Posts by Centralbahnhof

    Noch ein Beitrag zur Ost-West-Achse, ohne Bildvergleiche: Die folgenden, bisher nirgendwo veröffentliche Bilder hat der Cousin meiner Großmutter gemacht, sie sind hier jetzt exklusiv zu sehen :smile:.

    Das erste zeigt den Durchbruch vom Rudolfplatz Richtung Neumarkt. Die breite Straße zwischen Hahnentor und dem Gebäudeblock wurde bei Erbauung der Ringe so angelegt, aber weiter hinten sieht man die große Lücke, die zwischen den Häusern aufklafft:


    Rudolfplatz Durchbruch Richtung Neumarkt


    Das zweite Bild sieht auf den ersten Blick nach Kriegsschäden aus, es handelt sich allerdings um besagten Durchbruch der Straße bis auf den Heumarkt, man hat den Blick schon frei auf die Häuserzeile vor der Markthalle:


    Durchbruch Ost West Achse Heumarkt


    Man sieht, wie schmal die Gassen in diesem Bereich waren, links im Bild die als solche nicht mehr zu erkennende Wahlgasse, die quer verlaufende Straße trägt den Namen "Vor Sankt Martin". Sie existiert sogar heute noch, allerdings mehrfach zerschnitten von den sich dort aufzweigenden Schneisen der Ost-West-Achse.


    Das auf dem Bild sehr schräg zu sehende Haus an der Ecke Wahlgasse/Heumarkt steht übrigens heute noch und hat als einziges Haus an der Südhälfte des Heumarktes den Krieg überlebt.

    Ich möchte an der Stelle noch einmal auf die im letzten Beitrag angesprochene Ost-West-Achse zurückkommen. Das folgende Luftbild wurde etwa über dem Heumarkt in Richtung Westen aufgenommen:


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    Der große Platz in der oberen Bildhälfte ist der Neumarkt, man kann darüber auch gut den Turm von Sankt Aposteln erkennen. Man sieht bereits die Schneise, die westlich des Neumarktes bis zum Rudolfplatz geschlagen wurde. In der unteren Bildhälfte ist zu erkennen, dass man ganze Häuserblocks für die Verkehrsachse weggerissen hat. Das Bild wird auf 1935 datiert.


    Hier eine ähnliche Perspektive, etwas weiter südlich aufgenommen:

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    Der Augustinerplatz ist unten rechts zu erkennen, mit den Bäumen neben dem Bismarck-Denkmal, da wo die Schneise zu dem Zeitpunkt geendet hatte. Das große, helle Gebäude rechts davon ist das Kasino.


    Hier noch eine dritte Perspektive, wo auch Maria im Kapitol nicht unweit des Augustinerplatzes zu erkennen ist:


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    Maria im Kapitol ist in der Bildmitte am Kleeblatt-Chor und den beiden kleinen Türmen zu erkennen, rechts der Turm von Klein St. Martin. Der Durchbruch der Schneise zwischen beiden Gebäuden bis zum Heumarkt ist hier noch nicht erfolgt, wurde meines Wissens nach aber noch vor den Bombenzerstörungen realisiert.

    Der nächste Bildvergleich zeigt den Augustinerplatz. Früher dürfte der Platz vielen ein Begriff gewesen sein, denn dort stand das Kasino. Heute gibt es den Platz auch noch, allerdings stellt er nur noch eine zugige Nische neben der Pipinstraße dar, die Teil der Ost-West-Achse ist und somit eine sehr stark befahrene, vierspurige Straße mit Straßenbahntrasse in der Mitte. Im Hintergrund ist die mit verändertem Dach wiederaufgebaute romanische Kirche St. Maria Im Kapitol zu sehen.

    Diese angesprochene Verkehrsachse wurde allerdings schon in den dreißiger Jahren durch die Altstadt getrieben, auch hier zeigt sich wieder, das die Nazis Modernisten waren, die auf Altstadtsubstanz wenig gegeben haben. Die entsprechenden Planungen wurden nach dem Krieg nur vollendet.


