Posts by Pagentorn

    Reidemeister & Ulrichs


    Auf dem folgenden, oben bereits eingestellten Foto ist übrigens rechts von der Verdeck-Plane des Lasters der historische Firmensitz der altehrwürdigen bremischen Weinimport-Firma 'Reidemeister & Ulrichs' an der Straße 'Auf der Brake' zu sehen. Auch dieses Gebäude mußte der unsäglichen Trassenplanung (Breitenweg / Mozartstraße / Weserquerung) weichen . Die Firma gab ihren Stammsitz nur sehr widerwillig auf und siedelte ungern in das Freihafengebiet über.




    Ansicht des Gebäudes vor 1914.


    Das 'St. Petersburg'


    Lieber Heinzer, das Gebäude, auf welches Sie hinweisen, gehörte nicht zum Komplex des Etablissements 'Tivoli', sondern war der recht nüchterne Rumpf des ehemaligen eleganten Hotels St. Petersburg, gelegen an der westlichen Ecke der Einmündung der Straße 'Auf der Brake' in den Breitenweg. Anbei - auf die schnelle - einige Ansichten:


    Ansicht des Rumpf-Gebäudes von Westen in der Nachkriegszeit. Markant ist die Reklame der Firma Philips an der hohen Westwand. Hinter dem Gebäude erscheint der alte Eckturm des Tivoli-Komplexes zur Straße ' Auf der Brake' sowie der anschließende Seitenflügel des historischen Theaters.



    Luftbild aus der Nachkriegszeit . Das St. Petersburg ist rot eingekreist. Links daneben: ist das mit roten Ziegeln gedeckte Dach des Tivoli-Turms erkennbar.



    Das St. Petersburg auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



    Luftbild aus der Vorkriegszeit. Die Ostfassade des St. Petersburg ist rot eingekreist.



    Der Ostgiebel des St. Petersburg von einem Standpunkt vor der Hauptfassade des Tivoli aus gesehen.



    Kolorierte Ansichtskarte des St. Petersburg von vor 1914.



    Collage von Tivoli, St. Petersburg und Ostteil der Badeanstalt. Die einmündenden Straßen sind (links) die Straße 'Auf der Brake' und (rechts) der Herdentorsteinweg . Direkt neben dem St. Petersburg ist noch der 'Darmstädter Hof' sichtbar.


    Wie lange schallt nu woll stan ?


    An einem Hause, welches an der Südseite der Hastedter Heerstraße zwischen der Deichbruchstraße und der Straße ‚ Bei den vier Linden’ gelegen ist, entdeckte ich neulich während einer Vorbeifahrt in der Straßenbahn zufällig die folgenden in Plattdeutsch gehaltenen Inschriftentafeln, deren Inhalt ich den Forums-Freunden aufgrund der teilweisen Verallgemeinerungsfähigkeit des Inhalts nicht vorenthalten möchte (ich muß zugeben, daß diese Tafeln der eigentliche Anlaß für mich waren, den Themenstrang ‚Hastedt’ zu eröffnen).


    Abbildung 01

    Lage des Grundstücks innerhalb Hastedts (auf der Stadtkarte von 1913 rot eingekreist).



    Abbildung 02

    Luftbild des Gebäudes mit Blickrichtung Süd (Gebäude rot eingekreist).



    Abbildung 03

    Ansicht des Gebäudes aus westlicher Richtung. Die drei Inschriftentafeln befinden sich in den Brüstungsfeldern der beiden Erker.

    (Dieses und auch die unten noch folgenden, vier weiteren Fotos dieses Beitrags von mir im Februar 2020 aufgenommen.)



    Abbildung 04

    Ansicht des Gebäudes aus östlicher Richtung



    Abbildung 05

    „Dit Hus hefft boen laten

    Diedrich Wessels

    un sein Froo

    Johanne geb. Gerdes“



    Abbildung 06

    „Dit Hus is 1935 ton Andenken an

    Diedrich Wessels

    un sine Froo

    Meta, geborene Baade, boot.“



    Abbildung 07

    „1935 hefft wi’t boot,

    1945 hefft se’t twei smeten,

    1949 hefft wi’t heel makt.

