Posts by East_Clintwood

    Wenn ich einen Farbanschlag sehe, mit dem ein Kulturdenkmal beschädigt werden sollte, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass die diskursiven und intellektuellen Fähigkeiten der Betreffenden zwischen dem Niveau einer Amöbe und dem eines Rhesusäffchens stehengeblieben sind (was ja nicht schlimm ist, aber eben meine subjektive Feststellung). Und eben, dass sie sich stark fanatisiert haben, was bei Menschen, die sich das Denken nie angewöhnen konnten, eben auf fruchtbaren Boden fällt. Diese Einschätzung mache ich nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängig.

    Mal ein paar kolorierte Aufnahmen des nächtlichen Berlin der 20er Jahre:


    Elefantentor



    Jungfernbrücke



    Herkulesbrunnen



    Erste-Hilfe-Säule auf dem Potsdamer Platz



    Haus Vaterland



    Moka Efti



    Ufa-Palast am Nollendorfplatz



    Fotograf: Martin Höhlig (1882-1948)

    Ich muss sagen, dass die Bilder (vor allem das von Leonhard) durchaus reizvoll und verblüffend plastisch sind. Mir gefällt dieses Experiment fast besser als eine Rekonstruktion, weil es einmaliger und ein ziemlicher Blickfang sein wird. Klar wäre eine Rekonstruktion schön gewesen. Aber ob es besser wäre, kann man wohl nicht abschließend sagen. Bin jedenfalls wahnsinnig gespannt auf das fertige Ergebnis.

    Ich verstehe die Abwehrhaltung hier nicht. Ja, es ist ein historistischer Bau und damit eine späte Interpretation venezianischer Gebäude. Aber die Nähe zum Kurländer Palais und zum Neumarkt (und schließlich zum Belvedere, das dadurch größere Chancen hat, wiederzuerstehen), machen diese Rekonstruktion -zumindest für mich- zu einem sehr erfreulichen Projekt. Normalerweise sind die Brüche modernistischer Natur- was spricht dagegen, wenn es dieses mal genau umgekehrt ist?


    Anbei noch eine kolorierte Fassung des Gebäudes. Ich finde, dass es zusammen mit dem Nachbargebäude etwas hergibt- unabhängig davon, was für Ungetüme sich dahinter erheben.


    Es lohnt sich nicht, diesen radikalen Salonlinken und seine in die Jahre gekommene Entourage aus Altkommunisten und modernem Lumpenproletariat noch durch Kommentare aufzuwerten. Aufwertung wollen sie ja ohnehin nicht, totschweigen wäre also im Sinne aller. Hoffentlich spricht der Berliner Senat bald ein Machtwort.

    Dieses Zitat wird hinsichtlich der Rekonstruktion der Schinkel’schen Bauakademie noch sehr wichtig bzw. sollte es werden. „So viel Schinkel wie möglich“ soll ja das Motto sein:


    „[...] wird von dieser Seite die Pflicht um so dringender, die geerbten Schätze in ihrer ganzen Herrlichkeit zu erhalten, selbst in den ungünstigsten Zeiten* sind die hierauf zu verwendenden Mittel nie als eine überflüssige Verschwendung anzusehen [...]”


    *worunter auch Zerstörung fällt

    Gut, wenn es sich darauf bezieht bin ich d‘accord. Ich bin der Meinung, dass weder zu richten (womit ich nicht sachliche Kritik meine), noch zu idealisieren, einer Epoche gerecht werden kann. Und dass rückwirkende moralische Urteile und Benotungen angesichts des situativen, von vielen Faktoren bedingten und letztlich auch getriebenen Charakters geschichtlicher Handlungen keinen allzu großen intellektuellen Mehrwert bringen können, außer der Selbstvergewisserung, ein nach heutigen Maßstäben ‚sehr anständiger Mensch‘ zu sein.


    Was das Schloss betrifft: Die Kritik aus historischer Perspektive am Kreuz und dem Spruchband muss jederzeit möglich sein, keine Frage. Die Voraussetzung einer solchen Kritik ist aber, dass der Gegenstand vorhanden ist, auf den sich die Kritik bezieht. Es ist keine Kritik mehr, wenn man den Gegenstand der Kritik ‚verbieten‘ lassen möchte und die Diskussion damit für beendet erklärt (wie es viele ‚Kritiker‘ ja am liebsten gesehen hätten). Das hat nichts mehr mit Debattenkultur oder gar demokratischem Bewusstsein zu tun.


    Und wie gesagt: ich sehe das Schloss zuvörderst unter ästhetischen und kulturellen Gesichtspunkten, nicht tagespolitischen. Und da eine Rekonstruktion keine moralische „Wertung“ beinhaltet, sondern die Erlebbarkeit eines historischen Bauwerks in seinem authentischen Zustand zum Ziel hat und letztlich einen offenen Interpretationsspielraum zulässt, an dem sich alle beteiligen können, verstehe ich diese hysterischen medialen Diskussionen nicht (womit ich nicht dich meine). Wie übrigens wahrscheinlich die meisten Besucher aus dem Ausland (selbst aus Saudi-Arabien) nicht einen einzigen -sehr deutschen- Gedanken daran verschwenden, wieso da nun ein Kreuz auf der Kuppel ist.

    Die Motive verstehen (und vielleicht nachvollziehen) zu wollen, bedeutet nicht, dass man etwas ‚glorifiziert‘. Und Zeitkontexten mit einem anderen Zeitkontext (unserem) zu begegnen und das Urteil davon abhängig zu machen, ob sie sich decken, ist bestenfalls kindisch, schlimmstenfalls Arroganz.

    Das stimmt m.E. so nicht ganz. Die Katastrophen waren nicht zuletzt die Folge einer radikalen Demokratisierung der Gesellschaft, die den Einzelnen zum Teil einer homogenen Wirtschaftsmasse degradierte. Die Möglichkeit der Industrialisierung des Mordes war ebenfalls eine ‚Errungenschaft‘ der Moderne, bzw. ohne diese nicht denkbar. Die „Ver(schein)wissenschaftlichung“ und Biologisierung von Menschengruppen wäre im frühen 19. Jahrhundert in dieser Form ebenso nicht denkbar gewesen. Die PR-Kampagnen sind ein modernes Mittel der Massenmanipulation, das bis heute Gültigkeit hat. Die Bürokratisierung, die Menschheitsverbrechen zu einer Frage der Logistik reduzierte, war eine Folge des rationalen Zeitgeists, der kalte Effizienz höher gewichtete, als die Menschen. Von den Mitteln der Kriegsführung ganz zu schweigen. All das waren in meinen Augen ‚fortschrittliche‘ oder zumindest ‚moderne‘ Mittel oder anders gesagt: der Fortschritt in seinen negativsten Ausprägungen (die man nicht wegdenken kann, wenn man das ganze Bild dieser ‚Ideale’ sehen möchte).

    Luther rief dazu auf, die Bauernaufstände mit äußerster Brutalität niederzuschlagen, Synagogen zu zerstören und den Talmud zu verbrennen. Und auch hier: man muss es aus der Zeit, aus der charakterlichen und religiösen Prägung Luthers, aus den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, den Machtverhältnissen usw. betrachten, um es verstehen zu können (was nicht gutheißen bedeutet). Das Problem bei der heutigen gängigen Geschichtsdeutung ist, dass man den Gegenstand von außen kritisiert, anstatt von innen verstehen zu wollen. Man schafft künstlich Distanzen, sobald der Gegenstand sich von gängigen moralisch-ethischen Prinzipien entfernt. Man hat Angst, dass man durch die Innenschau und die Vergegenwärtigung der Umstände die Motive der verwerflich Handelnden nachvollziehen könnte. Und das halte ich für falsch, da man dadurch heutige (wiederum sehr zeitgebundene) Parameter anlegt und sich selbst innerer Erfahrungen beraubt. Geschichte sollte nicht dazu dienen, sich selbst moralisch zu erhöhen (das tut man bewusst oder unbewusst, wenn man anhand heutiger Maßstäbe zu moralisieren, sich zu distanzieren oder gar zu richten beginnt), sondern Prozesse aus der jeweiligen Zeit heraus zu verstehen.

    100% Zustimmung. Was noch dazu kommt: diese Menschen sind in der Regel selbst symptomatischer Vertreter IHRER Zeit. Sie übernehmen unhinterfragt jene Denkmuster, die ihnen die neuen ‚Obrigkeiten‘ oder ihr (sich selbst regulierendes) heutiges Kollektiv vorsetzen und sind nicht einen Zentimeter weiter als die Bauern, die die Welt anhand der Kategorien beurteilen, die sie in der Messe oder von ihren Fürsten lernten.


    Derselbe Hang, „Abweichler“ von den heutigen Evangelien öffentlich bloßzustellen, derselbe Geist, der zu den Mistgabeln griff und sich zu einem homogenen Pöbel vereinigte. Was alles noch viel verwerflicher ist, weil man heute -im Unterschied zum Mittelalter- alle Möglichkeiten hat, den eigenen Horizont zu erweitern und sich und seine Umwelt kritisch zu hinterfragen.


    Ich denke mir oft: wie anmaßend viele Kirchenkritiker doch sind, die intellektuell mindestens 1000 Stufen unter Augustin stehen, wenn sie sich (wie Bauern auf Brueghels Bildern) über die „Naivität“ vergangener Epochen mokieren und feixen. Wie arrogant, sich selbst ÜBER den Menschen vergangener Zeiten zu wähnen und den Richter über Jahrtausende zu spielen, weil man ein iPhone bedienen kann.


    Und wie unfähig sie sind, sich ihrer Fantasie zu bedienen, um die gesellschaftlichen/technologischen/psychologischen/politischen/geistesgeschichtlichen/wirtschaftlichen Voraussetzungen vergangener Zeiten mitzudenken, um überhaupt ansatzweise verstehen zu können, warum die Menschen (oder der einzelne Mensch) so handelte, wie er handelte. Er nimmt sich selbst lieber -wie der dümmste Bauer- als absoluten Maßstab für alles und jeden und ist vor lauter Selbstbeweihräucherung nicht mehr in der Lage, zu denken. Er weiß ja schon alles...

    Identität ist etwas zutiefst Subjektives, da gebe ich dir recht. Kulturelle Identität kann jedoch schon eine gewisse Faktizität für sich beanspruchen. Dennoch sollte die Debatte nicht von einem Hang zur Selbstverleugnung dominiert werden (der ebenso subjektiv geprägt ist), die sich in der Relativierung des Eigenen ergeht: unter peinlicher Wahrung der Rücksichtnahme auf das Fremde. Objektivität bedeutet zudem nicht, dass man keine Prinzipien mehr vertritt und zum Neutrum mutiert. Es bedeutet, dass man seine Argumentation sachlich vorträgt und die Voraussetzungen der Argumentation für den Anderen möglichst nachvollziehbar zu machen versucht. Letzteres vermisse ich großenteils in der gegenwärtigen (medialen) Debatte um das Kreuz.

    Ich gebe dir in vielen deiner Ausführungen recht. Mit dem Kern des Kreuzes meine ich die Botschaft Jesu, die immerhin den moralischen Kanon begründete, anhand dessen ironischerweise gerade die Kritiker des Christentums argumentieren und politisieren. Dass die Aufklärung in einem dialektischen Verhältnis zum Christentum steht, darf man auch nicht vergessen.


    Was die Presse betrifft: es wäre schön, wenn eine Repräsentation aller Stimmen mit gleicher Vehemenz vorhanden wäre. Zumal da, wie ein Vorredner schrieb, gefühlt 95% der Kommentierenden sich gegen die in den Medien geäußerten „Bedenken“ wenden. Zwischen Kritiklosigkeit und sich als Kritik gebendem Hass sollte es ein Mittelmaß geben. Und in vielen Kritiken sehe ich nunmal letzteres (mal subtiler, mal weniger subtil) als gegeben. Und da sich Entscheidungsträger in aller Regel an dem (relativ unausgewogenen) Medienklima orientieren und weniger am direkten Austausch mit der Bevölkerung, halte ich das nunmal für problematisch.


