Posts by Rastrelli

    "Keines der Gebäude hat die Zeit überdauert", schreibt die politisch- blöde Wikipedia.

    Wikipedia ist auch nicht blöder als du, ursus. Gleich in der Einleitung steht:


    Gnauth gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Neorenaissance in Süddeutschland. Sein Werk ist von seltener Vielseitigkeit und verhalf ihm in seiner Lebenszeit zu großer Berühmtheit. Da seine Schaffensperiode nur von kurzer Dauer war und seine Bauwerke fast vollständig im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

    Hervorhebung im Zitat durch mich, damit dem Herrn carpaticus die entscheidende Erkenntnis nicht abermals entgeht.


    In dem von dir herausgegriffenen Zitat geht es lediglich um die Feststellung, dass die vorgenannten Gebäude nicht mehr existieren, weil an der Stelle nur das relevant ist. Mit "politisch" hat das nichts zu tun, sondern mit Sachlichkeit und Konzentration auf das Wesentliche.


    Ich finde den Wiki-Artikel zu Gnauth sehr gut. Generell kann man sagen, dass Wikipedia einen großen Beitrag zur Vermittlung von Wissen über die Architektur des Historismus leistet.

    Das Konzerthaus von Franz Schwechten wurde im Krieg beschädigt, war aber zunächst für den Wiederaufbau vorgesehen. 1962 wurde die Ruine schließlich doch abgetragen. Die 1948 gegründete polnische Philharmonie gab ihre Konzerte über Jahrzehnte im Rathaus. Erst 2011-2014 wurde ein neues Konzerthaus am alten Standort errichtet. Die Hausnummer ist sogar gleich geblieben. Architektonisch ist der Entwurf von Fabricio Barozzi und Alberto Veiga aber ganz anders.


    Stettin, ulica Małopolska 48 (ehemals Augustastraße 48), Neubau der Philharmonie (Foto: DrKssn, 3. Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Das Gebäude wurde 2015 mit dem Mies-van-der-Rohe-Architekturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet. Die Fassade kann bei Dunkelheit in verschiedenen Farben leuchten - an patriotischen Feiertagen sogar in Weiß und Rot, den polnischen Farben.


    Das Gebäude der Philharmonie, rechts die Einfahrt zur Tiefgarage (Foto: MOs810, 28. Dezember 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie (Filharmonia im. Mieczysława Karłowicza w Szczecinie), Blick zum Haupteingang (Foto: DrKssn, 3. Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie, im Hintergrund der Turm der Jakobskathedrale (Foto: DrKssn, 3. Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Stettiner Philharmonie, Detail der Fassade (Foto: Evidamii019, 24. September 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Stettiner Philharmonie, Detail der Fassade (Foto: Evidamii019, 24. September 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die Fassade ist schon ungewöhnlich. Leider habe ich kein Foto, dass sie bei nächtlicher Beleuchtung zeigt. Deshalb hier noch eine Visualisierung, die 2008 von der Stadtverwaltung veröffentlicht wurde. Es gibt einige Abweichungen zum später realisierten Bau.


    Neubau der Philharmonie, Visualisierung von 2008 (Quelle: UMSzczecin, 2008, CC-BY-SA-4.0)


    Nachtrag: Hier gibt es noch ein schönes Foto, das die Philharmonie am frühen Abend des 10. April 2018 in patriotischer Illumination zeigt:

    24kurier.pl/media/5306728/20180410_200705.jpg (Foto: Katarzyna Lipska-Sokołowska)


    Die Leserkommentare auf der zugehörigen Internetseite (24kurier.pl/aktualnosci/wiadomosci/bialo-czerwona-filharmonia) diskutieren über das Datum 10. April. Es ist der achte Jahrestag des Absturzes der Regierungsmaschine bei Smolensk - aber auch der Todestag des Liedermachers Jacek Kaczmarski.

    Der Quistorp-Turm wurde 1944 oder 1945 zerstört. Die genauen Umstände sind unklar. Seit 2009 arbeitet man in Stettin an Plänen für einen Wiederaufbau als Aussichtsturm. Auch die Erinnerung an Johannes Quistorp wird in der Stadt wiederbelebt.


    Ruine des Quistorp-Turmes (Wieża Quistorpa) auf dem 70 m hohen Arkonahügel (Wzgórze Arkony) im Ortsteil Wussow (Osów)

    (Foto: StasiÓ Stachów, 5. April 2016, CC-BY-3.0)


    Recht gut erhalten ist das neoromanische Sockelgeschoss aus Granit. Der eigentliche Turm war aus Ziegeln und ist fast völlig verschwunden.

    Das Konservatoriumsgebäude wurde 1885-1887 errichtet. Bei der Abbildung aus der Architektonischen Rundschau handelt es sich also um eine Visualisierung. Die folgende Aufnahme aus dem Leipziger Atelier Hermann Walter belegt aber, dass das Gebäude tatsächlich so gebaut wurde.


    Grassistraße 8, Königliches Konservatorium der Musik (Foto: Atelier Hermann Walter, um 1910, gemeinfrei)


    Heute fehlen die Karyatiden im zweiten Obergeschoss des Mittelrisalits sowie die Figuren oben auf den Ecken und die Köpfe über den Eingängen zur Vorhalle (wohl infolge von Kriegsschäden).


    Grassistraße 8, Hauptgebäude der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn-Bartholdy", Mittelrisalit

    (Foto: Timur Y, 9. Juni 2013, CC-BY-3.0)


    Grassistraße 8, Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn-Bartholdy" (Foto: Appaloosa, 2. August 2007, CC-BY-SA-3.0)


    Die Grassistraße befindet sich im Musikviertel. Sie ist nicht sehr breit und hat einen schönen Baumbestand. Die Fotos geben einen realistischen Eindruck von der heutigen Situation. Eine Paradeansicht der gesamten Fassade der Musikhochschule ist nicht möglich. Die fehlenden Balustradenfiguren und Karyatiden vermisst man von der Straße aus nicht. Die für die Wirkung im Straßenraum wichtige Eingangssituation mit einer offenen Vorhalle und kunstvollen Gittern an den Türen kommt auf den Fotos nur unzureichend rüber.


    Die benachbarte Bebauung ist historisch. Nach links schließt an das Konservatoriumsgebäude ein Wohnhaus aus der Gründerzeit an. Darauf folgt das Palais Roßbach, ein prächtiges Eckgebäude zur Beethovenstraße. Nach rechts schließt an das Konservatorium der sogenannte Wiener-Bau der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HTWK) an, der seine Hauptfassade zur Wächterstraße hat. Die Abbildung in der Architektonischen Rundschau von 1886 zeigt zu beiden Seiten des Konservatoriums aber fiktive Gebäude, da die Nachbarn erst später errichtet wurden. Am rechten Bildrand ist ein weiteres fiktives Gebäude angedeutet. Dort sieht man die andere Straßenseite der Wächterstraße, die aber ausschließlich mit Villen bebaut wurde. Zudem ist die Grassistraße in der Architektonischen Rundschau viel zu breit dargestellt. Es erscheint eher so, als hätte das Konservatorium einen Vorplatz. Dem entspräche ja auch die prächtige Fassade. Doch sie befindet sich nur in einer Seitenstraße.


    Die Ecke Grassistraße (links) / Wächterstraße. Das Gebäude an der Ecke gehört zur Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK)

    (Foto: Timur Y, 9. Juni 2013, CC-BY-3.0)

    Hier noch ein Blick von den Hausmannstürmen (Osttürmen) der Marktkirche auf das Gelände, mit dem wir uns in den letzten Beiträgen beschäftigt haben:


    Blick von den Hausmannstürmen der Marktkirche in nördliche Richtung. Gut zu sehen das Dach von Kleine Klausstraße 16 (ehemals Poliklinik Mitte). Rechts davon ein Renaisssancegiebel, der zum Kühlen Brunnen gehört. Dahinter das Gasthaus "Wenzel Prager Bierstuben" in der Großen Nikolaistraße 9. Im Hintergrund kann man am linken Bildrand die Moritzburg, am rechten Bildrand die Universität erkennen

    (Foto: H. Helmlechner, 29. Dezember 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Die Renaissancekomplexe sind ziemlich versteckt. Den Kühlen Brunnen erlebt der Fußgänger als eine Art Passage zwischen Marktplatz und Großer Nikolaistraße. Die Altstadtbebauung ist sehr heterogen. DDR-Plattenbauten und jüngere Neubauten der belanglosen Art sind eingestreut. Aus dem Potenzial der Halleschen Altstadt hätte man sicher mehr machen können.

    Reudnitz wurde 1889 nach Leipzig eingemeindet. Der Ort hatte zu dem Zeitpunkt 19.000 Einwohner. Der alte Reudnitzer Ortskern im Bereich der Kohlgartenstraße gehört heute zum Ortsteil Neustadt-Neuschönefeld. Wenn man im Stadtplan heute das alte Reudnitz sucht, dann steht da irritierenderweise die Beschriftung "Neustadt-Neuschönefeld", während die Beschriftung "Reudnitz" sich weiter südlich befindet. In seinem historischen Umfang gilt Reudnitz zwar noch als "Stadtteil", aber das hat keine praktische Bedeutung. In den Stadtplänen sind die Ortsteile bezeichnet.


    Die Villa Willmar Schwabe wurde 1880 von Bruno Grimm erbaut. Die Adresse ist Kohlgartenstraße 33 (ehemals 17).


    Leipzig, Ortsteil Neustadt-Neuschönefeld bzw. Stadtteil Reudnitz, Kohlgartenstraße 33, Villa Willmar Schwabe

    (Foto: Don-kun, 29. August 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Das Bild zeigt die dreiachsige Stirnseite der Villa mit dem Türmchen in der Mitte. Auf dem von Heimdall verlinkten Foto ist diese Seite rechts. Dort sehen wir auch, dass der Zaun nach 2015 erneuert wurde. Hier dagegen ein Zaun aus Betonformsteinen. Das hat man in der DDR öfter gemacht und ist in Leipzig an mehreren Stellen zu finden. Dieser Betonzaun passt natürlich stilistisch nicht zu der Villa, gefällt mir aber trotzdem ganz gut. Der heutige Zustand mit dem Gitterzaun ist freilich besser. Vor dem Türmchen steht im Garten ein Brunnen. Er ist halb durch den Stamm der mittleren Platane verdeckt. Die herrlichen großen Platanen sind ein Charakteristikum der Stadt Leipzig.


    Die Straße im Vordergrund mit den Straßenbahngleisen ist die Kohlgartenstraße. Links begrenzt die Lutherstraße das Grundstück, rechts (nicht im Bild) die Elsastraße. Zu dem Anwesen des Apothekers Willmar Schwabe (1839-1917) gehörte ursprünglich ein großer Garten. Er ist heute zum größten Teil eine öffentliche Grünanlage - der Elsapark. Schwabes Villa dient heute als Geschäftshaus für eine Anwaltskanzlei oder Ähnliches. Diese Art der Nutzung ist bei hochherrschaftlichen Villen in Leipzig keine Seltenheit. Die Villen werden dann als Aushängeschild der jeweiligen Firmen sorgfältig gepflegt. Zumindest äußerlich.


    Kohlgartenstraße 33, Brunnen im Garten der Villa Schwabe (Foto: Don-kun, 22. August 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Der Brunnen ist nicht mehr in Betrieb, sondern dient nur als Gartenplastik. Auf dem Bild von Heimdall ist nicht zu erkennen, ob das inwzischen geändert wurde.


    Kohlgartenstraße 33, Brunnen im Garten der Villa Schwabe (Foto: Martin Geisler, September 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Kohlgartenstraße 33, Villa Schwabe. Links die Stirnseite mit dem Türmchen, an der rechten Seite der Eingang

    (Foto: Martin Geisler, September 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Nur sieht man bei dem von dir eingestellten Foto, dass man ganz links die unsprüngliche, ehemals verglaste Fläche des Wintergartens bzw. der Veranda, offenbar zugemauert hat. Es befindet sich dort nur noch ein Fenster, in der Größe, in der auch die übrigen Fenster der Villa sind.

    Oben ist die andere Seite zu sehen. Da ist der Wintergarten ganz rechts. Veranda und Wintergarten wurden zu normalen Büroräumen umgebaut. Das sieht man leider öfter. Der Balkon über dem Eingang ist auch nicht ursprünglich. Ob er inzwischen rekonstruiert wurde?


    Hier noch eine historische Ansicht der Villa:


    Villa Schwabe in der Kohlgartenstraße (Abbildung aus Leipzig und seine Bauten, 1892)


    Grundriss der Villa Kohlgartenstraße 17 (heute Hausnummer 33), unten die Seite zur Lutherstraße, rechts die Stirnseite mit Türmchen zur Kohlgartenstraße, oben der Eingang (Abbildung aus Leipzig und seine Bauten, 1892)

    Roland

    Wähle doch bitte für die Bilder nach dem Hochladen noch "Original einfügen" aus. Dann kann man sie im richtigen Format gleichzeitig mit dem begleitenden Text sehen. Du kannst deinen Beitrag auch noch nachträglich ändern. Danke!



    Da wird ja jetzt wirklich richtig gearbeitet. Toll!

    Könnte das eine Aufnahme der Sanierungsarbeiten sein?

    Ja. Ganz tolles Luftbild! Oben der "Wenzel" (Neorenaissancebau mit rotem Dach), unten die Plattenbauten und dazwischen das Sanierungsprojekt Kleine Klausstraße 16 (ehemals Poliklinik Mitte).


    Ich habe nochmal zurückgeblättert. Gregor hatte das im Februar 2019 gemeldet. Danach hatte sich aber noch längere Zeit nichts äußerlich Sichtbares an dem Haus getan. Ich war ja im Verlauf des Jahres 2019 noch mehrfach dort. Der Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung, der die Freude darüber zum Ausdruck bringt, dass die Bauarbeiten nun endlich (!) angelaufen seien, ist vom 11. Mai 2020, das Luftbild aus dem September 2020. Die Coronakrise scheint dem Bauwesen gut zu bekommen. Das ist ja auch in der Leipziger City so. Beide Innenstädte sind im Lockdown mausetot, aber die Bauprojekte machen Fortschritte.


    In den Zentren von Halle und Leipzig ballen sich Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und Tourismus. Wenn das alles verboten ist, dann ist die Atmosphäre gespenstisch und bedrückend. Die wirtschaftlichen Schäden durch die Coronakrise machen mir große Sorgen. Wie wird sich das noch weiter entwickeln?


    Das Hallesche Brauhaus ist eine glatte Zumutung. So einen Ramsch mitten in so eine Stadt

    Ich finde das Haus noch vergleichsweise angenehm. Es ist relativ klein, spielt sich nicht in den Vordergrund, und der warme rote Farbton gefällt mir. Es hat dadurch noch einen gewissen Wiedererkennungswert. Die meisten Neubauten in der Nachbarschaft sind weiß oder grau und wirken - auch in einem übertragenen Sinne - farblos.


    Das Restaurant ist gut frequentiert. Ich war noch nicht drin. Weder das Äußere des Hauses noch die Gestaltung des Gastraumes locken mich dort hinein. Halle bietet genug gastronomische Alternativen.

    Insbesondere das Händel-Haus ist mir bei meinem bisher einzigen Halle-Besuch in Erinnerung geblieben. Aber weniger wegen der Architektur, als wegen der sehr schön musikalisch eingebetteten Ausstellung über das Leben von Händel. Gleich um die Ecke gibt es übrigens eine Wirtschaft mit Böhmischer Küche in einem herrlich erhaltenen alten Speisesaal.

    Die böhmische Wirtschaft ist eine Filiale der Kette "Wenzel Prager Bierstuben". Weitere "Wenzel" gibt es unter anderem in Leipzig, Dresden, Chemnitz. Hier gibt es authentische böhmische Küche.


    Große Nikolaistraße 9, Gaststätte "Wenzel Prager Bierstuben" (Foto: Jwaller, 7. Februar 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Auf dem Foto lungern zwei Automobile herum. Wie ich bereits berichtete, soll es so etwas bald nicht mehr geben. Der Stadtrat hat am 25. November 2020 beschlossen, den Autoverkehr weitgehend aus der Altstadt zu verbannen (siehe hier). Dagegen regte sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative, die vor allem von Händlern und Gastronomen getragen wird, bekam - trotz der Behinderung durch die Coronakrise - die erforderlichen Unterschriften zusammen, um einen Bürgerentscheid in der Sache zu erzwingen. Die Abstimmung soll gleichzeitig mit der Landtagswahl am 6. Juni stattfinden. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.


    Die Innenstadt ist ja bereits zum großen Teil verkehrsberuhigt. Der Wirtschaftsverkehr und die Zufahrt zu den Parkhäusern wird weiterhin möglich sein. Ich kann deshalb schlecht abschätzen, wie viel sich durch die geplanten Maßnahmen der Stadt überhaupt ändern würde.


    Blick von der Großen Ulrichstraße in die Große Nikolaistraße. Das dritte Haus auf der rechten Seite ist die Gaststätte "Wenzel". Das Gebäude ist teilweise von der Straße zurückgesetzt. Zu sehen ist der Freisitz davor. In dem roten Neubau auf der linken Seite befindet sich das "Hallesche Brauhaus", eine ebenfalls gut besuchte Gaststätte (Foto: paul muster, 9. September 2012, CC-BY-3.0)


    Gehen wir wieder in die Große Nikolaistraße hinein! Hier zeigt sich das besondere Flair der Halleschen Altstadt.


    Große Nikolaistraße 2, Gaststätte "Hallesches Brauhaus". Das Schild rechts gehört zum "Wenzel". Das Fachwerkhaus im Hintergrund ist Große Nikolaistraße 6, also das (zweite) Händel-Haus (Foto: Catatine, 18. April 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Große Nikolaistraße 3. Das ist praktisch gegenüber vom "Wenzel". Ein verfallenes Wirtschaftsgebäude aus dem 16. Jahrhundert, das zum Baudenkmal Kleine Klausstraße 16 gehört (Foto: Catatine, 18. April 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Kleine Klausstraße 16 (Foto: Tilman2007, 23. Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Zu DDR-Zeiten war hier eine Poliklinik drin. Mir macht der Zustand dieses und weiterer alter Gebäude in der Innenstadt mehr Sorgen als das Vorhandensein von Automobilen. Die Plattenbaumoderne hatte sich bis 1989 bereits in die unmittelbare Nachbarschaft vorgefressen.

    Villa1895

    Die Abbildung aus der Architektonischen Rundschau zeigt den Herkulesbrunnen (Herkulova kašna) im Königlichen Garten (Královská zahrada).


    Der Königliche Garten wurde ab 1534 auf der Anhöhe nördlich der Prager Burg angelegt. Die Angabe "Burgberg" von Exilwiener ist nicht richtig, da der Königliche Garten von der Burg durch den Hirschgraben (Jelení příkop), also durch das tief eingeschnittene Tal der Brusnice getrennt ist. Von der Burg aus ist der Garten nur über die Pulverbrücke zu erreichen. In West-Ost-Richtung erstreckt er sich von der Straße An der Pulverbrücke (U Prašného mostu) bis zum Königlichen Lustschloss (Královský letohrádek). An der Nordseite wird der Garten durch eine Mauer gegen die Straße Mariánské hradby (Marienschanze) abgegrenzt.


    Am Ostende des westlichen Gartendrittels befindet sich der sogenannte Mittlere Platz (Střední plac), der in früheren Jahrhunderten für höfische Spiele und Vergnügungen genutzt wurde. Er wird von den benachbarten Gartenbereichen durch niedrige Parapetmauern abgegrenzt. An seinem Südrand steht das 1567-1569 errichtete Große Ballhaus (Velká míčovna), das ebenfalls dem höfischen Spiel diente, am Nordrand ein Gittertor zur Straße Mariánské hradby. Der Herkulesbrunnen dient als Blickfang an der westlichen Parapetmauer. Daher wird der eigentliche Brunnen durch eine aufwendige Wandnische hinterfangen. Der Herkulesbrunnen ist nicht Mittelpunkt eines Gartenbereichs, sondern definiert eine Raumkante. Am Giebel findet sich die Datierung " ANNO MDCLXX", darüber die Initiale Kaiser Leopolds, die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies und der kaiserliche Doppeladler. Die Sandsteinskulptur "Herkules im Kampf mit dem Drachen" wurde 1670 von Johann Georg Bendl geschaffen, der uns bereits als Schöpfer der Mariensäule auf dem Altstädter Ring bekannt ist. Aus den Drachenmäulern sowie aus den Maskarons der oberen Brunnenschale ergießen sich feine Wasserstrahlen. Der Herkulesbrunnen ist ein erlesenes Werk des Frühbarock, eine festliche kleine Gartenarchitektur.


    Der Herkulesbrunnen im Königlichen Garten (Foto: Andrzej Otrębski, 26. September 2008, CC-BY-SA-4.0)


    Königlicher Garten, Herkulesbrunnen (Foto: Daniel Baránek, 28. Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Der Herkulesbrunnen (Foto: antigerme, 28. April 2013, CC-BY-3.0)


    Der Herkulesbrunnen (Foto: Jerzy Strzelecki, 1. Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Der Herkulesbrunnen (Foto: Qaalvin, 18. April 2011, CC-BY-3.0)


    Gartentor an der Straße Mariánské hradby (Marienschanze), dahinter der Mittlere Platz und das Große Ballhaus (Velká míčovna), an der rechten (westlichen) Parapetmauer der Herkulesbrunnen in Seitenansicht. Rechts hinter Bäumen die Kathedrale St. Veit

    (Foto: ŠJů, 28. November 2016, CC-BY-4.0)

    Das von Villa1895 präsentierte Haus steht am Beginn der Mozartstraße. Mozart war ein großer Musiker, und so befindet sich die Mozartstraße im Musikviertel. Wobei man mit solchen Schlüssen vorsichtig sein muss. Die Tschaikowskistraße liegt im Waldstraßenviertel.


    Das Wohnhaus Mozartstraße 1 wurde direkt gegenüber vom zweiten Gewandhaus errichtet. Das Konzerthaus und einige Bürgerhäuser in der Gegend sind Kriegsverluste. Das Haus Mozartstraße 1 aber steht noch. Das folgende Bild wurde vom Turm des Neuen Rathauses aus aufgenommen. Hinter dem Reichsgerichtsgebäude sehen wir links das moderne Eckhaus Lampestraße (das ist der Grünzug am linken Bildrand) / Mozartstraße. Und an dieses Eckhaus schließt rechts das Haus Mozartstraße 1 an. Dachzone und drittes Obergeschoss sind gut zu erkennen. (Über den Bildlink kann man auch eine Vergrößerung anwählen.)


    Blick vom Turm des Neuen Rathauses zum Reichsgericht und zum Musikviertel (Foto: Frank Vincentz, 16. Juli 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Das Mendelssohn-Ufer mit Blick zur Ecke Lampestraße (links) / Mozartstraße. Der Pleißemühlgraben ist hier, am Reichsgericht, freigelegt, in der Lampestraße noch verrohrt. Deshalb ist die so grün. Rechts neben dem Eckhaus ist unser Haus Mozartstraße 1 gut zu sehen. Am rechten Bildrand der Neubau des Geisteswissenschaftlichen Zentrums der Universität. Er steht auf dem Grundstück des kriegszerstörten Gewandhauses

    (Foto: Frank Vincentz, 7. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Blick über das Mendelssohn-Ufer in die Mozartstraße (links, dort das erste Haus ist Mozartstraße 1) und in die Beethovenstraße (rechts, am Rand das Reichsgericht, daneben die Universitätsbibliothek). Auf dem Grundstück zwischen Mozartstraße und Beethovenstraße stand einst das Gewandhaus mit dem Mendelssohn-Denkmal davor. Heute an der Stelle das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität. Der hellgraue Kasten davor gehört zur Tiefgarage am Bundesverwaltungsgericht (Foto: Martin Geisler, Mai 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Die Zweifarbigkeit der Fassade des Hauses Mozartstraße 1 ist auf die Verwendung von Rochlitzer Porphyr zurückzuführen. Dieses rötliche Gestein ist in der Leipziger Architektur sehr beliebt. Die Fassade des Hauses wurde später im Vergleich zu dem von Villa1895 präsentierten Entwurf etwas vereinfacht (vor allem Dachzone, Giebel, 3. OG sowie Verzicht auf Fenstergewände im Bereich zwischen den Erkern). In der an prächtigen Gründerzeitlern reichen Stadt Leipzig fällt das immer noch schöne Wohnhaus übrigens kaum auf.


    Hier noch ein Foto des ursprünglichen Zustandes:


    Das Haus Mozartstraße 1 (Abbildung aus Leipzig und seine Bauten, 1892)

    Händel-Haus


    Hier nochmal ein aktuelles Foto vom Händel-Haus mit dem neuen Eingang (Bildrechte: Thomas Ziegler / Händel-Haus)


    Zum Vergleich eine ältere Ansicht:


    Händel-Haus (Foto: DerHallenser, 27. April 2009, CC-BY-SA-4.0)


    Das eigentliche Händel-Haus ist das Eckhaus Große Nikolaistraße 5 (rechts) / Kleine Ulrichstraße (links). 1985 wurde das Nachbarhaus in der Großen Nikolaistraße 6 mit einbezogen. Das dortige Tor diente fortan als Haupteingang zum Museum und zum Konzertsaal. Das hat man aber später wieder geändert. Durch das Tor gelangt man in einen ganz netten Innenhof.


    Im Hof des Händel-Hauses, Blick zurück zum Tor Große Nikolaistraße 6 (Foto: Catatine, 10. Oktober 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Tür in der Tordurchfahrt rechts (auf das Foto oben bezogen) war früher der Museumseingang. Im Zuge eines späteren Umbaus mit Erweiterung wurde das wieder geändert. Durch Verlegung des Eingangs zur Haustür Große Nikolaistraße 5 entstand dann die als unbefriedigend empfundene Eingangssituation. Sie war nicht barrierefrei und wirkte verschlossen. So jedenfalls die Meinung der Museumsleute. Zur Lösung des Eingangsproblems wurde im Haus Große Nikolaistraße 5 das historisch belegte Tor wieder geöffnet und mit einer holzgerahmten Glastür versehen (vgl. meine früheren Beiträge dazu).


    Im Hof des Händel-Hauses (Foto: Catatine, 10. Oktober 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Im Hof des Händel-Hauses (Foto: Catatine, 10. Oktober 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Der Hof wird von drei historischen Flügeln begrenzt und wirkt trotz der nördlich angrenzenden modernen Bebauung angenehm und lauschig. Er wird gastronomisch genutzt.


    Im Hof des Händel-Hauses (Foto: Catatine, 10. Oktober 2016, CC-BY-SA-4.0)

    Man kann den Bau ja nach Leipzig translozieren. Dort würde er sich sicherlich ganz gut einfügen.

    Ja, vielleicht auf den Wilhelm-Leuschner-Platz. Allerdings passt die Fassade aufgrund ihrer ausgeprägten Regionaltypik der Harzregion eher nicht nach Leipzig.


    Braunschweig, Karstadt am Gewandhaus (Foto: Ziko van Dijk, 28. Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Auf jeden Fall ist es ein bemerkenswertes Gebäude und Gottfried Böhm einer der interessantesten Architekten Westdeutschlands. Ich würde dieses Gebäude jedenfalls aus diesem Strang heraustranslozieren, denn im Wettbewerb um das hässlichste Gebäude, wäre es völlig chancenlos.


    Braunschweig, Karstadt am Gewandhaus (Foto: Mattes, Juli 2006, public domain)


    Hier hat man sich doch sichtlich bemüht, das nahe dem Altstadtmarkt gelegene Gebäude in das historische städtebauliche Umfeld einzufügen.


    bitte sagt nicht, dass ihr das schön findet...

    Wie du siehst, habe ich deinen Wunsch respektiert. Freilich signalisierst du hier selbst, dass dieser Bau gewisse Qualitäten hat. Ich plädiere immer für eine differenzierte Bewertung der modernen Architektur. Wenn ich "schön" nicht sagen soll, dann eben nicht. "Schön" ist ohnehin nicht das Lieblingswort der Moderne-Fans. Ich finde, das Kaufhaus hat was.

    Oberbaumbrücke

    Mir gefällt das Gemälde von Gaertner besser als dein Foto. Die barocken Schlossfassaden, die Kuppel und die Schlossbrücke entstanden unter den Bedingungen einer bebauten Schlossfreiheit.


    "Weltbekannt" und "klassisch" sind Ausdrücke, die ich mit den Veduten und der Zeit Gaertners in Verbindung bringe.


    an der Nordseite ist es ein klobiger U-Bahneingang und früher nicht vorhandene Bäume

    Wo hättest du denn den U-Bahneingang platziert und wie hättest du ihn gestaltet? Das würde mich sehr interessieren.


    Ich mag übrigens Bäume. Auf Gaertners Bild gibt es auch Bäume. Das war wohl nicht "früher"?

    Es ist immer schön, wenn verschollene Kunstwerke wieder auftauchen und in öffentlichen Besitz gelangen. Ich glaube aber nicht, dass dieses Madonnenbildnis eines unbekannten Künstlers aus der Zeit um 1800 einen "prominenten Platz" im Humboldt Forum finden wird. Künstlerisch ist es drittklassig, ein typisches Werk fürs Museumsdepot, das vielleicht mal für eine Sonderausstellung hervorgeholt wird. In Bezug auf die Schlossgeschichte hat das Bild nur einen geringen Aussagewert. Möglich wäre, dass die SPSG das Gemälde in einem ihrer eigenen Schlösser zeigt. In jedem Falle ist es gut, dass es wieder da ist.

    Das Bauschild bezieht sich sicher auf das Stück der Ufermauer, das für den U-Bahn-Bau weggerissen und nun neu errichtet wurde.

    Falsch. Babber50 hatte extra den Link zu dem Ingenieurbüro gepostet. Für dich hier nochmal:

    Hier nähere Angaben der projektierenden AquaConstruct:


    https://www.aquaconstruct.de/uferwand-spreekanal/

    Die Uferwand wird neu gemacht, weil sie nicht mehr stabil war, und es geht um den Abschnitt zwischen der U-Bahnstrecke und dem Denkmalsockel. Kannst du anklicken und selber lesen.


    so dass in diesem Bereich nun kein Stück der Originalmauer mehr steht. War hier nicht mal zu lesen, dass die historische Ufermauer unter Denkmalschutz steht?

    Ja, die Uferbefestigung steht unter Denkmalschutz. Sie muss aber von Zeit zu Zeit erneuert werden. Die aktuelle Baumaßnahme dient nicht der Errichtung der Freitreppe. Das hatte mich auch überrascht, aber die Fakten sind so.


    Es geht also darum, die Uferbefestigung neu zu gründen. Über dem U-Bahntunnel wurde das in einer eigenen Baumaßnahme gemacht. Jetzt ist das Ufer daneben dran. Möglicherweise wird dort später eine Freitreppe errichtet. Das wäre dann wieder eine andere Baumaßnahme. Aber erstmal muss die Uferbefestigung stabil sein.


    Hier wird mit dem Aufzug und dann - noch schlimmer - den Bäumen ausgerechnet der "klassische" Schlossblick mit den Figuren der Schlossbrücke im Vordergrund verstellt werden. Die Bäume sind hier leider völlig falsch platziert. Wer den wohl weltbekannten Blick noch einmal genießen will, sollte das tun, bevor die Bäume dann dafür irgendwann zu groß werden

    Der "weltbekannte Blick" sieht so aus:


    Eduard Gaertner, Ansicht der Rückfront der Häuser an der Schloßfreiheit, 1855, Öl auf Leinwand

    Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie


    Die Häuserzeile wurde erst 1892-1895 abgerissen, um das Nationaldenkmal zu errichten. Der "klassische Schlossblick" ist also die Ansicht mit Häusern und Bäumen an der Schlossfreiheit.


    Die Planung von bbz Landschaftsarchitekten für U-Bahnausgänge, Aufzug und Bäume siehst du hier:

    bbz.la/projekt/freiraumgestaltung-umfeld-humboldt-forum


    Das sieht doch sehr luftig aus (im Vergleich zur Zeit vor 1892). Es ist auch wieder typisch, lieber Frank1204, dass du meine Frage, wo man den Aufzug denn hätte besser platzieren sollen, nicht beantwortest. Es hätte mich wirklich interessiert. Die Planer der U5-Verlängerung konnten sich um diese Frage nicht herumdrücken.


    Es geht doch darum, dass hier offensichtlich mit aller Macht versucht wird, die Schlossreko durch das Umfeld zu diskreditieren.

    So böse sind die Leute nicht. Wer moderne Gestaltungen ganz allgemein als zeitgemäß, zweckmäßig und schön empfindet - wie zum Beispiel die Senatsbaudirektorin und die Landschaftsarchitekten -, der ist nicht der Meinung, dem Schloss durch eine moderne Umfeldgestaltung zu schaden.


    Ich finde die Idee mit dem Uferbad ansprechend und kann nichts schlechtes daran sehen, das Schlossumfeld interessanter zu machen. Das Schloss soll doch nicht nur Touristen anziehen, sondern auch von den Berlinern angenommen werden.

    So kulturfeindlich, wie die Flussbad-Propaganda behauptet, sind "die Berliner" gar nicht. Es gibt viele Berliner, die die Häuser der Museumsinsel und das Schloss besuchen (werden). Berliner gehen auch in die Staatsoper, in Sprechtheater, besuchen diverse Ausstellungen usw. Es gibt auch Berliner, die sich an schöner Architektur erfreuen. Einige von ihnen sind hier im Forum aktiv. Viele Menschen wollen gerade deswegen in Berlin wohnen, weil es dort so viel Kultur und Sehenswürdigkeiten gibt. Und wer sind denn "Touristen"? Jemand, der aus Nauen oder Eberswalde in die Hauptstadt reinfährt, um Schlösser und Museen zu besuchen? Was ist von einem Besucher zu halten, der aus Baden-Württemberg anreist und mit seinen Steuern die Berliner Hochkultur subventioniert? Ist der nicht willkommen?


    Ich hätte eher ein Problem mit dem Sumpf der davor entsteht.

    Diese Schilfzone gefällt mir auch nicht. Sie soll nach den neuesten Planungen ein Stück stromaufwärts zurückgenommen werden, sodass sie etwas weniger stört.

    Mich befremdet die Tiefgarage am Rondell. Das hätte man sich echt sparen können.

    Hätte man nicht. Irgendwo muss es eine Einfahrt geben. Wenn die Höfe vom Autoverkehr freigehalten werden sollen, die Spreeterrasse ebenfalls, dann bleiben nur die Übergänge zwischen der Ostfassade und den Barockfassaden an Nord- und Südseite für Ein- und Ausfahrt. Dort im Osten des Schlosses waren infolge des Baus des Palastes der Republik keine historischen Keller mehr vorhanden. Da konnte man eine Tiefgarage und Anlieferungszone hinbauen. Denk nur mal daran, dass das Humboldt Forum eine ganze Menge Müll produziert! Du siehst aber nirgends Mülltonnen.

    Zum Umgang mit den Benin-Bronzen gibt es eine Pressemitteilung des SPK-Stiftungsrates.


    Die "Zeit" berichtet dazu in sachlichem Ton, ebenso berlin.de


    Die Art, wie die öffentliche Debatte zu Kolonialismus usw. geführt wird, provoziert Äußerungen wie oben von Heimdall , mithin also Desinteresse und Ablehnung gegenüber außereuropäischen Kulturen. Das ist schade, aber verständlich.


    Die Debatte in den ethnologischen Museen ist wiederum oft so kompliziert, dass viele potenzielle Museumsbesucher sie kaum verstehen werden. Schaut euch zum Beispiel mal die entsprechende Seite des Hufos an:

    humboldtforum.org/de/kolonialismus-und-kolonialitaet


    Das liest sich doch alles sehr sehr anstrengend. Mit solchen Texten kann nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten etwas anfangen. Das Humboldt Forum ist aber aufgerufen, ein breites Publikum anzusprechen.

    Das wichtigste Museumsstück sind ja tatsächlich die Fassaden.

    Das kann man so nicht sagen. Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin besitzen Sammlungen von Weltgeltung, die mit den rekonstruierten Schlossfassaden nichts zu tun haben. Was du eigentlich sagen willst, Neußer, ist doch, dass du dich für diese Museen nicht oder zumindest weniger als für barocke Architektur interessierst. Die Menschen haben eben unterschiedliche Interessen. Das Humboldt Forum wird aber sicherlich gut besucht werden. Trotz Restitutionen wird es genügend tolle Ausstellungsstücke geben. Die Debatte geht nicht um alles oder nichts.


    PS: Wirklich grotesk ist die Verknüpfung der Restitutions- und Kolonialismusdebatte mit dem Bundestagswahlkampf in diesem Jahr.

    Inzwischen werben fast alle Beteiligten für erste Rückgaben an die Herkunftsländer, das gilt auch für die zuständigen Politiker in den Regierungsparteien. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie ernst man es mit dieser Haltung meint – oder ob die neue Sensibilität nur dem Wahlkampf geschuldet ist und sich Ende September verflüchtigt.

    Der "Spiegel" hält es offenbar für kritischen Journalismus, Eulen nach Athen zu tragen. Wer die Museumsszene und den ethnologischen Diskurs verfolgt, erkennt, dass es sich bei dem Artikel um ein billiges Propagandamachwerk handelt. Der "Spiegel" ist vor allem gegen die Schlossreko. Alles was mit dem Berliner Schloss zu tun hat, wird deshalb auch abgelehnt. Die Journalisten schreiben von Beginn an gegen das Humboldt Forum.


    Provenienzforschung und der Dialog mit den Herkunftskulturen sind fortwährende Prozesse in ethnologischen Museen. Restitutionen kennt man in der Museumswelt seit vielen Jahren. Natürlich hat das Hufo ein Konzept. Was der "Spiegel" diesbezüglich schreibt, ist Nonsens. Zum Umgang mit den Benin-Bronzen gibt es längst eine Arbeitsgruppe der betroffenen Museen. Natürlich verschweigt das die "Spiegel"-Autorin und beruft sich allein auf Benedicte Savoy, die sich mit politisch motivierten Maximalforderungen profiliert.


    Es ist anzunehmen, dass einige der Benin-Bronzen im Original ausgestellt und einige nach Nigeria restituiert werden. Der Dialog läuft noch. Die Journalisten behaupten immer wieder, alle Fragen müssten bei Eröffnung des Hufos geklärt sein. Das ist Blödsinn. Das Humboldt Forum ist ein Prozess. Eine Diskursmaschine. Genau das macht das Humboldt Forum interessant. Die Auseinandersetzung mit Kolonialismus usw. findet im Humboldt Forum statt. Dazu ist es da.


    Wir haben zum Thema "Ausstellung im Humboldt Forum" hier auch einen eigenen Strang.