Posts by Rastrelli

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Der Bundespräsident hat eine kluge und nachdenkliche Rede gehalten. Es ist die Aufgabe eines Staatsoberhauptes, ab und an solche Reden zu halten. Ich verstehe sie als Anregung, sich mit dem Kaiserreich und seinen "Ambivalenzen" (Steinmeiers Lieblingswort) zu beschäftigen. Und sie stand ja auch am Beginn eines Historikergesprächs.

    Tatsächlich entfaltete ja die lange ersehnte und zuvor gescheiterte Reichseinigung, wie Bismarck sie schließlich im Sinne Preußens erzwungen hatte, eine beindruckende Dynamik – die Revolution von oben begünstigte Fortschritte in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Kultur.

    In der Gesetzgebung und Rechtsprechung steht auch die Bundesrepublik Deutschland noch in der Tradition des Kaiserreichs. Das Bürgerliche Gesetzbuch ebenso wie die Anfänge der Verwaltungsgerichtsbarkeit oder Bismarck’schen Sozialgesetzgebung begründeten deutsche Rechtsgeschichte. Sie wirkt in den Grundstrukturen bis in die Gegenwart fort, auch wenn zahlreiche Schichten von notwendigen Anpassungen sich darübergelegt haben.

    Auch das 1867 im Norddeutschen Bund und 1871 im Deutschen Reich eingeführte allgemeine Wahlrecht für Männer galt als das fortschrittlichste seiner Zeit. Vielleicht erklärt es am anschaulichsten die Ambivalenz der politischen Entwicklung des Kaiserreichs.

    Die Kleinstadt Tschartar / Чартар liegt im Rayon Martuni / Мартуни der Republik Arzach (Bergkarabach). Anlässlich eines Besuchs von Angehörigen des russischen Friedenskontingents in der dortigen Schule Nr. 1 entstand am 17. Dezember 2020 das unten folgende Bild, auf dem als Beifang die Kirche gut zu sehen ist. Sie wurde in den Jahren 2014 bis 2018 erbaut. Finanziert wurde der Bau durch die 2013 gegründete Stiftung "Entwicklung armenischer Dörfer" des aus Karabach stammenden russischen Staatsbürgers Wladimir Awakjan (Владимир Авакян). Die Kirche wurde am 16. Juni 2018 durch den Bischof von Arzach, Pargew Martirosjan, geweiht. Unter den Gästen war auch der armenische Premierminister Nikol Paschinjan. Damals, im Sommer 2018, hatte Tschartar nach Angaben des Bürgermeisters etwa 4.500 Einwohner, fünf Schulen, zwei Kindergärten, ein Kulturhaus, eine Kunstschule, eine Teppichfabrik und ein Krankenhaus. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft.

    (Quelle der Informationen: Bericht in Kawkaski Usel).


    Bild 1 - Ansicht der Kirche "Surb Wardanank" von Nordwesten am 16. Juni 2018

    Bild 2 - Nordseite der Kirche am 16. Juni 2018

    Bild 3 - Der Altarbereich der Kirche bei der Weihe am 16. Juni 2018


    Die Kirche ist im traditionellen armenischen Stil gehalten. Der Glockenturm ist deutlich niedriger als die Kuppel und wurde an der Westseite direkt vor das eigentliche Kirchengebäude gestellt. Diese Bauform ist typisch für armenische Kirchen, ebenso das Baumaterial - Tuffstein. Der Altarbereich erscheint wie eine Theaterbühne - leicht erhöht und mit einem Vorhang versehen. Der Name eines Architekten wurde in dem Bericht nicht genannt. Die Tradition wurde gut aufgegriffen, sodass nur das geübte Auge erkennt, dass es sich um einen Neubau handelt.


    Und hier nun das aktuelle Bild:


    Tschartar (Чартар) im Rayon Martuni der Republik Arzach, Blick zur Kirche Surb Wardanank von Nordosten, im Vordergrund die Schule Nr. 1

    (Foto: Verteidigungsministerium Russlands, 17. Dezember 2020, CC-BY-4.0)


    Über Kriegsschäden in Tschartar ist mir nichts bekannt. Die Schule Nr. 1 und die Kirche scheinen aber nicht beschädigt zu sein. Informationen aus kleineren Ortschaften wie Tschartar gibt es für die Zeit seit dem 10. November 2020 kaum. Die Berichterstattung konzentriert sich auf die Hauptstadt Stepanakert, in der etwa ein Drittel der Bevölkerung Arzachs lebt.

    Genau vor einem Jahr gab es dazu schon mal ein Thema: "Was sind eure Lieblingskirchen?" Auch damals ging es auf eine Anregung von Sir Moc zurück. Ich hatte seinerzeit überlegt, was ich auf die Frage antworten könnte. Welche fünf bis zehn Kirchen und warum. Ich kam zu keinem brauchbaren Ergebnis. Das Thema ist einfach zu groß und zu heterogen, wie ursus schon richtig schrieb.


    Aber sicherlich wird man hier das eine oder andere entdecken können. Und sei es nur der kluge Satz einer berühmten Tante:

    dazu haben Städte generell die Eigenschaft, bis zu einem gewissen Grade gleich auszusehen (nur Venedig is a bissele anders, wie eine berühmte Tante mal gesagt hat)

    Am 6. Januar wurde in Armenien Weihnachten gefeiert. Das russische Weihnachtsfest war am 7. Januar.


