Posts by Rastrelli

    Vor geraumer Zeit hatten wir in einem Diskussionsstrang ein paar Gedanken zur "Verspieltheit" der nach 1990 entstandenen Gebäude im Kirchsteigfeld ausgetauscht, in deren Verlauf Konstantindegeer auch den Bebauungsplan des letzten fehlenden Riegels des Eigentümers Semmelhaack eingestellt hat.

    Snork hatte am 12. Juni 2022 die postmoderne Bebauung im Kirchsteigfeld in mehreren schönen Beiträgen vorgestellt. Das war im Thema "Postmoderne", zu finden in der Schublade "Architekturgeschichte" - ganz konkret hier.


    Was du sonst noch suchst, konnte ich über die Suchfunktion des Forums nicht ermitteln.

    Wie bitte?? Ein hässliches und klobiges Ding. Ich hätte es bei den dünnen Seilchen belassen.

    Wir hatten das Thema hier schon am 20. Juli, und auch damals hattest du dich darüber aufgeregt.


    Das ursprüngliche Konzept, die Paraderäume ohne "Besucherleitplanken" begehbar zu machen, war ja leider doch nicht umsetzbar.
    [. . . ]
    Jetzt werden die bisher provisorischen Seilabsperrungen wohl geschmackssicher ersetzt.

    (In dem Beitrag von eryngium gibt es auch zwei Vergleichsfotos.)


    Kurprinz hatte am 21. Juli eine überzeugende Erklärung für die Neugestaltung der Absperrungen gegeben.

    Die Ständer der Kordelabsperrung sind schon mehrfach von Besuchern umgestoßen worden und drohen dabei Schäden am Parkett und den Ausstellungsstücken zu verursachen. Die jetzigen Absperrungen können nicht umkippen und sind ggf. leicht zu entfernen.


    Es ist so also schon besser als vorher. Ich sehe die Gefahr, dass Besucher über die niedrigen Barrieren stolpern und dann stürzen könnten. Ich hoffe, dass bei der Auswahl der neuen Barrieren verschiedene Szenarien berücksichtigt wurden. In vielen Schlössern ist es völlig normal, dass große Teile der wertvollen Innenausstattungen durch deutlich wahrnehmbare Barrieren geschützt sind. Im Dresdner Schloss versucht man weiterhin an einem minimalistischen Konzept festzuhalten.

    Ich möchte noch auf den letzten Beitrag von Valjean antworten.


    noch um 1848 immerhin mit einer knappen deutschen Bevölkerungsmehrheit

    In deiner englischen Quelle steht "near-majority". Das bedeutet "fast die Hälfte". Eine deutsche Bevölkerungsmehrheit hatte Prag nie. In den Jahren vor 1848 war insbesondere eine äußerliche, rein sprachliche Germanisierung zu beobachten. Das hing mit dem Schulwesen zusammen, auch mit dem höheren Bildungswesen und der Verwaltung. Landesherren waren die deutschen Habsburger, die aus praktischen Erwägungen die Verwendung der deutschen Sprache förderten.


    Ein Bild von den realen Nationalitätenverhältnissen in der böhmischen Hauptstadt gibt uns dann die Revolution von 1848. Damals war Prag das Zentrum der tschechischen Nationalbewegung. Die Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung wurden hier boykottiert. Gewählt wurde in den deutschen Siedlungsgebieten Böhmens, aber nicht in Prag. Die Frankfurter Nationalversammlung hatte ja das Ziel, einen deutschen Nationalstaat zu gründen, und daran wollten die Tschechen nicht teilnehmen. Nach der Niederschlagung der Revolution herrschte zehn Jahre Eiszeit. Als das politische Leben wieder erwachte, ergab die Kommunalwahl von 1861 eine klare tschechische Mehrheit. Bei dieser Wahl galt noch ein Zensuswahlrecht, das die vermögenden Schichten begünstigte und große Teile der Bevölkerung ausschloss. Dennoch waren die Mehrheitsverhältnisse in Prag nun geklärt - zugunsten der tschechischen Seite.



    Zur Frage, ob die Prager wissen, dass in ihrer Stadt früher auch Deutsche lebten. Ja, wissen sie.

    Darüber hinaus zielte meine Einlassung keineswegs darauf ab, dass in einschlägiger kunsthistorischer Literatur Tschechiens der Einfluss deutscher Künstler und Baumeister vernachlässigt würde.

    Ich schrieb nichts von Fachliteratur, sondern

    man kann auch in tschechischen Publikationen nachlesen

    Denn es gibt ja nicht nur Fachliteratur, sondern auch populärwissenschaftliche Literatur, Nachschlagewerke, Reiseführer, Medienbeiträge usw. Vor einiger Zeit sah ich im Tschechischen Fernsehen eine Doku über das Gebäude der Prager Staatsoper. Darin wurde mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies früher das Theater der Deutschen in Prag gewesen sei. Und zwar ohne irgendeinen negativen Unterton.



