Posts by Pagentorn

    Wissen Sie was,


    ich frage mich langsam, was Sie - und die Gruppe Ihrer Claquere- hier in diesem Strang eigentlich wollen ?


    Ständig und immer preisen Sie denselben abgestandenen moralinsauren Cocktail an, nach dem es letztlich unstatthaft ist, auch einmal die positiven Seiten des Kaiserreichs auf den Leser wirken zu lassen, ohne sofort das 'Ja, ABER' mit hochgezogenen Augenbrauen und erhobenem Zeigefinger erschallen zu lassen. Neue Ansätze und frisches Denken sollen auf diese Art überzementiert und unter der Decke gehalten werden. Es hat etwas von der ostentativ zur Schau getragenen Frömmigkeit in der ersten Kirchenbank, von der Streberhaftigkeit des gelehrigen Musterschülers, der dem Lehrmeister immer schön brav zu Willens sein will.


    Das wird auf die Dauer sehr langweilig und stößt auch ab.

    IInsofern ist seine Vergangenheit ein ganz schlechtes Argument.

    Ach ja ?


    Schon mal auf den Gedanken gekommen, daß hier jemand eine dem neuen Zeitgeist genehme Forschung betrieb, um von dunklen Flecken der eigenen persönlichen Vergangenheit abzulenken ?


    Sonst ist doch schon ein Passant, der lediglich an einem Parteibüro der NDSDAP vorbeiging (und das auch noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite) verdächtig und als Referenz nicht vertrauenswürdig...

    P.S.: Da ich meine Elle verlegt habe (und auch nur eine besitze), wären Sie bitte so freundlich mir eine der beiden Ihren auszuborgen ?

    Mir reicht auch die kürzere; Sie haben doch sicherlich zwei verschieden lange...

    Wie sich zeigt, hat Fischer die Wissenschaft ein Stück vorangebracht:

    Da Sie hier ja einen 'wikipedia'-Artikel zitieren (ob diese Internet-Enzyklopädie als Referenz durchgehend taugt, mag hier mal dahingestellt bleiben) wird Ihnen ja nicht die dort beschriebene Verflechtung Fischers im Nationalsozialistischen Staat verborgen geblieben sein.


    Hätten Fischers Forschungen Ergebnisse gezeitigt, die das Kaiserreich in einem positiveren Licht erscheinen ließen, gebe ich Ihnen Brief und Siegel darauf, daß Sie diesen Historiker zumindest als 'umstritten' charakterisiert hätten, als einen Mann, der aufgrund seiner zweifelhaften Vita nicht als Referenz taugt.


    Daß Sie Fischers 'Vorleben' hier ausblenden, ist insofern bezeichnend, aber für mich nicht verwunderlich...

    Die anliegende Postkarte aus dem 1. Weltkrieg würde unter den Prämissen des oben skizzierten Szenarios lediglich einen Übergangszustand darstellen:



    Hier sind die Germania mit der heraldischen Krone des 2. Reiches und rechts die Austria mit der rudolphinischen Hauskrone zu sehen.


    Borussia, Bavaria und Saxonia sowie alle anderen Personifikiationen der deutschen Lande bis hin zur Brema tauchen im Bilde nicht auf.


    Im weiteren Verlauf des Gedankenexperiments, würde sich die Austria - gemeinsam mit der Bohemia - zwischen Borussia und Bavaria in der zweiten Reihe (hinter der Germannia) einordnen, vorab aber der ihr nun übergeordneten Germania den Schild mit dem doppelköpfigen Adler übergeben. Die rudolphinische Hauskrone würde die Rangkrone des Erzherzogtums Österreich (in der erweiterten Bedeutung) werden - im gleichen Range wie die preußische und die böhmische Wenzels-Krone. Die Germania erhielte wieder die ehrwürdige heilige Reichskrone aufs Haupt gesetzt... Die heraldische Krone des 2. Reiches hätte nur noch historische Bedeutung oder könnte - im Falle einer letztendlichen Anfertigung - ähnlich der 'Imperial State Crown' zu offiziellen Anlässen (außer der Krönung) Verwendung finden.


