Posts by erbse

    Mit dem Gebäude ist das lebendige Auseinandersetzen mit der Geschichte real darstellbar. Dass das unbequem und widersprüchlich ist, zeigt sich in vielen Aspekten. Der Zeitgeist geht vorüber, was bleibt, ist ein lebendiger Ort zum anfassen, nachdenken und debattieren. Auch der Umgang mit dem Umfeld ist Teil davon und wird sich wandeln.


    Will sagen: das Schloss ist Realität. Das Sanchitor auch. Und beides darf zur Diskussion über unsere Geschichte und Identität einladen. Ich würde mich freuen, wenn diese auch zwischen Humboldt-Forum und Förderverein konstruktiv geführt wird. Miteinander statt übereinander reden.

    So ist es. Durch unsere Bauten ist Erinnerung und Mahnen wach. Durch Abräumen macht man Geschichte vergessen - nicht durch Rekonstruktionen.


    Die Beschäftigung mit der GK war für die DDR unbequem. Auch darum hat man die Ruine abgeräumt.

    Mir scheint, ein Aspekt wird bei dieser "Tag von Potsdam"-Debatte von beiden Seiten nicht ausreichend betrachtet.
    Ohne physischen Ort gibt es idR auch kein effektives Mahnmal, kein Gedenken und Aufarbeiten.
    Die Widersprüchlichkeit dieses Ortes würde doch gar nicht wieder diskutiert ohne das Rekoprojekt. Vielleicht haben die Gegner auch einfach keine Lust auf diese Auseinandersetzung mit dem Ort, weil es in Potsdam sonst ja so gemütlich ist und kaum etwas an die NS-Gräuel erinnern mag...

    Wir werden ja sehen ob diese Türme in Frankfurt die 400 Jahre schaffen, wie die Häuser unserer Altvorderen.

    Das tun sie ja nachweislich nicht. Die meisten Hochhäuser der Skyline-Frühphase Frankfurts aus den 50ern, 60ern und 70ern sind entweder schon wieder abgerissen oder nahezu komplett umgebaut. Zuletzt auf dem FOUR-Areal, zuvor z.B. für den Bau des Opernturms, die Deutsche Bank Zwillingstürme, die Commerzbank, Silver Tower, Selmi-Hochhaus, dieser eine Uni-Turm, Henninger, usw...

    Wie wunderbar! Der Neubau Münzgasse 24 überzeugt, wirkt sehr solide und fügt sich angenehm ein. Kennst du die Architekten?

    Diese Vorher-Nachher-Bilder Leipziger Sanierungen finde ich auch immer sehr ermutigend, dass es hierzulande noch Menschen mit Schönheitssin gibt. Ich würde das gern tiefer ergründen. Gibt es dazu empfehlenswerte Literatur oder Dokumentationen?

    "Das alte Anker-Werk ist nach einer Prüfung aus dem Jahre 1989 nicht als Baudenkmal einzustufen.

    Das ist nach Auskunft von Ascan von Neumann-Cosel, Abteilungsleiter für den Denkmalschutz im Bielefelder Bauamt, das Ergebnis einer Prüfung aus dem Jahre 1989."

    Na Mensch. Richtig auf der Höhe, diese Untersuchung. Wo bleiben die Rufe nach dem Verlust grauer Energie?
    Auch wenn ich hier keine überragende Bausubstanz zu erkennen vermag auf den ersten flüchtigen Blick, wundern mich solche Abrisse schon. Das ist doch ein leicht zu transformierender Massivbau.

    Da von den ursprünglichen Bildern hier nix mehr zu sehen ist, erlaube ich mir mal die Wiederverwertung eines Beitrags von mir. :)


    Gerade die Vorkriegshochhäuser sind oft sehr reizvoll, oder jene im Stil des sozialistischen Klassizismus, wie am Frankfurter Tor Berlin oder in der Langen Straße in Rostock.


