Posts by Maecenas

    Unter belangloser Gegenwartsarchitektur verstehe ich weitgehend gestaltungsfreie, im Sinne von stur nötigstfunktionale, Wohnsilos.

    Architektonische Belanglosigkeit nur auf "Wohnsilos" einzuengen halte ich nicht für sinnvoll. Im Lübecker Gründungsviertel halte ich diese Bauten z.B. für belanglos:

    Viele der neuen Gebäude sind bei genauer Betrachtung eben einfach nur ganz normale belanglose Gegenwartarchitektur. Das liegt schlichtweg darin begründet, dass die Architekten bei vielen Häusern zu wenig Anknüpfung hat die (lokale) Tradition "gewagt" haben. Dennoch ist das bisherige Gesamtergebnis durchaus beachtlich und erfreulich.

    Hier ein kleines Drohenvideo zur Alfstraße, Schwerpunkt Haus Nr. 25:

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    Manchmal geben Kleinigkeiten oder halbzufällige Personenkonstellationen den Ausschlag. Nehmen wir die Gestaltung des Schloßumfelds als Beispiel: es ist inzwischen bekannt, dass bei den entscheidenden Diskussionen zur Vorbereitung der Wettbewerbsausschreibung nur zwei oder drei Personen, die gegen eine historische Gestaltung waren, sich auf Grund der damaligen Anwesenheits- und Kräfteverhältnisse durchgesetzt haben.

    In Bezug auf den Neptunbrunnen scheint mir das aber nicht vergleichbar zu sein. Wo gibt es denn diese divergierenden "Kräfteverhältnisse" bei den hier zuständigen Entscheidungsträgern? Es wird doch unisono das gleiche gesagt: Es soll ein "moderner Brunnen" dorthin kommen und zeitgenössische Künstler sollen dafür Entwürfe liefern. Wo soll da noch Spielraum für den historischen Brunnen bzw. eine Kopie desselben sein? Nein, es ist bitter, aber wahr, der Neptunbrunnen wird nicht zurückkehren, und damit wird auch die Chance vergeben, dem Schlossplatz ein wenig "Piazza-Navona-Feeling" zu verpassen. Nicht einmal die vermeintlich "konservativere" Petra Kahlfeldt hat am Ende Rückgrat bewiesen.

    Quote from Snork

    Die meisten Politiker nehmen durchaus sensibel wahr, in welche Richtung die öffentliche Meinung geht. Meinungsumfragen spielen für viele von ihnen eine größere Rolle, als es für unser Gemeinwesen möglicherweise gut ist

    In diesem Fall ist das jedenfalls nicht maßgebend. 2017 gab es eine Umfrage zum Neptunbrunnen, 47% der Berliner sprachen sich für eine Rückkehr auf den Schlossplatz aus. Die Entscheidungsträger im Senat (und auch in der Stiftung Humboldtforum) hat der Mehrheitswille bisher nicht sonderlich interessiert. Man trifft die Entscheidungen weiterhin im kleinen Kreis einsam in Hinterzimmern, oft gerne beraten von "Expertenkommissionen". So wie es eben üblich ist in der repräsentativen Demokratie.

    Aktueller ARD-Bericht über den Streit über die Erhaltung oder den Abriss der Göbbels-Villa und der FDJ-Schule.

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    Ich glaube, das wirklich Traurige wird darin liegen, dass es in Kopenhagen schon etliche solche Rekos gibt.

    Nicht nur dort. Ein gutes Beispiel für eine erstklassige Rekonstruktion ist das 1859 fast vollständig abgebrannte Schloss Fredriksborg. Die Innenräume wurden so vorzüglich rekonstruiert, dass man - ohne Kenntnis des Brands - das Gefühl haben könnte, sich in Original-Räumlichkeiten aus der Renaissance zu befinden (siehe Bilder Wikipedia).

    Dem hier im Forum grassierenden Pessimismus möchte ich mich nicht anschließen.

