Posts by Rastrelli

    Chamfort

    Ich hoffe doch, dass du weiter im Forum aktiv bleibst. Du bringst hier wichtige Themen ein, die sonst kaum einer bearbeiten kann. Baustoffe und Materialforschung ist so ein interessantes Thema.


    Karbonbeton ist eine Neuentwicklung, die unter anderem bei der statischen Ertüchtigung alter Bauwerke gute Dienste leisten kann. Holz ist dagegen eines der ältesten Baumaterialien. Es erlebt derzeit eine Renaissance. Dazu eine Doku in der MDR-Mediathek:


    MDR - "Bauboom im Klimawandel - Baustoffe der Zukunft" (verfügbar bis 4. Mai 2023)

    Eine andere Meldung:

    Daimlers Bussparte stellt das Stadtbus-Angebot bis 2030 komplett auf Elektroantriebe um. Bis dahin dürfte die Anzahl der klimafreundlichen Busse auf deutschen Straßen kräftig steigen - aber möglich wäre noch mehr.

    1.200 E-Busse sind bereits in Deutschland im Einsatz. Der Kauf von 5.000 weiteren E-Bussen ist beantragt.


    Zu den Bränden in deutschen Busdepots:


    tagesschau.de/wirtschaft/technologie/elektrobusse-depotbrand


    (Auf den beiden Seiten gibt es weitere Links zur E-Mobilität.)

    Heute wird die Stabkirche in Stiege im Beisein von Ministerpräsident Reiner Haseloff wieder eingeweiht. Der aktuell verfügbare MDR-Bericht enthält ältere Fotos, Links und ein Video. (Nachtrag: Die MDR-Seite wurde am 21. Mai mit Fotos und einem Video aktualisiert. Bei der Eröffnung war Kulturminister Robra anwesend, nicht, wie ursprünglich angegeben, Herr Haseloff.)


    Detaillierte Infos und eine virtuelle Besichtigung gibt es auf der Website zur Stabkirche. Die Ansicht lässt sich verschieben, so dass man zur Decke, auf den Boden und in alle Winkel schauen kann. Ist toll geworden! Solche kleinen Holzkirchen sind einfach sympathisch.

    Chamfort

    Nein. Davon hätte ich gehört. Es ist nicht hilfreich, irgendwelche Gerüchte in die Welt zu setzen.


    Zu unserem eigentlichen Thema hier: Schäden am kulturellen Erbe sind in diesem - wie in jedem Krieg - ein Teilaspekt des Krieges. Sie nehmen in der Berichterstattung ukrainischer Medien keinen ungewöhnlich großen Raum ein. Das Thema ist ein Teilaspekt, aber es steht nicht im Mittelpunkt. Damit will ich keinesfalls irgendetwas verharmlosen oder Entwarnung geben.

    Es folgt die Nr. 81.


    Gutenbergstraße 81 (Foto: Clemensfranz, 9. August 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 80. Dieses Haus, östlich (rechts) der Baulücke Nr. 81 gelegen, entspricht dem Haus Nr. 82 westlich der Baulücke

    (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 79 weist die gleichen Merkmale auf wie Nr. 83. Tor, gemauerte Lisenen und Gaupe. Außerdem tritt die Fassade ein wenig aus der Bauflucht hervor, wie bei Nr. 83 und Nr. 86. Die Berankung verunklart die Fassade etwas

    (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 78 entspricht in der Gestaltung der Nr. 84 (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 77 entspricht in der Gestaltung der Nr. 85. Die Berankung verunklart das Fassadenbild

    (Foto: Clemensfranz, 9. August 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 76. Rechts daneben eine Brandgasse, dann das Eckhaus an der Benkertstraße. Nr. 76 wurde offenbar in der Gründerzeit verändert (Fensterläden, Fensterteilung, Balkon). Das Haus entspricht aber eigentlich der Nr. 86

    (Foto: Clemensfranz, 27. März 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Von Nr. 86 bis Nr. 76 ergibt sich also eine symmetrisch aufgebaute Zeile aus 11 Traufhäusern, und die Nr. 81, derzeit eine Baulücke ist das mittlere dieser Häuser.


