Posts by Centralbahnhof

    Die Betondecken der Zwischenebenen sind marode, die kunstvolle Wendeltreppe aus Gusseisen von Rost zerfressen, einzelne Sandsteinsäulen sind nicht mehr tragfähig. Kurz gesagt: Die ganze Statik ist gefährdet.

    Ich frage mich, wie kommen Betondecken in diese Kirche? Unter Friedrich Wilhelm IV. dürften die ja wohl kaum errichtet worden sein. Und wäre jetzt nicht die Gelegenheit, wieder auf ein originalgetreues Material zurückzugreifen?

    Ich hatte darauf zwar schon vor einiger Zeit im Köln-Thema hingewiesen, aber da das Bilderbuch Köln tot ist und die Bildverweise nicht mehr funktionieren, hier noch einmal die Beantwortung der Frage nach möglichen Rekonstruktionen auf dem Grundstück:


    Werfen wir einen Blick auf die heutige Karte (hellblaue Baukörper, rot das Grundstück vom "Roten Haus", schwarz schraffiert die historischen Grundstücke):

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen


    Wir sehen, dass auf der Alter Markt-Seite auf dem heutigen Grundstück zwei historische Parzellen lagen. Dort zu finden war das Haus "Zum Papagei" Nr. 31 und das haus "Zum Bock" Nr. 33:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…zHJ6jep-LUioRsw9lkSTrM04E


    Das Haus Zum Bock wies sogar eine bildliche Darstellung seines Namens auf der Fassade auf:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…0DpA8vuTkTdpKo8jEoNpplpvU


    Bei Verkleinerung des Durchganges hätte man hier also zwei Häuser in schlichter, aber typisch altkölner Bauweise rekonstruieren können.


    Auf der Rückseite zur Bürgerstraße hin ist die Situation etwas schwieriger, da dort die heutige Grundstückgrenze quer über eine historische Parzelle verläuft. Auf dem nicht zerteilten Grundstück stand ein Wohnhaus im neugotischen Stil, links daneben auf dem heute zerschnittenen Grundstück ein Haus mit Treppengiebel:

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…j8bwvgzpxWumnGCCUPOF7MGxM


    Wer sich fragt, was es mit dem geschmückten Bogen auf sich hat, der ist anlässlich eines Kaiserbesuchs 1908 aufgebaut worden. Vielleicht weiß Pagentorn ja mehr darüber :wink:


    Hier noch ein weiteres Bild, was von dem Balkon in der Rathauslaube aufgenommen wurde und die Bürgerstraße zeigt.

    Köln Alter Markt/Bürgerstraße, Rotes Haus mögliche Rekonstruktionen

    Bildquelle: https://www.kulturelles-erbe-k…aFf30Wkbyj8wLNZS1VJ0KF9aQ


    Man sieht, dass die Fassade mit dem Treppengiebel etwas gründerzeitlich überformt wurde. Links angeschnitten sehen wir übrigens die Ecke des spanischen Baus.


    Tja, es wären also auf einem freien Baugrundstück in diesem Jahr drei Rekonstruktionen möglich gewesen. Leider hat es niemanden gegeben, der das bei der Entscheidungsfindung überhaupt vorgeschlagen hat. Zumindest das wird in Zukunft anders sein. :smile:

    newly: Auf dem Grundstück befindet sich ein Aufzug in die U-Bahn und vorher stand dort so eine Art Holzhütte, die das ganze beheimatet hat. Und das Schließen der Baulücke ist städtebaulich schon wichtig, in meinen Augen weitet sich der Platz an dieser Stelle sowieso schon zu stark für einen "historischen" Marktplatz, auch wenn dadurch natürlich ein besserer Blick auf den Rathausturm möglich ist, der historisch so aber nie geplant war.


    Regiomontanus: Also auf dem Bild, was ich gepostet habe, erfreut mich der weitestgehend originalgetreu rekonstruierte Rathausturm. Das ist ja nicht nichts, wenn auch zugegebenermaßen viel zu wenig.

    Das zukünftige "Rote Haus" ist schon ein gutes Stück in die Höhe gewachsen:


    Köln Alter Markt Rotes Haus Baufortschritt


    Köln Alter Markt Rotes Haus Baufortschritt


    Wir sehen: Niedrige Stockwerke, bodentiefe Fenster und ein unschöner Versprung in der Fassade neben dem Nachbargebäude. Ich weiß nicht, ob man damit bezweckt, die Fassade etwas zu beleben, die Sache besser macht es leider überhaupt nicht.