    Auch solche heraldischen Fragen, wären bei einer Vereinigung der genannten Habsburgerlande mit dem Deutschen Kaiserreich zu bedenken, auch wenn mache diese Details für spinnert und spleenig abtun würden. Für andere haben Sie bis heute eine gewisse Form von Magie und Poesie... Schöne Ornamente, die ein Staatswesen attraktiver und anschaulicher gestalten...

    Bzgl. Rastrellis Ausführungen zur Frage eines Beitritts der Habsburger zum Bismarckreich


    Na also, geht doch ! Warum denn nicht gleich so ?


    Jedenfalls danke, daß Sie sich der Mühe unterzogen haben und sich auf das Gedankenexperiment einlassen !


    Es ist Ihnen zu konzedieren, daß ich mich begrifflich präziser hätte fassen müssen. Zwar habe ich hier schon mehrfach ausdrücklich Galizien und Dalmatien aus meinen Überlegungen ausgeschlossen. Die Bukowina und Bosnien-Herzegowina wurden von mir allerdings übergangen, weil sich deren Beinhaltung nach dem Ausschluß von Galizien und Dalmatien eigentlich logischerweise von selber verbat. Das Gebiet welches ich hier als habsburgischen ‚Beitrittskandidaten’ behandelt sehen möchte, ist also dasjenige welches bis zum Ende des alten Reiches innerhalb von dessen Grenzen gelegen war plus das primär aus ehemaligen Gebieten der Republik Venedig bestehende Küstenland.


    Mit der Rangfolge sprechen Sie aber in der Tat ein interessantes Problem an:


    Vielleicht hilft hier ein Vergleich weiter: So wie die Britische Krone spätestens seit dem Ausgang des 2. Weltkrieges das faktische Supremat des Weißen Hauses zu akzeptieren gelernt hat, so hätte der de facto ‚Junior-Status’ der ‚Monarchie’ zu Zeiten des 1. Weltkrieges, ihre weitere Schwächung durch die unausgestandenen ethnischen Konflikte und letztlich das Wegbrechen Ungarns sowie der o.g. ehemals nicht zum HRR gehörenden Gebiete dazu geführt, daß man in Wien nicht weiter am Prinzip der Anciennität hätte festhalten können und in der Folge sozusagen zu einem Rangtausch mit den Hohenzollern bereit gewesen wäre.


    Auch der Titel ‚Kaiser von Österreich’ hätte in der Tat keinen Bestand haben können. Dieser war ja eigentlich auch nur ein Notbehelf nach dem Ende des Alten Reiches gewesen. Aber wenn man den Begriff des ‚Erzherzogtums’ vom Kernbereich (Ober-und Niederösterreich) auf alle deutschsprachigen Kronländer (bis hin nach Vorarlberg) hätte ausdehnen können, wäre es möglich gewesen den jungen Monarchen Karl von Habsburg als König der Böhmischen Lande und Erzherzog von Österreich im Rang gleich nach dem König von Preußen und noch vor dem König von Bayern dem Bismarckreich beitreten zu lassen.


    Im Übrigen hätte eine zu einem gemeinsamen Thronfolger führenden dynastischen Verbindung beider Häuser Vieles in diesem Prozeß natürlich noch wesentlich geschmeidiger werden lassen.


    Dies alles erst einmal so ‚ins Blaue’ hineingeschrieben…

    Du weißt genau, um welche Zitate es ging (natürlich die zuletzt genannten)

    Dieses ständige sich naiv stellen ist i.Ü. eine der Primitivitäten in dem Strang hier.


    Für dich nochmal:

    Normalerweise ist es unter meinem Niveau, andere persönlich derart zu attackieren , wie Sie es im obigen Zitat zu tun für richtig halten.

    Aber bitte, das kann ich auch: Wer Anderen in dieser Art schlichtes Verhalten unterstellt, ist selber nicht gefeit davor, so zu handeln...


    Und was Gedenktage angeht:


    Den wievielten Jahrestag der Verwüstungen der Pfalz durch General Ezéchiel de Mélac begehen wir eigentlich dieses Jahr ?


    Wie hat man vor, dieses Jahr in Frankreich in Sack und Asche zu gehen, für den Überfall Napoleons auf Rußland ?

    (Ach ja, ich vergaß, da waren ja ein Großteil zwangsrekrutierte Deutsche Soldaten dabei: ALSO WIEDE DIE DEUTSCHEN !!!)

