Posts by Bauaesthet

    Aus der Sitzung des Senats am 20. Januar 2026

    .... Ziel ist es, sich beim Bund und der Bundesstiftung Bauakademie für eine originalgetreue Wiederherstellung der Fassaden einzusetzen.

    ... Die historische Fassadenrekonstruktion wird darin als maßgebliches Leitbild verankert. ...
    • Orientierung am Schinkel‘schen Original • Verwendung der spezifischen baukünstlerischen Gliederungselemente • Verwendung historischer Ziegel

    Das ist vernünftig, beruhigend und selbstverständlich. Mir ist schleierhaft, wie Experten überhaupt auf die Idee einer abweichenden Fassade Richtung Auswärtiges Amt kommen und noch Bezug nehmen konnten auf die moderne Fassade des Humboldt Forums (HF).

    Das originale Berliner Schloss hatte eine abweichende Renaissance Fassade, kleinteilig, teilweise später in historistischem Stil nachempfunden und in den Raum- und Fensterdimensionen für Museumszwecke wenig geeignet. Eine Rekonstruktion dieser originalen Ostseite wäre weder funktional noch im Stil sinnvoll gewesen, zumal eine neue Bebauung ob und wie auf der östlichen Spreeseite ungewiss ist.

    Dagegen ist die Bauakademie ein Solitärgebäude rundum. Gerade die vier gleichen Seiten betonen den auf allen Seiten gleichen, schön strukturierten, noblen Kubus-Charakter. Auch gibt es kein nahe anschließendes, optisch anspruchsvolles Gebäude, das eine stilistische moderne Lösung aufdrängt. Das Auswärtige Amt vermeidet geradezu den Eindruck einer korrespondierenden, rhytmisch geschlossenen Fassade.

    All das müsste ich eigentlich nicht schreiben, weil es so offensichtlich und selbstverständlich einleuchtet. Aber es ärgert doch, wie die nach vielen Jahren und Streitereien erfolgte Entscheidung nach endlosen Wehen und zeitvergeudender Zangengeburt erst jetzt zustande kommen konnte.

    Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Konservativ sein müsste doch heißen pro Treppenhaus sein. Oder nicht?

    Eigentlich stimme ich dir zu, aber Vorsicht. Konservativ heist "aufbewahren, erhalten", aber nicht pauschal alles was alt ist um jeden Preis. Die Gigantentreppe sollte als rekonstruktionswürdig gefordert werden, nicht primär, weil sie alt war, sondern weil sie ein hervorragendes säkulares Gebäude-Kunstwerk war, ein seltenes Beispiel der barocken Epoche, besonders in Norddeutschland und Preußen. Hinzu kommt ihre hohe, besondere Bedeutung für das Berliner Schloss und den Baumeister Schlüter. Hochwertige Kunst drückt zwar eine Stilepoche aus, ist aber in ihrer Aussagekraft und ihrer Qualität zeitlos. Aus diesen Gründen sollten auch progressive, modernistische Architekten und Kunstsachverständige nicht immer nur ihre partiellen Stil-Interessen verfolgen, sondern sich in diesem Fall für Rekonstruktion einsetzen. Auch Anhänger einer bestimmten Kunstrichtung, egal welcher, sollten den Mut haben, manchmal über den eigenen Schatten zu springen.

    Die in DDR-Zeit translozierten Kolonaden bieten in der im Bild (von Johan Maurits) gezeigten Perspektive der umgebenden modernen Bebauung einen traurigen, befremdlichen Eindruck. In Gegenrichtung mit Hintergrund Gerichtsgebäude mag es etwas passender aussehen. Ich kritisiere nicht die Herstellung eines "Ersatzensembles" durch Pniower, der die heimatlos gewordenen Migranten, die Kolonaden und Rossebändiger, im Kleistpark schlecht und recht untergebracht hat. Angesichts der Zerstörungen der Originalstandplätze waren die neuen Platzierungen, auch die des Neptunbrunnens damals jedenfalls verständlich.