    Wie lange schallt nu woll stan ?“


    (Ist diese platteutsche Wortwahl bei der Beschreibung der Hausgeschichte nicht köstlich - insbesondere in der zweiten und dritten Zeile ?)




    "Wie lange schallt nu woll stan ?“ - diese Frage kann man sich - mit der Ergänzung des Wortes ' noch' zwischen 'woll' und 'stan' -bei diversen in Bremen und ganz Deutschland vom Abriß bedrohten , historischen Gebäuden fragen. Und bezogen auf geplante , absehbare Bausünden kann einem der gleiche zweifelnde Gedanke kommen...

    Jüdischer Friedhof


    In Hastedt befindet sich auch der historische jüdische Friedhof Bremens, der – aufgrund seiner Lage im Binnenbereich eines Baublocks – das Dritte Reich weitestgehend unbeschadet überstehen konnte.


    Lage des jüdischen Friedhofs innerhalb Hastedts (auf der Stadtkarte von 1913 rot eingekreist).



    Ansicht vom Gräberfeld (Foto von Matthias Süßen).


    Hastedter Kirche


    Noch bevor in Hastedt 1867 eine eigene Kirchengemeinde errichtet und das Dorf aus dem Pfarrsprengel von St. Remberti entlassen wurde, hatte der Hastedter Kirchebauverein im Jahre 1862 die heute noch bestehende, erste Kirche innerhalb der Grenzen der Feldmark errichtet.

    Vom äußeren Erscheinungsbild weist die Kirche übrigens eine recht große Ähnlichkeit mit der nach einem von Friedrich Adler überarbeiten Typenentwurf Friedrich August Stülers 1854 bis 1858 errichteten Bartholomäus-Kirche in Berlin-Friedrichshain auf. Insbesondere die Gestaltung des Turmes mit dem ‚gezackten’ Ansatz des Helms weist in dieser Hinsicht eine markante Parallele auf. Ob sich die Hastedter an der Kirche in Friedrichshain orientiert haben, bleibt zu klären.



    Kirche und Pastorat auf einer historischen Ansichtskarte.



    Lage der Kirche innerhalb Hastedts (auf der Stadtkarte von 1913 rot eingekreist), am westlichsten Rand der ehemaligen Feldmark.



    Vergleich der Hastedter Dorfkirche (links; Foto von ‚Godewind’)) mit der Bartholomäus-Kirche in Berlin-Friedrichshain (rechts).


    Hastedt


    Das 1226 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Hastedt bildete bis zum Reichsdeputationshauptschluß 1803 die westlichste Spitze eines keilartig in das Gebiet der Freien Reichsstadt Bremen hereinragenden Territoriums, welches ursprünglich dem Ezrstift Bremen und später dessen Rechtsnachfolgern Schweden bzw. Hannover zugeordnet gewesen war. Seither gehörte es zum stadtbremischen Landgebiet. Da im Zuge der Eingemeindung Hastedts in das eigentliche Stadtgebiet im Jahre 1902 die westlichsten Teile der früheren Feldmark abgetrennt und dem Ortsteil Hulsberg der Östlichen Vorstadt zugeschlagen wurden, ergibt sich die kuriose Situation, daß z.B. die Kirche, welche im genannten westlichsten Bereich lag, sich seither in administrativer Hinsicht nicht mehr im Areal des namensgebenden Dorfes befindet ! Die wechselvolle Geschichte dieses Straßendorfes, in welchem sich aufgrund zahlreicher Zerstörungen im Laufe der Jahrhunderte fast keine historisch wertvollen Bauerngehöfte erhalten konnten, ist sehr detailliert von Hanna Lampe (einer Nachkommin des alten Pagentorner Bauerngschlechts ‚Lampe’) dokumentiert worden. Auf ihre Arbeiten sei in diesem Zusammenhang verwiesen. Hastedt ist heute ein Ortsteil des (erst 1939 von Preußen an Bremen gekommenen) Stadtteils Hemelingen.


