Posts by nothor

    Stimmt. Ich habe ein Baumeisterbuch von 1907 aus dem Antiquariat. Dort steht als Lehrmeinung dieser Zeit, dass Außenwände immer aus 38'er Mauerwerk auszuführen sind, also immer drei Längslagen Ziegelsteine. Als Grund wird explizit die Wärmedämmung genannt, nicht etwa Statik oder so. Wärmedämmung! Seit man in den 1950'ern und 1960'ern dann teilweise auf eine Ziegellage abspeckte, weil Energie war ja damals billig, dann ist das die Keimzelle des Dogmas vom "energetisch problematischen Altbau". Dabei sind die Häuser vor 1945 i.d.R. safe, und wenn es doch ein Problem gibt liegt es meist an Türen oder Fenstern.

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    Ja leider, erhärtet meine Sichtweise auf die Wärmedämmerei bei Baudenkmälern bzw. auch bei kunsthistorisch wertvoller Bausubstanz. Es ist nicht nur teuer, entstellt nicht selten das Bauwerk und richtet am Ende viel Schaden an. :-(

    Heute lässt sich Stadtratskandidat Michael Bengl für die CSU mit einem Bild des Pellerhauses in der NZ ablichten, für dessen Wiederaufbau er sich engagiert! Michael Bengl ist auch Altstadtfreunde-Mitglied und zeichnet sich dadurch finde ich besonders aus als Fürsprecher einer zukunftsgerichteten Altstadt-Baukultur. Somit bietet die CSU durchaus Alternativen an, bei denen man in 14 Tagen Kreuzchen setzen darf.

    Ich habe da meine Zweifel ob dieses Hotel überhaupt entstehen wird. Es bedeutet einen Zuwachs von nur 60 Zimmern, von 190 auf 250. Mit jahrelangen Arbeiten und weiteres Drehen an der Preisschraube für Hotelzimmer nach unten.

    Die CSU scheint da mehr pragmatisch als dogmatisch zu sein. Die Praxis, den Denkmalschutz aufzuheben um einen Abriss zu ermöglichen, ist ja bereits Alltag. Das entsprechende Argument wäre ein unwirtschaftliches Sanierungskonzept oder eines, dass das bestehende Denkmal substanziell durch massive Eingriffe ruiniert. Dem gegenüber stünde ein Leutturmprojekt mit Strahlkraft, das zudem teilweise Spendenfinanziert sein könnte. In der Tat glaube ich, dass die CSU da wohl am ehesten mitgehen würde. Mal sehen, die Plakate sind für meine Entscheidung jedenfalls hilfreich. Das ist ureigenste Kommunalpolitik, viel mehr als Umwelt- oder Sozialthemen.

    Aus meiner Sicht ist die Haltung der Rekonstruktionsgegner dogmatisch, und mit zwei wesentlichen Argumenten verknüpft. Das eine ist der bestehende Denkmalschutz, das andere ist das "was weg ist ist weg"-Argument. Und diese zwei Argumente verstellen den Blick für alles andere. Sobald es aber um konkrete Kosten, Konzepte usw. geht wird es dannschwierig, und ich denke jene, bei denen die beiden o.g. Argumente nicht verfangen, sind dann auch für eine Diskussion zugänglich. Das Konzept des "Haus des Spiels" leuchtet mir bis heute nicht so ganz ein, auch wenn ich es ganz spannend finde. Ich verstehe allerdings nicht wieso das zwingend an den bestehenden Bau gekoppelt ist, aus meiner Sicht wäre es besser in einem rekonstruierten Pellerhaus aufgehoben. Die Rekogegner verbinden das aber alles immer untrennbar miteinander, ohne es genau zu begründen.

    Bieterverfahren um das zu rekonstruierende "Haus zum Savoyischen Kreuz"

    Diese Woche fand die zweite Bieterrunde um das "Haus zum Savoyischen Kreuz" statt. Und wie ich erfahren habe sind die Altstadtfreunde noch im Rennen! Als einer von drei Bietern! Das Thema Preis sollte nun ausgereizt sein, jetzt geht es noch um das Konzept.

    Leider tritt Markus König im Team mit Julia Lehner an, die heute bereits Kulturreferentin in der GroKo ist und die Idee der Pellerhausrekonstruktion aggressiv bekämpft. Das dämpft meine Sympathie für die CSU deutlich, aber die Entscheidung fällt, wenn ich den Wahlzettel sehe. Ich glaube ohne Lehner wären die Chancen der CSU größer. Lehner ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin und gehört auch einer Generation an, die nicht für Wechsel und Aufbruch steht.

    Die Giebelspitze wurde nach dem Krieg aus Ziegelmauerwerk wieder aufgebaut. Im Zuge der Renovierung durch den Eigentümer sind die Ziegelflächen verputzt und gestrichen worden. Eine Wiederherstellung aus Sandstein wurde soweit ich das mitbekommen habe auch nie diskutiert. Auf deinem unteren Foto kann man es nur sehr schlecht erkennen, da war aller Putz ab und die Sandsteinflächen noch unsaniert.

    Der denkmalschutz konterkariert sich in Nürnberg selbst. Er fordert häufiger als es Eigentümer manchmal selbst vorhaben, an Denkmälern irgendwelche neuzeitlichen Zutaten hinzuzudichten. Was für ein Quatsch, da wird eine historisch nicht belegte und nicht bedeutende Zeitschicht erfunden und hinzugefügt. Wozu dann der Denkmalschutz? Ich schüttel nur noch den Kopf über diese elfenbeinturmartige Amtsausübung.


    Hoffen wir dass das nicht so kommt, zumal ich auch hoffe, dass die IHK höchstselbst auch keine albernen Experimente wünscht, nachdem sie selbst im Zuge der Sanierung Denkmalsubstanz sorgfältig saniert haben.

    @"Heimdall": Was ich zumindest feststelle ist, dass das Verbot des Hakenkreuzsymbols auch nur das Symbol aus dem Alltagsleben verbannt hat, aber keineswegs das, wofür es steht. Es ist eben in meinen Augen ein einfacher, viel zu kurz gedachter Reflex, einfach ein Symbol zu verbieten, wenn man eigentlich eine Ideologie bekämpfen will. Zumal dieses Hakenkreuzverbot ja auch eher ein Papiertiger ist, wer regelmäßig auf Flohmärkte und Auktionen geht weiß was ich meine. Bei den Schmähplastiken an mittelalterlichen Kirchengebäuden würde ich sogar sagen, dass die Klage in Wittenberg kontraproduktiv ist, denn sie rückt etwas in den Fokus was vielen Menschen so gar nicht aufgefallen wäre. Ich jedenfalls kann die altgotische Inschrift nicht entziffern, und ich kann in den Menschenfiguren auch keine Juden erkennen, ich höre aber mittlerweile ständig entsprechende Erklärungen. Das hat tatsächlich Bildersturm-Charakter.

    Die Idee des Pfarrers Block kann ich gut nachvollziehen, und sie geht in meinen Augen in die richtige Richtung. Die Verknüpfung der historischen Schmähplastik mit einer aktuellen Stellungnahme und -bewertung sollte augenfällig und unübersehbar sein. Das Lichtband ist eine gute Idee, an soetwas habe ich auch schon gedacht. Man muss aber gut aufpassen, dass es die Plastik nicht überhöht oder missverständlich würdigt. Dass es vielen Menschen so, wie es aktuell ist, nicht ausreicht, kann ich nachvollziehen. Und wenn man sich die Stadtkirche von Wittenberg auf Fotos ansieht, und von der Schmähplastik weiß, aber nicht um die abmildernden Maßnahmen, sieht es so aus als hätte sich dort gar nichts getan. Soweit es einen Wertewandel in der Kirchengemeinde gibt, sollte der auch sichtbar sein. Deswegen muss man die Plastik nicht abnehmen, aber man sollte sie deutlich in einen Kontext setzen.


    Wir erwarten schließlich dasselbe von anderen Glaubensrichtungen, wenn es dort in alten Schriften heisst Anders- oder Ungläubige sollten getötet werden.


    Früher dachte ich, dass solche "Judensauen" an nahezu jeder mittelalterlichen Kirche zu finden seien, aber anscheinend sind sie doch viel seltener als ich dachte (vgl. ZDF "heute-journal" vom 04.02.2020). Das wiederum macht die einzelnen Stücke historisch noch viel bedeutender, weil sie wohl Rückschlüsse auf den religiösen Eifer in der jeweiligen Kirchengemeinde in früheren Zeiten erlauben. Demzufolge sollte wohl auch jede Gemeinde ihren individuellen Weg damit finden. Sie einfach abzubauen und irgendwo in eine Vitrine zu stellen... naja, das Verbot des Hakenkreuzes in Deutschland hat ja offensichtlich auch zu nicht mehr geholfen als einer öffentlichen Anscheinwahrung.

    Vielleicht helfen hier ein paar Fotos weiter, als Illustration zu den reichhaltigen, tiefgründigen Informationen hier. Am Schlossplatz selbst, der an sich wirklich trsotlos und vorstädtisch daherkommt, gibt es immerhin eine wiederaufgestellte Bronzestatue des "Alten Dessauer" vor der wieder aufgebauten Marienkirche:



    An sonsten ist der Schlossplatz umgeben von einfachen TZweckbauten aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, von dem hier die attraktiveren zu sehen sind:



    Diese Schule steht bereits seit Langem leer und wird bald abgerissen, und ist damit der Bauplatz für den strittigen Hotelneubau:


    Dreht man sich um sieht man den einzig übrig gebliebenen Flügel des frühbarocken Schlosses:




    Heute steht das Schloss wie ein Fremdkörper da, und da läuten bei jedem geschichtsinteressierten die Alarmglocken, nämlich dann wenn die historisch bedeutende Substanz bereits weitgehend verloren ist und eine Ausnahme darstellt. Deshalb stehen sich die Fronten jener, die den "Weg der Moderne" hier weitergehen wollen und jenen, die hier die historisch verwurzelte Seele einer einstmals blühenden Residenzstadt verblühen sehen, gegenüber.

    Traurig, dass sich in der Politik irgendwie eine Aversion gegen "Bürgersinn" etabliert hat. Selbst Projekte, die vollständig spendenfinanziert und privat organisiert sind (keine Investoren), sehen sich Missbilligung und Schmäh von politischer Seite ausgesetzt, ist in Nürnbegr leider auch so.

    Ich hoffe, dass da irgendwann mal eine Nutzung mit Publikumsverkehr reinkommt (Cafe, Buchhandlung, meinetwegen auch ein besserer Klamottenladen) - Galerien sind meistens "tot".

    Galerien würde ich mal als "Pionier"-Nutzung beschreiben. Besser als nichts, aber für ein umsatzstarkes Gewerbe reichts es an dem Ort wohl noch nicht. Das wird also noch!

    Mich hat die Nachricht auch ziemlich erschrocken, aber nüchtern betrachtet kann ich sie schon nachvollziehen. Bei der Sanierung in den 1990'ern - bin dort nämlich zur Schule gegangen und habe die Brücken jeden Tag benutzt - hat man die Fahrbahn der Langen Brücke verbreitert, in der Folge sind die gemauerten Bögen kaum noch wahrnehmbar, da sie weit unter der auskragenden Fahrbahn im Schatten stehen. Die "Behelfsbrücken" sind nun selbst bald 30 Jahre alt und haben einen gewissen Bestandsschutz. Das ganze Konglomerat an Brückenbauten - die mehrfach und mittlerweile zur Unkenntlichkeit verbreiterte historische lange Brücke und die an sich gar nicht hässliche "Behelfsbrücke" - bilden vis à vis des Köpenicker Schlosses ein merkwürdiges Gesamtbild. Mit dem Neubau besteht die Chance das Bild wieder geradezurücken. Wenn es wieder eine Bogenbrücke wird, womöglich noch mit Mauerwerk verblendet - perfekt.


    Nachtrag: Da fällt mir ein, im Kunstunterricht haben wir damals die Gegend um das Köpenicker Schloss oft als Bildgegenstand genutzt. Ich habe noch zwei Bilder aus dieser Zeit bei mir, die das "Ensemble" aus Behelfsbrücke und Barockschloss zeigen bei mir gefunden.