    Ich kritisiere aber die heutige Haltung des Denkmalamtes. Das LDA hat die lange Verweilzeit dieser alten Kunstwerke von 60 oder 70 Jahren an ästhetisch, historisch und stilistisch unpassenden, deshalb immer unbefriedigenden Orten zum alleinigen, entscheidenden Kriterium für den weiteren endgültigen Verbleib gemacht und jedes bessere Sachargument einfach weggewischt.

    Der ursprünglich gewählte Aufstellungsort eines Kunstwerks in Verbindung mit der ursprünglich gewählten Umgebung als ursprünglich gewolltes, abgestimmtes Ensemble sollte - wenn irgend möglich - die höhere Legitimation und Priorität für eine Stadtbildreparatur haben. Das gilt auch dann, wenn die Umgebung in der Zwischenzeit verletzt, zerstört, verschwunden, anders ergänzt oder im besten Falle im ursprünglichen Erscheinungsbild rekonstruiert wurde, wie am Humboldt Forum. Der erkennbare lange Atem der Geschichte auf der Museumsinsel ist bedeutungsvoller und authentischer als 60 Jahre Standzeiten erstrangiger Kunstwerke an zweitrangigen, weniger geeigneten, teils verachlässigten und abgelegenen Diaspora-Orten. Die sture Festlegung ist nicht durch Machtspielchen lokaler Parteipolitiker oder Gewohnheiten einer Lokalbevölkerung gerechtfertigt. Mit der Festlegung des LDA hat man auch keinesfalls eindrucksvoll geschaffene Beispiele der DDR-Stilepoche erhalten. Dafür hat der Städtebau der DDR bessere Beispiele geliefert.

    Die CDU würde die Rückversetzung zum Schloss durchaus befürworten. Es gibt aber nun mal das Problem, dass sich die Tempelhof-Schöneberger SPD 2016 gegen eine Versetzung ausgesprochen hat, und dass auch die Denkmalbehörden dagegen sind. Die CDU wird sich damit nicht gegen die SPD durchsetzen können und die Sache auch nicht auf die Spitze treiben und den labilen Berliner Koalitionsfrieden wegen zweier Bronzeskulpturen aufs Spiel setzen. Und selbst wenn die SPD zustimmen würde: die Denkmalbehörden kann man in Berlin auch nicht einfach überfahren.

    Du hast wohl recht mit deinen Vermutungen, Snork. Ich erwarte aber von Entscheidungsträgern, dass sie ihre Entscheidungen zum Standort der RB bezogen auf das Gesamtinteresse der deutschen Hauptstadt öffentlich überzeugend begründen. Es wird zu viel über Macht-, Lokal- und Partei-interessen nachgedacht und über möglichst unbewegte Bestandssicherung verhandelt. Ich höre kaum ein Argument über den Städtebau, den künstlerischen Wert und die historische Bedeutung der Artefakte. Die Rossebändiger gehören dem Bund und ganz Berlin - im Zentrum der Stadt.

    1. Welche inhaltlich überzeugenden Argumente vertritt die CDU mit Nachdruck? (habe ich wohl nicht mitbekommen).
    2. Welche Motive hat die Schöneberger SPD gegen die Versetzung? (lokale Macht- u. Wahlmotive wären klar gegen die Interessen ganz Berlins).
    . Fest steht: die Skulpturen gehören werder dem Stadtbezirk Schöneberg noch der lokalen SPD.
    3. Welche "zwingenden Gründe" gegen die Versetzung hat das LDA? Die Aufenthaltsdauer am unpassenden Ort ist kein zwingender Grund.
    4. Wenn sich CDU nicht gegen SPD durchsetzen und nichts auf d. Spitze treiben will, ist das unwürdiger Parteienklüngel und kein Sachargument.
    5. Wenn CDU u. SPD wegen lokal-egoistischer Schöneberger Besitzansprüche den Koalitionsfrieden in Gefahr sehen, wäre es erbärmlich und ein . Armutszeugnis gegen städtebauliche und kulturelle Prioritäten ganz Berlins.
    6. Es geht nicht um beliebige "zwei Bronzeskulpturen". Die RB sind Teil des kulturellen Erbes und Besitzes der Bundesrepublik Deutschland.
    7. Es wird nicht versucht, Denkmalbehörden "zu überfahren", sondern sie zu besseren Argumenten zu bewegen. Die 60 Jahre Aufenthalt aus Verlegenheit am entlegenen, zweitrangigen, unansehlichen Platz ist kein überzeugender Aufenthaltsgrund für die Ewigkeit.

    Ärgerlich ist, dass die zuständigen Berliner Behörden nicht mit klaren, überzeugenden Sachargumenten auftreten (weil es keine gibt), sondern dass sie mit bürokratischen §§§-Hinweisen und wegen lokalpolitischem Egoismus ausweichend eine wirkungsvolle städtebauliche Reparatur verhindern, Schade ist auch, dass dieser würdelose Umgang mit wenigen wertvollsten alten Kunstwerken Berlins die Berliner Bevölkerung kaum interessiert.

    Es ist einfach nicht gewollt. Das ist für mich offensichtlich. Nach all den Jahren ist das klar. Natürlich sollte man die Figuren umsetzen und den Kleistpark neugestalten, aber in die gruselige Ecke fährt sowieso kaum einer hin

    Zitat von Johan Maurits
    Die Dinge immer gleich mit ideologischen Fragen in Verbindung zu bringen hilft nicht weiter, besser wäre es - wenn man im Gespräch überzeugen möchte - sich den Gedanken der anderen Seite einmal zu nähern. ....

    Es ist mir auch klar, dass es einfach nicht gewollt ist. Tatsache ist, dass Senat und Landesdenkmalamt das historisch bedeutsame, künstlerisch wertvolle Kunstwerk RB in dieser abgelegenen, "gruseligen" Ecke festhalten, dass sie dabei auf die örtlichen Mängel und Nachteile im Kleistpark, auf die wesentlich wirkungsvolleren städtebaulichen Standortbedingungen auf dem Schloßplatz, auch auf bedeutsame historische Begründungen für die Rückführung ins Zentrum öffentlich mit keinem Argument eingehen.

    Das damalige Motiv, mit der als "Ensemble" zusammengestupften Neugestaltung einen würdigen Rahmen für die hohe Kommission zu schaffen, war damals vielleicht verständlich, ist heute nicht mehr überzeugend. Gartenbauarchitekt Pniower hat selbst die Umsetzung der Rossebändiger als "provisorisch" bezeichnet. Auch das Motiv, das sichtbar hässliche Element der DDR-Zeitphase zu erhalten, ist kein Grund, die prächtigen Figuren in dem abgelegenen, vernachlässigten Versteck festzuhalten.

    Ich bedaure, dass ich für Manche im Forum durch meine unablässigen Appelle für Rückführungen (auch des NB) penetrant wirke. Ich halte es aber für meine demokratische Pflicht, die für Politik u. Kultur Zuständigen, da wo sie sich arrogant der anhaltenden öffentlichen Kritik nicht stellen und schlüssigen Argumenten ausweichen, nicht aus der Verantwortung zu lassen.

    Johan Maurits

    Du hast die Denkweise des LDA sicher richtig dargestellt. Dieses unklare Denken des LDA ist es, was ich kritisiere. Es ist auch nicht zwingend.

    Zwei gestalterisch wertvolle, historisch bedeutsame, im Verbund mit der Umgebung als Ensemble sorgfältig komponierte Kunstwerke hatten 1945 – 50 ihre angestammten Stellplätze verloren, weil ihr Umfeld durch Bomben, Sprengung und Aufmarschplatz vernichtet wurde. Nur aus diesen barbarischen Gründen mussten sie auf Ersatzplätzen aufgestellt werden. Kaum ist umstritten, dass die Ersatzplätze nicht gleichwertige Notlösungen waren. Die Tatsache, dass die Kunstwerke auf den zugewiesenen Plätzen 60 Jahre lang stehen, hat allein für sich gesehen keine, mit ihren ursprünglichen Standplätzen vergleichbare, bedeutsame „Denkmalwertigkeit“. Die Aussage im Denkmalschutzgesetz „…nicht ohne Grund …“ ist wichtig: also ist "...mit Grund .." doch erlaubt, sogar geboten! Es gibt nämlich viele, oft genannte, treffende Gründe für die Rückführung beider Artefakte. Welchen zwingenden Grund gibt es, den filigranen Barockbrunnen, der bedeutungslos, allenfalls dekorativ auf die übergroße Staatsachse zwischen moderne Blockhäuser gestellt wurde, zwingend dort festzuhalten? Der Platz soll ohnehin erheblich umgestaltet werden.

    Welchen zwingenden Grund gibt es, die Rossebändiger, ein Geschenk von 1845 an F. Wilhelm IV abgelegen im Kleistpark vor dem ehemaligen Haus des Volksgerichtshofes festzuhalten, in dem Freisler seine politischen Todesurteile verkündet hat? Wessen und welches Andenken wollen die Denkmalpfleger dort mit dem Kunstwerk pflegen? Bedeutungsvoller wäre es, dort ein Denkmal für den Widerstand 1944 zu „evozieren“ und so diesen Platz „stark zu verändern“. Wenn die Denkmalpflege sinnvoll konservierend denken würde, dann würde sie tiefer in die Geschichte zurückblicken und die erhaltenen, älteren denkwürdigen preußischen, deutschen, russischen, niederländischen Geschichtsverweise beachten, statt prioritär an zwei unzulänglichen Beispielen der DDR-Zeitscheibe von 60 Jahren zwingend festzuhalten. Dass künstlerische und städtebauliche Fragen keine Kategorie mehr sind, ist ein schwerer Fehler, denn herausragend schöne Ensembles waren einst denkwürdig und erhaltenswert.

    Denkt ein den schönen Barockbrunnen sehender Passant an die Brunnenbaukunst der DDR-Zeit? Denkt ein die schönen Rossebändiger suchender Kleistpark-Besucher an eindrucksvollen Gartenbau mit Kunstwerken der DDR-Zeit? Oder denkt er an schöne Kunst, entführt u. zweckentfremdet?

    Die Rossebändiger sind Teil des Denkmals Lustgarten ! Sie korrespondieren mit den gegenüberliegenden Reiterstatuen. Also bitte den Platz reparieren !

    So ist es. Die Rossebändiger gehören nicht nur deshalb zurück an das Berliner Schloss, weil sie früher ein wichtiger Teil des Schlossportals IV waren. Sie gehören ebenso bedeutungsvoll zu Castor und Pollux (1828, Entwurf von K. F. Schinkel), zu der Amazone (August Kiss 1830) und zum Löwenkämpfer (Albert Wolff, Christian Rauch. 1858). Sie sind als ein glücklicherweise erhaltenes hochkarätiges Kunstwerk auch unverzichtbar als Teil dieser korrespondierenden Figurengruppen, die zusammen quer über den Lustgarten das Gebäude-Ensemble als Weltkulturerbe verbunden haben. Es ist nicht zu begreifen, warum sich Senat, Senatsbaudirektion und Landesdenkmalamt über diese städtebaulich, künstlerisch und historisch zwingenden Argumente ohne schlüssige Begründung hinwegsetzen.

    Die Sprengung der Schlossruine durch die DDR-Regierung ist unentschuldbar, zumal das barocke Kunstwerk wiederaufbaufähig und das Motiv der Staatsführung, die Erinnerung am Ort zu vernichten und einen Aufmarschplatz zu errichten. hasserfüllt ideologisch war,
    Dass man den Schlossbrunnen, jetzt heimatlos geworden ohne passenden Rahmen vor Portal II und beschädigt, bis auf weiteres (?) einlagerte, finde ich verständlich. Auch die neue Aufstellung 1969 auf dem heutigen Platz, weiträumig umgeben von großen, modernen Blockbauten, kritisiere ich nicht. Schloss und Schlossplatz als Bezugspunkte waren schließlich vernichtet. So fand man für den Brunnen den Platz auf der "Staatsachse", in dem übergroßen, modernen, zum Charakter des Brunnens wenig passenden Umfeld.

    Heute aber steht der äußerlich eindrucksvoll rekonstruierte Schlossbau wieder. Für den neu entstandenen, schmucklos-modernen, kahlen Schloßplatz sucht der Senat endlich folgerichtig eine klimafreundliche Begrünung und genau da, wo sich ehemals Neptun mit die Fluss-Nymphen aufhielten, (welch positives Wunder) wieder einen Brunnen !!!. Man bevorzugt (welch negatives Wunder !!!) am Originalplatz des Begasbrunnens einen beziehungslosen, modernen Brunnen. Nach anfänglichen Rückkehrhoffnungen heulen Neptun und seine vier Flussgrazien jetzt enttäuscht, weil sie weiterhin in der Diaspora der unwirtlichen Nachbarschaft zum Fernsehturm gefangen bleiben - zwischen Demos, Farbbemalern, auf dem Brunnen robust herumturnenden Kindern und Schließschlösser bohrenden Monteuren. Welch eine absurde, traurige Geschichte aufgrund einer historischen, kulturellen und städtebaulichen Fehlentscheidung.

    Ähnlich ist die ebenso absurde Geschichte der im entlegenen Kleistpark gefangenen Rossebändiger. Bändiger und Rosse stehen isoliert in einer vernachlässigten, versprayten Umgebung, weit von einander entfernt, wenig sichtbar und heulen enttäuscht. Auch weit weg von ihren ehemaligen, repräsentativen Standplätzen als Schmuck des Schlosses schimpfen sie enttäuscht über die fortdauernde Missachtung.

    Manchmal haben Gegener wie Befürworter der Schlossrekonstruktion sich Wortgefechte geliefert, die Polemik, aber kaum Sachargumente enthielten. Irgendwann hatte man die Themen Neptunbrunnen u. Rossebändiger satt. Gigantentreppe u. Hermenpilaster fielen unter den "Tisch".
    Eine Bitte an den Moderator: Diese Kunstwerke gehören als Elemente unmittelbar zum Schloss als Bauwerk.

    Ich möchte doch noch eine Lanze brechen für Rossebändiger und Neptunbrunnen, indem ich die beharrlich festhaltende Einstellung des Landesdenkmalamtes (LDA) kritisiere: Wenn ich das LDA richtig verstehe, vertritt das LDA folgende Position:

    • Denkmalwürdig, erhaltenswert sind herausragende Beispiele der Zeitphasen einer Stilepoche oder einer politischen Phase (z. B. DDR).
    • Denkmalwürdig sind nur erhaltene Original-Bestände mit Kunstwert oder historischer Bedeutung.

    Zu Punkt 1: Die unter damaligen Bedingungen gewählten Standorte von Neptunbr. u. Rossebändiger sind nicht zu kritisieren.
    Heute gelten andere Bedingungen und Argumente: Das in wesentlichen Teilen wieder entstandene Gesamtensemble Museumsinsel mit Schloss-Areal kann mit den Kunstwerken NB und RB weitgehend komplettiert und aufgewertet werden. Nachteile an den heutigen Standorten sind gering. Am Rathausforum wäre eine größere, moderne Lösung passender zu Fläche und Umfeld. Im Kleistpark würde ein ganz anderes Denkmal diesem bedeutsamen Ort viel mehr gerecht werden. Zentral auf dem Schloßplatz würden NB und RB in ihrer Bedeutung als hochkarätige Kunstwerke im Blick der Verkehrs- und Besucherströme viel besser und sichtbarer zur Geltung kommen.

    Punkt 2: Die Hermenpilaster in Portal V haben eine große, den Balkon tragende, kraftaustrahlende Bedeutung. Es ist ein Glück, das sie erhalten und wieder am alten Platz sind. Aber ihre allein Sinn gebende stützende Rolle und kraftvolle Haltung ist ohne muskulöse Arme nicht erlebbar. ein wesentlicher Teil und Ausdruck der Figuren fehlt. Die dem Kunstwerk eigentlich Bedeutung gebende Rekonstruktion ist für das Portal wesentlich.

    Konsequenzen:
    Das LDA könnte den RB u. dem NB eine höhere Wertung u. Anerkennung als originäre Mitglieder des Gesamtensemble Museumsinsel geben.
    Das LDA könnte dem beschädigten, in der Wirkung beeinträchtigten Kunstwerk Hermenpilaster eine bedeutungssteigernde Prothese gönnen.

    Ich plädiere dafür, dass diese Ziele des Fördervereins beharrlich weiter unterstützt werden. Wer einen Draht zu den Entscheidungsträgern hat, sollte dort Überzeugungsarbeit leisten. Es gilt, hängen gelassene Flügel wieder aufzurichten!

    Wie bekannt, hat der Förderverein Berliner Schloss das Extrablatt Nr. 104 gedruckt veröffentlicht und auch schon an Freunde und Bezieher versandt. Das Extrablatt 104 ist auch als E-Version im Internet anzuschauen. Der Förderverein hat an die Freunde einen öffentlichen Begleitbrief zum Extrablatt 104 geschrieben und aufgelistet, welche wichtigen Ziele der Förderverein noch erreichen möchte. Das ist sicher von Interesse für Teilnehmer dieses Forums. Ich erlaube mir, Euch die Ziele leicht gekürzt wiederzugeben:

    • Rückkehr der Rossebändiger vor Portal IV u. Aufstellung der Statue des Prinzen Moriz von Oranien im Baumhain, Portal V.
      zuständig: das Land Berlin.
    • Rückkehr des Schlossbrunnens (Neptunbrunnen) auf den Schloßplatz am Portal II.
      zuständig: das Land Berlin.
    • Restaurierung u. Ergänzung der Hermenpilaster Frühling u. Sommer im Portal V.
      zuständig: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss und das Berliner Landesdenkmalamt.
    • Einbau der Gigantentreppe in den Treppenraum im Portal VI im Schlüterhof. (Nähere Verweise in Extrablatt 103 und 104).
      zuständig: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

      Das sind konkrete Ziele, die realistisch und erreichbar sind und es ist eine klare Sprache. Großes Kompliment an die mutigen und entschlossenen Verfasser, den 1. Vorsitzenden Prof. Richard Schröder und den Geschäftsführer Wilhelm von Boddien.

    Bauaesthet, natürlich, diese Bedenkenträger wird es aber immer geben. Aber sich deswegen das Denken nach vorne und die Visionen von morgen vernebeln oder verbieten zu lassen, bringt uns auch nicht weiter.

    Dein Denken ist in der internen Meinungsbildung der Befürworter natürlich vernünftig. Geht mir auch so. Um aber mit operativen Projekten weiter zu kommern, muss man aber die Denkweise der politisch zuständigen Entscheidungsträger mit überzeugenden Argumenten erreichen. Die gehen nicht auf große Visionen ein, sondern auf naheliegende konkret zu backende kleinere Brötchen. Ein solches ist zunächst die Gigantentreppe. Das ist allein schon so riesig, dass man sich leicht daran verschlucken kann.

    Ich möchte absolut nicht als zögerlich erscheinen und falsch verstanden werden. Ich stehe genauso überzeugt ein für die Wiederherstellung von Adlerkammern, Rittersaal, Elisabethsaal wie die anderen Befürworter weiterer Konstruktionen.

    Ich habe aber den Eindruck, dass jetzt, wo ein Funken Hoffnung auf die Reko der GT wach wird, (zu früh) unrealistische Wünsche über weitere Rekonstruktionen durch die Decke schießen, was sofort die Reko-Gegner auf die Barrikaden ruft. Die Grenzen für weitere Rekonstruktionen sehe ich nicht in der Finanzierung. Diese wäre bei guter Öffentlichkeitsarbeit, staatlichem Willen, mit Förderverein, und mit viel Geduld und "Spucke" vieler Beteiligter Schritt für Schritt machbar. Der Widerstand liegt m.E. in der Berliner politischen Kultur, leider auch des Senats, in polemisch-ideologischer Streitlust, und in einer verbreiteten, geschichtsbedingten Verunsicherung gegenüber allem kontaminierten Historischen.

    Das wäre beim Buckingham Palast nicht anders.

    Es ist besser, zunächst mal konsequent den Wiederaufbau der Gigantentreppe zu vertreten und ein erfolgreiches, beeindruckendes und überzeugendes Projekt nachzuweisen. Das könnte dann eine bessere Wirkung für sinnvolle Ergänzungen haben

    Bei der wünschenswerten Rekonstruktion der Gigantentreppe wird es nicht ohne schwierige Übergänge zu den schlicht modern gestalteten anderen Räumen gehen. Der Schweizersaal hinter der Tür würde die direkte Anbindung an die GT mildern. Auch die schwarze Adlerkammer wäre dann ein Gewinn. Aber irgendwann stößt doch Barock direkt gegen die Moderne. Da ist hohe Sensibilität in der Gestaltung notwendig, um plumpe gegenüberstehende Kontraste zu vermeiden, wodurch das Ganze Ensemble wie eine Theaterkulisse wirken würde.

    Ich hatte während der gesamten Projektlaufzeit BS-HF sehr oft den Eindruck, dass bei manchen Mitstreitern das Wort "Rekonsruktion" fast wie ein Schmähwort, zumindest geringschätzig benutzt wurde.

    Ich stimme zu, dass ein heute phantasievoll ausgelebter, schmuckreicher und vergangenheitsverliebter Historismus in der Architektur, auch in der Malerei und anderen Kunstformen meist zum Kitsch verkommt. In Deutschland (und Europa) gingen mit den furchtbaren Zerstörungen der Städte unendlich viele erstklassige künstlerische Zeitzeugen der Kultur- und Kunstgeschichte verloren. Wenn wenigstens wenige ausgewälte, repräsentative historisch und kunstgeschichtlich bedeutsame Originalwerke mit sorgfältiger Expertise, handwerlichem Können und technischer Sorgfalt wieder entstehen (was ja geschieht), müssen solche Rekonstruktionen auch im Detail um keinen Deut schlechter sein, als die Erst-Originale. Warum sollte nach Zeichnung und Modell von Andreas Schlüter ein heutiger entsprechend ausgebildeter Steinmetz schlechter arbeiten als ein Steinmetz des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

    Es sind nicht immer die Architekten, sondern oft die von Turbo-Kapitalismus getriebenen Auftraggeber, die unsere Städte in gesichtslosen, langweiligen Durchschnittsbauten ersticken lassen.
    Ich schreibe das, weil der Neubau des Berliner Schlosses ein Beweis dafür ist, dass auch ein Projekt "Gigantentreppe" in sinnvoller Ergänzung zum Berliner Schloss direkt am Schlüterhof ein Paradebeispiel gelungener und hochwertiger Rekonstruktion barocker Raumkunst werden könnte.

    Bei aller Liebe zur Gigantentreppe: Aber hat denn einer eine Ahnung, wo die kostbaren originalen Skulpturen des Schlosses hinsollen? Die müssen unbedingt im Schloss bleiben! Kann da jemand mal beim Schlossverein anfragen? Für mich ist das das einzige echte Problem bei der Reko der Treppe.

    Es ist doch so, dass einigermaßen gut erhaltene Originale, die zur Treppe gehören und noch die einbaufähig sind, wieder an "ihren" Platz gehören und andere originale Skulpturen des Schlosses im Gebäude einen anderen Ort zugewiesen bekommen, z. B. die Räume der Berlin-Ausstellung, denn diese ist eigentlich ein modernes, artfremdes Museum und im gesamten Bau fehl am Platz.

    Bauaesthet Na ja, jetzt muss ich doch mal für die Würzburger Residenz eine Lanze brechen. Allein schon ...

    Allerdings schmälert dies keineswegs die Gigantentreppe: Vor allem die Stuckaturen waren Weltklasse - ebenso wie Tiepolos Fresko. Aber wie der Raum letztlich gewirkt hat, wissen wir nicht. Wir werden es erst wissen, wenn wir es ihn wieder gibt. Also ein weiterer Grund für eine Rekonstruktion!

    Vielen Dank Seinsheim. Dein aufschlussreicher Beitrag versöhnt mich mit Würzburger Bauwerk und Treppe. Ich hatte nach dem Gefühl aus dem Bauch geschrieben und muss wohl nochmal hin.

    Im September war ich aus privatem Anlass in Würzburg. Ich besuchte die Würzburger Residenz und sah zum ersten Mal die berühmte zweiläufige barocke Prachtreppe, ein Meisterwerk Balthasar Neumanns, bekannt als die wohl größte und prächtigste Europas mit freitragendem Gewölbe und dem größten Deckengemälde der Welt von Giovanni Battista Tiepolo, das Ganze ausgezeichnet als Weltkulturerbe.

    Ich gebe zu, ich war etwas enttäuscht. Die quaderförmige pure Größe dieser Halle hat mich nicht beeindruckt und die berühmte Deckenmalerei Tiepolos entlang den vier nach unten gebogenen Seiten als Ausdruck der vier Kontinente wirkte auf mich eher dunkel, eng und gedrückt.

    Dagegen gefällt mir die Gigantentreppe Andreas Schlüters in alten Bildern, den vielen reich und ausdrucksvoll gestalteten Skulpturen, besonders in der lebendigen Computersimulation deutlich mehr. Die Rekonstruktionen der bewegten Gipsfiguren an Wänden und Decken können größten Teils relativ leicht in einer anderem Werkstatt hergestellt und danach ohne große Störung eingepasst werden.

    Gegenüber Rekonstruktionen habe ich keine ideologischen Vorbehalte, klebe nicht à la Denkmalamt an dem ohnehin verlorenen, unwieder-bringlichen Ur-Original und sehe einfach die ausdrucksvolle Schönheit dieses Herzstücks deutscher und Berliner Kultur- und Kunstgeschichte.
    Man sollte nicht Rekonstruktion arrogant ablehnen, wenn dieses hochkarätige Kunstwerk in der am Humbold Forum nachgewiesenen Kunstfertigkeit wiederentstehen kann. Dem Förderverein wünsche ich von Herzen viel Erfolg und dem Staatskulturminister Weimer tolerante Einsicht.

    Ich fänd gerade den kleinen Schlossbrunnen und die Wettersäule hervorragende Ergänzungen an den Originalstellen. Sie würden schließlich einen unglaublich spannenden Kontrast zu der Monotonie der Spreefassade bilden. :*

    Nachdem ich sehe, dass die Wettersäule nahe dem Rondell steht, kann ich mir die Rückstellung oder auch eine Kopie an dem Ort vorstellen, aber wohin mit einem kopierten kleinen Schlossbrunnen?