Posts by Pagentorn

    Zum 22. 'März


    Ein - leider erneut um einen Tag verspäteter - Gruß.

    Diesmal zum Geburtstag des alten Kaisers (Wilhelm I.) : Choralblasen vom Roten Rathaus am 22. März 1880; mit Blickrichtung Schloßkuppel. Man sieht: Die Berliner feiern Ihren König (es ist nur Schwarz-Weiß geflaggt ) .


    Schmuckstücke in der Liegnitzstraße


    Findorffer hat bereits weiter oben schon einmal ein Haus aus der Liegnitzstraße vorgestellt. Diesem möchte ich hier zwei weitere Bilder hinzugesellen, die eine geschlossene Bebauung mit Jugendstilfassaden am Südende der Straße zeigen. Das Besondere ist dabei, daß die Schmuckelemente sehr geschmackvoll hervorgehoben wurden. Dadurch, daß man jede Fassade individuell behandelte , kommt beim Betrachter auch kein Gefühl der Monotonie auf.

    Diese Häuser stellen offensichtlich eine Zwischenstufe zwischen den Bremer Kleinhäusern (die ja ursprünglich nur über ein Vollgeschoß verfügen) und der großbürgerlichen Variante dar. Einen Wintergarten scheint dieser Typ übrigens ursprünglich nicht besessen zu haben.



    Lieber Seinsheim,


    die dargestellte Zarenkrone wurde aber erst 1762 für die Krönung der 'Prinzessin aus Anhalt -Zerbst' zur russischen Zarin angefertigt...


    Und der abgebildete Goldtaler Kaiser Karls VI. stammt aus dem Jahre 1732.


    Könnte es daher nicht sein, daß es genau umgekehrt war , daß sich also der Juwelier Katharinas der Großen an den heraldisch verfremdeten Darstellungen der Rudolphinischen Hauskrone orientiert hat ?

    Er brauchte kein Publikum, ER nicht !


    Lieber Mantikor, ganz herzlichen Dank für das Heraussuchen der Fundstelle bei Philipp Spitta !

    Die bekannte Tatsache, daß Bach keine Zeit gelassen wurde ,die Kleider zu wechseln und die Hast, die darin zum Ausdruck kommt, könnte natürlich darauf hindeuten, daß man von einem mutmaßlich schon 1747 bewohnten Berliner Domizil 'CPE' Bachs aus zum Potsdamer Stadtschloß aufbrechen mußte. Dennoch halte ich eine Wohnung in Potsdam für wahrscheinlicher. Diese zu eruieren, ist sicherlich eine knifflige Herausforderung.


    Lieber urusus carpaticus, sicher ist Anton Bruckner einer der ganz Großen unserer Musikgeschichte. Aber selbst er dürfte - wie es einer der Größten , Wolfgang Amadeus Mozart, klaglos getan hat - Bach als den unerreichten Lehrmeister, als eben den 'Allergrößten' anerkannt haben. Wie wurde so treffend formuliert: " Es mag sein, daß nicht alle Musiker an Gott glauben, aber an Bach glauben sie alle !" Bruckner war da sicher keine Ausnahme...


    Anbei eine Filmszene, die Mozarts Demut gegenüber Bach illustriert:

    (hier übrigens im Dialog mit Baron Gottfried van Swieten)


    Die Bachs in Potsdam


    Am heutigen Geburtstag des größten Musikers aller Zeiten, sei mir bitte die kurze Frage erlaubt, ob hier im Forum bekannt ist, wo Johann Sebastian Bach anläßlich seines Besuchs bei Friedrich dem Großen in Potsdam eigentlich genächtigt hat ? Ich würde mal auf das Wohnhaus seines Sohnes Carl Philipp Emanuel tippen; aber wo war dies ? Und wenn der Vater doch nicht bei seinem Sohne untergebracht war, wo dann ?

    Doch wohl eher nicht im Stadtschloß ?! Also in einem Gasthaus ?


    Fragen über Fragen...




    Die obige 'Orgelprobe' in der Garnisonkirche würde wohl jeder, der sich für Preußen interessiert und gleichzeitig die Musik Bachs verehrt, gerne miterlebt haben. Sicher einer der Höhepunkte der deutschen Kulturgeschichte...

