Posts by Heimdall

    Mir sagten vor kurzem zwei Pfälzer, dass Ludwigshafen statistisch gesehen recht typisch für die Pfalz sei. Ich habe keine Ahnung, worauf sie das bezogen haben. Die in dem Tagesthemen-Bericht gezeigten Einwohner erscheinen mir typisch, aber auch nicht typisch. Wie ich das meine? Vermutlich sind solche 80-Jährigen Alt-Bürger typisch für die innerstädtische Bewohnerschaft. Für den dortigen Rentnerbestand also. Sie sind allerdings völlig untypisch für das abendliche Straßenbild. Ich war vor zwei Wochen Samstag abends in Ludwigshafen und bin durch die Innenstadt incl. Fußgängerzone gelaufen. Vorbei an Sisha-Bars, Wasserpfeifen-Shops, Gemüseständen, Döner-Restraurants, 1-Euro-Shops. 2017 lag der Anteil der innerstädtischen Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 60 Prozent. Tendenz sicher steigend. Bei meinem Gang durch die durchaus belebten Ludwigshafener Straßen nach 20 Uhr lag er klar bei fast 100 Prozent. Ich war der einzige Biodeutsche, der da herumlief, habe somit die runde Prozentzahl versaut. Auf den Straßen, z.B. vor dem Gemüsehändler, wurde schon nicht mal mehr in deutsch miteinander unterhalten. Die in den Filmbeitrag gezeigten Ludwigshafener haben da schon längst in ihren Wohnungen gehockt und das ARD/ZDF-Unterhaltungsprogramm laufen gehabt. In zehn Jahren, wenn die neue Straße - so Gott will - fertig gebaut ist, sind die vermutlich gar nicht mehr dort, sondern, wenn es gut läuft, in einer Seniorenwohnanlage JottWeDe. Die Tagesthemen hätten also mal besser eine Meinung von den Leuten auf der Straße, denen ich begegnet bin, eingeholt. Das wäre interessanter gewesen. Die sind nämlich die Zukunft dieser Stadt, jedenfalls des innerstädtischen Kerns. Um deren Stadt geht es ja nun vor allem.

    "Wikos", Du darfst nicht übersehen, dass wir hier nicht von etwas innerstädtischen Einkaufsverkehr sprechen. Das sind ganz zentrale Verkehrs-Verbindungstrassen zwischen der Pfalz und Baden-Württemberg. Will man aus dem Bereich Ludwigshafen nach Mannheim oder Heidelberg gelangen, muss man eine der beiden Hochstraßen nehmen. Ebenso, wenn man aus der Pfalz weiter auf die Autobahn Richtung Stuttgart, Basel oder Frankfurt will. Das wird sich also gar nicht ändern können, es sei denn, man will den Verkehrsinfarkt. Die Alternative wäre, dass man große Umwege über Speyer oder Frankenthal fährt (geschätzt 20 bis 30 Kilometer), um überhaupt über den Rhein zu kommen. Dennoch halte ich es städtebaulich für richtig, die Hochstraße Nord zu beseitigen und ebenerdig zu machen, denn momentan ist das ein Betonmonstrum mitten in der Stadt. (Siehe hier und hier)

    Nein, die Hochstraße Süd stand nie zur Abriss-Diskussion. Die Hochstraße Nord wird abgerissen und in eine ebenerdige Straße umgewandelt. Ein enormer städtebaulicher Gewinn, sofern die neuen Architektur entlang der Straße gefällig ausfällt. Eigentlich sollte die Hochstraße Nord bereits abgerissen werden, da entdeckte man, dass die Hochstraße Süd sanierungsbedürftig ist. Hier erfolgte ein temporärer Abriss. Bis zum Neubau der Hochstraße Süd muss die Hochstraße Nord als Ausgleichsstrecke noch herhalten. Irgendwo muss der Verkehr Richtung Mannheim rollen können. Danach geht es hoffentlich voran. Wenn ich aber die staatliche Finanzentwicklung ansehe, wird mir diesbezüglich mulmig.

    Muss man denn alles mit irgendeinem Hinweis auf deutsche Schuld und Wiedergutmachung begründen?... :augenrollengruen:


    Wenn die Niederländer ihren Staatsgründer in Berlin sehen wollen, könnten Sie doch die Figur fertigen lassen und der Stadt Berlin die Statue zwecks Aufstellung vor dem Schloss schenken. Und den Rest der Oranier gleich mit. Dann wäre der Berliner Senat im Zugzwang: Geschenk des EU-Partners ablehnen und eventuell einen Eklat provozieren? Oder die Figuren aufstellen?... Ich denke aber, den Niederländern ist es nicht so wichtig... Herr Boddien könnte aber mal bei König Willem-Alexander oder Ministerpräsiden Mark Rutte nachfragen. Vielleicht haben sie ja doch Interesse, wenn vor dem Schloss ein großes deutsch-niederländisches Freundschaftsfest organisiert wird...

    Es gibt ja ein Kölner Altstadtareal südlich des Domes, in dem einige Gassen noch historisches Flair verströmen. Das Problem bei Köln ist, dass wir der Stadt noch so viel "man hätte" vorschlagen könnten, die dortige Mentalität aber dem Rekonstruktionsgedanken völlig entgegen steht. Das sieht man bereits im lieblosen Umgang mit den ja noch vorhandenen repräsentativen Baudenkmalen (Domhotel einst und jetzt, Reichsbank einst und jetzt usw.), die ohne historisches Dach und teils entstuckt in der Gegend herumstehen. Da müsste eben Stadtbild Köln erst einmal mehr historisch-ästhetische Bewusstseinsbildung fördern.

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    Die Bewohner werden da wohl kaum eine Verbesserung bemerken, aber teurer wird, und hässlicher ist es auch.

    Leider ist es allerdings so, dass die Bewohner sich häufig eine Verbesserung einreden. Ich kenne Leute, die in solchen gedämmten Häusern leben und völlig erstaunt gucken, wenn ich daran Kritik äußere. Eigentümer wie Mieter. Ästhetisches Empfinden ist ohnehin kaum vorhanden. Und die Kosten werden mit dem angeblichen Nutzen (Umweltschutz/Klimawandel und Heizkostenersparnis) verrechnet.

    Diese Naziarchitektur aus der Nachkriegszeit muss rückgängig gemacht werden! Ich werde den grünroten Jakobiner*innen gleich eine Email schicken, um sie entsprechend damit zu beschäftigen.

    Wenn das ernst gemeint gewesen sein soll, stellt sich die Frage, was denn von den heutigen Entscheidungsträgern erwartet wird? Dass sie 50er Jahre-Häuser abreißen und durch Gründerzeitler oder gar Barockbauten ersetzen? Das wurde bislang noch so gut wie nicht beobachtet, ist also ziemlich unrealistisch. Zu erwarten ist doch vielmehr, dass es noch monströser wird, mindestens eine Wärmedämmkiste oder ein Haus mit Schüttelfenstern hinkommt.

    Das ist kein Plädoyer für den 50er-Jahre-Städtebau. Alles andere als das. Aber eben ein Hinweis auf die aktuelle Lage.

    Es geht weiter, jetzt im Stadtteil Mitte, und dort an seinem nördlichen Ende. Als erstes ein frisch saniertes Haus in der Schleusenstraße mit einem ganz attraktiv wirkenden Italiener

    Unter der Lamellen-Verkleidung des linken Nachbarn könnte auch noch ein Schmuckstück verborgen liegen.

    Dieses Eckhaus hat sich "retro79" mal angesehen vor einigen Jahren, es ist innen wohl unsaniert, hat aber in den letzten Jahren immerhin den Turmhelm zurückbekommen, aber natürlich immer noch kein Schmuckstück mit ordentlich Investitionsbedarf

    Seltsam, dass der Eigentümer ein solch schönes, wenn auch eher teures Detail rekonstruiert, das ganze Haus aber bislang unsaniert lässt. In der Regel läuft es ja anders herum.

    Warum un alles in der Welt sind dese schrecklichen 90er-Billigfenster nicht auszurotten?

    Das liegt schlicht am Preisunterschied.


    Hier sind mal ein paar (mir nicht 100%-ig verständlich aufgelistete) Preismodelle, die zeigen, dass Kunststofffenster weit billiger als Holzfenster sind. Und das Sprossenfenster gleich richtig zu Buche schlagen.


    Zitate:

    Quote

    Fällt Ihre Wahl beim Material auf Kunststofffenster, sparen Sie bereits aufgrund des Materials im Vergleich zu Holz- und Aluminiumfenstern. Da Kunststofffenster kostengünstiger produziert werden können, aber trotzdem hervorragende energetische Eigenschaften aufweisen, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis hier am besten.

    https://www.deutsche-fensterbau.de/fenster-preise/


    Quote

    Bei der Wiener Sprosse wiederum werden die Sprossen lediglich auf die Verglasung aufgeklebt und eine zusätzliche Sprosse im Scheibenzwischenraum angebracht. So besteht das Fenster aus einer durchgehenden Glasfläche, erhält aber dennoch den Eindruck eines Sprossenfensters. Der Vorteil dieser Art der Fenstersprossen sind neben dem geringeren Aufpreis auch bessere Wärmeschutzwerte.