    Für Optimismus müsste es aber eine Grundlage geben. Und die sehe ich auf Basis der bekannten Fakten nicht.

    Wie ich schon sagte, ich tippe darauf dass es am Ende eine moderne Paraphrase des Neptunbrunnens gibt. Ähnlich ist man ja bei der Gestaltung des gesamten Schlossumfelds vorgegangen. Es sollte irgendwie entfernt an die Gestaltung und Konturen des Vorkriegszustands erinnern, gleichzeitig aber alles explizit "zeitgenössisch" rüberkommen. BBZ haben diese Vorgaben "perfekt" umgesetzt.

    Folglich könnte in Berlin der "Neue Neptunbrunnen" z.B. aussehen wie sein gleichnamiger Kollege in Bremen:

    NeptunbrunnenDomshof-2.jpg

    Von Jürgen Howaldt - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11420402

    Es soll einen "künstlerischen Wettbewerb" geben, so Hegner. Damit ist der Neptunbrunnen, egal ob Original oder Kopie, doch wohl vom Tisch, oder? Ich denke der Artikel der Berliner Zeitung ist da recht eindeutig. Im besten Fall wird sich ein Künstler erbarmen und etwas schaffen, was an den Neptunbrunnen erinnert / gedanklich assoziiert bzw. diesen paraphrasiert.

    Insofern glaube ich auch nicht, dass der Senat das Angebot des Schloßvereins eine Kopie des Neptunbrunnens für den Schloßplatz zu erstellen, annimmt.

    So ist es leider. Zudem hat sich jegliche Diskussion um den Neptunbrunnen eigentlich erübrigt, seit März diesen Jahres ist klar, dass ein "moderner Brunnen" den Schlossplatz "verschönern" soll:

    Und zweitens solle es auch Wasser geben. Es sei geplant, dass ein neuer Brunnen angelegt werde, so Hegner. An eine Rückkehr des historischen Schlossbrunnens, besser bekannt unter dem Namen Neptunbrunnen, sei aber nicht gedacht, so Hegner. Der Schlossbrunnen, dessen Verlegung an den historischen Platz von Anhängern der Schloss-Rekonstruktion seit Jahren gefordert wird, solle am jetzigen Standort, auf dem Platz vor dem Roten Rathaus, verbleiben. Wie der neue Brunnen aussehen wird, soll nach Angaben Hegners in einem künstlerischen Wettbewerb entschieden werden. Das sei „mit dem Land Berlin“ verabredet worden.

    Damit ist doch klar wohin die Reise geht, oder?

    Nun ja, wenn die Mehrheit und der Senat meinen, dass diese prächtige Figur besser vor dieser "prächtigen" Fassade zur Wirkung kommt ....

    Die "Mehrheit" will den Neptunbrunnen zurück auf dem Schlossplatz haben, das ist durch eine Umfrage bekannt. Volkes Wille ist aber nur dann gefragt, wenn es alle paar Jahre an die Wahlurnen gerufen wird. Ansonsten entscheiden in der "repräsentativen Demokratie" in erster Linie Politiker, Lobbyisten und "Expertenkommissionen", in diesem Fall der Senat und eine Jury, die die demnächst eintrudelnden Brunnen-Entwürfe zeitgenössischer Künstler begutachten und bejubeln werden.

    Nein, solche Diskussionen werden überall dort geführt, wo eine pluralistischen Gesellschaft existiert.

    Natürlich, und dennoch sind Diskussionen in Frankreich oder Dänemark in dieser Hinsicht von anderer Qualität als in Deutschland. Die meisten unserer europäischen Nachbarn haben noch ein gesundes, unverkrampftes Nationalbewusstsein, wodurch dort im Kontext von Rekonstruktionen abgehobene und verbohrt-ideologische Debatten a la Oswalt oder Zimmerer (und daher "typisch deutsche") unterbleiben. Und gehässige Schmutzkampagnen gegen Spender und Mäzene halte ich außerhalb Deutschlands gar für undenkbar.