    Zum Massentourismus: Niemand bestreitet, dass es Probleme mit dem Massentourismus gibt. Ich reagierte konkret auf die Formulierung:

    schon damals schien mir das Stadtzentrum übermäßig touristisch ausgelegt

    Dem setze ich entgegen, dass das Zentrum Prags vor allem auf die Hauptstadtfunktion ausgelegt ist. Ich finde es wichtig, dass sich die Touris bewusst machen, dass sie in einer großen Stadt wie Prag nur zu Gast sind. Dieses Bewusstsein ist für mich der erste Schritt zur Kultivierung des Tourismus. Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt, ich bin hier nur Gast. Je offener ein Besucher Prags ist, desto eher wird er auch etwas von der deutschen Vergangenheit der Stadt wissen oder entdecken. Zumindest Franz Kafka ist international bekannt.

    Trotzdem schade, dass sie keine Instrumente in die Hände bekommen haben.

    Damit hatten wir uns ja schon befasst. Ich hatte am 9. September geschrieben:


    Es ist nicht bekannt, ob die Figuren der Fahnentreppe überhaupt jemals Instrumente gehalten haben. Für die unter Friedrich Wilhelm IV. angefertigten Putti würde ich das ausschließen. Die Hände der Figuren sind meist entspannt. Sie halten nichts. Realistische Darstellungen von Musikern würden so spezifische Haltungen von Armen, Händen und Kopf zeigen, dass unschwer für den Betrachter zu erraten wäre, welches Instrument gespielt wird. Andreas Hoferick ist hier kein Vorwurf zu machen. Er hat sich genau an die historischen Vorlagen gehalten. Die Fotos sind zum Teil im Hintergrund der Werkstatt zu sehen.

    (In dem Post findet ihr auch einen Link zu Fotos aus der Werkstatt von Andreas Hoferick.)


    Und am 12. September schrieb Chris Hitarori:

    Für mich (Orchestermusiker) sehen sie alle aus wie Dirigenten. Die dasselbe Stück dirigieren, aber sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Interpretation haben. Was die Sache für mich umso erheiternder macht. Keinem von ihnen passt ein Instrument sinnvoll in die viel zu kleinen Händchen (außer vielleicht dem einen, der zwei kleine Becken halten könnte), und sie sind auch nicht in aktiver Spielhaltung (ganz im Gegensatz dazu die Figuren am chinesischen Teehaus). Die Basstuba ist übrigens ein neuzeitliches Instrument, gab es zu Barockzeiten nicht.


    Diese Putti, die Hoferick historisch korrekt nachgeschaffen hat, können niemals Musikinstrumente in den Händen gehabt haben. Wer es nicht glaubt, möge im Gedankenexperiment versuchen, den Goldjungs welche zu geben.

    Man muss versuchen, aus einer Reise immer das beste zu machen. Wenn der Zwingerhof gerade nicht so schön ist, dann besichtigt man einen anderen Ort. Auch wenn Dresden nicht London ist, gibt es da ja doch einige Alternativen.


    aber das mit der enormen Hitze und Amerikanern, die Klimaanlagen überall gewohnt sind, schon ein Problem speziell in Deutschland (und anderen west- und nordeuropäischen Ländern).

    Also nicht speziell in Deutschland, sondern in einer ganzen Reihe europäischer Länder. Und dies sicherlich, weil man Klimaanlagen bislang nicht generell für erforderlich hielt. Klimaanlagen würden Ressourcen verbrauchen und die Wohnkosten erhöhen.

    Treverer

    Dein Gemecker geht mir langsam auf die Nerven. Wir hatten die Grabungsarbeiten im Zwingerhof hier im Forum thematisiert. Warum hast du deinen Freund nicht darüber informiert? Du weißt, dass es in Deutschland im Sommer sehr heiß werden kann. Du weißt, dass wir in den Wohnhäusern keine Klimaanlagen haben. Warum hast du deinen Freund nicht entsprechend gewarnt? Dein Freund hätte im Steigenberger Hotel de Saxe oder einem anderen ordentlichen Hotel absteigen können. Es gibt da mehrere, die ganz sicher eine Klimaanlage haben. Wenn ich eine Privatwohnung nutze, dann finde ich es interessant, zu sehen, wie die indigene Bevölkerung so lebt. Perfekten Service erwarte ich da nicht. Die indigene Bevölkerung hat auch unter der Hitze gelitten. Mir hatte das Wetter ebenfalls nicht zugesagt. Deshalb habe ich in diesem Sommer Dresden nicht besucht.