    12 Augustinerplatz_1 heute


    In der Mitte des Platzes war vor dem Krieg ein Bismarck-Denkmal zu bewundern, umgeben von einer kleinen Gartenanlage. Links sieht man angeschnitten das Kasino, rechts gibt eine Baulücke den Blick auf Mario im Kapitol frei. Es ist nicht auszuschließen, dass die Baulücke schon eine vorbereitende Maßnahme für die spätere Verkehrsachse war.


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    Aviller: Tolle Bilder, auch wenn ich Eduard Recht geben muss.

    Diese "Kranhäuser" haben an dem Ort, wo sie heute stehen, nichts zu suchen. Viele Leute sind ja der Meinung, das wäre ja weit ab der Altstadt, und da könne man ja modern bauen. Dem würde ich ja durchaus zustimmen, nur dass das Gebiet des heutigen Rheinauhafens seit der mittelalterlichen Stadtmauererweiterung, die im 13. Jahrhundert vollendet wurde, zwischen der mittelalterlichen Stadt und dem Rhein lag, also keineswegs weit weg von der Altstadt sondern viel mehr direkt davor.


    Auf der Karte von 1571 ist die heutige Halbinsel noch als vorgelagerte Insel zu erkennen:

    Köln 1571 Rheinauhafen klein


    Man sieht also, dass sich der Rheinauhafen im Bereich des Halbrunds der mittelalterlichen Stadt liegt. Für Jahrhunderte wurde die südliche Skyline von Köln durch den Bayenturm (auf Avillers vorletztem Bild links zu erkennen) und die Türme von St. Severin (zwischen den beiden linken Kranhäusern) dominiert. Ende des 19. Jahrhunderts kam dann noch der Turm des Hafenamtes dazu (Auf dem letzten Bild der linke Turm, rechts daneben St. Severin).


    Die Kranhäuser und die massiven Gebäude am Ufer haben jegliche Dimensionen der mittelalterlichen und gründerzeitlichen Stadt gesprengt und sind dort absolut fehl am Platz. Wenn man solche Gebäude tatsächlich errichten will, dann bitte wirklich weit ab von jeder Altstadt!

    Leider werden sie, wie Eduard schreibt, aber mittlerweile tatsächlich häufig als positives Merkmal von Köln gesehen, was eine baldige Korrektur der Situation mehr als unwahrscheinlich macht.

    Ich habe gerade zufällig ein Bild aus Nürnberg gesehen, so weit ich das weiß ist das heute einer der berühmtesten Plätze der Stadt. Ein Gebäudedetail hat mich dabei sehr irritiert, deswegen wollte ich hier mal nachfragen, was es damit auf sich hat?


    Tierg%C3%A4rtnerplatz_-_Nuremberg%2C_Germany_-_DSC02019.jpg


    Ich meine den oberen Teil des Sandstein-Giebels rechts. Bei der Suche habe ich auch folgendes Bild gefunden:


    nuernberg-altstadt-nachts-01-2400x1351-600x338.jpg


    Das sieht ebenfalls kurios aus, allerdings nicht ganz so unpassend wie das erste Bild.


    Ist das Gebäude historisch, oder aus Sandstein wieder aufgebaut? Was wurde da in den letzten Jahren umgebaut? Und wie sah es dort früher aus?

    Spreetunnel Weißt du, von wann das Bild ist, was du gepostet hast? Der Bau ist doch eindeutig dem Historismus zuzuordnen und bei der Lage würde ich zu 100% erwarten, wie das auch Benni geschrieben hat, dass man dort zwei Ecktürme platziert. Ich habe noch nie einen Historismusbau gesehen, der zwei Ecktürme gehabt hätte, zum Zweck, obenauf so einen merkwürdigen Balkon zu platzieren.

    Die Fassadengestaltung mit den angedeuteten Säulen (kenne den Fachbegriff dafür nicht :augenkrummblau:) legt doch nahe, dass das Haus vorher ein Stockwerk weniger hatte und später die Turmhauben abgenommen und ein Stockwerk obendrauf gesetzt wurde. Mit sowas hat man ja schon in der Nazizeit angefangen.

