Posts by Rastrelli

    Zu dem Zelt kann ich eine Vergleichsmöglichkeit anbieten, wie ein echtes osmanisches Großzelt aussieht:


    Dresdner Schloss, Türckische Cammer, Osmanisches Dreimastzelt (Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, David Brandt)


    Hier noch ein Foto von der anderen Seite (Foto: Elke Estel, Hans-Peter Klut) mit Hintergrundinfos einschließlich Maßangaben.


    Es handelt sich um das einzige begehbar ausgestellte osmanische Dreimastzelt der Welt. Deutlich sichtbar die drei Mittelstützen. Das Dach darüber ist durchgängig, hat also nicht drei einzelne Spitzen.


    Die Dreiteilung des Berliner Zeltdachs, die wir bei osmanischen und zentralasiatischen Zelten nicht finden, könnte mit einer Dachkonstruktion zu tun haben, wie SchortschiBähr sie oben beschrieben hat. Hierfür kann eine Unterteilung des sonst durchgängigen Daches sinnvoll sein. Für Schortschis These spricht auch die starke seitliche Abspannung des Berliner Zeltes, die wir so bei Türkenzelten nicht finden. Bei zentralasiatischen Völkern folgen die Jurten einem anderen Bauprinzip. Sie sind stets rund, haben gerade aufgehende Seitenwände, die durch eine Art Fachwerk oder Flechtwerk stabilisiert sind, und dann dünne Stäbe (eine Art Korsett), die in gleicher Weise die Dachhaut stabilisieren. Jurten haben häufig zwei dünne senkrechte Stützen, die aus der Mitte heraus nach beiden Seiten versetzt sind. Es gibt auch zentralasiatische Großzelte mit vier, um einen Mittelkreis angeordneten Stützen. Auch Jurtenkonstruktionen ohne senkrechte Stütze sind denkbar. Die Dachhaut hängt bei diesen Zelten aber nicht durch. Das Berliner Zelt folgt nicht diesem Prinzip, aber man kann sich im Vergleich schon vorstellen, dass das Berliner Zelt ohne Mittelstütze realisierbar wäre. Denkbar wären stark nach den Seiten versetzte dünne Stützen im Inneren des Zeltes, die weit genug auseinander stehen, um eine Durchfahrt freizugeben. Mir kommen auch gewisse Assoziationen zum chinesischen Hallenbau. Allerdings würden Chinesen das Dach nie so wie in Berlin in drei Stücke zerhacken.


    Zeltbau ist ein interessantes Thema. Bei modernen Zirkuszelten haben wir meist zwei große Stahlstützen, an denen, wie bei Pylonen einer Brücke, das Dach aufgehängt ist.


    Am sächsischen Hof gab es übrigens auch im 19. Jahrhundert eine sehr große Zahl an osmanischen Zelten, die in Gebrauch waren. Das waren Zweimastzelte, die dem Konstruktionsprinzip des oben gezeigten Dresdner Dreimastzeltes entsprachen, nur eben deutlich kleiner waren. Eines dieser Zelte blieb in wesentlichen Teilen erhalten und ist in der Türckischen Cammer ausgestellt.


    Das Berliner Zelt ist schon eine ziemlich theatralische Form der Achitektur. Ich finde die Platzierung vor dem großartigen barocken Portal nicht besonders elegant.


    Die Dachform des Berliner Zeltes erinnert mich an die Zeltdächer der Barbarakirche in Kuttenberg und der Kirche zu Laun (Louny) in Böhmen von Benedikt Ried.

    Die zeitraubenden Arbeiten finden nicht in den Paraderäumen, sondern in diversen Werkstätten statt. Die Schließzeit wird daher keine positiven Auswirkungen haben.


    Hoffen wir, dass die bereits angeschobenen Projekte im Schloss in der Finanzierung weiterhin gesichert sind und ungehindert fortgeführt werden können. Außer den Paraderäumen einschließlich Turmzimmer geht es dabei um den Langen Gang (Gewehrgalerie) und das Jagdtreppenhaus, den Ausbau des Erdgeschosses im Ostflügel und an der Nordostecke (Ausstellung zur Schlossgeschichte und Restauranträume), um Arbeiten im Großen Schlosshof (Fresken der Loggia, Pflasterarbeiten im Hof) und um den Ausbau der beiden Säle im Paradegeschoss (2. OG) des Nordflügels.


    Im Historischen Grünen Gewölbe waren nach dem Einbruch Restaurierungsarbeiten und Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit erforderlich. Die Wiedereröffnung wurde seitens der SKD für dieses Frühjahr in Aussicht gestellt. Da müssen wir uns überraschen lassen, wie es weitergeht. Die Corona-Krise bringt sowieso alle Museumsplanungen durcheinander. Werden Sonderausstellungen verlängert, verschoben, abgesagt? Schwierige Materie, da die Museumsleute nicht wissen, wie lange der faktische Ausnahmezustand anhält.


    Zu befürchten ist, dass Maßnahmen, die noch nicht durchgeplant und finanziert waren, zurückgestellt werden, da dem sächsischen Staat nach der Krise das Geld fehlt. Das könnte insbesondere den Ausbau der Schlosskapelle treffen.


    Um auf die Paraderäume zurückzukommen: Bis auf das Turmzimmer waren die Räume ja schon fast fertig. Einige Wandbehänge im 1. und 2. Vorzimmer fehlen noch. Bei Spiegelaufsätzen und Supraportenrahmen ist noch einiges zu tun. Möbel befinden sich in der Restaurierung. Und dann sind die Metallarbeiten an den Kaminen noch nicht fertig. Die provisorische Verbretterung der Kaminöffnungen empfinde ich als für den Raumeindruck besonders nachteilig. In all den genannten Bereichen ist die eigentliche Arbeit außerhalb der Paraderäume zu erledigen.

    Lieber Bentele, bitte genau lesen! Die Aussage von UrPotsdamer bezog sich auf die Nennung der Dome zu Bamberg, Augsburg und Hildesheim durch VanWuerzburg. Die Grabeskirche in Jerusalem ist ein Sonderfall. Die päpstlichen Basiliken in Rom hatte UrPotsdamer selbst erwähnt.


    Damit wir wieder zurück zur Schlossumgebung finden: Die Nikolaikirche steht annähernd parallel zur Marienkirche. Der Berliner Dom ist geostet, macht aber Zugeständnisse an die topografischen Gegebenheiten. Der Wunsch, diese Regel einzuhalten, bereitete bei den Planungen für einen Domneubau im 19. Jahrhundert große Schwierigkeiten, da das zur Verfügung stehende Grundstück in einer ungefähren West-Ost-Richtung nur eine geringe Tiefe aufwies.


    Eine klare Abweichung von der Regel bildet die Friedrichswerdersche Kirche. Hier waren die Gestaltungsabsichten und das verfügbare Grundstück ausschlaggebend. Der Chor weist daher nach Norden. Bei der Hedwigskirche als Zentralbau fällt die Orientierung nicht so ins Auge, stimmt aber auch einigermaßen.

    Bei Babbers Grafik stimmt alles. Nur die Sonne ist in Wirklichkeit größer. Aber dann hätte sie nicht mehr aufs Blatt gepasst.


    Die Marienkirche ist für eine mittelalterliche Pfarrkirche in der Mark Brandenburg schon ziemlich groß. Nur wurde in späteren Zeiten Berlin und die Bebauung seines Zentrums noch viel größer. Ich bin froh, dass die Marienkirche nicht mitwachsen musste. Reizvoll finde ich, dass sie heute schräg zur umgebenden Bebauung steht. Und das Schloss steht nochmal anders schräg.


    Angaben von Himmelsrichtungen meinen in Architektur und Städtebau selten eine exakte Ausrichtung. Was die Ausrichtung von Kirchen betrifft, hat UrPotsdamer im Kunstgeschichtsstudium gut aufgepasst. Mittelalterliche Doppelchoranlagen sind geostet.


    Die 13 Bäumchen an der Nordseite sehen mit ihrer hölzernen "Einfriedung" - den Fachbegriff dafür kenne ich leider nicht - richtig schick aus. Auch das Heckenmaterial für die Schlossterrassen macht einen guten Eindruck. Endgültig beurteilen lässt sich die Gestaltung des Schlossumfeldes erst, wenn die Baustelle ganz verschwunden ist. Aber ich bin optimistisch. Ich habe schon den Eindruck, dass die Landschaftsarchitekten was von ihrem Beruf verstehen.


    Bei der Pflasterung vor der Ostfassade ist die sechste Fensterachse von Süden her geschafft. Fehlen nur noch 17 Achsen.

    Die Kirche in Seitwann wurde 1945 von der SS gesprengt. Das weithin sichtbare Bauwerk sollte der Roten Armee nicht als Orientierungspunkt dienen. So steht es jedenfalls in der polnischen Wikipedia, gestützt auf die polnische Regionalgeschichtsliteratur.


