Posts by Centralbahnhof

    1878 wurde an der Seite der Portalsgasse der Spanische Bau mit einem Bibliotheksgebäude erweitert. Das Haupthaus wurde umgebaut und dort von 1888 bis 1913 die Stadtsparkasse untergebracht. Als letzte größere Investition ließ die Stadt im Jahr 1920 für den Rat einen neuen Sitzungssaal erbauen. In den Kriegsjahren wurde der Komplex des Spanischen Baus größtenteils zerstört.

    Wirklich fantastisch! Da hast du dir ja ordentlich etwas vorgenommen - und die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass bei dir genug Langzeitmotivation vorhanden ist, um es nicht nur zu wollen, sondern auch zu machen.

    Da würde mich doch wirklich mal interessieren, wie man das mit Unity hinbekommt - ich kenne es eigentlich nur als Game-Engine, nicht als Modellierungswerkzeug. Da würde ich doch gerne auch mal über die digitale Schulter schauen :smile:


    Ich trage ja die Idee mit mir herum, das Selbe für Köln anzufangen, aber ich finde es wahnsinnig schwierig, sehr aufwändige Fassaden zu gestalten. Und wenn der Dom blöd aussieht, ist das schonmal sehr schlecht :biggrin:


    Irgendwann steht man immer vor der Frage, modelliert man ein Fassadenelement bis ins letzte Detail plastisch aus, oder reicht irgendwann einfach eine Textur.

    Wo hast du zum Beispiel die Texturen aus Abbildung 7 her?

    Meiner Ansicht nach lässt sich auch hier das Hauptproblem in der Proportionierung der Gebäude finden, ähnlich wie im Gründerviertel in Lübeck. Durch die seit dem Bauhaus üblichen Stockwerkshöhen sind entweder die Fenster zu gedrungen, oder aber man löst das Problem durch bodentiefe Fenster, wodurch dann die Fassade durch Glasflächen dominiert wird und der Abstand zwischen den Fenstern unharmonisch aussieht.


    Würde man die Stockwerkshöhen an die Barockbauten anpassen, auf einfache Putzfassaden setzen und die Gebäude traufständig konzipieren, könnten sie einen würdigen Rahmen für die Barockbauten mit ihren Prachtgiebeln bilden. Setzt man dagegen auf "Kontraste", "moderne Akzente" und maximale Raumausnutzung, wird das Ergebnis natürlich dementsprechend geschmälert.

    Hier ein aktueller Artikel über Burg Blessem:


    https://www.ksta.de/region/rhe…n-wieder-zurueck-38947770


    So wie es aussieht, hat sich die Lage erst einmal stabilisiert. Die Burg konnte betreten werden und scheint nicht akut einsturzgefährdet. Natürlich ist im Inneren, wie überall sonst auch, eine Riesensauerei. Da an der Abbruchkante ja Sicherungsarbeiten laufen, hoffe ich, dass die Burg mit einem blauen Auge davongekommen ist und bald wieder instand gesetzt werden kann.

    Ich will ja nicht ideologisch verbohrt daherkommen, aber was macht dieses Gebäude bitte zum "Meisterwerk"? Wir sprechen offenbar hierdrüber:


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    Ich sehe da eine relativ beliebige Anordnung von Würfeln, gestaucht wirkende Fensterchen, ein in die Luft ragender Balkon... Wenn ich in ein beliebiges Neubaugebiet fahre, finde ich sowas, wenn ich Pech habe, in jeder Straße.


    Vielleicht kann ja einer der Anhänger dieses Gebäudes mal erläutern, was es so meisterhaft macht?

    Ich war gestern vor Ort in Odendorf und habe den ganzen Tag beim Aufräumen geholfen. Odendorf liegt zwei Orte von Rheinbach entfernt, wo ich vor Kurzem ja eine Galerie zu gemacht hatte. Mitten durch den Ort führt der Orbach. an dem sich links und rechts der historische Ortskern mit vielen Fachwerkhäusern und Höfen erstreckt.

    Das Ausmaß der Schäden ist gewaltig, durch Bilder und Videos kann das gar nicht richtig vermittelt werden. Erst wenn man es in Echt sieht, begreift man so ungefähr, was für Dimensionen diese Katastrophe hat, vor allem wenn man weiß, dass der Ort, den man sieht, einer von dutzenden ist, die betroffen sind.

    Es war Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Polizei vor Ort zum Helfen, aber der größte Teil waren freiwillige Helfer, gegen Nachmittag war es fast schon zu viel. Das größte Problem war meiner Einschätzung nach am Ende des Tages immer noch die Entsorgung der gewaltigen Müllberge, die entlang der betroffenen Straßen aufgetürmt wurden, allerdings ist man auch schon seit Anfang der Woche am Aufräumen, nachdem die Sperre aufgehoben wurde.

    Es wurde aber nicht nur der gesamte Hausrat in betroffenen Kellern und Erdgeschossen vernichtet, teilweise wurden ganze Häuser unterspült und Hauswände weggerissen.


    Hier ein Bild vom Orbach:



    An der weißen Giebelwand auf der rechten Bachseite hinten vor dem Baum kann man erkennen, wie hoch das Wasser stand.


    Hier einige Bilder der am schlimmsten betroffenen Fachwerkhäuser:






    Etwas weiter Bachabwärts fand ich dieses Stück Holz, was eindeutig einem Fachwerkhaus entstammt und an einem Brückengeländer angeschwemmt wurde:



    Laut einem Gastwirt, bei dem ich geholfen habe, bedeuten rote Punkte an der Tür "Haus ist unterspült", was eigentlich sein Ende bedeutet. Das schönste Fachwerkhaus an der Straße hatte leider genau so eine Markierung, es ist das linke Haus auf diesem Bild:



    An der Vorderseite war im Bereich der Kellermauer ein Loch in die Straße gespült worden:



    Nach diesen Bildern befürchte ich für die Altstädte von Bad Münstereifel, Ahrweiler und Rheinbach Schlimmes und für die vielen, vielen Dörfer mit ihren prägenden Altbauten auch. Wie gesagt, das hier ist eine Auswahl von Schäden alleine in einem Dorf.


    Beim Aufräumen ist mir aufgefallen, wie rigoros teilweise weggeschmissen wurde, auch Sachen, die unbeschädigt waren und die man eigentlich nur hätte abwaschen müssen. Die Menschen haben dafür wohl einfach keine Kraft und wissen nicht wohin mit all den verdreckten Sachen. Ich hoffe, dass man so rigoros nicht auch mit gefährdeten Häusern verfahren wird, aber immerhin, die meisten beschädigten Fachwerkhäuser sind ja abgestützt worden.


    Die Summe von einer Million von der Stiftung Denkmalschutz ist besser als nichts, aber angesichts des Ausmaßes dürfte das nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Wenn das oben gezeigte unterspülte Fachwerkhaus wirklich ein neues Fundament braucht, könnte man das Fachwerk und die Grundmauer ja demontieren, ein neues Fundament gießen und es danach wieder aufbauen. Doch wie viel mag so etwas kosten?


    Auf der anderen Seite haben die Menschen vor Ort Schreckliches erlebt. Ich habe ein paar Geschichten gehört, das kann man wirklich niemandem wünschen. Auch in Odendorf hat es mehrere Todesopfer gegeben. Dass da der denkmalgerechte Wiederaufbau von alten Fachwerkhäusern nicht das erste ist, was den Menschen in den Sinn kommt, ist natürlich auch klar.

    In meinen Augen ist der Hinweis auf den (menschengemachten) Klimawandel nicht hilfreich, weil es eben auch ohne diesen (mal angenommen er existiert und hat tatsächlich derartige Folgen) schon immer Flutkatastrophen gegeben hat, wie hier auch schon aufgeführt wurde.

    Das bedeutet, selbst wenn wir morgen sämtliche Länder der Welt auf einen Schlag "klimaneutral" machen würden, würde die nächste Flutkatastrophe trotzdem irgendwann in den nächsten 100 Jahren kommen.