    (allein in Dresdens Innenstadt waren in den letzten Jahren der Zwinger und die Sempergalerie eine Baustelle, das Schloss, der Schlossplatz und die Augustusbrücke, das Blockhaus, der Neumarkt und der Postplatz)

    Und du meinst, sie machen das, um die Touris zu ärgern? Nein, es sind alles notwendige Projekte, die nun mal ihre Zeit brauchen. Wie soll man das Schloss rekonstruieren, ohne dass es eine Baustelle ist?


    Ich war in den Jahren vor Corona viele Male in Dresden. Mir hat es stets gefallen. Die Baustellen haben mich nicht gestört. Baustellen können auch interessant sein.


    Vor einigen Jahren wurde der Wallpavillon am Zwinger restauriert. Da hatte man vor das Gerüst eine Plane mit dem Abbild des Wallpavillons gespannt. Man bemüht sich schon, die Einschränkungen für die Touris gering zu halten. Beispielsweise war die Augustusbrücke während der Sanierung für Fußgänger passierbar. Nur warum sollte man während einer Dürre ein bisschen Rasen sprengen, wenn der Zwingerhof im Wesentlichen eh eine Baustelle ist? Es herrschte Wassermangel.


    Und was soll der Vergleich mit London? Die Frage ist doch, warum verreist man? Ich fahre irgendwohin, weil mich die Gegend interessiert. Ich war in London, weil ich London sehen wollte. Und ich war in Dresden, weil ich mich für Dresden interessiere. London kann Dresden nicht ersetzen und umgekehrt. Die Städte sind ja völlig verschieden.


    "Wann lohnt es sich wieder hier oder dort hinzureisen?"

    Schau dich doch mal hier im Forum um! Da findest du viele aktuelle Fotos, die belegen, dass es viel Sehenswertes in Deutschland gibt. War denn dein Freund in Pillnitz? In Moritzburg? In Meißen? Großsedlitz? Auf der Festung Königstein? Es gibt im Dresdner Raum so viele bedeutende Sehenswürdigkeiten. Und du findest dazu auch nichts Vergleichbares in London und Umgebung. Südengland ist ja eine ganz andere Kulturlandschaft. War denn dein Freund in den Museen? Die haben eine Klimaanlage. Porzellansammlung, Mathematisch-Physikalischer Salon, Gemäldegalerie Alte Meister. Museen im Residenzschloss, darunter die herrlichen Paraderäume. Klar kannst du sagen: Versailles ist größer. Versailles ist anders. Jeder Ort hat seine Besonderheiten.

    Die Füllstände der deutschen Gasspeicher haben inzwischen die 90-Prozent-Marke überschritten. EU-weit wurde das Plansoll bei der Einspeicherung bereits übererfüllt (tagesschau.de).


    Nord Stream 2 wird nicht gebraucht. Wir sind in den vergangenen Jahren ja auch ohne ausgekommen. Es gibt genügend funktionierende Leitungen für den Gastransport aus Russland. Zum Glück haben wir auch Lieferbeziehungen zu anderen Ländern, sodass wir uns von dem russischen Diktator nicht erpressen lassen müssen. Auch nach einer Ablösung Putins wird eine Eindämmungsstrategie gegenüber Russland notwendig sein. Wie lange? Das wird sich zeigen. Das Zitat von Stephan Weil, das ich in meinem vorigen Beitrag gebracht habe, drückt vor allem auch die Enttäuschung des Westens aus. Das ganze Desaster der russischen Politik ist einigen Foristen offenbar nicht bewusst. Befreit euch vom Einfluss der russischen Propaganda!


    Macht euch nur mal eines bewusst: Es gibt diesen verdammten Krieg nur, weil Putin ihn will.


    Wer über explodierende Energiepreise klagt, muss Putin verfluchen.

    Dazu ein bisschen Friedrichstraße und Potsdamer Platz zum Vergleich.

    Die Friedrichstraße ist auf keinem der Bilder zu sehen. Da nicht jeder, der hier reinschaut, Berlin im Detail kennt, gebe ich noch ein paar Erläuterungen zu den Fotos.


    Bild 1 - ist aus dem Neuen Hof auf der Museumsinsel heraus aufgenommen. Am linken Rand das Neue Museum, rechts die James-Simon-Galerie, vor uns das Alte Museum und die Schlosskuppel.


    Bild 4 - Schinkelplatz. Das Denkmal zeigt den Namensgeber.


    Bild 6 - Das ist hinter der Staatsoper Unter den Linden. Am linken Bildrand die Staatsoper, rechts das Intendanzgebäude. Hinter der Gebäudebrücke, die den Übergang zum Prinzessinnenpalais bildet, die Schlosskuppel.


    Bild 7 - Terrasse beim Dachrestaurant des Humboldt Forums. Im Hintergrund die Marienkirche und das Hotel Park Inn (ehemals Hotel Stadt Berlin) am Alexanderplatz. Bald wird die Marienkirche von einem weiteren Hochhaus, das wesentlich näher an ihrem Turm steht, bedrängt werden.


    Bild 8 - Das Hochhaus Upper West an der Kantstraße. Das ist in der City West nahe dem Breitscheidplatz.


    Bild 9 - Ostseite (Außenseite) des Daimler-Areals, das zum Ensemble Potsdamer Platz gehört. Konkret zu sehen ist hier aber nicht der Potsdamer Platz, sondern die Linkstraße. Die Grünanlage davor nennt sich Tilla-Durieux-Park.


    Bild 10 - Blick über den Tilla-Durieux-Park zum Potsdamer Platz. Links die Linkstraße, rechts die Gabriele-Tergit-Promenade. Die grauen Kästen vor uns sind die westlichen Kopfbauten des Leipziger Platzes.


    Nach stadträumlichen Kriterien müsste Bild 8 das letzte Foto sein. Das ist am weitesten vom Schloss entfernt. Man könnte am Potsdamer Platz in die U-Bahn steigen und bis Zoo fahren, um die City West zu erreichen.

    Das folgende Zitat passt gut an diese Stelle, weil es ja konkret die Energiewende betrifft. Aufgrund der Abkopplung von Russland muss die Energiewende nun vorangetrieben werden. Die Bewertung der Dinge durch Stephan Weil deckt sich mit meiner Einschätzung, die ich aus vielen verschiedenen Quellen gewonnen habe. Vielleicht wird man später einmal die Nord-Stream-2-Röhren wieder aus der Ostsee fischen und als Reparationsleistung an die Ukraine geben.


    Nach Ansicht von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wird die Gas-Pipeline Nord Stream 2 niemals in Betrieb genommen werden, auch nicht nach dem Ende der Ära Putin. "Der Vertrauensverlust ist so fundamental, dass es nie wieder eine Situation geben wird, in der eine deutsche Bundesregierung auf Energie aus Russland setzen kann", sagte Weil der Nachrichtenagentur dpa.

    Allgemein werde es nie wieder zu einer Energie-Partnerschaft mit Russland kommen. Russland habe längst alle Brücken abgebrochen, so Weil. "Diese Kooperation ist unwiederbringlich zerstört. Und der Westen wird sich davon schneller erholen als Russland." Jeder, der sich nun noch auf eine Zusammenarbeit mit Russland einließe, müsste fürchten, ein zweites Mal hereingelegt zu werden.

    Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für die fertiggestellte Pipeline Nord Stream 2 im Februar auf Eis gelegt.

    Erklärtes Ziel Russlands war es

    Du fällst wieder einmal auf die russische Propaganda herein. Im Kern geht es bei dem Konflikt darum, dass Putin von einem Großreich träumt und sich die Ukraine einverleiben will. Die Ukraine versteht sich aber als eine eigenständige europäische Nation und will nicht zu Russland gehören. Das hat mit den USA nichts zu tun. Die Ukrainer sind selbständig denkende und handelnde Menschen.


    Der Donbass ist nur ein Vorwand. Putin erkennt das Selbstbestimmungsrecht der Völker ausdrücklich NICHT an. Das zeigt sich ja gerade im Angriff auf die Ukraine, der Putin eine selbstbestimmte Entwicklung verwehren will. Zuvor hatte er mit seiner Unterstützung für Lukaschenko bereits dem belarussischen Volk die Selbstbestimmung verwehrt. Der Tschetschenienkrieg sollte auch noch in Erinnerung sein.


    Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass die Ukraine einen europäischen und demokratischen Weg eingeschlagen hat, während in Russland eine antieuropäisch eingestellte Diktatur herrscht. Mit einer erfolgreichen Ukraine wäre innerhalb der "russischen Welt" eine Alternative zu Putins Herrschaftssystem gegeben. DAS empfindet Putin als Bedrohung, nicht die Waffen der ukrainischen Armee.


    Kriege sind immer mit Nachteilen verbunden. Diesem Krieg kann die EU leider nicht ausweichen. Wie ich bereits schrieb, ist Nord Stream II mausetot. Es gibt genügend Leitungskapazitäten für russische Erdgaslieferungen.

    Wenn das östliche, überwiegend von ethnischen Russen bewohnte Fünftel (wenn überhaupt) der Ukraine - abgesichert durch eine international gesichertes Referendum - zu Rußland möchte, dann gibt es da für mich schlicht kein Problem.

