Posts by nothor

    Man muss sich halt davon verabschieden, dass "Denkmalschutz" eine Wissenschaft ist. Sie bedient sich zwar wissenschaftlichen Methoden, aber im Grunde ist es Politik, die von Partikularinteressen gelenkt wird.

    Das Problem ist ja, dass von Denkmalämtern zugelassene Veränderungen als "reversibel" bezeichnet werden, selbst wenn dadurch Decken durchbrochen, Dachfiguren verändert oder ganze Gebäudeflügel abgerissen werden. Veränderungen, die ohne Denkmalschutz vorgenommen wurden, sind per sé stets irreversibel und verhindern dann den Schutzstatus. Das ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Jede Baumaßnahme ist reversibel, Rekonstruktionen überall auf der Welt beweisen das.

    Also ich bin mit dem Neubau eigentlich sehr zufrieden. Im Vergleich zum Vorgängerbau, dessen größte Stärke die Unsichtbarkeit war, ist der Neubau eine erhebliche Aufwertung. Er passt natürlich besser zum Saalbau aus den 1950'ern, der ebenfalls voll aus Sandstein ist und in der Geometrie ähnlicher ist als zum Eckhaus mit der Sonnenuhr. Am Neubau habe ich im Grunde wenig auszusetzen.


    Viel wichtiger wäre mir langsam eine Info zum Haus zum Savoyischen Kreuz! Der ganze Komplex ist schließlich erst dann fertig, wenn die Ruine rekonstruiert ist!

    Ich weiß nicht. Das trendet gerade durch die Medien, und muss auch als Programmatik einer Ministerin auf Zeit angesehen werden, die ja irgend ein heilversprechendes Programm benötigt. Aber das auch umzusetzen, also fertig zu designen, zu entwickeln, die Strukturen wie entsprechende Fabriken zu schaffen - und das in einen bestehenden, voll ausgelasteten Bausektor hinein - ich sehe nicht wie das kurzfristig passieren könnte. Zumal der Staat das auch nicht selbst machen wird, sondern von der Industrie entsprechende Lösungen sucht. Aber hat die eigentlich ein Interesse daran?


    Und was ist mit den Architekten und dem ganzen Stakeholdern, die mit Wettbewerben, Auslobungen, usw. ihr Geld verdienen? Gibts das dann nicht mehr? Umschulen auf Lehramt allezusammen!?


    Und zuguter letzt: Um Plattenbauten in großem Stil hochzuziehen, die Städte zu verschandeln, ja dazu müsste man erstmal entsprechend Bauplätze haben in stadtbildprägenden Lagen.


    Ehrlich, ein paar neue Plattenbauten an irgendwelchen Stadträndern schrecken mich nicht wirklich. Und dass es wieder hektargroße Betonwerke gibt, ganze Wohnungsbaukombinate, wie zu DDR-Zeiten, das kann ich mir nicht vorstellen.


    Nennt mich naiv, aber die Forderung nach einer modularisierten, vereinheitlichten Wohnungsbau in ganz Deutschland halte ich für heiße Luft. Selbst stark kostenorientierte Wohnungsbaugenossenschaften vervielfältigen ihre Wohngebäude nicht einfach, jedenfalls beobachte ich das hier nirgends. Das könnten sie ja theoretisch bereits jetzt tun. Nun ist es aber so dass auch die Design-Trends am Bau schnelllebig sind, und im Trend wollen sie ja alle sein.

    Strenggenommen darf das Stadtarchiv dies nur machen wenn es die Erlaubnis des Fotografen hat oder? Sonst gilt die 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen Regel.


    Rechtsgrundlage

    Richtig, aber die Bilder sind meist entweder aus der Stadt übereignetem Nachlass oder damals bereits in ihrem Auftrag gemacht worden.

    Ja. Vom bloßen Aufnahmedatum der Fotos her kann man deshalb nicht auf ein Erlöschen des Urheberrechts schließen. Man muss das Sterbedatum des Fotografen kennen.

    Ich habe eine andere Auskunft vom Stadtarchiv Nürnberg bekommen, vor sicher 10 Jahren: Da wird abgestellt auf das Datum der Anfertigung des geteilten Content, wenn ich das sinngemäß wiedergebe und mich richtig erinnere. Dh. wenn das Stadtarchiv ein Digitalisat anfertigt von einer egal-wie-alt-Analogaufnahme, dann beginnt das Urheberrecht für dieses Digitalisat erneut, da alle Retuschen, Korrekturen, Aufbesserungen usw. geschützt sind. Das Urheberrecht liegt deshalb auch beim Stadtarchiv, und nicht bei Herrn Schmidt, Frau Gerardi oder sonstwem. Aus diesem Grunde kaufe ich historische Aufnahmen immer und digitalisiere selber, da bin ich safe. Alles andre wäre mir zu heikel.

