in dieser Qualität nicht in Stuttgart, Nürnberg, München oder Köln bei den Fernsehtürmen gefunden habe. Nein, wir können froh darüber sein dass der Palast der Republik rechtzeitig Platz gemacht hat für die Schlossreko, denn vielleicht würde das heute schon nicht mehr gehen. Aber den Verlust des Fernsehturms, ein Berlin ohne Fernsehturm ist völlig absurd. Mir fällt auch kein einziger überzeugender Grund dafür ein.

  • In den 90iger Jahren gab es von Seiten eines Schweizers Rückübertragungsansprüche diesen Grundstückes - jener hatte auch vor den Fernsehturm zu beseitigen - Gottseidank wurd dies abgewendet----ich glaub man hat ihm ein Ersatzgrundstück dafür gegeben.

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    Horst Seehofer

  • Das fällt mir eine Anekdote ein, in den 1990'ern muss es gewesen sein, angeblich wollte Donald Trump in Berlin einen "Trumptower" bauen, etwa dort wo heute das Alexa steht. Er solle mind. 250 Meter hoch sein. Das oberste Stockwerk wäre damit noch höher als die Aussichtsebende der Turmkugel gewesen und wurde folglich nicht genehmigt. Es hieß, sein Hochhaus dürfe nur max. 200 Meter hoch werden. Er soll wohl gesagt haben "so kleine Häuser baue ich nicht" :-)
    Wenn ich mich noch an die hochfliegenden Pläne erinnere, die damals durch die Gazetten geisterten. Es sollte eine "Krone" aus 13 Hochhäusern zu jeweils 150 Metern rund um den Fernsehturm entstehen und 2005 sollte alles fertig sein. Bis heute steht davon kein einziges...

  • Ach was. "Soll werden" ist in Berlin sowas wie "Guten Tag". Ich glaube die Hamburger ziehen eher den Elbtower hoch, als dass in Berlin mal die ganzen geplanten Hochhäuser realisiert werden.

  • So sicher wäre ich mir da nicht. Es gibt viel ausländisches Kapital, dass nach Anlagemöglichkeiten sucht. Gerade angesichts der niedrigen Zinsen und der Kapitalflucht in reale Werte. In Berlin sind die Immobilienpreise im letzten Jahrzent deutlich angezogen. Somit existieren durchaus Signale für internationale Anleger.

  • Wozu aufregen? Der Alexanderplatz ist verloren und wie nie wieder so attraktiv werden wie vor dem Beginn der Umbauarbeiten Ende der 20er Jahre.
    Gibt es eigentlich irgendwo Hinweise oder gar Zeichnungen, was bei der Modernisierung, die mit den beiden Behrens-Bauten begannen, noch alles geplant war. Die Weltwirtschaftskrise hatte ja eine Fortsetzung des Umbaus verhindert.