    Siehe z.B.: Liste der historischen Hochhäuser in Deutschland


    Gibts auch für die USA: Early skyscrapers


    Würde man Hochhaus-Neubauten am Anzeiger-Hochhaus in Hannover, dem Borsigturm oder dem Ullsteinhaus in Berlin orientieren, könnte man doch heute heilfroh sein!


    682px-Anzeiger_high_rise_Hanover_Germany.jpg


    5759523910_72fff39bb1_b.jpg
    Anzeiger Hochhaus by Martin Schmidt, on Flickr


    682px-Borsigwerke_B-Tegel_07-2017_img3.jpg
    https://commons.wikimedia.org/…-2017_img3.jpg?uselang=de
    1062px-B-Tempelhof_10-2012_-_Ullsteinhaus3.jpg
    https://commons.wikimedia.org/…-2012_-_Ullsteinhaus3.jpg


    Auch unter den postmodernen und neoexpressionistischen Hochhäusern gibt es doch durchaus wunderbare Exemplare, wie den Messeturm (Helmut Jahn) und MainPlaza in Frankfurt (Hans Kollhoff), den Kollhoff-Tower und das Beisheim Center in Berlin und weitere.


    Grundsätzlich sehe ich Hochhäuser in massiver Ausbreitung aber doch sehr kritisch. Gerade in horizontal orientierten europäischen Städten, mit ihren wenigen, markanten Turmlandmarken.

    Ich übertrage den Beitrag aus dem Frankfurter Polizeipräsidium-Thema mal hierher, da es ins Allgemeine zu Hochhäusern geht:

    "erbse" zum Beispiel ist ein großer Hochhaus-Freund.

    Zum einen bin ich das pauschal nicht. Und zum anderen hat sich das auch in den letzten Jahren noch um einiges verändert.

    Im westlichen Kern der Frankfurter Innenstadt erscheinen mir Hochhäuser als politisch geradezu alternativlos. Das vor allem, weil die Stadt sich nun einmal bewusst zu diesem Weg konsequent entschieden hat und eine entsprechende Stadtstruktur über Jahrzehnte ausgeprägt hat. Als so stark kriegszerstörte Stadt kann ich diesen Weg nachvollziehen. Eine noch uninteressantere Stadt wie Essen oder Düsseldorf soll das meinetwegen auch machen.


    Zum anderen ist die Dichte durch Hochhäuser natürlich gewissermaßen eine Mär. Wenn wir uns die dichtbesiedeltsten Viertel Europas anschauen, sind das allesamt keine Hochhausgegenden, sondern Strukturen des Mittelalters bis hin zum Ersten Weltkrieg. Die meisten europäischen Städte brauchen keine Hochhäuser und sollten mE auch keine haben. Wenn jede Stadt versucht, da mit irgendwem mitzuhalten, gibt es irgendwann für uns Städter keine Wahl mehr, in einer wirklich schönen, klassischen Stadt zu leben. Was ja wohl hoffentlich nicht das Ziel sein kann. Mailand z.B. hätte wirklich nicht diesen Weg gehen müssen, Den Haag, Brüssel, Stockholm, Riga, Prag, Amsterdam, Wien und Breslau auch nicht. Überflüssig wie ein Kropf deren Hochhausviertel. Generell sollten unzerstörte Städte das einfach bleiben lassen. Amsterdam muss um Gottes willen nicht Rotterdam nacheifern, das ist doch peinlich. Man spricht ja auch nicht umsonst von Brüsselisierung, wenn Hochhäuser in historische Stadtviertel gestellt werden.


    Und zu guter Letzt halte ich es mit Leon Krier: ein Hochhaus muss seine Stellung in der Stadt verdient haben. So wie Kirch- und Rathaustürme dies einst durch filigrane und angenehme Ästhetik taten. Die wenigsten Hochhäuser tun das. Darum bin ich auch kein Freund des in Berlin propagierten Modells "Hochhausverdichtung an allen S-Bahnen". Da kommen nur überall die selben Kisten bei heraus - und am Ende weiß man nicht mehr, an welcher Station man eigentlich gerade ausgestiegen ist. Wenn man diese Stadtbaupolitik schon um 1900 verfolgt hätte, wären sicher wunderbare Türme dabei herausgekommen, wie das Ullsteinhaus oder der Borsigturm. Dann bitte an diesen heute orientieren. Wir brauchen nicht die international austauschbare Standardästhetik, sondern eine lokale Architektursprache auch im Hochhausbau. Das würde auch Frankfurt äußerst gut stehen, mal einige Türme wirklich lokal zu interpretieren - mit Mainsandstein, Abstufungen, eleganten Details, einer Interpretation Frankfurts zwischen Expressionismus und Art Deco.

