Posts by East_Clintwood

    Weil ihnen "Übung" fehlt? Nein, weil man ihnen erfolgreich eingetrichtert hat, dass man die vormoderne Vergangenheit nicht einfach so bruchlos kopieren darf. Die millionste Kopie eines Kastens hingegen ist kein Problem.

    Ich würde behaupten, dass es im Zuge der Demokratisierung der Kunst vielen Architekten an elementarsten Fähigkeiten fehlt (und damit auch an Lehrern, die sie weitergeben könnten), die zu großen Teilen eben nicht einfach „lernbar“ sind wie ein Schnitzel zu kochen oder das Alphabet zu beherrschen. Die renommiertesten Architekten der Schweiz sind Herzog und DeMeuron. Ich habe mir mal den Spaß gemacht und nach Handskizzen von ihnen gesucht. Fehlanzeige, keine einzige. Entweder gibt es kaum welche oder sie schämen sich für die Ergebnisse. Wie will man also von jemandem, der nicht in der Lage ist, einen architektonischen Entwurf zu zeichnen (von den bildhauerischen Schmuckelementen mal ganz zu schweigen) erwarten, dass er es mit den Architekten vergangener Zeiten auch nur im mickrigsten Ansatz aufnehmen kann (Leo von Klenze und Schinkel waren beispielsweise neben der Architektur auch brillante Maler)? Die vorherrschende geometrische Strenge des Gros an Architekten ist ein Ersatz für sonstige handwerkliche Defizite. Anders gesagt: eine Gerade zu ziehen oder einen Halbkreis zu zirkeln ist wesentlich einfacher als einen künstlerisch anspruchsvollen Entwurf zu skizzieren. Die Anforderungen wurden also auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergefahren, so dass letztlich jedes Kleinkind, das nicht blind ist, theoretisch Gebäude entwerfen könnte. Wenn ich mir die überall sichtbaren „Werkbeispiele“ und voller Stolz eingereichten „Wettbewerbsbeiträge“ ansehe, erinnern mich die heutigen Anforderungen an Architekten zunehmend an diesen Schimpansen, dessen „Gemälde“ nicht mehr von moderner Kunst zu unterscheiden sind. Zumindest sehe ich das so.

    Sprich: Brügge wird von Touristen derart überrannt, dass es sich bei der Stadt heute eher um eine Kulisse als um eine funktionierende Stadt handelt.

    Brügge ist natürlich sehr schön, aber leidet wohl am gleichen Problem wie so viele ähnlich berühmte Städte. Ich erinnere mich da an Florenz und diese dauernden Schirme der Reiseführerinnen, die den zig Großgruppen als Orientierung dienten. Es ist für Besucher nicht mehr angenehm, solche Orte zu besichtigen und Fotos ohne Menschenmassen sind da auch kaum mehr möglich. Da gehe ich tatsächlich lieber in deutsche Städte, auch weil sie mich historisch mehr interessieren. Erstens sind sie touristisch weniger erschlossen und zweitens kommt man architektonisch sehr oft immer noch gut auf seine Kosten. Deutschland ist grundsätzlich der unterschätzte Underdog, was ich -als ausländischer Tourist, der ich auch in Deutschland bin- eigentlich sogar begrüße. In Deutschland kann man Städte oftmals immer noch ganz in Ruhe besichtigen und auch weitestgehend unbehelligt von Touristenmassen die hidden Gems aufsuchen, was für mich persönlich touristisch ein großer Pluspunkt ist. Und eben, viele kennen deutsche Städte auch kaum, wie ich in meinem Freundeskreis immer wieder feststellen muss. Die sind dann immer ganz erstaunt darüber, was ich an Bildmaterial so alles mitbringe. Ich sag das nur, weil weiter oben Brügge mit Lübeck verglichen wurde (Deutsche vergleichen sich eh viel zu viel, gewöhnt euch das mal ab 😄), das seinerseits nun weiß Gott nicht arm an einem historischen Stadtbild ist.

    Das ist natürlich nicht machbar und das behauptete ich ja auch nicht, wobei die damalige Nummer 35 wahrscheinlich ja auch neben oder gegenüber dem Bellevue gelegen wäre und man ggf durchaus langfristig ein Museum einrichten könnte. Es geht um den architektonischen Gesamteindruck der Lebensumwelt seiner Zeit (ähnlich wie in Frankfurt das Dom-Römer-Areal neben seinem Wohnhaus einen Einblick in das Frankfurt Goethes bietet, obwohl die Raumaufteilung der einzelnen Gebäude bis auf die Goldene Waage, die meines Wissens sogar leicht versetzt wiederaufgebaut wurde, nicht mehr seiner Zeit entspricht). Ich wollte damit auch nur ausdrücken, dass es mehrere emotionale Bezüge zu einem Ort geben kann und es sehr schwierig ist, hier eine Verbindlichkeit oder ein „Ranking“ herzustellen, welchen Zustand man denn nun weswegen bevorzugt.

