Posts by Oberbaumbrücke

    Besonders die ersten beiden Bilder offenbaren die Langweiligkeit und Mittelmäßigkeit der Neubauten am Schinkelplatz. Keine Giebel, kein Fassadenschmuck. Was wieder ein Kleinod im Schloßumfeld hätte werden können, ist durch Ignoranz in die Bedeutungslosigkeit versenkt worden.

    Gehörte das ganze Bahnhofsgelände in den Westsektoren nicht formal zum Territorium der DDR, da die Allierten der Deutschen Reichsbahn die Betriebsrechte übertragen hatten? Und musste eine solche Sprengaktion nicht auch in beiderseitigem Einvernehmen organisiert worden sein?

    Das Bahnhofsgelände gehörte natürlich zu West-Berlin.

    Meine Güte... Beschäftigt sich niemand mit den politischen Gegebenheiten der Berliner Nachkriegszeit? Wie wir jetzt wissen, hat die Teilung Berlins 45 Jahre gedauert. Wie lange hätte man denn einen teilzerstörten funktionslosen Bahnhof stehenlassen sollen?

    In den autofreundlichen 50er und 60er Jahren war nun mal eine Stadtautobahn geplant, die über das Areal des Anhalter Bahnhofs führen sollte. Nicht, dass ich das gutheißen würde. Nicht, dass ich nicht auch gern gesehen hätte, wenn vieles stehengeblieben wäre, was man ohne größere Not hätte erhalten oder wiederaufbauen können.

    Und nicht zuletzt geht es hier zu einem großen Teil um private Gebäude. Und wenn ich als Eigentümer entscheide, dass ich lieber einen modernen "Kasten" an die Stelle der Kriegsruine setzen möchte, dann ist das so.

    Die Demolierung des Anhalter Bahnhofs entsprach wohl mehr dem Zeitgeist ("Alles Wilhelminische muss weg !") als verkehrspolitischen Überlegungen.

    Darf ich Dir den Rat geben, die politische Situation im Nachkriegsberlin vor den Zeitgeist zu stellen. Die Reichsbahn hatte für Kopfbahnhöfe einfach keine Verwendung mehr, weil sie teils auf West-Berliner Gebiet lagen, bzw. fast an der Sektorengrenze (Potsdamer Bahnhof, Stettiner Bahnhof)

    Warum soll man tolerant gegenüber eines Bauwerks/Gebäude sein an einem Ort, den viele für unpassend halten? Immer wieder wurde versucht, gar nicht mal das Objekt zu verhindern, aber eben Alternativen zum Standort zu finden (Platz der Republik).

    Und ich glaube, dass es in der jüngsten Vergangenheit kaum ein Bauwerk gegeben hat, dem man schon wegen seines Äußeren mutwillig die komplette Rekonstruktion (auch seines Umfeldes) verweigert hat (oder sollen wir sagen sabotiert hat) wie das Humboldt-Forum mit der äußern Hülle des Berliner Schlosses. Ein seelenloser Schlossplatz, der den ursprünglichen Brunnen als Mittelpunkt nicht bekommt, eine verkümmerte Terrassenanlage, die auch zukünftig ohne Adlersäule, Rossebändiger und Oranierfürsten auskommen soll, dafür allerlei plumpes Beiwerk wie Fahrradständer, Lichtsäulen asymmetrischen Sitzbänken aus Stein bzw. Sitzgelegenheiten eines Gartenlokals und eines auch an anderer Stelle möglich gewesenen Aufzugs als Beitrag zur Barrierefreiheit.

    Nebenbei gesagt strotzt auch der Lustgarten nicht vor beeindruckender Gartenkunst und ähnelt bei schönem Wetter einer Liegewiese im Freibad.

    Als Sahnehäubchen nun noch oben drauf eine Installation, deren reibungsloser "Betrieb" in unserem Lande mehr als fraglich ist. Beispiele für missglückte Projekte dieser Art findet man überall in Deutschland. Satiresendungen wie "Extra3" liefern sie ständig. Da freut sich aber der Steuerzahler.
    Und auch wenn das jetzt etwas persönlich ist und bei manchen Leuten nicht gern ankommt, die Frage: Wohnst Du ständig in Wittenberg? Wie oft bist Du in Berlin? Aus der Ferne ist es leicht "tolerant" zu sein.


    Ich bin gebürtiger Berliner und meinem Schönheitsgefühl/-ideal widerspricht es nun mal, vor der von vielen Menschen unter großen Opfern erbrachten privat finanzierten einstmals berühmten und auch bedeutenden Fassade des Schlosses so eine Rummelplatzattraktion in Luxusausgabe jedesmal anschauen zu müssen, wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin.