Posts by Centralbahnhof

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Weiter geht es in der Straße "Am Hof":


    27 Am Hof_4 heute


    Das einzig historische auf dem Bild ist eine alte Wasserpumpe auf dem Bürgersteig.


    27 Am Hof_4 früher

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05214876


    Früher standen hier noch zwei alte Fachwerkhäuser, schon etwas eingezwängt zwischen Gründerzeitgebäuden. Sie wurden schon 1907 abgerissen und die Häuserzeile im Historismusstil komplettiert - in meinen Auge schade, in Köln hat man schon immer gerne alte Sachen abgerissen. Heute spielt es keine Rolle mehr, die Häuser wurden sowieso im Krieg zerstört.

    Ich habe mich beim Standpunkt übrigens nicht vertan - der Versprung in der Häuserzeile ist heute ein Haus weiter hinten.


    Links an Bildrand sieht man übrigens eine Häuserzeile, die ich schon früher in einem Bildvergleich gezeigt hatte. Siehe hier.

    Ich finde nicht, dass man die Anforderungen an eine Platzgestaltung in einer Stadt des 21. Jahrhunderts mit einer Stadt aus dem 18. Jahrhundert vergleichen kann.

    Damals waren die Städte noch deutlich kleiner. Nach wenigen hundert Metern war man draußen auf dem Feld und im Wald.

    Keine der mir bekannten Altstädte hatte nennenswerte Stadtbegrünung aufzuweisen, weder Frankfurt, noch Köln, Dresden oder Nürnberg. Die Städte waren hochurban und eng bebaut. Wer gibt auch viel Geld aus, um eine Stadtbefestigung zu errichten, um dann dort das anzulegen, was es ein paar Meter weiter vor den Stadttoren sowieso in einer endlosen Weite gibt? (Gut die Kölner haben sich etwas verplant und der Platz innerhalb der Stadtmauer wurde erst 700 Jahre nach Bau knapp, aber das ist eine andere Geschichte).

    Erst das 19. und 20. Jahrhundert führte zu einer Explosion der Stadtgröße, man muss viele Kilometer fahren, bis man überhaupt vor der Stadt ist, und selbst da haben wir dann heute Umgehungsstraßen, Autobahnen. Gewerbegebiete und eine zersiedelte Landschaft im Speckgürtel.

    Das Bedürfnis, ein klein wenig Natur in seiner Stadt zu haben, ist also erst im 19. Jahrhundert gewachsen, was zu den herrlichen Park- und Gartenanlagen der Kaiserzeit geführt hat, der Park wurde ja eigentlich auch erst im 19. Jahrhundert zu einem festen Bestandteil der Stadtplanung.


    Von daher halte ich die barocke Stadtgestaltung nicht für einen anzustrebenden Zustand, es ist höchstens ein Umstand, der uns solange darüber hinwegtrösten kann, bis sich die politischen Umstände in Berlin zum besseren gewendet haben.

    Der nächste Bildvergleich zeigt die Straße Am Malzbüchel mit Blick auf den Heumarkt.


    Am_Malzbüchel_1 heute


    Heute erkennt man kaum noch, dass man eigentlich einen ehemaligen Marktplatz vor Augen hat - man sieht nur die riesige Verkehrsachse, die hier von Südwesten auf die Deutzer Brücke führt. Im Hintergrund kann man das Maritim Hotel erkennen.


    Am_Malzbüchel_1 früher

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05111658


    Früher war die Straße am Malzbüchel deutlich schmaler, allerdings wurde sie schon im Kaiserreich zu eng, weswegen man die Häuserzeile rechts bereits 1910 abgerissen und etwas zurückversetzt neue Häuser erbaut hat.

    Hinten erkennt man die Fassade des Hotel Vanderstein-Bellen, eines der bekanntesten Gebäude am Heumarkt.


    In diesem Beitrag sieht man übrigens den Zustand während des beschriebenen Abrisses vom Heumarkt aus.