    Ich stehe Translozierungen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber, aber in diesem Fall wäre ich dafür, auch wenn es natürlich vollkommen illusorisch ist. Es wäre ein Architekturmuseum, wo man herausragende Solitäre der Dresdner Stadtgeschichte ergänzend zum Neumarkt errichten könnte. Die bedeutendsten und beispielhaftesten Bürgerhäuser abseits des Neumarkts, die aufgrund der städtebaulichen Situation am Originalstandort nicht mehr gebaut werden können. Als Idee gefällt es mir, auch wenn es natürlich ahistorisch wäre.

    Was zum Teufel ist denn an der Nummer jetzt so kompliziert?

    Das frage ich mich allmählich auch. Wäre es ein 08/15 Investorenbau, würde er schon seit Jahren stehen. Aber es handelt sich um eine Rekonstruktion, bei der wie so oft ideologische „Bedenkenträger“ alles dafür tun, sie zu verhindern und eine Pseudodebatte führen, die umtriebige „Sachlichkeit“ suggerieren soll, wo es lediglich um eine schnöde Doktrin geht (natürlich hütet man sich davor, das der Öffentlichkeit zu sagen). Die Zeit, die nun bereits verflossen ist, steht in keiner Relation zur Ursache. Das geht schon in Richtung Realsatire, selbst die bedruckten Planen sind seither aufgrund der Witterung verschwunden. Irgendwann stürzt auch noch die Musterfassade nach dem zehnmillionsten Windstoß in sich zusammen und die diskutieren -mittlerweile Greise- immer noch darüber, wie der Bau am besten zu realisieren wäre.

    Laut Grundgesetz müssten doch an sich auch rechte (und rechtsaußen angesiedelte) Meinungen geschützt werden, da die weltanschauliche Freiheit garantiert ist- und das nicht mit der Einschränkung, dass Menschen selektiv für ihre Ansichten an den öffentlichen Pranger gestellt werden (das halte ich als Laie für einen verfassungswidrigen Eingriff, der die Rechtssicherheit und den Gleichheitssatz massivst in Frage stellt, aber ich kann mich natürlich auch irren und gewisse Menschen können in Deutschland tatsächlich für vogelfrei erklärt werden). Auch wenn man gerne suggeriert, dass „die“ Demokratie ausschließlich durch diese Seite „in Gefahr“ sei (was ich für hysterischen Unsinn halte). Damit verstößt Oswalt mit seiner Forderung doch eigentlich gegen die freiheitliche Verfassung Deutschlands und bedarf ggf. selbst einer „Beobachtung“?

    Um den Wiederaufbau ein bisschen anzuerkennen, hier ein Bild von vor dem Krieg an sehr prominenter Stelle aufgenommen, nämlich dem Hans Sachs-Platz (die Kolorierung ist nicht sehr gelungen, wofür ich mich entschuldige, aber darum geht es jetzt nicht):



    Auch das war Nürnberg. Dieser Platz unterscheidet sich optisch nur rudimentär von vielen wiederaufgebauten Partien. Ich poste in nächster Zeit gerne noch weitere Bilder, die ähnliche Ansichten zeigen, muss aber die Bildbände vorher noch suchen. Ich gehöre ganz sicher nicht zur Fraktion, die alles bedingungslos gutheißt. Aber eben auch nicht zu der, die alles restlos verdammt. Nürnberg war vor dem Krieg zweifelsohne ein sehr eindrückliches Gesamtkunstwerk, dem man nun endlos nachtrauern kann. Aber die Stadt ist eben auch heute eine schöne Stadt mit vielen sehenswerten Ecken und Winkeln. Ich habe die Haltung: ich nehme mit, was ich kriegen kann (was bleibt einem auch sonst übrig?). Das Alt-Nürnberg von vor dem Krieg kann ich nicht mehr kriegen. Aber sehr viele Spuren davon und das Lokalkolorit, das in unsere Zeit hinübergerettet wurde. Darüber freue ich mich und schätze es auch, wenn ich die Stadt besuche.

    Oswalt ist ein Symptom unaufgearbeiteter Geschichte, zumindest sehe ich es so. Er teilt sein „Gebrechen“ (das ich nicht auf ihn allein beziehe, sondern als kollektive Neurose bezeichnen möchte, die sich in dauernden Ängsten und Vermeidungsstrategien äußert und die er hier auf die Architektur überträgt) mit einem großen Teil der deutschen Bevölkerung, der dafür sehr empfänglich ist (sonst bekäme er diese Plattform ja nicht). Ich glaube tatsächlich, er meint, eine normale und gesunde Sichtweise zu vertreten, wie so viele Deutsche, die ich kennenlernte. Sie glauben, mit solchen Ansichten und „Bedenken“ endlich Teil einer „normalen“, ja für die ganze Welt gar vorbildlichen Nation zu sein und merken nicht, dass sie mit ihren Zwangsgedanken und Phobien alles dafür tun, ein einmaliger Sonderfall zu bleiben. Der „Clash“ kommt spätestens im Ausland, wo man für diese Spinnereien immer weniger Verständnis aufbringen kann. Der Artikel liest sich für mich wie eine Satire und an vielen Stellen musste ich tatsächlich lachen.

    Ich finde, es zeigt beispielhaft, dass auch viele der Vorkriegshäuser in Nürnberg ziemlich schlicht gestaltet waren. Man könnte behaupten, sie waren - aus rein architektonischer Sicht - auch recht belanglos. Oder nicht?

    Das finde ich auch. Ich habe einige Bildbände zum historischen Nürnberg, die genau diese Schlichtheit zeigen. Nürnberg war das, was ich eine „Ensemble-Stadt“ nennen würde. Das heißt, die Summe der Teile war bedeutender, als die Teile selbst (Pellerhaus, Toplerhaus und weitere verstreute Bürgerhäuser nehme ich davon natürlich ausdrücklich aus). Anders zum Beispiel Frankfurt, das m.E. wesentlich unterschiedlichere bzw. vielfältigere Solitäre vorzuweisen hatte, ganz zu schweigen von Städten wie Hildesheim. Was Nürnbergs Ensemblecharakter betrifft: genau das wurde nach dem Krieg versucht, nach Möglichkeit wiederherzustellen. Durch Materialität und Farbe. Man kann natürlich geteilter Meinung darüber sein, wie sehr das gelungen ist. Ich finde, es ist in weiten Teilen gelungen, den Farbklang und den historischen Charakter wiederzugewinnen, was in meinen Augen ein enormer Pluspunkt für das Nürnberger Stadtbild ist.

    Aber Oswalt und Co zu diffamieren und dämonisieren ist dann komischerweise ok? Wie wäre es denn, wenn wir einfach versuchen, beide Extreme zu meiden?

    Oswalt begibt sich freiwillig in den öffentlichen Diskurs und nutzt alle Kanäle, um seine radikale Meinung durchzuboxen, selbst wenn ihn niemand darum bäte, würde er sich äußern. Spender genossen bislang hingegen Anonymität und wollen nicht zwingend und unfreiwillig Thema der Debatte werden, nur weil Andreas deren Positionen missfallen. Darin liegt ein sehr großer Unterschied. Das eine ist ein freiwilliger Akt und das andere eine Drohung mit dem unverhohlenen Ziel, künftige Spender einzuschüchtern.

    Ich weis auch nicht warum sich Einige immer so für Rechtsradikale einsetzen,

    Wer tut das? Diese Argumentation ist dann doch ziemlich hinterlistig. Du definierst die Grenzen des zulässigen Diskurses. Und wer widerspricht oder die Grenzen anders setzt, setzt sich im Umkehrschluss für „Rechtsradikale“ ein und gehört somit ausgegrenzt oder öffentlich an den Pranger gestellt. So argumentieren Diktatoren. Mit einer freiheitlichen Demokratie hat das gar nichts mehr zu tun.

    Behaglich trifft es. Die Stadt hat immer noch ein wunderbar zeitentrücktes Flair, wenn man sie besichtigt und einen für mich sehr starken Wiedererkennungswert, bei dem man sagen kann „typisch Nürnberg“. Das ist bei einer dermaßen kriegszerstörten Stadt alles andere als selbstverständlich. Dessen sollte man sich auch bewusst sein. Ich wäre für meine Stadt Basel übrigens froh, wenn hier die zahllosen Neubauten ebenso behutsam an die Altsubstanz angepasst worden wären. Wie dem auch sei, ich mag die Stadt sehr und kann dieses Bashing nicht so ganz nachvollziehen. Es hätte noch viel viel schlimmer kommen können.

    Behaglich trifft es. Die Stadt hat immer noch ein wunderbar zeitentrücktes Flair, wenn man sie besichtigt und einen für mich sehr starken Wiedererkennungswert, bei dem man sagen kann „typisch Nürnberg“. Das ist bei einer dermaßen kriegszerstörten Stadt alles andere als selbstverständlich. Dessen sollte man sich auch bewusst sein. Ich wäre für meine Stadt Basel übrigens froh, wenn hier die zahllosen Neubauten ebenso behutsam an die Altsubstanz angepasst worden wären. Wie dem auch sei, ich mag die Stadt sehr und kann dieses Bashing nicht so ganz nachvollziehen. Es hätte noch viel viel schlimmer kommen können.

    Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe die Tage in Nürnberg sehr genossen und als jemand, der gerne fotografiert, kam ich vollends auf meine Kosten. Natürlich ist die Stadt nicht mehr die von vor dem Januar 1945 und ich verstehe alle, die das zutiefst bedauern (ich gehöre zu ihnen). Trotzdem hat die Stadt immer noch eine Menge zu bieten. Bei allem Verständnis für die Trauer, sollte man dennoch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

    Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe die Tage in Nürnberg sehr genossen und als jemand, der gerne fotografiert, kam ich vollends auf meine Kosten. Natürlich ist die Stadt nicht mehr die von vor dem Januar 1945 und ich verstehe alle, die das zutiefst bedauern (ich gehöre zu ihnen). Trotzdem hat die Stadt immer noch eine Menge zu bieten. Bei allem Verständnis für die Trauer, sollte man dennoch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.