    Lieber Heinzer,

    dieser tiefe Einblick vom Domshof in den Schüsselkorb war im Übrigen nur möglich, weil zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos der Neo-Renaissance -Bau der 'Gesellschaft Musuem' -dessen trotz Ausbombung noch schneeweiße Außenfassaden dem Kriege getrotzt hatten -bereits abgerissen worden war. Unten eine historische Ansichtskarte als Vergleich.


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    Lloyd-Schuhfabrik als Beispiel


    Zwischen Doventorsteinweg, Doventorsdeich und Johanniskamp befand sich bis zur Zerstörung im Bombenkrieg die Schuhfabrik Meyer & Co. - heute eher bekannt als 'Lloyd-Schuhfabrik'. Zwar hatte man die Produktion kriegsbedingt teilweise schon vor '45 - ins damals noch preußische Umland - nach Sulingen verlegt, aber eine dauerhafte Verlegung des Firmensitzes in den Süden der Grafschaft Hoya war eigentlich nicht geplant. Die politischen Entscheidungen der von den Amerikanern eingesetzten, ersten sozialdemokratisch geführten Landesregierung Bremens, führten dann offenbar zu einem Umdenken . Und die Senate der Nachkriegszeit unternahmen nicht wirklich etwas, um das Unternehmen zur Rückkehr in die Hansestadt zu bewegen. Man hatte ja die Werften und die Automobilindustrie (Borgward) und meinte deshalb auf die mittelständischen Betriebe nicht mehr angewiesen zu sein. Und so blieb die Lloyd-Schuhfabrik nicht die einzige Firma, die in den 75 Jahren durchgehend sozialdemokratischer Herrschaft in der Hansestadt, Bremen den Rücken kehrte...

    Nun ist es aber gerade der Mittelstand, der Rekonstruktionsvorhaben oftmals positiv gegenüber steht und diese finanziell fördert.

    In der Abwanderung des Mittelstandes sehe ich daher auch einen Grund für die bauliche Misere Bremens ! Die Lloyd-Schuhfabrik ist dafür ein Beispiel.


    Abbildung 01

    Ansicht der Fabrik . Die links hinter der Michaeliskirche sichtbar werdenden Schiffe sind der künstlerischen Freiheit des Zeichners geschuldet, denn aus der gewählten Perspektive heraus konnte man die Hafenanlagen eigentlich gar nicht sehen. Auf dem Panzenberg in Utbremen gab es keinen Hafen...:wink:



    Abbildung 02

    Lage der Fabrik auf der Stadtkarte von 1938 (rot markiert).



    Abbildung 03

    Vergrößerter Ausschnitt aus der Stadtkarte.



    Abbildung 04

    Luftbild des Areals in der Gegenwart. Nicht nur die neogotische Michaeliskirche, sondern auch die Fabrik ist verschwunden. Die früher als Sackgasse endende - im Vergleich zu heute wesentlich kürzere - Vietorstraße ist heute bis zum Doventorsteinweg durchgeführt und mündet ungefähr dort in Letzteren ein, wo ehemals der - heute aufgelassene - Johanniskamp begann.



    Abbildung 05

    Die Verlegung der Fabrik von Bremen nach Sulingen (im Süden der Grafschaft Hoya). Der an der Peripherie Sulingens gelegene, weiße Kubus ist sogar aus dieser luftigen Höhe mit bloßem Auge erkennbar ! (Der Pfeil weist genau auf ihn hin.)



    Abbildung 06

    Das gegenwärtige Fabrikgebäude in Sulingen ist offensichtlich schmuckloser als dasjenige , welches einst am Doventorsteinweg stand.

    Allerdings ist es mit dem Schütting-Wappen der Handelskammer Bremen bemalt.


