Posts by Maßwerk

    Tobias_HH: zu der Fensterteilung, da braucht man keine Sorgen zu haben, denke ich. Die Fenster liegen doch ganz oft in einer anderen Ebene als der Rest der Fassade, und bei einem Gründerzeitler wirkt es trotzdem völlig logisch, dass die Fensterteilung genauso mittig und symmetrisch ist wie die Verzierung mit dem Giebel um das Fenster herum, die 40 cm weiter vorne liegt.

    Hotel und Geschäftsbauten finde ich auch gut bis sehr gut, wie vieles, was seit den 90ern in Hamburg entstanden ist und in der Tradition der Backstein-Kontorhäuser steht.


    Nur fur die Wohngebäude kann ich mich trotz aller beschriebenen Vorzüge (die ich auch zu würdigen weiß) noch nicht wirklich erwärmen. Irgendwie erwarte ich, dass dieser Bautypus freundlicher daherkommt, also möglicherweise weniger Geschosse, noch mehr Abwechslung/Gliederung zwischen den Geschossen, auch mal helle Partien, Ornamente (die ja im Backstein leicht umzusetzen sind), Mansarddächer etc.

    Die Strecke Heiligensee - Lichterfelde Süd wurde auch stillgelegt (vielleicht etwas später). Stand Ende der 80er: S1 Wannsee - Anhalter Bahnhof, S2 Lichtenrade - Frohnau, S3 Wannsee - Friedrichstraße über Zool. Garten

    Die Neubauten sind genau genommen sehr unterschiedlich: die Bibliothek fällt in die Kategorie "viel gewollt, aber nicht an das Wohlbefinden gedacht". Man hat versucht sich städtebaulich einzupassen (also im Umgebungsmodell 1:500), und im "Detail" hat man dann die üblichen Klischees der 10er Jahre aus der Schublade gezogen: glatte Fassaden, harte Kanten, monolithisch, anthrazit (ich verstehe bis heute nicht, warum ästhetisch empfindende Menschen diese Farbe so toll finden), große Fenster ohne Gliederung über die Fassade verteilt.
    Das zweite Beispiel (Rathausneubau!) ist einfach nur banal. Das sieht aus wie jeder beliebige billige Vorstadtwohnbau. Der Altbau war um Klassen besser.
    Das bischöfliche Ordinariat hingegen finde ich sogar richtig gut. Über einzelne Aspekte kann man streiten (Backstein, lange Rasterfassade, ich weiß auch nicht was vorher da stand). Klar, wenn jemand der Moderne ob ihrer Ornamentlosigkeit oder ihrer Materialien gar nichts abgewinnen kann, dem wird auch dies nicht gefallen -- aber es wurde städtebaulich auch vieles richtig gemacht, das Gebäude selbst ist abwechslungsreich, verachtet nicht die Symmetrie, hat eine gutes Verhältnis zwischen gleichmäßigen und betonten, gegliederten Elementen.

    Also ich finds eigentlich ganz ok, nach dem einen Bild zu urteilen. Allerdings auch nicht mehr. Die Proportionen sind etwas eigenwillig. Wenn man hohe Maßstäbe ansetzt, ist es zu nüchtern und zu heterogen zugleich, aber im großen und ganzen passt es sich doch gut ein und irgendwie wirkt es auch in sich ganz gut zusammenpassend. Irgendwo im Mittelfeld würd ich mal sagen.

    Ich bin im Sommer ein paar mal mit dem Fahrrad vorbeigefahren und der Haupteindruck war die völlige Maßstabslosigkeit. Es passt eigentlich zu gar nichts in der Umgebung, noch nicht einmal zum danebenstehenden Hochhaus desselben Bauherrn. Allenfalls von der Lindenstraße aus ist es gerade noch vertretbar (siehe Foto oben). Ich bin da etwas ratlos, was der Bauherr sich dabei gedacht hat ...

