Posts by ursus carpaticus

    Dass hier keiner mitfühlen kann, wie schlimm es für die etablierte Linke, oder wie man es auch nennen will, sein muss, das Entstehen dieser verhassten Bauten tagtäglich miterleben zu müssen. Gerade bei einem Turm wie diesem, der aus unzähligen Sichtachsen erlebbar ist und dem man eigentlich gar nicht aus dem Weg gehen kann, muss dies doch zu massiven psychischen Störungen führen. Dem würde aus unserer Sicht ein Raiffeisensilo am Marktplatz entsprechen (was in der Stadt Zwettl zumindest aus gewisser Perspektive erlebbar ist)


    Silos Getreidespeicher


    https://www.noen.at/niederoest…etreidespeicher-216700412

    Gut, der Neupfarrplatz ist eine Katastrophe, angesichts dessen man an R. verzweifeln könnte. Generell könnte es sich bei diesen Entstucken um eine Art deutsches Gründlichkeits-Sauberkeits-Phänomen handeln, das mir auch schon in bezug auf Sachsen aufgefallen ist. Freiberg ist eine schöne alte Stadt, aber ich glaube, dass hier viel an Fassaden vereinfacht und "auf Renaissance" getrimmt und ihrer barock-gründerzeitlich gewachsenen Haut beraubt worden sind. Weniger bedeutende Stadtbilder wie Glauchau sind dadurch förmlich marginalisiert worden.

    Aber auch im Ausland gibt es ähnliche Entwicklung, drastisch zB der Hirschberger Markt mit dem Haus zum Goldenen Schwert.

    Im Falle dieses einstiges Regensburger Rokokohauses liegt der Sündenfall wie du schreibst wohl lange zurück. Der deutsche blanke-Fenster-Wahn tut sein Übriges. Alles in allem bliebe nur eine Fassadenreko, was immerhin möglich scheint.

    Nein, Regensburg ist schon großartig. Zwar vermag es auf ersten Blick tatsächlich etwas zu enttäuschen, denn es fehlen spektakuläre Dinge wíe Fachwerk oder Volutengiebel. Aber die Altstadt hat ihre eigene, ganz genuine Qualität, die vielleicht erst bei eingehenderer Betrachtung hervortritt. Natürlich hat die BRD-Wirtschaftswunderzeit da und dort brutal zugeschlagen, aber die Kernaltstadt zählt zum Bedeutendsten und Geschlossensten, das D aufzuweisen hat.

    Wo genau er herkommt, ist unbekannt, aber es steht zu vermuten, dass er aus dem Deutsch-Italienisch-sprachigen Grenzgebiet stammte. Ausweislich seines Baustils und der Art und Weise, wie er seine Baustellen in Galizien organisierte, wird angenommen, dass er sein Handwerk in Böhmen erlernte. "Deutscher" war er mit Sicherheit nicht.

    Aha, unter solchen Umständen ist man offenbar keinesfalls Deutscher. Offenbar ein Urukrainer.

    Gesundes Selbstbewusstsein gepaart mit weitgehender Ignoranz. Gefährliche Kombination...

    Tschuldige, Urpotsdamer, ich bin ein friedfertiger Mensch, aber wer im Glaushaus sitzt, sollte... Nämlich was Selbstbewusstsein betrifft. Es wäre ein Leichtes zu erwidern, wo dieses bei dir anzusiedeln wäre. Denn solche Ausfälle wie die Deinigen sind einfach nicht nötig. Es ist nicht notwendig, wegen unterschiedlichen Beurteilungen irgendwelcher ukrainischer Fragen so die Fassung zu verlieren. Ich habe niemals gesagt, dass ich mich mit dem ukrainischen Wesen so besonders auskenne oder dies gar anstrebe. Im Gegenteil, mir ist das ukrainische Selbstverständnis günstigstenfalls wurscht, im Ganzen ob ihres Nationalismus, der sich (nicht erst jetzt) gegen wirklich alle Nachbar- und Binnenvölker richtet, im Ganzen eher unsympathisch. Mein Hauptinteresse wäre lediglich, dass man aus dieser Misere möglichst unbeschadet herauskommt, und zwar alle Seiten. Die bedingungslose Übernahme des Narrativs einer involvierten Kriegspartei ist dafür sicher nicht der geeignete Weg, womit ausdrücklich nichts über so etwas wie eine Schuldfrage gesagt sei.


    Aber bitte, erzähl mir noch ein bisschen mehr über Lemberg, Galizien und die Ukraine. Du scheinst ja ein rechter Experte zu sein, und ich lerne immer wieder gern dazu.

    Schau, wir wissen ja, dass du zu nahezu alle Themen der Allersupergescheiteste bist, und daher mit vollem guten Recht argumentationsresistent bist. Wo käme man denn sonst dahin? Daher erspare ich mir eine Antwort auf den an und für sich diskussionswürdigen Aspekt der städtebaulichen (eher Nicht-)Einbettung der St. Georgskathedrale.

    Rastrelli

    1) handelt sich nicht um die RF, sondern um die GUS. Aus dieser ist die Ukraine 2014 ausgetreten. Der Vergleich mit der DDR hinkt sowieso. Es geht auch nicht darum, der Ukraine das Recht auf diesen Austritt streitig zu machen. Ich habe das nur so festgehalten.

    2) Dass Ruthenen (zu denen jedenfalls die heute sog. Russinen zählen) und Ukrainer dasselbe sind, ist einfach unzutreffend, bzw rein ukrainisches Narrativ. Wer sich schon durch die Sprache unterscheidet, kann nicht "dasselbe" sein. Dieses Narrativ entspricht halt der nationalistischen ukrainischen Minderheitenpolitik.

    vgl bloß Prof. Wikipedia: "Im Gegensatz zu insgesamt 22 Staaten, in denen sie als eigenständige Nationalität (Ethnie) anerkannt werden, gilt die Minderheit in der Ukraine als Teil des Staatsvolks der Ukrainer. Ziel der russinischen Nationalbewegung ist es, das Bewusstsein einer eigenständigen russinischen Nation zu fördern".


    3)

    Du beziehst dich hier auf die Umgangssprache.

    Das ist richtig. Dieselbe Quelle kommt hinsichtlich des Religionsbekenntnisses zu ganz anderen ethnischen Schlussfolgerungen. In erster Linie geht es aber dabei um die Juden, die ein gutes Viertel ausmachten und offenbar polnisch als Muttersprache angaben. Ukrainer werden jedenfalls kaum welche aus den + 88% Polen. Es geht mir auch nicht drum, jeglichen ukrainischen Anspruch auf Lemberg zu delegitimieren, man sollte halt die Kirche im Dorf lassen dh die St. Georgskathedrale in der ruthenischen dörflichen Vorstadt.


    4.

    Und "Unierte" nennen sie sich schon seit 1774 nicht mehr. Ist dir wohl entgangen.


    Was soll dieser selbstgefällige Ton? Mir ist nichts entgangen, schon weil es mir völlig wurscht ist, wie sich die selber nennen, zumindest für meinen Sprachgebrauch. Bei uns ist diese Bezeichnung noch teilweise gebräuchlich und sie ist auch erfreulich kürzer.

    https://www.vaticannews.va/de/…kalender-uebernehmen.html

    5.

    Deine Ironie hat ursus carpaticus leider nicht verstanden.

    Merke: mit bundesdeutschem Humor (incl. Ironie) mag man im Ausland seine Schwierigkeiten haben, die jedoch ganz sicher NICHT mangelndes Verständnis betreffen. Urpotsdamers Versuche stellen da wirklich keine Ausnahme dar.


    6.

    Auf die Idee, die Ukraine bis Lemberg erobern zu wollen, wird Russland hoffentlich nicht kommen.

    Das hoffe ich auch nicht.

    Nun, die Pulverisierung oder Verstrahlung beispielsweise Wiens ist keineswegs eine unsinnige Horrorvision, und ist bei pessimistischer Sichtweise ganz sicher nicht a priori auszuschließen. Sie war während des kalten Krieges für den Ernstfall eingeplant gewesen und zwar, wie wir heute wissen, von beiden Seiten. Das hier aber ist kein kalter Krieg mehr, und man sollte schleunigst zur Vernunft kommen. Und angesichts des neu aufkommenden Gefährdungspotentials will ich mir den Luxus, mir wegen einer möglichen Beeinträchtigung der von mir übrigens sehr geschätzten Lemberger Altstadt objektiv noch dazu keineswegs gerechtfertigte Sorgen zu machen, nicht gönnen. Wenn die Dinge wirklich so richtig aus dem Ruder laufen sollten (ich sag nicht, dass es so kommen muss), dass steht ungleich mehr auf dem Spiel. Dass du glaubst, dir um Potsdam keine Sorgen machen zu brauchen, liegt ganz sicherlich daran, dass es von Berlin ja weit genug entfernt ist. Für meinen Teil erscheint es, die momentane atomare Bedrohung als "unsinnig" zu bezeichnen, als eigene Sorte von Privatlogik. Ich für meinen Teil würde momentan das Leben mehr genießen können, wenn diese "Option" vom Tisch wäre.

