Posts by Oberbaumbrücke

    Und ich denke dass genau das ist in dieser Rigorosität falsch ist. Gemäß deiner Argumentation müsste nicht nur das Staatsratsgebäude, sondern auch die Monumentalbauten der ehemaligen Stalinallee oder der Fernsehturm aus dem Stadtbild verschwinden. Alles Beispiele von jeweils gelungener und anspruchsvoller Architektur, wie ich meine.

    Ich meine dass die architektonische Qualität über den Erhalt eines Gebäude entscheiden sollte, auch wenn diese nicht immer, aber oft schwer zu definieren ist. Legt man hingegen den "historischen Ballast" als Messlatte zugrunde es der Weg zur Bilderstürmerei vorgezeichnet.

    Ja, auch der Fernsehturm ist, zumindest an seinem Standort ein völlig deplaziertes Bauwerk. Und alles andere ist Geschmackssache. Ich habe nun mal nichts für den Moskauer Zuckerbäckerstil übrig.

    Natürlich ist es ein schmaler Grat, auf dem umstrittene Bauten beurteilt werden. Aber da meine persönliche Meinung in der Stadtplanung ohnehin nicht den allergeringsten Einfluss hat, tue ich die einfach mal hier kund. Und die ist, dass gemessen an dem, was städtebaulich verloren gegangen ist (egal aus welchem Grund) kein Anlass für mich besteht, den Ersatz zu akzeptieren, zumal er, wie im Falle des "Staatsratsgebäudes" einen Riegel darstellt zwischen dem Schloss und dem, was einmal Alt-Cölln und damit ein nicht unbedeutender Teil der Berliner Altstadt.

    Das Staatsratsgebäude steht als Zeitzeuge des späten Sozialismus unter Denkmalschutz und das zurecht. Es ist zeittypisch und zeigt exemplarisch die spätsozialistische Epoche, die versuchte wieder an die Geschchte anzuknüpfen....


    Dann darf man nicht vergessen, dass er Bau als erstes Bundeskanzleramt nach der Wiedervereinigung fungierte.

    Für mich ist es der "Zeitzeuge" für das Machtzentrum einer widerwärtigen, verbrecherischen Diktatur, die (nicht nur) meine Heimatstadt mit genauso langweiligen und hässlichen Bauten überzogen hat, wie es (leider) heute in anderer Formensprache immer passiert.

    Es tut mir ja schrecklich leid, aber ich betrachtete die Bauwerke meiner Umwelt nun mal nicht aus architekturhistorischer Sicht, sondern mit reinem ästhetischem Empfinden und allenfalls noch im allgemeinen historischen Kontext. Aufgrund meines Lebenslaufes verachte ich nun mal das, was die damaligen Machthaber als Sozialismus "verkauft" haben und brauche deshalb auch keinen Denkmalschutz für dessen Architektur.

    Von der Vorgängerdiktatur sind zum Glück sehr wenige Gebäude übrig geblieben und auch diese sehe ich persönlich übrigens aus architektonischer Sicht auch als verzichtbar an.


    Und über den Hinweis, dass dort übergangsweise das Bundeskanzleramt untergebracht war, sage ich nur, dass das ja nun die geringste Relevanz hat für den Erhalt des Gebäudes.


    So, nun dürft ihr wieder über mich herfallen! ~:-[]

    Das 1964 eröffnete Staatsratsgebäude hebt sich wohltuend von vielen anderen DDR-Bauten aus dieser Zeit ab, in der bereits begonnen wurde in industriell vorgefertigten Elementen kollektivistisch zu bauen und dabei in die völlige ästhetische Banalität und Ausdruckslosigkeit abzugleiten.

    Und das rechtfertigt seine Existenz an dieser Stelle, die, wie schon oft genug innerhalb der Diskussionen um das Gebäude erwähnt, eine vernünftige Erschließung bzw. evtl. Rekonstruktion des Areals zwischen Schloss und Petriplatz oder wenigstens die Wiederherstellung der nördlichen Brüderstraße?
    Ich weiß, dass Emotionen im Hinblick auf das alte Berlin ohnehin von einigen hier ignoriert werden. Aber als gebürtiger, leidenschaftlicher Berliner sind für mich die Hinterlassenschaften des Sozialismus auch gefühlsmäßig einfach nur unerträglich. Wenn sie dann auch noch eine Rückkehr zu identitätsstiftender Architektur des alten Berlin verhindern, fehlt mir für so ein Schönreden jegliches Verständnis.

    Was für ein grauenvoller Entwurf von Oswald. Immer andere kritisieren und dann selbst nichts können. Das sind die besten.

    Ich finde auch, dass wir, trotz Ostfassade, mit dem Entwurf von Stella incl. historischer Kuppel zufrieden sein können. Er lieferte den bestmöglichsten Kompromiss, der heutzutage gar nicht mehr zustande kommen würde.

    Wie ich es schon vor Jahren und immer wieder schreibe: Dieser Teil des historischen Berlin zwischen Mühlendamm und Friedrichstraße ist absolut verloren. ;( Eine Besserung wird vermutlich keiner von uns zu seinen Lebzeiten erleben, sei er noch so jung.

    Was hätte man dort nicht leisten können in den letzten 30 Jahren für die Wiedererlangung einer lebendigen Stadtlandschaft! :kopfwand:

    Lustig zu sehen, dass man hier am Eckhaus auf der rechten Seite eine schöne Stuckfassade wiederhergestellt hat, die wohl bereits vor dem Krieg komplett entstuckt worden war. Schon eine Seltenheit. Würde zu gerne wissen, wann genau die Wiederbestuckung nach dem Krieg stattfand.

    Ich schätze mal, in den 80er Jahren. Da wurde viel für das Stadtbild getan im Vorfeld der 750-Jahr-Feier Berlins.

    Ich hoffe, die 800-Jahr-Feier in 15 Jahren noch miterleben zu können und hoffe auf ähnliche Vorbereitungen zur Verbesserung.

    Bitte, was hat es um den Fernsehturm für eine "Altstadt" gegeben (sofern man nicht auf einen notgedrungenen Vorzustand abstellt)?

    Was verstehst Du unter notgedrungenen Vorzustand?
    Natürlich hat sich das Berliner Zentrum über die Jahrhunderte weiterentwickelt. Da ist die Defintion Altstadt sehr relativ und es wäre doch zumindest wünschenswert, den Zustand vor 1939 wiederzugewinnen, zumal es sich bei der Marienkirche nun wirklich um die zweitälteste Kirche Berlins handelt, solange man ausklammert, dass die heutige Nikolaikirche ein Wiederaufbau ist.

    Im jetzigen Zustand jedenfalls steht die Marienkirche völlig bezugslos in der Gegend und die Luther-Statue ohne vernünftigen Sockel ist eine Schande im Vergleich zu früher. Beide im rechten Winkel eingerahmt hätte man auf der rückwärtigen Seite erstens der Spandauer Straße eine Fassung zu geben und gegenüber dem Roten Rathaus einen repräsentativen Rathausplatz meinetwegen mit einem Springbrunnen anzuelegen. Dann könnte man auch den Neptunbrunnen dorthin bringen, wo er hingehört.