Posts by Rastrelli

    Ich finde den Text von Mitteschön gut. Es ist doch richtig, bestimmte Dinge nochmals in Erinnerung zu rufen.


    Der Wiederaufbau der Garnisonkirche war von Anfang an ideologisch besonders umkämpft. Das Zeug, eine zweite Frauenkirche zu werden, hatte die GK nie. Man hat versucht, diese Analogie herbeizureden, aber wirklich verfangen hat sie nie. Das Problem des GK-Projektes ist, dass es von einer verzagten, wankelmütigen und uneinigen Kirche getragen wird statt von einer breit aufgestellten Bürgerstiftung. Der entscheidende Fehler war dann, die Nutzung des Rechenzentrums durch "Kreative" zuzulassen, statt es abzureißen. Hinzu kommt, dass Potsdam einen schlechten Oberbürgermeister hat. Für Heimdall scheint ein unabänderlicher Zeitgeist zu walten. Dabei kann man konkrete Personen und Fehlentscheidungen benennen.


    Bezüglich des von Maecenas erwähnten Staudenhofs bin ich nicht so pessimistisch. Das ist ein simples Wohnhaus und hat zudem für bestimmte Gruppierungen nicht die Funktion, ein symbolisch überfrachtetes Bauprojekt zu verhindern. Das Institut für Lehrerbildung wurde bereits abgerissen. Sowas geht also auch in Potsdam. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Kirchturm in Ruhe weitergebaut werden kann und dann positiv in den Stadtraum ausstrahlt - selbst wenn der bauplastische Schmuck noch nicht vollständig ist. Dass das Rechenzentrum dauerhaft erhalten bleibt, sehe ich noch nicht. Ich bin eben Optimist.

    Hört doch mal bitte auf, für irgendwelche ideologischen Übertreibungen Propaganda zu machen! Wie schnell setzt sich solcher Unsinn in den Köpfen fest! Schon mal was von Framing gehört? Ihr erzeugt gedankliche Verknüpfungen, die nicht wünschenswert sind, und lenkt damit den Diskurs in eine Richtung, die ihr doch gar nicht anstrebt.


    Die Neigung einiger Foristen, bestimmte Gedanken konsequent zu Ende zu denken, führt zu falschen Ergebnissen. Gesellschaft und Kultur sind vielfältig und widersprüchlich. Zu einer Stimme gibt es Gegenstimmen, zu einer Entwicklungstendenz gibt es dann auch wieder gegenläufige Tendenzen. Die Polarisierungsbestrebungen, die ich hier im Forum langsam nervig finde, führen auf den falschen Weg.

    Natürlich sind verschiedene Gestaltungen möglich. Ich mag generell Glasmalerei. Besonders stört mich Mäcklers Formulierung "modernistische Glasmalerei". Man betrachte mal den Hauptinhalt der jüngsten Restaurierung: Der Altartisch wurde von der Wand weggerückt, damit man ihn umschreiten kann. Der spätgotische Flügelaltar steht aber weiterhin vor der Wand, nun auf einem modernen Unterbau. Direkt unter den Altartafeln wurde die Bartholomäus-Reliquie angebracht, in einer modernen Gestaltung. Oder sollte ich zweimal sagen: "modernistischen"? Es wurden also bei der Restaurierung Elemente in den Raum gebracht, die nicht dem spätgotischen Stil der Kapelle entsprechen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Flügelaltar. Könnte man auch kritisieren. Vorher passte der Unterbau besser zu dem alten Retabel. Für das Bistum waren liturgische und spirituelle Gründe für die Umgestaltung ausschlaggebend. Der Spiritualität dienen aber auch Farbfenster, wie Johannes Schreiter sie gestaltet hat. Eine weiße Verglasung bringt der Spiritualität gar nichts. Eine Ornamentverglasung im Stile des 19. Jahrhunderts wäre allenfalls ganz nett anzusehen. Für das Bistum steht die Inszenierung der Kapelle als sakraler Raum im Vordergrund. Daraus ergibt sich kein Motiv zur Entfernung der jetzigen Farbfenster.

    Erfreulicher Kommentar von Architekt Christoph Mäckler zu den Fenstern von 1993: "Die modernistische Glasmalerei muss weg, wenigstens hinter dem Altar."

    Das ist aber schon ziemlich frech. Das Werk eines angesehenen Künstlers einfach rausschmeißen wollen - mit der unsinnigen Begründung, dass es einer anderen Epoche angehört. Was möchte Herr Mäckler denn stattdessen haben? Klarglasfenster? Historische Farbfenster waren nicht erhalten. Mir ist kein Fall einer Rekonstruktion völlig verlorener mittelalterlicher Glasmalereien bekannt. Technisch dürfte das kaum möglich sein. Wenn Farbfenster gemacht werden, dann üblicherweise im Stil der eigenen Zeit. Im 19. Jahrhundert neugotische Fenster, im 20. Jahrhundert dann im modernen Stil, wobei es da figürliche, abstrakte und gemischte Gestaltungen gibt. Das Wort "modernistisch" ist in Bezug auf ein Werk der bildenden Kunst (außerhalb der Architektur) übrigens nicht üblich.


    Johannes Schreiter ist ein anerkannter Glaskünstler. Nach Fotos zu urteilen fügen sich die Glasmalereien sensibel in den Kapellenraum ein. Das Blau hat eine meditative Ausstrahlung. Vergleichbare Farbverglasungen habe ich in verschiedenen alten Kirchen gesehen und sie haben mir immer sehr gut gefallen. Ich finde es schön, dass die Glasmalerei in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance erlebte. Vielfach liegt der Entscheidung, farbig gestaltete Fenster einzubauen, die Erkenntnis zugrunde, dass Klarglasfenster zu kalt wirken, zu grelles Licht hereinlassen und einem mittelalterlichen Kirchenbau nicht angemessen sind.