    Argument wird deshalb zurückgezogen.


    Wann kommt die Sühnekommission der Polen für die gewalttätige Besetzung des St. Annaberges in Oberschlesien, die sich übrigens dieses Jahr zum 100. mal jährt ?


    Nicht zu vergessen die Vielen Toten vor Wien 1683, die der islamisch-osmanischen Aggression zum Opfer fielen. Schickt Erdogan einen Sühnegeldbetrag an die Nachkommen der Opfer ?


    Mei o Mei !!!


    Und das Alles, weil ich einige Wörter benutzt habe, die in einem anderen Kontext sakrosankt zu sein scheinen.


    Sind diese im Übrigen nicht bereits von Grimmelshausen bezogen auf das deutsche Leid im 30jährigen Krieg geprägt worden ?


    Nein, diese Unduldsamkeit der Linken wird langsam unerträglich !!!


    Rufen Sie nach Zensur und Sprachpolizei, anscheinend ist das das Einzige was Sie letztlich immer nur können.


    Wissen Sie was, ich antworte Ihnen darauf mit dem 'Götz von Berlichingen' einem von Schiller beschriebenen deutschen Freiheitsheros


    gegen alle Spießer !!!


    Lieber Jakku Scum,


    das Thema ist bewußt offengehalten, damit es ein allumfassenden Bild (ja hoher Anspruch) des Kaiserreiches zeichnen kann. Dazu gehören natürlich auch architektonische Aspekte, aber eben nicht nur. Zu architektonischen Fragen aus dieser Epoche gibt es schon hinlänglich andere Stränge auf diesem Forum. Eine Verengung auf lediglich bauliche Aspekte würde diesen Strang somit überflüssig machen.


    Mit unseren, das Kaiserreich durchaus auch positiv bewertenden Beiträgen befinden wir uns hier zudem in guter Gesellschaft der jüngeren Historiker-Generation, die die Forschungsergebnisse der mittlerweile schon recht betagten 68er Professoren zu hinterfragen beginnt.

    Wie hatten diese damals doch skandiert: "Trau keinem über 30"... Nun gefällt es den ergrauten seinerzeitigen Systemveränderen, die sich in ihren professoralen Privilegien wohlig eingerichtet haben aber plötzlich nicht mehr, an diesen eigenen alten Spruch erinnert zu werden.

    Gut, daß es hier eine Plattform gibt, die das Hereinlassen frischen Windes in diese miefigen 68 Lehrstuhlsstuben unterstützend begleitet.


    Das kann man mögen oder aber auch nicht. Das ist jedem selber überlassen...


    Ein Grund, sich deshalb vor Interessenten bzgl. Rekonstruktionen schämen zu müssen und unter Rechtfertigungszwang zu stehen, sehe ich nicht. Das Bestreben, die positiven Aspekte des Kaiserreichs und auch S.M. Kaiser Wilhelms II. herauszuarbeiten hat nichts Ehrenrühriges an sich.


    Mensch, Rastrelli,


    so kennt man Sie ja gar nicht:


    Ein bewußt lediglich als Nebenaspekt angeführtes Faktum, zur Hauptsache aufbauschen (weil man möglicherweise nicht akzeptieren will, daß auch manchmal einzelne Personen [hier Geßler] , den Verlauf von Geschichte maßgeblich beeinflussen können - und eben nicht immer nur gesellschaftliche Gruppen und Strukturen, wie man sie im Elfenbeinturm der Theoreme so sehr liebt) .


    Da haben wir hier schon deutlich Qualitätvolleres von Ihnen gehört.


    Machen Sie sich doch bitte mit derart dürren Argumenten nicht angreifbar...

    Meine Güte Tegula,


    es tut mir leid, aber Sie zwingen mich dazu, mal etwas zu tun, was mir sonst überaus widerstrebt: Ad hominem zu argumentieren.


    Mittlerweile hat wohl selbst das schlichteste Gemüt begriffen, wie viel Ihnen Ihre akademische Ausbildung und Ihre Promotion bedeuten.


    Seien Sie versichert, Sie sind nicht der Einzige hier, der Derartiges vorweisen kann.


    Nur trägt es nicht Jeder derartig Monstranz-artig vor sich her.


    Die Keule 'vermeintlicher Unwissenschaftlichkeit' nützt sich ab, wenn man sie übermäßig einsetzt...


    und läßt den unschönen Verdacht aufkeimen, daß damit unliebsame Diskussionen erstickt werden sollen.

    Die Frage wie objektiv und bar von jeweiligem Zeitgeist und Ideologie Historiographie überhaupt sein kann, hatten wir - auch auf diesem Themenstrang - schon recht häufig und er führte fast immer schnell vom Kaiserreich weg, hin zu einem Thema über das zu diskutieren bestimmten Gruppen wesentlich leichter fällt...


    Diese Redundanzen beginnen ermüdend zu wirken und sind fruchtlos !


    Ich hatte bereits weiter oben den Versuch gemacht, einmal näher zu überlegen, inwieweit der Ausschluß Cisleithaniens aus dem Bismarckreich von den Zeitgenossen (bitte nicht nur den 'Alldeutschen' !) als Defizit empfunden wurde und ob gewisse 'Andockpunkte' vorbereitet bzw. vorgehalten wurden, um eine Verbindung später möglich zu machen.


    Aber anscheinend ist dieses Habsburg-Hohenzollern Thema für Viele doch wohl zu exotisch und unorthodox...


    Leider !

    Lieber Jakku Scum,


    der Unabhängigkeitskampf der Niederländer gegen die spanischen Habsburger hat in der Tat trennende Fakten geschaffen, die man nicht übersehen sollte. Aber nach Abschluß des Unabhängigkeitskampfes dauerte es immerhin noch bis 1648 bis die Generalstaaten formal aus dem Reich ausschieden. In der Zwischenzeit hätte es noch jede Menge Alternativen zur Separation geben können. In der Geschichte ist eben nie etwas zwangsläufig und auch – Gott sei Dank – nicht von ewiger Dauer, auch wenn Letzteres manchen Zeitgenossen und Protagonisten bestimmt gut gefallen würde.


    Übrigens hätte es sehr gut sein können, daß unser beider Heimat (die Stadt Bremen und das Weser-Elbe-Dreieck) in den Niederlanden aufgegangen wären: Es bestand nämlich zeitweise das ernst zu nehmende Angebot des amtsmüden Bremer Erzbischofs Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel an Kaiser Karl V. das Hochstift den Habsburgern zu überantworten, die zeitgleich bestrebt waren das Lehen der Zirksenas über Ostfriesland einzuziehen und damit die Ems nach Osten hin zu überschreiten. Da das Gebiet des Erzstiftes auch Dithmarschen umfasste, hätten dann nur noch Storman, Mecklenburg und Brandenburg einem totalen Ringschluß (der mit der Lausitz wieder einsetztenden) habsburgischen, das Kernreich umgebenden Länder, entgegengestanden. Unsere Geschichte wäre gänzlich anders verlaufen…


    Natürlich alles wieder ‚Antrieb eines Zweirades’, aber manchmal ist es ganz reizvoll, sich über mögliche, wenn auch ausgebliebene Alternativen, Gedanken zu machen…


    P.S.: Wie eng die Beziehungen zwischen dem Restreich und den Niederlanden blieben, kann man auch an – scheinbar belanglosen – Details sehen: So stellt z.B. die Orange Farbe des Bandes des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, eine Hommage König Friedrichs I. von Preußen an seine Mutter, Kurfürstin Luise Henriette, geborene Prinzessin von Oranien dar.

    S.M. Kaiser Wilhelm II. hat bewußt diese Bindungen betont, als er die Oranier-Standbilder auf der Schloßterrasse zum Lustgarten hin aufstellen ließ.

    Oh Mann , das geht hier ja wieder hoch her ! Da ist man mal für einige Zeit mit dem Verfassen eines neuen Beitrages beschäftigt und schon fliegen erneut die Fetzen ...


    Bevor das Thema daher wieder gänzlich in nicht 'kaiserzeitliche' Themata abgleitet (!!!) bitte einmal das Folgend zu bedenken.

    Auch wenn es einen Fall von 'alternativer Geschichte' darstellt, interessieren mich die Ansichten der verehrten Mitforisten dazu doch sehr !