    Richtiggehend unsinnig ist es hingegen, Hass- und Panikgerüchten hinsichtlich einer Bombenosternacht oder ähnlichen Blödsinn zu glauben. Noch einmal: Es ist nicht so, dass ich keine Empathie für die Lemberger aufbringen würde. Wie gesagt, ich möchte momentan in keiner ukrainischen Stadt wohnen. Und sicher ist es menschlich verständlich, dass es Leute gibt, die so etwas verbreiten, was aber nichts am Realitätsgehalt ändert. Morgen wird in einigen/den meisten (?) Lemberger Kirchen Ostern gefeiert (haben die in Lemberg stark vertretenen Unierten nicht überhaupt unseren Kalender?*) und hoffentlich wird nichts passieren.


    *wobei es heuer überhaupt nicht passt - zwischen den Frühlingsbeginnen nach beiden Kalender lag doch gar kein Vollmond. Daher hätte Ostern eigentlich zusammenfallen müssen, oder? Oder zählen die Orthodoxen den Karsamstagsvollmond sozusagen nach jüdischem Vorbild zum Sonntag, sodass sich der Sonntag NACH erstem Vollmond nach Frühlingsbeginn um eine Woche verschiebt? Ich weiß es nicht.


    A propos:

    Im übrigen war Galizien während der österreichischen Zeit der Hort des Ukrainertums


    Nun, alles ist relativ.

    1910 hatte Lemberg 206.100 Einwohner: 88,9 Prozent gaben Polnisch, 8,7 Prozent Ruthenisch (Ukrainisch) und 2,3 Prozent Deutsch als Umgangssprache an.

    Weiß jetzt nicht, ob man die 8,7% auch noch splitten muss, Ruthenen und Ukrainer sind ja nicht dasselbe, und die österreichischen Behörden haben da nicht differenziert. Gewissermaßen wird man die Stadt auch als "Hort des ostgallizischen Deutschtums" durchgehen lassen können, oder? Heute ist übrigens der russische Bevölkerungsanteil höher als seinerzeit der "ukrainische". Dass die Stadt heute zur Ukraine gehört - kein segensreicher Umstand übrigens - verdanken die Ukrainer ausschließlich der Sowjetmacht, von deren Nachfolgerin sie sich ja unbedingt lösen mussten.

    Schon Napoleon antwortete auf die Frage, wo denn Polen sei, mit Lemberg. Es ist auch kein Zufall, dass die ukrainisch-katholische St. Georgskathedrale, errichtet übrigens von einem deutschen Architekten, weit außerhalb der Altstadt steht.

    Auch wenn ich damit deine heiligen Gefühle verletzen sollte - historisch gesehen spielte das kleinrussische Element in Lwów/Lwow/Lemberg eine eher marginale Rolle. Warum also gerade ausgerechnet diese Stadt für Baedeker-bombing à la russe besonders prädestiniert sein sollte, vermag sich mir nicht ganz zu erschließen.

    Natürlich machen sich die Lemberger Sorgen. Tät ich auch, wenn ich Lemberger wäre. Da ich aber Wiener bin, mach ich mir in erster Linie Sorgen um Wien bzw um Mitteleuropa bzw ganz Europa bzw um die ganze Welt, die ich mir nicht verstrahlt wünsche. Es ist auch klar, dass sich in einer solchen Situation Horrorvisionen verbreiten, die aber dennoch objektiv sehr unwahrscheinlich, wenn nicht unsinnig sind. Panik und Hass (auch gegen die "Moskoviter") sind nie gute Ratgeber.

    Wann kommen denn eigentlich die Statuen auf der Kuppel?