    Ich denke auch, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Alte Börse eins zu eins rekonstruiert wird, vor allem auch von innen.

    Der dänischstämmige Wirtschaftsminister von S.-H. Claus Ruhe Madsen hält die Rekonstruktion des gestern Verlorenen für unabdingbar. So wie er denken vermutlich die meisten Dänen:

    Zu einem Wiederaufbau kann es gar keine zwei Meinungen geben. Zwar bin ich nicht der Stadtarchitekt von Kopenhagen und die Dänen sind diesbezüglich manchmal sehr mutig und gehen besondere Wege. Aber die Börse ist meiner Meinung nach zu ikonisch, um sie nicht genauso wieder herzurichten.

    Ausführliche Infos von der Tagesschau:

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    Hier gibt es ein paar Bilder der Innenräume der Börse, ein furchtbarer Verlust wenn das alles zerstört worden ist:

    Sådan så Børsen ud indefra inden branden
    Børsen på Slotsholmen i København er i brand. Her kan du se billeder af bygningen indefra inden branden.
    nyheder.tv2.dk

    Eigentlich sollten solche Dinge mit heutiger Brandschutz-Technik nicht mehr passieren. Historisch gesehen ist Dänemark durchaus leidgeprüft mit Bränden herausragender Kulturgüter. 1859 brannte Schloss Fredriksborg (in den Folgejahren vorbildlich rekonstruiert, auch von innen), Schloss Christiansborg brannte 1884 (anschließend durch einen neobarocken Neubau ersetzt).

    Ich würde es schade finden, wenn die Öffentlichkeit so ein bisschen von der Diskussion ausgeschlossen wird.

    "Ein bisschen"? Das ist doch leider fast überall gängige Praxis, dass der Bürger aus der Sicht der Jurys bzw. abgehobener "Expertenkommissionen" als Laie angesehen wird und von Diskussions- und Entscheidungsprozessen bewusst ausgeschlossen wird. Nicht umsonst gelingt es der Zunft der Modernisten und Architekten immer wieder, unseren Städten ihren Stempel aufzudrücken. Auch im Falle der Bauakademie zählt der mehrheitliche und eindeutig bekannte Wunsch der Bevölkerung nach Rekonstruktion nicht viel. Hinsichtlich der Entscheidungsgremien lege ich meine Hoffnung vor allem in in Petra Kahlfeldt und eine mögliche Gestaltungssatzung, von Seiten des Bundes (Claudia Roth) und der Bundesstiftung unter Guido Spars haben wir nichts Positives zu erwarten.

    Entgegen der Behauptung dieser Gestalten wird der Staudenhof wohl kaum "gerettet" werden. Sollte der letzte Mieter vor Gericht Recht bekommen, wird die Kündigung eben erneut ausgesprochen werden. Damit wird sich der Abriss zwar verzögern, aber nicht verhindern lassen. Die Frage ist nur warum der Vermieter nicht von vornherein eine juristisch wasserdichte Kündigung ausgesprochen hat. So schwer kann das doch eigentlich nicht sein...

    Auffällig ist erneut, dass tugula sich wieder postwendend und reflexartig zu Wort meldet, sobald Oswalt hier kritisiert wird. Egal, ob die Kritik sachlich formuliert ist oder über das Ziel hinaus schießt („Off-Topic, Mod"). Dass Oswalt und sein Hamburger Mitstreiter Jürgen Zimmerer (man schaue mal auf dessen Twitter-Account) das Berliner Schloss abgrundtief hassen und von ihrer bösartigen Propaganda nicht ablassen werden, ist wohl ziemlich offenkundig. Ebenso deutlich ist, dass deren Traktate nur noch wenig mit wissenschaftlicher Redlichkeit und einem dem Berufsstand angemessenen Anstand zu tun haben.