    Russische Neujahrstanne in einem gerade erst aus vorgefertigten Modulen errichteten Soldatenstädtchen in der Siedlung Karakend / Каракенд

    (Foto: Verteidigungsministerium Russlands, 10. Januar 2021, CC-BY-4.0)


    "Kawkaski Usel" berichtet, dass in beiden Kirchen der Hauptstadt Stepanakert / СТЕПАНАКЕРТ am 6. Januar Gottesdienste stattfanden. Beide Kirchen waren offensichtlich unbeschädigt.


    Aktuelles Foto der Kirche der Hl. Gottesmutter (6. Januar 2021)


    Die älteste Kirche von Stepanakert ist die 2005 bis 2007 errichtete Kirche St. Jakob. Davor hatte es keine Kirche in der Stadt gegeben.


    Stepanakert, Kirche St. Jakob (Foto: harutune, 9. August 2011, CC-BY-SA-3.0)


    St. Jakob war für die 50.000 Einwohner zählende Hauptstadt von Arzach natürlich zu klein. Deshalb begann 2006 der Bau der Kirche der Hl. Gottesmutter.


    Stepanakert, Baustelle der Kirche der Hl. Gottesmutter (Foto: Yerevantsi, 5. März 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Diese Kirche wurde am 7. April 2019 durch den Katholikos aller Armenier, Garegin II., geweiht.


    Stepanakert, die Kirche der Hl. Gottesmutter von Nordwesten (Foto: Nathan868, 28. Dezember 2019, CC-BY-SA-4.0)


    "Sputnik Armenia" brachte zur Weihe der Kirche ein interessantes Interview mit dem Architekten Gagik Jeranosjan (nur auf Russisch und Armenisch verfügbar, Anklicken des Links lohnt sich für euch nicht, dient nur als Quellennachweis).


    Näheres aus dem Interview in einem späteren Beitrag. Hier erstmal ein paar Bilder:


    Bild 1 - Computermodell der Kirche und ihrer Umfeldgestaltung, die noch nicht ganz fertig ist

    Bild 2 - die Kirche von Norden

    Bild 3 - die Kirche von Südosten

    Bild 4 - die Kirche von Osten, Zeichnung des Architekten

    Bild 5 - die Kirche von Norden, Zeichnung des Architekten

    Bild 6 - Computermodell des Innenraumes der Kirche

    Bild 7 - Blick in die Kuppel, Foto (zeigt die reale Farbigkeit des Innenraumes)

    Bild 8 - Chatschkar am Eingang zur Kirche

    Hast Du Informationen zum geplanten künftigen Status von Bergkarabach? Soll es wieder eine Autonomie im Rahmen des aserbaidschanischen Staates geben? Ich glaube, gelesen zu haben, dass Aliyev sich dagegen ausgesprochen habe.

    Aliyev vermeidet das Thema, was bedeutet, dass er keinen besonderen Status für Bergkarabach wünscht. Am 11. Januar trafen sich die Führer Armeniens, Aserbaidschans und Russlands in Moskau. Es wurde eine trilaterale "Erklärung" angenommen, in der es aber nur um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und den Abbau von Blockaden geht (Quelle: kremlin.ru/events/president/news/64872 und folgende Meldungen vom 11. Januar 2021). Kein Wort zur Statusfrage.


    Das Infrastrukturthema hat mit deiner Frage zu tun:

    Und, wenn die einst vertriebenen Azeri wieder zurückkehren, wie sieht die Infrastruktur aus? Sind denn genug intakte Wohnhäuser noch vorhanden? (Ich habe in Aufnahmen häufig Ruinen in den entvölkerten Arealen gesehen

    Die Armenier haben in den sieben Rayons, die sie rund um das eigentliche Bergkarabach besetzt gehalten hatten, ein verwüstetes Land hinterlassen. Eine nennenswerte armenische Besiedlung gab es in den besetzten Gebieten während der Zeit der armenischen Okkupation nicht. Dazu fehlte den Armeniern schon das demografische Potenzial. Die Bevölkerung in Armenien und Arzach ist heute geringer als am Ende der Sowjetzeit. Näheres zu den jetzt wieder unter aserbaidschanischer Kontrolle stehenden Gebieten bringe ich in einem späteren Beitrag. Aliyev wird sich in den kommenden Jahren mit dem Wiederaufbau beschäftigen. Bei einem ersten Besuch in der Region kündigte er am 16. November 2020 in Fisuli / Физули als erste Maßnahme den Bau einer neuen Straße nach Schuscha / Шуша an. Diese wird gebraucht, um das armenisch-russisch kontrollierte Gebiet zu umgehen.


    Die Zahl der dorthin, also in die Republik Arzach, aus Armenien zurückgekehrten Flüchtlinge ist inzwischen auf mehr als 49.000 gestiegen. Während es in der Republik Armenien Machtkämpfe gibt, aber Paschinjan sich weiter im Amt des Premierministers halten kann, ist die politische Lage in der Republik Arzach (Bergkarabach) ruhig. Die Bevölkerung ist froh, dass das russische Friedenskontingent da ist. Seit meiner letzten Meldung wurden keine neuen Verstöße gegen die Waffenruhe registriert. Maßgeblich sind hierfür die Meldungen des russischen Verteidigungsministeriums.


    Größere Fälle von Vandalismus seitens der Aserbaidschaner wurden aus den sieben Rayons, die nun wieder unter aserbaidschanischer Kontrolle sind, nicht berichtet. (Schuscha war hier im Strang bereits erwähnt worden.) Ich verfolge dazu auch die Berichte des russischen Senders RBK und von "HAYK media", einem Youtube-Kanal, der von der armenischen Diaspora in Russland betrieben wird. Außerdem auch das Nachrichtenportal "Kawkaski Usel". Das hat seinen Sitz in Moskau und bringt Nachrichten aus der gesamten Kaukasusregion. Alle diese Medien sind in russischer Sprache.


