Posts by Maecenas

    1. Es ging um das Stadtschloss in Berlin, dass die "Lumpen von der SED" abrissen. SED = Sozialistische Einheitspartei

    2. Ich habe mir erlaubt daran zu erinnern, dass es auch im Westen unfassbare Abrisse gab. Weil die Zeiten eben so waren. Dort habe ich aber noch nichts von "Lumpen" gelesen, hier im Forum.

    Ich verstehe nicht warum du auf Exilwieners Beitrag so pampig reagierst. Den westdeutschen Wiederaufbau und die Abrisse von wiederaufbaufähigen Kulturgütern im Westen haben wir doch hier im Forum wahrlich oft und ausgiebig kritisiert, ich selber habe dazu vor einigen Jahren einen Thread gestartet. Und gerne kann man die dafür jeweils Verantwortlichen ebenfalls als "Lumpen" bezeichnen.

    Gleichwohl ist die Kategorie "Lump" in Bezug auf die Verantwortlichen der SED doch besonders berechtigt. Man wusste ob der herausragenden kunsthistorischen Bedeutung des Schlosses, aber vernichtete es bewusst und brutal für ein "kleines Reichsparteitagsgelände" (Wilhelm von Boddien) und wegen eines primitiven Hasses auf Preußen.

    Das WGH ist kein Plattenbau sondern mit Skelettbauweise errichtet durch die japanische Kajima Corporation.

    Das mag sein, aber die Fassade besteht tatsächlich zu großen Teilen aus vorgefertigten Platten. Macht aber nichts, sieht gut aus!


    Zu den Plattenbauten am Gendarmenmarkt sei noch ergänzend auf einen interessanten Artikel in "Baunetz" verwiesen:

    Die 1976 begonnenen und bis in die späten 1980er Jahre ausgeführten Planungs- und Baumaßnahmen am damaligen Platz der Akademie umfassten den Wiederaufbau des Konzerthauses sowie des Deutschen und des Französischen Doms, die Neugestaltung der Freifläche und die Rückgewinnung des Platzraumes durch aufwendig gestaltete Neubauten. Für Landeskonservator Christoph Rauhut zeigt sich bei Letzteren ein besonderer künstlerischer Anspruch. „Die Unterschutzstellungen am Gendarmenmarkt zeigen eindrücklich, dass „Platte“ nicht gleich „Platte“ ist – hier wurden Fertigteile individualisiert und historische Vorbilder neu interpretiert“, so Rauhut. Hinter den neoklassizistischen Fassaden verbergen sich Bauten des Typs WBS 70.

    P.S. Hat der "Bund deutscher Architekten" eigentlich für die Plattenbauten am Gendarmenmarkt auch schon mal irgendwelchen Enthusiasmus bekundet, oder gilt dieser nur dem Staudenhof in Potsdam??

    Hinzu kommt dass der "Bund deutscher Architekten", ausgehend von dessen Statements in den letzten Jahren, als ein Trüppchen von architektonischen Orthodoxen und Bauhaus-Fundamentalisten zu bezeichnen ist. Und mit 5000 Mitgliedern (laut Wikipedia) ist man wohl auch kaum ein repräsentatives Sprachorgan für die gesamte Zunft (von denen es in Deutschland ca. 112.000 gibt).

    Die Plattenbauten am Gendarmenmarkt wurden unter Denkmalschutz gestellt. Auch wenn man angesichts einer solchen Nachricht erst einmal schluckt, ist der Denkmalschutz in diesem Falle wirklich gerechtfertigt und eine gute Entscheidung: Zum einen sind die betroffenen Gebäude bewusst historisierend gestaltet worden, also hinsichtlich Fassadengestaltung, Proportion und Dachformen perfekt baulich in den Kontext eingebunden, und zum anderen hat die Moderne auch an dieser Stelle bewiesen dass sie außer Banalem nicht viel zustande bringt (siehe Beitrag 93).


    Hier ein Video über die Plattenbauten, die nun unter Denkmalschutz stehen:



    P.S. Begrüßenswert wäre wenn auch das nahe "Westin Grand Hotel", ebenfalls ein Plattenbau, Denkmalschutz bekäme (oder ist das schon der Fall?).

    Moderationshinweis: Ab diesem Beitrag stattfindende Diskussion über Umgang mit Kultur in der DDR aus dem Schloss-Thema in diesen Strang verschoben.



    ^ Besonders bemerkenswert finde ich das oberste Bild. Obwohl bereits große Teile der Schlossplatzfassade vernichtet sind, vermittelt der Rest immer noch eine unglaubliche Schönheit und Monumentalität. Eine grandiose Anklage gegen die Lumpen von der SED!

    In dem o.g. Artikel heißt es, die Anschlüsse sollen "modern gestaltet werden"

    Genau hier könnte sich eine problematische Entwicklung anbahnen, architektonische Experimente oder Raster a la "Stella" sind unter allen Umständen zu vermeiden! In den bisherigen Entwürfen werden die Anschlussflächen schicht verputzt und in der Farbe des Turms gestrichen, der jüngste Entwurf sieht aber hier eindeutig "moderne" Fassadenteile vor. Sicherlich ist das im Hinblick auf ein harmonisches Gesamtbild des Turms keine gute Idee.

    Heute wieder ein paar Updates:

    Kurz gesagt, die erfreuliche Entwicklung geht weiter, der Turmbau rollt an: Baugenehmigung voraussichtlich 2022, Baubeginn 2023, Fertigstellung 2027. :daumenoben:


    Dazu:

    Beitrag des NDR-Kulturradios


    Zudem:

    Beitrag der Strelitzer Zeitung


    Gleichwohl bin ich mit der derzeitigen Fassadenplanung des Turms noch nicht ganz zufrieden, der Entwurf zeigt die Fassaden, die einst den Übergang zum Schloss darstellten in Schießschartenoptik, ich hoffe das wird noch gründlich überarbeitet.

    ^ Natürlich wenn die Inzidenz gesunken ist, unter 50, oder unter 35 oder am besten gleich bei "Zero Covid". Schließlich würden sich nach einer Öffnung des Schlüterhofs die Mutanten in rasender Geschwindigkeit ausbreiten, das Schloss würde zum Hotspot, zum Superspreader! So ein Drama gilt es natürlich zu verhindern... Ansonsten am besten mal die Frage an Karl Lauterbach weiterleiten, der kann das sicher wieder richtig einschätzen. :wink:

    ^

    Erstens:

    Das sind keine typischen NS-Bauten, sondern eher kleinteilige Häuser in einer nach der Idee der Gartenstadt (Charta von Athen) geplanten Siedlung. Eine waschechte NS-Anlage ist "Prora" auf Rügen, bei Wustrow passt diese Kategorie nicht wirklich, und schon gar nicht in einer solchen Pauschalität.

    Zweitens:

    Die historische Bedeutung und die Tatsache, dass Wustrow eben keine raumsprengende Bausünde ist, spricht für dessen Erhaltung.

    Ich habe heute vom Förderverein ein paar klärende Informationen bezüglich der jüngsten Medien-Meldungen über die Gigantentreppe bekommen: Die Tagesspiegel-Meldung ist irreführend, weil sie ein grundsätzliches 'Aus' für die Reko dieses Raums seitens des Bauherrn 'Bund' insinuiert. Die Meldung hat vielmehr folgenden Hintergrund: Der dort derzeit eingerichtete Raum (Skulpturensaal bzw. Lapidarium) hat Bestandsschutz bis 2023, danach ist eine Umgestaltung, also eine Reko der Gigantentreppe, möglich. Der Förderverein hat offenbar etwas zu vorschnell agiert und dadurch eine Abfuhr kassiert.

    Also eigentlich ganz gute Nachrichten. Bis 2023/24 sind sowohl die schlimmsten ökonomischen Folgen der Coronaseuche überstanden als auch die nötigen Millionen gespendet.

    Der Einbau des Schlüterschen Treppenhauses würde den Raumteil wieder auf Jahre hinaus als (unzugängliche?) Baustelle blockieren.

    Entscheidend ist doch, dass die Funktionsfähigkeit des Humboldtforums dadurch nicht eingeschränkt würde. Und das ist definitiv nicht der Fall. Die Museen, Shops und Restaurants haben zahlreiche bzw. ihre eigenen Zugänge, die unabhängig von der Schlütertreppe funktionieren.

    Und noch einmal: Auch die Schlütertreppe soll durch Spenden finanziert werden, wie bisher alles, was das Humboldtforum optisch zum "Schloss" macht. Ein Großteil der Schlütertreppe ist bereits finanziell gesichert. Zudem kann der Raum ohnehin nicht postwendend, sondern erst in einigen Jahren rekonstruiert werden.

    Komisch, da wird täglich durch den Lockdown eine Milliarde sinnlos verbrannt, aber an der Gigantentreppe will man sparen. Ein pures populistisches Ablenkungsmanöver vom Impf-Desaster.

