Posts by Maßwerk

    Na ja, ein typischer Dudler. Irgendwie auf eine sehr allgemeine Weise auch passend, aber alles in allem zu grobschlächtig. Auch wenn es für einen Dudler sogar überhaupt schon sowas wie Details gibt, feinsinnig ist das nicht gerade ...

    irreführende bildliche Darstellungen, denen die Realität widerspricht.

    Eine typische Methode bei anderen Bauprojekten, vor allem im Wettbewerb: Billige, brutale Glaskiste entwerfen, dann aber darstellen mit dramatischem Himmel bei Sonnenuntergang, mit warmem Licht von innen leuchtend, mit reizvollen Spiegelungen in der regennassen Straße, wie bei diesem Schmuckstück zeitgenössischer Entwurfskunst.


    Solche Manipulationen sollte man bei Wettbewerben eigentlich von vorneherein verbieten, z.B. vorgeben, dass das Gebäude am frühen Nachmittag mit wolkenlosem Himmel dargestellt werden muss.


    Ich frag mich auch immer: wenn die Architekten doch offenbar wissen, wie man was visuell ansprechendes erstellt, warum wird nicht gleich das Gebäude so entworfen?

    Danke Andreas für den Hinweis. Das Thema scheint ja doch eher eine nicht mehr zeitgemäße Theologie zu sein, die betont, nur Konfirmierte hätten Teil an der Gemeinschaft Gottes, und Kinder und Schwerstbehinderte folglich nicht.


    Gegen zusätzliche Heiligenscheine hatte offenbar das Denkmalamt was (sollte als Zeichen erhalten werden), also blieb wohl nur diese Lösung ...

    Die Frage ist doch, wer ist da dargestellt, und wie ist es gemeint gewesen? Dazu muss es doch Unterlagen geben. Ich sehe hier offenkundig Heilige (auch wenn ich keinen konkret erkenne, scheint es sich anhand der Tonsur ganz links um historische Persönlichkeiten zu handeln). Eine Person hat ein Baby, eine begleitet anscheinend ein Kind, nur die dritte kümmert sich um jemanden, der alt, krank oder beeinträchtigt ist. Problematisch auf den ersten Blick ist maximal diese letzte Gruppe rechts unten. Aber wenn dies eine historische (heiliggesprochene) Person darstellt, die genau dies getan hat, wo ist das Problem? Sich um Menschen zu kümmern, ist doch an sich was gutes??


    Aber vielleicht gibt es ja tatsächlich eine NS-nahe Programmatik, die hier intendiert wurde?

    In Wirklichkeit ist der Saal noch schöner als auf den Fotos

    Kann ich bestätigen, war vorige Woche dort. Durch die hohe Qualität der Wiederherstellung bekommt man in Dresden einen authentischen Eindruck, wie die Räume zur Entstehungszeit gemeint waren und gewirkt haben.

    Das ist den Gegnern ja auch klar, dass eine dauerhafte Änderung nicht durchsetzbar wäre. Sie träumen natürlich von einem dauerhaften Provisorium, aber ich halte auch das für recht unwahrscheinlich.

    Nach dem ganzen Claudia-Roth-Bashing möchte ich mal versuchen, die Sache mit dem Spruchband etwas zu objektivieren. Den Spruch kann man auf verschiedenen Ebenen betrachten, und ich versuche, die naheliegenden Schlussfolgerungen zu ziehen.