    Grobe Angabe der Position Hastedts innerhalb des Bremischen Gebietes auf der Stadtkarte von 1913 (rot eingekreist).



    Vergrößerter Ausschnitt aus der Stadtkarte von 1913 mit dem Gebiet von Hastedt.


    Hopfen- und Weinstraße


    Lieber findorffer,


    das Bundeswehrhochhaus befindet sich auf dem Areal, welches vor der Zerstörung von Teilen der Hopfen - bzw. Weinstraße eingenommen wurde. Von diesem Gebiet sind mir keine Vorkriegsaufnahmen und noch nicht einmal Zerstörungsfotos bekannt. Man kann nur hoffen, daß sich im Staatsarchiv und in privaten Haushalten Abbildungen erhalten haben. An letztere ist natürlich - ohne Aufruf in der Presse und im Internet - schwer heranzukommen...


    Anbei ein Vergleich der Stadtkarte von 1938 mit einem - einigermaßen - aktuellen Luftbild (heutiges Bundeswehrgelände jeweils rot eingekastelt).


    Beitrag von Iris Johanna Bauer im neuen ‚Bremischen Jahrbuch’


    In der neuesten Ausgabe des vom Staatsarchiv Bremen in Verbindung mit der Historischen Gesellschaft Bremen herausgegebenen und von Staatsarchivdirektor Prof. Dr. Konrad Elmshäuser redaktionell verantworteten ‚Bremischen Jahrbuchs’ (Band 98; 2019) ist auf den Seiten 234 bis 256 der Beitrag


    „Abschluß mit der Vergangenheit: Die Konflikte um den Abriss der Kirchenruinen von St. Ansgarii und St. Wilhadi in Bremen (1946 – 1964)“


    von Iris Johanna Bauer enthalten, der unter anderem ein hochinteressantes Streiflicht auf den vom Architekten Erik Schott unternommenen, allerletzten Rettungsversuch zum Erhalt der noch stehenden Ruinenteile wirft. Nach diesem Plan hätten hoher Chor, Zütphen-Kapelle und Schulhaus wieder instand gesetzt und dem Kaufhaus beigesellt werden sollen. Nicht ideal, aber allemal besser als der erfolgte Abriß !


    Jedem, dem das Bremische Jahrbuch zugänglich ist, sei dieser Beitrag wärmstens empfohlen. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich hier leider kein Digitalisat einstellen.


    P.S.: Frau Bauer schließt ihre Abhandlung übrigens mit einem Verweis auf den hiesigen Verein zum Wiederaufbau von Anschari ab…


    :applaus:

    Zeremonieller Einzug des Senats


    Über die Art und Weise, wie der der Hohe Senat der Freien Hansestadt Bremen vor 1918, anläßlich feierlicher gemeinsamer Zusammenkünfte mit der Bürgerschaft ,in die Oberer Rathaushalle und in das neue Ratsgestühl einzuziehen pflegte, findet man in der – mir zur Verfügung stehenden Literatur – leider nichts. Solange keine einschlägige Quellen-Recherche erfolgt ist, darf daher über diese Frage trefflich spekuliert werden.


    Der Senat wird sich vor Fertigstellung des Neuen Rathauses in dem unmittelbar nördlich an die Oberer Halle anschließenden Raum versammelt haben, dessen Kamin und dessen zwei Durchgangstüren zur Oberen Halle sich bis heute an unveränderter Stelle im oberen Vorplatz zur Festtreppe erhalten haben. Seit der Ingebrauchnahme des Neuen Rathauses wird der Senat sich dann im Senatssaal zusammengefunden haben und durch die marmorne Wandelhalle zu eben jenem Vorplatz gezogen sein. Der aus sechzehn Senatoren und zwei Bürgermeistern (von denen einer Präsident des Senats war) bestehende Zug, wird sich sinnvoller Weise in zwei Reihen nebeneinander aufgestellt haben, wobei die beiden Bürgermeister den Abschluß gebildet haben dürften.


