Posts by East_Clintwood

    Münster hab ich mir für dieses Jahr vorgenommen, als touristischer Bonus wenn ich eine Freundin in Dortmund wieder besuche (neben Dortmund ist Münster ganz sicher eine schiere Augenweide). Was ich auf Apple Karten und Google Maps bislang sah, gefällt mir doch ausnehmend gut. Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs immer mitberücksichtigt, gibt es doch einiges zu sehen. Das Highlight bleibt natürlich (wie ja schon vor dem Kriege) das Rathaus. Schade nur, dass der auch innen prächtige Erbdrostenhof für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

    So erzeugt man nur eine "Wir-gegen-die-Stimmung"

    Diese Stimmung geht nicht von rechts aus, wie die derzeitigen „Architekturdebatten“ ja belegen. Dein Vorschlag wäre, es einfach zu ignorieren oder gar leugnen, weil sonst ggf. Debatten entstehen, die die radikale Linke, die entgegen deiner These gemessen an der Rechten beinahe täglich Rekonstruktionen verhindern möchte, verstimmen könnten. Ob diese Herangehensweise und die geforderte Wehrlosigkeit und das „Mund halten!“ (genau das wäre es) von Erfolg gekrönt ist, sei mal dahingestellt.

    Je mehr man sich aber mit dem Verlorenem befasst, desto hässlicher wird die Stadt.

    Das klingt auf den ersten Blick bestechend logisch, aber aus meiner Erfahrung (ausländischer Nürnberg-Tourist) kann ich sagen, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. Je mehr mir bewusst wird, wie Nürnberg 1945 aussah, desto mehr schätze ich jedes Relikt, das noch steht (und davon gibt es sogar eine erstaunlich große Zahl). Mir ist klar, dass ich damit evtl. das übliche Nürnberg-Bashing provoziere, aber ich empfinde Nürnberg nicht als hässliche Stadt. Was aber den Vergleich betrifft: die Moderne wird es nie schaffen, über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zu „ersetzen“. Das ist ein Fakt, den rund hundert Jahre Modernismus hinreichend bestätigten. Das neue „Pellerhaus“ (ich setze es bewusst in Anführungszeichen) wird sich nie mit dem eigentlichen messen lassen können. Dass der Denkmalschutz ästhetische Kategorien nicht gelten lässt und die Nachkriegsmoderne, weil „authentisch“, höher gewichtet, als eine Rekonstruktion eines Stücks Alt-Nürnberger Identität, ist sehr bedauerlich.

    Den Vorschlag mit dem Dürerplatz fände ich prinzipiell famos, auch was andere Gebäude betrifft (Toplerhaus beispielsweise). Alleine schon aufgrund seiner wesentlich zentraleren Lage. Leider ist Hof und Haus bei einer Translozierung keine Einheit mehr. Was sehr zu bedauern wäre, hier stellt sich also auch die Frage nach dem Gesamtkunstwerk, weswegen diese spezielle Situation eine andere ist als beim Leibnitzhaus. Die Ideallösung wäre immer noch die Rekonstruktion am originalen Ort, mitsamt dem Einbau des „Schönen Zimmers“, des Herzstücks des Pellerhauses, das man heute im Fembohaus besichtigen kann. Alles andere sind Halbheiten, das Haus wird auseinandergerissen. Deswegen lehne ich diese Idee -zumindest bei diesem Sonderfall- schweren Herzens ab. Es ist einfach sehr bedauerlich, dass der Denkmalschutz sich hier querstellt und ideologisch verbrämt ist. Hier wird ein minderwertiger Bau geschützt, weil man die (großenteils falsche) Erzählung vom großartigen Wiederaufbau über ein Meisterwerk der Renaissance stellt. So auch in Hildesheim. Hier spielen ideologische und keine kunsthistorischen Gründe eine große Rolle. Ich hoffe sehr, dass da noch ein Umdenken stattfindet und das zuständige Personal sich im Zuge eines Mentalitätswandels irgendwann ersetzen lässt.

    Gerade aber Gegenseite betont ausdrücklich (siehe Oswalt), dass die überwältigende Mehrheit der Spender "unbescholten" ist.

    Ich danke Oswalt für die unschätzbare Gnade und Auszeichnung, einem großen Teil der Spender in seiner Allwissenheit seinen göttlichen Segen zu geben. Großartig. Du hast neulich gesagt, dass du dir eine Debatte in der „Mitte“ wünschst. Warum also nimmst du wieder einen fanatischen Linken in Schutz, ja machst ihn ohne den geringsten Anlass erneut zum weltanschaulichen Mittelpunkt? Ich verstehe das nicht ganz. Es ist leider immer dasselbe. Entweder du möchtest tatsächlich eine gemäßigte Debatte oder aber du möchtest die extremen Positionen, die du hier regelmäßig als „Mitte“ verkaufen möchtest, zulassen. Entweder oder. Wie gesagt: niemand hat Oswalt erwähnt- oder ich habe etwas überlesen, kann ja sein. Aber du musst ihn wieder und wieder lobend aus dem Hut zaubern- aber wehe, jemand übt Kritik. Stell dir mal vor, jemand würde regelmäßig einen architekturtheoretischen Vertreter der Neuen Rechten ins Spiel bringen. Mit stringenter Argumentation, aber er ist eben ein Neuer Rechter. Ich möchte nicht wissen, was dann hier los wäre und welche Form der „Kritik“ du hier einbringen würdest. Und genau so -auf die Gegenseite bezogen- wird Oswalt wahrgenommen.

    Mir ging es bei meiner Einschränkung um den in diesem Forum inflationär verwendeten Begriff "pathologisch".

    Da reagiere ich zunehmend auch allergisch und stimme dir zu. „Pathologisch“ im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Phänomenen lasse ich gelten und mache in diesem Zusammenhang selbst Gebrauch von dem Begriff. Wenn man ihn aber auf einzelne Menschen anwendet und sie zum „Spinner“ und ihr ganzes Wesen lediglich zum Anzeichen eines medizinischen Symptoms degradiert und ihnen den eigenen Willen abspricht, wird es gefährlich. Das sage ich auch als persönlich Betroffener von Erkrankungen, das ist unstatthaft.

    Ich würde mir wünschen, man würde zum Berliner Schloss nicht nur von ganz links und ganz rechts etwas hören. Das ermüdet und vermiest der gemäßigten Mitte die Freude an und den unvoreingenommenen Blick auf dieses Projekt.

    Naja, wenn ganz links die Debatte dominiert, dürfen die Angesprochenen sich durchaus zur Wehr setzen. Ich kann mir denken, dass dir das nicht schmeckt, aber die Debatte um das Schloss ist nunmal von einer der beiden Seiten zur „Chefsache“ erklärt worden und findet medial durchaus zahlreiche Ventile. Wenn einmal von rechts eine Replik kommt, wird zur Mäßigung aufgerufen. Das ist unredlich. Und klassische „false balance“. Abgesehen davon ist die „Mitte“ meiner Erfahrung nach nur der statistische gesellschaftliche Schnitt von allerlei Extremen und keine reale Größe. Was man auch bei Wahlen oder ganz einfach nach ein paar Gläsern Bier immer wieder wunderbar beobachten kann. Dich würde ich anhand deiner Beiträge auch nicht immer zwingend in der Mitte verorten. Und das soll mitnichten ein Angriff sein (wirklich nicht!). Das ist menschlich. Davon nehme ich mich selbst auch niemals aus, ich bin auch nicht die sogenannte „Mitte“. Aber es gehört zu einer Debatte, dass Rede und Gegenrede stattfinden. Das kam mir in der Schlossdebatte bislang viel zu wenig vor, sodass man für fundamentale Kritik an gewissen Akteuren nun eben auf rechte Medien zurückgreifen muss. Es wäre an den gesellschaftlich etablierten konservativen Medien, die Angesprochenen zu Wort kommen zu lassen.

    Das meine ich ja genau. Vor kurzem wurden die (tatsächlich nicht schönen) Sitzbänke am Berliner Schloss (völlig zu Recht!) kritisiert, und es wurde (abwegigerweise) vermutet, das sei eine gezielte Aktion, um die Schönheit der Schlossfassaden zu beeinträchtigen. Wir sehen an diesem und vielen anderen Beispielen: es hat nichts mit dem Schloss zu tun, es ist einfach eine Mode, die momentan überall grassiert und in zehn Jahren wieder vorbei ist.

    Naja, ich sah darin nie eine „Verschwörung“. Traditionsbrüche können auch un- und vorbewusst stattfinden- und da sehe ich im verkrampften Umgang mit der preußischen Schlossgeschichte durchaus Tendenzen (milde ausgedrückt). Was die Bänke betrifft: das ist ein Unding unserer Zeit, der Versuch, etwas aufzulockern ohne dabei die Beeinträchtigung des ästhetischen Gesamtkonzepts zu bemerken (hier fehlt es in der kulturellen Schickeria eindeutig an Schulung und, ja, auch Pietät- etwas, das ich live und in Farbe während meiner Zeit in der SfG Basel beobachten durfte). Aber eben, kein Alleinstellungsmerkmal Berlins oder Deutschlands. Die Debatte um das Kuppelkreuz, die Versuche, das Schloss und dessen Geschichte zu konterkarieren, die Angst vor einem neuen Kaiserreich usw. sehe ich hingegen als spezifisch deutsche unaufgearbeitete Geschichte, die sich regelmäßig in Hysterie Luft macht. Aber auch hier: keine Verschwörung, hier finden vorbewusste Prozesse statt, die zwar sehr voraussehbar sind, aber nicht einem gezielten Plan folgen (wer die Deutschen -natürlich nicht alle, das betone ich ausdrücklich- und vor allem deren Medien einigermaßen kennt, weiß vor ihnen selbst, dass und welchem Reflex sie nachgeben müssen bei bestimmten Nachrichten oder Kulturprojekten). Das Schloss dient dabei nur als Ventil für vertrackte Ängste, die sich aber -leider- nicht von heut auf morgen abbauen lassen. Was dabei sicher auch eine größere Rolle spielt, ist, dass es eine Rekonstruktion ist und hinter dem Wiederaufbau eine Art „wilhelminisches Bekenntnis“ der Verantwortlichen vermutet wird. Das ist bei alten Gemäuern, wie zum Beispiel den Potsdamer Schlössern, nicht der Fall, wo es nur um Erhaltung oder Restaurierung geht. Muss man fairerweise hinzufügen. Aber eben, in Bezug auf die Bänke und auch die Banner, über die sich manche echauffiert haben, gebe ich dir vollkommen recht. Das ist ein weltweites Unding.

    Was man auf diesen Bildern sehr gut sieht und was mich bei meinem Aufenthalt sehr störte: Autos, Autos, Autos. Kaum eine pittoreske Ansicht ohne Autos. Ich bin nicht der Ansicht, dass man die ganze Innenstadt autofrei gestalten sollte, aber zumindest stadtbildprägende Teile davon. Wie es in vielen Städten ja auch der Fall ist. Ich fand das -als Tourist freilich- äußerst mühsam.

    Ich möchte ein solches Projekt auch nicht unbedingt in der Verantwortung der Privatwirtschaft sehen.

    Da möchte ich widersprechen. Wenn die Bauakademie mit der Auflage, sie äußerlich originalgetreu zu rekonstruieren, von einem privaten Investor in Angriff genommen würde, wäre mir das wesentlich lieber als diese obrigkeitliche und sich Jahrzehnte hinschleppende Willkür in Form dieser dubiosen Stiftung. Zudem wurde der gesamte Neumarkt von privaten Investoren rekonstruiert. Keiner würde wohl behaupten, dass ihm das geschadet hat.

    Obwohl ungerne, aber ich muss tegula trotzdem rechtgeben. Das ist ein Bärendienst und hilft in der Sache leider gar nicht. Die üblichen Reflexe sind die Folge und das Projekt gerät unnötig noch mehr in Gefahr. Für Rekonstruktionen wäre es besser, wenn die anderen Parteien ähnliche Vorstöße brächten. So zum Beispiel die CDU.

    Warum gibt's noch keine starke Serie über die Medici?

    Die Medici – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org


    Ja, hast du verpasst. Wenngleich ich dir recht gebe, dass es -bis auf England und teils Frankreich- ein gesamteuropäisches Problem darstellt. Man darf gerne etwas selbstbewusster die eigene Geschichte präsentieren. Gerade im Vergleich zu den USA, die minderwertigstes Material als Meilensteine der Menschheitsgeschichte darstellen.

    Was haben diese Filme gemeinsam? Sie wurden größtenteils nicht in Deutschland produziert. Und genau das ist meine Kritik. Sissi sind die 50er Jahre. Es ist traurig, dass man so weit zurückgehen muss. Demnächst gibt es ja übrigens auch ein Remake vom deutschen Film „Nosferatu“. Quizfrage: welches Land verfilmt es wohl? Es kann doch nicht sein, dass ein Land, das bis in die frühen 30er die größte Konkurrenz von Hollywood war, cineastisch praktisch gar nichts mehr auf die Reihe kriegt und sich seit Jahrzehnten mit dem behaglichen „ÖR-Fernsehfilm“ begnügt.