    Bei der Schließung des Blockrandes durch die Errichtung des traufständigen zweigeschossigen Vorderhauses muß darauf geachtet werden, daß der Parzelle Gutenbergstraße 81 eine besondere Stellung innerhalb der Blockrandbebauung zwischen Friedrich- Ebert- Straße und Benkertstraße zuteil wird. Die Parzelle befindet sich in der Mitte der Langhauszeile. Das neu zu errichtende Gebäude soll, wie zuvor das 1986 abgerissene Gebäude, durch seine aus der Bauflucht hervortretende Lage, durch seine die Mittelachse flankierenden Lisenen sowie die Tordurchfahrt einen Akzent in der Straßenfront der Traufenhäuser der Gutenbergstraße setzen.



    Von Nr. 81 sind noch Reste des Treppenhauses vorhanden:

    Auf dem Grundstück sieht man die mehr oder weniger wetterfest gemacht Ruine des Treppenhauses, das soweit ich weiß denkmalgeschützt ist. Möglicherweise trägt das dazu bei, dass das Grundstück bisher nicht bebaut wurde.

    Neben einem Seitengebäude, einem Quergebäude und einzelnen Garagenbauten sind auf der Parzelle Gutenbergstraße 81 noch spärliche Reste des historischen Vorderhauses vorhanden. Hierbei handelt es sich um Teile des originalen Treppenhauses und Reste der ursprünglichen Teilunterkellerung.



    Hier zum Vergleich ein Blick in die Diele des Jan-Bouman-Hauses.


    Mittelstraße 8, Diele und Treppe des Jan-Bouman-Hauses, Blick zum Hof (Foto: JBHP, 31. Juli 2016, CC-BY-SA-4.0)

    Es geht hier um den Wiederaufbau des Hauses Gutenbergstraße 81 im Holländischen Viertel. Eine Visualisierung konnte ich nicht ermitteln. Die bisherige Praxis im Holländischen Viertel und die strengen Vorgaben des Denkmalschutzes lassen jedoch eine Rekonstruktion der Straßenseite erwarten. Es gibt ein "Gestaltungskonzept Gutenbergstraße" (PDF, März 2000) mit detaillierten Informationen und zahlreichen Abbildungen zum holländischen Teil der Gutenbergstraße.


    Unter dem folgenden Zitatlink findet ihr eine historische Luftaufnahme des Bassinplatzes. Die Gutenbergstraße bildet die nördliche Platzkante. Der Abschnitt der Gutenbergstraße zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Benkertstraße gehört zum Karree 10 des Holländischen Viertels (fertiggestellt 1737). Haus Nr. 81 lag genau in der Mitte dieses Abschnitts und war architektonisch etwas hervorgehoben. Es ist auf dem Foto von potsdam-fan nördlich der katholischen Propsteikirche St. Peter und Paul an dem Mittelgiebel zu erkennen.

    Umso mehr ein Grund, nach historischen Fotos zu suchen.


    Bislang wurden im Holländischen Viertel fünf Häuser rekonstruiert (Angabe von Konstantindegeer).


    Es folgen die beiden Bauten Gutenbergstraße 69 und 70. Zwei Vollrekos aus DDR-tagen unter Verwendung von Abbruchziegeln. Holländerhäuser mit Garage:

    Unter dem Zitatlink findet ihr dazu Fotos von Konstantin, die aber Kopfstand machen. Im "Gestaltungskonzept" gibt es Fotos der beiden rekonstruierten Häuser auf Seite 52. Die beiden Häuser befinden sich im Karree 11, also im östlich der Benkertstraße gelegenen Teil der Gutenbergstraße.


    Als Referenz mag die Gutenbergstraße 75 dienen, die ein Potsdamer SPD-Politiker wiederaufgebaut hat und herrlich geworden ist. Das setzte - im gegensatz zu den Wiederaufbauten zu DDR-Tagen - die Standards.

    Unter dem Zitatlink dazu ein tolles Foto von Konstantin. Gehört auch zum Karree 11.


    In späten Tagen der DDR ist vom Potsdamer Architekten Christian Wendland auch die Mittelstraße 4 rekonstruiert worden.


    Holländisches Viertel, Mittelstraße 4 (Foto: Clemensfranz, 2. April 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Der unglaubliche Wert dieser Reko offenbart sich im städtebaulichen Kontext.


    Holländisches Viertel, Mittelstraße, rechts angeschnitten Haus Nr. 1. Es folgen dann die Giebel von Nr. 2, 3 und 4 usw.

    (Foto: Mister No, 8. März 2011, CC-BY-3.0)


    Die Lücke Nr. 82 und der historische Bau Nr. 81, der heute die Lücke darstellt, ist hier im Jahr 1980 zu sehen. Das barocke Typenhaus wurde noch 1989 abgerissen.

    Unter dem Zitatlink findet ihr ein altes Foto. Gutenbergstraße 82 ist die fünfte Reko im Viertel. Nr. 81 wurde laut "Gestaltungskonzept" (S. 12) im Jahr 1986 abgerissen. Alte Fotos von Nr. 81 gibt es auf S. 5-6 des "Gestaltungskonzepts".


    Blick von der Friedrich-Ebert-Straße in die Gutenbergstraße. Links die Häuser 86, 85, 84, 83 (mit Gaupe) und 82 (die Reko). Der Baum markiert dann die Lücke Nr. 81. Die Bäume auf der rechten Straßenseite gehören zum Bassinplatz

    (Foto: Pavel Vlček, 7. August 2011, CC-BY-SA-3.0)


    Die Häuser Gutenbergstraße 86 bis 82. Am linken Bildrand trennt eine Brandgasse die Häuserzeile vom Eckhaus an der Friedrich-Ebert-Straße. Am rechten Rand die Baulücke Nr. 81. (Foto: Steffen Prößdorf, 23. September 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Die Fassadenabfolge von West nach Ost:


    Gutenbergstraße 86. Die Mittelachse wird durch gemauerte Lisenen betont. Solche Lisenen gab es auch am Haus Nr. 81. Sie sollen laut "Gestaltungskonzept" rekonstruiert werden (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 85 (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 84 (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 83 (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Gutenbergstraße 82 (Foto: Clemensfranz, 15. Mai 2012, CC-BY-SA-3.0)

    Heimdall

    Es stimmt aber. Im Holländischen Viertel wird nur angepasst gebaut. Wir hatten das Thema ja schon öfter hier. Und jetzt haben schon drei Leute darauf hingewiesen, die Potsdam gut kennen: Herr Herrmann, UrPotsdamer und Erbse. Von dir dagegen nur Geraune und

    kein Link, kein Foto, keine Hintergrundinfo


    Das Holländische Viertel ist von barocken Typenbauten geprägt. Ich finde diese Häuser sehr angenehm, auch im Innern. Für mich ist es einer der schönsten Orte in Potsdam. Wenn ich daran denke, kriege ich schon wieder Sehnsucht.

    (...) entfernt, bezog sich auf einen editierten Beitrag. Mod


    Zu deinen Videos: Sie beziehen sich auf die Angriffe, die wir hier schon am Dienstag gemeldet haben.

    Gemeint ist "touristische Infrastruktur", konkret ein Hotelkomplex direkt am Meer ("Grande Pettine"). Außerdem wurde ein Shopping Center namens "Riviera" am Stadtrand zerstört.

    Im FAZ-Video sind am Schluss, wo von "Luhansk" die Rede ist, weiter Bilder aus Odessa zu sehen. Im niederländischen Video teilt der Militärexperte die Einschätzung, dass die Russen Odessa nicht erobern können. Die Bilder ganz am Anfang zeigen das Hotel am Kap Welykyj Fontan.

    Ortsnamen erzählen etwas über die Kulturgeschichte. Odessa erhielt seinen Namen 1795 nach einer griechischen Kolonie der Antike. Jenes "Odessos" lag zwar bei Varna in Bulgarien, aber es ging ja nur darum, einen schönen Namen zu finden. Bereits 1778 hatte eine russische Stadtgründung im Mündungsbereich des Dnipro einen griechischen Namen erhalten: Cherson - nach der antiken Stadt Chersones, deren Ruinen im heutigen Sewastopol auf der Krim bestaunt werden können. Der Name "Sewastopol" ist ebenfalls griechischen Ursprungs, genau wie "Simferopol". Griechischer Herkunft, aber nicht von der Antike motiviert, ist der Name der Stadt Mariupol. Sie ist nach der Jungfrau Maria benannt und erhielt diesen Namen, weil sich dort griechische Siedler von der Krim niederließen. Die Endung -pol all dieser Ortsnamen ist eine Verkürzung von griech. "polis". Und nach dieser Herkunft richtet sich die Betonung. Sie liegt - wie in "Akropolis" - immer auf der Silbe vor -pol, im Falle Mariupols also auf dem u. Ein weiterer klangschöner Name in der Region, der diesem Muster folgt, ist "Melitopol". Von all diesen Stadtgründungen blühte Odessa am schnellsten auf. Die Bewohner der Hafenstadt werden Odessiten genannt, und diese im Russischen unübliche Wortbildung ist ebenfalls am Griechischen orientiert.


    Ich hatte bereits das Hotel "Grande Pettine" am Kap Welykyj Fontan gezeigt, das bei einem russischen Raketenangriff zerstört wurde. Hier nun ein Luftbild von der weiteren Umgebung. Das Hotel befindet sich unterhalb des Kaps und ist nur schwach zu erkennen. Gleich rechts vom Kap sehen wir mehrere weiße Bauten aufragen. Sie gehören zu einem Kloster, das ich später noch vorstellen möchte. (Über den Link unter dem Bild könnt ihr zu einer vergrößerten Ansicht gelangen.)


    Odessa, Blick nach Süden zum Kap Welykyj Fontan (Foto: Alexey M., 29. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Das Kap Welykyj Fontan (oder russ. Bolschoj Fontan) bildet den südlichen Endpunkt der Bucht von Odessa. Der Name bedeutet "Große Fontäne". In Meyers Lexikon aus den 1920er Jahren fand ich die deutsche Bezeichnung "Groß-Fontan". Inwieweit sie tatsächlich gebräuchlich war, weiß ich allerdings nicht. Es gibt im Süden von Odessa die Ortsteile Kleine Fontäne, Mittlere Fontäne und Große Fontäne. Die Namen beziehen sich auf Mineralquellen, die zur Trinkwasserversorgung gefasst wurden. Schon im 19. Jahrhundert entwickelten sich hier Datschensiedlungen und ein Kurortbereich mit einer Abfolge von Badestränden. Der Strand im vorderen Bereich des Luftbildes trägt den schönen Namen "Tschajka" (Möwe). Direkt bei der Mole fällt ein schlossartiges Gebäude auf. Es wird zuweilen Harry-Potter-Schloss genannt und ist das Wohnhaus des Juristen und Politikers Sergej Kiwalow.


    Odessa, 11. Station von Welykyj Fontan, Wohnhaus von Sergej Kiwalow (Foto: Andris Malygin, 31. August 2009, CC-BY-3.0)


    Ja, auch so kann man heute bauen.


    Odessa, 11. Station von Welykyj Fontan, Blick von der Mole zum Wohnhaus von Sergej Kiwalow

    (Foto: Юра Запеченко, 30. August 2015, CC-BY-3.0)


    Ungewöhnlich ist die Ortsbezeichnung "11. Station von Welykyj Fontan". Sie bezieht sich auf eine Haltestelle der Küstenstraßenbahn. Man hat die Bahnstationen vom Zentrum Odessas ausgehend einfach nummeriert und diese Bezeichnungen auch zur Ortsgliederung genutzt. Welykyj Fontan beginnt bei der 11. Station. Das Kap Welykyj Fontan liegt im Bereich der 16. Station. Ihr könnt mit der Straßenbahnlinie 18 hinfahren.

    Die Vergleiche, die uns erbse anbietet, sind nicht tragfähig. Heimdalls Charakterisierung "Kollateralschäden" trifft, jedenfalls bislang, mehr oder weniger zu. Kulturgüter sind ja durch Kriegshandlungen immer in Gefahr, und es gab auch in diesem Krieg bereits beträchtliche Schäden in diesem Bereich.

    Die Bewohner von Odessa nennt man Odessiten. Das ist der Ausdruck im Russischen und Ukrainischen. Zu "Odessit" gibt es ganz normal eine weibliche Form: Odessitin (im Deutschen), odessitka (im Russischen).


    одесситка (Odessitka, gesprochen: Adjessitka - russisch)

    одеситка (Odessytka - ukrainisch)

    Odessitin (deutsch)


    Das ist eine ganz normale Wortbildung und jedem geläufig, der sich näher mit Odessa befasst hat.

    Wie ich gerade in der Welt las, wurde von den Ukrainern heute das modernste Schlachtschiff der Schwarzmeerflotte, die „Admiral Makarov“, schwer getroffen und wird vermutlich wie die „Moskwa“ in Bälde sinken.

    Ich habe recherchiert. Das lässt sich nicht bestätigen. Versenkt wurde ein Landungsboot.


    Putin hat nun auch touristische Ziele in Odessa zerstören lassen

    Gemeint ist "touristische Infrastruktur", konkret ein Hotelkomplex direkt am Meer ("Grande Pettine"). Außerdem wurde ein Shopping Center namens "Riviera" am Stadtrand zerstört.


    Hier noch ein Foto des Hotels, das zerstört wurde. Das Gebäude in historisierender Architektur hat seine Schauseite zum Meer.


    Odessa, das Hotel "Grande Pettine" am Kap Welykyj Fontan (Große Fontäne) im Süden der Stadt

    (Foto: Yakudza, 16. Oktober 2016, CC-BY-SA-3.0)

    Das Stadtviertel nennt sich Podolsky st ein relativ kleines Viertel im Norden der Hauptstadt! Liegt in einem schmalen Tal

    Du hast die richtige Gegend auf dem Stadtplan markiert. Sie liegt aber nicht im Norden, sondern im historischen Zentrum der Stadt und wird Hontschari-Koschumjaky (Гончарi-Кожум'яки) genannt. Den Namen kann man sogar übersetzen: "Töpfer-Gerber". Er verweist auf die Handwerker, die früher dort ansässig waren. Die Gegend gehört zum Stadtviertel Podil (oder russ. Podol). "Podolski" ist das russische Adjektiv dazu. Es dient zur Bezeichnung des Stadtbezirks (Rayon), der bis fast an den nordwestlichen Stadtrand reicht: Podilskyj rayon (oder russ. Podolski rayon).


    Das Gebiet liegt unmittelbar westlich der Straße Andrijiwskyj uswis (oder russ. Andrejewski spusk), die von der Andreaskirche zum Podil hinunterführt. Die Bezeichnung "Andreassteig" in der deutschen Wikipedia ist eine schlechte Übersetzung. Im Ukrainischen bzw. Russischen steht "Hang", "Abhang". Das ist etwas anderes als "Steig". "Steig" bezeichnet ja nicht unbedingt einen ansteigenden Weg (vgl. Bürgersteig, Bahnsteig), sondern ist eine stilistisch auffällige Bezeichnung für einen schmalen Weg. Für Kiewer Straßen gibt es keine halboffiziellen deutschen Namen. Es ist üblich, die landessprachliche Form zu verwenden. Der deutsche Wiki-Artikel enthält noch einen anderen Schnitzer. Als nächstgelegene Metrostation wird angegeben: "Marktplatz (Kontraktowa ploschtscha)". Namen von Metrostationen werden aber nicht übersetzt. In der Kiewer Metro wird der Stationsname für Ausländer in einer englischen Transkription angegeben: Kontraktova Ploscha. Die richtige Übersetzung wäre "Kontraktplatz" (nach den Handelsverträgen, die von den Kaufleuten dort früher geschlossen wurden).


    Die Bebauung der Straße Andrijiwskyj uswis (Андріївський узвіз) stammt aus dem Zeitraum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Es gibt nur zwei Ausnahmen aus jüngerer Zeit.


    Die von Fachwerkliebhaber präsentierten Bauten in Hontschari-Koschumjaky wurden ab 2001 errichtet, im Wesentlichen zwischen 2003 und 2010. Hontschari-Koschumjaky besteht aus vier Straßen: Hontscharna (Гончарна, Töpferstraße), Koschumjazka (Кожум'яцька, Gerberstraße), Dehtjarna (Дегтярна, Teerstraße) und Wosdwyschenska (Воздвиженська, benannt nach einer Kirche in der Nachbarschaft). Die Straßen zählen zu den ältesten der Stadt. Nach dem verheerenden Brand des Podil im Jahre 1811 mussten jedoch neue Häuser gebaut werden. Das waren relativ schlichte ein- bis zweigeschossige Bauten mit drei oder fünf Fensterachsen. In den 1970er Jahren waren sie stark heruntergekommen, und die Menschen zogen nach und nach fort. Ende der 80er Jahre wurden die Häuser abgerissen. Eine geplante Bebauung mit Hochhäusern konnte durch Proteste von Bürgern und Denkmalschützern verhindert werden.


    Hontschari-Koschumjaky liegt eingezwängt zwischen dem Schlossberg (Samkowa hora, Замкова гора), der das Quartier vom Hauptteil des Podil (Подiл) trennt, und dem Altkiewer Berg (Starokyjiwska hora, Старокиївська гора).


    Kiew, Luftbild der Straße Andrijiwskyj uswis. Sie führt vom Andreasberg (Andrijiwska hora) hinunter zum Podil. Vor dem Schlossberg (Samkowa hora) biegt der Andrijiwskyj uswis (Andrejewski spusk, Andreashang) nach rechts ab. Rechts vom Schlossberg der Hauptteil des Podil in der Ebene am Fluss, links vom Schlossberg die Neubauten von Hontschari-Koschumjaky. Das Quartier hat über die Straße Wosdwyschenska (links vor dem Schlossberg) Anschluss an den Andrijiwskyj uswis (Foto: Brizhnichenko, 15. Dezember 2019, CC-BY-SA-4.0)

    In wenigen Tagen wird der Russenadolf wohl das schöne Odessa zerstören

    Deine Prognose vom 16. März hat sich bislang noch nicht erfüllt. Es ist auffällig, dass sich insbesondere Deutsche sehr schwer damit tun, das Putin-Regime, Russland und den Kriegsverlauf einigermaßen realistisch einzuschätzen.


    Die russischen Streitkräfte haben derzeit nicht die Ressourcen für eine Offensive gegen Odessa. Der Raketenbeschuss richtete sich bislang gegen Ziele außerhalb des historischen Zentrums. Die Stadt Odessa ist für eine Verteidigung vorbereitet.



    Das Richelieu-Denkmal am oberen Ende der Potjomkinschen Treppe ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Armand du Plessis, duc de Richelieu, war von 1805 bis 1814 Generalgouverneur in Odessa und erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung der Stadt. Das Denkmal wurde von Iwan Martos, einem Hauptvertreter des russischen Klassizismus, geschaffen und 1828 aufgestellt.


    Der griechische Außenminister Nikos Dendias besuchte Odessa am 3. April 2022. Er traf sich mit dem Bürgermeister und übergab eine Hilfslieferung aus Griechenland. Während eines Spaziergangs durch die Innenstadt besuchte Dendias auch das nun mit Sandsäcken gesicherte Richelieu-Denkmal.


    Odessa, Standbild des Duc de Richelieu auf dem Küstenboulevard (Prymorskyj bulwar), rechts im Hintergrund der Katharinenplatz

    (Foto: ЯдвигаВереск, 30. Januar 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Der griechische Außenminister Nikos Dendias (der dunkel gekleidete Herr in der Mitte) betrachtet das gesicherte Richelieu-Denkmal

    (Foto: Greek Ministry of Foreign Affairs, 3. April 2022, CC-BY-SA-2.0)

    Kiewer Frühling


    Auf dem Unabhängigkeitsplatz - Majdan Nesaleschnosti - blühen die Tulpen. Im vergangenen November waren hier und an einigen anderen Stellen im Stadtzentrum insgesamt 100.000 holländische Tulpen gepflanzt worden. Sie ehren die "Himmlische Hundertschaft" - die gefallenen Revolutionäre des Euromajdan von 2013/14. Eigentlich war zur Tulpenblüte im April und Mai eine Reihe von Veranstaltungen zur ukrainisch-niederländischen Partnerschaft geplant. Das ist nun nicht möglich. Bereits im vergangenen Jahr hatten auf dem Majdan holländische Tulpen geblüht. Anlass war der 30. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine. Die Initiative zu dem Projekt ging vom Honorarkonsul der Ukraine in Amsterdam aus. Die Tulpen sind ein Geschenk der Niederlande.


    Kiew, Tulpen auf dem Majdan Nesaleschnosti, links das Haus der Gewerkschaften, im Hintergrund das Unabhängigkeitsdenkmal und das Hotel "Ukrajina" (Foto: kyivcity.gov.ua, 23. April 2022, CC-BY-4.0)


    Kiew, holländische Tulpen auf dem Majdan Nesaleschnosti, im Hintergrund das Haus der Gewerkschaften

    (Foto: kyivcity.gov.ua, 23. April 2022, CC-BY-4.0)


    Quelle der Informationen ist die Seite der Stadtverwaltung Kiew, die nur in ukrainischer Sprache verfügbar ist.

    Babber50

    Ich verstehe Russisch und Ukrainisch und beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit der Region. Nowa Kachowka wurde zu Beginn des Krieges von russischen Truppen besetzt. Die Aufstellung des Lenindenkmals erfolgte unter russischer Besatzung. Nach ukrainischem Recht wäre sie auch gar nicht zulässig. Das Video zeigt den Platz vor dem Rathaus. Normalerweise müsstest du eine oder mehrere ukrainische Flaggen sehen, aber es ist keine einzige da. Man sieht auch nicht die Stadtflagge von Nowa Kachowka oder die Flagge des Gebiets Cherson. Statt dessen rote Fahnen. Die Okkupanten haben die Hoheitszeichen des ukrainischen Staates beseitigt und setzen mit der Wiedererrichtung des Lenindenkmals ihr eigenes Herrschaftssymbol. In dem Video gibt es keine Schaulustigen. Niemand klatscht Beifall, als Lenin wieder auf dem Sockel steht. Die Bevölkerung lehnt das Denkmal ab. Warum sollten die Ukrainer auch heutzutage ein Lenindenkmal aufstellen? Würdest du denn die Aufstellung eines Lenindenkmals im Stadtzentrum von Berlin begrüßen?

    Ein Wandbild in der ukrainischen Stadt Isjum.


    Isjum liegt im Süden des Gebiets Charkiw, nahe der seit 2014 umkämpften Donbass-Region. Im Jahr 2016 wurden hier Straßen und Plätze mit kommunistischen Namen umbenannt. Der zentrale Platz der Stadt, der bis dahin "Sowjetischer Platz" hieß, erhielt den neuen Namen "John-Lennon-Platz". Der Beatles-Star wurde nicht nur aufgrund seiner Bedeutung als Musiker, sondern auch als Friedensaktivist ausgewählt. Auf dem Wandbild, das seit 2017 die Brandwand eines banalen Wohnhauses ziert, finden wir in russischer Sprache das Lennon-Zitat "Give Peace a Chance!". Leider ist Putin-Russland noch nicht zum Frieden bereit. Isjum ist derzeit von den Russen besetzt. Auf einem Foto von Anfang April ist die John-Lennon-Wand leicht beschädigt. Ob sie den Krieg überstehen wird?


    Isjum, Gebiet Charkiw, Wandbild "John Lennon" (Foto: Slobozhanyn, 13. Februar 2021, CC-BY-SA-4.0)

    Die Russen machen genau das Gegenteil in der von ihnen überfallenen Ukraine und stellen wiederum ein Denkmal von Lenin auf.

    Das ist in Henitschesk nördlich der Krim. Ich bin noch auf einen weiteren Fall gestoßen. In Nowa Kachowka, ebenfalls im Gebiet Cherson, haben die Russen das Lenindenkmal auch wieder aufgestellt (ein Kurzvideo zeigt das). Die Ukrainer hatten es 2014 abgeräumt. Der Sockel war geblieben. Nun haben die russischen Okkupanten den alten Lenin wieder aus dem Depot geholt.


    Nur noch irre das Ganze.

    In der Tat. Denn es gibt nur ganz wenige Leninisten in Russland. Putin übt immer wieder scharfe Kritik an Lenin. Seine Denkmäler stehen heute nur noch als Symbole für Russland und Diktatur. Ich bin inzwischen der Meinung, dass kommunistische Denkmäler neu bewertet werden müssten. Es wäre jedoch politisch unklug, die sowjetischen Kriegerdenkmäler in Deutschland jetzt anzutasten (von den rechtlichen Hürden abgesehen). Das wäre eine Steilvorlage für die russische Propaganda. Wenn Polen sowjetische Denkmäler demontiert, ist das noch etwas anderes.


    In den meisten Ex-Sowjetrepubliken wurden kommunistische Denkmäler und Straßennamen beseitigt. Seit 2014 geschah das auch in großem Stil in der Ukraine - mit positiven Auswirkungen auf Stadtbild und Erinnerungskultur. Stätten der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wurden dort allerdings bislang belassen. In Ostdeutschland geht es ja auch um sowjetische Kriegsgedenkstätten. Problematisch sind diese heute insofern, als die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg die ideologische Basis für den russischen Militarismus und Imperialismus bildet.