Posts by Heimat

    Das ist leider bei ganz vielen Bauwerken oder Denkmälern der Fall. Ich habe schon mehrfach das Holocaustmahnmal besucht, aber bereits beim ersten Mal musste ich enttäuscht erleben, dass es von (zu) vielen Besuchern als Fangen-und Versteckwiese oder als Möglichkeit zum Sonnenbaden missbraucht wurde. Ich habe es damals als regelrechte Entweihung dieses eigentlich würdigen Mahnmals empfunden. Aber so ticken wir heute nun mal, es muss aus allem ein Event gemacht werden. Aus vielen alten Denkmälern oder eben auch solchen, die gerade gebaut werden...

    (Off topic aus)

    Lieber Konstantin und Ur-Potsdamer, jetzt schließe ich auch noch eine Frage an euch beiden Potsdamer an und ich hoffe, sie führt nicht allzuweit vom Thema weg. Nachdem der Landtag nun ja schon einige Jahre im neuen Stadtschloss seinen Sitz hat, würde mich interessieren, was denn aktuell mit dem ehemaligen Sitz auf dem Brauhausberg geschieht? Steht das Gebäude leer oder wird es saniert oder anderweitig genutzt?

    Der Plenarsaal wurde, soweit mir bekannt, nach dem Brand von 1933 nicht mehr wiederhergestellt. Als "Parlament" diente seit 1933 ja dann die Krolloper. Nach dem Krieg wurde der Reichstag wiederaufgebaut und bereits da wurde er später von Paul Baumgarten baulich im Stile der Nachkriegszeit verändert. Von der ursprünglichen Innenarchitektur blieb meines Wissens da schon nicht mehr viel übrig. So sah er dann aus, bis zum Totalumbau durch Forster in den 90er Jahren. Wenn man sich die Bilder von den Bauarbeiten ansieht, erkennt man, dass das Gebäude bis auf die Außenmauern nahezu völlig entkernt wurde.

    Eine sehr ausführliche und auch bebilderte Darstellung findet man auf der Seite des Bundestages unter "Parlament, Geschichte".

    [...] auch wenn die Mosaike wieder verdeckt sind.

    Die Mosaike sind nicht "wieder verdeckt", sie wurden gänzlich entfernt.


    Ansonsten wird es sich wie bei allen (unverputzten) Steinbauten verhalten, da lagert sich im Laufe der Jahrzehnte viel Schmutz ab. Bei der Einweihung war das Nationaldenkmal sicher heller als 50 Jahre später bzw. heute. Das sieht man ja z.B. beim Brandenburger Tor auch. Viele erinnern sich sicher noch, wie dunkel es war, ehe es Anfang der 2000er grundsaniert wurde und danach wieder hell erstrahlte.

    Wenn man beide Situationen direkt miteinander vergleicht, also das historische Spreegärtchen und die heutige Trauerweide mit Bänkchen, klingt dieses Zitat von Frau Lüscher sogar fast schon zynisch...

    Ich denke, dem ist nicht viel entgegenzusetzen. Das sind Fakten. Punkt.


    So schön die alte Breite Straße war, sie wurde in ihrer alten Erscheinung einfach nicht für die 50.000 KfZ gebaut.


    Eine realistische Alternative gibt es derzeit nicht. So bedauerlich es sein mag.

    Es gibt aber schon einen Unterschied, ob ich Etwas wiedererrichte oder aber es einfach stehen lasse speziell vom Geschichtswert.

    Das ist richtig, aber dann muss man auch bedenken, dass die Mosaike stets da waren. Sie waren jahrzehntelang verdeckt unter einer Asphaltschicht, aber sie waren da bis sie zur Restaurierung entfernt wurden. Ursprünglich sollten sie ja mal wieder den Weg an ihren angestammten Platz zurückfinden. Von daher geht es hier ja nicht um eine "Wiedererrichtung" im Sinne einer Rekonstruktion aus dem Nichts, sondern doch auch um ein "einfach stehen lassen".

    Danke für diese beiden Vergleichsansichten. Ich bin beim Reichstag immer hin und hergerissen. Wenn ich mir das Gebäude im heutigen Zustand ansehe, denke ich stets, was für ein wunderschönes Parlamentsgebäude wir haben. Ein prächtiger Bau mit einer doch gewissen Leichtigkeit. Sehe ich dann den ursprünglichen Zustand, denke ich, er sieht noch prächtiger und graziöser aus. Die eine oder andere Ergänzung an Bauschmuck würde dem Bauwerk nicht schaden, z.B. der Figurenschmuck der Ecktürme.

    Beim Betrachten dieser Darstellung des ehemals Königsplatz genannten Platzes vor dem Reichstag sieht man so schön, wie man Stadträume mit verhältnismäßig wenig Aufwand so viel geben kann.


    IST-Zustand Platz der Republik: Entsprechend des Gesamtkonzepts des Bandes des Bundes zeigt sich der Platz betont schlicht, genauer gesagt als geradezu öde und ungepflegte Rasenfläche. Aus manchen Perspektive betrachtet könnte man zeitweise gar von einer Brache reden. Keine Aufenthaltsqualität.


    Dagegen wäre es nicht nur optisch, sondern auch ökologisch betrachtet geradezu eine Wohltat, den Platz mit strukturierten Rasen-Blumen-Baumflächen zu versehen. So entstünde eine kleine Oase vor unserer Volksvertretung. Ein im Sommer kühlende Brunnen rundet das Bild ab und würde darüber hinaus einen herrlichen "Bruch" mit der modern-nüchternen Bebauung des Bandes des Bundes ergeben.


    Das neue Gesamterscheinungsbild wäre, denke ich, wirklich extrem aufgewertet. Man müsste nicht mal was für eine solche "Reko" kaputt machen, weil ja nichts da ist. Der riesige "Demonstrationsplatz", vor dem die Volksvertreter ja angeblich so Respekt haben, dass sie sogar einen Schutzgraben durch ihn ziehen wollen, wäre auch aufgebrochen. Also eigentlich spräche doch rein gar nix dagegen? Oder?

    Ja halt einfach die Städte, die dem Kriegsgeschehen zum Opfer fielen, haben oftmals in der Nachkriegszeit ihr organisch gewachsenes Gesicht völlig verloren. Weniger betroffene Städte konnten da halt einfach mehr erhalten. Während man da heute wieder mehr Wert drauf legt, wollte man nach dem Krieg von dem "alten Zeug" halt nix mehr wissen und hat die Gelegenheit eben genutzt, zeitgemäß wiederaufzubauen. Aus heutiger Sicht ein Jammer, zumindest direkt nach dem Krieg aber oft verständlich.