Posts by Rastrelli

    Gehen wir jetzt an das westliche Ende des Petrowskaja-Ufers.


    Troizkaja-Kapelle (часовня Троицы Живоначальной) und Grünanlage auf dem Troizkaja-Platz der Petrograder Seite

    (Foto: Наталья Филатова, Juni 2010, CC-BY-3.0)


    Der Dreifaltigkeitsplatz (Troizkaja-Platz) war im frühen 18. Jahrhundert das Zentrum der Stadt. Er liegt direkt östlich der Peter-Pauls-Festung. Der Name rührt von der ersten Kirche Petersburgs außerhalb des Festungsgeländes her. Das war die Troize-Petrowski-Kathedrale. Ich kann sie hier nicht zeigen, weil die Kommunisten sie 1933 abgerissen haben. Der Platz verlor nach der Oktoberrevolution seinen religiös begründeten Namen. Ab 1923 hieß er Platz der Revolution. 1991 erhielt er seinen alten Namen zurück. Zum Stadtjubiläum 2003 wurde die kleine Troizkaja-Kapelle errichtet. Sie erinnert an die zerstörte Kathedrale, hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit dieser. Es handelt sich hier nicht um eine Rekonstruktion, sondern um einen eigenständigen Entwurf von 2002, der gewisse Anleihen an der Isaakskathedrale nimmt. Die Platzgestaltung mit der Grünanlage stammt von 1948 und steht unter Denkmalschutz.


    Blick von der Troizki-Brücke auf den Troizkaja-Platz mit der Troizkaja-Kapelle. Rechts geht das Petrowskaja-Ufer ab

    (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Westseite der Troizkaja-Kapelle (Foto: MultiNatus, Mai 2013, CC-BY-3.0)


    Russische Kirchen sind zwar häufig turmartige Zentralbauten, sie sind aber immer geostet. Der Eingang für die Gläubigen ist im Westen. Diese Kapelle hat nach allen vier Himmelsrichtungen gleichartig gestaltete Portale. Links im Hintergrund das Haus der Politischen Gefangenen und der Palast des Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch am Petrowskaja-Ufer. Die Kapelle ist übrigens das Geschenk eines Bauunternehmens an die Stadt.


    Blick auf die Ostseite der Troizkaja-Kapelle, im Hintergrund die roten Mauern der Peter-Pauls-Festung (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Troizkaja-Platz, Westseite des Solowezki-Steins (Соловецкий камень) mit der Inschrift "Den Kämpfern für die Freiheit", im Hintergrund das Haus der Politischen Gefangenen (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Auf dem Platz gibt es ein Denkmal für die Opfer des kommunistischen Terrors. Die untere Platte wurde 1990 hier platziert, um ein kleines Erinnerungszeichen für die Opfer politischer Verfolgung in der Sowjetzeit zu haben. Diese Granitplatte wurde allein durch bürgerschaftliches Engagement, ohne Unterstützung durch die Behörden platziert. Gedacht war sie als Grundstein für ein größeres Denkmal, das mit Unterstützung durch die Stadt errichtet werden sollte. Die Politiker verloren aber schnell das Interesse. Schließlich nahmen Bürgerrechtler und Opfergruppen die Sache selbst in die Hand. Sie fuhren im August 2002 auf die Solowezki-Inseln. Der Klosterkomplex im Weißen Meer gilt als Synonym für den Gulag. Sie suchten dort nach einem geeigneten Granitfindling, brachten den 10,4 Tonnen schweren Stein nach Petersburg und setzten ihn eigenmächtig auf die Bodenplatte. Die Genehmigung für das Denkmal wurde erst nachträglich von der Stadt erteilt.


    Die Südseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Ich wünschte, ich könnte sie alle mit Namen nennen", von Anna Achmatowa

    (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die Ostseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Den Opfern des kommunistischen Terrors", im Hintergrund die Peter-Pauls-Festung

    (Foto: Lilotel, 21. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die Nordseite des Solowezki-Steins mit der Inschrift "Den Insassen des Gulag" (Foto: Visem, 3. August 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Die Bebauung der Ostseite des Troizkaja-Platzes, hinten das Haus der Politischen Gefangenen, Troizkaja-Platz 1, dann die beiden durch einen Übergang verbundenen Häuser Troizkaja-Platz 3 und 5 von 1956 (Foto: vgivanov, 31. Januar 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Zuletzt die beiden Prachtbauten von 1956 neun Jahre später und mit erneuertem Anstrich:


    Die Häuser Troizkaja-Platz 3 (rechts) und 5 (Foto: Ninaras, 27. Februar 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Fortsetzung folgt.

    Jetzt war schon so viel vom Petersufer die Rede. Nun wollen wir endlich ans Wasser. Ein paar Schritte von der Büste Peters I. entfernt erwarten uns hier zwei knuddelige chinesische Löwen, die "Schi-tsa".


    Petrowskaja-Ufer (Petrowskaja nabereschnaja), der westliche Löwe "Schi-tsa" (Ши-цза), im Hintergrund Troizki-Brücke und Isaakskathedrale

    (Foto: angelius1979, 22. Dezember 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Petrowskaja-Ufer, der östliche Löwe "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten um das Häuschen Peters I.

    (Foto: Климентьев Александр, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Ufermauer am Petersufer (Petrowskaja-Ufer) wurde im Vorfeld des Stadtjubiläums von 1903 mit Granit verkleidet. Die chinesischen Löwen aus mandschurischem Granit wurden 1907 beiderseits der Anlegestelle postiert. Sie waren um 1903 in der mandschurischen Stadt Jilin hergestellt worden. Der eigentlich vorgesehene Abnehmer verstarb 1904 plötzlich und unerwartet und gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges. Zu der Zeit war die Mandschurei noch in russischer Hand und auch die "Schi-tsa" gelangten in den Besitz der russischen Obrigkeit. Doch was mit den beiden Tieren anfangen? Ein General entschied sich, die Löwen Petersburg zu schenken und bezahlte die aufwendige Reise. Erst mit der Eisenbahn bis Wladiwostok und von dort mit dem Dampfschiff in die Hauptstadt. 1907 trafen sie ein. Der Russisch-Japanische Krieg war verloren und mit ihm die Mandschurei, aber die beiden Löwen waren für Russland gerettet. Die Inschrift am Sockel lautet:


    "Schi-tsa, aus der Stadt Jilin in der Mandschurei im Jahre 1907 nach Sankt Petersburg überführt. Ein Geschenk des Generals der Infanterie Nikolaj Iwanowitsch Grodekow"


    Der östliche "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten beim Häuschen Peters I. (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2013, FAL)


    Die grimmig dreinblickenden Löwen dienen in China als Wächterfiguren.


    Der westliche "Schi-tsa", im Hintergrund der Garten beim Häuschen Peters I. (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Blick über die Newa zum Petrowskaja-Ufer mit der Anlegestelle und den chinesischen Löwen "Schi-tsa"

    (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, 12. September 2015, FAL)


    Die Bäume gehören zum Park um das Häuschen Peters I. Dahinter erhebt sich das "Zweite Haus des Lensowjets", ein 1964 errichtetes Wohnhaus für verdiente Pateikader und Kulturschaffende. Bekannter ist der Riesenbau mit 48 Fensterachsen unter seinem inoffiziellen Namen "Adelsnest" (Дворянское гнездо). Scheinbar eine subtile Anspielung auf das Luxusdomizil der sowjetischen Nomenklatura. Der Name geht aber auf einen kleinen Laden zurück, den es dort zu Zarenzeiten gab. Links angeschnitten ein Palast in feinstem Neobarock, erbaut erst 1910 bis 1913 für Großfürst Nikolaj Nikolajewitsch den Jüngeren von dem Architekten Alexandr Chrenow (Александр Хренов).


    Blick über die Newa zum Palast des Großfürsten Nikolaj Nikolajewitsch d. J., rechts das Zweite Haus des Lensowjets (Adelsnest), links das Haus der Politischen Gefangenen (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2012, FAL)


    Heute residiert in dem Palast der Vertreter des russischen Präsidenten im nordwestlichen Föderationskreis.


    Haus der Politischen Gefangenen (Дом Политкаторжан), Troizkaja-Platz 1, Ecke Petrowskaja-Ufer
    (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Haus der Politischen Gefangenen an der Ecke vom Petrowskaja-Ufer zum Platz vor der Troizki-Brücke wurde 1931-1933 erbaut. Es diente als Wohnhaus für ehemalige politische Gefangene der Zarenzeit, Veteranen des politischen Kampfes also. Sie lebten dort in einer Kommune zusammen. Der stalinistische Terror bereitete dem 1937 ein jähes Ende. Eine traurige Geschichte. Das Haus gilt als bedeutendes Denkmal des Funktionalismus in Russland.


    Blick über die Newa zum Haus der Baltischen Flotte (Дом Балтфлота), dahinter der Fernsehturm

    (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, 12. September 2015, FAL)


    Östlich vom Häuschen Peters I. erhebt sich ein weiterer Großbau mit Wohnungen für die sowjetische Elite. Im Haus der Baltischen Flotte waren Marineangehörige untergebracht. Erbaut wurde es in den Jahren 1938 bis 1941 in einer frühen Form des Stalin-Empire (bitte französisch aussprechen). Zu dem Riesenbau gehören auch die Seitenflügel und ein großer Hof, in den man durch einen seltsam hohen, schmalen Durchgang gelangt. Auf dem Dach die Figuren eines Seemanns und eines Arbeiters, zwischen ihnen ein Schiffsrumpf.


    Haus der Baltischen Flotte, Mitteltrakt am Petrowskaja-Ufer (Foto: MultiNatus, Mai 2013, CC-BY-3.0)


    Petrowskaja-Ufer, Haus der Baltischen Flotte (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2013, FAL)


    Fortsetzung folgt.

    Als besonderer Schmuck des südlichen Gartenbereichs am Häuschen Peters I. wurde 1875 eine Büste des Zaren aufgestellt. Der Bildhauer Parmen Sabello (Пармен Забелло) schuf sie unter Verwendung einer Kopfvorlage aus dem 18. Jahrhundert.


    Büste Peters I. vor dem Häuschen des Zaren, Petrowskaja nabereschnaja 6 (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das Denkmal ist durch ein schönes Gitter eingefasst, dessen Ecken mit dem Zarenadler geschmückt sind.


    Die Büste Peters I. vor dem "Futljar" (Foto: A. Sdobnikov, Juli 2008, CC-BY-3.0)


    Der doppelköpfige Adler ziert auch die Torpfosten und die Eckpfosten des Gartenzauns. Hinter dem kleinen Häuschen des Zaren steht als Kontrastprogramm ein gigantischer Wohnblock aus der Nachkriegszeit.


    Die Büste Peters I. vor dem Häuschen des Zaren (Foto: angelius1979, 22. Dezember 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Das mittlere südliche Gartentor, dahinter Büste und Häuschen Peters I. (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das westliche Tor im südlichen Gartenzaun (Foto: 13243546A, 28. September 2010, CC-BY-3.0)


    Die Südwestecke des Gartenzauns (Foto: Irishka-01, Juli 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Der westliche Gartenzaun von Süden (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Hinter diesem äußeren Zaun liegt der innere Zaun von gleicher Gestaltung, der den engeren Gartenbereich um das Häuschen Peters I. umschließt.


    Fortsetzung folgt.

    Sinnentstellende Zitatverwendung.


    Ich hatte geschrieben:

    Aber hier geht es ja um Notre-Dame. Aus Sicht der Allgemeinheit wäre zu wünschen, dass der Landvermesser Z., der unzweifelhaft ein Landvermesser ist, nicht zum Zuge kommt. Denn das beste wäre doch eine genaue Rekonstruktion von Dach und Vierungsturm. Dazu wäre ein Architekturwettbewerb, der dann auch nicht der zweite, sondern der überhaupt erste in dieser Sache wäre, nicht erforderlich. Der Architekturwettbewerb war ja ursprünglich angedacht, um auszuloten, ob der Wiederaufbau in sichtbar veränderter Form erfolgen sollte. Eine denkmalpflegerische Rekonstruktion wäre aber die beste Lösung. Da unterstütze ich die Position von Dombaumeister Villeneuve und zahlreicher Kunsthistoriker.

    Die entscheidenden Punkte habe ich jetzt nochmal hervorgehoben. Die Alternative ist nicht: Zieten oder ein moderner Entwurf, sondern: Rekonstruktion oder ein neuer Entwurf. Ich bin für Rekonstruktion. In für die Allgemeinheit nicht sichtbaren technischen Details kann man vom Zustand vor dem Brand abweichen. Kriterium sollte dabei sein, dass sich praktische Verbesserungen ergeben. Die konkreten Details müssen Fachleute klären.


    Die äußere Gestalt der Kathedrale sollte meines Erachtens so wiederhergestellt werden, wie sie vor dem Brand war. Dein Turmentwurf im Zieten-Stil ist sehr schön. Es erschließt sich mir aber nicht, wieso die Turmgestalt von Viollet-le-Duc nicht rekonstruiert werden sollte. Weil der Architekt keine Lust dazu hatte, ist schon ein schwaches Argument. Ich halte es auch für fahrlässig, zu sagen, dem oberflächlichen Betrachter werde es kaum auffallen, dass das nicht mehr der Turm von Viollet-le-Duc ist. Das hieße ja: künstlerische Details sind nicht so wichtig. Doch, sind sie. Notre-Dame ist eine gotische Kathedrale. Der gotische Spitzbogen ist überall zu finden, auch am ursprünglichen Vierungsturm. Da kann man nicht plötzlich sagen: Ein Dreieck tut es auch.


    Den Zieten-Stil könnte ich mir gut bei Neubauten vorstellen. Beim Vierungsturm geht es aber um den Wiederaufbau eines Teils eines zum überwiegenden Teil vorhandenen historischen Bauwerks. Die Argumentation, hier müsse man neu entwerfen, man könne oder dürfe nicht rekonstruieren, ist die Argumentation der Modernisten. Sollten sich die Verantwortlichen für einen "Neubau" entscheiden, würden sie zweifellos einen Entwurf auswählen, der stärker von Viollet-le-Duc abweicht. Wer modernistische Verunstaltungen der Kathedrale verhindern will, sollte sich für eine Rekonstruktion einsetzen.

    Luxemburger

    Mach doch einfach einen eigenen Galeriestrang zu Petersburg auf! Es kann viele verschiedene Herangehensweisen an dieses Thema geben. Unterschiedliche persönliche Stile, Sichtweisen, Schwerpunkte. Das kann sehr interessant sein, hier mehrere Zugänge in verschiedenen Galeriesträngen nebeneinander zu haben.


    Da sich unsere Galerien und persönlichen Stile so stark voneinander unterscheiden, ist es besser getrennte Stränge zu haben.

    Das "Futljar" (футляр), also das Haus ums Häuschen, ist ein unverputzter Ziegelbau, dessen Wandflächen weitgehend in Fenster aufgelöst sind. Das eigentliche "Etui" für das kostbare petrinische Häuschen wurde 1844 von Roman Kusmin (Роман Кузьмин) erbaut. Es steht in einem kleinen Garten, der von einem weiteren Garten umgeben ist.


    Der Schutzbau ("Futljar") für das Häuschen Peters I., Ostseite des Gebäudes mit Blick nach Süden. Hinter dem Zaun liegt der zweite Garten zum Petersufer (Petrowskaja-Ufer, Petrowskaja nabereschnaja, Петровская набережная) hin. In der Ferne sind die Bäume des Sommergartens am gegenüberliegenden Ufer der Newa zu erahnen (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Die Westseite des "Futljars" mit Blick nach Süden (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Man sieht an den Seitenfassaden die für Petersburg typischen Fallrohre mit großem Trichter am oberen Ende und einem Anstrich in der Fassadenfarbe. Von 1844 stammen nur die drei mittleren Fensterachsen der Ost- und der Westseite. An der Nord- und an der Südseite befinden sich Anbauten. Diese Eingangsbereiche wurden 1889/90 angefügt. Für Russland eher selten ist die echte Ziegelsichtigkeit der Wände. Meist werden unverputzte Ziegelfassaden gestrichen. Hier ist das nicht der Fall. Es dürfte sich um eine Reminiszenz an die holländische Baukunst handeln, die Peter der Große über alles liebte. Die Anstückungen von 1889/90 im Norden und Süden sind am Außenbau durch kleine Unterschiede in der Ziegelfassade zu erkennen. Es fehlen die weißen Zierstreifen des Kernbaus. Man vergleiche auf dem Foto oben die Wände hinter den Fallrohren links und in der Mitte.


    Die Westseite des "Futlars" (Foto: Alexxx1979, August 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Das Dach des Gebäudes ist ein typisches Blechdach. In der Dachlandschaft hebt sich der 1844 über rechteckigem Grundriss errichtete Kernbau recht deutlich ab. Das Foto wurde vom zweiten Garten aus aufgenommen. Die schönen Grünanlagen und kunstvoll gestalteten Zäune aus Gusseisen gehören zu den Dingen, die für mich den besonderen Reiz Sankt Petersburgs ausmachen. Die Journalistin Jekaterina Borissowa hat ein besonders gutes Auge für die Parks ihrer Heimatstadt. Auf dem folgenden luftig zarten Frühlingsbild fängt sie die beiden hintereinander liegenden Zäune und die Westseite des "Futljars" ein.


    Blick von Westen auf das "Futljar" (Foto: Екатерина Борисова, 6. Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die Südseite des "Futljars" (Foto: Тулип, 1. Mai 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das Foto zeigt die drei Fensterachsen der Erweiterung von 1889/90 an der Südseite. Die Weggestaltung, der Giebel und das blaue Schild mit der Hausnummer links deuten auf einen Eingang hin. Er ist aber verschlossen. Der wahre, im Zuge der Erweiterung prächtig gestaltete Eingang befindet sich an der Nordseite.


    Die Nordseite mit dem Haupteingang zum Häuschen Peters I. (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Obwohl das Newaufer auf der Südseite liegt, heißt auch diese Straßenseite Petersufer. Die Eingänge stellen die gestalterischen Höhepunkte des prachtvollen Zauns dar, der in den Jahren 1871 bis 1875 um die ganze Anlage gezogen wurde. Über dem Hauptportal sehen wir eine Ikone und ein Kreuz. Sie zeugen davon, dass sich in dem Häuschen Peters I. lange Zeit eine Kapelle befand. Dafür hatte man die Schlafkammer des Holzhauses umgewidmet. Nach der Oktoberrevolution wurde die Kapelle geschlossen. Seit 1930 ist das "erste Haus der Stadt" als Museum öffentlich zugänglich.


    Der Haupteingang an der Nordseite (Foto: Perfektangelll, Juni 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Der Haupteingang an der Nordseite (Foto: Александр Гирёв, Juni 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Die Nordseite (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Meist werden solche Bilder mit "Häuschen Peters I." beschriftet. Zu sehen ist das Museum "Häuschen Peters I.", das als Filiale des Staatlichen Russischen Museums geführt wird. Das Häuschen selbst befindet sich - dem neugierigen Blick von außen entzogen - gut geschützt im Inneren des Ziegelbaus.


    Der Zaun an der Nordseite (Foto: Yanachka, 29. September 2007, public domain)


    Fortsetzung folgt.

    Danke, lieber Zieten, das sind interessante Ideen! Ich bin gespannt, was die Forumskollegen dazu sagen.


    Zum Vergleich stelle ich mal ein paar Bilder der Flêche von Viollet-le-Duc ein. Über die Bildlinks lassen sich - insbesondere für die Aufnahmen von Charles Marville - stark vergrößerte Versionen aufrufen.


    Notre-Dame de Paris, der Vierungsturm (flêche) von Südwesten (Foto: Jebulon, November 2011, CC0)


    Der neue Vierungsturm (flêche) von Viollet-le-Duc, Ansicht von Westen um 1860

    (Foto: Charles Marville, Abzug auf Albuminpapier, Library of Congress)


    Mittelschiffsdach und Vierungsturm von Westen, um 1860 (Foto: Charles Marville, Abzug auf Albuminpapier, Library of Congress)


    Das Baugerüst, um 1853 (Foto: unbekannter Fotograf, Charenton-le-Pont, médiathèque de l'architecture et du patrimoine, domaine public)

    Ich habe für den Kirchendachstuhl N-D und Basisbau des Vierungsturms nach dem Vorbild Eiffelturm eine historische Eisenkonstruktion (kein Stahl) gewählt, und zwar Schmiedeeisen, das beim Eiffelturm nach dem "Puddelverfahren" hergestellt wurde.

    Das ist ein interessanter Gedanke. Könnte man denn heute noch irgendwo nach dem Puddelverfahren produzieren? Oder denkst du an ein Eisen mit ähnlichen Eigenschaften, das auf einer moderneren Anlage produziert wird?


    Diese Vorgänge stehen auch nicht in der Sensationspresse, auch nicht meine Vorschläge, die sich eng an Viollet le Ducs historisierende Turmversion anlehnen, ohne seinen neogotischen Stil zu kopieren.

    Wie darf ich mir denn das vorstellen? Eine genaue Rekonstruktion der flêche von Viollet-le-Duc sollte man doch anstreben. Dies ist zumindest meine bescheidene Meinung. Die flêche trägt ja doch nicht unmaßgeblich zum äußeren Erscheinungsbild der Kathedrale bei. Mit den Apostelfiguren sind wesentliche Originalteile erhalten. Der ganze Turm ist bestens dokumentiert. Warum also beim äußeren Erscheinungsbild von Viollet-le-Duc abweichen?


    Das innovative Holzverdichtungsverfahren wurde Anfang 2018 von amerikanischen Forschern erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Bis zur Serienreife und Produktion dauert es üblicherweise immer etwas länger.

    Was die innere Konstruktion betrifft, denke ich auch, dass man da nicht alles genauso machen muss, wie es früher war. Dennoch überrascht es mich, dass du als erklärter Gegner der Modernisten auf einen supermodernen Werkstoff setzen willst, der noch gar nicht auf dem Markt ist. Warum ausgerechnet diesen? Gibt es wirklich keine bewährten Materialien für diese Bauaufgabe?


    Für die Eindeckung des Dachs, hast du geschrieben, möchtest du wieder Blei verwenden. Die Frage wird ja kontrovers diskutiert. Wie siehst du denn die Alternative zwischen Bleidach und Kupferdach?


    Solche konkreten Fragen sind für unser Forum interessant, und da können wir sicher einiges von dir lernen. Wütende Tiraden gegen irgendjemanden sind dagegen langweilig. Und wer im Allgemeinen Wert auf Höflichkeit legt, sollte eigentlich keine Schwierigkeiten mit einem sachlichen Umgangston haben.

    Kafka als Autor, der unumstößliche Wahrheiten verkündet. Das ist schon drollig. Und wenn ursus meint, zu wissen, was Kaoru denkt und was Rastrelli denkt, dann geht er dabei aus literaturwissenschaftlicher Sicht so unsauber vor, dass es schon weh tut. Das bezieht sich auf seinen Umgang mit Texten von Kafka wie der beiden Mitforisten.


    Aber hier geht es ja um Notre-Dame. Aus Sicht der Allgemeinheit wäre zu wünschen, dass der Landvermesser Z., der unzweifelhaft ein Landvermesser ist, nicht zum Zuge kommt. Denn das beste wäre doch eine genaue Rekonstruktion von Dach und Vierungsturm. Dazu wäre ein Architekturwettbewerb, der dann auch nicht der zweite, sondern der überhaupt erste in dieser Sache wäre, nicht erforderlich. Der Architekturwettbewerb war ja ursprünglich angedacht, um auszuloten, ob der Wiederaufbau in sichtbar veränderter Form erfolgen sollte. Eine denkmalpflegerische Rekonstruktion wäre aber die beste Lösung. Da unterstütze ich die Position von Dombaumeister Villeneuve und zahlreicher Kunsthistoriker. Der Landvermesser Z. strebt hingegen nach eigenen Angaben nur eine Annäherung an den Vierungsturm von Viollet-le-Duc an. Auch sein Vorhaben, für nichtsichtbare konstruktive Teile ein neuartiges Material einzusetzen, das noch nicht langfristig erprobt ist, halte ich nicht für unterstützenswert.


    Edit: Ich habe gerade den Beitrag von Kaoru gelesen. Ich weise, darauf hin, dass ich mich gestern auf ihren Text bezogen habe. Und der lässt erheblichen Interpretationsspielraum zu, genauso wie mein Beitrag.

    Eine wundervolle Galerie! Selbst die modernen Gebäude gefallen mir. In einer großen Stadt mit so vielen alten Häusern finde ich es ganz reizvoll, wenn etwas Modernes dazwischen ist. Zur Abwechslung.


    Stockholm erinnert mich an Prag.

    Haha - viele Schweden findest Stockholm viel zu gross aber im Vergleich mit London und New York deutlich bescheidener.

    Das ist bei den Tschechen auch so. Viele Tschechen wohnen ja in kleinen Orten auf dem Lande und halten die Hauptstadt Prag für einen riesigen Moloch. Es kommt eben auf den relativen Größenunterschied an. Ich empfinde Städte der Größe von Stockholm oder Prag als zum Leben sehr angenehm. Größer muss nicht sein. Beide Städte sind in ihrer Urbanität herrlich.

    Für die, die Kafka nicht so gut kennen:

    Ob K. wirklich Landvermesser ist oder nicht, lässt sich nicht eindeutig aus dem Romanfragment ableiten. Max Brod verwendet in seinem Nachwort zum Roman die Formulierung „der angebliche Landvermesser“. Der weitere Verlauf des Romans weckt Zweifel an der Glaubwürdigkeit K.s, insbesondere an seinem beruflichen Status.

    Wir sind hier in einem Diskussionsforum. Es funktioniert nicht, abstruse Thesen in verkürzter eigener Formulierung als Tatsachenbehauptung zu verkünden. Und wenn dann Kritik kommt, behauptet ein anderer Forist, es sei nur Ironie gewesen. Was zählt, ist auf dem Platz, wie die Fußballphilosophen wissen. Auf ein Internetforum übetragen: Was zählt, ist das geschriebene Wort. Nicht irgendwelche Hintergedanken, die der Forist mutmaßlich hat.


    Suebicus und Heimdall haben sich in ihren Beiträgen kritisch mit Thesen auseinandergesetzt, die sie sich ausdrücklich nicht zu eigen machen. Das ist der richtige Weg. Da ist jedem Leser klar, was gemeint ist, und es ergeben sich Anknüpfungspunkte für eine Diskussion. Platz und Solinger haben aber etwas ganz anderes gemacht, und selbst bei Königsbau findet sich eine solche unsinnige Tatsachenbehauptung:

    Immerhin wissen wir, dass mit Rekonstruktionen "rechte Räume" entstehen.

    Immerhin relativiert er das im nachfolgenden Satz, startet dann aber einen Angriff gegen Andreas, der völlig absurd ist:

    Immerhin wissen wir, dass mit Rekonstruktionen "rechte Räume" entstehen. Jedenfalls stand das in diversen Qualitätsmedien. Damals habe ich von Andreas dazu keine vergleichbare Empörung vernommen.

    So kann ein Diskussionsforum nicht gelingen.


    Nachtrag: Ich habe gerade die Diskussion zwischen Heimdall und Andreas gelesen. Da seht ihr, wie es funktioniert. Die beiden kommen ins Gespräch. Es werden Argumente ausgetauscht.

    Es gibt noch keinen Architekturwettbewerb. Ich verweise auf einen Beitrag von mir vom 6. April:

    Zwei Tage nach dem Brand war ein Architekturwettbewerb angekündigt worden. Darum ist es inzwischen still geworden. Eventuell gibt es einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Parvis (Vorplatzes).

    Zum weiteren Vorgehen:

    Villeneuve wollte bis Juni einen Schadensbericht erstellen. Das wird sich wohl verzögern. Dieser Bericht wird Grundlage der weiteren Maßnahmen sein. Denn man muss erst mal wissen, wie belastbar die baulichen Strukturen sind. Man muss auch überlegen, wie man die Bleireste entfernt usw.

    Bevor der Wettbewerb nicht offiziell gestartet ist, kann "VON ZIETEN" kein "Wettbewerbsteilnehmer" sein.

    Die Gemeinde Grabfeld erstreckt sich südlich von Meiningen bis zur früheren innerdeutschen Grenze. Sie umfasst zwölf kleine Dörfer, von denen keines genug Stoff für einen eigenen Strang bieten würde. Deshalb bitte ich, alle das Gemeindegebiet betreffenden Beiträge künftig hier in dem neuen Thema "Gemeinde Grabfeld" unterzubringen. Die überregional bekanntesten Dörfer (Ortsteile) von Grabfeld sind sicherlich Bauerbach (aufgrund der Verbindung zu Friedrich Schiller) und Bibra (aufgrund der Verbindung zur Tilman Riemenschneider).


    Im ersten Beitrag geht es um Bauerbach. Das dortige Schillerhaus wurde am 26. Juni nach umfangreicher Restaurierung wiedereröffnet.


    Bericht des MDR


    Infos der Klassik Stiftung Weimar (mit schönen Bildern)


    Das Schillerhaus ist nach der Restaurierung kaum wiederzuerkennen. Der Fachwerkbau erhielt seine historische Putzfassade zurück. Dieses Foto:


    Bauerbach (Gemeinde Grabfeld), Ansicht des Schillerhauses vor der Restaurierung (Foto: Winfried Gänßler, Mai 2005, CC-BY-SA-3.0)


    ... und dieses aktuelle Foto der Klassik Stiftung (Link zu einer größeren Ansicht) zeigen die gleiche Seite desselben Hauses.


    Es gibt historische Ansichten des verputzten Schillerhauses wie zum Beispiel:


    "Schiller-Asyl in Bauerbach", Abbildung aus der Gartenlaube, 1860


    ... oder diese Wanduhr aus der Zeit um 1860, die im Schillerhaus Bauerbach gezeigt wird. Das Bild kann vergrößert werden.


    Die Putzfassade, die mit traditionellem Haarkalkputz – handgeputzt mit bewegter Oberfläche – ausgeführt wurde, geht auf historische Darstellungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Das bisher sichtbare Fachwerk des Museums war erst in den 1960er-Jahren freigelegt und mit aufgesetzten Zierelementen ergänzt worden. In der Folgezeit beschädigten Holzschädlinge und Feuchtigkeit das Fachwerk besonders im Erdgeschoss schwer.


    Für die Sanierung des Hauses 2019/20 wurden 920.000 Euro aus Thüringer Landesmitteln ausgegeben.


    Pressemitteilung der Klassik Stiftung Weimar (dort Link zu schönen Pressebildern)


    Bauerbach war nach Schillers Flucht aus Württemberg dessen erster Wohnort in Thüringen (von Dezember 1782 bis Juli 1783). Hier schrieb er "Kabale und Liebe". Aus seiner Zeit blieb noch ein weiteres Haus erhalten, das in dem MDR-Filmbericht kurz zu sehen ist, der Gasthof Zum braunen Roß.


    Bauerbach, Gasthof Zum braunen Roß (Foto: Störfix, September 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Wählt man über den Bildlink die Vergrößerung an, so kann man die Sprüche an der Fassade lesen. Solche Häuser machen einfach Spaß.


    Das Schillerhaus wird vom örtlichen Schillerverein betreut. Er bietet einen schön bebilderten Rundgang durchs Haus.

    "Tempel der göttlichen Vorhersegung"...soso.

    Auf Polnisch klingt der Name besser: Świątynia Opatrzności Bożej. Das Wort "świątynia" hat im Polnischen eine andere Bedeutung als das deutsche Wort "Tempel". Es steht allgemein für "Heiligtum", "Gotteshaus", "Sanktuarium", letztlich für einen Sakralbau an sich und wurde auch schon früher als alternative Bezeichnung für katholische Kirchen verwendet. "Tempel" ist im Deutschen hingegen nur für nichtchristliche Sakralbauten in Gebrauch.

    Schrecklich in welche Richtung sich dieses Land seit der Wende entwickelt hat.

    Das Projekt wird schon seit 1791 verfolgt. Und überdies: Polen ist vielfältig. Das gilt für die Gesellschaft ebenso wie für die Architektur.


    (Ich stelle mir gerade vor, ein ausländisches Architekturforum entdeckt ein modernes Gebäude in Deutschland, sagen wir: die neue BND-Zentrale in Berlin. Und dann schreibt in dem anderen Forum jemand: "Schrecklich, in welche Richtung sich Deutschland seit der Wende entwickelt hat". )


    Wirklich zum davonlaufen und hat mit dem Thema des Forums auch überhaupt nichts zu tun.

    Ich halte das für Architektur mit einem gewissen Anspruch. Sowas gehört ins Forum. Kontrovers diskutiert werden hier viele Bauten.


    Wenn man denn unbedingt einen "bemerkenswerten Monumentalbau" in Polen sucht

    Nein, hier geht es um Warschau, nur um diese eine Stadt. Da gibt es genug zu entdecken. Für Danzig haben wir einen eigenen schönen Strang.


    Danke, Wikos , dass du uns auf diesen interessanten Bau aufmerksam gemacht hast! Ich habe den Eindruck, dass die Ablehnung dieses Gebäudes hier zum Teil auf einer sehr deutschen Sichtweise beruht. Polen hat eine eigenständige Kultur, mit eigenen Traditionen und einer ganz anderen Geschichte als Deutschland. Respekt vor anderen Nationen und Kulturen ist für mich grundlegend. Schon ein flüchtiger Blick auf den umfangreichen polnischen Wikipedia-Artikel zur Kirche der Göttlichen Vorsehung in Warschau sagt mir, dass hier vielfältige kulturgeschichtliche Bezüge zu berücksichtigen sind. Eine eigene Bewertung dieses Bauwerks traue ich mir daher auch erst später zu.

    Wiedererrichtung der Mariensäule auf dem Altstädter Ring (Teil 4)


    Und nun das Finale! Eine Stunde nach dem letzten Bild schwebt das Kapitell in die Höhe.


    Das Kapitell mit der Plinthe wird angehoben (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 14:48 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Es schwebt seinem Ziele entgegen (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 14:54 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Nachdem das Kapitell seinen Platz auf dem Säulenschaft eingenommen hat, folgt die Marienfigur.


    Die Marienfigur wird vom Kran angehoben. Petr Váňa ist am Kran angeseilt und steigt zusammen mit der Figur in die Höhe. Im Hintergrund das Altstädter Rathaus (Foto. Petr Šálek, 4. Juni 2020, 15:17 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Sein Kollege steigt ganz klassisch mit der Arbeitsbühne in die Höhe (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 15:30 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Wolken sind aufgezogen, doch das große Werk kann glücklich zu Ende gebracht werden (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 15:30 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Geschafft! (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 15:49 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Das Aufsetzen der Marienfigur hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert.


    Kapitell und Figur der Mariensäule auf dem Altstädter Ring, im Hintergrund der Giebel der Teynkirche mit Kelch und Hostie sowie Mondsichelmadonna (Foto: Gampe, 7. Juni 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Detail des Sockels, im Hintergrund die Teynschule (Foto: Gampe, 7. Juni 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Die Mariensäule (Mariánský sloup) auf dem Altstädter Ring (Foto: Mojmír Churavý, 15. Juni 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Restarbeiten sind noch zu erledigen. Die Tafeln am Bauzaun informieren auf Tschechisch und Englisch über die Mariensäule. Die Figuren kämpfender Engel auf den Eckpodesten fehlen noch. Zum Abschluss eine historische Ansicht, die mit Hilfe des Bildlinks auch vergrößert werden kann:


    Die Mariensäule auf dem Altstädter Ring um 1900, Foto aus dem Prager Verlag Carl Bellmann (ohne genauere Quellenangabe)


    Später mache ich dann noch einen Beitrag mit Hintergrundinformationen.

    Wiedererrichtung der Mariensäule auf dem Altstädter Ring (Teil 3)


    Nun die Fortsetzung. Das letzte Bild war von 08:26 Uhr. Zwei Stunden später schwebt Maria in den Himmel empor.


    Die Marienfigur wird durch den Kran angehoben, rechts der Dachreiter der Teynkirche (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 10:27 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Sie landet wohlbehalten auf der Celetná ulice (Zeltnergasse), rechts Petr Váňa, hinter dem Kranhaken die Teynkirche

    (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 10:32 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Von der Celetná ist es nur ein kurzer Weg bis zum Altstädter Ring. Wie wir sehen, ist das Medieninteresse groß. Auf dem Platz angekommen spricht Váňa mit den Journalisten.


    Auf dem Altstädter Ring, Petr Váňa spricht mit Journalisten, im Hintergrund das Altstädter Rathaus

    (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 11:14 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Petr Váňa im Gespräch mit dem Erzbischof von Prag, Dominik Kardinal Duka. Der Herr hinter Duka ist der Kunsthistoriker Jan Royt

    (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 13:07 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Ich hatte vor Jahren die Ehre einer persönlichen Begegnung mit Dominik Duka. Er war damals noch Bischof von Königgrätz (Hradec Králové). Sein Dienstwagen war ein bescheidener kleiner Škoda, wie ihn fast jeder in Tschechien fuhr. Duka sprach über die Verhandlungen mit dem Staat zur Rückgewinnung kirchlicher Besitzungen. Die katholische Kirche war in der kommunistischen Tschechoslowakei stark zurückgedrängt worden. Die Kommunisten konnten dabei auch die traditionell antikatholische Orientierung des tschechischen Nationalismus ausnutzen. Daher hatte die katholische Kirche auch in der demokratischen Tschechischen Republik nach 1993 einen schweren Stand. Das Interesse des Staates, enteigneten Kirchenbesitz zu restituieren, war gering. Ich hätte damals nicht gedacht, dass die Mariensäule irgendwann auf den Altstädter Ring zurückkehren würde. Ein großer Erfolg für den tschechischen Katholizismus!


    Der Kunsthistoriker Prof. Jan Royt ist Prorektor an der Karlsuniversität und Spezialist für die christliche Kunst des Barock.


    Fünf Minuten später wird die Marienfigur probeweise auf die Plinthe gestellt, die zusammen mit dem Säulenkapitell aus einem einzigen Sandsteinblock gehauen wurde. Es ist wichtig, dass alles passt und die Figur sicher steht. Die Mariensäule ist bis dahin einschließlich des Säulenschaftes fertig. Das Kapitell, das die Marienfigur trägt, muss noch aufgesetzt werden - und danach die Marienfigur selbst.


    Die Marienfigur wird - noch am Boden - probeweise mit der Plinthe verbunden. Ganz links mit prüfendem Blick Petr Váňa

    (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 13:12 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Die Marienfigur steht auf der Plinthe des Kapitells. Petr Váňa schlägt Öffnungen in den Stein, in denen Drachenflügel aus Kupferblech befestigt werden. Sein Kollege bringt gerade einen Flügel, der noch verpackt ist (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 13:32 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Maria wartet auf ihre Erhebung. Hinter der Gloriole das Haus zur Steinernen Glocke, rechts die Teynkirche

    (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 13:50 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Und damit ist es Zeit für einen weiteren Cliffhanger. Fortsetzung folgt.

    Wiedererrichtung der Mariensäule auf dem Altstädter Ring (Teil 2)


    Ich möchte nun meine Beitragsserie zur Mariensäule auf dem Altstädter Ring fortsetzen. Das Wichtigste gleich zu Anfang:


    Seit dem 4. Juni 2020 steht die Mariensäule wieder auf dem Altstädter Ring.


    Nun eine Bilderstrecke zum Wiederaufbau:


    Der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) am 24. März 2020, leergefegt durch die Corona-Krise, links das Husdenkmal, rechts die Baustelle der Mariensäule mit bereitliegenden Sandsteinblöcken, dahinter das Palais Goltz-Kinsky und das Haus zur Steinernen Glocke

    (Foto: Tadeáš Gregor, 24. März 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Blick zur Baustelle am 1. April 2020. Eine mobile Toilette hat sich zu den Sandsteinblöcken hinzugesellt

    (Foto: Aktron, 1. April 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Blick zur Baustelle am 1. April, im Hintergrund Teynschule und Teynkirche sowie rechts die Platzfront zwischen Celetná und Železná

    (Foto: Aktron, 1. April 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Die Baustelle am 12. Mai. Der Aufbau des Sockels ist fast abgeschlossen. Im Hintergrund die Nikolauskirche und der Beginn der Pařížská třída

    (Foto: Aktron, 12. Mai 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Der Sockel am 12. Mai, im Hintergrund das Husdenkmal (Foto: Aktron, 12. Mai 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Die Baustelle am 28. Mai. Nun steht auch die Balustrade. Im Hintergrund Nikolauskirche und Pařížská třída. Witzig: Durch die Öffnung im Sockel schaut Jan Hus zu uns herüber (Foto: Svenkaj, 28. Mai 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Die einzelnen Teile der Mariensäule waren schon vor längerer Zeit fertiggestellt worden. Die Marienfigur hatte eine würdige Aufstellung an der Südseite der Teynkirche gefunden.


    Die interimistische Aufstellung der Marienfigur an der Südseite der Teynkirche (Foto: Peter Bútora, 15. November 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Die Stelle ist von der Celetná aus zugänglich. Der Säulenersatz aus blauen Stahlträgern war eine schöne Zwischenlösung. Von dort oben musste die Maria am 4. Juni 2020 heruntergeholt werden.


    Die Marienfigur vor der Südseite der Teynkirche (Foto: Enfo, 13. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Das Foto oben entstand vor acht Jahren. Die Kopie der Marienfigur ist ein Werk des Bildhauers Petr Váňa. Am Morgen des 4. Juni 2020 war es endlich soweit. Petr Váňa stieg zu seiner Maria hinauf, um sie vorsichtig abzuseilen.


    Der Bildhauer Petr Váňa (links) bereitet zusammen mit einem Kollegen den Abtransport der Marienfigur von ihrem provisorischen Aufstellungsort an der Südseite der Teynkirche vor (Foto: Petr Šálek, 4. Juni 2020, 08:26 Uhr, CC-BY-SA-4.0)


    Hier ist es Zeit für einen Cliffhanger. Fortsetzung folgt.

    Lenin in Gelsenkirchen. Nun wurde dieses neue Denkmal hier bereits zum dritten Mal gemeldet. Der erste war Maecenas:

    Gleichzeitig sorgen die radikalen Deutungsmonopolisten schon fleißig dafür, dass jetzt ihre Idole ein Denkmal bekommen. In Gelsenkirchen gibt es jetzt neuerdings ein Lenin-Denkmal. Als nächstes in ein Marx-Denkmal geplant. Sodann könnten eigentlich noch Honecker und Mielke folgen...

    Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) ist eine Kleinstpartei, die bei Bundestags- und Landtagswahlen stets unter 0,5 Prozent bleibt. Weil wir in Deutschland Demokratie haben, wird diese Partei nicht verboten. Und weil ihr das Grundstück in Gelsenkirchen gehört, auf dem ihre Parteizentrale steht, konnte die Stadt die Aufstellung des Lenindenkmals nicht verhindern. Die MLPD konnte sich vor Gericht durchsetzen.


    Nun kenne ich Gelsenkirchen zwar nicht, aber ich glaube nicht, dass die MLPD-Zentrale das beherrschende Gebäude der Stadt ist. Die Leninstatue ist zwar öffentlich sichtbar, aber sie steht auf einem Privatgrundstück, nicht auf einem öffentlichen Platz. Der Lenin ist doch leicht als Werbegag einer Partei zu identifizieren.


    Honecker und Mielke erhalten ganz sicher kein Denkmal, weil die es vermasselt haben. Solchen Verlierertypen errichtet man keine Denkmäler. Dass Marx noch aufgestellt werden soll, kann bei Leuten, die sich "Marxisten-Leninisten" nennen, kaum verwundern. Für die sind Marx und Lenin Vordenker. Gelsenkirchen wird es überleben.


    Dass eine kommunistische Kampfpartei alter Schule das "Deutungsmonopol" in Deutschland hat, wäre mir neu. Habe ich was verpasst? Herrscht in Deutschland die "Diktatur des Proletariats"? Sind die Produktionsmittel vergesellschaftet, die Kapitalisten entmachtet? Ist die "Rote Fahne" das Leitmedium der "Räterepublik"? Meines Wissens nicht. Die MLPD gehört nicht zum irgendwie linken Mainstream. Sie sollte nicht mit grün-links, neuer Linke oder Linkspartei in einen Topf geworfen werden.


    Die Neuaufstellung eines Lenindenkmals im heutigen Deutschland lehne ich auch ab. Dass dies nun ausgerechnet in diesen Tagen geschieht, dürfte Zufall sein.


    Übrigens: Karl Marx hatte den Spitznamen "Mohr".

    Die Grüne Apotheke, benannt nach der Fassadenfarbe, ist als Institution wesentlich älter als das aktuelle Gebäude. Die Apothekengeschichte kann im Detail hier nachgelesen werden: gruene-apotheke-bernburg.de

    (Es geht dabei aber hauptsächlich um die Apotheker und die Pharmazie, nur am Rande um das Gebäude.)


    Das Gebäude der Grünen Apotheke wurde 1775 errichtet und steht seit 1929 unter Denkmalschutz. In den Jahren 1984-1988 wurde es restauriert. Bei oberflächlicher Betrachtung des alten Fotos von Villa1895 , das von 1996 ist, mag man es kaum glauben. Das Dach ist jedoch in recht gutem Zustand. Auch die plastischen Fassadenelemente und die Fenster sind für DDR-Maßstäbe recht ordentlich. Die Fassadenfarbe war eventuell nicht ganz stabil. Störend wirkt besonders der schmutziggrüne Farbstreifen über dem Sockel. Das könnte eine Übermalung sein, um Verschmutzungen zu kaschieren. Zum Jahreswechsel 1996/97 ging das Gebäude in den Besitz der Apothekerfamilie Frenzel über.


    Im Museum Schloss Bernburg wird eine Porzellantasse aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aufbewahrt, die ein sehr genaues Abbild der Grünen Apotheke überliefert. Der Porzellanmaler hat lediglich auf die Darstellung der Reliefs in den Türgiebeln und über dem Fenster der Mittelachse verzichtet. Nach der jüngsten Restaurierung, die spätestens 2008 abgeschlossen worden sein muss, präsentiert sich die Grüne Apotheke so wie auf dem Tassenbild.


    Tasse mit Ansicht der Grünen Apotheke in Bernburg, 1. Drittel des 19. Jahrhunderts

    © Museum Schloss Bernburg, CC-BY-NC-SA


    Bernburg, Breite Straße 115, Grüne Apotheke (Foto: Tilman2007, April 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Die Grüne Apotheke (Foto: Global Fish, Oktober 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Das rechte Portal der Grünen Apotheke mit dem Wappen von Anhalt-Bernburg im Giebel (Foto: Tilman2007, April 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das mittlere Portal der Grünen Apotheke (Foto: Tilman2007, April 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Heute befindet sich der Eingang zur Apotheke hier und nicht mehr rechts. Die Inneneinrichtung der Apotheke wurde im Laufe der Zeiten immer wieder erneuert und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst.


    Eingang zur Grünen Apotheke (Foto: Marcela, Dezember 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Die Grüne Apotheke in der Breiten Straße, im Hintergrund der Turm der Marienkirche (Foto: Marcela, Dezember 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Die Sanierung ist vorbildlich. Hier stimmt einfach alles. Die steinernen Gewände wurden gestrichen. Es wurde ein mineralischer Anstrich gewählt. Man hat mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Unter anderem wurden die Fallrohre in der Fassadenfarbe gestrichen. Für die Dachdeckung wurden passende Dachziegel gewählt (falls überhaupt umgedeckt wurde).