Posts by Agon

    Auch habe ich noch nie erlebt, dass Chipperfield und die Sympathisanten seiner Architektur persönlich derart infam verunglimpft werden wie die Schlossfreunde, dass man den Bau per se für unmoralisch hält oder dass man dabei auf so perfide Weise Fakten (auch biographische und historische) manipuliert.

    Ich sehe überhaupt gar keinen Grund Underdog-Narrative zu verbreiten. Interessen müssen sich halt, und das auch in einem Fachpublikum, organisieren. Das Stadtschloss steht, weil es zudem die Fantasien der Leute angeregt hat.

    Das ist so von Anfang an so sehr Unsinn, dass es jedenfalls unterhaltsam sein darf. Wie Flacherde, Hohjerde und Welteistheorie.

    Man findet bestimmt auch was, das lustig die Templer und den Flughafen Tempelhof mitsamt seinen Kellergewölben verbindet. Und dann man historische Ereignisse wie die Berlin-Blockade oder vorher das Eintauschen von Westberlin durch die Westmächte nehmen.. und endet dann in der Neuzeit bei der Volksabstimmung, nach der Flughafen Tempelhof entweder nur ganz wenig am Rand bebaut werden durfte oder rein gar nicht, überhaupt nicht bebaut werden darf... und die große Frage ist, was versteckt sich unter dem Feld?

    Der RBB macht seit einiger Zeit kein ausgewogenes Programm, das Programm besonders die Abendschau ist auf ganzer Linie links / grün lastig. Sie versuchen besonders zum Thema Berliner Schloss die berühmten Haare in der Suppe zu finden.

    Aus meiner Sicht hat das mit den Grünen nichts zu tun. Es gibt halt Leute, denen gefällt dieser Bau und anderen nicht. In den verschiedensten politischen Lagern in Berlin. Und ein bischen Streit und Gefrotzel gehört in Berlin immer dazu. Zeitungen brauchen Kontroverse. Dumm nur, wenn man eine Debatte entlang von Parteigrenzen sich zurecht rahmt. Wichtig ist auch weiterhin nicht platt parteipolitisch zu polarisieren.

    Was mich besonders ärgert sind die gebrochenen Versprechungen. Denn das Kreativzentrum wurde von Anfang an nur als Zwischennutzung vor dem versprochenen Abriss vereinbart. Dieses Versprechen ist also nun gebrochen. Ein Kompromiss ist das nicht, sondern eine Unterminierung politischer Glaubwürdigkeit.

    Da redet man als lang und breit kulturpolitisch über die Benin-Bronzen Rückgabe und kriegt es nicht mal gebacken die "Dauerleihgaben" auf der Humboldtuniversität aus Potsdam zurück zu geben, damit sie in Potsdam auf dem Stadtschloss stehen können.

    Ich finde die Farbe sehr gut, vor allem in Tchechien gibt es ja sehr viel solche erdigen Farbtöne bei historischen Fassaden.


    Und an den Fassaden ist das Bemühen um Abwechslung und Spiel zu erkennen, gelungen wie mir scheint.

    Es ist zwar sehr konservativ aber passt nicht in den Ort. Wir haben den (leicht abgefackelten) Fachwerkkern und die typischen abgerockten Ladenfassaden an der Durchgangsstrasse.

    Zitat:

    Disput um Hamburgs neue Hauptsynagoge

    Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich »historisierender Rekonstruktion« des Gotteshauses

    https://www.neues-deutschland.…s-neue-hauptsynagoge.html

    Harter Tobak:

    "An der »historisierenden Rekonstruktion der Bornplatz-Synagoge ist auf besondere Weise problematisch, dass dadurch das Resultat verbrecherischer Handlungen unsichtbar gemacht und die Erinnerung an diese Verbrechen erschwert wird«, heißt es.
    "


    Ich würde mir an der Stelle wünschen, dass es stichhaltigere Argumente gegen den Rekonstruktionsansatz gibt. Quasi, eine Runde Disneyland, bitte. Ich denke, die engagierte Gemeinde kommt sich ein bisschen komisch vor, wenn so etwas ins Feld geführt wird. Also polemisch überspitzt, wenn das jüdische Leben im heute weg wäre, würden wir unsre Juden mehr vermissen, die Lebendigkeit jüdischen Lebens und religiöser Praxis störe die Erinnerungskultur...

    Nun hatten wir das gleiche in Dresden ja auch, mit der Frauenkirchenruine als Luftkriegsdenkmal. Dort habe ich den Eindruck, dass die Kirche im guten Sinne die Stadt geheilt hat, und so denke ich auch, dass eine rekonstruierte Synagoge gut für Hamburg tun würde. Vor allen Dingen ja auch die Selbstverständlichkeit eines in der Stadt verwurzelten jüdischen Lebens dokumentieren.

    Ich möchte hier noch darauf hinweisen, dass es eine genuin jüdische Diskussion um Rekonstruktionen gibt, nämlich konkret bezgl. des Wiederaufbau des Salomonischen Tempels.

    Ich finde es heute einfach angemessen, dass wir die äußeren Formen jüdischen Lebens widerherstellen und dazu gehört auch die Rekonstruktion zerstörter Synagogen.

    Das ist so nur halb richtig. Der Senat verwendet für das Terrain die hohle Phrase "Ort der Demokratie", um den Status quo soweit wie möglich erhalten zu können, und natürlich, um jeglichen Gedanken an eine (Teil-)Wiederbebauung schon im Keim ersticken zu können.

    Dass es zynisch ist die Staatskunst des DDR Regimes in seiner geriatrischen Phase, Marx und Engels stammen von 86, als Ort der Demokratie aufleben zu lassen, sollte doch jedenfalls aufmerken lassen.

    Es wird einfach zu oft vergessen, wie viele vermeintliche Originale Rekonstruktionen nach Kriegszerstörungen sind, ausgebrannte Gemäuer eben. Das macht ja auch gar nicht. Es ist auch normal, dass Barockgärten Rekonstruktionen sind. Rekonstruktionen und Nicht-Rekonstruktionen verschwimmen.

    Den schönsten Satz in dem Zusammenhang war der Hinweis eines Freundes, dass ins Braunschweiger Schloss ja sogar ein Supermarkt hineingebaut worden sei.