Posts by Maßwerk

    Genau das ist der Grund: es gibt eine Menge Architekten, denen das zu verspielt und nicht modern genug ist. Strenge Gradlinigkeit und Innovation sind eher die Leitlinien...

    Kurfürsten- Ecke Frobenstraße: da hab ich vielleicht zu lange Architektur studiert ... das Eckgebäude steht zwar im scharfen Kontrast zum Altbau, aber ich find es gar nicht unfreundlich anzuschauen (und ich laufe da oft dran vorbei).


    Wirklich schlecht finde ich dagegen das Gebäude links daneben. Tristes Anthrazit, Fenster ohne jede Struktur oder erkennbare Idee über die Fassade gestreut:

    Berlin-Schöneberg Fröbelstraße


    Und das 60er Jahre Gemeindehaus rechts vom Altbau ist auch unter aller Kanone. Das kommt noch aus Zeiten, als hier mal eine Autobahn geplant war:

    Berlin Kurfürstenstraße

    Hier ein Bild von mir aus derselben Perspektive. Kann gerne für Vereinszwecke verwendet werden. Ich hab das nur noch nicht bei Instagram Berlin gepostet, weil ich Hemmungen hatte, das Wiki-Bild für eine Meinungsäußerung einzusetzen. Aber vielleicht bin ich da übertrieben vorsichtig.


    Berlin Tucholskystr Jüdisches Gemeindehaus

    @findorfer, ich hab das ja mal studiert in den 90ern, und ich hab es gerade anders empfunden. Baukonstruktion spielte bei uns eine viel zu geringe Rolle (auch wenn sich einzelne Profs bemüht haben), Baupraxis und Wirtschaftlichkeit fast gar keine, Materialien und Grundrisse eine halbwegs angemessene Rolle. Vor allem aber ging es um Ästhetik. Allerdings entweder auf Grundlage einer gewissen puristischen Moderne (Materialsichtigkeit, konstruktionsgemäß entwerfen, form follows function) oder im Sinn von Experiment, Innovation, etwas entwerfen, was noch nie da war. Empfunden hab ich dahinter immer den Anspruch, wir sind die ästhetische Elite, wir wissen nach dem Studium wie sowas geht und haben dann auch einen gewissen Erziehungsauftrag gegenüber denjenigen, die das nicht studiert haben.

    Ideologie ist ein scharfes Wort, nennen wir es Doktrin oder Leitlinie ... aber die Grundidee, dass moderne Zutaten immer im scharfen Kontrast zum Bestand ausgeführt werden sollen, kann und sollte man in Frage stellen.


    Es ist immer schwierig bei der Ästhetik, wenn Theorie und unmittelbarer Eindruck nicht im Einklang stehen. Bei vielen dieser Ergebnisse denke ich immer, die faktische Entstellung der Baudenkmäler oder auch Rekos ist doch offensichtlich (beim letzten Beispiel gar nicht mal so krass, aber ich denke z.B. an Kongsnaes in Potsdam, oder ein gewisser Glasaufzug an einer Jugendstilschule). Scheinbar gerettet wird das Ergebnis immer nur durch einen erheblichen theoretischen Überbau, der letztendlich die Betrachter für blöd erklärt: warum eigentlich muss auch der letzte architekturfremde Mensch mit dem Holzhammer gezeigt bekommen, dass es sich um eine neue Zutat handelt?


    Gerade aus diesem Bereich höre ich im meinem Bekanntenkreis immer die klarste Kritik an den Ergebnissen, da ist dann immer offensichtlich, wie unpassend das ist, und maximal unklar, warum man das unbedingt so machen muss.

    Ist das der Endzustand der Fassade? Unglaublich. Hier überhaupt noch von sowas wie "gestalterisch ansprechend" zu sprechen... in der Form ist das wie der schlimmste Alptraum aus den 70ern. Der Slum von morgen.


    Vielleicht täuscht der Eindruck ja, und bei schönem Wetter oder auf der anderen Seite sieht es besser aus, aber richtig glauben kann man das nicht. Die neuen seriellen Berliner Schulbauten sind dagegen ein Traum.

    Ich finde auch, dass das neue Salzhaus genug Qualitäten hat, um es an dem Standort zu erhalten. Ich mag auch das Mosaik mit dem Phönix. Das ist in ähnlicher Weise eine ornamentale Gestaltung wie an vielen Fachwerkhäusern oder auch Gründerzeithäusern, nur eben im Stil der 50er Jahre, und auch viel besser/charakteristischer als das neue Pellerhaus. Der einzige Nachteil ist, dass es die Reko des originalen Salzhauses an der Stelle blockiert.


    Das alte Salzhaus sollte auf jeden Fall irgendwann wiederaufgebaut werden, möglichst in räumlicher Nähe, aber nicht genau am Originalort. Allein wegen der vielen erhaltenen Teile. Das könnte man argumentativ schon fast als Translozierung bezeichnen. Das halte ich für realistischer und in diesem Fall vertretbar. Wäre nur sinnvoll, einen Ort zu finden, der dem Charakter des Originalortes näher kommt als z.B. in Hannover beim Leibnizhaus.

    Ja, die Vorstellung von gekreuzten Krummsäbeln hatte ich auch spontan. An sich bin ich ja immer froh, wenn ein Gebäude sowas wie Ornamentik hat (auch bei Glashäusern), aber mit der Assoziation ist es dann schon wieder etwas unsympathisch...


    Die Botschaft von NRW gleich um die Ecke hat übrigens eine ähnliche Grundidee der Fassade: Hier ein Foto.

    Na ja. Das ist schon ok so, und das passt auch zu Bochum. Bochum ist schließlich im Grunde eine geschlossene 50er Jahre Stadt; die wirklichen Bausünden befinden sich anderswo (z.B. der Klopper an der Massenbergstraße an der Stelle des Stadtbades).


    Irgendwie schade um die Uhle ist es trotzdem, allerdings eher aus nostalgischen Gründen als aus architektonischen. Dass das ein Altbaurest war, konnte man nur erahnen.

    Ein wirklich schönes Altarbild, das da vernichtet wurde ... ich würde ja mindestens die Umrahmung nachschnitzen lassen und das Bild als Foto einpassen ... aber ich ahne schon ungefähr, was stattdessen kommen wird. Weiß nicht, wie man eine Nachschöpfung fördern könnte?

    Also, es geht doch offensichtlich darum, dass FW4 mit diesem Spruch deutlich machen wollte, dass sich auch der Herrscher dem Gebot Gottes unterwerfen muss. Gleichzeitig hat derselbe Herrscher die Kaiserwürde abgelehnt, die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung übertragen werden sollte.


    Man kann dort leicht einen Zusammenhang sehen (in dem Sinne: wer legitimiert einen Herrscher) -- auch wenn sich dieser nach Lektüre des Wikipedia-Artikels als komplexer darstellt als ich mal in der Schule gelernt habe. Und auch wenn natürlich der Bibelspruch und damit die Verantwortung des Herrschers gegenüber dem (christlichen) Gott noch ganz andere, eindeutig positive Dinge aussagt.


    Insofern ist dieser Spruch, insbesondere seine Wiederherstellung keineswegs unpolitisch. Ich persönlich hatte von Anfang an das Gefühl: "Das ist aber provokant, diesen Spruch mit zu rekonstruieren" -- ich kann sowas aber auch als historisches Zeugnis aushalten und so stehen lassen, so wie viele andere Dinge auch (Reiterstatuen, sozialistische Wandmosaike, Nationaldenkmale, Marx und Engels etc.), solange, wie hier offensichtlich, auch positive/idealistische Anteile vorhanden sind, und es eben als geschichtliches Zeugnis tauglich ist.


    Aber gerade deshalb darf man sich nicht wundern, wenn sich an der geschichtlichen Komponente eine Diskussion entzündet, und ich finde, man muss sowohl diesen Spruch aushalten können, als auch das Laufband, das ja den Spruch darunter erkennbar und unzerstört lässt.

    bin ich recht sicher, dass Gründerzeitler z.B. sich kaum Sorgen machen müssen.

    Nur, wenn 2 Voraussetzungen gegeben sind:


    1. Das neue Gesetz wird mit Sinn und Verstand aufgesetzt. Solange ganz bewusst vor allem die wirklich ineffizienten Gebäude in die Pflicht kommen (50er/60er), mag das sein.


    2. Die Hauseigentümer müssten etwas nachdenken, bevor sie sanieren. D.h. sie müssen ausdrücklich ermutigt werden, bei gestalterisch hochwertigen Gründerzeit-Gebäuden nicht gerade die Fassade zu zerstören, sondern eher Dächer, Rückfassaden, Heizungsanlagen zu sanieren, bei entsprechender Qualität der Ersatzes ggf. auch Fenster auszutauschen. Mir schwebt zusätzlich vor, gestalterisch hochwertige Gebäude schon im Gesetz ausdrücklich auszunehmen. Das müsste niederschwellig, auch gebietsweise, von der Denkmalbehörde oder dem Bezirksparlament festgelegt werden können, also als Instanz zwischen gar keinem Schutz und dem strengen eigentlichen Denkmalschutz.