Posts by Centralbahnhof

    Graf Cylinar Tolle Bildabfolge, aber meiner Meinung nach stimmen deine Fensterabstände nicht, sie erinnern eher an die heutigen Maßstäbe, wo man mit bodentiefen Fenstern hohe elegante Stockwerke simulieren will, dabei sind diese Bauten in der Stockwerkshöhe genauso zusammengepfercht wie ihre Kollegen aus den 50ern und 60ern.


    Ich habe mir mal einen echten Historismusbau zum Vorbild genommen, dieses Prachtexemplar stand mal am Heumarkt in Köln, und habe an den Fensterkanten Linien eingefügt:



    Färbt man die Fensterflächen ein und entfernt das Foto, sieht es so aus:

    Ich habe mal die Abstände in Pixel eingefügt. Bei aller Messungenauigkeit würde mich schon interessieren, welches System dahinter liegt. In meinen Augen ist dieser Bau nämlich ganz fantastisch gelungen.

    Deutlich wird jedenfalls der deutlich höhere Fensterabstand. Bei Graf Cylinar beträgt er laut meiner Berechnung 1,5 : 0.5, also 1 : 0,3333, während beim Gebäude am Heumarkt vom 1. Stock zum 2. Stock ein Verhältnis von 86 : 76, also 1: 0,88 vorliegt. Ein sehr deutlicher Unterschied. Das Verhältnis bleibt aber nicht bestehen, vom 2. zum 3. Stock ist es 1: 0,77 und beim Übergang vom 3. zum Dachgeschoss 1 : 0,61.
    Das in der Mitte nochmal unterteilte Erdgeschoss ist ja auch sehr interessant. Des Rätsels Lösung würde mich allerdings wirklich interessieren, ich kann mir kaum vorstellen, dass man das willkürlich so gebaut hat.

    Der Satz von "1000 Jahren glorreiche deutscher Geschichte" ist deshalb absurd, weil in diesen Jahren nur Erpressung, Ablasshandel, Hexenverbrennung, Ausbeutung, Genozide, Pogrome, Armut, Hunger, Kriege und Schlachten vorherrschten.

    Das ist nicht allein die Geschichte Deutschlands, sondern Europas. Und diese Zeit wurde überwunden und niemand wäre jeh auf die Idee gekommen, das Heutige zu verfluchen und unkritisch das Alte zu glorifizieren.

    Das ist doch getrennt von der Kunst, die Einzelne (!) uns hinterließen.

    Manche müssen schlichtweg weg vom schwarz-weiß-Denken. Ich nehme mal Luther. Da ist es vollkommen richtig zu sagen, dass er unsympathisch war, weil er frauenfeindlich und Antisemit war, aber die Öffnung der Kirche war wichtig und zwar immens! Da kann ich trotzdem doch sagen, dass man ihn nicht mag, statt unkritisch zu sein, weil es doch so bequem ist, gute Taten nur guten, fehlerfreien Menschen zuzuordnen.

    Ich stelle heutzutage immer wieder eine umheimliche Arroganz gegenüber den Menschen früherer Jahrhunderte, unseren Vorfahren, fest. Statt sie im Kontext ihrer Zeit zu sehen, legt man an einen mittelalterlichen Mönch die selben moralischen Ansprüche an, wie an einen Akteur der heutigen Zeit. Dass der mittelalterliche Mönch in einer ganz anderen Gesellschaft und in einer ganz anderen Welt als wir heute gelebt hat, ignoriert man dabei geflissentlich.

    Dass Menschen, die jedes Jahr aufs Neue um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familie kämpfen müssen, weil eine Missernte sie in höchste Not bringt, wo Frauen so viele Kinder wie möglich bekommen MUSSTEN, da Fehlgeburten und Tode im Kleinkindalter praktisch jede Familie betroffen haben und nur so ein Überleben im Alter gesichert werden konnte (wenn man es denn erreichte) und wo die Menschen in kürzesten Abständen großes Leid wie Kriege und Seuchen überleben mussten eine andere Moral und Haltung dem Leben gegenüber hatten, als wir heute, ist doch selbstverständlich. Dass auch die Bedeutung der Familie und die Rolle von Mann und Frau eine andere war, als wir es heute gewohnt sind, sollte auch nicht verwundern.