    Im Vorraum bzw. Vorplatz bestanden dann zwei Möglichkeiten:


    Bei der ersten Variante hätte man durch die östlichste Tür der Oberen Rathaushalle einziehen können. Dabei hätten sich die beiden Reihen getrennt. Die Reihe mit dem Präsidenten des Senats hätte, da ihr die vornehmere (vom Gestühl in die Halle aus betrachtet) linke ‚Herzseite’ des Gestühls zustand, die Obere Halle als erste betreten, wäre dann hinter dem Gestühl vorangeschritten, bis der an der Spitze befindliche Senator das westliche Kopfende der südlichen Schmalseite des Gestühls erreicht hätte. Dort wäre dieser Senator solange verharrt, bis sein Kollege an der Spitze der anderen Reihe die entsprechende Position am westlichen Kopfende der nördlichen Schmalseite erreicht hätte. Dann wären beide Reihen simultan bis zum Bereich mittig vor dem Bürgermeistertisch gezogen, wobei sie zeitweise wieder Seite an Seite geschritten wären, nur um sich vor dem Bürgermeistertsich erneut zu trennen. Die beiden Senatoren an der Spitze des Zuges wären dann, nach Vollführung einer ‚Haarnadelkurve’, an den beiden westlichsten Sentorensitzen angelangt und hätten dort stehend vor ihrem Sitz gewartet.. Die ihnen nachfolgenden sieben Kollegen hätten dann einen jeweils um einen Sitz verkürzten Weg zurücklegen müssen (wodurch der letzte Senator in der Reihe den kürzesten Weg gehabt hätte). Schließlich wären die beiden Bürgermeister simultan nördlich bzw. südlich um den Bürgermeistertisch herumgegangen und hätten sich zeitgleich auf den Bürgermeisterstühlen niedergelassen. Unmittelbar danach hätten auch die Senatoren Platz genommen.


    Bei der zweiten Variante hätte die ‚Senats-Prozession’ ihren Weg durch die zweit-östlichste Tür in die Obere Halle nehmen können. Dabei hätten die beiden Reihen ihre Position im Vorraum bzw. im Vorplatz gegeneinander vertauschen müssen. Sie wären dann durch den offenen Bereich zwischen den beiden Schranken ins Gestühl eingezogen. Hierbei hätte keiner der beiden Reihen zeitweilig warten müssen. Der übrige Ablauf wäre wie bei der ersten Variante gewesen.


    Ob der Einzug des Senats durch Fanfarenklänge untermalt wurde, die von Musikern, die man beispielsweise im alten Archivraum oberhalb der Güldenkammer (der in der Tat ursprünglich für die Ratsmusiker [den Bremer 'Stadtmusikanten'…])gedacht war) gut hätte positionieren können, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, hätte aber der Würde der Zeremonie entsprochen…


    Abbildung 01

    Der Weg vom Senatssitzungssaal bis zum Vorplatz.



    Abbildung 02

    Variante 1: Einzug durch die östlichste Tür.



    Abbildung 03

    Variante 2: Einzug durch die zweit-östlichste Tür.



    Abbildung 04

    Der Vorplatz der Festtreppe. Unmittelbar rechts außerhalb des Bildbereichs befindet sich die Wand zur oberen Rathaushalle mit den beiden Türen. Der lila Pfeil markiert den Weg der Senatoren-Prozession, inklusive der beiden sich hier ergebenden Varianten.



