Posts by nothor

    Bieterverfahren um das zu rekonstruierende "Haus zum Savoyischen Kreuz"

    Diese Woche fand die zweite Bieterrunde um das "Haus zum Savoyischen Kreuz" statt. Und wie ich erfahren habe sind die Altstadtfreunde noch im Rennen! Als einer von drei Bietern! Das Thema Preis sollte nun ausgereizt sein, jetzt geht es noch um das Konzept.

    Leider tritt Markus König im Team mit Julia Lehner an, die heute bereits Kulturreferentin in der GroKo ist und die Idee der Pellerhausrekonstruktion aggressiv bekämpft. Das dämpft meine Sympathie für die CSU deutlich, aber die Entscheidung fällt, wenn ich den Wahlzettel sehe. Ich glaube ohne Lehner wären die Chancen der CSU größer. Lehner ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin und gehört auch einer Generation an, die nicht für Wechsel und Aufbruch steht.

    Die Giebelspitze wurde nach dem Krieg aus Ziegelmauerwerk wieder aufgebaut. Im Zuge der Renovierung durch den Eigentümer sind die Ziegelflächen verputzt und gestrichen worden. Eine Wiederherstellung aus Sandstein wurde soweit ich das mitbekommen habe auch nie diskutiert. Auf deinem unteren Foto kann man es nur sehr schlecht erkennen, da war aller Putz ab und die Sandsteinflächen noch unsaniert.

    Der denkmalschutz konterkariert sich in Nürnberg selbst. Er fordert häufiger als es Eigentümer manchmal selbst vorhaben, an Denkmälern irgendwelche neuzeitlichen Zutaten hinzuzudichten. Was für ein Quatsch, da wird eine historisch nicht belegte und nicht bedeutende Zeitschicht erfunden und hinzugefügt. Wozu dann der Denkmalschutz? Ich schüttel nur noch den Kopf über diese elfenbeinturmartige Amtsausübung.


    Hoffen wir dass das nicht so kommt, zumal ich auch hoffe, dass die IHK höchstselbst auch keine albernen Experimente wünscht, nachdem sie selbst im Zuge der Sanierung Denkmalsubstanz sorgfältig saniert haben.

    @"Heimdall": Was ich zumindest feststelle ist, dass das Verbot des Hakenkreuzsymbols auch nur das Symbol aus dem Alltagsleben verbannt hat, aber keineswegs das, wofür es steht. Es ist eben in meinen Augen ein einfacher, viel zu kurz gedachter Reflex, einfach ein Symbol zu verbieten, wenn man eigentlich eine Ideologie bekämpfen will. Zumal dieses Hakenkreuzverbot ja auch eher ein Papiertiger ist, wer regelmäßig auf Flohmärkte und Auktionen geht weiß was ich meine. Bei den Schmähplastiken an mittelalterlichen Kirchengebäuden würde ich sogar sagen, dass die Klage in Wittenberg kontraproduktiv ist, denn sie rückt etwas in den Fokus was vielen Menschen so gar nicht aufgefallen wäre. Ich jedenfalls kann die altgotische Inschrift nicht entziffern, und ich kann in den Menschenfiguren auch keine Juden erkennen, ich höre aber mittlerweile ständig entsprechende Erklärungen. Das hat tatsächlich Bildersturm-Charakter.

    Die Idee des Pfarrers Block kann ich gut nachvollziehen, und sie geht in meinen Augen in die richtige Richtung. Die Verknüpfung der historischen Schmähplastik mit einer aktuellen Stellungnahme und -bewertung sollte augenfällig und unübersehbar sein. Das Lichtband ist eine gute Idee, an soetwas habe ich auch schon gedacht. Man muss aber gut aufpassen, dass es die Plastik nicht überhöht oder missverständlich würdigt. Dass es vielen Menschen so, wie es aktuell ist, nicht ausreicht, kann ich nachvollziehen. Und wenn man sich die Stadtkirche von Wittenberg auf Fotos ansieht, und von der Schmähplastik weiß, aber nicht um die abmildernden Maßnahmen, sieht es so aus als hätte sich dort gar nichts getan. Soweit es einen Wertewandel in der Kirchengemeinde gibt, sollte der auch sichtbar sein. Deswegen muss man die Plastik nicht abnehmen, aber man sollte sie deutlich in einen Kontext setzen.