    Ich sehe sogar die Gefahr, dass man sich am Ende völlig auf das Klimawandel-Thema versteift und anstatt über real mögliche Vorsorge-Maßnahmen nachzudenken, überhastet Ideologen nachläuft und nicht funktionierende Mobilitäts- und Energiekonzepte zu etablieren versucht, die bei der nächsten Flutkatastrophe aber rein gar nichts ändern werden. Über den Klimawandel kann man immer noch reden, wenn die konkreten Probleme vor Ort besprochen worden sind.


    Meiner Meinung nach muss man hier über zwei Dinge sprechen:

    1. Konkrete Bedrohungslagen erkennen und die Bevölkerung evakuieren

    Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert und können Regenmengen prognostizieren. Ich habe mir am Mittwoch-Nachmittag den Regenradar über Köln angesehen und den dunkellila Starkregen-Fleck heranziehen sehen. Man hätte selbst wenige Stunden vorher noch spontan die Menschen aus den Flussnahen Wohnlagen evakuieren können.

    Ich habe gestern zufällig in Köln ein Frau aus Dernau (an der Ahr) getroffen, die hier bei den Karmeliterinnen untergekommen ist. Sie hat gesagt, einen Tag vorher hätte die Feuerwehr Sandsäcke verteilt, um sie vor die Haustür zu legen. Im Ergebnis stand das gesamte Haus bis unter die Decke unter Wasser und die meisten Nachbarn wären ertrunken. Das heißt, man wusste von der Gefahr, hat sie aber völlig unterschätzt.

    Wir wollen ernsthaft das weltweite Gesamtklima in 50 Jahren bis auf das Zehntelgrad ausrechnen, aber nicht berechnen können, wie viel Regen am nächsten Tag fällt und um wie viel Meter dadurch welcher Fluss ansteigen wird? Das kann doch nicht sein. Und wie sich jetzt herauszustellen scheint, waren die Warnungen an oberster Stelle sogar gemeldet, aber nicht weitergegeben worden. Wenn das so stimmt, dann ist das skandalös und müsste sofort Konsequenzen haben. Stattdessen reden diese Verantwortlichen davon, etwas gegen den Klimawandel machen zu wollen. Das kann echt nicht sein und geht völlig am Thema vorbei.


    2. Die bauliche Vorsorge

    Bei dem Elbhochwasser, was schon angesprochen wurde, mag das Thema Sickerflächen, Flusskanalisierung und Ausgleichsflächen zum Fluten eine größere Rolle gespielt haben, gerade im Fall der Ahr und dem Erft-Oberlauf (bei Bad Münstereifel) sehe ich da wenig Möglichkeiten. Die Bäche und Flüsse schneiden hier enge Täler in die Eifel, es gibt schlicht keinen Platz für Ausgleichsflächen. Was man aber meiner Meinung nach machen sollte, ist, zum Beispiel die Brücken hochwassersicher zu bauen. Es sollte nicht passieren, dass Brücken einstürzen und Bahndämme weggespült werden. Schnelle Hilfe kommt im Zweifel wenige Stunden nach so einem Unglück gar nicht durch, weil die Straßen nicht mehr befahrbar sind.

    Anders sieht die Sache natürlich beim Unterlauf der Erft und ihrer Zuflüsse aus. Die Erft ist komplett kanalisiert und hat mit einem natürlichen Fluss kaum noch etwas zu tun. Hier wäre eine Renaturierung auch aus anderen Gründen angebracht, allerdings gehen dann natürlich auch fruchtbare Ackerflächen verloren - mal eben so geht das alles also nicht. Wenn man stattdessen über den Klimawandel redet vermutlich erst recht nicht.

    Hier noch zwei Videos aus Bad Münstereifel - es ist einfach unfassbar, was hier passiert ist, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.