    Die Kirche existiert nicht mehr. In der Liste der Baudenkmale der Wojewodschaft Lebus ist für die Ortschaft Żytowań kein einziges Objekt eingetragen. In dem kleinen Ort leben nur etwa hundert Menschen. Żytowań (Seitwann) gehört zur Landgemeinde Gubin im Kreis Crossen. In der gesamten Landgemeinde (ohne die Stadt) Gubin leben 7.200 Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 19 Einwohnern je Quadratkilometer. Das ist also eine ganz dünn besiedelte Gegend. Es gibt dort drei bis höchstens fünf aktive katholische Pfarrkirchen. In den meisten Ortsteilen, so auch in Seitwann, gibt es keine Kirche.


    1945 sprengten die Deutschen auch die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Neißebrücke von Seitwann. 2013/14 wurde mit EU-Fördermitteln eine neue Brücke gebaut.


    Coschen, Gemeinde Neißemünde, Landkreis Oder-Spree, Brücke über die Neiße nach Żytowań (Seitwann), gmina wiejska Gubin, powiat krośnieński (Foto: Andreas Lippold, Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)


    "Villa1895", du kannst also bequem über Coschen nach Seitwann fahren, aber zu sehen gibt es dort nichts. Nur ein paar unbedeutende Häuser. Die polnische Denkmalliste erfasst in den Dörfern eigentlich alle Gebäude und auch Ruinen, die einigermaßen interessant sind. Wenn Seitwann dort nicht vorkommt, dann ist da auch nichts. Immerhin ist die Landschaft um die wenigen Häuser ganz reizvoll. Ich hätte nicht gedacht, dass die Neiße auch in ihrem Unterlauf so schmal ist. Auf Landkarten wirkt sie viel imposanter.


    Die Neiße bei Coschen (Foto: Andreas Lippold, Juni 2017, CC-BY-SA-4.0)

    In diesem Strang geht es um die Gemeinde Moritzburg im Landkreis Meißen sowie um das gleichnamige Schloss- und Parkensemble. Kultur und Natur gehen hier eine besonders schöne Verbindung ein. Moritzburg ist nicht nur ein Schauplatz barocker Prachtentfaltung, sondern auch des expressionistischen Aufbruchs in der deutschen Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier fanden einst große Hirschjagden statt und werden heute noch Pferde und Karpfen gezüchtet. Moritzburg ist mit so illustren Persönlichkeiten wie August dem Starken, Aschenbrödel und Käthe Kollwitz verbunden. Die gesamte Vielfalt wird unter dem Begriff Moritzburger Kulturlandschaft zusammengefasst.


    Reizvoll ist schon die Anreise. Wer nicht in der Nähe wohnt, hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Er kann ab Radebeul-Ost die Schmalspurbahn nehmen oder am Bahnhof Dresden-Neustadt in den Bus einsteigen. Der Bus hat drei Vorteile: Er ist in den Verkehrsverbund Oberelbe integriert und damit kostengünstiger als die Lößnitzgrundbahn. Er hält in Moritzburg näher am Schloss, und er bietet während der Fahrt schöne Aussichten in die liebliche Landschaft. Einen Eindruck davon vermittelt das folgende Bild:


    Blick auf Moritzburg, zwischen den Bäumen die Dorfkirche (Foto: Cherubino, Oktober 2014, CC-BY-SA-4.0)


    Eisenbahnnostalgiker werden natürlich der Schmalspurbahn den Vorzug geben. Der "Lößnitzdackel" dackelt den überwiegenden Teil der Fahrt gemütlich durch den Lößnitzgrund.


    Lößnitzgrundbahn ("Lößnitzdackel" genannt) während der Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Rolf-Dresden, September 2006, CC-BY-SA-3.0)


    Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Dr. Bernd Gross, Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Den überwiegenden Teil der Fahrt begleiten uns schöner Laubwald und ein munteres Bächlein, der Lößnitzbach.


    Blick aus dem Zug während der Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Dr. Bernd Gross, Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Blick aus dem Zug während der Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Dr. Bernd Gross, Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Es muss nicht immer Architektur sein. So ein Blick ins Grüne, gelegentlich garniert durch einen Felsen, hat ja auch was.