    • Der Spruch ist offensichtlich Teil der Gestaltung der Fassade. Wenn man den Anspruch hat, die Fassade vollständig zu rekonstruieren, gehört er mit dazu. Allerdings ist es nur ein kleiner Teil (wenn auch ein prominent sichtbarer), und rein gestalterisch würde nur wenig Schaden zugefügt, wenn er z.B. anders lauten würde.
    • Der Spruch ist historisch gesehen zunächst Ausdruck dessen, dass sich dahinter die Schlosskapelle befand. Insofern ein wichtiges Erinnerungsmal, das aber außerdem durch das Kreuz, die Engel und Propheten schon deutlich verwirklicht ist. Es wäre in der Summe dieser beiden Ebenen kein großer Schaden gewesen, wenn (bei vorhandenem Kreuz und Engeln) dort nichts oder z.B. "Humboldt-Forum" eingemeißelt worden wäre – Ausdruck dessen, was sich nun in diesem Gebäude befindet.
    • Auf einer rein religiösen Ebene ist der Spruch natürlich nicht zu beanstanden (außer man ist fanatischer Antitheist). Er besagt ja auf dieser Ebene, dass sich alle, auch die Herrscher, nicht über Gott als das Prinzip des Guten erheben dürfen. (Dass hier ein christlicher Gott angesprochen ist und man nicht alle überlieferten Gebote im Einzelnen richtig finden mag, ist hier absolute Nebensache.)
    • Auf der historischen Ebene gehört er zur Persönlichkeit Friedrich Wilhelms IV. Zunächst mal Ausdruck seiner Frömmigkeit und seiner Auffassung, dass auch er eben Gott Rechenschaft ablegen muss – soweit der positive Teil der Geschichte. Aber da gibt es eben noch die andere Seite: natürlich ist es auch Ausdruck dessen, dass er seine Herrschaft ausschließlich über Gott definierte und nicht etwa über das Volk (weshalb er ja auch 1849 die Kaiserwürde ablehnte). Man kann dazu verschieden stehen: entweder man sieht diesen Aspekt als Teil der Geschichte, also als Erinnerungsmal, oder man hat das Bedürfnis, dass ein letztlich antidemokratisch gemeinter Inhalt an so einer zentralen Stelle nicht unwidersprochen stehen bleiben kann. Eigentlich scheint die Sache einfach: Wer Marx und Engels zentral stehen lassen will, sollte auch den Spruch akzeptieren. Wer den Spruch kontextualisieren möchte, sollte überlegen auch Marx und Engels zu kontextualisieren. Eine naheliegende Schlussfolgerung wäre, dass historische Zeugnisse dieser Art von den jeweiligen Gegnern akzeptiert werden können, eine Kontextualisierung aber auch denkbar ist, solange sie keinen materiellen Schaden anrichtet und das Geschichtszeugnis nicht entstellt.

    PS 1: Ich war neulich im Park Neubabelsberg. Dort steht eine von FW IV in Auftrag gegebene Statue vom Erzengel Michael als Drachentötermit dem erst kürzlich neu eingemeißelten Spruch "Zu Ehren der siegreichen Operations Armee am Rhein im Jahre 1849" – gemeint ist die Niederschlagung der Deutschen Revolution in Baden. So richtig glücklich bin ich damit nicht geworden (nicht zuletzt wegen dem historisch zufälligen Anklang an "militärische Spezialoperation"). Den Engel finde ich sehr schön, und ich kann ihn auch als historisches Denkmal akzeptieren, aber ich spürte große Lust, eine Ergänzung ist Auftrag zu geben, die besagt "Und die Demokratie hat doch gesiegt".


    PS 2: Meine persönliche Meinung: Das Leuchteband finde ich unnötig, aber nachvollziehbar und als temporäre Installation auch keine Katastrophe. Wenn schon, dann aber als Lösung, die den originalen Spruch tagsüber optisch nicht beeinträchtigt. (Nicht nachvollziehbar dagegen z.B. die Ablehnung der völlig unpolitischen Balustradenfiguren.)

    Den neuen Einsiedler kann ich auch nur als sehr seltsam wahrnehmen. Anders als bei der neuen Alten Post, wo die Proportionen in sich stimmig sind (wenn auch anders als beim Original), sind dieselben hier ziemlich entgleist.