    Natürlich sind auch schreckliche Dinge passiert, Aberglauben, Antisemitismus und Hexenverbrennung sind sicherlich keine ruhmreichen Bestandteile unserer Geschichte, aber kann man der Masse der Menschen mangelnde Bildung vorwerfen, wenn noch nicht einmal der Buchdruck erfunden wurde und es Jahrhunderte brauchte, bis dieser die breite Masse erreichte? Kann man es den einfach Leuten vorwerfen, dass sie sich nicht mit lateinischer Grammatik, den Texten von Aristoteles oder römischer Geschichte auseinandersetzten, während sie jede freie Minute auf dem Feld, im Garten, im Wald verbringen mussten und zum Feierabend noch Handarbeit im Haus wie zB. Spinnen angesagt war?

    Und doch haben die Menschen in jedem Jahrhundert ein klein wenig mehr erarbeitet, als zum Überleben notwendig war und unter anderem Bauwerke und ganze Städte von größter Schönheit erschaffen, wo unsere Gesellschaften heutzutage nur noch in homöopathischen Dosen zu in der Lage scheinen. Sie haben große Köpfe hervorgebracht, die Wissenschaft und Technik mit den einfachen Mitteln, die sie hatten, vorangebracht haben und sie haben sich Stück für Stück auch in Sachen Philosophie weiterentwickelt.

    Und wir mögen heute mit Mitleid auf die Menschen von damals blicken, doch ich glaube, dass die Menschen damals noch andere Dinge hatten, die wir heute nicht mehr haben. Praktisch jeder Gegenstand war von Menschenhand gefertigt, was den Dingen einen ganz anderen Wert verliehen hat. Die Verbindung mit der Natur war viel enger, weil man ihr viel stärker ausgesetzt war. Der erste warme Frühlingstag wurde sicher ganz anders wahrgenommen als heute, wo man sich bloß freut, vom gut beheizten Auto die 200 Meter zum gut beheizten Büro nicht dem kalten Wetter ausgesetzt zu sein.

    Aber warum haben wir heute überhaupt das gut beheizte Auto und Büro? Weil unsere Vorfahren es uns ermöglicht haben. All unser Komfort, unsere Bildung, unsere heutige Gesellschaft, ja, unsere ganze Existenz verdanken wir all den Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten unter teils größtem Leid und Schwierigkeiten weitergemacht haben, die mit größten Anstrengungen und unter höchsten Gefahren Großes geleistet haben.

    Aber was passiert heutzutage? Viele Zeitgenossen sitzen mit der Chipstüte auf dem Sofa und meinen, großen historischen Figuren Vorhaltungen und Vorwürfe machen zu dürfen, weil sie dieses und jenes "falsch" gesehen haben. Sie erhöhen sich selbst und meinen, sie selber hätten zu damaligen Zeit sicher als "richtig" gemacht, ohne auch nur das kleinste bisschen über die damaligen Umstände nachzudenken. Noch schlimmer, man macht den Menschen von damals den Vorwurf, dass sie die Erkenntnisse nicht haben, die erst in nachfolgenden Jahrhunderten gewonnen wurden.

    Die heutige Gesellschaft wird als höherwertig betrachtet, weil man sie nicht an den Möglichkeiten misst, die sie hat (und möglicherweise nicht nutzt), sondern weil man sie mit früheren Gesellschaften mit geringeren Möglichkeiten vergleicht.

    Ich kann nur eines sagen: Sollte unser ganzer Wohlstand aus irgendeinem Grund einmal vernichtet werden oder ein Unfall passieren (zum Beispiel drei Tage Stromausfall), dann möchte ich einmal sehen, wie schnell der Lack unserer heutigen Zivilisation abblättert und wie lange hehre Grundsätze und die hohe Moral halten.


    All dies gilt übrigens nicht nur für die Zitate von Wassermann (die symptomatisch für einen Großteil der Geschichtsbetrachtung in unserer heutigen Öffentlichkeit sind), sondern es ist genauso eine Reaktion auf die unsägliche Kreuz-Debatte und die mediale Empörung über das vermeintlich so verwerfliche Spruchband, wo man nicht in der Lage zu sein scheint, Dinge als zeitgeschichtliche Zeugnisse und ihren Inhalt im Kontext ihrer Zeit zu sehen.

    Und, um hier den Kreis zu schließen, es hat nicht nur Zeiten mit Fortschritten, es hat auch Zeiten mit Rückschritten gegeben. Bei unserer heutigen Zeit bin ich mir manchmal nicht ganz sicher, ob wir die Dinge wirklich noch verbessern. Was Diskussionskultur und die Fähigkeit, eine reflektierte Debatte zu führen angeht, sehe ich zumindest in unserer Öffentlichkeit doch eher einen Niedergang als eine Verbesserung. Hoffentlich werden sich auch diese Zeiten wieder ändern.

    Noch ein Bild von eben:


    Der Kollege auf der Hebebühne hat da ein Selfie gemacht, um das ihn hier alle beneiden dürften :biggrin:


    Schade, dann bin ich ja mal gespannt, baut man den Kran jetzt wieder zusammen, oder gibt es zeitnah einen neuen Versuch. Aber generell ist es wohl besser, nichts zu überstürzen und vorsichtig zu sein. Nicht das noch ein Unglück passiert.

    Mit dem nächsten Bildvergleich greife ich mal wieder aus meinem nächsten Video vor, dessen Fertigstellung langsam näher rückt :wink:


    Wir kehren also zurück in den Kern der Altstadt, an den Anfang der Mühlengasse, nur dass wir diesmal nicht in die Mühlengasse blicken, sondern in die parallel zum Rhein verlaufende Mauthgasse. Die Mühlengasse zweigt rechts ab.


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    Auch hier haben wir den Blick auf den Häuserriegel rings um Groß Sankt Martin.


    Schauen wir uns das historische Bild an...


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    Wir sehen, dass die Mauthgasse früher deutlich schmaler war, in der Mitte zweigt die Zollstraße ab und gibt den Blick frei auf das Kirchenschiff von Groß St Martin. Die Straße führte auf den Alter Markt und wurde nach dem Krieg nicht wieder ins Straßennetz aufgenommen.

    Links oben sieht man die Eckverzierung vom Stapelhaus.

    Der Häuserblock in der Mitte wurde übrigens schon im Zuge der "Altstadtsanierung" in den 30ern vollständig abgerissen.

    Betrachten wir die mittalterlichen Zweiturmkirchen im Stadtzentrum, dann lautet das Ergebnis 4 zu 3 für mich. [...]


    Ich finde solche propagandistischen Falschaussagen immer sehr ärgerlich. In den Köpfen vieler junger Menschen spukt die Vorstellung herum, in der DDR sei nichts für den Erhalt von Kirchen oder Schlössern getan worden. Da wird die Lebensleistung zahlreicher Menschen einfach so negiert. Fehler beim Wiederaufbau und einzelne Verbrechen des Regimes in Bezug auf Baudenkmale hat es gegeben. [...]

    Also wenn man mir sagt, dass man 3 von 7 mittelalterlichen Kirchen abgeräumt hat, darunter solche, die nach dem verheerenden dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut wurden oder so gut erhalten waren wie die Ulrichskirche, dann vermag ich da nichts positives zu erkennen.

    Du magst richtigstellen, dass es nicht die Mehrheit ist, aber es ist trotzdem viel zu viel ideologisch motivierte Zerstörung von Kunstschätzen, die nicht nur die Magdeburg, sondern überall in der DDR stattgefunden hat.

    Die Lebensleistung, die ansprichst (zum Beispiel beim Dresdener Schloss) vieler Einzelner scheint auch nicht wegen, sondern trotz der DDR erfolgt zu sein. Ich erkenne da (von außerhalb) immer so eine Identifikation der Menschen in Mitteldeutschland mit diesem Unrechtsstaat, dabei richtet sich die Kritik an der DDR doch nicht an die normalen Einwohner, sondern der von sowjetischen Gnaden ernannten kommunistischen Führung und derer furchtbaren Ideologie.

    Die meisten schreiben hier ja von ganzen Städten, die sie enttäuscht haben, da ich noch nicht so viel herumgekommen bin, beschränke ich mich auf ein Einzeldenkmal.

    Als ich mir das erste Mal Frankfurt angesehen habe, hatte ich gar keine großen Erwartungen bezüglich der Gesamtsituation, ich war nur auf zwei Dinge gespannt: Die neue Altstadt (war damals noch Baustelle) und die Paulskirche. Ersteres hat mich übrigens nicht enttäuscht (war damals auch noch nicht so viel zu sehen und der zweite Besuch letztes Jahr hat mich sogar positiv überrascht.) Aber nun zur Paulskirche:

    Als wichtiger Ort, wo deutsche Geschichte geschrieben wurde, wenn auch mit vorerst missglücktem Ergebnis, aber doch mit entscheidender Bedeutung für auch unser heutiges politisches System - ich wollte unbedingt wissen, wie dieser Ort aussah.


    Nun ja, ich wurde wirklich herbe enttäuscht. Das Äußere zu schlicht und unbedeutend, um prägend zu wirken und das Innere eine fürchterliche Betonkonstruktion mit Ausstattung aus der Nachkriegszeit. Nicht einmal der damalige Raum lässt sich noch erleben, stattdessen empfängt einen ein Fake-Parlament in einem ahistorischen ersten Stockwerk, was so tut, als würde es den historischen Ort repräsentieren. Noch mehr ärgerte ich mich, als ich beobachtete, wie eine junge Frau einer offenbar ausländischen Besucherin erklärte, dass dies ein ganz besonderer Ort der deutschen Geschichte sei. Ich stellte mir vor, wie hunderten unbedachten Besuchern jeden Tag suggeriert wird, das Paulskirchenparlament habe in einem ärmlichen 50er-Jahre-Saal mit Flachdach und bedrückendem Bunker-Betonkeller stattgefunden.

    Nein, die Paulskirche hat mir gar nicht gefallen, was mir auch sehr Leid getan hat, weil sie für mich eigentlich ein sehr positiver Ort unserer Geschichte ist, von denen wir heutzutage viel zu wenig in unserem Bewusstsein haben.

    Umso enttäuschter war ich natürlich, als ich von den Renovierungsplänen hörte und davon, dass es offenbar niemanden (auch hier im Verein nicht) gibt, der sich für eine historisch korrekte Paulskirche einsetzt.

    Heinzer: Die potentiellen Rekonstruktions-Areale in Köln sind tatsächlich nicht so offensichtlich wie In Frankfurt, Dresden oder anderen Städten. Es gibt praktisch kein Gebiet und keine Straße, wo man direkt sagen würde, Mensch hier muss man unbedingt flächig rekonstruieren. Grund hierfür ist sicherlich die Tatsache, dass die typischen alten Kölner Bürgerhäuser, wie hier schon vielfach gezeigt, sehr schlicht waren und häufig schon in Nachbarschaft mit Gründerzeitlern auftraten. Nichtsdestotrotz befinde auch ich mich da noch in einem Findungsprozess, dessen Ergebnisse ich hier sicherlich auch vorstellen werde.


    Nun zurück zum eigentlichen Thema:

    Nachdem wir uns auf dem letzten Bildvergleich die Christuskirche von vorne angesehen haben, wenden wir uns nun ihrer grausigen Rückseite zu, die hier im Forum die meisten schon kennen dürften. Ich denke es ist nicht weit hergeholt, das neue "Schiff" an seinem Ort und in der Art und Weise, wie man mit einer Kirche umgegangen ist, als eines der hässlichsten Gebäude in Köln, wenn nicht sogar in ganz Deutschland zu bezeichnen.


    20 Christuskirche_2 heute


    Vor dem Krieg hatte die Kirche einen sehr schönes neogotisches Schiff. Das Grün im Vordergrund rahmt übrigens der Eingang zum Stadtgarten, der heute auch noch existiert.


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    Wer die moderne Konstruktion nicht mehr vor Augen hat, hier noch zwei Bilder aus anderer Perspektive, auch wenn es den schönen Eindruck vom historischen Bild zerstört:


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    huh:):kopfschuetteln::weinenstroemen::wuetenspringen:


    Auf der einen Seite könnte man sagen, da es ja vor ein paar Jahren vor dem Umbau Pläne der evangelischen Gemeinde gab, den Turm gleich mit abzureißen, dass man froh sein kann, dass wenigstens der Turm noch steht (durch Intervention des Denkmalamtes).

    Auf der anderen Seite ist nicht nur die Tatsache, dass die evangelische Kirche hier einen Ort des Glaubens massiv verkleinert (im Turm gibt es noch einen kleinen Kirchenraum) und opfert für Mietwohnblocks auf einer Tiefgarage, kurz für den schnöden Mammon, die einen fassungslos macht. Es ist auch die Art und Weise, wie dies ausgeführt wurde. Wir sind hier im belgischen Viertel, einem der letzten noch halbwegs schönen Viertel in Köln und die Kirche hat in ihrer gründerzeitlichen Platzierung auf der Platzmitte eine wichtige städtebauliche Bedeutung.

    Aber gut, wenn ich mir das Agieren der evangelischen Kirche an anderer Stelle (zum Beispiel Potsdam) ansehe, dann scheint hier generell Hopfen und Malz verloren. Da bleibt nur das Hoffen auf bessere Zeiten.

    Heinzer: Also das Martinsviertel sollte man bei der Betrachtung Kölns nicht unter den Teppich kehren. Es ist zwar weitestgehend in den dreißigern neu gebaut worden und wie hier auch schon erwähnt, nicht im besten Zustand, aber es vermittelt doch recht gut ein Bild vom alten Köln.
    Ansonsten muss ich ursus carpaticus Recht geben: Ich habe gerade nochmal ein wenig durch die Nürnberg-Galerie gestöbert und muss sagen, Nürnberg scheint doch an vielen Stellen noch wirklich alte Häuser zu haben, sogar Fachwerk, was den Krieg überlebt hat. Bei der Diskussion hier ging es ja aber um die Qualität des Wiederaufbaus, nicht die Anzahl erhaltener Gebäude. Hier mag Nürnberg und Bremen tatsächlich besser ausgestattet sein als Köln. Was aber die Nachkriegsarchitektur betrifft, ist eben keine der genannten Städte den Weg von Münster gegangen und hat wenigstens einen Platz historisierend wiederaufgebaut. So wie ich das sehe, hat man in Nürnberg und Köln (Bremen auch) durchaus hier und da versucht, den historischen Stil zu zitieren. In beiden Fällen würde ich die Versuche aber als eher kläglich bezeichnen...

    Centralbahnhof, glaubst du dass du als Moderator Vorbild für andere Teilnehmer bist, wenn du ein mit Copyright gekennzeichnetes Foto (von 1958, also wohl noch nicht gemeinfrei) einstellst?

    Das Bild ist hier nicht hochgeladen, sondern über externes Bildhosting eingebunden. Wir hatten schon früher erörtert, dass dies rechtlich völlig in Ordnung ist. Es gibt dazu auch entsprechende Gerichtsurteile.

    ursus carpaticus: Alter Markt heißt es bitte, einen Altmarkt gibts hier nicht :wink:. Konservierte Fassadenreste gibt es dort eigentlich nicht. Es gibt eine wirklich alte, erhaltene Fassade und es gibt einen gotischen Torbogen, den man von woanders her genommen und im Durchgang Martinspförtchen wiederaufgebaut hat.


    Eduard: Die Seebalder Steppe ist aber doch innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer oder nicht? Und was ich ansonsten an Bildern aus Nürnberg kenne, sei es der Marktplatz, der Ägidienplatz oder der Standort des alten Toplerhauses, ist in meinen Augen vielfach genau der selbe Nachkriegsschrott wie in Köln, Frankfurt, Bremen... aber ich werde mir Nürnberg auf jeden Fall einmal ansehen und mir selbst ein Bild machen.


    Klassiker: Die Katastrophe ist sogar noch schlimmer. Du schreibst von "das was passiert ist". Was ist denn passiert? Kriegszerstörung?


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    Auch hier findet sich offenbar ein Beispiel, wo erst weit nach Kriegsende völlig erhaltener Gründerzeitler für einen Kasten mit deutlich mehr Geschossen abgerissen wurden.

    :weinenstroemen:

    Ich habe die Sache mit den Fenstern gerade noch einmal kurz recherchiert.

    Ihr erinnert euch vielleicht an meine Bilder vom Karfreitagmorgen (Link), wo dieses Bild vom nördlichen Querschiff dabei war, wo die Morgensonne die Fenster erleuchtet:


    Kölner Dom Karfreitag 2020


    Auf der anderen Seite hat die Sonne tatsächlich auch durchgeschienen, allerdings waren die Fenster eher "langweilig", weswegen ich sie nicht gezeigt hatte:


    Kölner Dom südliches Querhaus


    Laut Wikipedia sind die Fenster, die jetzt rekonstruiert werden, tatsächlich im südlichen Querhaus zu finden, an deren Stelle sich seit dem Krieg Ornamentfenster befinden. Vielleicht werden hier bald also genau so tolle bunte Fenster wie auf der Nordseite zu finden sein.

    Am Dom wird auf der Nordseite genau wie auf der Südseite nun auch ein Zaun aufgestellt.


    https://www.rundschau-online.d…06XZX_EDku0X-XfwJ68h92fwk


    Die Arbeiten sind schon recht weit fortgeschritten, wenn alles fertig ist, werde ich mal ein Bild einstellen. Schade, dass man es machen muss, aber auf der anderen Seite gut, dass es gemacht wird. Das Thema Wildpinkler am Dom ist wirklich unsäglich, wenn man sich anders nicht zu helfen weiß, muss eben ein Zaun her. Auf dem Artikelbild sieht er ja sogar optisch gelungen aus.


    Ein erfreulicher Artikel über die Restauration und Rekonstruktion nach Originalplänen einiger Domfenster aus dem 19. Jahrhundert, möglich gemacht durch eine Großspende: https://kirchenzeitung-koeln.de/883


    Man sieht, auch in Köln gibt es Menschen, die Privatmittel für lokale Architektur aufwenden - nur fließt hier ein Großteil eben dem Dom zu, der allerdings auch viel Geld verschlingt...

    Ich finde solchen historischen Gerüste auch immer beeindruckend. Hat noch so etwas von mittelalterlicher Baukunst. So sah das übrigens bei einem anderen Dom aus:


    601_Der_Koelner_Dom_mit_Baugeruest.jpeg

    Wir kehren zu den Ringen zurück und werfen einen Blick auf die Christuskirche, in Szene gesetzt durch die gründerzeitliche Sichtachse.


    Kaiser-Wilhelm-Ring_1 heute


    Die Ringe sind heute definitiv keine Prachtstraße mehr, das sieht man auch hier. Nur die bebauten Grundstücke sind die selben.

    Apropos Prachtstraße...


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    Beim historischen Foto springt einem direkt die weit überlegene Eckgestaltung der Gründerzeit ins Auge. Im Hintergrund sieht man übrigens, dass die Neustadt noch im Bau ist. Die Straßen und die Kirche sind schon fertig, aber es sind noch sehr viele Grundstücke frei. In der Straße finden sich auch heute noch einige erhaltene, sehr schöne Gebäude.

    Ich muss sagen, dass ich die genannten Städte (noch) nicht im Detail kenne. Was Nürnberg betrifft, habe ich aber nicht den Eindruck, dass es wirklich viel besser als Köln wiederaufgebaut wurde, da hat man an vielen Ecken einfach die typische Wiederaufbauarchitektur, die man in jeder deutschen Großstadt antrifft. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der große Unterschied ist, dass in Nürnberg meines Wissens nach um das zentrale Bauwerk der Stadt, der Burg, noch eher gut erhaltene Straßen und richtig schöne Ecken liegen, während der Dom in Köln von einer in Teilen brutalen Hässlichkeit umgeben wird. Das macht natürlich einen schlechten Eindruck.