    Kommen wir nun zum ersten Mal zu einem früher-heute-Vergleich, den die meisten hier kennen dürften, der Rudolfplatz (beziehungsweise die Partie am gegenüberliegenden Habsburger Ring):


    Wo heute ein riesiger Verwaltungsbau steht, der als Hotel genutzt wird...

    Rudolfplatz_1 heute


    ...stand früher die prachtvolle und fantastische Oper:

    Rudolfplatz_1 früher

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05210318


    Nur noch einmal zur Erinnerung. Die Oper wurde im Krieg nur leicht beschädigt und war sogar schon wieder genutzt worden. Trotzdem entschied man sich in den Fünfzigern für den Abriss und einen Opern-Neubau am neuen Offenbachplatz.

    Die Sanierung der Nachkriegsoper ist jetzt schon teurer als das gesamte Humboldtforum zuzüglich Fassaden. Eines der größten Desaster der Kölner Stadtgeschichte. :aufdenkopf::kopfwand:

    Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum. Ich habe den Strangtitel mal angepasst, damit klar wird, wieso es eine weitere Bremen-Galerie gibt. Da die Bilder ja schon ein paar Jahrzehnte alt sind, ist ein eigener Strang aber gerechtfertigt.

    Lieber Carl_Kunze_75, na das ist mal ein Einstand im Forum. Herzlich Willkommen!


    Ich habe tatsächlich ohne Erfolg versucht, historische Bilder zu finden, von daher bin ich hoch erfreut, dass es offenbar doch welche gibt.


    Zunächst war ich allerdings verwirrt, denn die Stockwerke des heutigen Gebäudes passen nicht zum "Schloss Café". Übereinstimmend ist allerdings die Terasse und der Grundriss mit den beiden Gebäudevorsprüngen an den Ecken.


    Ich habe deswegen mal das heutige Gebäude mit einem Raster versehen und über das historische Gebäude gelegt:



    Das Gebäude wurde also nach dem krieg massiv umgebaut, auch Fensteröffnungen wurden zugemauert und neu hineingebrochen. Allerdings wurden die historischen Versprüngen in den Fensterachsen (siehe die beiden eng nebeneinanderliegenden fenster links im Bild oder die etwas breiteren Erdgeschossfenster) beibehalten.


    Nun, das alles hilft wohl nichts mehr, das Gebäude ist bald endgültig Geschichte. :sad:

    [...] Die Enttäuschung von Centralbahnhof teile ich nicht.


    Man muss berücksichtigen, dass in Dresden der Wiederaufbau überwiegend mit großen Plattenbauten erfolgte und auch nach der Wende Freiflächen (südlich des Altmarkts, Postplatz) vielfach mit sehr großen Gebäuden gefüllt wurden. Das Problem kennen wir auch aus Magdeburg. Kleinteiligkeit im modernen innerstädtischen Bauen riecht in Dresden fast schon nach Revolution. Bei Wießner gibt das Venezianische Haus die Orientierung für die Neubauten vor und nicht mehr die großen DDR-Platten.

    Dresden ist die Stadt, die das Neumarkt-Areal baut. Ein vergleichbares Stadtreparatur-Projekt der Größe gibt es in Deutschland gar nicht. Und Städte wie Potsdam und Frankfurt, die auf kleineren Arealen auf historischem Grundriss bauen, haben deutlich mehr auf modernistische Adaptionen als auf Rekonstruktionen gesetzt. Unter den richtigen Vorraussetzungen geht in Dresden also offenbar sehr viel - und Herr Wießner scheint doch selber ein Rekofreund zu sein.
    Kleinteiliges modernes Bauen ist übrigens in jeder deutschen Großstadt ein Fremdwort, würde ich behaupten. In Köln kaufen die Investoren auch immer ganze Häuserblocks auf und überbauen die teils noch historischen Parzellen mit riesigen Komplexen, die dann den ganzen Block einnehmen. Ist halt günstiger. Kleinteiliges Bauen mag da ein Schritt in die richtige Richtung sein, das ist schon richtig, aber wenn dann dort langweilig gestaltete und schlecht proportionierte Gebäude stehen, hat man auch nicht wirklich etwas gewonnen.