    Gütliche Integration von Hohenzollern und Habsburgern unter einem gemeinsamen Dach


    Vielmehr als die – von Machen leider zum Anlaß eines ‚getriggerten’ Empörtseins genommene - Frage nach dem Grenzsaum des Kaiserreiches, interessiert mich das Thema einer versöhnten Integration Cisleithaniens (natürlich exklusive Galiziens und Dalmatiens) und des Hauses Habsburg-Lothringens in den von Bismarck gegründeten Staat.


    Es gibt ja die begründbare Vermutung, daß selbst bei einem Sieg der Mittelmächte, ‚Kakanien’ nach dem Wegfall der verbindenden Klammer des greisen Kaisers, vom jungen Karl nicht mehr lange zusammenzuhalten gewesen wäre. Wie hätte man danach das Haus Brandenburg-Preußen und die Casa d’Austria in einem Staat zusammenführen können, ohne das auf längere Sicht der alte Dualismus wieder auferstanden wäre ?


    Wäre etwa die Idee einer ökumenischen Dynastien-Fusion noch anachronistisch oder auf längere Sicht doch schon zielführend gewesen ?


    Interessant finde ich jedenfalls in diesem Zusammenhang, daß beide Seiten in einer bestimmten Hinsicht eine eigentümliche Scheu gehabt zu haben scheinen, vollendete Tatsachen zu schaffen: Meines Wissens gab es zwar nach dem Ende des alten Reiches mehrere Krönungen von Habsburgern zum König von Ungarn und auch eine zum König von Böhmen. Aber eine Krönung zum ‚Kaiser von Österreich’ fand nicht statt. Die Rudolphinische Hauskrone war somit nie Krönungs-Krone (bitte mich hier ggfs. zu korrigieren). Die Hohenzollern hinwiederum haben die heraldische Krone des 2. Reiches niemals realiter anfertigen lassen und schon gar nicht eine Krönung zum Deutschen Kaiser angestrebt.

    Hat man es somit eventuell der Zukunft überlassen wollen, nach einer Wiedervereinigung dessen was ‚zusammengehört’ die Habsburger die alte heilige Reichskrone und die Hohenzollern den – unter S.M. Kaiser Wilhelm II. wieder bestens in Stand gesetzten –Krönungsort ’Aachener Dom’ in das Projekt eines gemeinsamen Reiches einbringen zu lassen ?

    Hiermit komme ich der Aufforderung von Newly nach, mich mit den Ausführungen von Rastrellli auseinanderzusetzten.

    (Die Zitate der Ausführungen von Rastrelli sind kursiv gesetzt.) :


    "Nordschleswig ist dänisch besiedelt und kam nach dem Ersten Weltkrieg berechtigterweise an Dänemark."


    Wer war es denn bitteschön, der eine Entwicklung in Gang setzte, die dazu führte daß das Gebiet um Tondern, Apenrade, Hadersleben und Augustenburg bis 1918 zum Kaiserreich gehörte ?

    War es nicht Premierminister Monrad, der – die Bestrebungen von 1848 aufgreifend – das lediglich in Personalunion mit Dänemark verbundene Herzogtum Schleswig in den dänischen Gesamtstaat überführen wollte ? Bei Erfolg dieser Bestrebungen hätte nicht nur in ‚Südschleswig’ eine ‚Dänisierungspolitik’ eingesetzt, nein nach der Erfahrung, daß der Appetit beim Essen wächst, wäre es darüber hinaus durchaus möglich gewesen, daß sich der Fokus hernach auf Holstein und sogar auf Lauenburg hätte richten können. Man kann es Österreich und Preußen insofern nicht verdenken, dieser Gefahr 1864 einen Riegel vorgeschoben zu haben; auch wenn das Ergebnis dann zwar etwas ‚überkompensatorisch’, aber im Sinne einer ‚Wahrung dessen, was schwer errungen’, durchaus notwendig war.


    "Die Niederländer sind eine eigene Nation. Sie wollen nicht Teil eines deutschen Staates sein. Ebenso Belgien."


    Die Niederländer besingen bis zum heutigen Tage in ihrer Hymne ihren Gründervater, den ‚Schweiger’ als „Wilhelmus von Nassauen bin ik van deutse Blood’. Der Weg der ‚Generalstaaten’ aus dem Reichsverband heraus war durchaus keine Zwangsläufigkeit.

