Rothenburg ob der Tauber

  • Architektonische Rundschau 1908.


    Haustüre aus Rothenburg ob der Tauber:

    In meinen Augen scheint dieses Portal sogar noch der Spätormanik anzugehören. Das kleine Fensterchen links ist jedenfalls gotisch.

  • 1956 ist Rotenburg schon ziemlich gut wiederhergestellt gewesen.

    Die Kriegszerstörungen waren ja dort erheblich.

    Wenn nicht 1956 unter dem Video stehen würde hätte ich glatt gedacht die Aufnahmen stammen aus den 30ern .

  • In dem Film werden aber im wesentlichen die Teile der Stadt gezeigt, in denen keine oder wenige Beschädigungen waren.


    Auch hier sind jedoch noch Schäden zu erkennen, wie zB. am Türmchens des Rathauses.


    Der östliche Teile der Altstadt der fast vollständig zerstört war befindet sich gerade im Wiederaufbau. Dier Teil ist auf dem "Schwenk" der Kamera vom Rathausturm aus zu sehen. Hier sind neben den Häusern im Rohbau auch noch viele Baulücken und fehlende Dächer auf Türmen zu erkennen.

  • Ja, sehr interessanter Beitrag. Danke! Aber in mancher Einordnung echt schwer erträglich. Ich versteh einfach nicht, wie offenbar vernünftig denkende Menschen Gebäude als „Fälschungen“ bezeichnen können. Das ist doch Schmarren. Man kann Gemälde fälschen, Münzen, Geldscheine …meinetwegen Impfzertifikate – aber Häuser? Da nickt der Bewohner dann einsichtig und gesteht: Mhm … Ja, ich geb zu. Ich wohn in einer Fälschung. Die ganzen Wände um mich rum, die Türen, Decken, die Badewanne, das mich vor Regen schützende Dach – alles in Wirklicheit gar nicht vorhanden, da Fälschung. Schon klar. Gemeint sind die v.a. die Fassaden als „Gesichter“ der Häuser. Aber, da eine Fassade im Allgemeinen einen konstruktiven Auftrag hat, kann auch sie per se keine Fälschung sein – denn sie trägt, was man z. B. von einem gefälschten Medikament nicht behaupten kann, das schlichtweg nicht wirkt. Zudem gehört m. E. zur Fälschung immer der Vorsatz, jemand zu täuschen. Aber wenn ich mir mein Haus einfach so wieder aufbaue oder neu baue, wie es mir gefällt, impliziert das keinen Täusch-Vorsatz, sondern birgt im Gegenteil die Ehrlichkeit, dass das Haus auch Jahrzehnte später noch das Lebensumfeld und den Stil widerspiegelt, in dem ich als Erbauer damals wohnen wollte … Hätte man den Rothenburgern damals vorgeschrieben, Beton-Glas-Geschwulste hinzusetzen – das wäre Täuschung … denn es würde den Betrachtern 50 Jahre später vorgaukeln … Aha, also das fanden die damals nach dem Krieg wohl schön und modern …

  • Nibelgauer


    Damit...


    Aber, da eine Fassade im Allgemeinen einen konstruktiven Auftrag hat, kann auch sie per se keine Fälschung sein – denn sie trägt, was man z. B. von einem gefälschten Medikament nicht behaupten kann, das schlichtweg nicht wirkt.


    ....hast Du einen ganz wesentlichen Aspekt erkannt.


    Natürlich liegen die „Fäscher“-Protagonisten falsch, da sie rein ideologiegetrieben sind und das Rationale aussperren. Ein schönes Haus ist ein schönes Haus. Und Wohlfühlen ist eine der wichtigsten „Funktionen“. Das haben unsere Vorfahren schon gewusst.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ein Gemälde, das angeblich von Leonardo da Vinci stammt, kann auch schön sein, selbst wenn es vor zwei Jahren gefälscht wurde. Dann einfach zu sagen "ist mir doch egal, ob es echt ist, Hauptsache schön" wäre doch etwas dürftig, oder? Jedenfalls würde ich daran Anstoß nehmen, wenn dieses Bild im Museum neben echten Werken der italienischen Renaissance hängt und auf dem Schild steht "Leonardo".

    Der Vorwurf der Fälschung bezieht sich nicht auf die Funktion des Objekts, sondern auf die Authentizität. Und die ist bei einer mittelalterlichen Schmiede, die in Wirklichkeit von 1950 stammt, nun einmal nicht gegeben, selbst wenn sie "schön" ist (oder pittoresk).

  • Ich befürchte, Du verwechselt hier etwas ganz Entscheidendes. Ein in diesem Fall von jemand anderes gemaltes Gemälde als von Leonardo da Vinci ist selbstverständlich eine Fälschung. Bei einem Gemälde ist auch die handwerkliche Umsetzung das wichtigste Element! Gegensätzlich verhält es sich zu einem Bauwerk. Hier steht der Bauplan oder die Idee im Vordergrund. Die handwerkliche Umsetzung machte und macht in der Regel nicht der Architekt selbst.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Der entscheidende Punkt ist die Täuschung durch Verschleierung der wahren Herkunft. Ein Kunstwerk kann eine Rekonstruktion sein, wenn das Original verloren ist. Man macht dann transparent, dass es eine Rekonstruktion ist. Ein Kunstwerk kann eine Kopie sein, wenn es eine Zweitfassung eines vorhandenen Werks ist und kommuniziert wird, dass es sich um eine Kopie handelt. Ein Kunstwerk kann auch im Stil eines bestimmten Künstlers geschaffen werden. Sofern der reale Werkurheber genannt wird, ist er ein Nachahmer oder Nachfolger des Künstlers xy. Bei Gebäuden gibt es keine Fälschung, weil die Baugeschichte bekannt ist. Was Exilwiener sagt, ist auch richtig: Ein Bauwerk stammt nicht nur von einer Hand, und man weiß, dass es im Laufe der Zeiten Veränderungen gibt (Wiederaufbau nach Beschädigung, Umbau usw.). Da sich die Objektgeschichte ermitteln lässt, kann ein Bauwerk keine Fälschung sein. Eine Fälschung hängt mit einer betrügerischen Absicht zusammen.


    Rekonstruktionen und Wiederaufbauleistungen werden im Allgemeinen als solche vermittelt. Die Beteiligten sind stolz auf das, was sie geleistet haben. Rekonstruierte Bauten sind deshalb keine Lügen oder Fälschungen. Sowas behaupten nur ideologisch verblendete Rekogegner.


    Nachtrag: Der Artikel über den Wiederaufbau Rothenburgs ist aber nicht schlecht. Die Baugeschichte der Altstadt lässt sich ermitteln. Man kann darüber diskutieren. Deshalb handelt es sich nicht um Fälschungen, auch wenn viele Touristen nicht von der Zerstörung wissen.


    Man sollte auch das bedenken: Ein in Details veränderter Wiederaufbau steht den vergangenen Jahrhunderten allemal näher als ein Wiederaufbau in moderner Architektur.

  • Es stellt sich überdies die Frage, dh sie stellt sich mir nicht, ob man die grundsätzliche Beibehaltung eines Jahrhunderte lang beibehaltenen lokalen Stils als "Fälschung" bezeichnen kann. Beispiele sind gerade im bayerisch-fränkischen Raum Sonderzahl. Etliche Häuser in der Fürther Altstadt wirken mittelalterlich, obgleich sie aus der Barockzeit stammen. Die gesamte Bamberger Altstadt ist von Bürgerhäusern geprägt, deren barocker Glanz sich niemals von der mittelalterlichen Ausgangssituation zu lösen vermocht oder auch gewollt hat. Warum musste das nach 1945 so plötzlich anders gesehen werden, schon vom philosophischen Ausgangspunkt her? Das Ergebnis sind moderne Häuser in einer Kubatur, die auf krankhaft plumper Art auf den hier einst vertretenen Haustyp bezugnimmt, der aber gleichzeitig in allen Details verneint wird, ja verneint werden muss. Diesen Krampf merkt den neuen Häusern auf historischem Gelände an, und er verhindert letztlich, dass diese Häuser wenigstens als schick und wirklich modern-gelungen durchgehen könnten.

    Letztlich ist das ein philosophisch- intellektuelles Problem, dh die falsche Lösung eines solchen. Wie gut und völlig natürlich das hätte abgehen können, zeigt der neu erbaute Teil der Rothenburger Altstadt auf eindrucksvolle Art.

