Posts by UrPotsdamer

    Findest Du das denn schlimm? Soweit mir bekannt, war ein Café von vornherein geplant. Dass es im temporären Holzbau eingerichtet wird und nicht in einem der "Seitenflügel", ist für mich eine Neuigkeit. Ich finde es aber sehr gut, dass das Angebot in dieser bisher ziemlich toten Ecke verbessert wird.

    Es handelte sich um einen neugotischen Bau vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine Rekonstruktion dieser Kirche erschien nicht erstrebenswert, zumal das Kloster stauropigial ist, also direkt dem Patriarchen untersteht.

    Eine Rekonstruktion einer neugotischen, orthodoxen Kirche vom Anfang des 19. Jahrhunderts hätte ich unbedingt für erstrebenswert gehalten - oder meinst du den Anfang des 20. Jahrhunderts? (Selbst das stelle ich mir sehr interessant vor...) Und welchen Einfluss hat die Stavropigialität auf den Baustil? Nichtsdestoweniger ist die neue Kirche sehr interessant...

    Wenn man damit anfängt, müssten konsequenterweise auch die Punkthochhäuser am Kanal und anderswo in der Innenstadt abgerissen werden.

    Zugegebenermaßen stören die Hochhäuser an der Havelbucht mehr, weil sie in direkter Konkurrenz zum Garnisonkirchturm stehen. Und weil ich von meiner Wohnung direkt darauf schaue...

    Stahlbeton hat ja eine natürliche Lebensdauer, und ich möchte nicht ausschließen, dass danach die Hochhäuser abgerissen werden. Aber das kann erstens noch ein paar Dutzend Jahre dauern, und vielleicht hat sich der Geschmack bis dahin so gewandelt, dass sie als wertvolles Zeugnis der Baukultur erhalten werden - wie die Geschlechtertürme in Italien...

    Die vier Hochhäuser an der Havelbucht haben jeweils 17 Etagen, bei schätzungsweise acht Wohnungen pro Etage und durchschnittlich zwei Bewohnern pro Wohnung sind das etwas mehr als 1000 Personen, für die eine neue Bleibe gesucht werden müsste - in Potsdam. Ich bin ganz dafür, dass die Hochhäuser verschwinden, aber "relativ leicht" ist daran leider gar nichts.

    Der Steubenplatz war - im Gegensatz zum Lustgarten - seit 1820 begrünt und mit Bäumen bepflanzt; allerdings ist er durch die Straßenbahn in der Größe beschnitten. Bis zur Aufstellung des Denkmals hieß er Fiakerplatz, weil er so etwas wie der Taxistand in Potsdam Innenstadt war. Die geplante Bepflanzung entspricht - bis auf die fehlende Ecke, wo jetzt die Straßenbahn drüberfahrt - dem Zustand vor 1945.

    Ich bin ziemlich überzeugt, dass der Grund für die nicht-Aufstellung des Oraniers die Tatsache ist, dass es nur noch einen gibt, dass er seit 1905 länger nicht dort gestanden hat, als er dort gestanden hat, und dass es - jetzt werde ich gleich verbal gesteinigt - nicht die allererste Garden der Kunst ist. Will sagen: selbst wenn das Stadtschloss eine andere Nutzung hätte, wäre immer noch fraglich, ob Adlersäule, Oranier und Rossebändiger daran Aufstellung fänden.

    Solange die Tram durch den ehemaligen Hoheweg geführt wird, werden die beiden Kolonnaden, die ein wesentliches Element des Lustgartens bildeten, nicht oder nur rudimentär wiederhergestellt werden können. Aber wie ich mich habe belehren lassen, ist die jetzige Gleisführung alternativlos. Da kann man natürlich auch den Rest des Lustgartens ahistorisch und nach Gutdünken begrünen.

    Und aus dem Jahr 2024 heraus zu erklären die Fassung von 1720 sei sakrosant aber die Fassung von 1713 abseitig ist ebenso willkürlich.

    Das ist alles andere als willkürlich, sondern folgerichtig. Wir betrachten doch nicht einzelne Elemente des Stadtraums isoliert voneinander, sondern das Gesamtensemble. Die prägende Zeitschicht des Lustgartens und der ihn umgebenden Bauten ist das friderizianische Zeitalter. Friedrich II. war sonst nicht zimperlich, was die Umgestaltung der überkommenen Substanz angeht. Den Lustgarten hat er im Zustand des Soldatenkönigs belassen. Dafür wird er seine Gründe gehabt haben - aber wir wissen es besser??

    Das kann man so pauschal nicht sagen, im "Urzustand" vor dem Soldatenkönig war der Lustgarten deutlich grüner, ein richtiger Garten eben.

    Aber vom Lustgarten vor dem Soldatenkönig ist nichts mehr übrig, vom Lustgarten Friedrichs II. so gut wie alles. Stadtschloss, Ringerkolonnaden, Marstall, Knobelsdorffsche Kopfbauten an der Breiten Straße... Und diese Gebäude haben niemals mit einem begrünten Lustgarten koexistiert, sondern mit dem Sandplatz. Ich bin ganz dafür, die Steinplatten und den Asphalt loszuwerden, aber nicht für einen rekonstruierten Lustgarten, der seit 300 Jahren verloren war und nicht zu den umgebenden Fassaden passt. Auf einem wassergebundenem Sandplatz kann Wasser versickern, und mit Blumenkübeln kann man ihn auch begrünen.

    Ich sage ja nicht, dass mir der steinerne Lustgarten gefällt. Aber alle den Lustgarten umgebenden Fassaden - inklusive der Marstall, der von Friedrich II. überformt wurde - sind gestaltet worden mit einer Sandfläche als Bezug. Diesen Platz nun mit Bäumen zu bepflanzen, die die freie Sicht auf die Fassaden verstellen und Sichtbeziehungen stören, ist widersinnig. Die Berufung auf den Soldatenkönig ist bizarr - dann müssen wir konsequenterweise auch Stadtschloss und Marstall auf den vorknobelsdorffschen Zustand zurückführen.

    Sämtliche den Lustgarten umgebenden Gebäude (bis auf das Interhotel) stammen aus der Zeit Friedrichs des Großen und später. Den Lustgarten begrünen hieße eine Chimäre schaffen, die so niemals existiert hat. Kein ernstzunehmender Kunsthistoriker oder Denkmalpfleger würde sich auf so etwas einlassen.

    So könnten 20.000 qm Betonplatten und Straße wiederbegrünt werden und Lustgarten, Marstall und Stadtschloß wieder verbunden werden.

    Nichts gegen die Begrünung des Lustgartens, aber "Wieder-"? Soweit ich weiß, war dieser Teil des Lustgartens zuletzt unter Friedrich I. grün; der Soldatenkönig machte daraus dann einen Exerzierplatz. Zumindest kenne ich nur Bilder eines staubigen Sandplatzes, egal ob aus dem 18., 19. oder frühen 20. Jahrhundert.

    Weder die Tram noch die Fahräder wären über den Alten Markt besser gewesen.

    Das möchte ich vehement bestreiten. Mal abgesehen davon, dass es den Fahrradweg in der Breite auch am Hoheweg nicht gebraucht hätte und dass die Straßenbahn auch auf der Fahrbahn hätte verkehren können (was die Breite der Straße halbiert hätte), hätte ich eine Straßenbahnführung über den Alten Markt eindeutig bevorzugt. Da lief die Straßenbahn ja vor dem Krieg auch, und es wäre auch nicht der einzige innerstädtische Platz Mitteleuropas mit Tramgleisen.