    Die Bilder aus dem Kriegszerstörten Dresden und dem planierten Nachkriegszustand kommen mir leider sehr bekannt vor - da hat Köln nicht anders ausgesehen. Die generelle Enteignungen von Grundstückseigentümern (hat es in Westdeutschland meines Wissens nach auch gegeben, aber mit deutlich größeren Hürden) ist natürlich ein wichtiger Aspekt, warum Dresden, gerade außerhalb des Neumarktareals so aussieht wie es aussieht. Ich würde ja sagen, beides hat Vor- und Nachteile. Im Köln von heute müsste man nach und nach die Eigentümer der einzelnen Grundstücke dazu bringen, ihr Haus abzureißen und eine Rekonstruktion dort hinzubauen, dafür gibt es an vielen Stellen noch die alten Grundstücke und Straßenführungen. In Dresden sind die, so wie ich das sehe, an vielen Stellen eben nicht mehr vorhanden, das macht es aber vielleicht auch einfacher, die Platten abzureißen, alles nochmal zu planieren und in einem Abwasch neu zu bauen. Hier kommt ja auch das Neumarkt-Areal ins Spiel, was in Köln so niemals möglich gewesen wäre, weil die gesamte Innenstadt relativ schnell wieder dicht bebaut wurde.

    Aber es geht ja eigentlich um den Kulturpalast, der, eben irgendwo auf eine freie Fläche gesetzt wurde, allerdings, wie Sie schreiben, im Gefüge einer sozialistischen modernen, autogerechten Stadt. Das selbe sozialistische Regime war für zahlreiche, klar politisch-kulturell motivierte Abrisse wertvollster Kulturdenkmäler verantwortlich - Sie erwähnen sie - und wollte sich offenbar auch in Dresden zu schaffen machen, was die Dresdener offenbar zum Glück verhindern konnten.

    Was ich mich nur frage ist, wieso man sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR trotzdem so mit den von diesem kulturverbrecherischem, sozialistisch diktatorischem, aus dem Ausland gesteuerten Regime errichteten Bauten identifiziert. Anstatt sich auf die Bauten zurück zu besinnen, die jahrhundertelang das Bild der eigenen Stadt geprägt haben (Stadtschloss Berlin, Stadtschloss, Alter Markt und Garnisonkirche Potsdam, oder eben hier der Altmarkt Dresden im Herzen der Innenstadt), klammert man sich an die vom sozialistischen Regime errichteten Bauten, wie dem unsäglichen Palast der Republik, der Fachhochschule und dem Rechenzentrum in Potsdam oder dem Kulturpalast in Dresden.

    Anstatt die Bauten der Kulturverbrecher, die zudem allesamt eben auch nicht wirklich schön aussehen, zusammen mit der sozialistischen Diktatur einzureißen, verklärt man diese Bauten mehr zum unverzichtbar gewordenem Bestandteil der Identität seiner Stadt, als man die ursprünglichen, eigentlich unverzichtbaren Bestandteile der Stadt als solche überhaupt wahrnimmt. Stattdessen hat man den Eindruck, dass die Wiedererrichtung dieser Gebäude wie in Berlin oder Potsdam als Projekte der eingewanderten Westdeutschen zur Erniedrigung der Einheimischen wahrgenommen werden. Dass in Wirklichkeit die Identität der eigenen Stadt zurückkehrt, will man gar nicht wahrhaben.

    Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass viele Ostdeutsche nach der Wende enttäuscht waren, wie die Dinge gelaufen sind. Ich denke auch, dass sich das zum einen Teil nicht verhindern lässt, weil der grundlegende Wechsel des Wirtschaftssystems nach Jahrzehntes des Niedergangs nicht ohne Brüche und Enttäuschungen funktionieren kann, auf der anderen Seite hätte es aber sicher auch die Chance gegeben, den Prozess klüger und weniger Konfliktbehaftet zu gestalten.