    Wir erwarten schließlich dasselbe von anderen Glaubensrichtungen, wenn es dort in alten Schriften heisst Anders- oder Ungläubige sollten getötet werden.


    Früher dachte ich, dass solche "Judensauen" an nahezu jeder mittelalterlichen Kirche zu finden seien, aber anscheinend sind sie doch viel seltener als ich dachte (vgl. ZDF "heute-journal" vom 04.02.2020). Das wiederum macht die einzelnen Stücke historisch noch viel bedeutender, weil sie wohl Rückschlüsse auf den religiösen Eifer in der jeweiligen Kirchengemeinde in früheren Zeiten erlauben. Demzufolge sollte wohl auch jede Gemeinde ihren individuellen Weg damit finden. Sie einfach abzubauen und irgendwo in eine Vitrine zu stellen... naja, das Verbot des Hakenkreuzes in Deutschland hat ja offensichtlich auch zu nicht mehr geholfen als einer öffentlichen Anscheinwahrung.

    Vielleicht helfen hier ein paar Fotos weiter, als Illustration zu den reichhaltigen, tiefgründigen Informationen hier. Am Schlossplatz selbst, der an sich wirklich trsotlos und vorstädtisch daherkommt, gibt es immerhin eine wiederaufgestellte Bronzestatue des "Alten Dessauer" vor der wieder aufgebauten Marienkirche:



    An sonsten ist der Schlossplatz umgeben von einfachen TZweckbauten aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, von dem hier die attraktiveren zu sehen sind:



    Diese Schule steht bereits seit Langem leer und wird bald abgerissen, und ist damit der Bauplatz für den strittigen Hotelneubau:


    Dreht man sich um sieht man den einzig übrig gebliebenen Flügel des frühbarocken Schlosses:




    Heute steht das Schloss wie ein Fremdkörper da, und da läuten bei jedem geschichtsinteressierten die Alarmglocken, nämlich dann wenn die historisch bedeutende Substanz bereits weitgehend verloren ist und eine Ausnahme darstellt. Deshalb stehen sich die Fronten jener, die den "Weg der Moderne" hier weitergehen wollen und jenen, die hier die historisch verwurzelte Seele einer einstmals blühenden Residenzstadt verblühen sehen, gegenüber.

    Traurig, dass sich in der Politik irgendwie eine Aversion gegen "Bürgersinn" etabliert hat. Selbst Projekte, die vollständig spendenfinanziert und privat organisiert sind (keine Investoren), sehen sich Missbilligung und Schmäh von politischer Seite ausgesetzt, ist in Nürnbegr leider auch so.

    Ich hoffe, dass da irgendwann mal eine Nutzung mit Publikumsverkehr reinkommt (Cafe, Buchhandlung, meinetwegen auch ein besserer Klamottenladen) - Galerien sind meistens "tot".

    Galerien würde ich mal als "Pionier"-Nutzung beschreiben. Besser als nichts, aber für ein umsatzstarkes Gewerbe reichts es an dem Ort wohl noch nicht. Das wird also noch!

    Mich hat die Nachricht auch ziemlich erschrocken, aber nüchtern betrachtet kann ich sie schon nachvollziehen. Bei der Sanierung in den 1990'ern - bin dort nämlich zur Schule gegangen und habe die Brücken jeden Tag benutzt - hat man die Fahrbahn der Langen Brücke verbreitert, in der Folge sind die gemauerten Bögen kaum noch wahrnehmbar, da sie weit unter der auskragenden Fahrbahn im Schatten stehen. Die "Behelfsbrücken" sind nun selbst bald 30 Jahre alt und haben einen gewissen Bestandsschutz. Das ganze Konglomerat an Brückenbauten - die mehrfach und mittlerweile zur Unkenntlichkeit verbreiterte historische lange Brücke und die an sich gar nicht hässliche "Behelfsbrücke" - bilden vis à vis des Köpenicker Schlosses ein merkwürdiges Gesamtbild. Mit dem Neubau besteht die Chance das Bild wieder geradezurücken. Wenn es wieder eine Bogenbrücke wird, womöglich noch mit Mauerwerk verblendet - perfekt.