    Sofern sich Seinsheim auf diesen Strang verirren sollte: Die Köpfe dieses doppelköpfigen Adlers tragen tatsächlich Nimben ! :wink:


    Lieber Villa1895 und lieber Seinsheim,


    mein ebenfalls aus der Stadt Corona Schröters (Guben) gebürtiger lutherischer Urgroßvater, verheiratet mit einer katholischen Österreicherin aus der Hauptstadt des Kronlandes Mähren, dichtete, als aus seinem geliebten Riesengebirge Vertriebener im Schatten des kronengeschmückten Kaiser Wilhelms Denkmals an der Porta Westfalica, einst das folgende Verslein:


    „Selbst auf dem Klo fehlt das Papier, oh SED wir danken Dir !“


    Ähnlichkeiten zu den gegenwärtigen ‚Corona-Zeiten’ sind natürlich rein zufällig ! :smile:


    Vielleicht wäre uns derartiges Unbill erspart geblieben, wenn die Kronen 1918 dort geblieben wären, wo sie hingehörten: auf den Häuptern der Schloß- bzw. Hofburgherren in Berlin und Wien nämlich !

    Lieber Seinsheim,


    durch den Verzicht auf die Nimben , macht sich der Protestant in mir bemerkbar :.-[:wink:, der ein wenig stolz darauf ist, als Bremer dem gleichen reformierten Bekenntnis anzugehören, wie das Haus Hohenzollern ... :wink:.


    Dennoch vielen Dank für die eindrucksvolle Zusammenstellung der die Heiligkeit des Alten Reiches symbolisierenden nimbengeschmückten Adlerköpfe !:thumbup:

    P.S.:

    Auf dem Foto kann man bei näherem Hinsehen bereits erste deutliche Risse im Turmgewölbe und eine beginnende Neigung des - rechts im Bild sichtbaren - nördlichen Bogens des westlichsten Mittelschiffjochs erkennen. Das Foto ist somit nach dem Sprengbombentreffer im Turmfundament entstanden.


    Die umgehend nach dem Bombentreffer von der Baupolizei verfügte Schließung der Kirche für den gottesdienstlichen Gebrauch läßt sich nicht nur an dem recht unaufgeräumten Zustand , sondern auch an den leeren Steckleisten für die Gesangbuchnummern ablesen.

    Ernst Grohne wollte das gesamte Instrument retten - der Turm kam ihm dazwischen !


    Lieber Ostwestfale,


    Gott sei Dank konnte aufgrund der mutigen Initiative von Ernst Grohne zumindest der historische Prospekt gerettet werden, der heute in Neu-St.-Ansgari aufgestellt ist. Aber auch das eigentliche Instrument war für die Auslagerung vorgesehen und die meisten Pfeifen waren schon abgebaut und im westlichsten Joch des Nordschiffes zwischengelagert worden. Der zusammenstürzende Turm hat diese dann dort leider unter sich begraben und den Plan des Abtransports zunichte gemacht. Sic transit gloria mundi !


    Bei einer Rekonstruktion des Gotteshauses gehört der prachtvolle Prospekt natürlich wieder an seinen angestammten Platz ! Zumindest aber ein originalgetreuer Nachbau. (Letztere Gedanke wurde von interessierter Seite hier schon einmal ventiliert ...)


    Anbei ein Foto der alten Orgel nach Abbau des Prospektes. Man blickt infolge der Auslagerung des Rückpositivs direkt auf den Spieltisch. Die entblößten Baßtürme würden jeder nüchternen Nachkriegsorgel alle Ehre machen, oder ?! Klar ersichtlich ist zudem, daß die Emporenbrüstung in situ verblieb. Diejenige in der neuen Kirche ist eine genuine Schöpfung für den Standort Schwachhausen !


    Lieber Villa 1895,

    anbei eine kleine - augenzwinkernde - 'Kronenspielerei', die die Vorbildwirkung der Heiligen - ottonischen - Reichskrone für die heraldische Krone des Deutschen Kaiserreichs aufnimmt. Derartige Wappen-Arrangements hätten sich sicher auch gut an der Rückwand des Thronbaldachins im Weißen Saal gemacht... floet:)


    (Ich hatte seinerzeit noch Muße für derartige heraldische Phantasien...

    Nehmen Sie diese bitte als farbliche Aufheiterung für unsere gegenwärtigen düsteren Tage...)






    Vielen Dank , lieber Ostwestfale, für die Richtigstellung. Man lernt eben nie aus !


    Als Dankeschön dafür, hier noch der kleine Hinweis, daß das Werk von Johann Sebastian Bach von den Organisten in St. Ansgarii immer sehr gepflegt worden ist.