    Blick aus dem Zug während der Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Dr. Bernd Gross, Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Fahrt durch den Lößnitzgrund (Foto: Dr. Bernd Gross, Juni 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Kurz vor Moritzburg ändert sich dann das Landschaftsbild. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

    Ich kenne Braunschweig seit kurz nach dem Mauerfall. Es war ja "Zonenrandgebiet". Mir hat die Stadt ganz gut gefallen. Nach dem Krieg hatte man hier auf den Erhalt von "Traditionsinseln" gesetzt. Ich denke, das war eine ganz gute Idee. Eine Fachwerkstadt nach schwerer Kriegszerstörung wiederaufzubauen, ist schwierig. Das Fachwerk verbrennt und weg ist es. Und da alte Fachwerkhäuser meist nicht den Nutzungsbedürfnissen nach 1945 entsprachen, kann man schon nachvollziehen, dass es hier keine Komplettrekos gab. Immerhin hat man später mit dem Schloss und der Alten Waage noch nachgesteuert.


    In Hildesheim kann man die Rekonstruktion des Marktplatzes in den 80er Jahren gar nicht genug loben. Diese Großtat der Rekobewegung sollten wir nie vergessen. Ich konnte sie dank der Grenzöffnung relativ zeitnah begutachten. Ich mag übrigens auch Hannover ganz gerne.


    Im Vergleich zu Halberstadt schneidet Braunschweig schon ganz gut ab. Eine richtig schöne alte Stadt mit vielen Fachwerkhäusern ist dann das benachbarte Wolfenbüttel. Und wer Fachwerk bis zum Abwinken sehen will, der fährt nach Celle.


    Wir haben zu Braunschweig auch einen Galeriestrang im Forum, in dem der Wiederaufbau ebenfalls diskutiert wird. Ich denke, alte Fotos als Maßstab anzulegen, ist ein bisschen problematisch.

    Eine wunderschöne Galerie! Vielleicht könnte man das Thema noch in den Galerie-Ordner zu Thüringen verschieben. Schließlich hat sich Snork bei der Neuordnung des Forums so viel Mühe gemacht.


    Solche kleinen Städte haben oft einen sympathischen Zug an sich, den man so in einer großen Stadt nie erleben könnte. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!

    Ausstellungen mit kleinen Plastiken funktionieren in dem großen Atelierraum sehr gut. Ich habe auch das Gegenteil schon mehrfach erlebt, dass die Präsentation großformatiger Werke der Malerei oder Bildhauerkunst in relativ kleinen Räumen im Rahmen einer Ausstellung gut funktionieren kann.


    Aber ich will nun wieder zum Thema dieses Stranges zurückführen:


    Berlin-Mitte, Rathausstraße, Bronzeplastik "Aufbauhelferin" von Fritz Cremer, dahinter die Marienkirche und Neubauten an der Karl-Liebknecht-Straße, historische Aufnahme um 1970 (Foto: LHM, Sammlung FORTEPAN, CC-BY-SA-3.0)


    Fritz Cremer (1906-1993) schuf das Figurenpaar "Aufbauhelferin" und "Aufbauhelfer" in den Jahren 1953/54. Die Aufstellung der Bronzegüsse vor dem Roten Rathaus erfolgte 1958. Insbesondere das Motiv der Aufbauhelferin mit der Marienkirche im Hintergrund wurde in den folgenden Jahrzehnten relativ oft fotografiert. Die Plastiken stehen unter Denkmalschutz. Vorübergehend mussten sie der U-Bahn-Baustelle weichen, aber sie werden dann wohl bald wieder aufgestellt.


    Rathausstraße, Aufbauhelferin, ganz rechts ist im Hintergrund die Marienkirche zu erahnen (Foto: SpreeTom, 2006, CC-BY-SA-3.0)


    Rathausstraße, "Aufbauhelfer" von Fritz Cremer (Foto: SpreeTom, 2006, CC-BY-SA-3.0)


    Die Figuren sind bekleidet und realistisch dargestellt. Dabei besteht die Gefahr, sich im Kleinklein der Details zu verlieren. Cremers Meisterschaft zeigt sich darin, dass die künstlerische Aussage bei aller Liebe zum Detail im Vordergrund steht. Beachtenswert ist die gleichberechtigte Rolle der Frau und der Verzicht auf übertriebenes Pathos. Cremer setzt den Menschen, die beim Wiederaufbau nach dem Krieg angepackt haben, ein schönes Denkmal.


