Posts by nothor

    Mich erschrecken die vielen einheimischen Stimmen, die Nürnbergs Identität ablehnen und unbedingt eine neue wollen. Dieses despektierliche "Bratwurst- und Butzenscheiben"-Gerede finde ich unerträglich. Die zerrissene Haltung der Stadtoberen, die einerseits mit den historischen Motiven Werbung machen, aber andererseits eine Weiterentwicklung durch sinnvolle und gezielte Rekonstruktionen kategorisch blockieren, ist da nur symptomatisch.

    Das interessante ist das auch Rekonstruktion und Wiederaufbau für mich emotional anders wirksam werden.

    Wenn ich an Wiederaufbau denke, denke ich an die gestalterische Unzulänglichkeit der heutigen Sebalder Steppe mit all seinen recht einfachen Wohnhäusern, breiteren Straßen und zusammengefassten Grundstücken, den immer rechtwinkligen Fassaden und Fenstern, die heute alle mit Kunststoffrollläden versehen sind, das insgesamt eher fades Stadtbild abgibt.

    Bei Rekonstruktionen aber, und die hat es zur selben Zeit auch zahlreich gegeben z.B. rund um die Sebalduskirche oder unterhalb der Burg kommt keinerlei Unwohlsein auf. Das ist alles so selbstverständlich, authentisch und überzeugend.


    Den Vergleich mit dem Auto mag ich auch gerne, niemand würde auf die Idee kommen bei einer Reparatur eines Autos einen aktuellen Außenspiegel anzubauen anstatt einen originalgetreuen. Mit dem Argument, die neueren Außenspiegel blenden weniger oder bieten bessere Übersicht oder so. Quatsch, da ist es selbstverständlich dass es immer Originalteile sein müssen. Bei Sanierung und Wiederherstellung wertvoller Architektur allerdings muss darum jedesmal gekämpft werden.

    Der Kommentar von "MeggaMaggus" ist in meinen Augen nur nachgeplapperte Allgemeinkritik an den Altstadtfreunden.

    Das was Jahn damals am Augustinerhof geplant hatte war strukturell vergleichbar mit dem Einkaufscenter Maximum am Kornmarkt, oder dem City-Point. Der City-Point wird aktuell für den Abriss vorbereitet und das Maximum quält sich seit Jahrzehnten an der Grenze der Rentabilität, der Abriss wurde hierfür vor wenigen Jahren mal diskutiert, ist aber erstmal vom Tisch. Sprich, wir haben hier ein Beispiel für die Glorifizierung eines gescheiterten Entwurfs, von dem keineswegs gesichert ist dass er ohne Altstadtfreunde überhaupt realisiert worden wäre oder wenn doch, ob er bis heute erfolgreich wäre. Die Zeiten haben sich seit den 1990'ern doch rasant verändert.


    Ganz im gegenteil, ich finde es eher verstörend, wenn sich Nürnberger offenbar nicht mit ihrer Altstadt anfreunden können und stattdessen ein Frankfurt am Main herwünschen, oder ein Chicago. Da würde ich sagen "Thema verfehlt, Kernaussage nicht verstanden".


    Zum Pellerhaus: Ich würde da mal abwarten, ob die Stadt in Kürze tatsächlich noch im Stande sein wird, 35 Mio für eine Sanierung am Egidienberg aufzubringen. Ich glaube nicht dass das unter den Top-Prioritäten bleiben kann, da stehen Volksbad, Konzerthaus, Opernhaussanierung usw. weiter oben auf der Liste. Meine Meinung.