    Das nimmt noch ein gutes Ende - wenn genügend Leute dran bleiben, Einfluss üben und sich für ihr Lübeck einsetzen. <3


    (Zum Glück ist Lübeck nicht Bremen, siehe Essighaus...)

    Was mich aber hier im Forum immer wieder so irritiert, ist aber die Tatsache, dass man sämtliche historischen Bauten immer nur quasi wie ein "Möbelstück" für ein irgendwie historisches Stadtbild sieht, das man gerne wieder hätte.

    Das irritiert dich vermutlich, weil du Fachmann und kunsthistorisch sehr versiert bist. Du hast einen antrainierten Blick.
    Das ist in einer anderen Facette auch der Grund, warum die meisten Architekten so irritiert vom Wunsch der Menschen nach Rekonstruktionen und Altstädten sind. Weil sie sich etwas anderes ankonditioniert haben (lassen).

    So sind aber doch eben nicht die meisten Menschen. Die absolute Mehrheit der Menschen darf einfach ihren natürlichen Empfindungen in Bezug auf das Stadtbild vertrauen. Und das ist natürlicherweise in uns so programmiert, dass wir an jeder Ecke die Schönheit suchen, die Fragmente der Historie, Hinweise auf unsere Ursprünge und Identität, etwas zum Festhalten und Erfreuen der Augen. Da ist auch jedes noch so kleine Fragment in einer wüsten Umgebung wertvoll und hoffnungspendend.


    Darum kann ich den Wunsch nach der Rekonstruktion von Teilen der Sophienkirche sofort nachvollziehen. So ominös das auch erschiene. Man hat ja letztlich mit dem Denkmal/Mahnmal dort nichts anderes gemacht, oder mit der Paulinerkirche in Leipzig. Fragmente wieder sichtbar werden zu lassen, neu interpretiert. Besser und hilfreicher wäre eben eine konkrete Anlehnung an das Original.

    Ich habe mich -entgegen der Logik des Älter und Konservativer-Werdens tatsächlich in den letzten Jahren trotz steigenden Gehalts nach links entwickelt, weil ich glaube, dass in der neoliberalen Ideologie/small state-Ideologie der letzten 40 Jahre die Wurzel für die Unzufriedenheit vieler Menschen liegt. Der Umgang mit der Finanzkrise, bei der die Banken mit Milliarden gerettet wurden (whatever it takes) während die einfache Bevölkerung mit Kosteneinsparungen, reduzierten Investitionen und einer zerfallenden öffentlichen Infrastruktur im Namen einer "schwarzen Null" gequält wurde, sind aus meiner Sicht die Wurzel der demokratieverdrossenen Bewegungen an den politischen Rändern.

    Ich kann vieles (längst nicht alles) was du sagst nachvollziehen. Doch deine Begründung für deine "linker" werdende Haltung ist ja wirklich abenteuerlich. Du sprichst von einer Ideologie des Neoliberalismus und kleinen Staats, dass man diese hierzulande verfolgt hätte. Und im nächsten Satz verbindest du das als Begründung mit der Bankenrettung. Diese ist jedoch nicht neo-/liberal und schon gar nicht "kleiner Staat". Sondern das glatte Gegenteil. Als Liberaler war ich klar gegen Rettungsschirme und Bankenrettungen. Leider ist auch unter sogenannten Liberalen in Europa mittlerweile der Etatismus stark verbreitet. Ist ja so gemütlich, wenn der Staat alles "regelt" und das Denken abnimmt.

    Und damit komme ich auch zum zweiten Punkt: wir haben ja mitnichten in den letzten 40 Jahren weniger Staat und mehr Liberalismus bekommen. Sondern im Gegenteil immer mehr Staat, immer mehr Regulierung, mehr Bürokratie, mehr linke Ideale als Leitrichtung. Schau dir doch nur an, wie die CDU sich unter Merkel entwickelte - so links war selbst die SPD unter Schröder nicht. Und etliche Landesregierungen sind in rote oder grüne Hände gewandert. Dann die Medienlandschaft, usw. usf.

    "erbse" zum Beispiel ist ein großer Hochhaus-Freund.

    Zum einen bin ich das pauschal nicht. Und zum anderen hat sich das auch in den letzten Jahren noch um einiges verändert.

    Im westlichen Kern der Frankfurter Innenstadt erscheinen mir Hochhäuser als politisch geradezu alternativlos. Das vor allem, weil die Stadt sich nun einmal bewusst zu diesem Weg konsequent entschieden hat und eine entsprechende Stadtstruktur über Jahrzehnte ausgeprägt hat. Als so stark kriegszerstörte Stadt kann ich diesen Weg nachvollziehen. Eine noch uninteressantere Stadt wie Essen oder Düsseldorf soll das meinetwegen auch machen.


    Zum anderen ist die Dichte durch Hochhäuser natürlich gewissermaßen eine Mär. Wenn wir uns die dichtbesiedeltsten Viertel Europas anschauen, sind das allesamt keine Hochhausgegenden, sondern Strukturen des Mittelalters bis hin zum Ersten Weltkrieg. Die meisten europäischen Städte brauchen keine Hochhäuser und sollten mE auch keine haben. Wenn jede Stadt versucht, da mit irgendwem mitzuhalten, gibt es irgendwann für uns Städter keine Wahl mehr, in einer wirklich schönen, klassischen Stadt zu leben. Was ja wohl hoffentlich nicht das Ziel sein kann. Mailand z.B. hätte wirklich nicht diesen Weg gehen müssen, Den Haag, Brüssel, Stockholm, Riga, Prag, Amsterdam, Wien und Breslau auch nicht. Überflüssig wie ein Kropf deren Hochhausviertel. Generell sollten unzerstörte Städte das einfach bleiben lassen. Amsterdam muss um Gottes willen nicht Rotterdam nacheifern, das ist doch peinlich. Man spricht ja auch nicht umsonst von Brüsselisierung, wenn Hochhäuser in historische Stadtviertel gestellt werden.


    Und zu guter Letzt halte ich es mit Leon Krier: ein Hochhaus muss seine Stellung in der Stadt verdient haben. So wie Kirch- und Rathaustürme dies einst durch filigrane und angenehme Ästhetik taten. Die wenigsten Hochhäuser tun das. Darum bin ich auch kein Freund des in Berlin propagierten Modells "Hochhausverdichtung an allen S-Bahnen". Da kommen nur überall die selben Kisten bei heraus - und am Ende weiß man nicht mehr, an welcher Station man eigentlich gerade ausgestiegen ist. Wenn man diese Stadtbaupolitik schon um 1900 verfolgt hätte, wären sicher wunderbare Türme dabei herausgekommen, wie das Ullsteinhaus oder der Borsigturm. Dann bitte an diesen heute orientieren. Wir brauchen nicht die international austauschbare Standardästhetik, sondern eine lokale Architektursprache auch im Hochhausbau. Das würde auch Frankfurt äußerst gut stehen, mal einige Türme wirklich lokal zu interpretieren - mit Mainsandstein, Abstufungen, eleganten Details, einer Interpretation Frankfurts zwischen Expressionismus und Art Deco.

    Die Frage ist wie so oft: lernen und können Architekten das? Sie lernen all mögliches Zeug, doch die Stadtbaukunst wird erst allmählich wieder entdeckt. Diese Bildungslücke können wir als Lobbyverein schließen, indem wir Universitätsfakultäten und Verbänden Materialien liefern.