    Ähnlich den Wiener Sprossen sind die sogenannten Helima Sprossen, bei welchen lediglich im Scheibenzwischenraum eine Sprosse eingesetzt wird. Hier muss mit einem Aufpreis von ca. 10€ pro Sprossenfeld ausgegangen werden, Wiener Sprossen schlagen mit einem Aufpreis von ca. 30€ pro Sprossenfeld zu Buche. Glasteilende Sprossen sind aufgrund des Aufwandes die teuerste Sprossenart mit ca. 40€ pro Sprossenfeld. Die Preise beziehen sich alle auf Kunststofffenster.

    https://www.deutsche-fensterbau.de/ratgeber-fenster-preise/


    Diese Preise potenzieren sich, wenn man die Menge an Fenstern eines solch großen Hauses berechnet. Dass viele private Eigentümer, die ohnehin bereits große Sanierungskosten zu tragen haben, hier zu sparen versuchen, ist menschlich verständlich. Dies zumal in einer Gegend wie Bremerhaven nicht entsprechende Mieteinnahmen zu erwarten sind, die die Sanierungskosten wieder ausgleichen.

    Ein Eigentümer (oder eine Immobiliengesellschaft) muss also über guten Geschmack und Liebe für das Objekt verfügen, um eine Sanierung entsprechend aufwändig zu gestalten.


    Das soll keine Rechtfertigung meinerseits sein. Ich bevorzuge auf jeden Fall passende Sprossenfenster. Aber ich wollte die Situation von Eigentümern darlegen und eine Antwort auf die Frage "Warum?" geben.

    Bezüglich des Schauspielhauses ist noch nichts entschieden. Es ist davon auszugehen, dass ohnehin fast alles abgerissen wird. Gesonderte Abrisskosten für eine Rekonstruktion des Schauspielhauses, wie oben suggeriert wird, werden kaum entstehen.


    Bezüglich Altstadt muss ich nochmals sagen, dass Rekonstruktionsvorstellungen derzeit (leider) illusionär sind. Wenn wir von einer absehbaren Zukunft sprechen, nicht von 100 Jahren. Die Nachkriegshäuser am Römerberg sind gerade saniert worden und wohl teils in Privateigentum. Eine Rekonstruktion des Salzhauses würde auch Abrisskosten verursachen (soviel zu dem "Argument" von den Abrisskosten für das Schauspielhaus), denn der bestehende Nachkriegsbau hat ganz andere Geschosshöhen, kann also nicht weiterverwendet werden. Zudem existiert keinerlei politischer Wille zu einem solchen Abriss, da der Bau gemeinhin als Symbol der Nachkriegszeit gilt. Bei der Paulskirche wird ebenfalls nichts rekonstruiert. Derartige Bestrebungen sind frühzeitig ausgebremst worden. Der Lange Franz dümpelt finanziell vor sich hin, aber er kann kommen. Ihn allerdings gegen das Schauspielhaus ausspielen zu wollen, macht keinerlei Sinn, da kein Zusammenhang besteht.

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    Zu Bild 1: Da ist der Gehweg vor dem Haus abgesperrt. Möglichenfalls deutet das auf Gefahr durch herabfallende Teile hin? Dann dürfte eine Sanierung, zumindest Sicherung in absehbarer Zukunft anstehen.


    Zu Bild 2: Es scheint nur eine Wohnung im 1. OG bewohnt zu sein. Jedenfalls hat sie Gardinen. Ansonsten existieren ja teils keine Scheiben mehr. Sie sind durch Holzbretter ersetzt worden.


    Ja, ich muss "Heinzer" zustimmen. Es ist zwar ein Viertel, dass an Stadtareale im Osten vor 1990 erinnert, aber viel Substanz und ein großes Potenzial hat.

    Problem Altes Relaishaus. Der Eigentümerer hat das Barockgebäude aufgrund des Versuchs eines Versicherungsbetrugs angezündet. Er sitzt im Knast und tut nichts zur Wiederherstellung des Gebäudes. Verkaufen will er auch nicht. Nun wird die Stadt zunehmend ungeduldig.


    Mannheim

    Stadt will Relaishaus-Besitzer zum Bauen zwingen

    Das Gebäude in der Rheinau verfällt immer mehr. Die Verwaltung will den Besitzer nun zur Bebauung verpflichten.

    https://www.rnz.de/nachrichten…zwingen-_arid,471151.html


    Grundstück völlig verfallen

    Altes Relaishaus in Mannheim: 4 Jahre nach Feuer – Was passiert mit der Brand-Ruine?

    https://www.mannheim24.de/mann…-brand-ruine-9963689.html


    Denkmalschutz Verwaltung bringt an diesem Donnerstag im Technischen Ausschuss Änderung des Bebauungsplans auf den Weg