    Abbildung 05

    Der Kamin des alten Vorraums, der – selber unverrückt – den oberen Vorplatz zur Festtreppe schmückt. Die beiden genannten Türen sind durch Ziffern hervorgehoben: Die Nr. 1 bezeichnet die östlichste Tür zur oberen Halle und zum Bereich hinter dem Ratsgestühl. Die Nr. 2 steht für die Tür, die bei der zweiten Variante zu wählen gewesen wäre und bei der die Prozession die Gestühls-Schranken hätte durchschreiten müssen.



    Abbildung 06

    Die östlichste Tür zur oberen Halle von der Halle aus gesehen (rot eingekastelt).



    Abbildung 07

    Collage, die Bremens großen Bürgermeister Alfred Dominicus Pauli (aus Lübeck gebürtig und ein Vertrauter Kaiser Wilhelms II.) bei Variation 1 zeigt.



    Abbildung 08

    Bürgermeister (und Präsident des Senats) Pauli bei Variation 2.



    Hier noch einige Fanfarenklänge, die man sich zu dem festlichen Einzug des Senats hinzudenken mag…


    Bildhauerei-Betrieb Conrad Buchner



    Adreßbuch 1903.



    Lage auf der Karte von 1913 (roter Pfeil).



    Aktuelles Luftbild. Auf dem Areal des mehrgeschossigen, weißen Wohnhauses direkt hinter dem historischen Cafe-Gebäude mögen einst die Bildhauerwerkstätten gelegen haben.


    Eröffnung der Diskussion / _Motivationsfrage für den Teilabbruch


    So, nun bin ich mit der Dokumentation weitestgehend fertig und würde mich freuen, zu hören, ob die verehrten Mitforisten die Reduktion des Ratsgestühls im Jahre 1955 ebenfalls als Verlust ansehen.


    Da hier weder eine Kriegszerstörung vorlag, noch wirtschaftliche Aspekte eine Ursache für den Abbau gewesen sein dürften, bleibt nur die abschätzige Beurteilung durch die Epigonen von Poppes Konkurrenten, die als Erklärung für die Zerstückelung herhalten muß.

    Vielleicht dann aber auch noch dies: Villa 1895 hat das Gestühl als Ausdruck von Lebensfreude, Optimismus, Selbstsicherheit und Zukunftszuversicht charakterisiert. Möglicherweise gefiel den Entscheidungsträgern von 1955 dieses unverkrampfte Selbstbewußstein der Kaiserzeit nicht mehr ? Möglicherweise sollten sich auch die Bremer durch den Abbau ihres Ratsgestühls symbolisch 'ducken' und 'klein machen'....?

    Und vielleicht wurde, um diese Motivationslage zunächst zu verschleiern, das Narrativ von der vermeintlichen Unmaßstäblichkeit, der angeblichen Überladenheit und dem kaiserlichen Prunk und Protz in die Welt gesetzt ?

    Wer kennt nicht das sich in diesem Zusammenhang oft einstellende Phänomen, daß eine übelwollende Verleumdung, sobald sie nur oft genug unwidersprochen wiederholt wird, von einem Großteil der Zuhörer, sofern sich diese nicht eingehend mit der Thematik befaßt haben und die tatsächlichen Umstände kennen, für bare Münze genommen wird. Ich möchte hier behaupten, daß Poppes Ratsgestühl ein Opfer dieses Phänomens geworden ist !


    Anbei, als Abschluß für heute, noch zwei - sich seinerzeit gut verkaufende - Ansichtskarten aus der Kaiserzeit, die belegen wie populär das Ratsgestühl vor 1914 war.


    P.S.: Und siehe da, die besagte Firma (Conrad) Buchner wir dabei auch erwähnt !:wink:



    Vergleich mit den Hansischen Schwestern


    Betrachtet man die Ratsgestühle im Audienzsaal des Lübecker Rathauses bzw. im Festsaal des Hamburger Rathauses , so fällt auf, daß sie entweder eine Schranke (Lübeck) oder eine hohe Rückwand (Hamburg) besitzen. Ein gänzlicher Verzicht auf beide Elemente - wie in Bremen - ist dort nicht zu verzeichnen. Bremen hat sich somit mit der weitestgehenden Demontage seines durchdachten und anspruchsvollen Ratsgestühls ohne Not zur unscheinbarsten der drei Schwertern gemacht !


