Posts by UrPotsdamer

    Anekdotisch kann ich hierzu ein Gespräch beitragen, das mein Vater in den 1950er Jahren mit einem Elsässer Bauern führte: "Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden wir zwangsweise an Deutschland angeschlossen, weil sie sagten, wir sprechen deutsch, also sind wir Deutsche. Ich habe dafür gesorgt, dass keines meiner Kinder auch nur ein einziges Wort Deutsch spricht, damit das nie wieder passiert."

    Wenn Du mit Homogenität der Straßenräume eine einheitliche Bebauung meinst - die war nie gegeben. Wenn Du eine einheitliche barocke Bebauung meinst - die ist im verbliebenen Weststummel der Schwertfegerstraße bis heute erhalten. Die westlichen Häuserzeilen der Friedrich-Ebert-Straße nördlich und südlich der acht Ecken sind ebenfalls homogen barock bzw. rekonstruiert.

    Ich glaube, wenn die Berliner Stadtverwaltung Kastanien gemeint hätte, hätte sie Kastanien gesagt. Die Baumhasel war mir bisher unbekannt, danke für die Korrektur. Dennoch halte ich eine Anpflanzung von Walnussbäumen sowohl unter dem Großen Kurfürsten als auch im Jahr 2022 für die wahrscheinlichste Möglichkeit.

    Halte ich für äußerst unwahrscheinlich, da die Hasel ein Strauch ist. Mir fällt auch kein Beispiel für Haseln als Straßenbäume ein. Aber keine Sorge: wenn es um 1900 Blumenbeete unter Walnußbäumen gab, werden wir das heute auch hinkriegen.

    Mit anderen Worten: bis 1900 standen auf dem Boulevard Linden und Nüsse, dieser historische Zustand wird jetzt rekonstruiert.


    Aber ich bin sicher, irgendwer wird uns gleich erklären, warum dieser historische Zustand nicht der richtige ist...🙄

    Und wo ist jetzt der Elefant? 🙈😋


    Im Ernst: danke für die wesentlich fundiertere Erklärung. Dasselbe Motiv findet sich übrigens auf der Bekrönung des ehemaligen Hochaltars (heute rechter Seitenaltar) der katholischen Kirche in Potsdam...

    Ohne den Fall genauer zu kennen, rate ich zur Vorsicht, bevor man Urteile fällt:

    - Soweit ich weiß, hat die Dichte der Bepflanzung unter den Linden sich oft verändert. In Zeiten, zu denen es noch keine Kraftdroschken und damit weniger Bedarf an Fahrbahnen gab, können es durchaus sechs Reihen Bäume gewesen sein.

    - Möglicherweise halten Nussbäume den Trockenstress besser aus als Linden. Mir ist eine Straße unter den Linden lieber, die mit gesunden Nussbäumen bepflanzt ist, als mit kränklichen oder sterbenden Linden.

    Beides sind nur Vermutungen, aber bevor man seine Hoffnungen in die Denkmalpflege steckt, sollte man sich seiner Sache schon sicher sein...

    Ich hasse es, Dir zu widersprechen, Konstantindegeer , aber: Nun gibt es äußerst wenige Potsdamer oder Potsdam-Besucher, die den Turm aus dieser Frontalperspektive zu sehen bekommen. Dafür müsste man schon im Innenhof der ehemaligen I.R.9-Kaserne mit dem Fesselballon aufsteigen. Wer die breite Straße entlangjuckelt, für den schiebt sich die Dame schon recht eindrucksvoll in die Perspektive...

    Auf dem östlichen Abschnitt stehen ja schon welche - wenn ich mich nicht irre, nach historischem Vorbild. Auf dem westlichen Abschnitt (zwischen Garnisonkirche und Neustädter Tor) war der Grünstreifen aber nicht seitlich, sondern mittig. Hier würde es an sich auch viel mehr Sinn ergeben, die historische Bepflanzung wiederherzustellen, weil ja im Unterschied zum östlichen Abschnitt ein beträchtlicher Teil der historischen Bebauung noch existiert. Aber hier erlaubt die Stadt der Denkmalpflege ja nicht einmal, vor dem rechten Gebäude des Naturkundemuseums (Breite Straße 11) Blumenbeete anzulegen. Seit über 10 Jahren befindet sich dort eine Grasfläche... Genauso vor dem Predigerwitwenhaus. Und vor Waisenhaus und Hiller-Brandt'schen Häusern liegen noch die DDR-Waschbetonplatten.


    Nachtrag: da vor gar nicht so langer Zeit die Radwege im Westabschnitt neu angelegt wurden, vermute ich, dass bis zum Ablauf der Bindungsfrist für die Zuschüsse da nichts gemacht wird. Leider...