    Hier nochmal eine aktuelle Karte:


    Karte der Karabachregion (Quelle: Verteidigungsministerium Russlands, 15. Januar 2021, CC-BY-4.0)


    Über den Link lässt sich eine vergrößerte Version der Karte anwählen. Westlich und süwestlich von Schuscha zeigt die Karte seit dem 4. Januar 2021 einen zugunsten von Arzach leicht veränderten Grenzverlauf. Das aserbaidschanische Schuscha / Шуша ist nun an drei Seiten von arzachischem Gebiet umgeben.


    Der Schutz kulturhistorischer und religiöser Stätten wurde in politischen Gesprächen der letzten Wochen immer wieder angesprochen. Angesichts des Umfangs des russischen Engagements in der Region, der Verbundenheit großer Teile der russischen Bevölkerung mit Armenien und der Stärke der armenischen Diaspora in Russland kann sich die russische Führung in dieser Frage kein Scheitern leisten.

    Hübsche Illuminationen gab es in diesem Jahr auch in der Wolgametropole Nischni Nowgorod. Bilder vom Weihnachtstag 2021.


    Nischni Nowgorod, Dmitrijewskaja-Turm des Kreml (Foto: Алексей Трефилов, 7. Januar 2021, CC-BY-SA-4.0)


    Nischni Nowgorod, Dmitrijewskaja-Turm des Kreml (Foto: Алексей Трефилов, 7. Januar 2021, CC-BY-SA-4.0)


    Nischni Nowgorod, Dmitrijewskaja-Turm des Kreml am Minin-und-Poscharski-Platz (Foto: Алексей Трефилов, 7. Januar 2021, CC-BY-SA-4.0)


    Nischni Nowgorod, künstliche kegelförmige Neujahrstanne auf dem Minin-und-Poscharski-Platz an der Kremlmauer

    (Foto: Алексей Трефилов, 7. Januar 2021, CC-BY-SA-4.0)

    Eines der schönsten Reiseziele in Russland ist Sankt Petersburg. Dies gilt ganz besonders zu den Feiertagen um den Jahreswechsel. Ich habe auf Youtube zwei wunderschöne Videos gefunden, die uns die herrlich illuminierte Newametropole in dieser Saison zeigen.


    1. Video: Durch St. Petersburg mit Anastacia Way - veröffentlicht am 28. Dezember 2020


    2. Video: Durch St. Petersburg mit Yulia Akimenko - veröffentlicht am 8. Januar 2021


    Lasst euch bitte nicht von der russischen Sprache abschrecken! Die erstklassigen aktuellen Filmbilder sprechen für sich. Unsere Reiseführerinnen Anastasia und Julia geben zusätzlich noch Reisetipps und gehen auf einige Besonderheiten aufgrund der Corona-Beschränkungen ein.


    In diesem Jahr stand auf dem Schlossplatz eine echte Tanne mit einer Höhe von 25 Metern (!). Wegen Corona gab es aber keine Bühne und keine Konzerte. Der Weihnachtsmarkt auf dem Manegeplatz ging bis zum 10. Januar. Dort gab es gastronomische Angebote, darunter französische Spezialitäten, Rentierspezialitäten aus dem hohen Norden Sibiriens und Glühwein ohne Alkohol. Anastasija konzentriert sich in ihrem Video auf den zentralen Bereich der Stadt und den Weihnachtsmarkt. Julia besucht zusätzlich den Botanischen Garten (ab Minute 7:50), wo es unter dem Namen "Lichtgarten" interessante Illuminationen und Installationen gibt. Danach zeigt sie uns ihr Hotelzimmer. Sie wohnt im Hotel "1913" nahe der Isaakskathedrale. Im Anschluss daran präsentiert sie zwei Orte, die nicht jeder kennt (Nikolskije Rjady und Nowaja Gollandija). Alles wirklich toll gemacht. Fazit beider Filmemacherinnen: Trotz Corona-Beschränkungen gab es auch in diesem Jahr viel Schönes und es waren doch relativ viele Menschen auf den Straßen.


    Hier noch einige Impressionen aus früheren Jahren:


    Sankt Petersburg, Isaaksplatz, Neujahrstanne in der Grünanlage vor der Isaakskathedrale (Foto: Kora27, 8. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, die Kasaner Kathedrale am Newski Prospekt (Foto: Kora27, 6. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Kasaner Kathedrale, Lichtprojektion der Gottesmutter an der Kuppel und Spitze der Neujahrstanne

    (Foto: Kora27, 6. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Tanne und Weihnachtskrippe auf dem Vorplatz der Kasaner Kathedrale, im Hintergrund der Newski Prospekt

    (Foto: Kora27, 22. Dezember 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Weihnachtskrippe vor der Kasaner Kathedrale, im Hintergrund Häuser am Newski Prospekt

    (Foto: Kora27, 6. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Newski Prospekt im Neujahrsschmuck (Foto: Kora27, 6. Januar 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Neujahrstanne auf dem Schlossplatz vor dem Gebäude des Generalstabs (Foto: Monoklon, 30. Dezember 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Petersburg, Illuminierter Brunnen an der Westseite des Winterpalastes (Foto: Kora27, 3. Januar 2020, CC-BY-SA-4.0)

    In Russland war am 7. Januar Weihnachten. Nach dem julianischen Kalender, dem die russische Kirche treu geblieben ist, war an diesem Tag der 25. Dezember. In sowjetischer Zeit war Weihnachten zu einem Neujahrs- und Winterfest umgedeutet worden. Doch heute wird es auch wieder als christliches Fest gefeiert. Da Weihnachten in Russland später ist als bei uns, finden auch die Märkte später statt. In Moskau zum Beispiel von Mitte Dezember bis Mitte Januar. Man nennt sie deshalb auch meist "Neujahrsmärkte". Die Moskauer Neujahrsmärkte sind in dieser Saison leider dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Aber "Neujahrstannen" wurden wieder überall in der Stadt aufgestellt.