    Auch waren noch im 16. Jahrhundert das damalige Niederländisch und das damalige Niederdeutsch fast deckungsgleich. Hätten Karl von Gent und seine Statthalterinnen bessere Berater als den brutalen Alba gehabt, wäre die Entwicklung möglicherweise ganz anders verlaufen.


    "Die Gebiete westlich von Elsass-Lothringen sind französisches Siedlungsgebiet. Deshalb kam eine Angliederung an Deutschland 1871 nicht in Betracht."


    Bezüglich Artesiens, dem Hennegau und der Freigrafschaft Burgund möchte ich nicht widersprechen.


    "Die Schweizer bilden eine eigene Nation und wollen nicht Teil eines deutschen Staates sein."


    Was Herzog Alba in den Niederlanden anrichtete, entspricht dem wofür Geßler landläufig bekannt ist. Ohne diesen Charakter wäre der Weg zum ‚Rütli’ möglicherweise nicht beschritten worden. Nebenbei bemerkt sollte es doch nachdenklich stimmen, daß Beethoven mit seinem ‚Egmont’ und Schiller mit seinem Tell starken Anteil am Freiheitskampf dieser beiden Glieder des Alten Reiches nahmen. Gegen Ende des 18. uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die historischen engen Verbindungen offenbar noch wesentlich präsenter als heute.


    "Das historische Krain und einige angrenzende Gebiete sind slowenisch besiedelt. Diese Gebiete kamen deshalb 1920 an Jugoslawien."


    So weit ich unterrichtet bin, zählten die Bewohner Krains und des Küstenlandes – ebenso wie die Nachbarn im ungarischen Kroatien zu den ‚Treuesten der Treuen’, die dem Hause Habsburg noch die Stange hielten, als viele andere Völkerschaften der Monarchie sich schon verabschiedet hatten. Erst als Italien von Nordwesten her mit Annexion drohte, schloß man sich vor dem Hintergrund der Schwäche ‚Rest-Österreichs’ notgedrungen den sprachverwandten Serben an, um nicht von der Appenin-Halbinsel aus regiert zu werden. Die späteren Konflikte um die Südsteiermark (z.B. um Marburg an der Drau) und den Grenzsaum Kärntens sind m. E. eher auf das Konto serbischer Expansionisten, denn auf das der örtlichen Bevölkerung zurückzuführen.

    Meines Wissens hatten die Krainer auch keine Bedenken, 1848 Abgeordnete nach Frankfurt zu entsenden…


    "Die Tschechen bilden eine eigene Nation und wollen nicht Teil eines deutschen Staates sein"


    Wie sah es aber mit den Böhmen im Randgebirge und den großen Städten sowie den veritablen mährischen Sprachinseln aus ?


    "Im Memelgebiet bekannte sich 1920 die Hälfte der Bevölkerung zur litauischen Sprache. Eine Angliederung an den litauischen Staat war gerechtfertigt."


    In der Tat wurde von einem erheblichen Teil der Bevölkerung des späteren ‚Memellandes’ litauisch gesprochen (ebenso wie in vielen weiteren Bereichen des ehemaligen ‚Preußisch-Litauen’ südlich von Tilsit). Insofern war diese Region nicht unähnlich dem ostpreußischen Süden, wo die Masuren eine nur unwesentlich vom Polnischen abweichende Mundart sprachen. Litauer und Masuren in Ostpreußen hatten allerdings eine Besonderheit gegenüber ihren ethnischen Brüdern außerhalb der Reichsgrenze: Sie waren Protestanten, die vor der Verfolgung durch den polnisch-litauischen Staat Zuflucht im toleranten Brandenburg-Preußen gefunden hatten.

    Deshalb verlief die Volksabstimmung in Masuren aus Sicht der Polen auch sehr unbefriedigend und wurde eine Volksabstimmung in den Landkreisen nördlich der Memel erst gar nicht angesetzt. Dieses Gebiet wurde ohne Befragung der Bewohner Litauen angegliedert.