    Stadt will Altes Relaishaus retten

    https://www.morgenweb.de/mannh…retten-_arid,1665258.html


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    Dagegen etwas Positives. Die Projekte von Stadtbild in Mannheim. Zwar nur kleine Projekte, aber immerhin...


    https://stadtbild-mannheim.de/erfolgreiche-projekte.html


    Unter anderem wurde ein Figurenpaar der Mozartschule rekonstruiert.


    https://mozartschule-mannheim.de/?page_id=22

    Deutschland braucht sowieso zehntausende Rekos

    Dann überbiete ich. Ich wäre sogar für hunderttausend Rekos... mit zehntausend Kuppeln. Und zwar schnellstens. :koenig:


    Aber leider stehen die Eigentümer, politischen Entscheider und die Finanzmittel gegen eine schnelle Realisierung. So ist das Leben leider... :weinen::wink:

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    Frankfurt ist eine Stadt der Kontraste. Mit der obigen Argumentation würde auch eine Alte Oper (die bekanntlich, trotz Abrissideen, in den 80er Jahren wiederhergestellt wurde) "keinen Sinn" mehr machen, weil ja nun eine moderne Umgebungsbebauung existiert. (siehe hier) Komisch, dass das Gebäude und der Platz davor so beliebt sind. Auch ein Palais Thurn und Taxis oder die Alte Stadtbibliothek, beide vor wenigen Jahren rekonstruiert, machen "keinen Sinn", weil ja moderne Häuser daneben stehen. (Siehe hier und hier) Ergo: Auf Frankfurt können die Schablonen einer Stadt wie Wittenberg nicht angelegt werden.


    Das Argument, Rekos doch lieber "am Römer (Altstadt)" zu errichten, geht zudem völlig an den Realitäten vorbei. Es ist ein Argument a la, wenn man dort nicht rekonstruiert, kann man im Gegensatz hier rekonstruieren. Völlig absurd. Es wurde hinlänglich bereits mehrfach deutlich gemacht, dass derzeit im Bereich der Altstadt kaum realistische Möglichkeiten einer Rekonstruktion bestehen. Abgesehen von Einzelgebäuden wie der Alten Börse vielleicht. Zumindest steht dort derzeit nichts an, dafür aber ist das Schauspielhaus gerade ein Thema. Statt also ständig Themen auszuweichen und lieber Träumereien zu pflegen, muss man sich Themen, die auf der aktuellen Agenda stehen, stellen. Auch wenn man eine Niederlage erleiden sollte.

    Was soll das aussagen? Mit "hier" und "Schlagzeige" (wohl "Schlagzeile") sind die Presseorgane gemeint?


    Über das Schloss wurde ja wohl in den letzten Jahren ausgesprochen viel in den Zeitungen berichtet. Natürlich lässt der Tenor unserer Journalistenzunft mal wieder zu wünschen übrig. Von "stiefmütterlich" aber kann eigentlich keine Rede sein....

    Werden wir das schöne Bauen noch erleben?....


    ...wenn es nach Maren Harnack von einer Frankfurter Forschungsgruppe geht.


    Zitat aus unten verlinkten Presseartikel:

    Quote

    „Gerade weil heute wieder verstärkt diskutiert wird, komplette neue Stadtteile zu bauen, lohnt es sich, einen Blick zurück auf die letzte Periode zu werfen, in der dies in großem Maßstab geschah: die 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre“, schreibt die Frankfurter Städtebau-Professorin Maren Harnack als Sprecherin der Forschungsgruppe. Im Gegensatz zum landläufigen Vorurteil seien diese Siedlungen weder monoton noch unpersönlich: „Hier wurde mit einem hohen gestalterischen und sozialen Anspruch gebaut, der für zukünftige Siedlungen in vieler Hinsicht Vorbildcharakter haben kann.

    Siehe: Modernisten sind trotz aller Erfahrungen unbelehrbar.


    Hier sieht man das Objekt der feuchten Träume dieser Architekturtheoretiker-Gruppe "Ressource Nachkriegsmoderne – Baukultur und Siedlungsbau 1945 - 1975" der Fachhochschule "Frankfurt University of Applied Sciences":


    Skyline als Vorbild?

    Forscher würdigen Chinamauer in Rodgau: Herausragende Siedlung ihrer Zeit

    https://www.op-online.de/regio…de-siedlung-90043531.html

    Nein, diese Haltung ist nicht die eines Realisten, sondern die eines enttäuschten Illusionisten/Träumers. Der Realist sagt: "Die Chancen stehen schlecht. Aber wenn ich nicht etwas mache, stehen sie bei Null." Wenn er dann scheitert, ist er nicht enttäuscht, sondern versucht daraus zu lernen und es beim nächsten Projekt besser zu machen.


    ...sagt einer, der ja oft genug auch Träumer in diesem Forum auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen versucht hat.