    Wir folgen der Hauptstraße noch etwas weiter stadtauswärts und erreichen dieses Gebäude, wo die Fassade ganz merkwürdig im Erdgeschoss abgestützt wurde:


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    In den Seitenstraßen finden wir einige hübsche Jugendstilhäuser und Villen:


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    Damit kehren wir zurück in den Ortskern und finden noch diese Fachwerkgruppe:


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    Wir machen noch einen Abstecher nach Süden in die Weiherstraße:


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    Auf der anderen Straßenseite steht eine schöne Häuserzeile mit drei Tordurchfahrten:


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    Und mit diesem letzten Eckhaus in einer Nebenstraße ist meine Rheinbach-Tour auch schon zu Ende:


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    Wir haben vor allen Dingen den südlichen Teil der Altstadt gesehen, da in dem nördlichen nicht mehr viel Altbausubstanz vorhanden ist. Möglicherweise hat hier der Bombenangriff, der auch die Kirche zerstört hat, größere Schäden angerichtet. Dass die Rheinbacher hier großflächig Fachwerkhäuser nach dem Krieg abgerissen haben, kann ich mir anhand des Zustandes der restlichen Stadt ehrlich gesagt nicht vorstellen. Die meisten Fachwerkhäuser sind im guten Zustand und kaum mit irgendwelchen nachträglichen Umbauten verhunzt. Auf mich hat das einen sehr positiven Eindruck gemacht, schließlich ist Rheinbach keine weithin bekannte Touristen-Hochburg, da auch einfach recht klein.

    Auf jeden Fall findet man hier einige sehr schöne und typische Exemplare des rheinischen Fachwerks.

    Etwas störend ist die sehr stark befahrene Hauptstraße, wobei die Stadt dadurch zusätzlich belebt wirkt. Ansonsten wäre vielleicht mehr die Stimmung eines verschlafenen Nestes aufgekommen. Auch schade finde ich, dass eine so ansehnliche Stadt keine adäquate Kirche mehr hat. Liebhaber von Fachwerk, die einmal in der Region sind, sollten aber durchaus einmal vorbeischauen.

    Wir verlassen die Rheinbacher Burg über die eben schon vorgestellte Polligstraße und werfen einen Blick zurück:


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    Wir erreichen den Wasemer Turm, die südwestliche Ecke der Stadtmauer, die als Mäuerchen noch angedeutet ist:


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    Blick die imaginäre Stadtmauer entlang, auf der rechten Seite ist ein großer Parkplatz, hinten sehen wir den Turm der Rheinbacher Burg:


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    Das Tor von der anderen Seite:


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    Wir bewegen uns wieder nach Norden und werfen einen Blick in die Junkerstraße, hier sehen wir auch zwei verputzte Fachwerkhäuser, von denen ich sonst eher weniger in Rheinbach angetroffen habe:


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    Um 180° gedreht sehen wir die Martinstraße, schon jenseits der Altstadt:


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    Wir erreichen wieder die Hauptstraße, wo ebenfalls schon jenseits der Altstadt der Wilhelmplatz direkt neben der Hauptstraße liegt:


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    An der Hauptstraße weiter stadtauswärts finden wir noch dieses schmucke Gründerzeit-Häuschen:


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    Wir kehren zurück zu dem als Kindergarten genutzten Hof. Auf der anderen Seite stehen die Reste der Rheinbacher Burg als Teil der Stadtbefestigung:


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    Der Turm wurde laut Inschrift um 1180 erbaut. Der Ort lag strategisch wichtig an der Heerstraße zwischen Aachen und Frankfurt. Die Stadt Rheinbach entstand dann wohl ab 1296.


    Das Tor am Burggraben:


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    Der Burggraben wurde Ende der 80er Jahre wiederhergestellt und eine Brücke über diesen errichtet:


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    Daneben sind noch Reste der Stadtmauer erhalten, wodurch sich reizvolle Motive finden lassen:


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    Wir drehen uns um 180° um...


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    ...oder lieber doch nicht :biggrin:. Die Burganlage ist heute Teil einer Schule. Da würde doch jeder gerne zur Schule gehen, oder? Wenn man nur die übrigen Gebäude etwas passender gestaltet hätte... (das Hauptgebäude der Schule habe ich leider nicht abgelichtet, es sah nicht ganz so schlimm aus, aber auch nicht besonders passend).


    Schauen wir stattdessen noch einmal etwas genauer auf die Tordurchfahrt:


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    Und noch einmal ein Blick den Turm hinauf, der heute Hexenturm genannt wird, vermutlich weil dort während der Hexenprozesse als solche Beschuldigte eingesperrt wurden:


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    Wir folgen der Bachstraße nach Süden. Erfreulicher Blick in einen Hof:


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    Nicht so erfreulicher Blick in eine Nebenstraße. Solche Beispiele findet man wohl in jeder Fachwerkstadt. Das Haus ist aber auch sehr klein...:


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    An der Bachstraße finden wir dieses tolle Ensemble:


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    Nochmal die hinteren beiden Häuser:


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    Wir erreichen bereits wieder das Ende der Altstadt und wenden uns daher Richtung Westen der Polligstraße zu:


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    Das große Anwesen vorne wird übrigens als Kindergarten genutzt, links davon verlief die Stadtmauer.


    Die Polligstraße:


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    Bei diesem Haus war man in der Erdgeschosszone etwas "kreativ":


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    Das größere Gebäude, was auf den Bildern oben weiter hinten zu sehen war:


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    Wir machen einen kleinen Abstecher an die nördliche Stadtgrenze ein paar Meter weiter und erreichen den aufgrund seiner Erweiterung (und dann als Gefängnis genutzen) etwas kuriosen Kallenturm:


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    Die Gebäude daneben wirken schon recht dörflich, von dieser Sorte findet man einige in Rheinbach, die ich hier nicht alle zeige:


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    Weiter im Nordswesten finden wir das gründerzeitliche Rathaus...:


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    ...und gegenüber das Amtsgericht:


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    Blick zurück Richtung Altstadt:


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    Wir kehren zurück zur Hauptstraße:


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    Schließlich erreichen wir wieder den kleinen Platz neben den Fachwerkhäusern, leider ist auch Rheinbach nicht von hässlichen Bausünden verschont (auf der Rückseite dieses Gebäudes stehen die Fachwerkhäuser!):


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    Wir drehen uns um und erblicken die viel erfreulichere Bebauung am Platz "Am Bürgerhaus":


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    Das Fachwerkhaus hatte extrem raue Balken, auf mich wirkte es, als wäre es schon einmal arg verfallen und verwittert gewesen und wäre dann gerettet worden:


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    Im Frühling habe ich einen Ausflug nach Rheinbach gemacht und möchte in dieser Galerie die Altstadt vorstellen.


    Rheinbach ist eine Kleinstadt mit knapp 27.000 Einwohnern und ist in etwa auf halber Strecke zwischen Bad Münstereifel und Bonn zu finden.


    Karte


    Die Stadt liegt zu Füßen der Eifel an einem der Zuflüsse der Swist, die wiederum in die Erft mündet. Die Region hat mit die fruchtbarsten Böden in Deutschland, weswegen im Umland viel Obst und Gemüse angebaut wird.


    Werfen wir zunächst einen Blick auf die umgebende Landschaft, aufgenommen von der nahe gelegenen Ruine der Tomburg. Am Horizont liegt das Siebengebirge auf der anderen Rheinseite, davor erstreckt sich die östliche Nachbarstadt Meckenheim. Rheinbach selber ist auf dem Bild nicht zu sehen, dafür müsste man sich um 90° nach links drehen:


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    Der von der mittelalterlichen Stadtmauer (von der nur noch einige Türme existieren) umschlossene Bereich ist relativ klein, (sonst hätte bestimmt schon jemand anders eine Galerie gemacht :wink:), hat aber einige sehenswerte Ensembles und Gebäude aufzuweisen:


    Stadt Satellitenbild


    Wir beginnen an der Hauptstraße wenige Meter außerhalb der Altstadt:


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    Wir erblicken die ersten Häuser im Bereich der eigentlichen Altstadt:


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    Als nächstes erreichen wir, immernoch an der Hauptstraße, schon eines der schönsten Ensembles der Stadt:


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    Links davon erstreckt sich ein kleiner Platz mit dem namen "Am Bürgerhaus", gegenüber steht die Kirche. Das Fachwerk ist in seiner einfachen Form typisch für das Rheinland, weist allerdings einige aufwändigere Elemente auf, die man in Köln so zum Beispiel nicht gefunden hätte. Ich tippe darauf, dass diese Fachwerkhäuser, ähnlich wie in Bad Münstereifel, einer etwas späteren Zeit entstammen als die (zerstörten) Exemplare in Köln und daher durchaus etwas ausgereifter gestaltet sind.


    Das auf dem letzten Bild rechts angeschnittene Haus schräg gegenüber:


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    Und rechts daneben die Kirche St. Martin, die allerdings eher unspektakulär daherkommt:


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    Der Turm stammt in seiner Grundsubstanz wohl noch aus dem Mittelalter, das in der Gründerzeit erweiterte und umgebaute Kirchenschiff wurde allerdings tatsächlich durch Bombentreffer im zweiten Weltkrieg zerstört, weswegen in den fünfziger Jahren die Kirche in ihrer heutigen Form neu errichtet wurde.

    Ich habe im DeWiki zum Kaiser-Wilhelm-Ring (der verläuft einige hundert Meter weiter nördlich vom Rudolfplatz) folgenden Satz gefunden:

    Kaiser Wilhelm I. befuhr die fertige Ringstrecke zusammen mit Oberbürgermeister Hermann Becker und Stübben am 25. September 1884, Wilhelm II. befuhr diese nach seinem Großvater benannte Strecke am 4. Mai 1891.

    Wilhelm II. scheint 1891 also tatsächlich in der Stadt und auf der Ringstraße gewesen zu sein, das würde die These von enikma stützen.

    Warum diese Tribocke dort aufgebaut waren, kann ich leider nicht sagen. Besonders lang haben sie wohl nicht dort gestanden. Was mir an der Ansicht aufgefallen ist, wie unterschiedlich das Hahnentor zu dieser Zeit ausgesehen hat. Ich nutze mal die Gelegenheit, um eine Historie des Hahnentors zu zeigen:


    Erbaut wurde es Anfang des 13. Jahrhunderts. Wie es nach der Erbauung aussah, wissen wir mangels Darstellungen nicht. Inwiefern der von Johann Finckenbaum 1670 gezeichnete Zustand dem Ursprungszustand entspricht, ist fraglich, da durch die veränderten Waffen möglicherweise die Schießscharten schon verändert wurden. Man beachte den hölzernen Wehrgang über dem Durchgang:


    Kurz vor Abriss der Stadtmauer 1881 sah das Tor dagegen schon etwas anders aus:

    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_042532

    Der hölzerne Wehrgang ist weg, die Schießscharten wurden vermutlich für den Gebrauch von Schusswaffen aufgeweitet.


    So präsentierte sich das Hahnentor auch noch 1883, als der Rudolfplatz mit seiner kleinen Parkanlage bereits angelegt und die gründerzeitliche Bebauung um die Ringstraße schon hochgezogen wurde:

    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_021908


    1885 wurde das Hahnentor dann umgebaut und ein Stadtmuseum dort eingerichtet. Die Tribocke wurden offenbar 1891 dort aufgebaut, auffällig ist zudem, dass der hölzerne Wehrgang wieder aufgebaut und darüber irgendein Bild aufgemalt/aufgehängt wurde:

    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_160148


    Interessant finde ich, dass die Wurfarme eine andere Ausrichtung haben las auf dem von VonSalza verlinkten Bild. Sie waren also sogar beweglich.


    Die Tribocke wurden genau wie das Bild und der Wehrgang (anders als bei der Eigelsteintorburg, die heute noch einen solchen Wehrgang hat) aber recht schnell wieder abgebaut, man findet jedenfalls kaum Fotos von diesem Zustand, die meisten Bilder bis zum Krieg zeigen das Tor wie folgend:

    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_020104


    Der Park wurde allerdings schon in den dreißigern dem Straßenverkehr geopfert.


    Blick ins Innere mit der Ausstellung des ersten Stadtmuseums:

    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_082833


    Im Krieg hat die Hahnentorburg dann leider einen Volltreffer abbekommen, der linke Turm wurde fast komplett zerstört:


    Beim Wiederaufbau glich man die Fenster aber nicht dem Vorkriegszustand an, sondern baute sehr schmale Schießscharten, wie es sie im Mittelalter vielleicht einmal gegeben hat. So sieht man auch im Sinne der heutigen Denkmalpflege, welcher Teil alt und welcher neu ist, wobei man das eigentlich auch am makellosen Zustand des Mauerwerks erkennen kann:


    Nein, die Gebäude waren schon damals so geplant, dass sie an das alte Köln angelehnt sein sollten, eine sehr frühe Form des Heimatstils sozusagen. Die Giebel sollten ja durchaus an die vorher dort stehenden Giebel erinnern. In meinen Augen war das Ergebnis allerdings nicht besonders überzeugend.



    Auf diesem Bild erkennt man auch, dass durchaus ein paar Ornamente vorhanden waren. Ich nehme an, man hat sie aber nur sparsam eingesetzt, weil die Fassaden im alten Köln ja auch meist schlicht verputzt waren.

    Ich habe auf folgendem Bild einmal die Erbauungsdaten der gesamten Häuserzeile eingetragen:



    Interessant ist übrigens, dass diese Häuserzeile eigentlich nur der Anfang sein sollte.


    Die alte Hafengasse lag zum Rhein hin direkt hinter der Stadtmauer und bildete eigentlich nur die Rückseite der Häuser, die ihre repräsentative Fassade zum Buttermarkt hin hatten.


    Bild mit Stadtmauer:


    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_d038716


    Die Vorderseite am Buttermarkt (rechts die entsprechende Häuserzeile):


    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_224957


    Bei der Gestaltung der Rückseiten hatte man sich dagegen auf das Nötigste beschränkt, zudem waren dort durch den Geländeunterschied der Hafengasse zum Buttermarkt hin keine ebenerdigen Erdgeschosszonen, sondern meistens Treppen zu finden:


    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_640298


    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_640299


    Die heruntergekommene Häuserzeile wurde um die Jahrhundertwende als nicht mehr angemessen angesehen und so sollte hier einer neuen "würdigen" Bebauung weichen. Die Pläne wurden maßgeblich vom Kölner Stadtbaumeister Josef Stübben vorangetrieben, unter seiner Planung entstand ja unter anderem auch die Ringstraße. Es wurde sogar ein Fassadenwettbewerb für die gesamte Häuserzeile durchgeführt.


    Am Ende kam es dann allerdings nur zu der Erbauung der anfangs gezeigten vier Häuser und auf der anderen Seite zu folgendem Neubau am Fischmarkt:


    Bildquelle: Rheinisches Bildarchiv, rba_225028


    Man sieht, wie hier, wie schon auf der anderen Seite die Fluchtlinie nach vorne gezogen wurde.


    In den Folgejahren setzte sich dann allerdings die Erkenntnis durch, dass der bereits beschrittene Weg vielleicht doch das historische Martinsviertel hinter einer viel zu hohen, für das alte Köln untypischen Häuserzeile versteckt würde, die auch noch Groß St. Martin verdecken würde. In den dreißiger Jahren wurde dann bei der Altstadtsanierung auch von einer kompletten Neubebauung mit neuen Fluchtlinien abgesehen, stattdessen erfolgte die bekannte "Bereinigung" durch teilweise Abriss und Neubau in idealisierter Form, die ja auch heute noch in Teilen existiert.


    Teil der Baumaßnahmen war auch der Neubau, nach dem Bergischer ursprünglich gefragt hatte. Er wurde nach dem Krieg wieder in Stand gesetzt und sieht heute aus wie bei seiner Erbauung:



    Es handelt sich um ein Gebäude im Heimatschutzstil, bei dem man relativ schnell erkennt, dass es solche Gebäude im alten Köln in der Form nicht existiert haben. Da wurden im Martinsviertel auch stimmigere Neubauten errichtet.

    Verglichen mit Neubauten an der Frankenwerft aus der Nachkriegszeit ist es aber natürlich ein eher ansehnlicher Bau.