    Hier zunächst ein Bild vom Weihnachtstag vor einem Jahr, anschließend einige Fotos aus dieser Saison.


    Moskau, Neujahrstanne in Sarjadje mit Basiliuskathedrale und Erlöserturm des Kreml (Foto: Владислав Сыков, 7. Januar 2020, CC-BY-2.0)


    Nun ein Beispiel für eine Neujahrstanne weit außerhalb des Stadtzentrums. Sie steht im Osten der Stadt neben der neugebauten Metrostation Elektrosawodskaja, die am 31. Dezember 2020 eröffnet wurde. Es ist ein sehr schöner, echter Baum, was keineswegs selbstverständlich ist. Denn viele Tannen im öffentlichen Raum sind künstlich. Man erkennt sie an der Kegelform. Der Baum mit seinen Lichtern zaubert ein wenig Poesie in die banale Stadtlandschaft.


    Moskau, Neujahrstanne neben der Metrostation Elektrosawodskaja der Großen Ringlinie (Foto: Svetlov Artem, 24. Dezember 2020, CC0)


    Moskau, Neujahrstanne neben der Metrostation Elektrosawodskaja der Großen Ringlinie (Foto: stroi.mos.ru, 31. Dezember 2020, CC-BY-4.0)


    Weihnachtskrippen waren in sowjetischer Zeit verboten. Heute werden sie wieder angefertigt und aufgestellt. Die folgende Krippe steht in der Stadt Moskowski. Das ist eine Großwohnsiedlung 8 km südwestlich der Moskauer Ringautobahn. In den Jahren 2014/15 wurde hier die kleine Kirche Andrej Bogoljubski errichtet. Und neben dieser Kirche kündet die Krippe in einem banalen Wohngebiet von der Geburt des Herrn.


    Stadt Moskowski, Weihnachtskrippe neben der Kirche Andrej Bogoljubski (Foto: Stolbovsky, 2. Januar 2021, CC-BY-SA-3.0)


    Als Zugabe hier noch ein Original Moskauer Schneemann, handgefertigt auf einem der vielen Kinderspielplätze der Riesenstadt.


    Moskau, Schneemann auf einem Kinderspielplatz (Foto: Stolbovsky, 4. Januar 2021, CC-BY-SA-3.0)

    Es handelt sich um das Haus Ried 2 an der Ecke zur Marktstraße. Bekannt ist sein Hauszeichen. Auf dem Foto von Freibuerger ist es durch eine Holzplatte abgedeckt. Die Thüringer Allgemeine berichtete am 21. Januar 2020 über die Sanierung des Hauses. Bis Mai 2020 sollte sie abgeschlossen sein.


    Das Haus ist inzwischen fertig. Hier zwei Fotos der Fassade:

    Foto 1 - Ried 2 nach der Sanierung

    Foto 2 - Ried 2 nach der Sanierung


    Die veränderte Fensteranordnung hat wohl mit den Höhen der Räume dahinter zu tun. Ein solch gravierender Eingriff in das Fassadenbild war lange Zeit von der Denkmalpflege abgelehnt worden. Im Haus gibt es nun drei große Wohnungen. Das Ladenlokal an der Ecke (ehemals ein Fleischer) bleibt vorerst ungenutzt. Das Hauszeichen wird später restauriert.


    Bilder des früheren Zustandes:


    Ried 2, Haus Zum schwarzen Bären (Foto: Michael Sander, 18. März 2010, CC-BY-SA-3.0)


    Ried 2, Haus Zum schwarzen Bären (Foto: Giorno2, 24. Januar 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Ried 2, links die Seite zur Marktstraße (Foto: Tilman2007, 5. September 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Ried 2 (Foto: Tilman2007, 5. September 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Ried 2, Hauszeichen und Tor am Ried (Foto: Tilman2007, 5. September 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Ried 2, Haus Zum schwarzen Bären, Hauszeichen (Foto: Tilman2007, 5. September 2014, CC-BY-SA-3.0)

    In der Anna-Amalia-Bibliothek soll der Eingangsbereich umgebaut werden, um Barrierefreiheit zu erzielen. Der Architekt Walter Grunwald, der den Wiederaufbau der Bibliothek nach dem Brand geleitet hat, protestiert gegen die geplante Beseitigung historischer bzw. rekonstruierter grüner Fliesen im Eingangsbereich. Der MDR hat dazu ein Interview mit der Präsidentin der Klassik-Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, geführt. Hört euch auf der Internetseite bitte den Radiobeitrag an! Der Lesetext ist nur eine gekürzte Fassung des Interviews.


    Hier ein aktuelles Foto des historischen Bibliotheksgebäudes, das auch unter dem Namen Grünes Schloss bekannt ist:


    Weimar, Grünes Schloss, Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek (Foto: H. Helmlechner, 21. August 2020, CC-BY-SA-4.0)


    Allzu grün ist das Grüne Schloss äußerlich ja nicht. Um so wichtiger sind wohl die grünen Fliesen im Eingangsbereich für die Identität des Hauses.


    Grünes Schloss, Eingangsbereich mit grünen Fliesen (Foto: NoRud, 25. Juli 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Wie das Foto belegt, wurde die im Interview angesprochene Möglichkeit, die zu rutschigen Bodenfliesen mit einem Teppich abzudecken, bereits erprobt. Im Interesse des Denkmalschutzes sollten die Umbaumaßnahmen "minimalinvasiv" erfolgen. Unter einem Teppich könnten die historischen Fliesen erhalten bleiben.


    Der im Gespräch erwähnte Renaissancesaal soll umgestaltet werden.


    Grünes Schloss, Renaissancesaal, Ausstellungsraum (Foto: Christian Gebhardt, 25. Juli 2015, CC-BY-SA-4.0)

    Arnstadt ist hier im Forum ja noch nicht überrepräsentiert. Dabei ist die Stadt ja wirklich schön.


    Arnstadt, Blick vom Neideckturm auf die Altstadt. Das Dach im Vordergrund mit den gelben Schornsteinen gehört zum Neuen Palais. Rechts im Mittelgrund der Ostgiebel der Bachkirche, dahinter die Liebfrauenkirche (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Der Dresdner Architekt Jörg Blobelt machte 1985 Aufnahmen von der Altbausanierung in der Zimmerstraße. Sie führt auf die Bachkirche zu, und vermutlich war das Bachjahr der Anlass für die Restaurierungsarbeiten. Auf dem Bild oben sind die Dächer der Zimmerstraße zu sehen. Es handelt sich um die Diagonale von dem Baum unten links zur Bachkirche. Gut zu sehen ist die Rückseite der Häuserzeile mit den geraden Hausnummern.


    Zimmerstraße 2 (Lotto-Toto), 4 (mit dem Briefkasten), 6 (rot) und 8 (Foto: Jörg Blobelt, 12. Juli 1985, CC-BY-SA-4.0)


    Vergleich mit dem heutigen Zustand:


    Zimmerstraße 2 (links angeschnitten) und 4 (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Zimmerstraße 6 (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Erstaunlich, wie sehr sich die Häuser verändert haben! Nun eine weitere Aufnahme von 1985 mit anschließendem Vergleich:


    Zimmerstraße 16 (mit Balkon), 14 und 12 (Foto: Jörg Blobelt, 12. Juli 1985, CC-BY-SA-4.0)


    Zimmerstraße 16 (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Zimmerstraße 14 (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Zimmerstraße 12 (Foto: SchiDD, 22. Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Abschließend der Vergleich für das Haus Zimmerstraße 19:


    Zimmerstraße 19 (Foto: Jörg Blobelt, 12. Juli 1985, CC-BY-SA-4.0)


    Zimmerstraße 19 (Foto: Tilman2007, 12. Februar 2014, CC-BY-SA-3.0)

    Ich frage mich, was mit der kleinen Wagner-Figur eigentlich ausgedrückt werden soll? Dass Wagner nur ein kleiner Wicht war? Einer wie Du und ich?

    Die Figur ist nicht klein, sondern lebensgroß, vielleicht sogar ein bisschen größer. Und es handelt sich um eine realistische Plastik, die erkennbar Wagner darstellt.


    Richard Wagner, Bronzeplastik von Stephan Balkenhol, Detail des Leipziger Wagner-Denkmals (Foto: Martin Geisler, 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Max Klinger hatte eine Riesenfigur des alten Wagner, gehüllt in einen Mantel (oder ein Badetuch?), entworfen. Es gibt aber nur ein kleines Gipsmodell der Figur. Ich habe die Statuette im Leipziger Museum der bildenden Künste (MdbK) gesehen. Als Ideenskizze und in der kleinen Größe ist das künstlerisch interessant. In die große Form einer 5,30 Meter hohen Marmorfigur übertragen würde es jedoch albern wirken.


    Eine alte Postkarte von Klingers Entwurf


    Im MdbK gibt es auch Gipsstudien zu den Sockelreliefs. Sie haben wesentlich größeres Format als Klingers Entwurf zur Wagnerfigur. Das Foto zeigt wohl nicht das Gipsmodell der Wagnerfigur, das sich heute im Museum befindet.


    Richard-Wagner-Denkmal, die Rheintöchter, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Parsifal und Kundry, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Siegfried, Mime und der Drache, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Wie sich Klinger Wagners Kopf vorstellte, können wir an einer anderen Stelle des Promenadenrings sehen.


    Leipzig, Richard-Wagner-Büste von Max Klinger. Entwurf 1903, Bronzeguss 1982, Aufstellung in der Anlage am Schwanenteich (hinter der Oper) zum Wagnerjubiläum 1983 (Foto: Frank Vincentz, 7. Juli 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Klinger war ein Anhänger des Geniekults. Wagner - im wörtlichen Sinne - derart zu überhöhen, hätte sicherlich nicht gut gewirkt. Klinger hat keine vergleichbare Riesenskulptur geschaffen. Komponisten setzt man auch keine solchen Riesendenkmäler. Ein Riesen-Wagner hätte sich daher nicht in das Ensemble der Leipziger Komponistendenkmäler eingefügt. Nicht weit entfernt stehen bekanntlich Bach und Mendelssohn. Und "größer" als Bach war Wagner nun wirklich nicht.


    Vielleicht, dass wir dazu neigen, Wagner zu überhöhen und auf einen Sockel zu stellen, dass er aber in erster Linie ein Mensch aus Fleisch und Blut war und wir daher auch nichts Übermenschlichen von ihm erwarten dürfen?

    Genau. Balkenhol zeigt den jungen Mann, der sich anschickt, in die Welt hinauszuziehen.


    Richard-Wagner-Denkmal, die Bronzefigur von Stephan Balkenhol (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Der schwarze Schatten ist ein Kunstgriff, um die Figur vom Hintergrund abzuheben, aber auch eine Reminiszenz an die Denkmalsgeschichte.


    Richard-Wagner-Denkmal, Rückseite mit Blick zum Ring (Foto: David Rasp, 12. September 2020, CC-BY-4.0)


    Da die Rückansicht des Sockels von Klinger nicht ausgearbeitet wurde, finde ich es passend, dass man auf diesem von hinten keine vollplastisch ausgearbeitete Figur sieht. Die Bronzefigur Wagners ist aber vollplastisch. Das gibt der Figur die nötige Autonomie gegenüber dem Schatten.


    Richard-Wagner-Denkmal (Foto: Texaner, 31. Oktober 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Die Wagner-Denkmäler im Liebethaler Grund bei Pirna und im Berliner Tiergarten gefallen mir auch sehr gut.

    Es gibt in Leipzig aber ein schönes Richard-Wagner-Denkmal. Der Marmorsockel ist von Max Klinger. Auf diesen beabsichtigte Klinger eine riesige Figur des Meisters zu stellen. Er brachte das Projekt aber nicht zum Abschluss. Die Silhouette deutet die von Klinger geplante Höhe der Figur an. 2013 wurde das Denkmal mit einer lebensnahen bemalten Bronzefigur des jungen Wagner von Stephan Balkenhol vollendet - 100 Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Klingers Sockel stand viele Jahrzehnte im Klingerhain. Das Denkmal für den Richard-Wagner-Hain war dann eine andere Planung ab 1932.


    Leipzig, Richard-Wagner-Denkmal auf der Freitreppe zum Matthäikirchhof, im Hintergrund das Gebäude der Bezirksverwaltung des MfS

    (Foto: David Rasp, 12. September 2020, CC-BY-4.0)

    Aber dennoch. Hier ist dazu ein denkwürdiger Satz von Mantikor, geschrieben am 27. März 2015:

    Ich glaube dagegen, dass wer Giebelerker entfernen lässt, auch Zwangsarbeiter beschäftigt und die Flüsse verschmutzt.


    In Budapest würde man den Erker bestimmt rekonstruieren. Andererseits ist das Haus stilistisch nun ein Neorenaissancebau und sieht schon gut aus. Mit dem Erker war es ein wilhelminischer Mischmasch, aber authentisch wilhelminisch und von Schwechten. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr neige ich der Version mit dem Erker zu.


    Die Fenster haben mir vorher -eben in Doppelfensterausführung- besser gefallen. Die Fassade wird dadurch viel plastischer. Die jetzigen Fenster scheinen tiefer zu sitzen, als vorher. Auch die starke Verspiegelung der Scheiben macht auf mich einen abweisenden Eindruck.

    Nein, die Fenster sitzen nicht tiefer. Das folgende Foto kann über den beigefügten Link stark vergrößert werden. Dann lässt sich der Zustand der Fassade vor der Sanierung genau studieren. Die Fenster sind auch nicht verspiegelt. Durch die dunklen Räume, die hinter den Fenstern liegen, ergibt sich lediglich ein gewisser Spiegeleffekt. Man kann auf den Fotos von Mantikor aber auch in die Räume sehen. Ihr müsst genau hinschauen. An der Fassadensanierung habe ich nichts auszusetzen.


    Dorotheenstraße 90 vor der Sanierung (Foto: Jörg Zägel, 31. Juli 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Wie sieht jetzt eigentlich der Hof aus? Ich liebe solche schlichten Höfe. Die alten Garagentore, die blaue Haustür im Hintergebäude sind einfach herrlich! Dazu der gelbe Backstein.


    Dorotheenstraße 90, Hofseite (Foto: Denis Apel, 12. Juli 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Dorotheenstraße 90, im Hof (Foto: Denis Apel, 12. Juli 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Dorotheenstraße 90, im Hof (Foto: Denis Apel, 12. Juli 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Dorotheenstraße 90, Hofgebäude (Foto: Denis Apel, 12. Juli 2008, CC-BY-SA-3.0)


    Dorotheenstraße 90, Hofgebäude (Foto: Denis Apel, 12. Juli 2008, CC-BY-SA-3.0)

    architektonisch ein Meisterwerk, aber voll mit Symbolen und Darstellungen vom Sieg über die Deutschen (dort findet man als einzig "deutsche Inschrift" einen Wegweiser mit Kilometerangaben nach Berlin und Köln in lateinischen Buchstaben) - man könnte das auch deutschfeindlich nennen.

    Nein, an der Hauptkirche der Streitkräfte ist nichts deutschfeindlich. Man sagt in Russland: "Sieg über den Faschismus", "Sieg über Hitlerdeutschland", aber nicht "Sieg über die Deutschen". Es wird sauber unterschieden zwischen Deutschland an sich und dem Naziregime.


    Ein Traum wäre, dass die Stadt/Oblast die Flächen der ehemaligen Kernaltstadt in eine große Stiftung geben würden, die zeitunkritisch und unabhängig von zukünftigen Politikern hochwertige Rekonstruktionen auf diesen Flächen erstellt: zusammen mit der Privatwirtschaft hochwertiges Wohnen und mit staatlichen Stellen Bauten wie das Schloss als Museums/Kulturbauten.