    Hm, du vergisst einen wichtigen Punkt! Das Gebäude wurde nicht aus gestalterischen Gründen aufgestockt, sondern weil es für die Eigentümergesellschaft ein Wirtschaftsgut ist, ein Vermögen darstellt, das entwickelt werden sollte. Und das betrifft alle Gebäude in der Altstadt, wie überall. Da es zumindest in Nürnberg keine straffen Rahmenbedingungen für Gestaltungen gibt - es fehlt eine Gestaltungssatzung, der Ensembleschutz ist wenig effektiv und unter Denkmalschutz stehen nur beschämend wenige Gebäude - ist diesem Entwicklungsdrang leider zu wenig entgegen zu setzen, existieren zu wenige Leitplanken. Aus ästhetischer Sicht ist deine Beurteilung sicherlich weitgehend umfassend, aber was, wenn man das Gebäude nur als Immobilienwert betrachtet, welches ein Potenzial darstellt innerhalb eines Bebauungsplanes? Das ist was ich meinte als ich schrieb "es wurde keine Sekunde über eine Rekonstruktion nachgedacht". Wozu auch, das wäre eine Abwertung des Grundstücks gewesen, eine Verringerung der verwertbaren Geschossfläche, ein Verschenken von Förderungen usw. Man muss grundsätzlich davon ausgehen dass die Mehrheit der Hauseigentümer in der Altstadt darüber nachdenken, wie sie ihr Grundstück möglichst hoch, möglichst dicht und möglichst modern (z.B. wegen energetischer Förderung) bebauen können. Wenn dann trotzdem etwas 50'er Jahre-mäßiges herauskommt ist das ein Gewinn für das Altstadtgefühl. Ich erinnere nur an die Stadtbibliothek, die mein persönlicher städtebaulicher Alptraum geworden ist, da ich ihr Entstehen mitbekommen habe und mich das erst zu diesem Thema und zu den Altstadtfreunden gebracht hat.


    Wenn du also die 1950'er Gebäude als Platzhalter beschreibst musst du wissen, dass 99,9% davon einst durch etwas moderneres ersetzt werden, was noch weniger altstadtkonform sein wird (Standardschuhschachtel), und maximal 0,1% von einer Reko ersetzt werden wird.

    Trotzdem wundert mich diese Schärfe, diese Absolutheit im Urteil, auch hier weiter oben wieder "mit Abstand am schlechtesten wiederaufgebaut", "verloren", usw usf.... wirklich zahlreiche absolut vernichtende Urteile...

    Das kann man nur psychologisch erklären glaube ich, da die Liste an sachlichen Argumenten endlich ist, und hier auch regelmäßig wiederholt wird.

    Psychologisch mag es auch eine Rolle spielen, dass der Wiederaufbau Nürnbergs im Grunde ein Bescheidener ist. Bescheiden darin, dass man eben nicht alle Ikonen wieder aufgebaut hat, sondern nur die Großbauten. Und Bescheiden auch in der Qualität der 50'er-Jahre Wohnhäuser. Sie protzen keineswegs mit großformatiger Kunst am Bau, abenteuerlichen Flugdächern oder spacigen Schaufensterfronten. Abgesehen von der Bayerischen Staatsbank am Lorenzer Platz sind alle schönen 50'er-Jahre-Gebäude außerhalb der Altstadt zu finden. Der Wiederaufbau der Altstadt ist dagegen in den Dimensionen eher provinziell und in der Gestaltung durchweg konservativ.

    Aber nun kommts, das Nürnberger Selbstverständnis sieht genau darin etwas ganz großartiges, und schleudert das einem oft auch noch ungefragt entgegen. Dass der Wiederaufbau großartig geworden ist wissen selbst jene, die noch nie hier waren. Deswegen ist wohl unter den Architekturliebhabern die Anbandelung mit der heutigen Altstadt besonders schwierig.

    Um mal zu illustrieren wo wir bei der Aufstockung des ESW-Gebäudes am Hans-Sachs-Platz angefangen haben:


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    Quelle: Evangelisches Siedlungswerk, Vorlage beim Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg, 12.05.2016


    Diese ersten Entwürfe fanden wohl zunächst Zustimmung bei den Juroren und der Stadt, das Bild hat sich erst gewendet als die Altstadtfreunde auf die Schwächen der Entwürfe hingewiesen hatten. Allen voran dieser vollkommen unnötige Kontrast zwischen den bestehenden Bauteilen des 1950'er Jahre-Hauses und den neu gebauten Teilen. Es brauchte also wieder einmal den Widerspruch u.a. der Altstadtfreunde, um die Damen und Herren Architekten zur Vernunft zu bringen.


    Und das zeigt ganz deutlich wo wir in Nürnberg stehen: Nichteinmal das nach dem Krieg geleistete findet gestalterische Wertschätzung und Anerkennung, sondern soll regelmäßig durch modernistische An-, Um- und Aufbauten erkennbar in die Zukunft transferiert werden. Das Ergebnis freilich wäre ein unappetitlicher Architektursalat.

    Deshalb finde ich ist es wichtig, auch der Nachkriegsarchitektur eine gewisse Anerkennung entgegen zu bringen, denn schnell ist es schlecht geredet, und Architekten und Verwaltung träumen dann von etwas ganz neuem, einem Glasturm, einem Hubschrauberlandeplatz, einen begrünten Hochhaus oder sonstwas (alles schon mal dagewesen!). Das Gefüge der Nürnberger Altstadtarchitektur ist nach meinem dafürhalten extrem fragil, da die 1950'er auch so wenig sympathisch sind.

    Die Kritik mag auch daher rühren, dass die Rekonstruktionsbemühungen der Nachkriegszeit einige wesentliche Architekturikonen links liegen ließen. Toplerhaus, Pellerhaus etc. fehlen halt heute immernoch. Gerade beim Pellerhaus, das ja im Nachkriegsbau weiterlebt, bleibt dieser Schmerz und diese Sehnucht erhalten, und wird vor Ort augenscheinlich. Und jeder wird durch diesen eigentlich unnötigen Kontrast aus brutaler 50'er-Jahre Überformung und erhaltenen Resten des Originals dazu gezwungen sich zu entscheiden. Und da kann der Wiederaufbau halt oft nicht punkten. Ich glaube das wird oft auf jedes klitzekleine Wohnhaus in der Altstadt projiziert, oft ohne zu wissen, was dort vorher eigentlich genau war.


    Kurz: Die Reko des Pellerhauses würde den Wiederaufbau der Altstadt als Ganzes deutlich nach vorne bringen und wesentlich befriedigender machen.

    Da laufen schon Gespräche, die Wege in Nürnberg sind kurz.


    In einem der Newsletter der Altstadtfreunde wurde über den Baufortschritt im Pellerhof berichtet, und auch beschrieben, dass die Modalitäten der künftigen Nutzung des Renaissancehofes nicht geklärt sind. Unter diesen Voraussetzungen ist natürlich die Motivation, den Hof zuende zu bauen, nicht mehr so groß. Immerhin fehlen nun noch Türen, Fußböden und Haustechnik usw. Also der Gesprächsfaden zur Stadt ist ohnehin vorhanden, zwangsweise.

    Man könnte sogar soweit gehen und konstatieren, dass das Vorkriegs-Nürnberg in all seiner handwerklichen Einfachheit seine passende Fortsetzung nach dem Wiederaufbau gefunden hat.


    Wie ich letztens in Frankfurt a/M war und dort vom Hauptbahnhof eine etwas wirre strecke Richtung Römer zu Fuß zurücklegte haben mich tatsächlich am meisten die Geschäftshäuser der Wiederaufbauzeit nach dem 2. WK überrascht. Sie haben nahezu alle durchweg ansehnliche Kunst am bau vorzuweisen. Sachen, die in Nürnberg viel bescheidener ausgefallen sind oder mittlerweile aufgrund von Sanierungen ganz verschwunden sind. Selbst Frankfurt a/M ist was die Qualität des Wiederaufbaus anbelangt Nürnberg überlegen. Zumindest in den Details, an den Gebäuden. getzt weiß ich nicht welchen Stellenwert die Architektur dieser Zeit in Frankfurt hat, wahrscheinlich einen Höheren als die Architektur der 1970'er bis 1990'er, soweit es keine Wolkenkratzer sind.