    Ich bin zwar einerseits überzeugt, dass die Touris auch in ein etwas dunkleres Berlin strömen werden, und hätte auch nichts gegen einen völligen Verzicht auf nächtliche Illumination von Baudenkmälern, kann aber auch mit einer maßvollen Beleuchtung leben.


    Gegen Bundesbeamte und -angestellte hege ich keine Ressentiments, aber es will mir nicht in den Kopf, warum man nicht schon seit Jahren Neubauten - zumal staatliche - so errichtet, dass sie ohne Klimaanlage kühlen. Die Technik existiert!

    Man fragt sich, wie es die armen Menschen vor der Einführung der Elektrizität mit ihren nachts traurigerweise verdunkelten Kirchen- und Schlossfassaden ausgehalten haben.

    Ernsthaft: nächtliche Illuminationen sind schon was Feines, aber wirklich verzichtbar. Zumal nach 24 Uhr, wenn eh niemand mehr was davon hat...

    Die Hufeisennumerierung wirkt aus heutiger Sicht natürlich antiquiert.

    Was ist daran antiquiert? Ich finde sie wesentlich logischer als das Hin- und Hergespringe. Zumal nicht alle Grundstücke gleich breit sind und es oft zu Verzerrungen kommt (wenn sie nicht durch Auslassung von Hausnummern geradegezogen werden)...

    Der Brunnen und die Grünflächen haben den Platz gerade einmal 60 Jahre geprägt. Sie sind Ausfluss eines horror vacui des 19. Jh.s, der jede freie Fläche mit Bäumen, Buchsbaumhecken, Blumenrabatten und Brunnenanlagen zustellte. Das ist nicht immer der Zustand, den ich für rekonstruktionswürdig halte (der Eichstätter Residenzplatz bspw. war im 19. Jahrhundert regelrecht aufgeforstet worden - zum Glück hat man in den 1980er Jahren die barocke Platzgestaltung wiederhergestellt).

    Zum Zeitpunkt der Ersterrichtung der Schlüterschein und Eosanderschen Fassaden haben die Architekten keine Grünflächen und Brunnen auf der Platzfläche vorgesehen. Da man sich beim Wiederaufbau an dieser Zeitschicht orientierte, ist es konsequent, die kaiserzeitliche Platzgestaltung nicht zu rekonstruieren. Wohlgemerkt: ich wünsche mir ebenfalls eine Rückkehr des Brunnens! Ich lasse aber andere Meinungen gelten und versuche, sie nicht pauschal abzuwerten.

    Bentele : Deinen Beitrag halte ich für missglückt. Deinen Versuch, ihn im Nachhinein als ironisch zu adeln, finde ich eher belustigend. Wenn Stammtisch sich an Ironie versucht, verhebt er sich leicht... Im übrigen habe ich keinen Bedarf daran, mich schlau zu machen, noch als guten oder schlechten (oder bösen?) Leser benoten zu lassen.


    Edit: autocorrect-Fehler behoben...

    UrPotsdamer Bevor Du die Argumente anderer als "lächerlich" abqualifizierst, solltest Du Dich erst einmal schlau machen, wie denn die städtebaulichen Debatten bei uns so aussehen. Beispiel Neustädter Markt in Dresden. Da wird - gerade von den Grünen - unter Verweis auf das Stadtklima bzw. das Mikroklima jeder Quadratmeter Grünfläche und und jeder Baum verteidigt, um etwa eine historische Bebauung zu verhindern. Und wenn Du mal durch Freiburg gehen würdest, wüsstest Du, dass die dortigen "Bächle" durchaus an heißen Tagen zu etwas Abkühlung beitragen.

    Wird dort auch damit argumentiert, es sei der unwirtlichste Platz Europas? Ich finde nicht das Argument lächerlich, dass Grünflächen und Brunnen der Überhitzung entgegenwirken, sondern die Behauptung, es sei in Berlin am allerallerschlimmsten. Damit holt ihr nämlich keinen einzigen Hund hinterm Ofen hervor; solche Argumentationslinien wirken bloß hysterisch und unprofessionell.

    Abgesehen davon sollten doch inzwischen alle hier wissen: wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Da die Grünen in Berlin den Brunnen maßgeblich verhindern, werden sie sich durch ein "damit seid ihr schuld an der Überhitzung des Schlossplatzes!!!einself!!!" ganz sicher nicht beeindrucken lassen. Aber unter "am unwirtlichsten in ganz Europa" geht es ja offenbar nicht...


    PS: schlau bin ich schon, sehr sogar.