Posts by Bauaesthet

    Bauaesthet, du machst aus einem einseitigen Kulturkampf einen gegenseitigen. Das wird den Tatsachen nicht gerecht. Ich habe in der öffentlichen Diskussion von Seiten der Befürworter und Unterstützer des Schlosses bislang keine "pauschalisierende Polemik" vernommen, ...

    Sicher treten viele Schlossgegner massiver und polemischer auf als die Schlossverteidiger. Aber auch den Verteidigern platzt oft der Kragen, wie man an vielen Stellen auch in diesem Forum lesen kann (wie zuletzt gegen Oswald und Zimmerer). Polemik verleitet eben oft zu Ärger und Kampfgeist. Da schließe ich mich selbst nicht aus. Daraus entsteht leicht Gegenpolemik. Dahinter stehen unterschiedliche Erziehungs-, gewachsene Sozialisations- und Wertesysteme (sogenannte Memplexe) Das ist verständlich. Das Ergebnis ist ein "gegenseitiger Kulturkampf" bei dem das eigentliche Objekt der Auseinandersetzung, der Schlossbau selbst fast vergessen wird und zum Beispiel der Schloßbrunnen und die Rossebändiger aus Resignation verloren haben.

    Das jetzt fertig dastehende Gebäude­ Berliner Schloss Humboldt-Forum in seinem Umfeldund die Ausstrahlung seiner Ästhetik kann man unbefangen und vorurteilslos auf sich wirken lassen. Man kann die Architektur, die Skulpturen, den Fassadenschmuck von Schlüter und Stüler und die eingefügte Architektur von Stella beurteilen, bewundern, kritisch sehen oder überhaupt nicht sehen. Voraussetzung ist, dass man den Bau überhaupt anschaut, ernst nimmt, und bereit ist, der Kunstfertigkeit eine Chance der Wertschätzung zu geben.

    Man kann sich auch anders verhalten: das Gebäude nicht als kunstvolles Objekt, als physischen, nützlichen, hässlichen, schönen Gegen­stand anschauen. Das Gebäude kann reduziert als Symbol historischer, staatlicher, ideologischer, machtpolitischer Herrschafts­interessen wahrgenommen werden. Rechts- und Linksfixierte, Modernistisch und Retro fixierte fallen mit pauschalisierender Polemik übereinander her. Menschen kämpfen nur verbittert um ihre festgefahrenen eigenen und gegnerischen Weltbilder. Als Hauptstadt Preußens, des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des NS-Staates, der DDR, der Bundes­republik wird das Gebäude mit Umfeld nur abstrakt als wechselhafte, vieldeutige und kontaminierte Symbolik hin- und hergezerrt. Ort, Steine und Artefakte stöhnen unter der schweren Belastung der ihnen auferlegten Symboliken. Unfair und Schade!

    Es ist grotesk, was dieser "Historiker" Jürgen Zimmerer mit geschwurbelten Formulierungen von sich gibt:

    "Das Berliner Schloss überschreibt die deutsche Gewaltgeschichte" ist eine bewusst reduzierte, pauschale, einseitige Behauptung, so als sei die gesamte Geschichte des 17. bis 19. Jahrhunderts vor allem und vor allen anderen eine Geschichte agressiver deutscher Gewalt. Damit behauptet Zimmerer, der demokratisch gewählte Bundestag wolle mit seiner Entscheidung den teilrekonstruierten Hybridbau manipulativ als Instrument ein-setzen, um deutsche Geschichte umzudeuten und reinzuwaschen. So ein Quatsch. Welcher ernst zu nehmende Historiker oder öffentliche seriöse Institution "idealisiert" heute noch einseitig die Geschichte von vor 1916?