    Du kennst die antiukrainische Propaganda des Putin-Regimes nicht. Ich kenne entsprechende Äußerungen im russischen Original. Ziel der russischen Invasion ist die Liquidierung der ukrainischen Nation. Deshalb leisten die Ukrainer auch so entschiedenen Widerstand. Mir ist schon klar, dass dir das Schicksal der Ukrainer egal ist. Aber Europa und Deutschland kann es nicht egal sein, was da passiert.


    Rußland und die dort verantwortlichen Politiker sind uns nicht feindlicher gesonnen als unsere "Freunde" in Übersee oder Resteuropa, eher im Gegenteil

    Das Putin-Regime bedient sich einer übelsten antieuropäischen Rhetorik. Das bleibt den meisten Deutschen aber verborgen, weil sie über Russland wenig wissen und die Sprache nicht verstehen. Die Deutschen neigen dazu, Russland entweder zu verkitschen oder zu dämonisieren. Mit der widersprüchlichen und vielschichtigen Realität Russlands tun sich die Deutschen ausgesprochen schwer.

    Sollte ich hier vollkommen falsch liegen und es sicher sein - wie du schreibst - dass Russland auch über NS-II nichts liefern würde, falls Deutschland die Betriebsgenehmigung erteilte und um Lieferung anfragte, dann spricht doch nichts dagegen seitens der Bundesregierung eben genau das zu tun und Russland bloßzustellen und dieses Thema danach zu begraben. Die hiesigen Befürworter einer NS-II-Öffnung wären dann ruhig gestellt.

    Dieses Spiel hat die Bundesregierung schon einmal mitgemacht, als sie von Kanada die Rückgabe der gewarteten Turbine erbeten hat. Kanzler Scholz hat sich die Turbine dann bei Siemens Energy persönlich angesehen. Aber Gazprom hat die Turbine, die bei Siemens bereitstand, dann nicht angefordert. Der Bundeskanzler wird sich jetzt nicht zum Affen machen, nur weil du und ein paar andere Deutsche die russische Propaganda nicht durchschauen.


    Alternativ bietet Russland/Gazprom an die fehlende Differenzmenge (und sogar noch mehr) über die NS-II-Pipeline zu liefern, wohlwissend, dass dies ein Abnabeln der BRD aus der US-Amerikanischen Umarmung bedeutet würde, geopolitisch gesehen mithin eine tektonische Plattenverschiebung.

    Ein Ausscheren aus der Bündnissolidarität will in Deutschland natürlich keiner, der politische Verantwortung trägt.

    bevor ich einen strategisch wichtigen Lieferanten verprelle, stelle ich sicher, dass eine gangbare Alternative bereit steht. Und solch einen Alternativ-Lieferanten baut man parallel auf.

    Litauen hat das gemacht. Dort wurde ein Flüssiggasterminal errichtet und in diesem Frühjahr planmäßig der Bezug von russischem Erdgas eingestellt. Das Projekt hatte aus sicherheitspolitischen Gründen Priorität. Deutschland muss sich nun sehr schnell Alternativen suchen, weil der Krieg die deutsche Politik kalt erwischt hat.


    Das ist so nicht richtig, wie folgende Meldung von Dezember 2021 zeigt

    Im Dezember 2021 gab es bereits den russischen Truppenaufmarsch rund um die Ukraine. Es war die Zeit der Krisendiplomatie, deren Ziel es war, den drohenden Krieg abzuwenden. Zu der Zeit war, wie dein Zitat belegt, dass Genehmigungsverfahren für Nord Stream II noch im Gang. Begraben wurde das Projekt erst, als der Krieg da war. Ich hatte das schon ganz richtig geschrieben.


    Und hier liegt des Pudels Kern: einerseits kassieren diese Länder Transitgebühren für das Durchleiten des Erdgases über ihr Territorium und andererseits (und das ist wohl noch entscheidender) besteht über diese Landesleitungen die Möglichkeit den Durchfluss (ggf. auf Zuruf) zu kappen. Diese Kappungs-Möglichkeit seitens US-freundlicher Drittstaaten besteht über die Nord-Stream-Pipelines nun gerade nicht.

    Weder Polen noch die Ukraine haben während des Krieges die Rohstofflieferungen über ihr Gebiet unterbrochen. Obwohl die Ukraine ein Embargo forderte, hat sie den Transit NICHT behindert. Die Entscheidung, weniger bzw. kein Erdgas mehr zu liefern, fiel in Moskau. Und bevor Deutschland nicht mehr beliefert wurde, hat Putin einigen kleineren Ländern den Gashahn zugedreht.


    Nord Stream I steht ja, wie ich bereits schrieb, zur Verfügung, aber Putin will eben nicht.

    Nord-Stream-II öffnen und die verbliebenen 3 AKW's weiterbetreiben und zwar voll.

    Ich bin auch dafür, die Kernkraftwerke vorerst weiterzubetreiben, und natürlich im Grundlastbetrieb.


    Nord Stream II brauchen wir aber nicht. Die bestehenden Leitungskapazitäten reichen aus, um Deutschland und andere europäische Länder mit russischem Erdgas zu beliefern. Dem stehen auch keine EU-Sanktionen entgegen. Wenn Russland nur reduzierte Mengen oder gar nicht liefert, so geht dies auf Entscheidungen des Diktators in Moskau zurück. Die Wirtschaftsfachleute von Gazprom können dann leider auch nichts dagegen machen. Sie würden lieber ihre Verträge erfüllen. Statt dessen wird in großem Umfang Gas abgefackelt.


    Aus einer einmal erschlossenen Erdgaslagerstätte muss das Gas strömen. Man kann nicht einfach den Hahn auf- oder zudrehen. Es gibt deshalb riesige Speicher, um Erdgas zwischenzuparken. Die sind in Russland aber längst voll. Ein Teil der für Europa bestimmten Lieferungen konnte nach Asien umgelenkt werden, aber eben nur ein Teil. Der Diktator handelt wider die ökonomische Vernunft und er schadet massiv Russlands Zukunft.


    Das Genehmigungsverfahren für NordStream II wurde gestoppt, als Russland den Krieg begann.

    Nun, sie hat schon etwas mit 1950 zu tun, bezogen auf den Lebensstandard. Damals hatte ein normaler Haushalt noch kein Auto, keinen Kühlschrank, keinen Fernseher, keine Waschmaschine, keine Urlaubsreisen usw. Fahrrad, Zug- und Busverkehr aber gab es schon

    Die Perspektive ist das entscheidende, nicht der momentane Zustand. Zumal Ulrike Herrmann auch nicht zur Momentaufnahme 1950 zurückkehren will. Damals gab es private Pkw, wenn auch nicht sehr viele. Frau Herrmann will private Pkw komplett verbieten. Damals gab es Luftverkehr. Flugreisen waren zwar sehr selten, aber es gab Luftfahrt. Herrmann will die Luftfahrt komplett verbieten. Total, für alle! Hier ist ein Youtube-Video vom 6. Januar 2022 mit einem Vortrag von Ulrike Herrmann. Sie äußert sich zur Geschichte des Kapitalismus und ab etwa Minute 24 zu ihrer Vorstellung von einer "kleinen Kreislaufwirtschaft" (im Sinne des prägnanten Zitats, das Valjean weiter oben präsentiert hat). Den Übergang will sie mit den Methoden der britischen Kriegswirtschaft hinbekommen. Auch hier berücksichtigt sie die Perspektive nicht. Kriegswirtschaft ist eine kurzzeitige Maßnahme mit der Aussicht auf Besserung. Herrmann will aber dauerhaft die Dynamik aus der Volkswirtschaft herausnehmen.


    Die Luftverkehrswirtschaft will sie gänzlich abwickeln. Die Piloten schickt sie in die Forstwirtschaft. Das Bankenwesen wird in Herrmanns Welt nicht mehr gebraucht. Die Bankangestellten müssen in die Landwirtschaft. Da dann ein riesiges Heer an Arbeitskräften für den Agrarsektor zur Verfügung steht - schließlich werden auch noch andere Bereiche des modernen Wirtschaftslebens abgeschafft -, könnte auf den Einsatz von Landmaschinen und Traktoren (weitgehend) verzichtet werden. Die Vision von Ulrike Herrmann könnte den Stoff für einen utopischen Roman abgeben.


    Eine Gegenposition vertritt HelgeK:

    Leider ändert das alles nichts an der Notwendigkeit eines Ausstieges aus jeglicher Verfeuerung fossiler Rohstoffe. Eine Notwendigkeit, deshalb das Gesellschaftssystem umzubauen, vermag ich in keiner Weise zu erkennen. Die bezüglich global fortschrittlichsten Länder wie Dänemark oder die Niederlande stehen ja auch nicht unbedingt für Steinzeitkommunismus.

    Ja, die Vision von Ulrike Herrmann geht eher in Richtung Subsistenzwirtschaft und hat mit 1950 nun wirklich gar nichts zu tun. Damals war eine Zeit des Aufbaus, des Aufbruchs, des Wachstums - das Gegenteil einer "kleinen Kreislaufwirtschaft".


    Am Ende verrät Frau Herrmann, dass ihre Vision aus der Mottenkiste des Marxismus-Leninismus kommt:

    Quote from Ulrike Herrmann

    dieses System, `ne private, also `ne staatlich gelenkte Privatwirtschaft, wo man sich entscheidet, was in dieser kleinen Kreislaufwirtschaft noch produziert wird – plus RATIONIERUNG


    Eine "staatlich gelenkte Privatwirtschaft" - nun, da wird der Staat bald auf die Idee kommen, die Wirtschaft ganz zu verstaatlichen. Weil ohnehin eine Zuteilungswirtschaft aufgebaut wird. Zuteilung von Aufgaben, Zuteilung von Sozialleistungen. Es geht um eine umfassende Planwirtschaft, die an die Staaten des sowjetischen Blocks erinnert. Wer entscheidet, was in dieser kleinen Kreislaufwirtschaft noch produziert werden darf? Natürlich das Zentralkomitee der kommunistischen Partei. Geändert hat sich gegenüber einem klassischen marxistisch-leninistischen System nur die Zielsetzung. Statt "Diktatur des Proletariats" nennen wir das Ganze dann "Diktatur der ökologischen Vernunft".


    Eine Diktatur wird benötigt, um das neue System im Innern durchzusetzen und gegen äußere Feinde abzusichern, die uns unser kleines Paradies nicht gönnen. Das ZK der KP wird uns dann sagen, dass wir eine starke Armee brauchen. Für diese werden die Ökokriterien außer Kraft gesetzt. Denn solange es noch Staaten gibt, die moderne Waffen besitzen, können wir unsere Streitkräfte nicht allein an ökologischen Kriterien ausrichten. Zum Ausgleich des Ressourcenverbrauchs durch Armee und Sicherheitsapparat wird das einfache Volk in seinem Lebensstandard weiter herabgesetzt.


    Rationierung kennt man aus Notzeiten. Rationierung ist mit Gewalterfahrung verbunden.


    Die Geschichte hat gezeigt, dass totalitäre Systeme - und etwas in der Art schwebt Frau Herrmann letztlich vor - nur begrenzte Zeit einigermaßen funktionieren und eine schlechte Ökobilanz haben.

    Möglich wäre allein eine Präsentation der Langen Kerls im Rahmen des (noch bestehenden?) Vereins als touristische Attraktion.

    Ganz richtig. Vielleicht anlässlich eines Stadtfestes oder an den Sommerwochenenden. Und so eine Art Touristenbespaßung ist es ja auch, was Exilwiener im Grunde vorschwebt. Das hat mit den militärischen Ehrengarden im Dienste staatlicher Repräsentation nichts zu tun. Da tritt es allenfalls als Nebeneffekt auf, z. B. in Stockholm oder London. Mir ging es bei meiner Antwort vor allem darum, aufzuzeigen, dass man dieses Thema ganz sachlich diskutieren kann. Leider verkrampfen viele Menschen in Deutschland da sofort, was viel mit Unkenntnis zu tun hat (wie ja auch hier im Forum zu beobachten).


    Immerhin wurde die Fahnentreppe nur gebaut, weil der König kurz seine Wohnung verlassen und den vor dem Schloss angetretenen Soldaten die Regimentsfahne bringen wollte. Ohne preußische Soldaten gäbe es diese Treppe also gar nicht. Als weitere Spuren der einstigen Militärpräsenz im Stadtzentrum könnte man die Garnisonkirche, das Große Militärwaisenhaus in der Lindenstraße und die Kaserne der Garde-Ulanen an der Südseite des Luisenplatzes nennen - allesamt schöne Gebäude. Auf Personen in friderizianischer Kostümierung kann man in Potsdam an den Eingängen zum Park Sanssouci treffen.


    Potsdam, Flötenspieler in friderizianischer Tracht am Eingang zum Park Sanssouci an der Maulbeerallee

    (Foto: Avi1111, 29. Juni 2016, CC-BY-SA-4.0)

    Die Langen Kerls werden wir schon noch live erleben.

    Ganz bestimmt nicht. Denkbar wäre das nur bei einem Kostümfest oder zu Dreharbeiten für einen Historienfilm.


    In Stockholm, in Kopenhagen, in Oslo, in London, in Griechenland usw. …


    …bewachen Soldaten in historischen Uniformen die historisch relevanten Gebäude

    Du nennst nationale Haupstädte. Potsdam ist aber nur eine Landeshauptstadt. Das Militär ist eine nationale Angelegenheit. Ehrenformationen und Ehrenwachen stehen im Zusammenhang mit höchsten nationalen Anlässen oder Orten. Vor den Landtag in Potsdam würde niemand außer dir eine Ehrenwache stellen, weil das kein zentraler nationaler Ort ist. Die Nation ist Deutschland. Den Staat Preußen gibt es nicht mehr. Schon deshalb würde niemand preußische Uniformen verwenden. Du hattest ja mal vorgeschlagen, das Land Brandenburg in Preußen umzubenennen. Das ist abwegig.