    Da Glasbilder mit dem Licht arbeiten, eignen sie sich in besonderem Maße zur Darstellung von Spiritualität. Die Wahlkapelle wurde durch die Restaurierung kaum verändert, und wenn Schreiter die Fenster für diesen Raum entworfen hat, dann sollte man keines davon entfernen, auch das hinter dem Altar nicht, denn der war 1993 auch schon da. Es ist normal, dass die Ausstattung alter Kirchen verschiedenen Kunstepochen entstammt.


    Es gab in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder Umgestaltungen von Kirchenräumen, bei denen Kunstwerke, die noch nicht sehr alt waren, wieder entfernt wurden. Das sind immer schwierige Einzelfallentscheidungen. In Bezug auf den konkreten Raum der Wahlkapelle kann ich mir keine Fenstergestaltung vorstellen, die besser wäre als die jetzige. Sicherlich ließe sich die künstlerische Aufgabe auch anders lösen, aber besser?

    Ja, irgendwann wird auch in Berlin mal was fertig. Aber zum Ende des Jahres fährt nur die U-Bahn. Die Station "Museumsinsel" wird nicht bedient, sondern ohne Halt durchfahren. Erst im Sommer 2021 soll der U-Bahnhof eröffnet werden. Hinsichtlich der gestalterischen Qualität des Entwurfs für die Bahnsteighalle von Max Dudler bin ich skeptisch. Der Sternenhimmel soll sich nur über den Gleisen und den Bahnsteigkanten wölben. Erfahrungsgemäß wirken bei einer Station mit Inselbahnsteig und Pfeilern die Decke direkt über dem Bahnsteig, die Wände hinter den Gleisen und die Pfeiler am stärksten. Sie prägen den Raumeindruck. An diesen Stellen dominiert aber grauer Stein. Aus der fahrenden Bahn heraus ist der Sternenhimmel gar nicht zu sehen. Auch vom Aufenthaltsbereich auf dem Bahnsteig zwischen den Pfeilerreihen wird man vom Sternenhimmel nichts sehen. Ich frage mich, wer sowas plant. In Prag, Moskau oder Petersburg sind sie da nicht so dumm. Bei dieser Bauform müssen die Seitenwände und die Mitteldecke den künstlerischen Hauptakzent tragen. Die Decken über den Gleisen sind dagegen unwichtig und zeigen oft keine besondere Gestaltung. In Leipzig hat Max Dudler die Tunnelstation "Wilhelm-Leuschner-Platz" der S-Bahn entworfen. Diese gefällt mir sehr gut, hat aber eine ganz andere Bauform und gestalterische Mittel. In jedem Falle steht Dudler für strenge und moderne Gestaltungen.


    Näheres zu diesem U-Bahnhof auf der Projektseite.


    Die Bahnsteighalle liegt zum Teil unter dem Spreekanal. Das Ding, das vor dem Schloss so schräg in den Spreekanal hineinragt, dient nur als Baustellenzugang und wird zurückgebaut. Interessant finde ich, dass es an beiden Enden der Station zwei Ausgänge geben wird. Auf der Webcam Berliner Schloss Nordseite sind die beiden östlichen Ausgänge gut zu sehen. Von den westlichen Ausgängen befindet sich der eine vor dem Kronprinzenpalais, der andere auf der anderen Straßenseite zwischen Zeughaus und Kupfergraben. Der Besucherstrom zur Museumsinsel soll also vorrangig an der Ostseite des Zeughauses entlang und über die Eiserne Brücke zur James-Simon-Galerie geführt werden. Hier der Lageplan der Station. Die Tiefe der Station Museumsinsel liegt bei etwa 16-17 m. "Museumsinsel" ist damit der tiefste Bahnhof der Strecke und der einzige, der in Tunnelbauweise, nicht in offener Bauweise realisiert wird. Wie es aussieht, soll es nur einen Aufzug (auf der Schlossfreiheit) geben.

    Naja, da ist Vorsicht angebracht. Dass man sich die Option für eine Wiedererrichtung der Denkmalskirche offenhält, ist ja seit einiger Zeit bekannt und positiv. Aber "studentische Arbeiten" besagt, dass man einen Ideenwettbewerb abgehalten hat. Wäre die möglichst originalgetreue Rekonstruktion der Denkmalskirche beschlossene Sache, so wäre dieser Wettbewerb überflüssig. Möglich, dass aus dem Projekt gar nichts wird (es kostet schließlich Geld). Möglich auch, dass man einen modernen Anbau realisiert, um die Prunksärge, die derzeit suboptimal in der Predigtkirche abgestellt sind, in moderner musealer Form präsentieren zu können.


    Meines Erachtens sollte man die Denkmalskirche - wenn man sie denn wiederaufbaut - äußerlich originalgetreu rekonstruieren und auch im Innern die historische Architektur wiederherstellen. Dafür spricht, dass das Gesamtbauwerk Berliner Dom zum größten Teil im Original vorhanden ist, auch die Innenarchitektur. Zudem ist die Denkmalskirche gut dokumentiert.


    Berliner Dom, Blick zur Decke der Denkmalskirche am historischen Baumodell des Domes im Dommuseum

    (Foto: Miguel Hermoso Cuesta, August 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Über den Link könnt ihr eine Vergrößerung des Bildes anwählen, auf der sich der Deckenstuck in all seinen Details studieren lässt. Das Foto wurde über einen Spiegel aufgenommen.