    Zumal der Bund doch ohnehin kaum etwas zu dieser Reko beigetragen hätte, wenn überhaupt. Laut Förderverein liegt für die Gigantentreppe durch Spendenzusagen bereits etwa ein Drittel der benötigten Summe bereit, von daher frage ich mich was den Bund zu dieser Verlautbarung veranlasst hat. huh:) :kopfschuetteln:

    Deshalb kann man es als Außenstehender bzw. Nicht-Potsdamer auch nicht verstehen, warum es politische Kräfte in der Stadt gibt, die diesen potthässlichen an die russische Provinz erinnernden Plattenbau unbedingt erhalten wollen. Nur einen Steinwurf entfernt vom Brandenburgischen Landtag und vom Weltklasse-Museum Barberini. Das zeugt von einer kaum noch zu übertreffenden ideologischen Verbohrtheit und Irrationalität. Dass diese "Anderen" politisch nicht ganz dicht sind ist ja keine Neuigkeit, aber die lokalen SED-Nachfolger waren unter Herrn Scharfenberg auch schon mal deutlich vernünftiger. Am unbegreiflichsten ist aber die "Fifty-Fifty-Haltung der lokalen Grünen, die sich weltanschaulich von einer ehedem bürgerlichen Ausrichtung offenbar zunehmend ins links-sozialistische Lager bewegen. :kopfschuetteln:

    Wie 'ticken' denn die Potsdamer Grünen sonst so mehrheitlich?? Wie auch immer, es könnte wohl tatsächlich knapp werden. Und wenn die finale Entscheidung zum Abriss nur mit Stimmen der AFD durchkommen sollte wird die lokale linke Szene wieder reichlich Radau machen und die Empörungsmaschine anwerfen. :augenrollengruen:

    Unser wunderbarer kleiner Exkurs in die Kunst kann im Schlossinneren fortgesetzt werden:


    Wirklich brillant und eindrucksvoll (vielleicht mehr als jedes Foto) ist das Gemälde "Das Ballsouper" aus dem Jahr 1878 von Adolph Menzel, ebenfalls aus der Sammlung der Alten Nationalgalerie:


    1280px-Adolph_Menzel_-_Das_Ballsouper_-_Google_Art_Project.jpg

    (Quelle: Wikipedia)


    Auch wenn man sich in diesem Bild in den "echten" Paradekammern wähnt, sind die beiden dargestellten Räume wohl nur ein Phantasieprodukt von Adolph Menzel:

    ... Sogar den Prachtsaal, der sich zu einer vage angedeuteten Bildergalerie hin öffnet, hat es im Berliner Stadtschloß, wo man ihn suchen müßte, so nie gegeben; er ist in neubarockem Geist erfunden. Architektur und Zierat verschmelzen in einem malerischen Ganzen mit den rauschenden Kleidern, dem betriebsamen Drehen, Wenden und Nicken der Gäste, dem vielgestuften Kerzenlicht, das alles mit einem warmen gelblichen Schein färbt.

    Macht aber nichts, das Bild vermittelt trotzdem einen authentischen Eindruck von der früheren Pracht des Schlossinneren und dem Hofleben.

    Endlich sehen wir mal ein Bild mit Rissen in Steinen, die nur kurz einem sehr heissen Feuer ausgesetzt waren! So sollte jetzt hoffentlich weiteren Forumern mal klar werden, dass eben nicht jede ausgeglühte Kriegsruine wiederaufbaufähig war.

    Das mag sein, anderseits kann dein Argument aber wohl kaum als ernsthafte Legitimierung der flächenhaften Abrisse in der Nachkriegszeit dienen. Sehr viel historische Bausubstanz hätte damals gerettet werden können, aber es aber fehlte der Wille. Zudem müssen wir auch zwischen geborstenen Sandsteinsäulen und Ziegelmauerwerk unterscheiden. Ich behaupte dass die meisten in den Kriegsjahren zerstörten Mauern aus Ziegelmauerwerk bestanden, was eben deutlich robuster ist als hitzeempfindlicher Naturstein. Das bekannte Bild der zerbombten Rampischen Straße in Dresden zeigt, dass die Fassaden weitgehend erhalten und wiederaufbaufähig waren. Ein Beleg für deine These ist hingegen die Frauenkirche, hier hat eine durchgeglühte, zuvor tragende Sandsteinsäule den Einsturz verursacht.