    Nachtrag: Da fällt mir ein, im Kunstunterricht haben wir damals die Gegend um das Köpenicker Schloss oft als Bildgegenstand genutzt. Ich habe noch zwei Bilder aus dieser Zeit bei mir, die das "Ensemble" aus Behelfsbrücke und Barockschloss zeigen bei mir gefunden.

    Ein anderer Aspekt der Überlebenschance sollte aber genannt werden. Der touristische. Wegen solcher Neubaukisten kommt kein Tourist ins Land. Das heißt, in Zukunft wird es eine härtere Konkurrenz der Städte, Regionen und Länder um Touristen geben.

    Die Deutschen werden in Zukunft vermutlich weniger reisen. Zum Einen, weil sie weniger Geld haben werden. Zum Anderen, weil sie weniger Geld haben wollen (auch um sich als Retter des Klimas besser zu fühlen). Das heißt, sie werden mehr auf Binnentourismus zurückgreifen (müssen), weil dieser für sie bezahlbarer bleiben wird. Balkonien statt Down Under.

    Da fühle ich mich angesprochen, unseren letzten "großen" Urlaub hatten wir 2017, seither sind wir nur der näheren Umgebung unterwegs gewesen, Umkreis 500 km, mit Bahn und Auto. Und es lässt sich auch in Deutschland wunderbar urlauben, und zwar dort, wo man eben von solchen furchtbaren architektonischen Fehltritten verschont bleibt. Denn genau diese Art von Architektur ist es, die einen Urlaubsreif macht. Ich pers. will gar nicht nach "down under" mehr, auch nicht nach Thailand und sonstwohin. Ich habe in meinem Leben mehr gesehen als alle meine Vorfahren, obwohl ich noch nie in Asien, Afrika oder Australien war. Aber in meinen familienbedingten Urlauben in den USA habe ich mehr von den Staaten gesehen als wohl die meisten Amerikaner. Ich bin des Reisens satt und empfinde da keine Sehnsucht oder Sammelwut, was Fernziele angeht. Solange man in Deutschland noch schöne Städte und Dörfer findet, an denen man sich wohl fühlen kann. Wenn man die aber alle mit Technikgläubigkeit und falsch verstandener Modernisierung entstellt und verschandelt, ja dann muss es eben doch immer wieder Italien oder soetwas sein.

    Bauherren, die historisierend oder rekonstruktiv bauen möchten, sind leider die Ausnahme. Bauherren treffen bereits früh im Planungsstadium auf eine Stadtverwaltung, die das nicht fordert oder anregt, sondern ermuntert doch das baurechtlich mögliche herauszuholen um den Bauherren auch zu motivieren seinen Plan durchzuziehen. Letztlich bedeuten mehr Fläche auch mehr Steuern für das Stadtsäckel.


    Ebenso treffen die Bauherren auf Architekten, die ihnen oft jeden Gedanken an ortstypisches ausreden und Luftschlösser von schwebenden Dächern und transparenten Wänden aufschwatzen.


    Und zuletzt kommt natürlich der lukrative Ankermieter, der das Projekt pressewirksam puscht und ganz konkrete, aber selten ortstypische Gestaltungen forciert. Hier: Der Freistaat Bayern mit dem Zukunftsmuseum.


    Nur die wenigsten Bauherren sind dagegen resistent und haben eine konkrete, tragfähige Vision eines Neubaus, die der Tradition des Ortes gerecht wird. Diese Bauherren sind oft schon in Vereinen wie den Altstadtfreunden aktiv oder pflegen Kontakt, da passiert soetwas nicht, aber das ist halt die Ausnahme.


    Ich tröste mich etwas damit, dass das hätte auch schlimmer kommen können, dass dafür kein Fachwerkhaus platt gemacht wurde, dass die unsägliche Parkplatzsituation endlich vorbei ist, dass der Stadtraum durchaus elegant komplettiert und ergänzt wurde. Und auch, dass soetwas wie ein "Zukunftsmuseum" in der Nürnberger Altstadt Platz hat: Als versöhnliches Signal an all jene, die das ganze Fachwerk- und Butzenscheiben-Nürnberg als Ursache dafür sehen, dass die Stadt ewige bayerische Zweite ist, die Industrie niederging, der Club frustrierend kickt und wasweissich für Frust schieben, ist das ein gutes Totschlagargument. Ja, diese Nürnberger gibt es leider auch, und das weiß auch die Lokalpolitik.

    Diese Art von Neubauten machen mir Sorgen, Sorgen um die sttrukturelle Zukunft von Dörfern und ländlichen Regionen, deren einzige Überlebenschance darin bestehen dürfte attraktiv für jene zu sein, die den Städten den Rücken kehren wollen. Denn wenn ich eine Großstadt verlassen möchte, um ihrem Stress zu entfliehen, dann habe ich i.d.R. die Wahl zwischen mehreren umliegenden Gemeinden. Am attraktivsten wird dann diejenige sein, die ihren Charakter und ihre architektonische Tradition am besten bewahren konnte. Wenn aber die Gemeinde so modernistisch aussieht wie die Stadt, warum sollte ich dann dort leben wollen?


    Aber vielleicht täusche ich mich da und die Gemeinden sehen ihre Zukunft in der Verdrängung der Anspruchs- und Mittellosen aus den teuer gewordenen Städten, und für diejenigen müssen billige, praktische und Pflegeleichte Wohnungen gebaut werden, die sie an ihre Quartiere aus den Städten erinnern?

    Aua. In Form, Farbe und Material vergriffen. Dass das genehmigt wurde zeigt, dass es keinerlei gestalterische Einschränkungen mehr gibt. Jeder kann das Stadtbild verunstalten womit er will. Da kommen einem die Hundekot-Diskussionen in den Städten richtig albern vor.

    Diese "Himmelslaternen" sind nicht weit entfernt von der Wirkung einer Brandbombe, auch wenn das "Landen und vor Ort abbrennen" des Brennstoffes nicht beabsichtigt ist. Zu Recht sind die Dinger verboten, unheimlich waren die mir als Kind schon. Schlimm genug, dass unser wirtschaftsliberaler Staat den Verkauf dieser Dinger zulässt. Aber verkaufen darf man ja hier alles was nicht für gezieltes punktgenaues Schädigen geeignet ist. Wärmedämmungen zähle ich auch dazu.

    Nicht falsch verstehen, das Bauhaus-Erbe zu kultivieren und zu vermarkten ist richtig. Aber wenn man es wie ein Leichentuch über die ganze Stadt ausbreitet bekomme ich meine Zweifel. Unser Stadtführer hat tatsächlich vertreten, dass das Umweltbundesamt ganz klar eine weiterentwickelte Bauhausarchitektur sei. Und viele der Neubauten an den Straßen, die seit den 1990'ern enstanden, sind natürlich auch dem Bauhauserbe verpflichtet. Das wirkte auf mich dann doch wie Trotz oder Schönreden, und weniger wie ein selbstbestimmter, glücklichmachender Weg der Stadtbildgestaltung.

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    Naja, die Diskussion um die Platzfassung des Schlossplatzes in Dessau zeigt es doch. Die Bürgerschaft schlägt vor, ein historisierenden Entwurf an der Stelle der seit langem leerstehenden Schule aus DDR-Zeiten zu bauen, der sich etwas an die Renaissance des verlorenen Vorgängerbaus anlehnt. Die Stadtverwaltung ist dagegen und möchte, dass der Investor dort das Hotel so bauen darf wie er möchte, man erwartet dass etwas modern-bauhausmäßiges entsteht. Wir alle wissen wohl, was das bedeutet. Selbst wenn dort eine hervorragende Bauhaus-Adaption entstehen würde kann man sich fragen, ob das die beste Lösung für den Platz ist, neben frühgotischer Stadtkirche und Renaissance-Schloss - und unzähligen Plattenbauten. Fotos davon kann ich erst später liefern, die krieg ich aktuell noch nicht von der Kamera.