    So, da die Diskussion doch erheblichen Raum eingenommen hat, haben wir uns entschieden, sie doch in einen eigenen Strang zu verschieben. Generell ist nichts gegen die Diskussion über die Einordnung eines Denkmals einzuwenden, da sich dies ja direkt auf seine Gestaltung auswirkt.


    Das heutige deutsch-französische Verhältnis oder irgendwelche europäischen Industrieprojekte sprengen dann aber doch den Rahmen dieses Themas und wurden deaktiviert.

    Die Frage nach der Kartusche wurde schon vor drei Monaten hier im Thema in den nachfolgenden Beiträgen erörtert:

    RE: Berliner Stadtschloss (Aktuelles und Baugeschehen)


    Auszug aus der Ausschreibung... Terminkette Fertigstellung:

    - Bozzetto--------------------06.11.2020

    - Kupfertreibarbeiten----06.08.2021

    - Montage--------------------30.10.2021

    Ich finde das sehr schade. Da macht man sich schon die Mühe mit aufwändigeren Fassaden als sonst, aber durch die schlechten Proportionen der Fenster und damit des gesamten Fassadenduktus schmälert man den guten Eindruck direkt wieder erheblich.

    Ich denke hier wird offensichtlich, dass nicht nur bestimmte Stilelemente wichtig sind, sondern dass das Grundgerüst, also die Proportionierung stimmen muss, damit das Ergebnis "gut" ist.

    Genau aufgrund solcher Gebäude hege ich einen absoluten Pessimismus, was "traditionellen Neubau", betrifft und würde bei jedem noch so langweiligen historischen Haus für eine Rekonstruktion plädieren. Da stimmen dann nämlich wenigstens die Proportionen.

    Dieses Problem haben meiner Meinung nach sogar die Patschke-Bauten. Im Ansatz machen die vieles richtig, aber auch bei ihnen sind die Stockwerke zu niedrig und die Bauvolumen zu groß.


    Am Ende kann man natürlich sagen: Wenn man es nie lernt und sich das als Architekt Stück für Stück selber erarbeiten muss, immer unter dem Druck des Investoren, der die Nutzfläche maximiert haben will, kommt am Ende eben so etwas heraus.

    Schade - denn so viele Orte, wo überhaupt traditioneller Neubau gemacht wird, gibt es ja gar nicht.

    Mich würde in dem Fall ja genauer interessieren: Wieso konnte das Gebäude nicht am Originalstandort erhalten werden?

    Bei diesem Bild


    IMG_9636-1024x768.jpg


    sieht man, dass das Haus offenbar seit seiner Erbauung im Angesicht der umliegenden Landschaft jahrhundertelang gestanden hat. Und dieses alterwürdige Gebäude muss nun auf seine alten Tage nochmal umziehen, das finde ich eigentlich sehr schade.

    Wenn man es woanders wieder aufbauen kann, wieso dann nicht am Originalstandort? Ist die Gründung nicht in Ordnung? Dann könnte man eine neue Gründung machen und das Haus wieder darauf stellen?

    Oder war es nur im Weg für eine Garage? Das Haus daneben scheint ja ganz neu gemacht worden zu sein (vermutlich saniert?).

    Also ich finde Translozierungen eigentlich nicht in Ordnung. Vor dem Hintergrund, dass solche Gebäude in Dörfern normalerweise einfach kommentarlos abgerissen werden, kann man natürlich froh sein, dass das nicht passiert ist. Aber dann frage ich mich, wenn man einen solchen Mordsaufwand betreibt, wieso es nicht möglich sein soll, es auch am Originalstandort zu erhalten.

    Und hier gibt es einen Seite-an-Seite-Vergleich, wenn man die Strecke heute fährt:



    Einige Straßenzüge gibt es ja zum Glück noch, viel interessanter finde ich fast schon, wie negativ der Autoverkehr das Straßenbild verändert hat.

    Ich könnte mir fast schon vorstellen, dass das Ganze vom Betreiber der Fernwärmeleitung, also Vattenfall?, ausgeht. Die Stadt hat das Zeitfenster der Schlossplatzerneuerung zur Wartung der Leitung freigegeben.