    Die Unterstellung, man wolle mit dem Bauwerk sogar Auschwitz (und den Holocaust) verdecken ist eine empörende Unverschämtheit. Zimmerer benutzt "Auschwitz" als Reizwort und schwingt es als primitive Totschlag-Keule gegen das von ihm gehasste Bauwerk. Das ist ein nicht hinnehmbarer Missbrauch der Gedenkkultur unserer demokratischen Gesellschaft und der millionen Opfer des Völkermordes.

    Was versteht dieser selbsternannte Vertreter der "Wir-Demokraten" unter "Aneignung dieses Schlosses"? Welch ein vieldeutiger Begriff in diesem Zusammenhang. Es gibt immerhin das widerliche Vorbild der Trump-Anhänger, die das Capitol kurz "angeeignet" haben!?

    Wen wollen die „Schloßgegner“ in ihrer Frustration über das realisierte, teil-rekonstruierte Bauwerk noch alles beschimpfen? Zuerst war es die Symbolfigur, der Kaiser, dann alle preußischen Könige, dann in Bausch und Bogen das ganze „militaristische Preußentum“, Dann wurden die heutigen politisch Gestrigen und Nostalgiker verurteilt. Historiker und Kulturwissenschaftler, die an diesem Bauwerk Bezüge zwischen Architektur, Kunst und Geschichte fanden, wurden in verstaubte Ecken gestellt. Baufachlich kritisierte man „Retro-Architekten“ und Skeptiker des Modernismus. Jetzt werden rechtsradikale Großspender für das „Retro-Ungeheuer“ verantwortlich gemacht. Aktuell reibt man sich an der Zerstörung des Originals auf: an Bomberkommandos. Also versucht man, Bomben- und Brandspuren aus dem 2. Weltkrieg am neuen Bauwerk als Aktions- und Performance-Kunst zu inszenieren. Dabei dürfen die Nazis als Verursacher der Zerstörung nicht fehlen. Bisher hat man Ulbricht und die Sprenglöcher noch vergessen. Auch der Bundestag als Projektentscheider wartet noch auf Schmähungen. Letztendlich hat man einfach mich vergessen zu beschimpfen, der ich schlicht und einfach unpolitisch aus Liebe zu diesem zeitlos-schönen Kunstwerk, für das wunderbare Ensemble und für einen Zeugen unserer Vergangenheit eintrete.

    Selbst wenn alle sich gleichgültig an den Anblick des neuen Tores IV gewöhnt haben, mit oder ohne neue Hingucker in Form von Stoff-Hinweisplakaten

    Ich kann´s einfach nicht lassen wenn ich diesen Bild-Vergleich zwischen früher und heute so überdeutlich sehe: rechts und links fehlen immer noch die Rossebändiger! ! !

    "Beauty matters"

    Genau! Es geht doch nicht um den seltsamen ideologie-besessenen Mann, dessen Namen mit "O" beginnt und seine überspannten Behauptungen! Eigentlich hätte es immer noch oder wieder gehen sollen um das Gebäude mit Drumrum: den Forkenmann, die vier hübschen Frauen, die beiden Pferde mit den unbekleideten Männern, auch um den desinteressierten Senat und die eingeknickte Frau Kahlfeld.

    Das gesamte Schlossumfeld ist schon modern ausgerichtet,daher ist es naheliegend, das der zukünftige Brunnen Architektonisch entsprechend dem Schlossumfeld angepasst wird und nicht dem Schloss.

    Was sieht man, wenn man auf das Schloss zugeht? z. B. von der Breiten Straße: die Fassade und Portal II mit einem Brunnen davor. Die Steinwüste rund um den Brunnen erst wenn man schon drauf steht oder dauernd depressiv zu Boden schaut. Was sieht man, wenn man vom Lustgarten durch die Uffizien kommt: Das barocke Innenportal II und durch das Tor einen Brunnen, den Steinboden des Schlossplatzes weniger. Der ist für sich gesehen auch garnicht so schlecht, aber er fällt nicht ins Auge wie das Portal innen oder außen - immer im Zusammenhang mit dem Brunnen. Dieser soll mit dem barocken Hintergrund harmonieren oder er muss als Kontrast gegen ihn kämpfen. Es wäre falsch, in Berlin städebaulich immer in modischen Aufregern, Hinguckern, in Kontrastfarben und -formen zu denken. Jetzt macht sich eine Gruppe "Experten" Gedanken, wie sie die ganze Fassade "künstlerisch brechen" können. Das hat auch Staatsministerin Claudia Roth schon mit LED-Leuchtschrift versucht.

    Welche neue Lösung könnte besser zum Schloss passen als die von Degas in Stil, Dimension und Symbolik auf Portal II und Schlossfassade zugeschnittene genial entworfene Brunnenfigur?

    Und die Rossebändiger? Sie stehen in Größen, Abständen zum ehemaligen Kontrollratsgebäude und zueinander, auch in der hier bedeutungslosen Symbolik und in der peripheren Lage des Kleistparks weit unter ihrer möglichen Ausstrahlung.

    Dass beide Kunstwerke unverrückbar als „Ikonen“ bzw. konstituierende Elemente an zweitrangigen Standorten weit unter ihren Wirkungsmöglichkeiten bleiben, ist die Folge eines ideologischen Machtspiels. Bei den Festlegungen durch Wenige hat die wieder angestrebte künstlerische Ästhetik des Gesamtensembles, dem wir schließlich sogar die Schlossrekonstruktion verdanken, verloren. Andere Metropolen stellen ihre Kunstwerke in die besten Schaufenster. Ist diese ideologische Befangenheit typisch für Berlin?

    da Sandstein bekanntlich ein eher weiches Material ist, sind empfindliche, dem Wetter ausgesetzte Figuren fast unvermeidlich in Abständen zu reparieren oder sogar auszutauschen. Barock oder 19. Jhd ist für mich eher eine Frage, ob das einzelne Kunstwerk bei Erstellung Glück hatte: gut gewählter Rohstein und fähiger Küstler.

    Eine alte Abbildung einer Originalgruppe über einem Portal hatte ich gesehen. Die bestand bestand aus den Figuren:

    1. Handel, Hermes: ohne Hosen oder sonstwas, mit flachem Hut, Überwurf, geflügeltem Stab,

    2. Kunst, Sängerin: in langem griechischem Gewand mit Helm und Leyer

    3. Landwirtschaft: ebenfalls griechisch üppig gewandet wohl mit einer Spinnspule in der Rechten

    4. Schifffahrt: Kahn Ruderer mit langem Stocher- oder Ruderstab.

    Die Figuren sehen nicht schlecht aus, ziemlich lebendig . Eben habe ich das Foto doch hierher geschafft. Ich lasse meine Beschreibung dennoch stehen.

    Es ist wohl unstrittig, dass die äußerlich weitgehend hergestellte Rekonstruktion des Berliner Schlosses detailgenau und künstlerisch hervorragend realisiert ist, richtigerweise orientiert an dem letzten Zustand vor der Sprengung. Der Artikel der taz macht deutlich, dass der Verfasser Oswald in dem untergegangenen Gebäude und ebenso in der Rekonstruktion nicht ein Kunstwerk sieht, sondern ein hohes Symbol nur der Untaten früherer preußischer und deutscher Gewaltherrschaften und entsprechend ein teuflisches Verführungswerkzeug heutiger rechtsradikaler Gruppen, deren finstere Gesinnungen und vermutete Netzwerke auch mit Stiftung und Förderverein, gnadenlos zu entlarven sind.

    Mich ärgert nicht Oswald, der seine über­spitzten, hasserfüllten Botschaften gegen seine vermutete bedrohliche Gegenwelt abschießt. Mich besorgt, wenn eine etablierte Zeitung wie die taz seine langatmig detaillierten Ausführungen ungefiltert an die Öffentlichkeit weiterleitet. Auch andere Medien verlieren hier ihre Seriosität, die aber in der demokratischen Gesellschaft extrem wichtig wäre. Öffentliche Medien sollten nicht absichtsvoll extremen Meinungsmachern als parteiische Brandbeschleuniger dienen.

    Ich verfolge seit über 10 Jahren die Diskussionen über das Berliner Schloß in diesem Forum. Von Beginn an war ich interessiert daran, dass dieses Gebäude samt Umfeld wieder entsteht und im Erscheinungsbild weitgehend rekonstruiert wird. Nach der Ablehnung des hässlichen Aufmarschplatzes, Trabbi-Parkplatzes, des Palastes d.R. und Innenministeriums, aufgrund der mittelmäßigen Architektur und städtebaulichen Katastrophe war die Entscheidung der Rekonstruktion ein dringender Befreiungsschlag. Ich hatte zu keiner Zeit irgendwelche politischen, altpreußischen, linken, rechten, DDR-nostalgischen, ideologischen, historisch oder retrogetriebenen, modernistischen oder sonstigen Absichten, sondern nur die städtebauliche Schönheit als Ensemble an dieser Stelle im Auge gehabt. Auch deshalb war ich für die eigentlich selbstverständliche Rückkehr der Kunstwerke eingetreten. Ich meine, wir Mitglieder in diesem Forum ließen uns in den Diskursen immer wieder in ausgelegte Fallen ideologischer Diskussionen, Provokationen, Unflätigkeiten und Rechthabereien treiben. Lassen wir uns doch nicht beirren, sondern treten wir selbstbewusst für ein schönes, prächtiges und kunstvolles Stück repariertes Berlin ein.

    Noch ein Plädoyer für das Dachrestaurant: Zu allen Zeiten wurden an historischen Leitbauten funktionale, also technisch oder funktional notwendige oder nützliche, unsichtbare oder sichtbare Änderungen oder Erweiterungen vorgenommen (z.B. damals am stilistisch bunt gewürfelten Apothekerflügel). Das Dachrestaurant hat eine sehr nützliche Funktion für die Besucher und ist wenigstens nicht brutal auffällig. Also könnten wir das doch akzeptieren, auch wenn es nicht zu 100% in Schlüters oder Stülers barockes Fassaden- und Dachkonzept passt. Ich habe mich daran als nützlich-modernes Assessoir nach anfänglichem leichten Zähneknirschen gewöhnt.

    Dieser Antispritz-Dämmeffekt wäre doch ein Grund, den Beet- und Pflanzsaum um den Baukörper als Schutzgürtel für den Fassadensockel (ähnlich wie in der Vorkriegszeit) wieder anzulegen. Zur besseren Platzbefeuchtung und Temperaturstabilisierung auf dem großen, kahlen Steinboden-Platz würde dann nur noch - ich wage es kaum anzudeuten - der wasserspeiende Neptunbrunnen fehlen. Aber man darf doch den fortschrittsfeindlichen Retro-Fanatikern und Anhängern der kontaminierten Preußenzeit keinesfalls recht geben!!!

    In Köpfen, in denen klare Kriterien und ein sicheres Empfinden für zeitlose Ästhetik durch „zeitschichtige“ Prioritäten verhindert wurden, wuchern Tummelplätze für autoritäre Ideologien und Wegwerf-Moden.

    Auch die getrennten Projekte Berliner Schloß und Schloßplatz zeigen bei aller partiellen Schönheit ideologisch begründete Mängel. Wenn heute kaum mehr ein allgemeines Bewusstsein für einen "schönen" Stadtraum: ein "schön", gegliedertes Gebäude, ein "schönes" Ensemble, einen "schönen", einladenden Straßenverlauf, einen "schönen", lebendigen Platz besteht, sind Eigentümer, Auftraggeber, Architekten, Ausführende, auch die Bevölkerung dafür (mit-)verantwortlich. Woran liegt das?