    "In Kurland und Livland gab es nur eine kleine baltendeutsche Minderheit. Die Bevölkerungsmehrheit stellten Letten und Esten. Kurland und Livland waren nie Teil des Heiligen Römischen Reiches. Diese Gebiete wurden anfangs vom Schwertbrüderorden und vom Deutschen Orden beherrscht, später von Schweden, Polen und Russland."


    In der Tat waren die Deutsch-Balten aufs ganze Land gesehen eine Minderheit. Allerdings waren die maßgeblichen Städte bis ins späte 19. Jahrhundert hinein von einer deutschen Bevölkerungsmehrheit bewohnt. Ein Großteil der Familien des Baltendeutschen Landadels hatte im Übrigen seine Wurzeln im Nordwesten Deutschlands (konkret: im Weser-Elbe-Dreieck) und wand somit eine verbindendes Band zwischen den Flanken des deutschen Siedlungsraumes.


    Abschließend möchte ich Folgendes feststellen:

    Mit dem Hinweis auf die mangelnde Kongruenz der Grenzen des Alten Reiches und des Deutschen Kaiserreiches ging es mir nicht darum, zu beklagen, daß das Letztere diese Kongruenz nicht angestrebt hat, sondern zu bedenken zu geben, daß hier ein historisch begründbares territoriales Erweiterungspotential vorhanden war, welches andere Staaten mit Sicherheit offensiver genutzt hätten, als das bescheiden und klug sich selbst als saturiert erklärende Bismarckreich.

    In meinen Augen kann es nicht Sinn eines Diskussionsforums sein, immer und immer wieder die schon vorher feststehenden Standard-Ansichten und den ‚Kanon des Offiziösen’ in Endlosschleife zu wiederholen. Auf solchen Plattformen sollte vielmehr die Möglichkeit bestehen, vorhandene Faktenlagen auch einmal gegen den Strich zu bürsten und anhand neuer Fragestellungen neue Erkenntnisse zu gewinnen.


    So wäre es interessant einmal zu untersuchen, warum bei durch dynastische Hausmachtpolitik bedingter ethnischer Überdehnung der Grenzen des Alten Reiches die späteren Bruchkanten nicht entlang der tatsächlichen Sprachgrenzen verliefen, sondern sehr häufig auch zu einem Wegbrechen angrenzender weitgehend Deutsch sprechender Regionen führte ?


    Was im Übrigen am Hinweis auf die fehlende Kongruenz der Grenzen des Alten Reiches mit denen des Deutschen Kaiserreiches ‚nationalistisch’ sein soll, erschließt sich mir nicht. Zumal sich im Vergleich mit dem – gerade auch vor dem Hintergrund der jeweiligen Bevölkerungszahl - erstaunlichen Landhunger, den Russen in Nordasien, Angelsachsen in Übersee sowie Franzosen und Polen in Mitteleuropa entwickelten, der territoriale Besitzstand selbst des Alten Reiches bescheiden ausnahm.

    Wenn man sich die - unter dem beigefügten Link erreichbare - Karte der territorialen Verluste, die der deutsche Raum seit dem Dreißigjährigen Kriege erdulden mußte (zu denen auch noch Kurland und Livland zu zählen wären), zur Gemüte führt, dann wird deutlich, wie bescheiden das Bismarckreich war, als es sich mit dem Gebietsbestand von 1871 für saturiert erklärte...


    https://i.redd.it/mkti9b6sfuc51.jpg

    Dagegen konnte das Kaiserreich nicht ankommen:


    Albert Bettannier: 'Der schwarze Fleck' (Gemälde von 1887)



    Unsern Schülern wurde demgegenüber Jahrzehnte später beigebracht, die Abtrennung Ostdeutschlands klaglos zu akzeptieren.


    Es ist schon so, daß von vielen Seiten immer wieder an unserem territorialem Bestand geknabbert wurde und wir dies letztlich immer hingenommen haben.


    Der Verzicht scheint wohl ein 'Meister aus Deutschland' zu sein...