    Besonders ärgerlich finde ich an dem Vorstoß von Frau Hüneke die Idee, das neue Rechenzentrum solle sich gestalterisch an das alte anlehnen. Das Rechenzentrum taugt architektonisch nichts. Das Festhalten an dem Gebäude ist rein ideologisch begründet. Man schaue sich die Fensterbänder auf den beiden Fotos unten an! Der ästhetische Reiz, wenn man so will, besteht gerade in der schäbigen und billigen Anmutung der Fenster und der Aluminiumteile zwischen ihnen. Bei einem Neubau mit Wärmedämmung nach heutigen Vorschriften dürfte sich das kaum nachstellen lassen. Man vergleiche das Bibliotheksgebäude am Platz der Einheit! Dort wurde ein schlechter DDR-Bau saniert. Das Ergebnis ist weder besonders schön noch DDR-mäßig.


    Das Datenverarbeitungszentrum wurde 1969-1971 errichtet. Heute steht nur noch das Bürogebäude, die zugehörige Rechnerhalle wurde abgerissen. Es handelt sich um einen simplen Zweckbau in Montagebauweise (kein Plattenbau), entworfen durch den Stadtarchitekten Weber.


    Das Glasmosaik besteht aus 18 einzelnen Platten von 3 m mal 3,30 m. Durch ein Neuarrangement kann das Wandbild nur gewinnen. Die Platzierung im Erdgeschoss, gleich über dem Boden beginnend und von schäbigen Pfeilern und Fenstern gerahmt, wirkt nicht besonders gut. Immerhin scheint es sich als Graffitischutz zu eignen. Es gibt bessere Wandbilder aus DDR-Zeiten. Das liegt auch daran, dass der Maler Fritz Eisel kein schlechter Künstler war, aber nicht zu den besten gehörte. Ich interessiere mich ja für bildende Kunst der DDR. Das Mosaik trägt die Handschrift von Fritz Eisel und hat eben ein mittleres Qualitätsniveau. Ich bin dafür, es zu erhalten und in einem ganz anderen Arrangement zu zeigen.


    Rechenzentrum, Dortustraße 46, Teile des Wandmosaiks von Fritz Eisel (Foto: C. Suthorn, Februar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Rechenzentrum, Dortustraße 46, Teile des Wandmosaiks von Fritz Eisel (Foto: Clemensfranz, September 2011, CC-BY-SA-3.0)

    Ich konnte zu den Umbauplänen keine näheren Informationen ermitteln. Mir ist nicht klar, wie ein Anbau an der südlichen Schmalseite denkmalschutzkonform realisiert werden könnte. Es ginge dabei ja nicht nur um die Beseitigung wertvoller Originalsubstanz, sondern auch um eine Veränderung der Kubatur des Hauses. Diese ist aber wesentlich für die Wirkung des Baudenkmals. Nach meinem Eindruck ist in Vacha das Bewusstsein vorhanden, dass es sich um ein herausragendes Fachwerkhaus handelt. Sollte ein Ergänzungsbau gebraucht werden, so könnte man ihn eventuell im südlichen Hofbereich (freistehend) errichten. Denkbar wäre auch noch ein Anbau an den Seitenflügel, der nicht die kunsthistorische Bedeutung des Haupthauses erreicht.


    Die Pläne für die Rathaussanierung müssten soweit fertig sein. Denn die Bauarbeiten sollen bereits im Frühjahr beginnen und im übernächsten Jahr abgeschlossen werden.

    Ich schließe mich ebenfalls der kunsthistorischen Einschätzung Spreetunnels an - Bauzeit um 1912. Ich kenne für diese Stilrichtung den Begriff "Reformstil". Mir gefallen Häuser dieser Art sehr gut. Die Tatsache, dass sie für manche Menschen etwas Irritierendes haben, dürfte damit zusammenhängen, dass die Betrachtung der Architekturgeschichte der letzten 150 Jahre von einer Polarisierung dominiert wird: Einem überbordenden Historismus mit "wilhelminischem Pomp" wird die Bauhaus-Moderne gegenübergestellt. Die Zwischentöne gehen dabei unter. Übergangsformen werden leicht übersehen.


    Wie Heimdall schon feststellte, herrscht der überbordende Historismus bis in die späten 1890er Jahre vor. Dann setzt eine behutsame Modernisierung und Weiterentwicklung der traditionellen Architektur ein. Die Formen werden strenger, der Dekor reduziert. Der Stilpluralismus bleibt aber erhalten. So gibt es neben einem neuen Klassizismus (zu dem auch das Haus am Preußenpark zu rechnen ist) auch den Jugendstil, dessen Formen nicht der historischen Überlieferung entnommen sind. Die traditionalistische Richtung der Architektur des 20. Jahrhunderts ist für uns von besonderem Interesse, da sie auch der Anknüpfungspunkt für neoklassische Tendenzen in der Gegenwart ist.

    Bei den Schmähplastiken an mittelalterlichen Kirchengebäuden würde ich sogar sagen, dass die Klage in Wittenberg kontraproduktiv ist, denn sie rückt etwas in den Fokus was vielen Menschen so gar nicht aufgefallen wäre. Ich jedenfalls kann die altgotische Inschrift nicht entziffern, und ich kann in den Menschenfiguren auch keine Juden erkennen, ich höre aber mittlerweile ständig entsprechende Erklärungen. Das hat tatsächlich Bildersturm-Charakter.

    Ganz genau. Das Relief war einfach noch da, übriggeblieben aus einer Zeit, die uns heute fremd erscheint. Aus diesem Grund ist auch die Mahnmalsidee des Stadtkirchenpfarrers falsch. Sie lenkt ja die Aufmerksamkeit bewusst auf das Relief und verleiht ihm dadurch eine Aktualität und Relevanz, die nicht mehr vorhanden war.