    Das alles ändert aber nichts dadran, dass diese Gebäude von einer Diktatur errichtet wurden, die man sogar selbst zu Fall gebracht hat. Dass man dies gegenüber den eigentlich jahrhundertealten vorhandenen Bauten bevorzugt und verteidigt, dafür fallen mir eben zwei Erklärungen ein:

    Erstens, diejenigen, die diese Positionen vertreten, sind Altkommunisten, die Teil des Systems waren, davon profitiert haben und über dessen Niedergang immer noch enttäuscht sind, beziehungsweise die Politik von damals aktiv weiter verfolgen. Hier sind sicherlich die Schreihälse aus Potsdam ein Beispiel, über die man in den Potsdamer Themen ja fast wöchentlich zu lesen bekommt.

    Zweitens, die Indoktrination der sozialistischen Diktatur hat tatsächlich funktioniert, auch bei solchen Menschen, die heute keine kommunistischen Ideen mehr unterstützen, sodass man von der eigenen Geschichte entwurzelt wurde (dementsprechend alte Gebäude ablehnt) und gleichzeitig die vermeintlichen eigenen Errungenschaften als viel wertvoller ansieht und diese außerdem gegen einen imaginären Klassenfeind verteidigen muss. Wie gesagt, das wäre mehr so eine unterschwellige Indoktrination des Normalbürgers.


    Keine dieser beiden Analysen würde ich allerdings meinen werten Forumskollegen unterstellen wollen, deswegen habe ich mein Unverständnis hier nochmals zum Ausdruck gebracht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit den Wendeerfahrungen persönlich nie zu tun hatte - zum einen, weil ich erst nach der Wiedervereinigung geboren wurde, zum anderen, weil ich in den bisherigen Stationen meines Lebens fast kaum Gelegenheit hatte, Menschen aus der ehemaligen DDR kennenzulernen. Köln und die Eifel liegen doch auch sehr weit im Westen von Deutschland. Von daher mögen tatsächlich die gekränkten Gefühle eine größere Rolle spielen, als ich mir das vorstellen kann.


    Ob ich nun besonders tolerant bin, mögen andere beurteilen. Ich könnte an der Stelle darauf verweisen, dass ich als Moderator hier im Forum bisher meines Erachtens nicht durch restriktive Maßnahmen oder Löschwellen (wie das bisweilen bei Vorgängern der Fall gewesen sein mag) aufgefallen bin. Was andere Themenfelder angeht, mag das anders sein.

    Wo ich jedenfalls relativ wenig Toleranz habe, ist bei hässlicher Architektur, weswegen ich ja auch für den Verein aktiv geworden bin. Hier mag man mir meine Intoleranz vorwerfen, aber ich bin tatsächlich der Meinung, dass eine schöne, lebenswerte Umwelt vorgeht vor den hässlichen Monströsitäten, die in in Folge der Nachkriegszeit oder irgendwelcher Diktaturen errichtet wurden und dazu stehe ich auch. Ich brauche keine Brüche, oder brutalistischen Klötze, bloß weil irgendwann in der Vergangenheit mal etwas schief gegangen ist. Die Brüche und Klötze kann ich mir gerne in Dokumentationen und Bildbänden ansehen, aber ich muss sie nicht jeden Tag vor Augen haben.