    Audienzsaal Lübeck.



    Festsaal Hamburg.



    Bremen.


    Hersteller-Firmen


    Einen ganz maßgeblichen Anteil an der Umsetzung der Ideen Poppes für das Ratsgestühl hatte die Firma 'J. H. Schäfer & Co. , Dampftischlerei und Parquettfußbodenfabrik', ansässig im Steintorviertel (Ortsteil der Östlichen Vorstadt) und zwar in der Straße Fehrfeld Nr. 39/40 sowie 48/49.


    Lage des Betriebes auf der Stadtkarte von 1938.



    Ansicht des Fabrikgeländes von der Straße Fehrfeld aus gesehen.



    Belegschaft der Firma um 1875. Einige der hier abgebildeten Tischler dürften ein Vierteljahrhundert später noch am Ratsgestühl mitgearbeitet haben.



    Hier noch ein Link zu einer Abhandlung über die Firma J.H. Schäfer.

    https://tuprints.ulb.tu-darmst…/Benje_Regionalstudie.pdf

    (Dort zu finden auf den Seiten 83 bis 86.)


    Auch von der Firm Buchner aus Schwachhausen (vielen Bremern ja noch vom Cafe Buchner her bekannt), wird behauptet, daß sie am Ratsgestühl mitgearbeitet habe.

    Hundert Jahre Nutzung des Ratsgestühls in Bildern

    Beim Staatsbankett in der Oberen Rathaushalle am 22. März 1905 - anläßlich der Enthüllungsfeierlichkeiten des Kaiser -Friedrich-Denkmals - wird auch S.M. Kaiser Wilhelm II. Gelegenheit gehabt haben, das seinerzeit nagelneue Ratsgestühl gebührend in Augenschein zu nehmen. Aquarell von Willy Stöwer.



    Staatsbankett für Reichspräsident Paul von Hindenburg am 21. Oktober 1926. Gemälde von Karl Dannemann. Das Bild hängt heute noch im Neuen Rathaus und zwar in der kleinen Halle am Fuße der Festtreppe.



    Empfang der drei Ozeanflieger Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr v. Hünefeld und James Fitzmaurice im Bremer Rathaus am 18.Juni 1929, durch ...



    ... den Senat unter der Leitung von Bürgermeister (und Präsidenten des Senats) Dr. Martin Donandt.



    Besuch von Hermann Göring im Rathaus am 13. Februar 1935 (links - der in Oldenburg residierende [!] - Gauleiter Carl Röver , rechts Bürgermeister Otto Heider).



    Bürgermeister Wilhelm Kaisen bei der Aufzeichnung einer Fernsehansprache vor 1955 (dem Jahr des Abbaus der Aufbauten).



    Der Lieblingsplatz von Bürgermeister Henning Scherf im Bremer Rathaus... (Bericht aus dem Jahre 2000)


    Teil 12: Tische und Stühle für Syndici und Protokollanten

    Auch dieses Mobiliar hat sich unverändert erhalten, wenn man einmal von der Erneuerung der Lederbespannung und der wiederholten Änderung der farbigen Fassung absieht. Letztere war ja ursprünglich eine dunkle Beize , die dann nach Abbau der Aufbauten des Gestühls abgewaschen wurde, sodaß die helle Holzfarbe zum Vorschein kam. Seit ungefähr einem Jahrzehnt wird nun wieder an den in der Oberen Halle verbliebenen Teilen des Rastsgestühls und auch der Wandvertäfelung eine dunkle Beize aufgebracht...


    Position der Sydici- und Protokollantentische und -stühle (jeweils rot markiert).