    Zwar ist Bach nie in Bremen gewesen, er kam leider nur bis Hamburg , aber dafür hatte er im Laufe seines Lebens Umgang mit Menschen, die mit Bremen in Beziehung standen.

    Vor allem aber kann sich Bremen zugute halten, daß die vermutlich erste Aufführung der Johannespassion nach Bachs Tod, 1832 im Bremer St. Petri Dom unter der Leitung des Domorganisten Riem stattfand !

    Vielen Dank Seinsheim für diese eindrucksvolle Übersicht zur ganzen Bandbreite der Verfremdung der rudolphinischen Hauskrone in Bauschmuck und bildender Kunst !

    Da möchte ich nicht hinten an stehen und habe für heute Abend noch einen letzten Beitrag, der sowohl die 'Rudolphs-', die Stephans-, als auch die nie realisierte Kaiserkrone Wilhelms II. umfaßt (Letztere könnte aber auch bloß nur dem Modell der 'Wilhelm I. - Krone' nachempfunden worden sein...):


    Preußen und das Reich am Baldachin in Ihne's Weißem Saal


    Bekanntlich hat Ihne im Zuge der Umgestaltung des Weißen Saales den Baldachin auf die gegenüberliegende Seite, also an die Wand zur Schloßfreiheit hin verlegt.

    Von den verschiedenen Bespannungen der Rückwand des Baldachins haben sich mehrere Ansichten erhalten, die den Wechsel zwischen preußischer und deutscher Heraldik illustrieren:


    Totale des Weißen Saales mit Thronhimmel in preußischer 'Montur'.




    Nahansicht.



    Deutsche 'Montur' im August 1914:




    Detail (im Hintergrund):






    Die Darstellungen der deutschen Montur von August 14 divergieren teils stark und nähern sich sogar der Version des Reichsadlers von vor 1889 an. Daher wäre ein Foto dieser Montur sehr hilfreich , um Klarheit über das tatsächliche Aussehen zu gewinnen !

    Die 'Magie' der Orgeln in den großen Backsteinkirchen im norddeutschen Raum



    In dem monumentalen Vierteiler des Fernsehens der DDR über das Leben des ‚5. Evangelisten’ / Größten Musikers aller Zeiten („Es mag sein, daß nicht alle Musiker an Gott glauben, aber an Bach glauben sie alle !“), wurde zur Illustration von Johann Sebastians Zusammentreffen mit Dietrich Buxtehude in Ermangelung (und als Substitut) der kriegszerstörten Orgel von St. Marien in Lübeck, der Orgelprospekt von St. Jakobi in Stralsund vor die Filmkamera gebracht. In der einschlägigen Sequenz wird die ansonsten von spätabendlicher Dunkelheit umgebende Orgel durch eine hinter ihr befindliche Lichtquelle in ein geradezu magisches Licht getaucht (welches Fans von Tolkien möglicherweise an Jacksons cineastische Version von 'Minas Morgul' erinnern mag), das sich tief in die Erinnerung einbrennt (siehe das obige Bild).


    Beim Betrachten der – hier schon häufiger eingestellten – Ansicht des Kirchschiffs von Anschari, fiel mir nun auf, daß auch der hiesige Prospekt diesen Lichteffekt gehabt haben könnte, da ja auch hinter dieser Orgel ein großes Westfenster vorhanden war. Auf dem Foto ist hinter den Prospekttürmen ein solcher zumindest ansatzweise zu erkennen. Leider existiert aber wohl kein Foto, welches die alte Orgel in eine ebensolche Abenddämmerung gehüllt und nur von dem hinter ihr liegenden Fenster erhellt zeigen würde, wie die Kollegin in Stralsund. Schade !



    Man mag mich bitte korrigieren, wenn ich hier irren sollte, aber für mich ist diese potentielle Ähnlichkeit in der optisch-ästhetischen Wirkung zwischen St. Jakobi Stralsund und St. Ansgarii Bremen ein Beleg dafür, daß die Backsteinkirchen des hansischen Raums von Flandern bis Estland eine ganz eigene spezifische Ausstrahlung haben, die in dieser Form im mittel- und süddeutschen Raum so nicht zu erfahren ist.


    Anbei noch eine historische Postkarte, auf der man das Westfenster (welches für den Lichteffekt hinter der Orgel verantwortlich war) gut sehen kann: