Posts by Centralbahnhof

    Der Kölner Stadtanzeiger hat über unseren Brief berichtet, allerdings hinter der Bezahlschranke:

    „Das ist Kulturbarbarei“: Vereine fordern Erhalt des Fachwerks in den Kölner Giebelhäuschen
    Die Stadt schreibt für den Wiederaufbau der Giebelhäuschen kein Fachwerk mehr vor. Dagegen protestieren drei Denkmalschutzvereine.
    www.ksta.de

    Wiedergegeben ist vor allem unsere Kernforderung, die Fachwerkstruktur zu erhalten, beziehungsweise wiederaufzubauen.

    Helfen könnte namhafte Medien wie den WDR, 1Life, Antenne Köln, usw. einzuschalten. Ein offener Brief an den Landeskonserverator mit Veröffentlichung wäre auch ein gutes Zeichen. Auch wenn die Chancen, damit etwas zu erreichen gering sind, habt ihr es zumindest versucht,

    Einen offenen Brief haben wir bereits geschrieben, wir suchen aktuell unter gleichgesinnten Organisationen nach Unterstützern. Das Ganze wird bald an die Presse gehen.

    Entscheidend ist folgender Absatz im Artikel der Kölnischen Rundschau:

    Fischmarkt in Köln: Historische Fachwerkhäuser in der Altstadt sind nicht mehr zu retten
    Die beiden Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert am Kölner Fischmarkt sind Geschichte. Ein Wiederaufbau unter Verwendung originaler Holzbalken ist laut…
    www.rundschau-online.de
    Quote

    Es sei ihm aber ein großes Anliegen, „dass es ein sauber durchdetaillierter moderner Aufsatz wird, der sich auch so zu erkennen gibt“. Man fordere nicht, den in den 1930er-Jahren veränderten Bau zu rekonstruieren, so der Stadtkonservator.

    Es soll keine Rekonstruktion geben, es soll ein moderner Aufsatz sein, der sich auch so zu erkennen gibt.

    Dazu kommt, dass es wohl teilweise Stockwerke mit einer Deckenhöhe von 1,90 gegeben hat. Klar, dass der Investor die loswerden will.

    In den Vorgaben ist übrigens keine Rede von Sprossenfenstern, keine Rede von den dunkeln Fenstereinfassungen und keine Rede von der originalen Fensteraufteilung, nur von "hochstehenden Fensterformaten". Bodentiefe Fenster wären da auch hochstehende Fensterformate.

    Also ich rechne nach allem, was man gehört hat, mit einer einheitlichen Rasterfassade, die farblich in zwei Fassaden unterteilt wird, oben mit der vorherigen Giebelform. Das ganze als Putzfassade, so wie das Rote Haus am Alter Markt:

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    Der Investor wird stolz und glücklich sein, das krumme und unpraktische Fachwerkhaus so geräuschlos losgeworden zu sein und gleichzeitig derjenige zu sein, der der Stadt nach monatelanger Hängepartie eine ihrer bekanntesten Stadtansichten zurückgibt. "Keine Baustelle mehr", "Endlich steht es wieder", "Der Schandfleck ist beseitigt", "Er hat die alten Häuser wiederaufgebaut".

    Der Stadtkonservator wird auch stolz und glücklich sein, ein altes Gebäude neu interpretiert zu sehen, was ganz offen kommuniziert, kein altes Haus, sondern aus unserer Zeit zu sein, also kein "Fake", keine "Geschichtsfälschung", wo doch große Teile der alten Gebäude nicht mehr zu retten waren, altes Material austauschen geht schließlich nicht, das wäre ja nicht mehr original und somit "Fake". Und außerdem wurde das Haus ja in den Dreißigern verändert, war also eh nicht mehr "original" dann lieber gleich ganz weg damit.

    Jedem, dem alte Gebäude und Kulturgeschichte am Herz liegen, wird dagegen beim Anblick der neu interpretierten Häuser wahrscheinlich die Kinnlade herunterfallen, wie unverfroren dieses letzte Stückchen Kölner Fachwerkgeschichte geopfert wurde.

    Damit dieses Szenario nicht eintritt, wäre es gut, wenn wir uns nicht von den hohlen Versprechungen des Stadtkonservators Sand in die Augen streuen lassen, sondern unsere Stimme dagegen erheben. Also bitte fleißig die Petition unterzeichnen und teilen :smile:

    Ich bin auch schockiert, wie leichtfertig man diese Häuser aufgegeben hat. Sie hatten tatsächlich den Krieg überlebt, in Köln ein absolutes Wunder! Ehrlicherweise hatte ich mit so etwas aber schon gerechnet, seitdem man die Häuser so mir nichts dir nichts einfach abgebaut hat. Bei normalen Sanierungen von beschädigtem Fachwerk nimmt man die Häuser auch nicht im ersten Schritt auseinander.

    Es gibt hier nur eine einzig valide Position, die beiden Häuser müssen in originaler Bauweise rekonstruiert werden! Wir werden dazu eine Pressemitteilung machen, es kommt jetzt noch auf die genaue Argumentation an.

    Das Engagement von Herrn Riedel war mir bekannt, in meinem Kopf meinte ich mit "neu gegründet" "erneut gegründet". Dass man es so interpretieren kann, als hätte es vorher nie einen Ortsverband gegeben, war nicht meine Absicht, ich habe es deswegen hier und im Einleitungstext der Webseite geändert.

    Eine Querstraße:

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    Noch einmal das Schloss über den Dächern der Altstadt:

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    Das war es soweit auch schon mit der Altstadt. Auf dem Weg zum Schloss gab es nicht viel Spektakuläres zu sehen. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass überall in Montabaur diese riesigen Schuhe herumstehen, wie hier kurz vor dem Schloss:

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    Es handelt sich wohl um einen Marketing-Gag aus dem Jahr 2015, um das außerhalb der Innenstadt gelegene neu eröffnete Fashion-Outlet außerhalb der Innenstadt mit dieser zu verbinden. Immerhin hat es einen historischen Bezug, denn Montabaur war früher als Schuhmacherstadt bekannt. Hier noch ein weiteres Exemplar, für moderne Kunst ist es noch einigermaßen erträglich, um es positiv auszudrücken:

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    Vom Schloss hat man einen guten Blick über die Stadt. Links im Bild die Altstadt, außerhalb sieht es architektonisch eher mau aus, da man erstaunlich wenig Gründerzeit findet:

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    Ein gutes Stück außerhalb des Fachwerk-Areals steht noch ein Turm der alten Stadtbefestigung, der sogenannte Wolfsturm. Warum in dessen Nähe sonst überhaupt gar keine Altbauten stehen, konnte ich nicht herausfinden.

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    Kommen wir nun zum Schloss. Ursprünglich stand hier eine Burg, erbaut vom Trierer Erzbischof. Ein Erzbischof ist übrigens auch für den Namen der Stadt verantwortlich. Biblisch inspiriert nannte er den Berg "Mons Tabor", im Laufe der Geschichte hat sich daraus der Name Montabaur entwickelt.

    Die Burg wurde in der Renaissance zum Schloss umgebaut und erhielt 1687 bis 1709 ihre heutige barocke Form. Zunächst von außen:

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    Genutzt wird das Schloss als Schulungs- und Tagungsort der deutschen Genossenschaftsbanken und als Hotel. Es kann leider nicht unerwähnt bleiben, dass das Schloss dadurch modernistisch in Mitleidenschaft gezogen wurde. So steht in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Gebäude:

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    Wir gehen hinein und passieren den äußeren Eingang:

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    Ganz zuordnen kann ich das Wappen nicht, es ähnelt dem vom Kurfürstentum Trier, sieht aber nicht identisch aus:

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    Auf dem letzten Bild befindet sich in unserem Rücken bereits die Kirche St. Peter in Ketten aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts:

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    Schönes Detail sind die Figuren an den Pfeilern, welche die 12 Aposteln darstellen:

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    Blick an dem Gemälde vorbei auf die Chorfenster:

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    Die Seitenschiffe haben ein zweites Stockwerk mit einer Empore:

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    Direkt neben der Kirche steht die alte Fuhrmannskapelle, eines der ältesten Gebäude der Stadt, welches wohl dringend einer Rettung bedarf.

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    Man sieht allerdings, dass das Gebäude abgestützt wird und es scheinen Bauarbeiten im Gange zu sein.

    Wendet man den Blick leicht nach links, fällt einem dieses Seniorenheim in den Blick, welches leider komplett die Altstadtdimensionen sprengt. Diese ist hier allerdings schon vorbei.

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    Daneben steht noch dieses Türmchen der alten Stadtmauer am Rande des Abhangs:

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    Wir folgen der Straße, welche parallel zum Hinweg verläuft und stoßen auf diesen offenbar kürzlich neu gestalteten Platz:

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    Zu dem Haus hinten rechts werde ich an anderer Stelle noch mehr zeigen. Auf den Bänken kann man folgende nicht sehr berauschende Aussicht genießen:

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    Direkt an der Brüstung, welche den Platz begrenzt, findet sich ein weiterer Stadtmauerturm:

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    Das folgende Haus trägt eine Inschrift:

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    Der etwas bekanntere Freiherr vom Stein, mitverantwortlich für die preußischen Reformen im frühen 19. Jahrhundert ist damit nicht gemeint, laut dieser Seite handelt es sich aber um seinen Urgroßvater.

    Der nächste geschwungene Giebel:

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    Die Grundformen des Fachwerks, auch mit den geschwungenen Giebeln, kennt man aus Limburg, dem Mittelrheintal und dem Fachwerk an der Mosel, aber die Verzierung des geschwungenen Giebels habe ich bisher so nur in Montabaur gefunden.

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    Prägendes Element von Montabaur sind eindeutig geschwungene Fachwerkgiebel mit wunderschönen Schnitzereien.

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    Die folgenden Fachwerkhäuser erinnern an ähnliche Bauten in Limburg:

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    Hier wieder ein geschwungener Giebel mit Schnitzereien:

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    Das neogotische Rathaus von 1870:

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    Rechts im Hintergrund über den Dächern sehen wir das erste Mal das Schloss:

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    Auch hier, wenn auch etwas unscheinbar, wieder die Schnitzereien am geschwungenen Giebel:

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    Fairerweise muß man auch zugeben, daß abgesehen von den neuen Fenstern Limburg zu den Städten gehört, aus denen man eigentlich gar nicht mehr weg möchte. Limburg hat als Stadt die Eigenart, daß sie nach dem Erstkontakt und auch danach etwas mit einem macht. Nach Klassenfahrt 1991 war sie meine erste heiße Liebe. Sie hat wie nur wenige andere Städte auch die Eigenart, den Besucher für sich einzunehmen und strahlt ein Charisma als Stadt aus, das man hier in der Region nicht ohne weiteres findet. Für mich ist Limburg die naheste meiner Lieblingsstädte. Wenn ich dann weiter zur nächsten wollte, müßte ich nach Erfurt oder Lüneburg.

    Dem muss ich allerdings zustimmen. Als mich mit einem Schlag das Interesse für Architektur erwischte, war Limburg die zweite Stadt, die ich mir angeschaut habe. Die Erkenntnis, wie wunderschön Architektur eigentlich sein kann, ist mir wohl in Limburg gekommen. Wo ich jetzt nochmal da war, habe ich mir die Frage gestellt, wie nachhaltig mich das eigentlich damals beeinflusst hat, auch in meinem Weg zu Stadtbild Deutschland.

    Ich glaube, verantwortlich für diesen Charme ist eine Gemeinsamkeit zu Dresden: Viel Wohlstand und extrem wenig Platz zum Bauen, wodurch eine extrem dicht und hoch bebaute Altstadt entstanden ist, die, obwohl flächenmäßig vergleichsweise klein, unheimlich urban wirkt.

    Für eine Altstadt hat Limburg einfach alles: Ein Schloss, einen Dom, enge Gassen und schöne Plätze, herausragende Einzelbauten und sich hervorragend einpassende Füllbauten. Dazu eine kleinteilige Geschäftsstruktur mit vielen kleinen urigen Läden, die die Architektur der Stadt zu ihrem Vorteil nutzen und nicht überall gigantische Schaufenster eingebaut haben. Die Bebauung zieht sich geschlossen bis in jede Nebenstraße, man findet kaum ein Haus aus der Gründerzeit oder gar von heute, wodurch sie unheimlich harmonisch wirkt. Dazu die Lage am Fluss, die schöne alte Brücke und der bombastische Blick auf den über der Stadt thronenden Dom. Einzig der grässliche Beton-Bodenbelag müsste endlich mal ausgewechselt werden, dann wäre die Limburger Altstadt perfekt, aber das kann die Bedeutung und Schönheit der Stadt nur geringfügig schmälern.

    Negativüberraschung am Limburger Schloss. Dort wurden an einem Gebäude neue Fenster eingebaut. Ich habe auf Google Maps den Vorzustand gefunden:

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    Quelle: https://www.google.de/maps/@50.38847…i4160?entry=ttu

    Schon die Fenster waren ja nicht besonders passend, jetzt hat man es allerdings noch schlimmer gemacht:

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    Es wurden Fenster gewählt, die bündig mit der Fassade abschließen. Als ob es sich um so ein modernes Designerhaus handeln würde.

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    Was zusätzlich schlimm ist, dass durch die graue Farbe die Fensterrahmen mit der Basalteinfassung des Fensters optisch verschmelzen, sodass der Eindruck von so einem siebziger-Jahre-Fensterband entsteht. Es ist zu befürchten, dass das genau der beabsichtigte Effekt ist.

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    Man fragt sich wirklich, wer für solche Entscheidungen zuständig ist. Man stelle sich das ganze jetzt mal im Vergleich mit vernünftigen Sprossenfenstern vor...

    Diese beiden Häuser stellen wohl eine der bekannten Stadtansichten von Montabaur dar, das linke Haus hat so etwas sympathisch Verschrobenes an sich, leider beide ohne Sprossenfenster...

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    Wie dieses Haus wohl ohne dieses Loch im Erdgeschoss wirken würde?

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    Bei so einer Wand wird es schwierig, den Schrank dagegen zu stellen... ;)

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    Die Wetterseite ist hier verschiefert, man fühlt sich ans Bergische oder das Siegerland erinnert, ganz rechts im Bild sehen wir schon das Rathaus:

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    Hier der kleine Markt 13, über dessen Sanierung hier schon im Forum berichtet wurde:

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    Blick auf den großen Markt mit dem Rathaus:

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    Die andere Straßenseite:

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    Montabaur liegt im östlichen Rheinland-Pfalz nahe der hessischen Grenze im Westerwaldkreis. Es bildet mit den beiden nächstgrößten Städten Koblenz und Limburg a. d. Lahn ein Dreieck:

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    Architektonisch ist es Limburg recht ähnlich, wobei es natürlich nicht die Größe und Urbanität aufweist. Bedeutend mit Altbauten bebaut sind eigentlich nur zwei zentrale, lange Straßen durch die Altstadt, welche wir uns in einem Rundgang ansehen. Am Ende geht es hinauf zum Schloss, welches weithin sichtbar das Wahrzeichen von Montabaur darstellt.

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    Achtet auf die grünen Schnitzereien am Giebel:

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    Ein Gebäude mit aufwändigeren Schnitzereien:

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