    Sie sind so wichtig, ohne sie sieht die Kuppel irgendwie stumpf aus, Kleine Ursache, große Wirkung, kann man da sagen.

    Diese Optionen kommen mir nicht übertrieben wahrscheinlich vor, um es mal so auszudrücken. Überdies sollten wir im Falle derartiger Eskalationen viel eher Sorgen um unsere Städte haben. Oder liegen die etwa nicht in Reichweite russischer Raketen?

    Überdies böten sich selbst unter der leicht wackeligen Prämisse, dass "Putinrussland" wirklich "alles Ukrainische vernichten" wollte, "bessere" Ziele an als das polnisch-mitteleuropäisch geprägte Lemberg, das im ukrainischen Bewusstsein nicht diese herausragende Bedeutung wie für unsereins hat. "Wenn ich heere Lemberg, ich ziehe meinen Hut" hat noch keiner auf Ukrainisch gesagt. Aber das nur am Rande, um einen Gedankengang weiterzuspinnen, der per se obskur genug erschiene.

    Was den Verweis auf Couventry betrifft: nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

    Wenn etwas momentan viel eher gefährdet erscheint, dann ist es Odessa. Lemberg wird wohl eher weit vom Schuss bleiben. Auf die Idee, die Ukraine bis Lemberg verteidigen zu wollen, wird hoffentlich niemand kommen. Diese Eskalation wäre natürlich worst case, aber auch für ganz Europa sehr gefährlich, wenn nicht fatal. Wer solche Befürchtungen hat, sollte sich lieber Sorgen um uns, um sich selbst machen, denn da geht es dann mehr als um "Lemberg". Als Optimist hofft man, dass der Krieg wohl vorher aus sein wird, zumindest in seiner "heißen Phase".

    Das heißt nicht, dass keine Raketen auf (halb)militärische Ziele einschlagen können, wie bisher der Fall. Und dass ich momentan gern in Lemberg wohnen würde.

    Na ja, Ulm besitzt noch vieles mehr, nämlich immerhin so etwas wie eine Altstadt, wenngleich fragmentiert, so doch in bedeutenden Resten. Das kommt auf diesen auf Vorkriegszeit getrimmten Bildern sehr gut zum Ausdruck.

    Vor allem ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Lemberg Frontstadt wird. Somit hinkt der Vergleich mit den östlicheren Städten. Auch wenn uns Lemberg als genuin ostmitteleuropäische Stadt wahrscheinlich kulturell bei weitem am nächsten liegt (und neben Krakau als unzerstörte bedeutende Großstadt diesbezüglich ziemlich einzigartig ist - östlich von, sagen wir, Halle ist kaum noch eine Großstadt mitteleuropäischer Prägung in dieser Qualität erhalten), hat es keinen Sinn, sich zu viel Sorgen über Lemberg zu machen - Wien oder München liegt mir doch deutlich mehr am Herzen.

    Zentrum der einst wohl bedeutendsten Fachwerkaltstadt Deutschlands

    wie du richtig sagst: der EINST wohl bedeutendsten FWAS... Davon kann man sich keine Scheibe Wurst mehr abschneiden. Stattdessen sollte man froh sein, dass es an dieser Stelle das Bild einer "nachkriegsgeplagten Großstadt" einigermaßen überwunden ist.

    Es gäbe doch ungleich mehr zu tun als solche Science-fiction. Zunächst wäre der Römerberg zu vervollkommnen.

    Und dann möge man sich bloß vor Augen führen, wie "nachkriegsgeplagt" es etwa jenseits des Domes und um Katharinenkirche und Hauptwache aussieht...

    Die Villa Schlieffen in Potsdam wird ein Zeugnis der sowjetischen Besetzung

    So was hatte ein gewisses Etwas in den 1990er Jahren. Ich erinnere mich noch an die Besichtigung von Schloß Tetschen, damals naturgemäß heruntergekommen. Aber heutzutage?

    Gut, ansatzweise gibt es das auch in unserem Schloß Ernstbrunn, aber auch nur, um aus der Not eine Tugend zu machen - das Schloss hat eben keine sehr bedeutenden Interieurs. Irgendwann sollte mit diesem Unsinn Schluss sein. Momentan hat es überhaupt so ein gewisses Geschmäckle.