    Der Vergleich mit Münster ist natürlich ein Vergleich mit einer der ganz wenigen Städte in Deutschland, wo man direkt beim Wiederaufbau partiell auf eine sehr hohe Qualität gesetzt hat. Die typischen alten Häuser am Alter Markt in Köln waren aber zum Großteil doch deutlich schlichter als diejenigen in Münster und sind vor allem durch ihre Kleinteiligkeit aufgefallen. Diese Kleinteiligkeit hat man dann im Wiederaufbau deutlich reduziert, die bunten Farben beibehalten und noch die typischen spitzen Schieferdächer draufgesetzt - ich glaube wann war da der Meinung, dass man das historische Köln an den wichtigen Plätzen Alter Markt und Heumarkt doch recht passabel wieder aufgebaut hätte. Dieser These muss man jetzt 50, 60 Jahren nach dem Wiederaufbau doch langsam deutlich entgegen treten.

    Wie gesagt, in der Masse der Altstadtbebauung dürften aber weder Münster noch Nürnberg ("Seebalder Steppe" oder wie heißt das?) wesentlich schöner sein als Köln, wo sogar ein Großteil der Straßen noch den historischen (aber meistens verbreiterten) Verlauf haben.


    Zum Thema Sauberkeit und Stadträume, ja da ist Luft nach oben. Man muss allerdings auch bedenken, dass man in den vergangenen Jahren schon einige Verbesserungen vorgenommen hat (Sprichwort Betonpilze am Dom). Dass das bei weitem nicht ausreicht und im Vergleich zum alten Köln nichts sein kann, womit man sich zufrieden geben sollte, tja die Erkenntnis ist bekanntermaßen noch nicht wirklich durchgedrungen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass es den Verantwortlichen hier egal ist - man ist nur einfach häufig viel zu langsam und die Konzepte sind die falschen.

    Über den Zustand des Martinsviertels wundere ich mich dagegen schon. In die Fugen im Straßenpflaster könnte man teilweise seinen ganzen Finger versenken, es gibt viele schmuddelige Ecken, die Geschäfte und Restaurants sind zum Teil mit billigen, lieblos wirkenden Werbetafeln versehen... Vielleicht liegt es daran, dass das Martinsviertel vor allem touristisch genutzt wird, und das mangels Alternativen nicht zu knapp - wozu also Mühe geben? Hier fehlt es in meinen Augen schon am Problembewusstsein.


    Nun, für solche Themen gibt es schließlich Vereine wie den unseren und unter anderem auch meine Social-Media-Kanäle mit heute-früher-Vergleichen. Ich bin da jetzt nicht per se pessimistisch eingestellt, dass sich die Dinge nicht auch zum Positiven wenden können...

    Wir bewegen uns ein paar Straßen zurück Richtung Rheinufer und landen in der Wehrgasse. Wir müssen auf diesem Bildvergleich nur rechts in die schmale Gasse einbiegen (die wo das markante Haus mit den Mauerankern an der Ecke stand) und wir erhalten folgenden Blick:


    18 WehrGasse_1 heute


    Wie das folgende Bild zeigen wird, hat die Gasse exakt ihre Breite von vor dem Krieg behalten, ohne dass sich hier ein einziges historisches Haus finden ließe. Für eine Straße der Breite also eher ungewöhnlich. Dafür sieht es heute auch eher nach einem Innen- bzw Hinterhof mit zwei Zugängen aus.


    Früher dagegen...


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    ...war es eben eine typische schmale Altstadtgasse mit den bekannten Bürgerhäusern, die der Straße ein Gesicht geben. Sehr schön zu sehen der gotische Treppengiebel in der Bildmitte, ein nicht allzu häufiger, aber doch regelmäßig aufzufindender Haustypus im alten Köln. Typisch auch der Grinkopf zwischen Erdgeschoss und erstem Stock, ziemlich genau in der Bildmitte zu sehen.


    Hier der Grinkopf nochmal in Nahaufnahme:


    mi01364g03