    Kommen wir zu guter Letzte zur Kölner Oper: Ich stimme Ihnen völlig zu, dass dieses Projekt ein einziges Desaster ist. Was den Berlinern ihr Flughafen ist, ist den Kölnern ihre Oper. Dass dieses Gebäude nach dem Krieg auf Bestreben einer Einzelperson errichtet wurde und aufgrund dessen die nur vergleichweise gering beschädigte, und teilweise schon wieder instand gesetzte alte Oper abgerissen wurde, macht die Sache noch viel schlimmer. Hier kann man fast den Bogen zurück zu Ulbricht und seinen Abrissen schlagen - auch wenn die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Oper natürlich bei Weitem nicht die Bedeutung der im Osten zerstörten Bauten hatte, so ist sie doch auch ein Beispiel, dass man auch im Westen ohne Not abgerissen hat. An deren Stelle steht nun übrigens ein hässlicher Riesenklotz, und weil das so schön passt, wird direkt gegenüber aktuell der nächste Riesenklotz hochgezogen. Um es kurz zu machen - ich bin absolut dafür, den Riesenklotz abzureißen (den neuen am Besten gleich mit), die aktuelle Desaster-Oper, die übrigens von außen auch ein hässliches Monstrum ist, ebenfalls abzureißen und die alte Oper an ihrem alten Standort wieder hinzubauen. Und ich würde keinem einzigen der aktuell vorhandenen Gebäude auch nur eine Träne nachweinen oder sie gar als Teil der Kölner Identität begreifen.


    So, und als Moderator muss ich natürlich anmerken, dass diese Diskussion eigentlich nichts mehr im Baywobau-Thread zu suchen hat und bei Fortsetzung verschoben wird ;)

    [...]

    Ist überhaupt registriert worden, dass es die Potsdamer Seite von uns nicht mehr gibt? Nun gut - die wird es bald unter neuer Flagge (nicht mehr von mir) wieder geben.

    [...]

    Vor einigen Tagen habe ich sie noch gesucht, weil ich mir noch einmal das Modell der rekonstruierten Garnisonkirche ansehen wollte - dann weiß ich jetzt auch, wieso ich sie nicht gefunden habe ;)


    Rastrelli Ich kann deine Äußerungen zum "Kulturpalast" nur schwer nachvollziehen. Für mich gibt es kaum ein besseres Beispiel, wie Nachkriegsarchitektur ohne Sensibilität für den Ort einer (wenn auch zerstörten) Altstadt, oder die Stadtstrukturen allgemein einfach irgendwo hingeklotzt wurde. In der Nähe zum Schloss, die Fassade zum Altmarkt hin, den man, so wie ich das aus den Bildern interpretiere, schon zu DDR-Zeiten wieder angelegt und mit Gebäuden umgeben hat - das hat mit gelungener Stadtbildgestaltung nicht das Geringste zu tun.

    Dann das Gebäude selber - was soll dadran toll sein? Wenn man Fan moderner Architektur und riesigen, gleichförmigen Glas-Kästen ist - bitteschön. Aber wenn man die Qualität historischer Architektur zu schätzen gelernt hat, wie kann man dann noch irgendetwas an diesem Gebäude finden, das isoliert, wie ein Fremdkörper, irgendwo in der Stadt steht und einfach nur ein viereckiger Glaskasten auf Stelzen ist? Ich spreche jetzt von der Wirkung auf das Stadtbild, nicht vom Inneren.

    Auf dem Gebiet der ursprünglichen West-BRD würden Leute hier aus dem Forum sagen "hässlicher Nachkriegsschrott, weg damit", auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist es plötzlich ein "schützenswerter Vertreter der Ost-Moderne". Ich verstehe das nicht.


    Von daher ist es meiner Ansicht nach sehr zu begrüßen, wenn das Ding nun endgültig mit Gebäuden vom Neumarkt-Areal abgeriegelt wird und man auch vom Schloss aus nur noch durch eine schmale Lücke mit dem Anblick belästigt wird.

    Vielleicht wird man sich angesichts des fantastischen Neumarktareals bei der nächsten Sanierung in 50 Jahren ja erneut die Frage stellen, ob es dieses Gebäude wirklich braucht - und wenn man es wirklich erhalten möchte, kann man es ja vielleicht abbauen und außerhalb der Altstadt wieder irgendwo wieder hinstellen.

    Ich verstehe den Inhalt des Artikels ehrlich gesagt nicht ganz. Auf der einen Seite steht dort, im Grundbuch stünde, die evangelische Kirche müsse jedem Entwurf für das Kirchenschiff zustimmen.

    Auf der anderen Seite wird behauptet, da die Kirche ja eine Bedingung für ihr Darlehen gestellt hätte, wäre somit klar, dass es nur ein Kirchenschiff mit Bruch geben könne.