    ... da war ich heute auch. Beeindruckend war für mich, wie schon das eine Geschoss der Garnisionkirche den Raum der Breiten Straße verändert. Heute erschienen mir die Hochhäuser am Ende der Straße, von der DDR als bewusste neue Dominante gesetzt, plötzlich viel unwichtiger als bisher, gegenüber der in den Raum hineintretenden Kirche. Bin gespannt, wie sich der Eindruck weiter verändert, wenn der Turm erst fertig ist.

    Die oben abgebildete Waldemarbrücke war übrigens genau die Grenze mit der Mauer -- daher wirkt es hier besonders verlottert. Südlich, also im Westen, ist der Streifen zur IBA 1983 mal gärtnerisch gestaltet worden, auf der Mauer unter der Brücke war eine optische Ergänzung der Michaelskirche gemalt, und der Park war da eben zuende. Im Westen wurde der kaum gepflegt. Nördlich der Brücke mit dem Engelbecken gehört alles in den Osten und ist erst vor wenigen Jahren nach den Plänen der 20er neu gemacht worden. Ich finde das dort eigentlich sehr schön. Die Michaelskirche wäre übrigens auch ein super Rekoprojekt -- wenn man auch nur das Mosaik in der Hauptapsis ergänzen würde, wäre schon viel gewonnen.

    @Philon, dies ist ja ein Symbolgebäude für Preußen und sein Militär. Warum sollte nicht gerade hier reflektiert werden, was passiert, wenn man den falschen Leuten vertraut (Unterstützung von Hitler durch DNVP und Militär) und wie man als redlicher Preuße viel früher hätte reagieren sollen (Widerstand 1944)?
    Eigentlich wäre das die Gedenkstätte schlechthin für den deutschen Widerstand. Und genau das sollte man dem Gebäude auch anmerken.
    Und ich ergänze noch, damit meine ich nicht sowas plump plakatives wie einen schwarzen Quader statt des Kirchenschiffs, sondern solche subtileren Eingriffe wie die Inschriften auf dem Sockel.

    Es ist eine Mehrheit für Bebauung, wenn man diejenigen dazuzählt, die eine teilweise Bebauung wünschen.


    Ich sehe dort insgesamt eine Mehrheit für eine teilweise Bebauung in kleineren Einheiten, die sich an der historischen Bebauung orientiert.

    Lisa Conrad: ich schreib mal bewusst als jemand, der auch moderner Architektur was abgewinnen kann. Ja, genau das meine ich: moderne Architektur kann keine Wärme ausstrahlen, weil sie keine Wärme ausstrahlen will. Das ist meine Erfahrung als ehemaliger Architekurstudent und nun auch auf anderem Gebiet als praktizierender Grafiker.


    Der unter den Fachleuten herrschende Zeitgeist will gradlinig, clean, effizient, konstrukionsehrlich, kantig, vor allem aber abstrakt sein. Wenn Ornamente vorkommen, wirken sie computergeneriert und sollen auch so wirken. Wenn man nicht allzu gradlinig sein will, werden Rechtecke oder Kuben wild gegeneinander verschoben, aber man bleibt in der Abstraktion. Selbst die wildesten Architekten arbeiten nur mit Linien, Flächen und Materialeigenschaften.


    Wo soll bei der ganzen Abstraktion die Wärme herkommen? Jegliche Nachahmung der Natur durch Ornamentik ist ja verpönt. Nur bei der Materialwahl kommt manchmal ein bisschen Wärme durch (Holz, manche Steinarten), oder wenn in seltenen Fällen mal jemand organische Formen wählt.


    Speziell hier kann ich keinerlei Wärme erkennen -- Qualitäten sind vorhanden, liegen aber auf anderem Gebiet, eben dem was heutzutage so erlaubt ist: speziell die Materialbehandlung ist sehr schön, die Fassade wirkt auch lebendig, nicht zuletzt durch das ornamentale Muster. Das weiß und der recht grobe, kantige Grundkörper lassen das Gebäude aber abstrakt, modern und gerade deshalb letztlich kühl wirken.