    Schon alleine die Tatsache, dass die Leitung jetzt so marode sein soll, dass sie komplett ausgetauscht werden muss (wurde nicht vorher noch gesagt, sie sei ziemlich neu?), hat mich überrascht. Ich würde aber nicht ausschließen, dass es bei Vattenfall Schlossfans gibt, die nicht wollen, dass ihre Fernwärmeleitung ein Hinderungsgrund für die Rückkehr des Neptunbrunnens ist, die also kurzerhand die Rohre für marode erklärt haben und sie jetzt ein paar Meter verschoben neu verlegen. Kann von der Stadt überhaupt jemand entscheiden, wo ein Betreiber auf einem Platz genau seine Rohre verlegt? Das muss er ja schon selber wissen.

    Sollte es so sein, kann sich die Politik jedenfalls nicht mehr hinter der Fernwärmeleitung verstecken, sondern muss ganz offen sagen: Wir wollen es nicht, weil wir das Schloss hassen. Der Druck auf die Brunnenverhinderer würde also steigen, was natürlich nicht heißt, dass sie nachgeben werden.

    Und so wird es zukünftig aussehen, hier die Projektwebseite: https://www.projektentwicklung…er-strasse-koeln.de/de-de


    Die grauen Häuser oben sind denkmalgeschützt und bleiben erhalten, rechts oben rot ist das Haus, das unter dubiosen Umständen seine Denkmalplakette "verloren" hat, im orangenen Bereich befindet sich das im letzten Post gezeigte Gebäude:

    bauabschnitte-riehlerstr.ashx?mediaId=ae1de5f7955a47a1b2055dfa66c25278&mw=1200&hash=0EA4438BE44A476ABB9AE867CCFB0AD52B183DEC


    So soll es an der Riehler Straße mal aussehen:ansicht-riehlerstr.ashx?mediaId=c901a7483eab403fa3196a932c736b46&mw=1200&hash=3BD8ED7240392631B2DEF0D7369DA91AA3C34585


    Man beachte den Übergang zum rechten historischen Gebäude...


    So die Oppenheimer Straße:ansicht-oppenheimstr.ashx?mediaId=1c181799471a48cb80f891be0fdbf740&mw=1200&hash=891975F21680B88A0AF7132764CB48AF3F5BA8F3


    Und so die Worringer Straße:

    ansicht-worringerstr.ashx?mediaId=e8de70e46b9349ebad7d7f0bb8f42d53&mw=1200&hash=C2121041B0441D9B1FA3239B843476D20E6B8458


    Tja, überraschen dürfte es niemanden. Klotz-Architektur zur Rendite-Maximierung. Auf der Webseite wirbt man dann mit den zwei historischen Gebäuden. Das Denkmalamt interessiert sich nicht dafür, oder verschweigt irgendwas. Und dagegen unternehmen lässt sich praktisch nichts.


    :daumenunten:

    Kommen wir zu Teil 2, der nicht minder erfreulich ist.


    Bei meinem ersten Rundgang war mir ja ein schlichtes, klassisches Gebäude mit Steinfassade an der Oppenheimer Straße aufgefallen, hier noch einmal ein paar Ansichten:


    Man sieht, das Dach wurde schon komplett verändert...

    Oppenheimer Straße Abrisspläne


    Oppenheimer Straße Abrisspläne


    Oppenheimer Straße Abrisspläne


    Köln Riehler Straße Abriss-/Neubaupläne



    Oppenheimer Straße Abrisspläne


    Das Gebäude wird abgerissen werden.


    Auch hier habe ich eine Antwort vom Denkmalamt erhalten:


    Aufgrund einer früheren Entscheidung wurde dieses Gebäude nicht in die Denkmalliste aufgenommen, da es die Vorraussetzungen nicht erfüllt. Die Gründe sind, ihr könnt es euch denken, es entspricht in weiten Teilen nicht mehr dem Originalzustand, wurde in der Nachkriegszeit vereinfacht wiederaufgebaut und stark verändert. Dass es mit seinem figürlichen Schmuck auf die Geschichte eines Kölner Unternehmens verweist ( die Agrippina Versicherungen), reicht nicht, um es unter Schutz zu stellen.