    Der Giebel ist viel zu wuchtig, er schreit einem geradezu entgegen, dass er nur vorgesetzt ist, der Abschluss des Daches ist zu kräftig und disharmoniert mit dem Giebel, die Gauben kommen ästhetisch aus einer wieder ganz anderen Ecke, die Farben wirken altbacken wie vom Ende der 80er. Am Ende sind alle Details schlechter als im Wettbewerbsentwurf, welcher noch akzeptabel gewesen wäre, wenn auch schlechter als das Original.

    Schrieb nicht mal jemand, dass die Figuren aus dem 19. Jahrhundert, die hier nachgeschaffen wurden, selbst auf älteren Figuren basieren? Ich vermute, dass diese älteren Figuren Instrumente hatten, aber so schlecht erhalten waren, dass die fehlenden Teile im 19. Jahrhundert irgendwie anders ergänzt worden sind. Mit der Folge, dass es mit den Armhaltungen nicht mehr ganz passt.

    In dem Video kann man sehr gut erkennen, wie sehr sich Architekten verbiegen müssen, um selbst banalste Gestaltungsansätze zu verteidigen. Denn genau das ist es: man versucht sich zu rechtfertigen, warum man überhaupt den Eingang betont und einen Erker bildet (statt alles flach in der Fassade anzuordnen), das heißt dann "skulptural", warum man Ziegel nimmt statt eines billigen WDVS ("robust und langlebig") usw.

    Ich seh das etwas differenzierter. Das erste Gebäude am Hiroshimasteig ist grauenvoll (für mich unterste Schublade, altbackene Fensterbänder, nicht mehr ganz taufrisch vermeintlich modischer Fensterversatz, sieht schon auf dem Rendering billig aus).


    Das Haus 75-77 ist von Mantikor ungünstig fotografiert, in echt passt das an die Stelle ganz gut. Es ist auch nicht überdimensioniert (gegenüber ist das sogenannte Shell-Haus), die Fassade ist gut strukturiert und im Rahmen des modernen Stils auch detailliert. Den Verlust des Altbaus (speziell der Medaillons an der Fassade) kann man natürlich trotzdem bedauern, auch wenn dieser nicht zu meinen Lieblingsbauten zählte.


    Das Soravia-Projekt sieht leider nicht übermäßig vielversprechend aus, aber ich würde die Hoffnung noch nicht komplett aufgeben. Schlechter als der Ist-Zustand kann es nicht werden ...

    Sowas wie oben die Kantine gilt im Architekturstudium als "gut gestaltet". Genau darauf wird man trainiert. Der moderne Architekturexperte erkennt:

    • Material ist ortstypisch
    • die Gliederung des historischen Zwischenbaus wird durch die Schlitzfenster neu interpretiert, die Höhen werden aufgenommen (z.B. Oberkante Fenster = Oberkante Pilaster)
    • Abgrenzung durch Glasfuge
    • klare, moderne, skulpturale Gestaltung, die sich nicht anbiedert
    • usw.

    Das das in Wirklichkeit total sperrig wirkt, wird gerne übersehen.

    Genau das ist der Grund: es gibt eine Menge Architekten, denen das zu verspielt und nicht modern genug ist. Strenge Gradlinigkeit und Innovation sind eher die Leitlinien...

    Kurfürsten- Ecke Frobenstraße: da hab ich vielleicht zu lange Architektur studiert ... das Eckgebäude steht zwar im scharfen Kontrast zum Altbau, aber ich find es gar nicht unfreundlich anzuschauen (und ich laufe da oft dran vorbei).


    Wirklich schlecht finde ich dagegen das Gebäude links daneben. Tristes Anthrazit, Fenster ohne jede Struktur oder erkennbare Idee über die Fassade gestreut:

    Berlin-Schöneberg Fröbelstraße


    Und das 60er Jahre Gemeindehaus rechts vom Altbau ist auch unter aller Kanone. Das kommt noch aus Zeiten, als hier mal eine Autobahn geplant war:

    Berlin Kurfürstenstraße