Posts by East_Clintwood

    Tja, wenn die Kirche keine Kirche will und selbst nicht mehr daran glaubt, dass sie in Deutschland noch Gemeinderäume oder repräsentative/spirituelle Stätten benötigt und einen Wiederaufbau wortwörtlich (mit-) verbauen will, ist das letztlich deren Problem. Sie dürfen sich ja jederzeit in sterilen 50er Jahre-Baracken, die selbst von Krankenhäusern niemandem mehr zugemutet würden, für ihre Bastel-Aktivitäten (oder was sie sonst auch immer treiben) zusammenfinden. Die Hauptsache ist, dass der Kirchturm steht.

    Ich glaube tatsächlich, dass mit Löser eine fähige Person kommt, die (im Unterschied zu Schmidt-Lamontain) viele gute Voraussetzungen mitbringt: in Dresden geboren und sozialisiert/Studium Kunstgeschichte und Geschichte/Gegner der Investorenarchitektur (was man auch als Synonym für moderne Architektur sehen kann) und Grüner, der auch linke Mehrheiten beschaffen kann. Die Voraussetzungen sind also sehr ordentlich. Nun muss er sich natürlich erst noch beweisen.

    Nein, entweder richtig oder gar nicht. Eine historisierende Verlängerung der Barockfassaden per ‚Kopierstempel‘ entwertet sie zwangsläufig. Es fehlte dann nur noch der Vermerk „made in China“, um das Bild abzurunden. Dann lieber modern, auch wenn es zwangsläufig gegenüber den Barockfassaden qualitativ arg abfällt.

    Der Blick auf die Altstadtbebauung (inkl. Fachwerk) der Fischerinsel und den halbwegs intakten Turm der Petrikirche versetzt mir jedesmal einen Stich und führt bei mir unweigerlich zu grenzenloser Wut (übrigens nicht nur auf die damaligen Verantwortlichen der DDR..)

    Rastrelli Es ist doch vollkommen in Ordnung, dass der Ostflügel ‚modern‘ (was auch immer das stilistisch heißen soll) gebaut wurde. Dennoch muss man deshalb das Ergebnis nicht gutheißen und Stella zum Genie stilisieren, der das Unmögliche möglich gemacht hat und eine Harmonie zwischen Alt und neu herstellte, die weltweit ihresgleichen sucht. Das ist -sorry- Unsinn.


    Ich kann mit dem Ergebnis sehr gut leben. Aber muss es mir deswegen nicht besser schreiben als es ist. Das käme mir (natürlich nur im übertragenen Sinne) wie eine Geiselnahme vor, in deren Verlauf ich mich -da ich ohnehin nichts mehr ändern kann- mit dem Kidnapper solidarisiere.


    Mit deiner Argumentation könntest du übrigens auch eine moderne Bauakademie legitimieren, da ein Nutzungskonzept des 21. Jahrhunderts zwangsläufig nicht mehr mit dem Gebäude in Beziehung stünde.


    Ein gefährliches Spiel, wenn selbst wir uns zu solchen Aussagen hinreißen lassen und die Modernisten mit relativierender Munition beliefern.

    Natürlich wäre die ursprüngliche Lage besser, nicht nur wegen des Anschlusses, sondern weil der Bau sich aufgrund der Sichtachsen besser in die geschlossene Bebauung fügt. Trotzdem ist es mir so lieber, als ganz darauf verzichten zu müssen. Der Bau ist ein kleines Juwel, ob nun etwas verschoben oder nicht.

    Rastrelli Wieso schreibst du eigentlich so abschätzig über die Epoche der Romantik und stellst ihr gegenüber Stellas Klumpen als Meisterleistung der Architektur und als sensiblen Umgang mit der ihn umgebenden Historie dar? Man kann ja Stellas „Werk“ akzeptieren, aber daraus einen Geniestreich zu machen, geht meiner Ansicht nach etwas zu weit. Es werden sogar von der Stadt Bäume auf der Lustgartenseite gepflanzt, damit die Besucher ihn nicht wahrnehmen. Kein Bau oder Umbau der Romantik hätte das nötig. Es ist ein Lückenfüller, mehr nicht. Man braucht eine vierte Seite und die durfte das Budget nicht übersteigen. Dass er nun (einigermaßen) dezent in seiner Formensprache ist und seine Hässlichkeit nicht weiter ausbreitet, kann man -wenn man denn unbedingt will- anerkennen. Aber sich deswegen über die Romantik zu mokieren, nur damit Stella ein bisschen glänzen kann, finde ich, naja, etwas daneben..

    Demnach gibt es im Gründungsviertel(!) nicht EINE(!) Rekonstruktion.. Ich frage mich, weshalb die UNESCO hier, an dieser sensiblen Stelle, nicht interveniert und Druck aufgebaut hat? Ich verstehe ja, dass viele hier denken „es hätte schlimmer kommen können“. Aber in meinen Augen ist dieses Ergebnis schlimm genug. Hier wurde erneut aus Angst vor oder aus gänzlicher Missachtung der eigenen Vergangenheit eine große Chance vertan. Bitter und für mich ein Grund, diese Stadt -die ich oft besuchte- künftig zu meiden.

    Ich wollte ihn nochmal überarbeiten, ließ ihn dann aber wie er war. Ich mag nicht, wenn unten steht „wurde bearbeitet“ (handhabe ich bei Facebook auch oft so). Ich wusste natürlich nicht, dass es mit Mehraufwand für die Moderatoren verbunden ist und werde es, wenn dem so ist, künftig unterlassen.

    Das Gute ist, dass Benko an seinen Plänen festhält und sich als tiefenentspannter Österreicher von der üblichen deutschen Hysterie nicht aus der Ruhe bringen lässt: er will das Gebäude durchsetzen und scheint nicht willens zu sein, bei der architektonischen Umsetzung mit diesem Lokalpolitiker weiter zu verhandeln. Lieber sind ihm Sozialwohnungen und Nullsummen-Geschäfte (die er sich anscheinend leisten kann), als darauf verzichten zu müssen. Benko und Chipperfield werden noch da sein, wenn der Grüne längst politisch weg vom Fenster ist.


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    classica Naja, du setzt stillschweigend voraus, dass die deutsche Architektur in den 30ern grundsätzlich schlecht war, weil sie ‚gigantomanisch‘ war (warum höre ich hier gleich Guido Knopp?). Das sehe ich aber anders. Ich habe einen dicken Bildband mit fast allen Entwürfen für ‚Germania‘, München, Linz etc und halte vieles (darf man das überhaupt sagen?) für sehr gelungen. Wie aber bereits gesagt wurde, hat der Karstadtbau nichts mit Germania zu tun, sondern ist ganz in Weimar verhaftet. Und da mir der formale Aspekt des Gebäudes wichtiger ist, als das Material, stört mich der Beton hier nicht. Die reduzierten Ornamente kommen auch so zum tragen.


    Ich sehe hier eher Expressionismus und Art Déco, denke an Swing und Gassenhauer im Winterpalast, Babelsberg und Fritz Lang. Kurz: an ein Deutschland, das in der Welt kulturell noch etwas darstellen wollte und konnte, sich an den Besten orientierte und im permanenten Wettbewerb mit ihnen stand. Dementsprechend repräsentierten Gebäude auch noch etwas. Das mag heute als ‚verwerflich’ gelten, in Zeiten, in denen ein Kanzleramt nicht nur nicht schön sein, sondern noch nicht einmal ansatzweise daran erinnern darf, dass die mächtigste Person Deutschlands darin wohnt (geschweige denn, dass es ein deutscher Bau ist).


    „Gigantomanie“ bzw. den Anspruch, eine ästhetisch ansprechende, repräsentative und ‚erhabene‘ Lebensumwelt für die eigenen Bürger zu gestalten, für die man sich nicht zu schämen braucht, halte für gesünder, als das andere Extrem, das man in zahlreichen deutschen Städten sehen kann.


    Diejenigen westlichen Städte, die heute am meisten besucht werden, sind durchwegs von Gigantomanie geprägt (die sich natürlich immer an den Möglichkeiten der jeweiligen Epoche orientiert): Arc de Triumphe, Invalidendom, Eiffelturm in Paris. Der Big Ben oder die Tower Bridge in London. Das Kolosseum in Rom. Die zahlreichen Palazzi in Florenz. So ziemlich ganz St. Petersburg, die frühe Wolkenkratzerarchitektur New Yorks: überall ist „Größenwahn“ mit eine treibende Kraft. Und nicht die unwichtigste. Wenn Berlin nur 1/100 der alten Pracht zurückgewinnen könnte, wäre der Tourismusboom nicht nur modischer Katastrophen- oder Partytourismus (der wieder vergehen wird), sondern könnte sich über Jahrzehnte als attraktives Reisedestination halten.

    Dennoch sollte ein Minimum an Stilempfinden bei den Verantwortlichen vorhanden sein. Die Debatten werden jedoch von tagespolitischem Klein/Klein überlagert, das persönliche Eitelkeiten über städtebauliche Qualität stellt. Auch in diesem Fall ist es eine Antihaltung, die sich gänzlich vom Gegenstand entfernt hat und die in Gremien beiwohnenden Kunsthistoriker anscheinend in Geiselhaft nimmt. Jedes Kind erkennt, dass Florenz von höherem ästhetischem Wert ist, als z.B. Köln. Jedes Kind erkennt auch sehr schnell, weswegen das so ist. So auch beim Pellerhaus.

    Ein Buchhalter (womit ich nicht den Beruf, sondern die Geisteshaltung meine) erkennt nur, dass der momentane politische Gegner etwas anderes will. Die Stadt als Gesamtkunstwerk sieht er nicht- er sieht nur Parzellen und Parkplätze. Er kann den Wert von Kunst gar nicht einschätzen, da er nur in Kategorien der Nützlichkeit denken kann. Das Maximum an ästhetischem Feinsinn entfaltet sich bei ihm, wenn die Hecke des Nachbarn zu hoch ist. Und in den Händen solcher Menschen liegt die Gestaltungshoheit in ohnehin architektonisch -gelinde gesagt- durchwachsenen Städten. Daher: übergebt die Beurteilung gänzlich den Kunsthistorikern, die in Jahrhunderten denken können und ästhetisch geschult sind, ohne Druck auf sie auszuüben (und nicht den Architekten!) und im nächsten Schritt vielleicht sogar dem Wahlvolk.


    Diese geistige Enge und das miefige Kleinbürgertum, das sich in solchen Debatten zeigt, ist schier unerträglich. Man könnte meinen, beim Pellerhaus handelte es sich um eine Kathedrale unbekannten Ausmaßes, so wie es sich hinzieht. Und mit jedem kleinbürgerlichen „Nein!“ entwertet man ein solches Gebäude. Man macht daraus einen Zankapfel niederster Interessen und ein ‚Haus unter Häusern‘, so dass man am Ende denkt: diese Possen hat das Gebäude nicht verdient- baut einen Betonblock und suhlt euch in diesem Abbild eurer kleinen Seele.