    Wenn aber im Grundbuch steht, die Kirche muss so oder so zustimmen, könnte die Stiftung doch auch einfach entscheiden, jetzt wird rekonstruiert, und dann hat die Kirche aufgrund des Grundbucheintrags nichts mehr zu melden?

    Wir kehren auf dem nächsten Bild zum Dom zurück und werfen einen Blick quer über den Roncalliplatz. Das offensichtliste Problem im Domumfeld ist das Römisch-Germanische Musuem. Ein derart einfallsloser, kahler Kasten direkt neben der bis in kleinste Detail durchdachten und perfekt proportionierten Pracht der Gotik tut den Augen weh.

    Viel hässlicher und einfallsloser kann man kaum bauen - und das neben dem schönsten Gebäude der Welt.

    Rechts sieht man die Ecke des Kuriengebäudes - das ja bald dem nächsten Betonklotz als Teil der "historischen Mitte" weichen soll.


    11 Domhof_2 heute


    Vor dem Krieg konnte man dagegen das Konzept der im Historismus freigestellten Kathedrale erleben: Der weite, unbebaute Domhof, erst im Hintergrund stehen die schon auf dem letzten Bild vom Domumfeld zu sehenden Eisenbahn-Verkehrsbüros. Ebenfalls auffällig ist der Zustand des Platzes vor dem Bau der Domplatte nach dem Krieg: das Gelände fällt zum Rhein hin ab und ist mit Gartenanlagen verschönert, durch den Höhenunterschied wird der Domhügel sichtbar, und es sind zusätzliche Treppen zum Südportal nötig.

    Rechts ragt der markante Eckturm des gründerzeitlichen Gebäudes an der Ecke des dortigen Häuserblockes empor.


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    Zugegebenermaßen steht der Dom so an dieser Stelle doch mit einer gewissen Distanz zur Stadt - und doch ist die historische Variante um ein Vielfaches passender und durchdachter als der heutige Zustand.

    Nach den bedrückenden Kriegsbildern wollen wir uns nun wieder Bildvergleichen widmen. Der heutige Zustand ist zwar häufig auch trist, aber ganz so schlimm wie zerbombte Häuser und Schuttberge dann natürlich nicht.


    Das nächste Bild zeigt die Straße "Am Hof". Um zum Aufnahmeort zu gelangen, muss man den Roncalliplatz nach Süden die Treppe herunter verlassen und sich einmal nach links drehen - schon ist man da.

    Schön sieht man übrigens die zum Rhein hin abfallende Straße, die auch das eigentliche Gefälle neben dem Dom repräsentiert, bevor die Domplatte gebaut wurde.

    Hier ist ein typisches Phänomen aus dem Wiederaufbau zu beobachten: Wo heute ein Gebäudekörper steht, befanden sich vor dem Krieg fünf Einzelfassaden.


    10 Am Hof_2 heute


    Erhalten geblieben, beziehungsweise teilrekonstruiert ist übrigens das Haus Saaleck am Ende der Häuserzeile.


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    Exilwiener Köln ist ja für den Automobilsektor eigentlich eine sehr bedeutende Stadt. Hier erfand Nicolaus August Otto nämlich den Otto-Motor. Ein Automobilhersteller ist hier allerdings leider nie entstanden, dafür beherbergte Köln schon in den 20/30ern ausländische Automobilwerke, übrig geblieben bis heute sind die Ford-Werke.