    So wie es vor dem Krieg überall prächtigere Häuser gab als in Nürnberg ist es auch im Wiederaufbau passiert. Nürnberg lebt also von seinem Gesamtbild, und das ist leider nicht mehr stimmig. Erstens, weil es nach dem Krieg zu wenige Rekonstruktionen gab, aus denen der Fußgänger ein Erlebnis ziehen könnte, aber auch zweitens, weil man die Architektur der Wiederaufbaujahre nicht konsequent durchgezogen hat und ihre Leitlinien ab den 1970'ern aufgab. Gut zu sehen am Hans-Sachs-Platz mit dem Bankgebäude, das übrigens an der westlichen Platzkante liegt. Ein Kasten in Blech verkleidet, ohne Dach und einen ganzen Häuserblock einnehmend.... So kann das natürlich nicht funktionieren. Anstatt das als Fehler zu erkennen wurde das mit dem Bau der Uni im Nordosten der Altstadt, der Scharrer-Schule im Norden und der Stadtbibliothek im Osten der Altstadt fortgesetzt. Folglich verliert die Altstadt immer mehr an Identität. Ich würde mich schon freuen wenn man diese Objekte beseitigen würde.

    Es gibt in Nürnberg besonders viele der "Wirtschaftswunderromantiker", für sie ist Nürnberg und sein oft als vorbildhaft geltender Wiederaufbau der Altstadt eben ein gebautes Wirtschaftswunder. Und so ist auch die Aufstockung des ESW-Wohnhauses am Hans-Sachs-Platz zu verstehen. Es steht wie die gesamte Altstadt unter Ensembleschutz. Deshalb war die Vorgabe des Denkmalschutzes eben jene, dass die Aufstockung am Ende quasi nicht sichtbar sein darf, und Fassade wie Dachlandschaft den Charakter der Wiederaufbauzeit haben müssen. An eine Rekonstruktion von etwas aus der Vorkriegszeit wurde keine einzige Sekunde gedacht.


    Wenn man sich mit "Wirtschaftswunderromantikern" unterhält bekommt man auch stark den Eindruck, dass die vom Alten Nürnberg auch wenig gehalten haben. Es sei bereits vor der Zerstörung marode (wie man hier zu fast allem sagt, was man loswerden möchte) gewesen, kleinteilig, dunkel, unhygienisch usw. Nur noch eine romantische Kulisse, bei der niemand hinter die Mauern und Türen hätte gucken wollen. Erst der Wiederaufbau der Wirtschaftswunderzeit hat allen fließendes Wasser, Tageslicht und Luft gebracht.


    Das war jetzt etwas überspitzt, aber ich, der ich in Nürnberg nicht aufgewachsen bin und auch mit dem Begriff des Wirtschaftswunders emotional nicht viel anfangen kann - für mich ist das eher ein mit viel Geld bezahltes Erziehungsprogramm der westlichen Wertegemeinschaft gewesen - sehe das wiederaufgebaute Nürnberg auch eher kritisch. Ein paar mehr Rekonstruktionen auch zu Lasten einiger Nachkriegsbauten würden dem Altstadtgefühl stark weiterhelfen.


    Am Hans-Sachs-Platz gibt es aber auch eine ganz andere Bausünde die weg gehört, und das ist nicht das ESW-Wohnhaus.

    Dabei wäre es so einfach, genau diese Kunst am Bau auch auf eine gedämmte Fassadenhaut aufzubringen. Aber, es wird gestalterisch auf gesamter Linie versagt. Ich hoffe, dass jetzt, da die Leute nimmer so einfach irgendwohin reisen können wo es schön ist, dien Leute bei Verstand sind und eben kein Styropor auf ihre Stadtbilder kleben, dass immer mehr Menschen bemerken wie schwierig es ist diesem Irrsin in Deutschland zu entkommen und wie verheerend es auf unsere Umgebung und unsere Lebensqualität wirkt.


    Der Mensch fühlt: Heizkosten gespart - Juhuu - Aber leider isses hier jetzt hässlich zum wohnen, teurer wurde es auch noch, lass uns umziehen....

    Heute sind Politiker in der Regel viel sattelfester.