    Geschichtliche Zeugnisse werden normalerweise nicht moralisch bewertet. Sie sind als Quelle der Erkenntnis über die Vergangenheit für uns interessant. Ein 700 Jahre altes Relief ist im juristischen Sinne längst verjährt.


    Übelste Schmähungen gibt es heute noch. Wenn sie zeitgeistkonform sind, werden sie vom Mainstream beklatscht, nicht anders als vor 700 Jahren. Nur ein Beispiel: Die Aktion der russischen Punkband Pussy Riot in einer Moskauer Kathedrale (2012)! Diese Schmähung einer friedlichen Religionsgemeinschaft, die unter den Kommunisten unter grausamster Verfolgung gelitten hat, wurde im Westen als tolle Kunstaktion beklatscht.


    Das Oberlandesgericht in Naumburg ließ aber eine Revision zu, da es von grundsätzlicher Bedeutung sei, wie mit der Herabwürdigung von Personengruppen in solchen zivilrechtlichen Fragen zu verfahren sei.

    Ich erinnere daran, wie man seinerzeit mit der Klage des türkischen Präsidenten gegen Jan Böhmermanns "Schmähkritik" umgegangen ist. Das war im Grunde eine Herabwürdigung aller Türken, wurde aber von Deutschen mehrheitlich verteidigt. Auch unter dem Aspekt "Freiheit der Kunst" und "Meinungsfreiheit". Für mich sind das ebenfalls hohe Güter. Diese liberale Haltung sollte erst recht in Bezug auf Zeugnisse längst vergangener Zeiten gelten.

    Vacha (wie Villach mit F gesprochen) ist eine Kleinstadt unweit von Bad Salzungen und direkt an der hessischen Grenze. Das stattliche Fachwerkhaus am Markt, das seit 1911 als Rathaus dient, wurde 1613 für einen landgräflich-hessischen Amtmann errichtet. Dank eines Förderbescheids über 4,9 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kann das Rathaus nun umfassend saniert werden. Die Gesamtkosten werden mit 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Arbeiten können bereits im Frühjahr beginnen. - Infos des MDR


    Vacha, Rathaus am Markt (Foto: 2micha, Mai 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Die Rückseite (Hofseite) des Rathauses (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Historische Ansicht der Hofseite, circa 1870-1885, aus Ludwig Bickell, Hessische Holzbauten, gemeinfrei


    Hofseite des Seitenflügels (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Straßenseite des Seitenflügels (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Der Erker der Marktecke, auf dem Bild oben bereits von der Seite zu sehen (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Der Erker an der Schmalseite des Hauptbaus (vergleiche die historische Ansicht von Ludwig Bickell) (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Hier die Hausecke, die oben links im Bild ist (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Hier eine Detailaufnahme vom Erker der Schmalseite, rechter Eckbereich (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Der reiche Dekor des Dachüberstandes an der Schmalseite, rechter Eckbereich (Foto: Metilsteiner, August 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Beim Ordnen der Aufnahmen ist mir wieder bewusst geworden, wie detailreich ein repräsentatives altes Fachwerkhaus ist. Wie viel man hier doch entdecken kann!

    eryngium

    Du machst immer so schöne Fotos. Könntest du sie in deinen Beiträgen nicht jeweils durch eine Leerzeile voneinander trennen? Es ist besser, wenn das einzelne Bild klar abgegrenzt ist. Eigentlich hätten deine tollen Bilder ja goldene Dresdner Galerierahmen verdient, aber ein simpler Zwischenraum tut's auch. [Edit: Danke!]


    Doch nun zum Inhalt: Die beiden Frauen zur Frauenstraße gefallen mir ausnehmend gut. Vielleicht sollte man das Blobelhaus in "Frauenhaus" umbenennen. Das Blobelsche "Frauenhaus" ist ein prächtiger Vertreter des "Neohistorismus". Gibt es diese Stilbezeichnung eigentlich schon? Sie kam mir gerade in den Sinn. Bisher sprachen wir hier meist von einem neoklassischen Bau, aber da erhoben einige Foristen den Zeigefinger und betonten Abweichungen von klassischen Regelwerken. Wenn wir aber den spielerischen Umgang mit überlieferten Formen und die Neigung zur Opulenz stärker berücksichtigen, die für den Historismus charakteristisch sind, dann werden wir dem Blobelhaus besser gerecht. Was an diesem Haus so ungewohnt für unsere Augen ist, das ist die Prachtentfaltung an den beiden Schaufassaden. Auf Fotografien teilt sie sich dem Betrachter nicht in dem gleichen Maße mit wie in der Wirklichkeit. Sowas sind wir bei einem Gebäude, das keine Rekonstruktion ist, nicht gewohnt.


    Die Kapitelle der Pilaster sind für sich genommen sehr schön gearbeitet. Die plastischen Feinheiten kommen auf Fotos nicht so gut rüber. Mit "Baumarkt" hat der Dekor des Blobelhauses nichts zu tun. Ich vermute, dass die Überbreite der Kapitelle daher rührt, dass der ausführenden Firma ein falsches Maß mitgeteilt wurde, nämlich die Breite der Pilasterbasis statt des Schaftes.

    Die Klage wurde nun schon in zweiter Instanz abgewiesen. Infos des MDR


    Juristisch ist der Fall eindeutig. Deshalb verstehe ich nicht, warum der Gang in die nächste Instanz zugelassen wurde. Ich bin sicher, dass der Bundesgerichtshof die Klage ebenfalls abweisen wird. Das Problem ist das fehlende Rückgrat von Teilen der evangelischen Kirche. Die Süddeutsche Zeitung hat mit dem Stadtkirchenpfarrer Johannes Block gesprochen. Der will das Mahnmal weiterentwickeln. Das verheißt nichts Gutes.