    Rathausstraße, Aufbauhelfer (Foto: Adam Carr, Mai 2006, public domain)

    Breker wird nur von Leuten vergöttert, die keine Ahnung von der Entwicklung der Bildhauerei im 20. Jahrhundert haben - oder aber ideologische Gründe sind ausschlaggebend. Die Äußerung "der deutsche Michelangelo des 20. Jahrhunderts" ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Selbst wenn sie von Maillol stammen sollte. Jeder sagt mal was Dummes. Das Problem ist, dass die meisten Menschen kaum etwas über die Geschichte der Bildhauerei wissen. Die Namen Michelangelo und Breker kennt aber jeder. Also nehmen sie an, dass das die wichtigsten Künstler seien. Während sie bei Michelangelo richtig geraten haben, liegen sie bei Breker damit aber voll daneben. Tabuisierung fördert den Mythos Breker nur. Eine nüchterne Einordnung in die Kunstgeschichte hilft dagegen, Breker zu entzaubern.


    Arno Breker war vor dem Dritten Reich schon da und er hat danach noch ein Spätwerk geschaffen. Sein Werk aus der Zeit des Dritten Reiches lässt sich in drei Phasen einteilen. Die schwächste Phase fällt in die Jahre 1938-1942, als der Einfluss des nationalsozialistischen Zeitgeistes am größten war und sich das NS-Regime auf dem Höhepunkt seiner Macht befand. Danach wandelt sich - in Vorahnung des baldigen Untergangs - sein Schaffen. Das lässt sich auch bei einigen anderen Künstlern beobachten.


    Die im Zeughaus ausgestellte Figur "Die Wehrmacht" aus dem Ehrenhof der Neuen Reichskanzlei habe ich dort, im Zeughaus, auch schon selbst gesehen. Sie ist wirklich das Schwächste, was Breker je geschaffen hat - neben ihrem Pendant "Die Partei" und einigen Kriegerdarstellungen aus der Zeit. Diese hypertrophierte Breitschultrigkeit und der ganze dümmliche Ausdruck der Figur haben mit der klassischen Antike nichts gemein.


    Breker war ein begabter Mann und beherrschte das Handwerk. Das trifft aber auf viele Bildhauer des 20. Jahrhunderts zu. Darunter waren übrigens auch nicht wenige Frauen. Aus diesem Kontext ragt er als NS-Staatskünstler heraus. Insofern muss man sagen: Benjamin hat recht. Ich habe mal in einer Ausstellung das Original seines Zehnkämpfers vom Olympiastadion gesehen. Das ist um Längen besser als das Werk im Zeughaus. Es gibt zu dem männlichen Athleten auch ein weibliches Gegenstück (Die Siegerin) am Olympiastadion. Danach geht es mit Breker künstlerisch bergab. Nach dem Krieg kommt dann sein neoklassisch unterkühltes Spätwerk, das in der kunstgeschichtlichen Gesamtschau nicht als besonders interessant eingestuft werden kann.


    In der Nähe des S-Bahnhofs Heerstraße ist das Wohnhaus und Atelier des Bildhauers Georg Kolbe erhalten. Es ist als Museum der Bildhauerei zugänglich. Kolbes Arbeiten der Zeit um 1940 zeigen auch eine Steigerung ins Monumentale. Aber Kolbe bleibt Humanist und ein ausdrucksstarker Künstler.


    Im Kunsthaus Dahlem habe ich mal eine Ausstellung mit deutscher Plastik der unmittelbaren Nachkriegsjahre gesehen. Eine sehr schöne Ausstellung. Im Garten standen abstrakte Großplastiken. Auch das passte gut. Man merkt daran, dass das Atelierhaus künstlerische Qualität hat. Reizvoll ist auch der Kontrast zum benachbarten Gebäude des Brücke-Museums. Es ist gut, dass im Kunsthaus Dahlem Breker nicht gezeigt wird.


    Liebe Leute, geht auf Entdeckungsreise in der Kunst! Es gibt so viele Künstler, die interessanter sind als Breker:


    Renée Sintenis, Emy Roeder, Hermann Blumenthal, Georg Kolbe, Fritz Klimsch, Fritz Cremer, Gustav Weidanz, Jenny Mucchi-Wiegmann, Gerhard Marcks, Bernhard Heiliger und und ...

    Schloss Reinhardsbrunn, Friedrichroda


    Am 12. Dezember 2019 hatte ich hier über die Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn berichtet. Gegen die Entscheidung des Landgerichts Meiningen wurde nun leider doch Berufung eingelegt. Die Rettung dieses für Thüringen kulturgeschichtlich so bedeutenden Schlosses verzögert sich dadurch weiter. Man kann nur hoffen, dass das Oberlandesgericht bald in letzter Instanz zugunsten des Freistaats Thüringen entscheidet.