    Das Triste daran ist lediglich der Umstand, dass es fast das einzige Beispiel eines solchen Versuchs darstellt (Donauwörth wäre noch zu nennen, Freudenstadt mE nicht, das kommt mir schon zu schlicht und nichtssagend vor).

    Ich hätte mir dieses eine Beispiel lieber woanders gewünscht, muss ich sagen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Bisher wurde die Wiederaufbauleistung Rothenburgs von der Denkmalpflege leider kaum gewürdigt, denn nur wenige Bauten dieser Epoche stehen bisher unter Schutz. Hierzu gehört Galgengasse 8 von 1946:

    Wohn- und Geschäftsbau

    Damit wurde ausgerechnet ein Gebäude ausgewählt, das schon damals aus dem Rahmen fiel, da es sehr taditionalistisch daherkommt und mit seinen Vorkragungen Fachwerk vortäuscht, was eigentlich nicht den Vorgaben entsprach und abgelehnt wurde.

    Eigentlich gehören alle Häuser der Wiederaufbauzeit in Rothenburg unter Schutz, zumal sie durch Veränderungen zunehmend bedroht sind.


    Bei der so genannten Gerlachschmiede, die eine Erfindung der Nachkriegszeit ist und es in dieser Form nie gegeben hat, muss ich immer an dieses putzige Spielzeughäuschen denken:https://assets.catawiki.nl/ass…63b-aea3-5e7912646db2.jpg

    Ob sich der Spielzeughersteller von dem Rothenburger Gebäude wohl inspirieren lassen hat?

  • "...dass nicht das bedroht wird, was diese Anziehungskraft letztlich ausmacht."


    Bauboom mitten in der Coronazeit sorgt für Diskussionen. Investoren entdecken Rothenburg

    Quote

    Die Tauberstadt verändert sich dramatisch. Während die wirtschaftlichen Corona-Folgen Existenzen gefährden, hat ein gewaltiger Bau-Boom eingesetzt. Investoren und Vermarkter entdecken Rothenburgs Alt- und Neustadt. Die „Dominante der mittelalterlichen Stadt“ mit Mauer, Türmen und Dachlandschaft rückt aus der Fernsicht immer mehr in den Hintergrund. In großem Umfang entstehen moderne Wohnbaugebiete, die zusammen mit neuen Gewerbebauten das städtebauliche Erscheinungsbild gravierend verändern. Man sei jetzt städteplanerisch besonders gefordert, betont der Oberbürgermeister.

    Quellen:


    http://www.dibas.de/2021/04/in…rtiere-und-wellnesshotel/


    https://www.nordbayern.de/regi…ige-diskussion-1.11030092





    Abbrüche Altstadt Galgengasse/Hirtengasse (Schopfareal):


    http://www.dibas.de/wp-content…Schopf_DSCF6620-Kopie.jpg


    https://www.fnweb.de/cms_media…1024r056_img_04684179.jpg


    https://lh3.googleusercontent.…CZSKdQBHkykbiSIkDCC5R0Je0





    Das Rothenburger Stadtbild verändert sich dramatisch:


    http://www.dibas.de/wp-content…-Kopie-e1619170340679.jpg

    Neue Wohnblöcke mit Flachdächer, aber auch schon zahlreiche Solardächer ragen aus der gewachsenen Dachlandschaft heraus und sorgen für eine sehr fragwürdige Dominante gegenüber der Altstadt.


    http://www.dibas.de/wp-content…021/04/DSCF3614-Kopie.jpg

    Mit Blick aus Norden auf Flachbauten verschwindet die Silhouette der Altstadt. Mit Fortsetzung dieser Entwicklung wird sie in der Beliebigkeit heutiger Siedlungen versinken.

  • Die Abrissfotos sind schockierend. Ich hätte nie gedacht, dass in Rothenburg solch massive Eingriffe in die Bausubstanz möglich wären. Der schmerzlichste Verlust ist sicherlich die Scheune aus dem 19. Jahrhundert, die in der Hirtengasse abgerissen wurde. Gemäß den veröffentlichten Grundrissen soll der an dieser Stelle geplante Neubau die Kubatur der Scheune aufgreifen und als Torhaus zur dahinter liegenden Bebauung fungieren. Warum letztere nicht unter Denkmalschutz gestellt war, will ich einfach nicht verstehen. In einer Stadt wie Rothenburg sind es auch solche Kleinigkeiten, auf die es ankommt. Schade, dass man nicht bereit war, dieses historische Gebäude in das Projekt zu integrieren.