    In der Weimarer Republik und im Dritten Reich trugen Ehrenformationen und Ehrenwachen jeweils zeitgenössische Uniformen. In der DDR trugen sie NVA-Uniformen und in der Bundesrepublik tragen sie Paradeuniformen der Bundeswehr. In deiner Heimat Österreich ist die Garde des Bundesheeres für Ehrenformationen und Ehrenwachen zuständig. Sie nutzt dafür Uniformen der zweiten Republik.


    Ganz allgemein lässt sich sagen, dass ein Staat bei den Uniformen nur soweit zurückgeht, wie es dem Traditionsverständnis dieses Staates entspricht. Mehrere europäische Staaten beziehen sich dabei auf Uniformgestaltungen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Beispiele sind Lettland, Polen, Ungarn. Tschechien und die Slowakei beziehen sich auf die Uniformtradition der Tschechoslowakischen Republik. Die Uniformen der Prager Burgwache wurden 1990 geschaffen. Die Türkei nutzt zu repräsentativen Anlässen Uniformen der Republik, nicht etwa des Osmanischen Reiches. Russland verwendet Uniformen, die in der sowjetischen Tradition stehen. Es gibt in Moskau "Operettenuniformen", die an das 19. Jahrhundert erinnern. Diese werden nur zu besonderen Anlässen mit Anwesenheit des russischen Präsidenten verwendet, aber nicht für Ehrenwachen. Ähnliches finden wir in Paris und Rom. Auch dort gibt es "Operettenuniformen" in den Präsidentenpalästen. Sie dienen der Repräsentation des Staatsoberhauptes.


    Für ständige Ehrenwachen kommen Gedenkstätten von besonderer nationaler Bedeutung und der Sitz des Staatsoberhauptes.in Frage. In Prag gibt es die Wachen an den Eingängen der Burg nicht, weil dort viele Touristen hinkommen, sondern weil die Prager Burg der Sitz des Präsidenten der Republik und der Symbolort tschechischer Staatlichkeit ist. Darüber hinaus gibt es in Prag viele "historisch relevante Gebäude", aber keines mit einer ständigen Ehrenwache. In Warschau und Moskau gibt es Ehrenwachen am Grabmal des Unbekannten Soldaten.


    Monarchien haben andere Möglichkeiten. Sie haben eine längere Staatstradition. In Deutschland oder Österreich wird es aber auch künftig keine Monarchie geben. Man kann eine Republik nicht wieder in eine Monarchie umwandeln, weil es nicht zu rechtfertigen ist, eine einzelne Familie dauerhaft zu privilegieren.


    Jede Nation hat ihre spezifischen Traditionen staatlicher Repräsentation.

    Der Bildhauer Andreas Hoferick hat zur Fahnentreppe eine umfangreiche Serie von Werkstattfotos veröffentlicht. (Das erste Bild zur Vergrößerung anklicken, dann weiter mit Pfeiltasten.) Da kann man seine Entwürfe aller neun Figuren begutachten. Den Benennungen der Figuren zufolge gibt es zwei Dirigenten und je einen Putto, der Geige, Gambe, Holzblasinstrument, Horn, Basstuba, Harfe, Triangel spielt. Die Zuordnungen erscheinen mir zum Teil zweifelhaft. Jedenfalls könnte man den Figuren keine "echten" Instrumente in die Hände geben. Der Geiger müsste dann zum Beispiel seine linke Hand ganz anders halten (nämlich einwärts drehen).


    Es ist nicht bekannt, ob die Figuren der Fahnentreppe überhaupt jemals Instrumente gehalten haben. Für die unter Friedrich Wilhelm IV. angefertigten Putti würde ich das ausschließen. Die Hände der Figuren sind meist entspannt. Sie halten nichts. Realistische Darstellungen von Musikern würden so spezifische Haltungen von Armen, Händen und Kopf zeigen, dass unschwer für den Betrachter zu erraten wäre, welches Instrument gespielt wird. Andreas Hoferick ist hier kein Vorwurf zu machen. Er hat sich genau an die historischen Vorlagen gehalten. Die Fotos sind zum Teil im Hintergrund der Werkstatt zu sehen.


    Auf einigen Fotos sieht man übrigens auch die Büsten Wilhelm von Boddien und Franco Stella (besonders gut bei Bild Nr. 21)


    Hier noch eine Aufnahme der sechs oberen Putti vom 24. Juni. Der niederländische Fotograf Dosseman schrieb dazu: "I do not know what purpose the golden boys served."


    Potsdam, Stadtschloss, Fahnentreppe (Foto: Dosseman, 24. Juni 2022, CC-BY-SA-4.0)