    Zu der Frage, wieso der Alter Markt heute so hässlich aussieht, muss man allerdings immer die Kriegszerstörung bedenken. Hier ein Bild aus der Kriegszeit, einzig stehen geblieben von der zuletzt gezeigten Häuserreihe ist das (wie schon erwähnt, in den 30ern in seinen Ursprungszustand versetzte) Haus zum Weißen Horn:

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    Eine weitere Perspektive zeigt, dass das Bild von 1942 oder 1943 sein muss (also die Datierung 1946 oben ist falsch), denn Groß Sankt Martin steht bis auf das Dach noch weitestgehend:

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    Allerdings wurde auch dieser Trümmerhaufen noch weiter bombardiert, sodass auch die bis dahin zum Glück nur gering beschädigten und architektonisch wertvollen Häuser in der Reihe (Zum Weißen Horn und die Jan-von-Werth-Apotheke) noch zerstört wurden. Hier sieht man noch den traurigen Rest vom Weißen Horn, seltsamerweise im Erdgeschoss mit einer Art Betonplatte verstärkt:


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    Wie man sieht, auch hier steht Groß Sankt Martin noch ganz gut da. Aus einer anderen Perspektive sieht man den Zerstörungsgrad der Häuserzeile :


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    Aber auch die zu Schuttbergen bombardierten Schuttberge, wurden im Januar und März 1945 (!) nochmals bombardiert, sodass sich am Ende des Krieges Groß Sankt Martin in dem bekannten Zustand befand, und auch die kümmerlichen Reste an der Ostseite auf dem letzten Bild haben das nicht überlebt:


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    Der Alter Markt wurde, wie man sieht, nahezu vollständig ausgelöscht. Man hätte also von den Kellerfundamenten her rekonstruieren müssen - bekanntermaßen hat man das bei keinem einzigen Haus getan (vom wiederaufgebauten Overstolzenhaus blieb die Fassade immerhin bis zum ersten Stock erhalten).

    Und so leben wir bis heute mit der Nachkriegsbebauung - ich hoffe mal, dass sich das in den kommenden Jahrzehnten ändern wird.

    Zurück zum Alter Markt, das Bild zeigt einen genaueren Blick auf die Nordostecke.

    Über die Häuser aus dem Wiederaufbau, die den typischen Kölner Stil aufzugreifen versuchen, hatten wir ja vor wenigen Beiträgen diskutiert - wer sich allerdings hinstellt und sagt, der Alter Markt sähe somit doch fast aus wie früher, der wird mit einem Blick auf das historische Bild eines besseren belehrt.


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    Auf dem historischen Bild sieht man in der Mitte die beiden gründerzeitlich überformten Renaissance-Häuser "Zum Weißen Horn" und "Zum Schwarzen Horn". Das linke der beiden wurde in den dreißiger Jahren übrigens, kurz vor seinem (hoffentlich auf lange Sicht nur vorübergehenden) Untergang in seinen Ursprungszustand zurück versetzt.


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    Der nächste Bildvergleich zeigt die Bebauung der Südseite des Marsplatzes (eine Straße vom Alter Markt entfernt).


    Vor dem Krieg stand dort ein relativ unspektakuläres Gründerzeitgebäude, heute steht dort ein relativ unspektakulärer Nachkriegsbau. Es sind Beispiele wie diese, die zeigen, wie stark der Kontrast zwischen der normalen, unspektakulären Masse der Architektur von heute und von vor dem Krieg ausfällt - und es mag hier Gegner des Historismus geben, aber welches Gebäude ansehnlicher ist, da sollte es wohl keine Meinungsverschiedenheiten geben.


    Das angeschnittene Haus links hat den Krieg und den Wiederaufbau bis auf das Dach übrigens als eines der ganz wenigen in dem ganzen Areal überlebt, wie man gut erkennen kann.


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    Kommen wir zum, sagen wir mal, krassesten Bildvergleich, den ich bisher hier eingestellt habe.

    Der Standpunkt ist die Johannisstraße, da wo sie unter den Bahngleisen zwischen Hauptbahnhof und Hohenzollernbrücke verläuft, die Blickrichtung geht am Chor des Doms vorbei Richtung Stadtzentrum.

    Heute schaut man auf eine trostlose Straßenschlucht, die zwischen Domplatte und den Gebäuden des Museum Ludwig entstanden ist und die in einem Tunneleingang endet. Man muss bedenken, dass der Dom am rechten Bildrand nur ganz knapp nicht im Bild ist, man sieht nur die Zweige des Baumes, der vor dem Chor steht.


    7 Domhof heute


    Früher hatte man dagegen den Blick über den historischen Domhof, links die Gebäude der Eisenbahn-Verkehrsbüros, in der Bildmitte der historische Petersbrunnen mit dem Treppenaufgang auf den Domhügel, im Hintergrund ist der Rathausturm zu sehen.


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    Wenn es einen Bildvergleich gibt, der treffend zusammenfasst, was nach dem Krieg im Domumfeld alles schief gelaufen ist, dann ist dieser sicherlich einer der aussagekräftigsten.

    Im Wiederaufbau wurde an einigen wenigen Stellen wie dem Alter Markt einige typische historische Kölner Architekturelemente aufgegriffen, das ist richtig. Die spitzen, schiefergedeckten Dächer, die recht schmalen Fassaden, der gerade Dachabschluss. Wenn man ein wenig genauer hinschaut, und das soll auch meine Bilderserie hier verdeutlichen, sieht man allerdings, dass andere, wichtige Details dort fehlen und der Wiederaufbau am Alter Markt mehr eine schlecht gemachte Imitation denn einen originalgetreuer Wiederaufbau darstellt.


    Das ist auch der Fokus, den ich auf meine Bildauswahl lege, ich möchte auch möglichst viel vom wirklich alten Köln zeigen (was an vielen Stellen schon im 19. Jahrhundert verschwunden ist) und nicht bei den immer selben Motiven wie Oper, Bahnhof oder der Ringstraße bleiben, die zwar auch sehr schön sind, aber eben auch erst im 19./20. Jahrhundert gebaut wurden.

    Im Vergleich zu Frankfurt oder Nürnberg wirkt das alte Köln an vielen Stellen etwas schlicht, vielleicht sogar streng, versprüht aber doch seinen ganz eigenen Charme. Das finde ich auch gerade das Tolle, wie unterschiedlich die Städte je nach Region waren.

    Das nächste Bild zeigt ungefähr die Hälfte des Alter Marktes mit Blick Richtung Norden.


    Die Nordseite, die man in der Bildmitte auf dem historischen Foto sieht, wurde im Kaiserreich noch komplett abgebrochen und durch Historismus-Bauten ersetzt, in dem Zuge wurde auch die sehr schmale Bechergasse verbreitert.

    Heute steht dort die nach dem Rathaus zweithässlichste Fassade am Alter Markt, als Teil eines riesigen Komplexes, der bis auf die andere Seite des zugehörigen Häuserblockes reicht.


    6 Alter_Markt heute


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    Der untere Teil der Lintgasse mit Blick Richtung Rhein:

    Die Lintgasse ist ja bekannt als eine der verschwindend wenigen Straßen in der Kölner Innenstadt, die den Krieg halbwegs unbeschadet überstanden haben und die zur heute so bezeichneten "Altstadt" gehören.

    Auf der rechten Seite sieht man auf dem heutigen Bild im Vergleich zum historischen (was wohl um 1930 herum aufgenommen wurde) die Veränderungen, die die Altstadtsanierung in den 30er Jahren gebracht haben. Auf der linken Seite sieht man dagegen die Wunden, die der Krieg auch hier gerissen hat. Auch hier wurden schmale Altstadthäuser letztendlich durch zu große Interpretationen im Wiederaufbau ersetzt. Links sieht man angeschnitten einen der völlig Altstadt-untauglichen Bauten, die Groß Sankt Martin vom umgebenden Viertel regelrecht abriegeln.


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    Das Jan-von-Werth-Denkmal vor der Westseite des Alter Markt:

    Wo früher eine geschlossene Häuserzeile mit vielen schmalen, schlichten Häusern war, hat man heute durch eine große Lücke in der Bebauung einen in der Form ahistorischen Blick auf den Rathausturm. Die Lücke wird in den kommenden Jahren etwas kleiner werden, denn dort wird das "rote Haus" über dem Ubahn-Eingang wieder errichtet.

    Der Rathausturm und das Standbild entsprechen heute weitestgehend den historischen Originalen.


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