    Weshalb es keinen Staatsbesuch Wilhelms II. in Paris gab






    S.M. Kaiser Wilhelm II. hat während seiner mehr als fünfundzwanzigjährigen Friedensherrschaft immer wieder versucht, das Verhältnis zu Frankreich auf eine gut-nachbarschaftliche, ja freundschaftliche Ebene zu heben. Gerne hätte er diese Bemühungen mit wechselseitigen Staatsbesuchen gekrönt. Aus Paris verlautbarte es hierzu jedoch stets, daß vor einer ‚Rückgabe’ Elsaß-Lothringens nicht im Traume daran zu denken sei, den Deutschen Kaiser, neben dem Staatspräsidenten in einer Kutsche sitzend und von der republikanischen Garde eskortiert über die Champs Elysees fahren zu sehen.


    Auf den ersten Blick fragt man sich in der Tat, warum Wilhelm sich nicht von dieser von Bismarck ererbten und das bilaterale Verhältnis schwer belastenden Hypothek getrennt hat. Hätte er nicht durch die freiwillige Preisgabe des Reichslandes der gesamten Geschichte des 20. Jahrhunderts einen anderen Verlauf geben können ? So könnten z.B. jetzt von Memel bis an die Pyrenäen, landauf und landab ‚Wilhelm den Großmütigen’ preisende Denkmäler stehen, würde man sich seiner in London und St. Petersburg nur mit äußerster Hochachtung erinnern. Hat er also die Chance, sein bei Arbeiterschaft, Katholiken, Schleswig-Holsteinern, Hessen-Kasselanern, Hannoveranern und Österreichern doch recht erfolgreiches Versöhnungswerk durch die Aussöhnung mit Frankreich zu krönen, schlicht vertan ?


    Was hätte aber eine derartige Preisgabe von Elsaß-Lothringen bedeutet ?


    Viele würden jetzt anführen, das Reich hätte damit lediglich seine militärische Ausgangslage in einem potentiellen Konflikt mit Frankreich verschlechtert, der aber zukünftig eh nicht mehr zu erwarten gewesen wäre, da der ‚westliche Nachbar’ ja nun bereits territorial saturiert gewesen sei. Dies hieße aber, das Land zwischen Rhein und Vogesen lediglich als Puffer für die Badische Westgrenze und als Sprungbrett nach Paris zu betrachten und damit auf eine bloß militär-strategische Rolle zu reduzieren.


    Auch die mit der Preisgabe verbundene erneute Missachtung des Wunsches eines Großteils der Elsässer dem deutschen Staatswesen anzugehören (nachdem Metternich diesem Begehren bereits 1815 kein Gehör geschenkt hatte), wäre nicht die primäre Bedeutung dieses Vorganges gewesen.


    Entscheidend scheint mir vielmehr Folgendes zu sein: Wie seinerzeit im 16. Jahrhundert die protestantischen Reichsfürsten genötigt waren, die – weit hinter der damaligen Westgrenze des Reiches gelegenen – Bischofsstädte Metz, Tull und Virten dem französischen König zu überantworten, um diesen als Schutzherren gegen Karl V. zu gewinnen, so war auch Bismarck – sicherlich schweren Herzens - genötigt, das im Wesentlichen deutsch geprägte Cisleithanien aus seinen Planungen auszuschließen, wenn er die Reichseinigung unter Preußens Führung durchsetzen wollte. In beiden Fällen schied also wichtiges – und eigentlich unverzichtbares - deutsches Land aus dem Reichsverband aus. Mit Elsaß-Lothringen konnte Bismarck nun unter Beweis stellen, daß er nicht nur deutsches Land aufgeben, sondern eben solches auch zurückgewinnen konnte. Insofern war die längst überfällige Heimkehr des einst von Ludwig XIV. geraubten (und die Stammlande der in Wien regierenden Dynastie umfassenden) Gebietes auch ein Unterpfand dafür, daß es dem Bismarckreich eines fernen Tages auch gelingen konnte, das Haus Habsburg und seine cisleithanischen Gebiete in versöhnter Form zu integrieren und damit die Träume der 1848er vom ‚ganzen Deutschland’ endlich zu verwirklichen.

    Das Reichsland war –unter diesem Blickwinkel - somit vergleichbar mit der auf die mitteldeutschen Länder bezogenen ‚Beitrittsklausel' des Grundgesetztes. Es war ein verklausuliertes Angebot an das Haus Österreich ‚dem Club beizutreten’.


    Dieses Angebot konnte Wilhelm II. nicht preisgeben…


    Ist es fair, ihm dies zum Vorwurf zu machen ?