    Man könnte auch sagen, heute sind Politiker viel mehr Menschen, denen man auch kleiner Feghler zugestehen kann. Oder ein Rücktritt hat oft weniger mit der Verfehlung an sich zu tun, sondern mehr mit machtpolitischem Gerangel. Oder man hat einfach größere Schwierigkeiten, die Posten im Konsens nachzubesetzen.

    ursus carpaticus Der Anbau ist abgerissen worden weil es noch keine Altstadtfreunde gab. Und bis heute hält sich unter Nürnbergern die Mär, dass die Stadt reich an historischer Substanz sei. Das macht es dem Einzelnen immer leichter, noch das eine oder andere der Modernisierung zu opfern. Und dann sehen sich die Leute um und staunen, hey, es ist ja alles wech!

    Neues zur Rekonstruktion des "Haus zum Savoyischen Kreuz"


    Das Thema hält sich gottseidank in der Nürnberger Lokalpresse und bleibt daher präsent. Die "wiederaufgetauchten Pläne", die streng genommen nie verschollen waren sondern in einem städtischen Archiv säuberlich abgelegt waren und dort auf ihre Bestimmung warteten, sind nun auch vom Denkmalschutzamt beurteilt worden. Die Maßgaben für die beabsichtigte Rekonstruktion haben sich demzufolge angepasst, gefordert wird nun eine detailgetreue Rekonstruktion der Schaufassade, die städtebaulich ja vis-à-vis zum Spielzeugmuseum das Burgviertel prägen könnte. Ein Wiederaufbau mit Beton und Dämmstoffen dürfte damit vom Tisch sein.


    Die Altstadtfreunde haben ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Investors signalisiert. In der Presse blieb das bislang eher unklar und diffus, eine Pressemitteilung der Altstadtfreunde hat das jedoch präzisiert: Wenn das Projekt einen guten Verlauf nimmt übernehmen die Altstadtfreunde die Rekonstruktion des hölzernen Chörleins an der Schaufassade. An der Stelle ist die Fassade aktuell zugemauert.


    Was allerdings etwas Sorge bereitet ist, dass beim Käufer, Sturmtor Immobilien aus Hilpoltstein, aktuell Funkstille herrscht. Beim Denkmalamt wurde noch nichteinmal nachgefragt, und auch die Presse erreicht den Investor nicht für eine Stellungnahme. Für einen selbstbewussten Käufer, der eine der wichtigsten Altstadtprojekte in Nürnberg angehen möchte und dem auch die IHK ihr Vertrauen geschenkt hat, ist das kein gutes Zeichen. Sollten die Kritiker am Ende Recht behalten und das ganze nur ein Hinterzimmerdeal und Spekulationsgeschäft sein?

    Wie der aktuelle Newsletter der Altstadtfreunde von heute zum Thema "Haus zum Savoyischen Kreuz" berichtet, wurde der Verkauf für 1,615 Millionen Euro an die „Sturmtor Immobilien GmbH & Co KG“ in Hilpoltstein bereits notariell besiegelt. Man hatte es also wohl sehr sehr eilig dabei, das Ganze unter Dach und Fach zu bringen, denn es ist aktuell nicht so einfach an einen Notartermin zu kommen, bzw. dachte ich eigentlich das sei aktuell gar nicht erlaubt.



    Das ist ne ziemlich verstörende Angelegenheit, denn ich hätte wohl erwartet, dass angesichts des großen öffentlichen Interesses an dem Projekt die Beteiligten nicht darauf verzichten würden, den Verkauf mitsamt Konzept(!!!) in geeigneter Weise der Öffentlichkeit nahezubringen mit der Botschaft "alles wird gut, wir machen was für Nürnberg!". Stattdessen sieht es nun so aus, als wollte man hier ein krummes Geschäft über die Bühne kriegen und sei dabei ertappt worden. Ich hoffe die Presse bohrt da noch nach.

    Ach herrjeh, diese Stuhl-Installation hatte ich ja schon vergessen. Ja, das zeigt schon ein merkwürdiges Kunstverständnis. Oder noch mehr: Man bekommt den Eindruck dass die eine Kunst wertvoller ist als die andere. Ich persönlich habe ja auch den Eindruck, dass in Nürnberg Kunst von Lebenden mehr wiegt als die Kunst der Vergangenheit. Sprich der Fokus liegt weniger auf der Pflege des mit Kunst aus Jahrhunderten bestückten Stadtbildes, sondern mehr die Aufstellung von brandaktuellen Installationen. Z.B. diese seltsame Containerwand vor dem Neuen Museum, oder die Ölfässer dort, oder eben auch die Kaskade aus goldenen … weiß gar nimmer was das waren, vor dem GNM, goldene Plastik-Madonnen oder sowas. Dazu passt auch, dass man in der Denkmalsanierung auch immer ein modernes Element fordert oder duldet, welche letztlich immer ein Störfaktor ist. Naja und ab da verdichtet sich dann mein Eindruck, denn es gibt im Kulturbetrieb einen festen Focus auf Großveranstaltungen mit vergänglichen Installationen, wie die Blaue Nacht oder das Bardentreffen. Beides gibt es seit Jahrzehnten ohne nachhaltigen Effekt für das Stadtbild. Einst hieß es in der NN oder NZ in einem treffendem Kommentar, dass man doch die eine oder andere dieser Veranstaltungen mal ausfallen lassen könne und das gesparte Geld hergenommen werden sollte für ein Fest der Kulturen in der Südstadt. Denn dieses habe man als Pilot durchgeführt, die stark befahrene Wölckernstraße dafür gesperrt und alle eingeladen: Ein riesen Erfolg! Aus dem Büro der Kulturreferentin hieß es dazu wohl lapidar, dass die hergebrachten Umsonst-Draußen-Veranstaltungen wichtiger seien. Ebenso habe ich Fr. Lehner bei dem Altstadtfreunde-Vorschlag zur Ausmalung des Rathaussaals 2014 als lautstarke Gegnerin wahrgenommen. In der Pellerhaus-Diskussion ebenso.


    Lange Rede, kurzer Sinn, das klingt alles nach einem Kulturbetrieb, in dem die Kulturreferentin bestimmt, was Kultur ist. Und Kultur ist es nur dann, wenn man mit dem Künstler auf einer Vernissage anstoßen kann, man muss sich kennen, man muss sich mögen. Mag sein dass ich das etwas zu dramatisch sehe, aber die Interview-Reihe, die im Stadtanzeiger eine Zeit lang erschien, in der lokale Künstler zum Kulturhauptstadtprojekt und ihren Erwartungen daran befragt wurden, war verheerend: Nicht einer war von der Idee und der Herangehensweise begeistert. Die Interviewreihe wurde dann eingestellt. Das alles klingt arg nach einer regide durchregierenden "Eiskönigin", die keine Diskussion und alternativen Ideen haben will.


    Ja, Leserbriefe sind sinnvoll! Bitte welche schreiben!

    Nachdem die gute Fr. Lehner sich insbesondere bei der Pellerhaus-Debatte sehr deutlich gegen die Altstadtfreunde positioniert hat, und sich ebenso in einigen anderen Fragen gegen sie stellte, habe ich ihre Aufstellung in einer Doppelspitze mit dem neuen OB Markus König schon mit Argwohn gesehen. Jedenfalls hatte ich kein restlos gutes Gewissen bei der OB-Wahl. Sie ist also bereits bestens vernetzt in der Stadtpolitik und ebenso in der Wirtschaft.


    Welchen Antrieb sollte ein scheidender OB Maly haben, den Altstadtfreunden hier dazwischen zu funken? Und gleichermaßen welche Möglichkeiten sollte ein noch nicht ins Amt gesetzter Markus König haben, um einzugreifen? Die einzige Konstante, die seit Jahren gegen die Altstadtfreunde arbeitet ist in meinen Augen Frau Julia Lehner, mit ihrem Netzwerk in die Nürnberger Immobilienwirtschaft.

    Schwerer Rückschlag für die Nürnberger Altstadt:


    Die Rekonstruktion des "Haus zum Savoyischen Kreuz" könnte in die Hose gehen. Die IHK hat sich nach einem undurchsichtgen Verfahren, in dem Zuletzt anscheinend nicht mehr der Preis, sondern das Konzept und die Expertise den Ausschlag geben sollte, nun doch für einen unbekannten Investor entschieden:


    https://www.nordbayern.de/regi…ht-an-investor-1.10035837


    Obwohl dieser nur wenig mehr als die Altstadtfreunde geboten hatte, konnte er sie wohl im Hinblick auf Expertise usw. überflügeln. Das ist sehr überraschend, da die Firma und Personen alle gänzlich unerfahren sind auf dem Gebiet der Denkmalpflege, sie haben lediglich mal ein Altbau abgerissen. Sonst nichts.


    Ich persönlich empfinde das als Tiefschlag und fürchte, dass man hier zugunsten "alter, politischer Seilschaften" einen wichtigen Teil des Stadtbildes opfern wird. Die Kette führt vom Investor über die "Alpha-Gruppe", einer Art Grauer Eminenz im Nürnberger Immobiliengeschäft zu Frau Lehner direkt ins Rathaus. Das hat alles ein übles Geschmäckle und wirft auch kein gutes Licht auf die neu gewählte Stadtspitze, würde ich sagen.

    Die These, dass es bei einer Ausdünnung von Bauvorschriften zu besserer Architektur käme überzeugt mich nicht. Denn das würde erstens bedeuten, dass es aktuell keine "bessere Architektur" geben kann. Aber der jährlich von Stadtbild Deutschland vergebene Preis für einen Neubau demonstriert genau das Gegenteil, es ist möglich schön zu bauen, und man muss dafür nichteinmal Pleite gehen oder die Baukostenschätzung massiv überschreiten. Und ein Blick in die Geschichte lehrt auch, dass es gestalterisch durchaus immer besser wurde, es einen Höhepunkt in der späten Gründerzeit gegeben hat, trotz steigender Ansprüche und Vorschriften, und danach eine Zäsur einsetzte. Zuletzt impliziert die These aber auch, dass ausgedünnte Bauvorschriften Anforderungen und Baukosten senken, die dann in die Gestaltung gesteckt würden. Ist das so? Würde dann nicht einfach nur mehr gebaut, oder schneller, oder billiger oder mit mehr Rendite?


    Sollten wir uns das Bestreben zu eigen machen, die Bauvorschriften auszudünnen würde das am Ende nicht zwingend hilfreich sein für bessere Baukultur, denn Schritt zwei fehlt. Sozusagen "Lieber Bauherr, wenn du schon nicht mehr so krass Wärmedämmen brauchst, so viel Fluchtweg und Brandschutz beachten musst usw. dann gib halt ein bisserl Geld aus für mehr Stuck." Ich glaube nicht dass das funktioniert.

    Hansolol hat schon weitgehend Recht. Tatsächlich beweisen zahlreiche Rekonstruktionsprojekte wie das Berliner Stadtschloss oder der Nürnberger Pellerhof eindrucksvoll, dass die Technik, die Mittel, die Werkzeuge und auch die Fachkräfte vorhanden sind, um Beeindruckendes und Mehrheitsfähiges herzustellen.

    Der Grund, weswegen das nicht geschieht ist also ein Nicht-Wollen seitens derer, die bei Wettbewerben entscheiden, die Rahmenpläne machen oder Gestaltungssatzungen abschaffen, die Denkmalschutz verweigern oder ihn aberkennen, oder die ganz subtil bestimmte Architekturstile und -sprachen ideologisch verunglimpfen. Und ein kleinerer Teil ist ein Nicht-Können seitens der Bauherren, denen Geld fehlt, oder den Planern, die in bekannten, eingeimpften Mustern denken. Dabei ist die überbordende Vorschriftenvielfalt ein willkommenes Argument. Geht nicht wegen Brandschutz, wegen Lärmschutz, wegen Wärmedämmung - schon tausendmal gehört und wer wagt es schon das genau anzuzweifeln, welcher Laie kann das verifizieren? Wenn sich eine Branche erstmal einen Elfenbeinturm geschaffen hat bekommt man sie kaum noch da heraus.