    Man möge mich aber korrigieren wenn ich hier auf dem Holzweg bin.

    Das Haus des Spiels ließe sich ja auch mit rekonstruiertem Pellerhaus umsetzen. Solange die Altstadtfreunde bei ihren Vorschlägen bleiben ließe sich das wesentlich kostengünstiger, sogar mit Spenden aus der Bürgerschaft realisieren. Eine win-win-Situation. Mal sehn wann die Politik das erkennt.

    Nein, die Gewinnerwartung ist in vielen Fällen eben nicht mehr sicher, da die Mieten nicht in gleichem Maße steigen.

    Das spielt aber wohl kaum eine Rolle. Entsprechende "Verluste" durch nicht erzielte Einkünfte kann man sicherlich steuerlich berücksichtigen. Wenn du eine Wohnungsfinanzierung mit einer bestimmten Miete kalkulierst, und diese dann nicht erzielen kannst, könnte man daraus ja einen Verlust errechnen, der deine Steuerschuld mindert. Ich denke solche Modelle dürften das "Wohnungsnotmärchen" weiter befeuern. Ich persönlich kenne niemanden, der verzweifelt eine Wohnung sucht und deswegen auf der Straße oder irgendwo in einer Besenkammer haust. Aber jeder, den ich kenne, hätte gerne eine billigere, größere und modernere Wohnung! Perfekte Ausgangslage für ein Lobbyistenmärchen vom "dringend benötigten Wohnraum", wo das doch das einzige Invest ist, das aktuell als sicher gilt.

    Ja, aber was hilfts? Architektur ist ent-demokratisiert, selbst sog. "Wettbewerbe" sind eigentlich geschlossene Veranstaltungen, bei denen vorausgewählt wird, wer sich beteiligen darf, und wie bei den Krähen, die eine der anderen nicht das Auge aushackt, wird da vielleicht nicht offen kritisiert.

    Mir kommt es manchmal so vor, als wollten manche Entscheider sich nicht die Blöße geben sich vorwerfen zu lassen, einen Entwurf nicht in irgend einer verschwurbelten Qualität zu erkannt zu haben, wenn sie sagen "Hä" wie "hässlich" oder so, und aus lauter Verlegenheit wird dann der dümmste Entwurf gewählt. Ist ja nicht so dass die Architekten alle voll Selbstbewusstsein strotzen. Das tun sie nur beruflich, weil sie es müssen, aber es sind eben auch nur Menschen.

    Ja, auch Modernisten brauchen 4 Wochen im Jahr Ornamente und Licht/Schattenspiele. Immer alles kahl, grau und glatt geht dann doch an die geistige Gesundheit.

    Unterm Strich ist es in meinen Augen stark an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit, dem Immobilieneigentümern derart tief eingreifend vorzuschreiben, was sie wie mit ihrer Immobilie anzustellen und wieviel sie zu investieren haben. Wenn sich Mieter und Eigentümer einig sind über den Ist-Zustand und die laufenden Kosten, oder der selbstbewohnende Eigentümer keinen Grund für eine energetische Modernisierung sieht, wüsste ich keine gerechtfertigte Handhabe des Staates, da Vorschriften zu machen. Diese hilflosen Versuche, die Heizkosten den Vermietern aufzubürden, oder eben der mal schlecht, mal recht funktionierende Energieausweis sind Ausdruck einer orientierungslosen Politik. Die CO²-Bepreisung wäre m.E. das einzig faire Instrument, aber auch nur wenn hier das Verursacherprinzip gilt und es keine Ausnahmen davon gibt. Wenn Verkehr und bestimmte Industrien davon ausgenommen sind, dann ist es inakzeptabel.

    Woran misst sich das denn? Am Energieausweis? Ich habe z.B. keinen, zumindest weiß ich von keinem für unser Haus. Und als selbstbewohnendem Eigentümer interessiert mich der Energieausweis auch garnicht, da ich die Heizkosten und -technik genau kenne. Und Mieter? In Großstädten dürfte der Markt aktuell nicht so funktionieren, dass Mietinteressenten kehrt machen, weil ihnen der Energieausweis nicht passt, sondern sie interessieren sich vielmehr für die Gesamtmiete und dafür, dass sie stabil bleibt. Faktisch bleibt das Problem ja bestehen, dass günstiger Wohnraum aufgrund energetischer Sanierung verloren geht und die Grundmieten deshalb stark ansteigen. Über Heizkosten nachzudenken lohnt sich für viele dann schon garnicht mehr, denn zu den Kostensparstrategien wie "im Winter reichen 19°C" oder das Badezimmer muss nicht rund um die Uhr 22°C haben, kommen die Menschen dann gar nicht mehr. Für Vermieter mag sich die Offensive durchaus lohnen, denn aus variablen Kosten, die die Mieter stark selbst beeinflussen können werden Fixkosten, an denen nichts mehr zu drehen ist. Geld, das Energieversorger von Mietern bekommen haben bekommt nun der Vermieter, und zwar fix und unveränderlich. Klassischer Staubsauger-in-den-Geldbeutel-Effekt.

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    Diese EU-Richtlinie ist doch kaum ernst zu nehmen. Bis 2030 alle Gebäude zu Null-Energiehäusern? Wenn man mal die Lebensdauer bestehender Anlagen ansieht bedeutet das gigantische Mengen an laufenden und nutzbaren Installationen auszutauschen. Wenn man es nichteinmal schafft, den Verkehrssektor bis 2035 frei von fossilen Energieträgern zu bekommen, obwohl hier die Lebensdauer aller Anlagen wesentlich kürzer und die Investition wesentlich kleiner wäre, wie soll das bei Gebäude funktionieren?


    Mich beunruhigt diese Vorlage, die sicher im Rahmen eines quasi religiösen Klimaschutzverständnisses auftaucht auch sehr, aber nüchtern betrachtet ist das weder durch- noch umsetzbar. Man stelle sich mal Paris, Wien oder Budapest vollständig gedämmt vor.... Ein Irrsinn. Was ich aber für möglich halte ist durch gezielte, sinnvolle Investitionen die Emissionen zu reduzieren und den restenergiebedarf vollständig aus Erneuerbaren - oder, für Länder die es so wollen, aus Atomkraft.


    Man darf eins nicht vergessen: Die Klimaschutz wird von der Deutschen Politik deswegen so forciert, weil man hier einen Markt sieht, und hofft dass alle Volkswirtschaften, die ebenfalls auf den Klimaschutzzug aufspringen wollen, dann technisch führende deutsche Industrielösungen kaufen. Aber warum sollten das alle EU-Länder wollen? Deutsche Heizungsanlagen, Dämmsysteme, Solardächer usw. kaufen, wenn wir gelichzeitig deren nagelneue Kernkraftwerkstechnologie ablehnen. Krach ist vorprogrammiert, und wie Majorhantines voraussagt wird eine wachsweich gespülte Version zu erwarten sein, die niemandem weh tut. Hoffentlich. Schlimm genug wieviel Baukunst aktuell auf dem Scheiterhaufen des Klimaschutzes verheizt wird.

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    Es gibt halt Nürnberger - und ich unterstelle, dass er ein Nürnberger ist - die die Stadt richtiggehend hassen. Weil sie nicht New York ist, oder Tokio, oder wenigstens München. Das Opernhaus als historisches Gebäude ist da eine willkommene Projektionsfläche: Weg damit, denn es steht der New-York-Werdung im weg!

    Heimdall: Dein Beispiel mit dem Zigeunerschnitzel: Ich verstehe was du meinst, aber ich gehe von einer anderen Ausgangssituation aus: In meiner Realität ist es eine Mehrheit, die kein Problem hat mit dem Begriff, aber einer Minderheit übertrieben viel Raum einräumt, und sich sogar die Umbenennung gefallen lässt, solange sie nur wissen wie es nun heisst und wo sie soetwas noch essen können. Ich unterstelle tatsächlich, dass es eine sehr laute Minderheit ist, die die Mohrenapotheken, bestimmte Kinderlieder, Straßennamen, Denkmäler und sonstige Dinge abschaffen wollen. Kann natürlich sein dass ich hier falsch liege und mich selbst einer Mehrheit zurechne, die keine mehr ist.

    Ohne Denkmäler weiß man nicht mehr wo man ist, wer man ist, wer die anderen sind, was geschehen ist und was geschehen kann. Dieser Kulturnihilismus, der in diesem Interview rüber kommt, widert mich total an. Sie versteht es als Ausdruck modernem Kulturverständnisses, keine Kultur zu definieren, keine Symbolik, keine Figuren, keine Narrative mehr. Nur noch "Möglichkeiten": Ein Buch ist nur dann gut, wenn seine Seiten nicht beschrieben sind.

    ...aber ich Frage mich immer öfter wo sind wir (als Gesellschaft) gelandet...

    An einem Punkt der totalen Sättigung. In einer Wohlstandsgesellschaft, die es sich leistet jedem zuzuhören und alles in Frage zu stellen. Wenn es Ausdruck von Meinungsfreiheit ist, Naturgesetze in Frage zu stellen, dann ist es erst Recht diskussionsfähig, Kultur in Frage zu stellen.


    Ich bin aufgewachsen in der Überzeugung, dass ein Denkmal ein Denkmal ist, man muss es nicht schön finden, aber es ist als Zeugnis der Geschichte grundsätzlich nicht disponibel. Aber wenn erstens ein Ereignis oder ein Mensch in allen Facetten perfekt gewesen sein muss, um ihm gedenken zu dürfen, und gleichzeitig kultiviert wird, dass wir alle als Menschen nicht perfekt sind und wir alle Fehler haben, dann endet alles in einem relativierenden "aber:..."-Brei, in dem nichts mehr richtig und nichts mehr falsch ist. Unser allgemeiner Wohlstand hat m.M. auch starke destruktive Wirkungen.

    Mobilität auf dem Lande und in der Stadt kann man doch nicht wirklich miteinander vergleichen. Dass man das alles in einen Topf wirft ist m.E. die Ursache dafür, dass sich nichts ändert bzw. modernisiert. Radwege, Fußgängerzonen und U-Bahnsysteme sind ein Rezept, das in der Stadt funktioniert, aber auf dem Lande kommt man damit keinen Meter weit. Die Kosten pro Personenkilometer sind astronomisch im Vergleich zur Großstadt. "ÖPNV fördern, Spritpreise rauf" kann also nur für die Stadt gelten, "Freie Fahrt für freie Bürger" ebenso nur fürs Ländliche.


    Aber niemand wagt es ein Konzept zu entwickeln, dass diese Unterschiede aufnimmt. Das müsste Dinge beinhalten wie City-Maut, P&R, steigende PKW-Steuern usw. Alles schon bekannt, nur selten effektiv umgesetzt. Denn wenn man den Leuten in der Stadt gute ÖPNV-Angebote macht, und sie aufs eigene Auto verzichten, dann steht mehr Platz für Pendler bereit, weniger Staus und mehr Parkplätze macht das Pendeln dann noch attraktiver. Die Abgase von Pendlern stinken den Stadtbewohnern aber genauso. Und warum soll ich als Stadtmensch damit einverstanden sein, dass mein Steuergeld hergenommen wird damit Pendler billig durch mein Viertel fahren können.


    Ich fände es extrem normal, wenn man eine teure Citymaut bezahlen muss, um mit dem PKW in eine enge, aber beliebte Stadt fahren zu dürfen. Und wenn ich als Alternative ein P&R-Stellplatz bekäme, an dem ein ÖPNV-Ticket gekoppelt ist, dann wäre das Pendeln kein Problem mehr für die Stadtbewohner.


    Und wer vom Lande in die Stadt pendelt, der muss sich eben daran gewöhnen. Es gibt ja kein Grundrecht darauf, billig und schnell mit dem Auto überall hin fahren zu dürfen, wenn es andere Menschen einschränkt oder gesundheitlich belastet. Wer sich entscheidet aufs land zu ziehen obwohl der Arbeitsplatz in der Stadt ist, zahlt halt einen preis. Den zahlen alle Stadtbewohner ebenso, wenn sie für ihre Miete nur die halbe Wohnfläche bekommen, oder den Verkehrslärm ertragen müssen.


    Umgekehrt ist es ja das gleiche, der Stadtbewohner, der aufs Auto verzichtet, muss Kopfstände machen wenn er jemanden am Land besuchen möchte. Weiß ich aus eigener Erfahrung, Leute, die ins Umland ziehen, wollen gerne dass man sie da in ihren neu gebauten Eigenheimen besucht. Das Dahinkommen ist aber so eine Odyssee, das macht man einmal und dann nie wieder. Und extra ein Auto mieten um irgendwo einen Kaffee zu trinken, ist irgendwie ungeil.

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    Ja genau, aufs Land ziehen, weil das Wohnen in der Stadt zu teuer ist, sich ein weiteres Zimmer mit 4 Rädern kaufen und dann damit in die Stadt fahren. Das ist Städtebau- und Mobilitätspolitik in Deutschland.

    Plauen ist schon schön, wir sind auch immer wieder mal dort und sind erstaunt, wie effektiv Gründerzeitarchitektur urbane, fast metropolitane Stadtbilder erzeugt. Plauen wirkt daher an vielen Stellen so wie Leipzig oder Dresden. Dazu noch die Straßenbahn, perfekt ist das urbane Stadtbild.


    Hat denn jemand von euch auch Aufnahmen aus Treppenhäusern und Wohnungen, wie schaut es dort aus mit dem Erhaltungsstand bzw. der Sanieurngsqualität? Sind Deckenmalereien und Stuckdecken häufig anzutreffen oder saniert man hier aussschließließclih billig mit Gipskarton, wie bei uns in Nürnberg üblich?