    Der MDR sendet am 31. März um 21 Uhr in der Reihe "Der Osten - Entdecke wo du lebst" eine überaus sehenswerte Doku zum Schloss Reinhardsbrunn. Der Film ist bereits in der Mediathek:


    MDR - Schloss Reinhardsbrunn - Thüringens verlorenes Paradies (verfügbar bis 31. März 2021)


    Der Film wurde 2019 produziert. Er endet also mit der Hoffnung, dass das Schloss bald saniert und wieder mit Leben erfüllt werden kann.

    Doch, das war eine Wiederholung. Die Erstsendung war am Reformationstag zu nachmittäglicher Stunde. Etwas seltsame Sendezeit, wie ich fand. Das Video dazu, das wir hier bereits verlinkt hatten, wurde in der Mediathek allerdings durch das aktuelle ersetzt bzw. mit dem Sendedatum von gestern versehen:


    MDR Fernsehen - Wo Sachsens Sonnekönig regierte (verfügbar bis 24. März 2021)


    Am Ende erscheint das Copyright MDR 2019. Es gab letztes Jahr eine ziemlich schlechte Doku auf arte und auch andere Fernsehbeiträge. Vielleicht verwechselst du es damit.


    Ja, die Doku ist sehr interessant. Gut, dass sie noch lange verfügbar ist. Darin waren ja auch Ausschnitte aus der Xperience-Show zu sehen (computeranimiertes Reiterballett von 1719 im Zwingerhof). Ich kann dem gar nichts abgewinnen. Jedes originale Objekt und auch jedes originalgetreu rekonstruierte Objekt ist doch tausendmal interessanter als so ein Multimediaspektakel. Ich meine, dass Herr Striefer von Schlösserland Sachsen da einen falschen Weg beschreitet. Aber es sind wohl erschreckend viele Leute, die sowas toll finden, während ihnen die originalen Paraderäume nicht genug Spektakel bieten. Hier trägt die MDR-Doku zur Aufklärung bei. Wobei vieles noch gar nicht angesprochen wurde. Etwa die Silbermöbel. Ich hatte das Glück, den Räumen kurz vor Weihnachten einen ersten kurzen Besuch abzustatten. Ergreifend! Es erfüllt mich mit Stolz auf die Kulturnation Sachsen, was dort geleistet wurde und weiter geleistet wird.


    Die Fenster der Paradesuite bieten eine herrliche Aussicht auf die Gemäldegalerie Alte Meister. Konnte man so bislang nicht erleben, denn die Fenster des Neuen Grünen Gewölbes eine Etage tiefer sind ja verhängt. Wie schön, dass auch die Wiedereröffnung der Sempergalerie noch vor der Corona-bedingten Schließung stattfinden konnte!

    Danke, Freibuerger, für den Tipp! Ich habe soeben meine Mutter informiert, die nur Live-Fernsehen zur Verfügung hat und auch nicht mehr so reisen kann.


    Es handelt sich um die Wiederholung einer Sendung vom 31. Oktober vergangenen Jahres. Über das Internet könnt ihr das Video auch hier abrufen.

    Lieber Snork, vielen Dank für diese wundervollen Bilder! Von Florenz kann man nie genug kriegen. Besonders stimmungsvoll sind die Aufnahmen bei Regenwetter.


    Ich war noch nie in Florenz, aber als kunsthistorisch interessierter Mensch fühle ich mich dieser Stadt verbunden. Deshalb sind für mich die Zeugnisse der Florentiner Kunst in deutschen Museen sehr wichtig. Hier einige Beispiele aus Berlin.

    Die berühmte bronzene, vergoldete, bis 1466 fertiggestellte, von Lorenzo Ghiberti entworfene Paradiespforte am Baptisterium (Kopie, das Original befindet sich im Museum nahebei):


    Berlin, Neues Museum, Saal 206, Gipsabguss der Paradiestür des Baptisteriums in Florenz (Foto. Mike Peel, April 2017, CC-BY-SA-4.0)


    Der Gipsabguss gehört zur ursprünglichen Ausstattung des Neuen Museums. Heute würde man ihn dort gar nicht vermuten. Aber das Neue Museum ist ein Haus, in dem es viel zu entdecken gibt. Ich liebe es sehr. Kein Geheimtipp ist dagegen die hervorragende Sammlung florentinischer Plastik im Bode-Museum.


    Berlin, Bode-Museum, Basilika, heilige Dorothea, gebrannter Ton mit ursprünglicher Fassung, vermutlich aus der Werkstatt della Robbia, Kalksteintabernakel des 16. Jahrhunderts (Foto: Andreas Praefcke, 2007, gemeinfrei)


    Berlin, Bode-Museum, Büste Bernardo Rucellai (Foto: Sailko, Februar 2012, CC-BY-SA-3.0)


    Bei diesem Namen denken wir sofort an den Palazzo Rucellai. Und bei Filippo Strozzi an den Palazzo Strozzi.


    Berlin, Bode-Museum, Terrakottabüste des Filippo Strozzi von Benedetto da Maiano (Foto: Yair Haklai, Juli 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Berlin, Bode-Museum, Basilika, Madonna mit den heiligen Franziskus und Cosmas, gebrannter und glasierter Ton, von Andrea della Robbia

    (Foto: Gunnar Bach Pedersen, 2007, gemeinfrei)


    Bedeutende Werke der Malerei der Florentiner Renaissance finden wir in der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum.

    Die Verbindung Chipperfield und Bauakademie besteht bislang nur in den Beiträgen von Eiserner Pirat und die wiederholte Bezugnahme auf das Neue Museum führt in jedem Falle in die Irre. Einen "Ruinenlook" wird es bei der Bauakademie nicht geben, denn es ist ja keine Ruine als Ausgangspunkt vorhanden. Die Bauakademie wird ein völliger Neubau sein. Dabei wird so viel rekonstruiert, wie vom Bauherrn gewünscht wird. Meines Wissens ist immer noch die Rekonstruktion der Fassaden vorgesehen. Etwas anderes würde auch keinen Sinn ergeben. Eine Bauakademie ohne Schinkel - wie sollte das funktionieren? Auch inhaltlich wäre der Rückgriff auf Schinkel angebracht, denn er ist heute eine neutrale Institution, im Gegensatz zu jedem Architekten unserer Zeit.


    Da die Fassaden noch kein Gebäude machen, wird es einen Architektenwettbewerb geben. Dazu muss der Bauherr wieder Vorgaben machen. Welcher Raumbedarf ist gegeben? Soll die Gebäudestruktur rekonstruiert werden? Schinkels Bauakademie war ja auch im Innern modern aufgrund ihrer modularen klaren Gliederung. Es wäre reizvoll, sich daran auch im Innern zu orientieren.


    Zum Neuen Museum haben wir ein eigenes Thema hier im Forum. Das sollte dort diskutiert werden.

    Leipziger Straße 6


    Also "Haus Emily" - benannt nach einer Frau und Jüdin. Wer kann dazu schon nein sagen?


    Wichtig ist, dass sich bei dem Geschäftshaus Leipziger Straße 6 endlich was tut. Bis auf das Erdgeschoss steht das einstige Textilwarenhaus Weddy-Poenicke & Steckner leider seit vielen Jahren leer. Dabei ist es ein schönes Gebäude und liegt recht günstig. Vom Marktplatz aus gesehen ist es auf der linken Straßenseite das vierte Haus hinter dem Ratshof. Es liegt also noch vor der Ulrichskirche.


    Das Haus Leipziger Straße 6 (rechts), im Hintergrund der Rote Turm auf dem Marktplatz (Foto: Steckner, April 2015, CC-BY-SA-4.0)


    Leipziger Straße 6 (Foto: Catatine, Mai 2016, CC-BY-SA-4.0)


    Das Dach wurde 2007 neu gemacht. Infos und weitere Bilder zu diesem schönen Kaufhausbau gibt es hier. Nicht nur in Leipzig, sondern auch in Halle findet man tolle Geschäftshausbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Hinterhaus soll bis zur Gustav-Anlauf-Straße reichen. Das bedeutet, dass das Grundstück sehr in die Tiefe geht. Die Gustav-Anlauf-Straße verläuft seitlich neben dem Ratshof.


    Die Leipziger Straße wurde zu DDR-Zeiten als repräsentative Fußgängerzone der Bezirksstadt gestaltet und galt als Haupteinkaufsstraße. Sie hieß damals Klement-Gottwald-Straße (genau wie ihr Pendant in Potsdam, die heutige Brandenburger Straße). Sie führt vom Hauptbahnhof (genauer: Ernst-Thälmann-Platz, jetzt Riebeckplatz) zum Marktplatz. Die ganze Strecke zu laufen, ist aber nicht so attraktiv. Die Straßenbahn fährt andersrum (Franckeplatz, Rannische Straße). De facto liegt die Leipziger Straße heute etwas im Abseits. Die vom Marktplatz nach Norden führende Große Ulrichstraße hat sich nach der Wende besser entwickelt. Durch sie fährt die Straßenbahn, und es liegen in ihrem Umfeld mehr interessante Orte, die man ansteuern kann.


    Leipziger Straße, der Musenbrunnen von Gerhard Lichtenfeld (1974) neben der Konzerthalle Ulrichskirche (links, nicht im Bild), hinten rechts das Haus Leipziger Straße 6 (Foto: Gerd Fahrenhorst, Juli 2017, CC-BY-4.0)


    Blick von den Hausmannstürmen der Marktkirche. Links Galeria Kaufhof, daneben der Ratshof. Hinter dem Ratshof ist die Rückseite des Landgerichts am Hansering zu sehen. Die Gustav-Anlauf-Straße verläuft an der rechten Seite vom Ratshof bis zum Landgericht. Rechts vom Ratshof ist das Deichmann-Haus als erstes Haus an der Leipziger Straße gut im Bild. An dieses schließt sich ein niedriges, dann ein höheres Gebäude und danach - ganz am rechten Bildrand - das rote steile Dach der Leipziger Straße 6 an. Hier kann man also die Lage des Grundstücks, das von dem Bauvorhaben "Emily" erfasst wird, ganz gut erahnen (Foto: Ralf Lotys, Juli 2011, CC-BY-3.0)

    Luxemburger

    Irgendwas funktioniert da nicht. In mehreren deiner Beiträge von heute sehe ich statt der Bilder nur Buchstabensalat (offenbar die Bildadresse). Im zweiten Beitrag zum Palast der Großfürsten habe ich vor ein paar Stunden die Bilder noch sehen können (Ansichten vom Schlosshof), jetzt aber Buchstabensalat. Das ist sehr seltsam. Kannst du das irgendwie reparieren?


    Was ich an neuen Bildern sehen kann, ist übrigens sehr schön. Vielen Dank dafür!

    Ja, niederländisch. Die Konstruktion "je ... desto" wird niederländisch "hoe ... hoe" wiedergegeben. Also: "hoe eerder hoe beter" = "je eher, desto besser". Als Standardübersetzung für "hoe" gilt aber "wie". Vergleiche mit englisch "how". "Hoelang duurt dat?" = Wie lange dauert das?


    Das niederländische Wort "wie" entspricht dem deutschen "wer".


    Maar wat zijn de Duitsers weer pedant vandaag!


    Aber eigentlich ging es um mögliche Innenraumrekonstruktionen im Berliner Schloss. Antwort auf Klassikers Frage: Derzeit sind keine Innenraumrekonstruktionen konkret geplant. Es könnte aber eventuell später die eine oder andere Reko geben, vielleicht das Gigantentreppenhaus.

    Hier die Ecke Wettiner Straße / Liviastraße. Das Eckhaus war bei Apollo noch nicht zu sehen.


    Wettiner Straße (links), Liviastraße (rechts), an den Endpunkten der Straßen die Red Bull Arena und ein vor wenigen Jahren fertiggestellter Wohnhausneubau am Endpunkt von Liviastraße und Christianstraße (Foto: Timur Y, Juni 2013, CC-BY-3.0)


    Das südliche Ende der Liviastraße, vor dem letzten Haus geht es rechts in die Funkenburgstraße hinein

    (Foto: Appaloosa, Dezember 2009, CC-BY-SA-3.0)


    Jetzt drehen wir uns um:


    Blick über den Elstermühlgraben die Liviastraße entlang nach Norden, links das inzwischen sanierte Haus mit Turm am Endpunkt Feuerbachstraße / Tschaikowskistraße, im Hintergrund das rote und das helle Eckhaus am Endpunkt der Wettiner Straße (Foto: Enst38, März 2009, CC0)


    Über die Fußgängerbrücke im Vordergrund gelangt man ins Rosental, ein Naherholungsgebiet, das für seine Große Wiese bekannt ist.


    Blick über die Große Wiese im Rosental nach Süden zur City, im Vordergrund eine mächtige Eiche, im Hintergrund das City-Hochhaus und ganz rechts der Turm des Neuen Rathauses (Foto: Dguendel, Dezember 2009, CC-BY-3.0)