    Interessanter Gedanke, aber ich sehe dafür keine reale Grundlage.


    Für eine politische Unterstützung könnte man sich allerdings ggf. noch an Altkanzler Schröder wenden. Der hat bekanntlich gute Beziehungen zur Staatsführung, steht für gute deutsch-russische Beziehungen und hatte sich ja auch für die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers eingesetzt.

    Das Bernsteinzimmer war ein Projekt, das von russischen Fachleuten entwickelt wurde. Am Ende fehlte es nur am Geld, das Schröder dann besorgte.


    Ich sehe das allerdings auch so, dass wir Deutschen uns am Wiederaufbau, und das nicht nur beim Schloss, sondern auch bei eventuellen Leitbauten, kräftig beteiligen sollten

    Auch wenn ich mich mit der Frage unbeliebt mache: Warum? Von der Erlebnisgeneration aus Ostpreußen lebt bald keiner mehr. Die meisten Menschen in Deutschland können mit dem alten Königsberg und Ostpreußen wenig bis nichts anfangen. Denkst du an finanzielle Beteiligung oder an die Planung?


    Dabei darf man nicht vergessen sich patriotische Unterstützung zu holen beim russischen Militär und bei der russisch-orthodoxen Kirche.

    Was hat das Militär mit Bauaufgaben im Stadtzentrum von Kaliningrad zu tun? Es geht nicht um militärische Einrichtungen. Und die Kirche kümmert sich auch um ihre Sachen. Eine orthodoxe Kathedrale hat Kaliningrad schon.


    ohne hierbei der russischen Seite den Eindruck zu geben sie dabei vorzuführen oder irgendwelche territorialen Forderungen damit zu verknüpfen.

    Warum sprichst du das Thema "territoriale Forderungen" an? Das wurde 1990 abschließend geregelt.


    der gegenwärtige Gouverneur Anton Andrejewitsch Alichanow der Rajon Kaliningrad hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass ihn das Königsberger Schloss nicht interessiert.

    Rayon / район ist die Kreisebene. Was du meinst, ist das Kaliningrader Gebiet. Das Gebiet = die Oblast / область (Das russische Wort bedeutet nichts anderes als "Gebiet".)


    Daher auch die Liebe zu dem städtebaulichen Monster des Hauses der Räte

    Im Allgemeinen sagt man "Haus der Sowjets". Das russische Wort "Sowjet" heißt zwar "Rat", aber in Bezug auf die Sowjetunion ist es üblich, "Sowjet" als Lehnwort zu übernehmen.

    Lieber zeitlos , es gibt auch eine Diskussionskultur. Ich finde es schon nicht schlecht, wenn wir hier alle ein bisschen nett miteinander umgehen.


    Ich mag die Neumarktquartiere. Und der im Bau befindliche Teil von Q VII scheint auch gut zu werden. Städtebaulich ist die Wirkung schon jetzt beeindruckend. Die schmalen Fenster bei dem einen Neubau? Da fragt man sich schon, was in den Räumen hinter ihnen untergebracht wird. Ein Blindenheim wohl eher nicht. Mal sehen, wie die Geschichte weitergeht.

    Meint ihr, dass ein öffentlicher Vorstoß von Stadtbild Deutschland, eine Art Bitte und Angebot der Unterstützung im Namen der gemeinsamen Versöhnung und gegen neue Kriegsgefahr, etwas an dem gegenwärtigen Blockadedenken in Kaliningrad ändern könnte?

    Kriegsgefahr? Und welche Versöhnung? Wir sind doch versöhnt.


    Wir könnten auch Frau Merkel fragen, ob sie uns den Brief übersetzt. Die kann ganz gut russisch

    Für die Übersetzung wäre der Sprachendienst des Auswärtigen Amtes zuständig. Das würde Frau Merkel nicht selbst machen. Sie hat übrigens am 5. Januar mit Putin telefoniert. Die beiden haben sich alles Gute zum Neuen Jahr gewünscht, über die Corona-Pandemie gesprochen (mögliche Zusammenarbeit beim Impfstoff) und über den Konflikt in der Ostukraine beraten (Quelle: kremlin.ru/events/president/news/64864) Putin und Merkel telefonieren sehr oft miteinander.

    Philon, wo du jetzt nochmal nachlegst, muss ich doch mal deutlich werden.


    Das hier

    Putin schürt doch seit zwei oder drei Jahren gerade die deutschfeindliche Stimmung.

    ist eine reine Falschbehauptung. Sie entbehrt jeglicher Grundlage. Ansonsten: Beweise auf den Tisch!


    Von Russland hat Deutschland in den nächsten Jahrzehnten nichts Gutes zu erwarten. Gerade bei den Jungen setzt sich da eine massive antideutsche Ideologie durch.

    Erster Satz: Nicht belegbares Geraune. Zweiter Satz: Wie kommst du darauf?


    Erstens ist es doch gerade Putin, der in den letzten Jahren angefangen hat, Kaliningrad zum nationalen Symbol des russischen Sieges im 2. Weltkrieg zu stilisieren.