    Ich habe die entsprechenden Beiträge verschoben, Ordnung muss sein :wink:

    Strapazzen der Modernen Kisten und Klotzen) haben wir imdessen genug, bitte mehr traditionelle und heimische Architektur.

    Ja, ich muss auch sagen, da hätte ich von Herrn Wießner mehr historisch anmutende Gebäude erwartet - es ist am Ende ja nur das Venezianische Haus, was eine Rekonstruktion darstellt, im hinteren Bereich finden sich dafür unattraktive moderne Klötze. Komisch, ist das von ihm ein Entgegenkommen, damit er das Venezianische Haus bauen kann, oder geht es nach einigen Liebhaberprojekten auch ums Geld verdienen hierbei? Vielleicht bin ich auch etwas zu negativ, aber ich hätte mir zumindest historische Eckbauten vorgestellt...

    Ich muss sagen, ich bin immer wieder beeindruckt, wie die man früher auf kleinstem Raum hoch urbane und dicht besiedelte Städte gebaut hat. Ohne die Insel zu kennen, ich hätte nie gedacht, dass sich dort früher eine ganzes Stadtviertel finden ließ.

    Es handelt sich wohl um die eigentliche Altstadt Königsbergs, denn rund um das Schloss dominierte ja auch schon die Gründerzeit, wenn ich die tollen Videos von den Wiederaufbauplänen richtig im Kopf habe.

    Was ich besonders spannend finde, ist die Rolle des Doms. Heute wirkt er auf Bildern und Videos auf mich immer ziemlich verloren und vergleichsweise klein.

    Betrachtet man stattdessen dieses Bild, ragt eine eindrucksvolle Kathedrale aus dem Häusermeer auf:


    upload-77f9a480-6ea4-11e6-a778-d901fc83ee9b.jpg


    Tolle Webseite auf jeden Fall - und überraschenderweise ja offenbar von Russen erstellt. Es muss seltsam sein, an einem Ort zu leben, der früher das sehenswerte Zentrum einer ganzen Region war, von dem aber praktisch nichts sehenswertes übrig ist und alle Bewohner vor einigen Jahrzehnten getötet und vertrieben wurden - ich glaube, ich wollte als Russe nicht dort leben.

    Wer etwas mehr über das Areal sehen will, der kann sich hier ein paar Bilder dazu ansehen:

    RE: Köln - real life (Galerie)


    Was ich interessant finde: Auf der Webseite des Architekten findet man zwar eine abstrakte Zeichnung, die eine Anmutung von Fachwerkhäusern vermittelt, aber keine aussagekräftigen Fotos, wo zum Beispiel der Innenhof gezeigt wird:

    http://www.j-schuermannarchitekten.de/index.php?id=38


    Zu der Frage, ob man hier Referenzen auf das alte Köln sieht, würde ich sagen, man kann auch einen Zombie mit einem Menschen vergleichen und dann sagen, naja, hat nen Kopf und zwei Augen, das ist sich doch recht ähnlich.


    Und zu der Frage, wer dort wohnt, es handelt sich wohl ausschließlich um Eigentumswohnungen, die sehr schnell verkauft waren. Bei diesem Ausblick, da das auch angesprochen wurde, sicher kein Zufall:



    Köln, Groß St. Martin

    Gleich um die Ecke in der ehemaligen Zollstraße sieht es heute so aus:


    Köln Zollstraße heute


    Hier noch einmal die Erinnerung, dieses Gebäude hat 1981 den Deutschen Architekturpreis gewonnen. :kopfschuetteln:huh:)


    Früher konnte man dagegen von der Zollstraße bis auf den Alter Markt blicken:


    Köln Zollstraße früher

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05111827


    Dieser Straßenzug wurde vermutlich im frühen 19. Jahrhundert gebaut, als das Klostergelände von Groß St. Martin abgerissen und die Kirche in eine Pfarrkirche umgewandelt wurde. Leider ist mir von dem vorherigen Zustand keine einzige bildliche Darstellung bekannt.

