Posts by UrPotsdamer

    Das meine ich ja genau. Vor kurzem wurden die (tatsächlich nicht schönen) Sitzbänke am Berliner Schloss (völlig zu Recht!) kritisiert, und es wurde (abwegigerweise) vermutet, das sei eine gezielte Aktion, um die Schönheit der Schlossfassaden zu beeinträchtigen. Wir sehen an diesem und vielen anderen Beispielen: es hat nichts mit dem Schloss zu tun, es ist einfach eine Mode, die momentan überall grassiert und in zehn Jahren wieder vorbei ist.

    Am letzten Wochenende war ich in Luxemburgs Hauptstadt. Im Innenhof der Abtei Neumünster sah ich einige formschöne gelbe Sitzbänke.

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    Was meint ihr? Würden sich diese Bänke nicht auch gut vor dem Berliner Schloss machen? :tongue:

    Du musst Dich irren. Wie wir hier im Forum gelernt haben, kommt auf der ganzen Welt niemand außer uns dummen Deutschen auf die Idee, so hässliche!!! Bänke aufzustellen. Bekanntlich sind solche modernistischen Auswüchse Symptom einer Verschwörung aus Politik und etablierten Architekten, um subversiv das rekonstruierte Berliner Schloss hässlich zu machen.

    Ironie aus.

    Verstehe ich Dich richtig, dass Du aus ästhetischen Erwägungen vom historisch gesicherten Zustand abweichen willst, weil Du diesen für nicht dauerhaft hältst? Ich finde das etwas willkürlich. Sonst legen wir immer Wert auf eine Rekonstruktion "wie es war", aber in diesem Fall machen wir es hübscher als es war?

    Rotbraun für die Hofflächen !! Oh Mann sind die wahnsinnig? Also keine Verbesserung gegenüber dem Ermischschen Sportplatz-Splitt aus den 1930ern. Ich finde, man muss doch solche Grabungsergebnisse doch immer auch kunstwissenschaftlich einordnen. Man merkt hier, wie (sehr ) sich das LfD in seiner Ausrichtung verändert hat.... :weinenstroemen:

    Wir haben die Diskussion schon mal gehabt, aber: wenn das der grabungstechnisch gesicherte Zustand der Erbauungszeit ist, was spricht dann dagegen?

    Es bleibt zutreffend , dass es in der Evangelischen Kirche keine mit der katholischen vergleichbare Litufgiereform gegeben hat, die als "Aufhänger" für das Aufstellen von "Volksaltären" diente. Die Ziele, die für die katholische Reform vorgetragen werden, hatte die Evangelische Liturgie vom Anfang an, und man kann mit Recht mutmaßen, dass die Kirchenausstattungen dem immer schon Rechnung trugen. Warum also spürt man seit ca 70 Jahren auch dort das Bedürfnis nach Volksaltären? Das wäre es doch durchaus wert, diskutiert zu werden.

    Um nur noch Mal kurz zu rekapitulieren: Resurrectus wies darauf hin, dass Rundbogen an dieser Stelle fehl am Platze sind, weil sie kein Teil der Formensprache des Dresdner barocken Bürgerhauses sind. Als Reaktion kamen Hinweise auf historistische und gründerzeitliche Großbauten in der Altstadt, die selbst zu Bauzeiten Fremdkörper dort waren, und Wohnhäuser des 19. Jahrhunderts in den Vorstädten. Weil dort - in Bauten, die zu völlig anderen Zeiten oder an völlig anderen Orten oder mit völlig anderen Zwecken errichtet wurden - Rundbögen verwendet wurden, soll es akzeptabel sein, sie auch hier zu verwenden, wo es das Ziel ist, die Anmutung des bürgerlichen Dresden des 18. Jahrhunderts wiederherzustellen. Hauptsache was anderes, originelles.

    Ich finde diese Behängung von historischen Gebäuden auch nicht schön. Im Gegenteil, mich stört es auch. Mir ging es darum, dass es sich nicht um eine gezielte Attacke gegen das Berliner Schloss handelt. Auch die Albertina in Wien, das Albertinum in Dresden usw. haben Freundeskreise und Fördervereine, die viel Geld für den Erhalt dieser Institutionen sammeln, und mutmaßlich gibt es auch dort viele, die mit der Plakatierung nicht einverstanden sind. Aber in all diesen Institutionen arbeiten ähnlich geschulte Menschen, und die tun nun einmal, was Museumsleute heutzutage so tun.

    Der Punkt ist doch, dass solche Bannerwerbung, unabhängig ob angemessen oder nicht, keinesfalls etwas besonderes ist. So sehen nun einmal heutzutage, zum guten wie zum schlechten, Kunstmuseen aus. Darin einen weiteren Hinweis auf die Große Verschwörung gegen das Berliner Schloss lesen zu wollen ist unbegründet.

    Wer Behauptungen aufstellt, ist in der Pflicht, sie zu belegen. Ich muss nicht nachweisen, dass es keine Verschwörung gibt. Wenn Du Beweise dafür hast, dass diese Möbel deswegen ausgesucht wurden, um die Ästhetik der Schlossfassaden zu mindern, freue ich mich, wenn du sie vorlegst.

    Danke, dass Du die Sachebene nicht verlässt, oder gar persönlich wirst. Ironie aus.

    Die deutsche Sprache zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass man in ihr relativ leicht Neologismen erstellen kann. Z.B. kann man den Umstand, dass aus der Substanz ein Fetisch gemacht wird, mit dem Neologismus "Substanzfetischisierung" beschreiben. So wie ich vorhin. [Edit: autocorrect hat aus "Substanzfetischisierung" ein "is" geklaut.]

    Der Kölner Dom wird seit Kriegsende praktisch ununterbrochen restauriert; ist man einmal drum herum gekommen, geht es gleich in die zweite Runde. Irgendwann ist fast jeder Stein der Fassade irgendwann erneuert worden. Ist der Kölner Dom deswegen kein Original mehr?

    Wenn bei der Löwenbrücke die Drahtseile erneuert werden, ist sie dann noch original? Oder wenn die Bahn erneuert wird? Wann hört sie auf, ein Original zu sein?

    Wir sprechen beim Berliner oder Potsdamer Stadtschloss, bei der Dresdener Frauenkirche, bei den Frankfurter oder Potsdamer oder Dresdner Altstadthäusern von Wiederaufbau, nicht von Neubau. Weil diese Häuser schon da waren, eine Zeitlang verschwunden waren, jetzt wieder existieren. Hier reden wir von vierzig, fünfzig, siebzig Jahren Abstand.

    Und bei der Löwenbrücke ist es ein Neubau?