    Das stimmt nicht. Kaliningrad ist kein nationales Symbol. Der Sturm auf Königsberg 1945 hat nur regionale Bedeutung. Die wichtigste Reliquie, die Russland besitzt, ist das Siegesbanner, das auf dem Reichstag gehisst wurde. Die Schlacht um Berlin war der Endpunkt des Krieges in Europa. Königsberg war kriegsgeschichtlich von untergeordneter Bedeutung. Die wichtigsten Orte im Zusammenhang mit dem Großen Vaterländischen Krieg sind im kollektiven Bewusstsein Moskau, Stalingrad und dann auch die anderen Heldenstädte. Über die russische Erinnerungskultur weißt du offenbar nur wenig.


    Was ja kein Wunder ist, da Russland von den Eroberungen, die es 1945 gemacht hat, sonst nichts geblieben ist.

    Auch das ist falsch. Seit der Rückgewinnung der Krim 2014 hat die Russische Föderation den gleichen Gebietsstand wie im Jahr 1946 (unter Einbeziehung der damals vorübergehend ausgegliederten Karelo-Finnischen SSR). Den Zweiten Weltkrieg führte die Sowjetunion. Es besteht keine staatsrechtliche Identität zwischen der Sowjetunion und Russland. Woran du denkst, ist wohl eher der Zerfall der Sowjetunion. Gebietsgewinne im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges sind da von untergeordneter Bedeutung.


    Zweitens habe ich Kommentare wie den erwähnten in den letzten drei bis vier Jahren öfter gelesen.

    Kannst du denn Russisch? Übelste Hasskommentare gibt es leider bei allen Völkern. Extremistische Gruppierungen auch. Vandalismus gegen Denkmäler ebenso. All das findest du in Deutschland auch. Nach deiner Logik schließe ich jetzt mal, dass von Deutschland in den nächsten Jahrzehnten nichts Gutes zu erwarten ist.


    Wegen des Königsberger Schlosses sollte man nicht an Putin schreiben, weil der nicht zuständig ist. Zuständig sind die Gebietsverwaltung und die Stadtverwaltung Kaliningrad. Eine mögliche Rekonstruktion des Königsberger Schlosses müssen die Menschen diskutieren, die heute im Kaliningrader Gebiet leben. Das sind eine Million russische Staatsbürger. 94 Prozent von ihnen sind Ostslawen, knapp ein Prozent Deutsche, genauer: Russlanddeutsche (Angaben nach der Volkszählung 2010).


    Demokratiedefizite und allerlei Missstände gibt es in Russland. Die können wir hier aber nicht diskutieren.


    Allerdings hat Wladimir Wladimirowitsch andere Sorgen als diese absurde Exklave, die er womöglich noch eh am liebsten zurückgeben würde.

    Es ist schon sonderbar, dass dieser unsinnige Gedanke hier immer mal wieder auftaucht. Nein, niemand will das Kaliningrader Gebiet zurückgeben. Es ist ganz normales russisches Staatsgebiet.

    Es folgen einige Bilder zum Ausbau der Obergadenfenster.


    Ausbau eines Obergadenfensters (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 25. April 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Im Hohen Chor (Foto: Klára Kalinová, Člověk a Víra, 20. Oktober 2017, CC-BY-NC)


    Die mittleren Fenster des Hohen Chores (Foto: Carlos Delgado, 17. Februar 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Ausbau des mittleren Chorfensters (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 29. April 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Ausbau der südlichen Chorfenster. Am linken Bildrand ist das mittlere (östliche) Chorfenster zu sehen

    (Foto: Claudine Loisel, LRMH, 27. April 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Die Abkürzung LRMH steht für "Laboratoire de recherche des monuments historiques". Das ist eine Forschungseinrichtung des Kulturministeriums zur Unterstützung der Denkmalpflege.


    Ausbau der nördlichen Chorfenster (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 29. April 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Blick von der Orgelempore zum Obergaden der Langhaussüdseite nach dem Ausbau der Glasfenster und dem Einbau stabilisierender Holzverstrebungen. Der Witterungsschutz wird durch Folien an der Außenseite gewährleistet

    (Foto: Alexis Komenda, C2RMF, Ministère de la Culture, 11. Juli 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Sicherung des Obergadens am Chor durch Folienabdeckung und stützende Holzkonstruktionen

    (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 6. Juni 2019, CC-BY-SA-3.0)

    Ein ganz interessanter Fund.


    In der Vierung. Vor uns der nordwestliche Vierungspfeiler (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 29. April 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Blick zum Vierungsgewölbe, rechts der Chor, vor uns das Nordquerhaus (Foto: Zairon, 4. April 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Der Schlussstein des Vierungsgewölbes ist besonders aufwendig gestaltet. Er zeigt eine Mondsichelmadonna und außen am Ring in jeder Himmelsrichtung einen Engelskopf. Einer dieser Engelsköpfe wurde im Schutt wiedergefunden.


    Der Schlussstein des Vierungsgewölbes. Die Füße der Mondsichelmadonna zeigen nach Osten (Foto: Cristian Bortes, 28. April 2011, CC-BY-2.0)


    Kopf eines Engels vom Schlussstein des Vierungsgewölbes, wiedergefunden im Brandschutt

    (Foto: Pierre Noël, Ministère de la Culture, 6. Juni 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Kopf eines Engels vom Schlussstein des Vierungsgewölbes, wiedergefunden im Brandschutt

    (Foto: David Bordes, Ministère de la Culture, 6. Juni 2019, CC-BY-SA-3.0)


    Der Engelskopf liegt zusammen mit anderen aus dem Schutt geborgenen Steinen in einem Lager auf dem Parvis.


    Das Lager der geborgenen Steine auf dem Parvis (Foto: Alexis Komenda, C2RMF, Ministère de la Culture, 4. Juli 2019, CC-BY-SA-3.0)