    Eine aus dem zweiten Video stammende Perspektive, wo sich die Stadtbildsituation grundlegend geändert hat.

    Heute schaut man auf diesen riesigen Waschbetonkomplex aus den siebzigern:

    Köln, An Groß St Martin


    Vor dem Krieg war dort die Martinsabteigasse mit urigen kleinen Fachwerkhäusern, auch häufig als Postkartenmotiv zu finden:

    EiiYs0XWAAUv2ke?format=jpg&name=large

    Die Betondecken der Zwischenebenen sind marode, die kunstvolle Wendeltreppe aus Gusseisen von Rost zerfressen, einzelne Sandsteinsäulen sind nicht mehr tragfähig. Kurz gesagt: Die ganze Statik ist gefährdet.

    Ich frage mich, wie kommen Betondecken in diese Kirche? Unter Friedrich Wilhelm IV. dürften die ja wohl kaum errichtet worden sein. Und wäre jetzt nicht die Gelegenheit, wieder auf ein originalgetreues Material zurückzugreifen?

    Ich hatte darauf zwar schon vor einiger Zeit im Köln-Thema hingewiesen, aber da das Bilderbuch Köln tot ist und die Bildverweise nicht mehr funktionieren, hier noch einmal die Beantwortung der Frage nach möglichen Rekonstruktionen auf dem Grundstück:


    Werfen wir einen Blick auf die heutige Karte (hellblaue Baukörper, rot das Grundstück vom "Roten Haus", schwarz schraffiert die historischen Grundstücke):

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen


    Wir sehen, dass auf der Alter Markt-Seite auf dem heutigen Grundstück zwei historische Parzellen lagen. Dort zu finden war das Haus "Zum Papagei" Nr. 31 und das haus "Zum Bock" Nr. 33:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…zHJ6jep-LUioRsw9lkSTrM04E


    Das Haus Zum Bock wies sogar eine bildliche Darstellung seines Namens auf der Fassade auf:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…0DpA8vuTkTdpKo8jEoNpplpvU


    Bei Verkleinerung des Durchganges hätte man hier also zwei Häuser in schlichter, aber typisch altkölner Bauweise rekonstruieren können.


    Auf der Rückseite zur Bürgerstraße hin ist die Situation etwas schwieriger, da dort die heutige Grundstückgrenze quer über eine historische Parzelle verläuft. Auf dem nicht zerteilten Grundstück stand ein Wohnhaus im neugotischen Stil, links daneben auf dem heute zerschnittenen Grundstück ein Haus mit Treppengiebel:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…j8bwvgzpxWumnGCCUPOF7MGxM


    Wer sich fragt, was es mit dem geschmückten Bogen auf sich hat, der ist anlässlich eines Kaiserbesuchs 1908 aufgebaut worden. Vielleicht weiß Pagentorn ja mehr darüber :wink:


    Hier noch ein weiteres Bild, was von dem Balkon in der Rathauslaube aufgenommen wurde und die Bürgerstraße zeigt.

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…aFf30Wkbyj8wLNZS1VJ0KF9aQ


    Man sieht, dass die Fassade mit dem Treppengiebel etwas gründerzeitlich überformt wurde. Links angeschnitten sehen wir übrigens die Ecke des spanischen Baus.


    Tja, es wären also auf einem freien Baugrundstück in diesem Jahr drei Rekonstruktionen möglich gewesen. Leider hat es niemanden gegeben, der das bei der Entscheidungsfindung überhaupt vorgeschlagen hat. Zumindest das wird in Zukunft anders sein. :smile: