Berliner Schlossplatz - Schlossbrunnen - Breite Straße

  • Was sagen eigentlich die Grünen im Berliner Senat zum völligen Fehlen von Grün auf dem Schlossplatz? Gegen zwei weitere Flächen zur CO2-Bindung dürften sie doch eher nicht sein, oder? Und auch ansonsten halte ich die beiden (relativ) historischen Grünflächen von Form und Inhalt für hinreichend unverdächtig, preußisches Junkertum oder ähnlich dunkle Flecken der deutschen Geschichte zu repräsentieren.


    In einigen Monaten wird der Kampf gegen den Wiederaufbau des Stadtschlosses angesichts der nicht zu leugnenden Sachlage an Kraft verloren haben. Dann macht es sicherlich Sinn, hier noch einmal eine Begrünungsdiskussion anzustoßen, im Zuge derer, quasi als Nebeneffekt, der Platz zwischen MEF und Alexanderplatz endlich einen würdigen, weil modernen Brunnen bekommen könnte...

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Hallo Martintre,

    es geht ja nicht um Junkertum und CO2-Bindung, sondern um die ideologisch beGRÜNdete Verhässlichung des Schlossumfelds.

    Wenn man schon das Schloss in Berlin jetzt stehen hat, will man es erstens nicht erwähnen und zweitens den Besuchern den Aufenthalt so weit wie möglich versauern. Im Sommer wird das Wirkung zeigen, wenn die Sonne auf die Südwestfassade und tausende qm Steine knallt.

    Das mit dem Nichterwähnen hat bekanntlich nicht funktioniert: Schon die Kuppelkrönung mit der Laterne wurde sogfältig aus den Nachrichten verbannt, trotzdem war das ein viel beachtetes Ereignis, das in der Presse totgeschwiegen wurde. Ob die Vertreibung der Besucher vom Schloss erfolgreich ist, wird sich im Sommer zeigen.

    Ich glaube es nicht. Dann wird eher der Ruf nach einer vernünftigen Gestaltung laut.

  • Nein, denn die Umfeldgestaltung soll die Vorzüge modernistischer Landschaftsgestaltung erlebbar machen. Durch die Konzentration auf das Wesentliche (Steinsorten) konnte die Zahl der Bäume an der Ostseite auf 1 (in Worten Eins) reduziert werden. Die Südseite übertrifft diesen unter stärkster Anstrengung erreichten Zustand. Dort sind nicht einmal Grashalme vorgesehen.

  • Bilder vom Standort des Schlossbrunnens, vielleicht für unsere Bastler (Babber, Bobbes -verwechsele ich immer).






    Ein Besuch in der Taigazone mit borealem Birkenbestand.



    Ich habe mich mal kurz hingesetzt...


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ach Leute.


    Ich bin über die Nicht-Gestaltung der Südseite eigentlich ganz froh. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen würde nichts Schönes dabei herauskommen. Wenn dort JETZT eine ausschmückende Gestaltung konzipiert werden würde, müssten wir wohl für den Rest unseres Daseins mit dem absehbar bescheidenen Ergebnis klarkommen.


    Lassen wir doch erst mal "Grass wachsen" über die politische Aufregung über die Tatsache, dass da nun ein Schloss steht. Lasst das Bauwerk im Herzen und Bewusstsein der Berliner ankommen. Das braucht seine Zeit. Und dann vielleicht in 10 Jahren noch mal über den Neptunbrunnen nachdenken.

  • Zum Thema Bäume auf der Südseite:

    ich erinnere nur an die Diskussion der Birken auf der Lustgartenseite; "sie verdecken die Fassade", "bewusst gepflanzt um das Schloss zu verdecken", genau die gleichen "Argumente"(RRG Senat, die bösen Grünen...) wie in einigen Artikeln hier , nur eben MIT Bäumen.


    Am Ende geht es doch vielen hier nur darum ihre politische Sicht zu 'begründen'.

    Mit Architekturkritik oder sinnvollen Nachdenken über eine eventuelle Nachbesserung hat das nichts zu tun.


    Man kann die Gestaltung als klassisch bezeichnen(mit Ausnahme des Mobiliars), da steinerne Plätze nun einmal zum Barock gehören, ob dies so aber zeitgemäss ist oder ob doch ein paar Bäume mehr guttun würden, kann ich nur durch Fotos nicht beurteilen. Ich war leider noch nicht vor Ort.


    Diesen Tipp gebe ich auch allen anderen Mitforisten: nur anhand von Fotos oder Webcam Bildern zu urteilen führt zu 80% zu Fehleinschätungen der realen Situation.

  • Hier eine Ansicht des Schlossplatzes, gemalt 1784, also am Ende der Regierungszeit Friedrichs des Großen. Die Platzfläche ist nicht gestaltet. Im Gegensatz zu heute gab es damals auch auf der anderen Spreeseite kein Grün. Die Fassade des Schlosses hat einen gelben Anstrich. Die Sandsteinteile sind nicht gefasst, also steinsichtig. Genau wie heute. Es gab ja auch kritische Stimmen zum Farbkonzept. Dieses lässt sich aber belegen. Und der leere Platz ist auch historisch korrekt.


    Allein die grandiose Südfassade des Schlosses ist für Besucher allemal ein Grund, den Schlossplatz zu betreten. Die Nordfassade ist ja ganz anders gestaltet. Es reicht also nicht, nur eine Längsseite des Schlosses zu betrachten. Nach den jüngsten Fotos der Südseite habe ich den Eindruck, dass der Neptunbrunnen in seinem malerischen Neobarock stilistisch gar nicht so gut zu der klassischen, streng hochbarocken Fassade des Schlosses passen würde.


    Ansicht des Schlossplatzes von Westen her, Gemälde von Johann Georg Rosenberg, 1784


    Die architektonische Qualität und stadträumliche Präsenz des Schlosses ist so stark, dass die Gestaltung der Freiflächen im Grunde zweitrangig ist. Nach den jüngsten Fotos finde ich sie aber auf allen Seiten des Schlosses gar nicht schlecht.


    Ist euch eigentlich schon aufgefallen, dass es im Schlüterhof kein Grün gibt? Keine Bäume, kein Brunnen. Hat der Schlüterhof deshalb etwa keine Aufenthaltsqualität?

  • Danke, Rastrelli.


    Hoffentlich endet damit dieses mit politischen Botschaften durchsetzte Gemoser über die Gestaltung des Schlossumfeldes. Bevor man Schuldige für einen Zustand benennt, sollte man vielleicht erst einmal die historischen Quellen studieren.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Nun, auch ich gehöre zu denjenigen, die sich kritisch zu den Birken an der Nordfassade geäußert haben. Allerdings ohne irgendwelchen Verantwortlichen eine ideologisch begründete Boshaftigkeit zu unterstellen, sondern aus rein subjektiv-ästhetischen Bedenken. Die äußere ich im Bezug auf die Birken nach wie vor, wenn auch mit einer gewissen Offenheit, da dies alles für mich erst in ein paar Jahren weiter bewertet werden kann.

    Zur Südseite muss ich sagen, dass mir dieser Zustand (sicher lediglich anhand der Fotografien) überhaupt nicht so sehr widerstrebt. Er verfügt, so wie er ist, über eine gewisse historische Authentizität, als würde demnächst der Tross des frisch gekürten Königs in Preußen um die Ecke biegen und Einzug ins Schloss halten. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mir der Zustand aus der späten Kaiserzeit am besten gefällt, aber dennoch bin ich der Meinung, dass mit dem Schlosskörper und um ihn herum wundervolle neue Stadträume entstanden sind! Alle Unmutsäußerungen über Fahrradständer, Treppengeländer oder nicht vorhandene Pflanzen zeugen doch letztlich nur davon, dass sehr sehr viele Menschen mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses so zufrieden und glücklich sind, dass man es sich leisten kann, über solche "Petitessen" zu "schimpfen". Dies nur als kleine Ergänzung zu Rastrellis Beitrag.

  • Bei einem Bauwerk, dass sich im Laufe der Jahrhunderte derart gewandelt hat, kann man ja sowieso nie von DER EINEN historischen Form sprechen. Man darf natürlich äußern, welche Epoche, welcher Zustand einem am besten gefallen hat. Dann aber nicht mit einem Anspruch auf "Richtigkeit", denn die eine richtige Epoche gab es nicht, und das Schloss war auch nicht an einem bestimmten Tag X fertig.


    Mir persönlich gefällt die Vorstellung der Rückkehr des Neptunbrunnens, umgeben von zwei Rasenflächen am besten, angelehnt an die Zeit vor hundert Jahren. Einen historischen Anspruch kann ich daraus aber (leider :weinen:) nicht ableiten.

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  • Der Schlossplatz war im 18. Jahrhundert auch kahl, ohne Bäume, ohne Brunnen. Ja, nicht einmal ordentlich gepflastert. Wer hat damals regiert? Steinerne Plätze sind in einer Stadt nichts Ungewöhnliches. Berliner Beispiele: Alexanderplatz, Bebelplatz, Potsdamer Platz, Washingtonplatz usw.


    Das ist natürlich vollkommen richtig, dass historisch der Schlossplatz in den vergangenen Jahrhunderte meistens gar keine Grünanlagen hatte. Nur würde ich mich nicht ausgrechnet bei dieser Frage am 18. Jahrhundert orientieren.


    I.Ü. gab danach ja durchaus dann eine gelungene Gestaltung mit Rabatten; und zur Spreeseite hin einen kleinen Schlossgarten, dieses Grün ja auch noch entfällt.


    Mir fehlen aber auch auf dem Bebelplatz Grünanlagen (wo es diese "zu Kaisers Zeiten" schon einmal passend und gelungen gab), ebenso fehlen auf dem Washingtonplatz und vor allem auf dem Alex - im Sommer der heißeste Ort von ganz Berlin - Bäume.

  • . Nur würde ich mich nicht ausgrechnet bei dieser Frage am 18. Jahrhundert orientieren

    Das hat man bei der Fassade selbst allerdings auch getan, was bspw. am Verzicht auf die Balkonplatten an den Portalen I und II erkennbar ist.

  • Das wäre eine Option. Das Bild zeigt, dass das jetzt Verwirklichte auch seine historische Legitimation hat und nicht aus Bosheit gewählt wurde.


    Da aber der Schlossplatz auch stark durch den neobarocken Bau des Marstalles geprägt wird, halte ich auch eine Gestaltung mit Blumenrabatten und dem Neptunbrunnen für sinnvoll. Ich stimme insoweit Matintre zu, dass es nicht hier nicht eine "historisch korrekte" Platzgestaltung gibt.


    Mir persönlich (aber das ist selbstverständlich rein subjektiv) gefallen die jeweiligen Platzgestaltungen der Gründerzeit/Wilhelminischen Zeit in Berlin meist am besten. Zur Zeit es Barock war man in Berlin offensichtlich doch recht sparsam bei Ausgestaltung der öffentlichen Räume. da gefällt mir dann doch eine Gestaltung mit Blumenbeeten, Brunnen und Denkmäler besser. Hier schließe ich mich dann newly an.

  • Es wird häufig außer acht gelassen, dass es sich bei der Südseite, also den Schlossplatz, um eine typisch barocke Platzanlage handelt, die auf Repräsentation angelegt ist und zur Stadt hin wirkt. Die Beispiele des Berliner Lustgartens und des Dresdner Zwingers sind mit ihren Kübelpflanzen und Begrünungen daher falsche Vergleichsbeispiele.


    Der Würzburger Residenzplatz, die Vorplätze des Schlosses Versailles, des Mannheimer Schlosses oder der zahlreichen anderen barocken Schlossbauten kommen auch ohne jegliche Begrünung aus und sind auch als solche konzipiert.


    Natürlich würde ich auch die Platzgestaltung der Kaiserzeit bevorzugen, da diese verständlicherweise eine angenehmere Aufenthaltsqualität verspricht.