    Ich möchte die einzelnen Elemente noch besser miteinander verknüpfen. Meine Idee wäre ein Lichtband, das Mahnplatte, Zeder und Schmähplastik verbindet. Außerdem schwebt mir eine Art Prisma vor, durch das die Besucher das Relief in einer gebrochenen Perspektive wahrnehmen können, so dass dessen Bildprogramm als überwunden vor Augen steht. Wir haben noch kein finales Konzept - aber ich bin deswegen auch im Gespräch mit dem Zentralrat der Juden.

    Das Problem der evangelischen Kirche bestand im Dritten Reich nicht in mittelalterlichen Reliefs und auch nicht in irgendwas, das Luther im 16. Jahrhundert geschrieben hatte, sondern darin, dass Teile der Kirche dazu neigen, sich dem Zeitgeist anzubiedern und den Mächtigen "in den Arsch zu kriechen". Ich verwende jetzt mal diese drastische Formulierung, die ja heute noch im Sprachgebrauch ist und zu der bildlichen Darstellung der Judensau passt. In früheren Jahrhunderten hat man ähnliche Spottdarstellungen gegen alle möglichen Feinde zum Beispiel in Form von Flugblättern verbreitet. Das Relief zeugt davon, dass im Mittelalter Juden in Wittenberg lebten. Sie wurden 1304 aus der Stadt gejagt. Das Relief sollte wohl einer Rückkehr der Juden entgegenwirken, als eine Art magischer Zauber. Es gibt so wenige Selbstzeugnisse der mittelalterlichen Juden in Deutschland, dass wir auf Spuren, die ihre Feinde damals hinterlassen haben, nicht verzichten können. Gegen den Antisemitismus immunisiert nicht das Beseitigen bildlicher Darstellungen aus dem Mittelalter, die kaum noch verständlich sind, sondern die Ausbildung eines klaren ethischen Fundamentes. Das hatten auch in der Nazizeit Teile der evangelischen Kirche. Sie bewahrten sich die notwendige innere Distanz zum Regime und seiner Ideologie.


    Die Nazis in der Kirche gaben damals Zusammenstellungen judenfeindlicher Zitate aus Luthers Schriften heraus, um sich ein Alibi zu verschaffen. Dieses Alibi dürfen wir ihnen aber nicht durchgehen lassen! Was würde Luther wohl dazu sagen? Martin Luther war ein Mann des Widerstandes gegen die zu seiner Zeit herrschende Ideologie. Er war einer, der für eine erkannte Wahrheit sein Leben riskierte. Denken wir an die Ermordung von Jan Hus 1415! Luther stellte sich gegen Kaiser und Papst und folgte seinem Gewissen.


    Ich finde die Lösung mit der Gedenkplatte im Boden (vgl. dazu meinen Beitrag vom 1. Juli 2019) angemessen. Sie regt zum Nachdenken an, erlaubt aber weiterhin den unverstellten Blick auf die alte Stadtkirche.


    Die Gedenkplatte von 1988 im Boden unterhalb des Judensau-Reliefs an der Stadtkirche (Foto: James Steakley, August 1998, CC-BY-SA-3.0)


    Hier noch zwei Aufnahmen des israelischen Arztes Dr. Avishai Teicher:


    Die Stadtkirche von Süden mit der Zeder als Baum des Friedens davor (Foto: Avi1111, Juni 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Stadtkirche, innen nach Osten (Foto: Avi1111, Juni 2016, CC-BY-SA-4.0)

    Aktuelle Ansichten der Bebauung rund um den Neumarkt von der Aussichtsplattform der Frauenkirche:


    Kunstakademie (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Links der Lipsiusbau (Ausstellungshalle der SKD), dann der Georg-Treu-Platz mit dem Aufgang zur Brühlschen Terrasse, am oberen Punkt der Treppenanlage das Denkmal für Gottfried Semper, dahinter der Brühlsche Garten. Das große Gebäude im Mittelgrund ist das Albertinum. In der Überdachung des Innenhofes (Architekt Volker Staab) sind Depots und Restaurierungswerkstätten der SKD untergebracht. Hinter dem Albertinum die zwei hellen Klötze der Synagoge, rechts vom Albertinum die weiße Hauptfassade des Kurländer Palais, ganz rechts das Polizeipräsidium. Im Vordergrund links der moderne Bau hinter dem Coselpalais, rechts die Bebauung zwischen Salzgasse und Rampischer Straße (Quartier II)

    (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    An der Frauenkirche, Coselpalais, Salzgasse, Quartier II, Rampische Straße (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Im Vordergrund die Baustelle des Quartiers Hoym (Quartier III/2), dahinter die Rückseite des Polizeipräsidiums. Neben dem Polizeipräsidium das Landhaus (Stadtmuseum, Städtische Galerie) und dann die Bauten an der Landhausstraße (Quartier IV, darunter British Hotel). Hinter der Landhausstraße die Bebauung der Wilsdruffer Straße, dann das Rathaus mit Turm (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Im Vordergrund mündet die Landhausstraße in den Neumarkt. In der Mitte der Übergang zur Wilsdruffer Straße mit dem Grundstück Hotel Stadt Rom. Rechts mündet die Frauenstraße in den Neumarkt. An der Frauenstraße etwas weiter hinten der Flachdachbau des Moritzhauses. Die Altbauten an der Wilsdruffer Straße zeichnen sich dagegen durch schöne traditionelle Dächer aus. Fassaden am Neumarkt: Hotel de Saxe (im Quartier IV), Heinrich-Schütz-Haus (im Quartier V), Blobelhaus (im Quartier VI). Im Hintergrund Rathaus, Kreuzkirche und Altmarkt (mit Weihnachtsbaum)

    (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Die gleiche Himmelsrichtung, aber der Blick richtet sich auf die Platzfläche. Vor dem Hotel de Saxe das Denkmal für Friedrich August II., vor dem Blobelhaus die Baumpflanzung auf dem Gewandhausareal. Im Vordergrund Bauten von Quartier III, besonders auffällig hier das Haus "Champagner Lounge" (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Im Vordergrund der Jüdenhof mit dem Dinglingerhaus (Quartier VII/2), links Quartier VI mit dem Regimentshaus in der Mitte, rechts gegenüber das Johanneum (Verkehrsmuseum). Die modernen Bauten von Stellwerk Architekten am Übergang zum Kulturpalast fügen sich von der Dachlandschaft her gut ein. Links der Kulturpalast (Konzertsaal der Dresdner Philharmonie und Stadtbibliothek). Hinter dem Johanneum die Bebauung im Bereich Schloßstraße, Kanzleigässchen, Schössergasse, Sporergasse (Quartier VIII). Im Hintergrund Taschenbergpalais und Residenzschloss. Hinter der Überdachung des Kleinen Schlosshofs ist das Kronentor des Zwingers zu erkennen (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Im Vordergrund Johanneum, Quartier I zwischen Augustusstraße und Töpferstraße, Hotel Hilton. Im Mittelgrund Quartier VIII, das weiße Kanzleihaus (Haus der Kathedrale), Stallhof, Ständehaus (Oberlandesgericht). Im Hintergrund Residenzschloss und Hofkirche (Kathedrale)

    (Foto: H. Helmlechner, 2. November 2019, CC-BY-SA-4.0)

    eryngium

    Der DNN-Artikel ist zwar nicht selbst recherchiert, sondern eine Übernahme von dpa, bestärkt aber doch die Vorfreude auf die Wiedereröffnung der Gemäldegalerie. Die Fotos sind von dem dpa-Fotografen Sebastian Kahnert und vermutlich aktuell. Schade, dass nicht auch ein Raum mit grünen oder blauen Wänden gezeigt wird.


    Zum Pastellkabinett fand ich in einem Beitrag von mir (vom 19. September) noch die folgende Info:

    Das Pastellkabinett wird mit wertvollem Seidendamast bespannt. Die Farbe wurde noch nicht verraten. Ich bin gespannt. Das unter August III. eingerichtete Pastellkabinett der Dresdner Galerie ist weltweit einzigartig. Es soll nun maximal glänzen und prunken. Bravo!


    Auch das Parkett im zweiten Obergeschoss wird nun erneuert. Vergleiche dazu den Radiobeitrag des MDR vom 13. August (Link oben). Da hatte irgendwie das Staatsgeld nicht gereicht. Vielleicht, weil man die grauen Wandbespannungen im ersten Bauabschnitt wieder austauschen wollte. Solche Wandbespannungen sind ja nicht billig.

    Interessant, dass der dpa-Bericht den Seidendamast ebenfalls erwähnt (die Angabe stammt aus einer Pressemitteilung der SKD), aber zur Farbe nichts sagt. Dafür erfahren wir, dass die altdeutsche Malerei auf der herrlichen grünen Wandbespannung präsentiert wird. Das wird ein Fest für die Augen!


    Der DNN-Artikel gibt an, dass 450 Skulpturen gezeigt werden sollen. Das ist sehr viel. Da darf man gespannt sein. Ich freue mich auch schon auf die Bildteppiche. Ein Saal mit 40 Cranachs, ein anderer mit 20 Bellottos, Bilderhängungen in barocker Fülle - es wird grandios!

    Um zu wissen, wie viel vom Kulti noch zu sehen sein wird, braucht man weder Streetview noch Arstempano. Ein bisschen Ortskenntnis reicht aus. Die Straßenverläufe sind ja alle vorhanden und das aktuelle Baufeld ist deutlich zu erkennen. Durch Fotos und Erläuterungen wird das Wissen mit anderen geteilt. Gerade auch in diesem Strang haben wir tolles Bildmaterial. Zurückblättern lohnt sich bis mindestens Seite 5. Dort gibt es auch Visualisierungen, die, soweit ich das sehe, etwas von Arstempano abweichen.


    Beim Betrachten des Panoramarundgangs 2030 ist mir wieder bewusst geworden, wie stark sich die Gegend um den Neumarkt in den letzten Jahren entwickelt hat. Wo die Visualisierung mit Platzhaltern arbeitet (namentlich im Bereich Galeriestraße, Rosmaringasse) sind die Häuser längst fertiggebaut und bezogen. An anderen Stellen, wo für Arstempano Architekturentwürfe herangezogen werden konnten, sehen wir heute die weitgehend realisierte Umsetzung. Man schaue sich mal Q VI mit Blobelhaus und Elimeyer an, wo doch einiges heute gegenüber der Visualisierung anders aussieht. Q VII/1 und Q III zwischen Rampischer und Landhausstraße sind die letzten laufenden Bauprojekte. Vielleicht klappt es bis 2030 auch noch mit dem Hotel Stadt Rom.


    Insgesamt bin ich der Meinung, dass für die Übergänge zwischen den Neumarktquartieren und der Bebauung an der Wilsdruffer Straße gute Lösungen gefunden wurden. Eine Stadt besteht eben aus verschiedenen Teilräumen und Zeitschichten. Auch der Kulturpalast gewinnt durch die Umbauung seiner Rückseite.


    Lieber Andreas, vielen Dank für deine Visualisierungen und Panoramen! Vieles, was du für andere erstmals in Farbe sichtbar gemacht hast, ist inzwischen Realität. Ich denke, da auch an einige Räume im Residenzschloss. Wenn deine Visus heute zum Teil "alt" aussehen, weil wir die betreffenden Orte in echt erleben können, ist das ein schöner Erfolg.

    Bert, kann man schon absehen in wie weit der Kulturpalast von diesem Quartier verdeckt wird wenn man unter dem Durchgang von Dresdener Schloss und Taschenbergpalais kommend die Innenstadt betritt? Wäre schön, wenn das unschöne Ungetüm komplett dem Blick entgeht und man unbehelligt davon zum Neumarkt gelangt.

    Wenn du auf deinem Weg stur geradeaus schaust, wirst du den Kulturpalast nicht sehen können. Wenn du den Blick aber auch mal nach rechts schweifen lässt, ergeben sich noch vereinzelte Möglichkeiten: vom Platz vor dem Südflügel des Schlosses aus und später durch die Schössergasse sowie die Galeriestraße. Die neuen Bauten von Q VII/1 nehmen die historische Bauflucht der Schloßstraße auf. Der Kulturpalast steht auch an der Schloßstraße, aber etwas zurückgesetzt. Er ist übrigens kein "Ungetüm". 103 m lang, 72 m breit und circa 20 m hoch, also gar nicht mal so groß. Mir gefällt der Kulti. Er bietet einen ausgezeichneten Konzertsaal und schöne Foyers. Besonders bei abendlicher Beleuchtung macht die Schaufassade zum Altmarkt was her. Der Kulturpalast ist ein Hauptwerk der Ostmoderne und steht unter Denkmalschutz. Ein kulturhistorisch interessierter Besucher Dresdens sollte eigentlich nicht die Augen vor ihm verschließen.

    Eine der schönsten Städte der Welt ist Sankt Petersburg. Man nennt es "Venedig des Nordens" - ein Vergleich, der hinsichtlich der besonderen Lage wie auch der kunsthistorischen Bedeutung dieser Stadt vollkommen berechtigt ist.


    Sankt Petersburg liegt im Mündungsdelta der Newa. Der historische Mittelpunkt der Stadt ist kein Platz, sondern eine Wasserfläche. Es ist die Newa vor ihrer Teilung in die beiden Hauptmündungsarme Große Newa und Kleine Newa. Hier gruppiert sich eines der schönsten städtebaulichen Ensembles der Welt, über das wir uns zunächst einen Überblick aus der Luft verschaffen wollen.


    Luftaufnahme der Peter-Pauls-Festung auf der Haseninsel von Süden (Foto: Andrew Shiva, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Die nördliche Begrenzung bildet die Peter-Pauls-Festung. Mit ihrer Anlage begann im Jahre 1703 die Geschichte Petersburgs. Ihr gegenüber liegt am Südufer der Newa der Winterpalast.


    Luftaufnahme von Winterpalast und Schlossplatz von Norden (Foto: Andrew Shiva, Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Der französische Name dieses Schlosses ist "Palais d'Hiver", und man kann es im Deutschen auch "Winterpalais" nennen. Im Russischen gibt es keine Unterscheidung zwischen "Palais" und "Palast". Nach deutscher Gewohnheit nenne ich den Platz vor dem Palais "Schlossplatz" und die nahegelegene Brücke (hier nicht im Bild) "Schlossbrücke", die zugehörige Uferstraße (am unteren Bildrand) jedoch "Palastufer". Typologisch entspricht der Winterpalast einem deutschen "Stadtschloss" oder "Residenzschloss", aber die Benennung "Winterschloss" ist für die Petersburger Residenz bei uns nicht üblich, obwohl sie hier möglich wäre. Der Winterpalast ist übrigens von mir - von dem Architekten Bartolomeo Rastrelli. Auf dem Luftbild ist oben Süden und rechts Westen. Als südliche Begrenzung des Schlossplatzes sehen wir den großen Gebäudekomplex des Generalstabs. Östlich vom Winterpalast (im Bild also links) liegt - schmal und in langer Nord-Süd-Erstreckung - die Kleine Ermitage. An diese schließt sich östlich der Komplex aus Alter und Neuer Ermitage an. In der oberen linken Ecke des Bildes ist ein Flüsschen zu erkennen. Das ist die Mojka. Ich nenne diesen Namen schon mal, weil er noch öfter auftauchen wird. Besonders malerisch ist Petersburg nämlich entlang seiner kleinen Wasserläufe. Rechts im Bild, also westlich vom Winterpalais sehen wir - gelb und mit rotem Dach - die Admiralität. Die Straße zwischen Admiralität und Winterpalast führt auf die Schlossbrücke, die auf dem folgenden Luftbild zu sehen ist.


    Luftaufnahme der Spitze (Strelka) der Wassiljewski-Insel von Süden (Foto: A. Savin, Juni 2017, FAL)


    Die Schlossbrücke führt auf die Wassiljewski-Insel. Die Uferstraße links heißt Universitätsufer. Hier liegen einige der schönsten historischen Bauwerke Petersburgs.


    Luftaufnahme der Wassiljewski-Insel von Osten (Foto: A. Savin, Juni 2017, FAL)


    Die Wassiljewski-Insel ist die größte unter den vielen Inseln der Stadt und zugleich diejenige, die man am deutlichsten als Insel wahrnimmt, da sie durch relativ breite Wasserflächen von der übrigen Stadt getrennt ist. Das östliche Ende der Insel wird - ungeachtet seiner schönen Rundung - "Spitze der Wassiljewski-Insel" genannt. Die Bezeichnung ist ein Eigenname und ich verwende hier lieber das russische Wort "Strelka" (Стрелка), weil "Spitze" im Deutschen doch sehr unspezifisch klingt. Hier an der Strelka teilt sich die Newa. Der südliche Arm (im Bild links) heißt Große Newa, der nördliche Arm Kleine Newa. Über die Große Newa führen zwei bedeutende Brücken - die Schlossbrücke und dahinter (weiter westlich) die Blagoweschtschenski-Brücke (die früher mal Leutnant-Schmidt-Brücke hieß). Über die Kleine Newa führen ebenfalls zwei Brücken. Interessant für uns ist davon nur die Börsenbrücke im Osten. Ganz hinten im Bild ist das Meer zu sehen. Bis dahin sind es vom Betrachter aus etwa 7 Kilometer. Die ältesten und wertvollsten Bauten der Wassiljewski-Insel befinden sich an der Spitze (Strelka) im Osten und am Universitätsufer. Die Seefront im Westen ist modern. Wir wollen uns in dieser Galerie vorrangig mit den besonders alten und schönen Teilen der Stadt beschäftigen.


    Der von der Peter-Pauls-Festung, der Strelka der Wassiljewski-Insel und den Ermitage-Bauten am Palastufer an drei Seiten begrenzte Abschnitt der Newa wird nach Osten, also flussaufwärts von der Dreifaltigkeitsbrücke (Troizki-Brücke) begrenzt.


    Die Dreifaltigkeitsbrücke (Troizki-Brücke / Троицкий мост) von der Peter-Pauls-Festung aus

    (Foto: Екатерина Борисова, August 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Die Troizki-Brücke aus der Zeit um 1900 ist vielleicht die schönste unter den großen Newabrücken. Dahinter ist die Altstadt noch lange nicht zu Ende. Das historische Zentrum Sankt Petersburgs ist riesig. Ich habe hier bei dem Ensemble zwischen Strelka und Troizki-Brücke, zwischen Ermitage und Peter-Pauls-Festung einen Anfang gemacht.


    Palastufer (Дворцовая набережная), von links nach rechts (Ost nach West): Alte Ermitage, Kleine Ermitage, Winterpalast, Kuppel der Isaakskathedrale, Spitze der Admiralität (Foto: Даша Жданова, Juli 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Blick über die Newa zur Peter-Pauls-Festung (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, Juli 2012, FAL)


    Strelka (Spitze) der Wassiljewski-Insel, in der Mitte die Börse, links und rechts von ihr Packhäuser, vor ihnen die roten Rostralsäulen, angeschnitten am linken Bildrand die Kunstkammer, am rechten Bildrand eine Bastion der Peter-Pauls-Festung

    (Foto: Bin im Garten, August 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Hier an der Strelka befand sich seit etwa 1730 der Hafen Petersburgs.


    Blick von Norden auf Winterpalast und Strelka mit Rostralsäulen und Börse, im Hintergrund rechts die Spitze der Admiralität

    (Foto: Grigorius m, Mai 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Blick von der Strelka zur Peter-Pauls-Festung (Foto: deror_avi, Oktober 2009, CC-BY-SA-3.0)

    Rekonstruktion der Portaldurchgänge von Portal II und IV. Portaldurchgang II ist weit fortgeschritten . In IV tut sich so gut wie nichts.

    Laut den Plänen ist/war vorgesehen beide Durchgänge zu rekonstruieren. Damit würden diese mit Portaldurchgang III eine schöne Dreiheit bilden. Vor einiger Zeit hieß es, die Ausschreibungen hätten kein günstiges Angebot gefunden, bzw. keinen Auftragsnehmer. Auch irritierten uns hier die Visus des Fördervereins, die einen modernen Durchgang von IV zeigen. Auf der Seite des Vereins fand ich keine aktuellen Infos dazu. Es wäre ja schade die Portaldurchgänge nur unvollständig und asymmetrisch zu rekonstruieren.

    Wie ist der aktuelle Infostand dazu. Weiß Jemand genaueres?

    Die Rekonstruktion der Portaldurchgänge gehört zum Entwurf von Stella und wird natürlich umgesetzt. Wir haben hier im Strang Fotos vom Humboldt-Geburtstag (14. September), die den ungefähren Stand der Bauarbeiten dort erkennen lassen. Portal IV bietet vom Schlossinnern den Durchblick zum Alten Museum. Wenn eine Ausschreibung mal keinen Erfolg hat, dann wird der Auftrag später freihändig vergeben oder nochmal ausgeschrieben. Jedenfalls findet sich da eine Lösung.


    Das mit der "Dreiheit" ist eher theoretischer Natur. Die drei Portale gruppieren sich im Humboldt Forum nicht um einen gemeinsamen Hof. Von den historischen Höfen wird ja nur der Schlüterhof mit den Portalen I und V rekonstruiert.

    Jetzt ist ja gerade Schließzeit im Schloss (27.01.-06.02.). Eine Alternative zum Schlossbesuch bietet das Fernsehen. Hier noch mal die aktuell verfügbaren Dokus des MDR zum Dresdner Schloss:


    Schuften für die Schätze / Reportage von 2005 / Grünes Gewölbe (verfügbar bis 25. Febr. 2020)


    Im Goldrausch / Grünes Gewölbe (verfügbar bis 25. Febr. 2020)


    Wo Sachsens Sonnenkönig regierte / Paraderäume (verfügbar bis 29. Okt. 2020)


    Informative kürzere Berichte unter 10 Minuten:


    Spiegel / Paraderäume (verfügbar bis 30. Sept. 2020)


    Parade-Schlafzimmer / Raumtextilien (verfügbar bis 5. Apr. 2023)


    Parade-Appartement / Bericht in ttt (ARD) (verfügbar bis 6. Okt. 2020)