    Wegen des figürlichen Schmuckes stünde man im Kontakt mit dem Eigentümer, um eine Lösung zwecks Erhalt zu finden.


    Tja, und so geht ein weiteres kleines Stück der Kölner Neustadt dahin, und schöner wird es nicht werden...

    So, nach 2 Monaten habe ich Neuigkeiten. Viel erwartet hatte ich nicht, aber ich wurde negativ überrascht. Hier Teil 1:


    Die Chronologie der Ereignisse:

    Am 11. Juni erfuhr ich hier im Forum von den Abrissplänen an der Riehler Straße und machte noch am selben Tag Bilder von dem Areal, darunter die Denkmalplakette am Nebeneingang der Riehler Straße 86, deren Denkmalschutz laut Kölner Stadtanzeiger aufgehoben worden war:


    Hier noch einmal das Bild vom 11. Juni:

    Köln Riehler Straße Abriss-/Neubaupläne


    Am 16. Juni schrieb ich eine Anfrage im Namen des Ortsverbandes an das Denkmalamt. Ich fragte nach allgemeinen Informationen, die das Denkmalamt zu dem Gebäude hat, ob der Ursprungszustand bekannt sei und aus welchen Gründen der Denkmalschutz aufgehoben worden sei.


    Am 23.07, also über einen Monat später kam die Antwort: Der Artikel vom Stadtanzeiger sei falsch gewesen, das Gebäude habe nie unter Denkmalschutz gestanden, folglich könne er auch nicht aufgehoben worden sein. Da das Haus auch nicht als denkmalwert eingestuft worden sei, gäbe es auch keine Unterlagen.


    Ich antwortete am 28.07, wieso denn dann eine Denkmalplakette am Eingang zu finden sei, wenn das Haus doch nie unter Denkmalschutz gestanden hätte und schickte das Foto als Beweis mit.


    Am 14.08 kam die Antwort: Man hätte das recherchiert und an dem Gebäude sei gar keine Denkmalplakette angebracht.


    Ich habe mir das heute auf dem Nachhauseweg angesehen, und tatsächlich:


    Köln Bauareal Riehler Straße 86


    Die Plakette wurde in der Zwischenzeit entfernt!


    Ich glaube, mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Wenn ein Denkmalamt derartig seinen Job macht, dann Gute Nacht. Es kommt einem fast schon kriminell vor.

    Also, da die Anleitung, das richtige Foto zu finden doch etwas komplizierter ist, schauen wir uns das Bild doch an:


    afrk0161.jpg


    Es geht um das angeschnittene Haus links, habe ich das richtig verstanden? Ich bin ehrlich - wenn es ein Foto gibt, dann wäre ich immer für eine Rekonstruktion. Trotzdem würde ich jetzt nicht sagen, dass die Neuschöpfung jetzt eine Verschlechterung wäre...

    Füllmaterial setzt wohl einen klaren Mangel an Authentizität voraus. Sowohl ein schlichtes altes Pirnaer Bürgerhaus als auch ein Gründerzeitschinken weisen ihr Quantum an Authentizität auf. Das gegenständliche Dresdner Bürgerhaus übrigens wirkt auch recht authentisch. Und daher ist es mehr als ein Füllbau. Aber auch weniger als ein echtes schlichtes Barockbürgerhaus. Dh: dieser Entwurf ist sehr zufriedenstellend, aber keinesfalls als "Standardfall" für den Wiederaufbau geeignet. Das hätte sich der großartige NM-Bereich nicht verdient.

    Auf der einen Seite sagst du, Füllmaterial ist dann vorhanden, wenn die von dir als solches bezeichnete Bauten nicht authentisch sind. Meine Beispiele mit (dem alten) Köln und Tübingen würden also deiner Ansicht nach viel Authentizität besitzen und daher von dir nicht als "Füllmaterial" angesehen werden.

    Dem vorliegenden Haus in Dresden bescheinigst du auch Authentizität. Trotzdem scheinst du nicht ganz zufrieden zu sein und siehst es noch unterhalb der Qualität, die man in der Masse im Neumarkt-Areal anstreben sollte. Was fehlt denn deiner Meinung nach noch? Was hatte zum Beispiel der Vorkriegsbau an der Stelle (ich weiß jetzt nicht, wie der aussah), was dieses Haus nicht hat?