    Und richtig: es geht um die Rekonstruktion eines historischen Baus, um ein Kunstwerk (unabhängig davon, wer es in Auftrag gab und welchem Zwecke es diente: es spricht -als Kunstwerk- für sich selbst). Möchte man sich kritisch mit der Geschichte der Hohenzollern oder der christlich motivierten Pogrome beschäftigen, gibt es mehr als genug Fachliteratur. Aber architektonische Werke für pädagogische Zwecke zu missbrauchen und die Kunst in den Dienst der Tagespolitik zu stellen (und durch dieses Korsett vermeintlich ‚genießbarer‘ zu machen), halte ich für grundfalsch, zumal die Vorlage gut genug dokumentiert ist und daher keine Interpretationen zulässt. So wie man keine Partituren Wagners umschreibt oder unzeitgemäße Bücher schwärzt, so sollte man bei der Rekonstruktion eines historischen Gebäudes nichts hinzufügen oder weglassen. Und schon gar nicht aus Angst und in vorauseilendem Gehorsam. Für die „kritische Aufarbeitung“ der Geschichte des Gebäudes, gibt es die Regale im Museumsshop.

    Das wäre alles in Ordnung, wenn diese ‚Kritik‘ nicht ein unreflektierter Reflex wäre, der sich an allem, was mit abendländischer Kultur zu tun hat, festbeißt. Es waren bei den ‚Kritikern’ nicht Überlegungen, ob die Hohenzollerndynastie Unfrieden gestiftet hat und das Kreuz von ihnen womöglich (falsch) instrumentalisiert wurde. Sondern, ob man in der heutigen multikulturellen Zeit überhaupt ein Kreuz im öffentlichen Raum zeigen darf.


    Das Kreuz wurde also als Beleidigung anderen Kulturen gegenüber gedeutet, unabhängig davon, was es im Kern repräsentiert und unabhängig davon, ob es an einem Schloss angebracht würde oder einem modernen Zweckbau.


    Und diese Diskussionen halte ich für mehr als nur problematisch. Weil sie keine Diskussion zulassen, sondern sie zu ersticken suchen. Die ‚Kritiker‘ sind an sachlichen Debatten nicht interessiert, weil Emotionen (vor allem Hass, in diesem Fall auf die eigene Identität) die Triebfeder ihrer ‚Kritik‘ sind.


    Wer widerspricht und das Kreuz als prägendes Symbol europäischer Kultur sieht, wird in den Ruch des Faschismus gedrängt (siehe die ängstliche Reaktion der Kirchenvertreter, die sich nun ebenfalls dazu genötigt fühlen, sich daran stören zu müssen).


    Deshalb sollten die ‚Kritiker‘ ehrlicher sein und sagen: „wir hassen das Christentum, wir hassen das Schloss, wir hassen alles, was eine westliche Deutungshoheit beinhaltet. Wir hassen Widerspruch. Wir hassen Diskussionen, da Argumente der Gegenseite unseren Standpunkt widerlegen könnten. Wir hassen Pluralismus, sofern er sich auf Themen bezieht, die nur eine (unsere) Deutung zulassen.“


    Damit könnte man immerhin arbeiten. Und das Traurige ist, dass unter diesen ehrlichen Voraussetzungen vermutlich eine konstruktivere Debatte stattfände, als es derzeit der Fall ist.

    Ach, ein bisschen Sarkasmus muss schon zulässig sein, immerhin ist es die anständigste Form der Beleidigung :-) Es ist schon verrückt, wie diese (relativ) kleine Laterne den erhabenen Eindruck des Schlosses derart komplettieren kann. Und -wie glaube ich schon gesagt wurde- könnte dieser Anblick als Initialzündung für die Laterne des Berliner Doms dienen.