    Zur besseren Übersicht habe ich einen Screenshot des Areals erstellt (Google Maps):



    Die bereits abgerissenen Gebäude sind in Magenta hervorgehoben, die nicht betroffenen in Grün. Sollte die Veröffentlichung solcher modifizierten Screenshots nicht erlaubt sein, werde ich ihn wieder entfernen. Wenn man dem Werbefilm auf der VB-Hohenlohe-Seite (ganz unten) Glauben schenken darf, werden auch noch die nicht markierten, hofseitig gelegenen Gebäude (kleinere Häuser und Anbauten) verschwinden. Möglicherweise ist die Visualisierung an dieser Stelle aber einfach ungenau - auf den von zeitlos verlinkten Abrissfotos sind sie jedenfalls noch erhalten.

  • Danke für die Veranschaulichung enikma. Hier wurde eben mal nicht wie beschwichtigend im Vorfeld der Maßnahme „nur“ eine Scheune und eine Garage abgerissen. Der Eingriff ist strukturell auch angesichts der neuen Bebauung durchaus massiv und ich frage mich wie der Oberbürgermeister Rothenburgs, vormals erster Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg, im Video die Baumaßnahme ernsthaft verteidigen konnte? War für ihn der Verein nur Mittel zum Zweck auf der Karriereleiter? Das Projekt ist nun ein Präzedenzfall und weitere Investoren werden sich darauf berufen, wenn sie vergleichbare Objekte realisieren möchten. Der Druck auf Rothenburg wächst in jedem Fall mit gefährlichen Folgen für das einmalige Stadtbild durch diese kurzsichtige Entscheidung. Nachdem das renditeorientierte Neubauprojekt hinsichtlich seiner Bauvolumina bereits kritisiert wurde, lässt auch die visualisierte Gestaltung die nötige Sensibilität an diesem besonderen Ort vermissen.

  • Genau so sehe ich das auch zeitlos . Als in den letzten Jahren in Landshut, Freiburg im Breisgau, Hann. Münden usw. so viele Dinge schief gegangen sind (Abrisse und Brände), habe ich mich immer damit getröstet, dass so etwas in bestimmten Städten - dazu gehörte selbstverständlich auch Rothenburg - niemals passieren würde. Nun lehrt uns die Zeit etwas anderes, nämlich dass man auch hier lieber versucht, um jeden Preis "hip" zu sein, anstatt Geschichte zu bewahren. Die Umbenennung des Reichsstadtmuseums in "RothenburgMuseum", die 2019 erfolgte, ist wohl auch in diesem Zusammenhang zu sehen.

  • Danke enikma, die konstruierte Begründung des Tourismusdirektors, der die vermeintliche Notwendigkeit zur Umbenennung des Museums dem Stadtrat suggerierte, lässt entweder auf seine geistigen Umnachtung schließen, wonach das Reichsstadtmuseum von Museumsbesuchern mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht würde oder auf die bereits vor Corona einsetzende Ausmerzung von Begrifflichkeiten, die einem anhaltend irrationalen, ideologischen Automatismus folgt. Prinzipiell ist gegen die Bezeichnung eines Stadtmuseums mit namentlichem Bezug zur Stadt nichts einzuwenden, doch wer die Motivation dahinter sieht, muss den Bedarf auch jetzt infrage stellen.


    Quote

    Der ausschlaggebende Punkt ist jedoch, dass die meisten Besucher wenig mit dem momentanen Namen anfangen könnten, ergänzt Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler. Deutsche, aber gerade auch ausländische Touristen hätten aufgrund des Namens eine bestimmte Erwartungshaltung, die sich dann nicht erfüllt. Denn: Wenn „Reich“ draufsteht, wird auch ein „Reich“ drinnen erwartet. Und zwar nicht irgendeines, sondern das Dritte. ...


    ... Das Reichsstädtische lebe an mehreren Stellen in der Stadt fort, etwa beim Turmweg, „aber bitte nicht an der Fassade“ eines Museums, mahnt der Tourismusdirektor an.

    Quelle: https://anzeiger101.rssing.com/chan-16864957/all_p147.html (>>> Von wegen Schall und Rauch)



    Quote

    Die ab nächstem Jahr geltende Umbenennung auf "RothenburgMuseum" ist umstritten. Der Schritt sei unnötig und kostenaufwändig, ist immer wieder zu hören. Der Museums-Freundeskreis, dem auch Alt-Rothenburg angehört, machte keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung. Selbst der langjährige Rechtsdirektor der Stadt, Albert Schmitt, er leitete die Gründungsversammlung des Freundeskreises und half bei der juristischen Ausarbeitung der Vereinssatzung mit, kann die Stadtrats-Entscheidung zur Namensänderung "nicht nachvollziehen".

    Die anwesende Stadträtin Jutta Striffler hat den Beschluss mitgetragen. Eine klare Mehrheit war dem Vorstoß des Rothenburger Touris­mus­chefs gefolgt, der mediale Gründe im digitalen Zeitalter ins Feld führte und den Begriff "Reich" nicht zuletzt deshalb streichen wollte, um Irritationen zu vermeiden.

    Quelle: https://www.nordbayern.de/regi…h-mal-losgelegt-1.8380265



    Was folgt als nächstes vom selben oder anderen Sprachmahnern und -wächtern?

    Die namentliche Beseitigung bzw. Umbenennung der Reichsstadthalle oder der Reichsstadt-Festtage lägen nahe...



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    Interessanterweise wurde bereits im Sommer vor der Pandemie (2019) in einem Vortrag des Vereins Alt-Rothenburg über die Veränderungen und Entwicklungen im Bau- und Plannungswesen Rothenburgs referiert und selbige mit einem dringend Appell zum notwendigen Umdenken kritisiert ( Quelle: https://www.nordbayern.de/regi…ie-kritikpunkte-1.9082940 )


    Quote

    In letzter Zeit ging es zum Beispiel um das Sparkassengebäude am Kapellenplatz. Wie vor einiger Zeit der Verein Alt-Rothenburg beanstandete Edelhäuser den blauschwarzen Fassadenanstrich, der angeblich vom Bauherrn verlangt und durchgesetzt wurde. Der kürzlich leider verstorbene Vereinskassier Peter Nedwal, ein ausgebildeter und weithin anerkannter Künstler, hat bei dieser Gelegenheit leider vergeblich versucht, die Rothenburger Tradition der pastellfarbenen Häuser zu vermitteln.

    In anderen Städten Süddeutschlands, so Edelhäuser, habe es in der Vergangenheit durchaus satt-farbige, sehr bunte Häuser gegeben. In Rothenburg sei das jedoch nie der Fall gewesen. Auch die Fenster am südlichen Neubau der Sparkasse entsprechen überhaupt nicht den Rothenburger Regeln. ...


    ... Insgesamt verglich Klaus Edelhäuser den unmittelbaren Umgriff der Altstadt mit dem wertvollen Rahmen eines kostbaren alten Bildes. Beschädigt man den Rahmen, leidet auch das Bild selbst. Verändert man das unmittelbare Umfeld um das Bild in unpassender Weise, verliert das Bild seine Wirkung.


  • Quote

    Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler: "Deutsche, aber gerade auch ausländische Touristen hätten aufgrund des Namens eine bestimmte Erwartungshaltung, die sich dann nicht erfüllt. Denn: Wenn „Reich“ draufsteht, wird auch ein „Reich“ drinnen erwartet. Und zwar nicht irgendeines, sondern das Dritte. ..."

    Den Ausländern sei die mangelnde Beschäftigung mit Geschichte noch irgendwie verziehen, bei Deutschen zeigt sich aber die krankhafte Fixierung auf "The Reich". Daran haben aber nicht nur sie schuld, sondern auch die Lehrinstitutionen und Medien, die sie ständig damit füttern. Teils aus machtpolitischen Gründen, teils aus Sex and Crime. Schon in meiner Schulzeit wurde "The Reich" in vier Schulfächern durchgenommen. Das "heilig-römische Reich" aber fast gar nicht.


    Eigentlich wäre dieser Missstand für den Tourismusdirektor und das RothenburgMuseum ein toller Anlass, wirkliche Bildungsarbeit zu leisten. Erwartungen zu brechen, Neugier auf Neues zu wecken. Aber so viel "Konfrontation" und Aufgabe ist ihnen zu viel. Sie wollen ihr ruhiges Provinzmuseum betreiben, ohne möglichenfalls anzuecken. Mich wird es nicht hineinziehen.