Posts by ursus carpaticus

    Der Vergleich ist so unnütz wie ein Kropf- der Osten hatte günstigere Bedingungen wie relativ umfangreiche Freiflächen im Zentrum bzw riesige öffentliche Solitäre, die eben leichter zu beseitigen sind. Das ist in FFM auch gelungen mit dem techn. Rathaus. Dort, wo Wohngebäude nachgerückt sind, tut man sich ungleich schwerer, siehe Staudenhof.

    Tatsächlich ist die FHS neben der "Theaterruine" und dem Haus des Reisens mW bislang der einzige DDR-Bau, den es in Potsdam zu beseitigen gelang. Und angesichts der hier besonders inferioren Qualität (anders als der Berliner PdR und der DDner KP - man kann sogar sagen, dass die DDR an anderen prominenten Stellen nie so schlecht gebaut hat wie in Potsdam) ist das eigentlich nicht besonders viel.

    dass die Rekonstruktion eines unbedeutenden Bürgerhauses das bedeutende Denkmal abwerten wird und die Geschlossenheit des Platzes der 1950er Jahre beeinträchtigt."

    Die Verrücktheit vor allem des ersten Halbsatzes muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Eine klaffende Baulücke wertet das "bedeutende Bürgerhaus" ganz offenbar nicht ab. Erst ein unbedeutendes Gebäude würde dies tun. (Komischer Weise stellt man sich diese Frage weder auf der anderen Seite des bedeutenden Bürgerhauses noch sonst irgendwann bei der Lückenfüllung mittels modernen Bauten - die ja offenbar samt und sonders "bedeutend" sind). Ferner lernen wir: Typische historische Fassaden des alten Nürnbergs sind UNBEDEUTEND. Ihre Nachbarschaft wertet ab. Ein wirklich edles bedeutendes Bürgerhaus wird durch Nachbarschaft eines typisch Alt-Nürnberger Bürgerhauses abgewertet - zu sehen noch immer viel zu oft in der Altstadt, da leider doch ein paar solcher minderwertiger Häuser erhalten geblieben sind. Die Geschlossenheit dieses Platzes der 1950er Jahre wird weder durch die Kirche, noch durch das rudimentär erhaltene Haus gegenüber, und am allerwenigsten durch eine Baulücke gestört.


    Ich seh eigentlich nur eine Lösung: alles im Umkreis von 50 m um dieses bedeutende Bürgerhaus plattmachen, damit es sich in seiner vollen Wertigkeit präsentieren kann.

    Den PDR wiederaufzubauen halt ich für wirklich nicht schlecht, und damals wäre mir eine Translozierung - ähnlich wie in DD mit dem KP - als beste Lösung erschienen. Freifläche, die man nicht sinnvoll zu gestalten in der Lage ist, gibt es ohnedies genug. Dazu passt der PDR einfach gut zum Dom und zum Fernsehturm. Gegenüber der Stellafassade könnte der PDR ganz sicher keinen Schaden anrichten und wäre sogar eine Aufwertung. Ich fürchte, dass man dies nicht tun wird und zwar aus dem Grund heraus, weil man damit einen Fehler eingestehen würde, den man ja gar nicht gemacht hat.

    Quote

    Der nördliche Anger-Abschluss sieht aus wie ein Landschloss, ist aber eine Wohnanlage (Martin Kießling, 1923/24).

    Tja, das waren noch Zeiten, als man noch bauen konnte... und das ganz unprätentiös, und durchaus "zeitgenössisch".



    Quote

    das barocke Sauerhaus

    Wirklich wahr, are you Schurli? Die EG-Gestaltung ist jedenfalls Gründerzeit.

    In meinen Augen ist der Hinweis auf den (menschengemachten) Klimawandel nicht hilfreich

    Nicht hilfreich? Ein Keule ist's gegen Naturschutz im traditionellen Sinne. Man zeige mir ein Autobahn- oder Flughafen- oder Zersiedelungs- Projekt, das dadurch verhindert worden wäre.

    Dieser richtige Satz:

    Ich sehe sogar die Gefahr, dass man sich am Ende völlig auf das Klimawandel-Thema versteift und anstatt über real mögliche Vorsorge-Maßnahmen nachzudenken,

    lässt sich auch auf andere Bereiche ausdehnen: "Klimaschutz" ist längst zum Alibi-Schlagwort der Betonier-Fraktion geworden und bewirkt daneben so etwas wie Agonie oder Lethargie - da die "Natur" ohnedies nicht mehr zu retten ist, scheint es sinnlos, sich für sie einzusetzen. Im Gegenteil wird die Naturzerstörung dadurch nur noch mehr befeuert.

    vermutlich neben Versailles das prächtigste Schloss in Europa sein!

    Ich meine, diese Phantasterei hätte, falls umgesetzt, alles andere, inclusive Versailles, meilenweit übertroffen. Realiter wäre das jedoch kaum durchführbar gewesen, und so ist es kein Wunder, dass es derlei weltweit nicht gibt.

    Abgesehen davon gibt es schönere Schlösser als Versailles, um das festzustellen, brauchen wir nicht einmal unsere heruntergekommene Stadt verlassen.

    Ich kann das Wort Klimawandel nicht mehr hören, mir wird richtig schlecht davon. Das ist die Folge von diesem Unsinn: Österreich wird in den nächsten 10 Jahren in eine Windradl-Wüste à la Uckermark oder Pandorfer Heide verwandelt werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind geschaffen: Bundeskompetenz für die Errichtung dieser Anlagen, da sich die Landespolitiker als zu schwach gegenüber Bürgerprotesten erwiesen haben. In nicht ganz 10 Jahren wird der derzeitige ohnehin bereits unerträgliche Horrorzustand ver2,5facht. Die Temperaturen werden sich dadurch um kein Mikrograd bewegen. Kein einziger noch so gehirngewaschene Vollidiot kann so etwas annehmen. Die Emissionszahlen in Ö sind ohnedies gering, da wir von Anfang an auf Wasserkraft gesetzt haben. Andere Länder wie Tschechien, die "Klimaziele" zu verwirklichen haben, tun sich da viel leichter- sie haben aber auch nicht so vertrottelt "verhandelt". Ach ja - die Wasserkraft wird natürlich auch munter ausgebaut, Alpentäler überflutet und verschandelt*. Bisherige Grünpolitik wird von den heutigen Grünen in ihr perverses Gegenteil gekehrt. Uns steht ein Leben in tiefer Depression bevor - überall, wohin nur das Auge reicht, eine komplett verschandelte Landschaft, die diese Bezeichnung nicht mehr verdient, in den Ebenen des Nordens, auf den Hügeln, und auch bereits immer mehr auf den Bergen. "Naturerleben" wird nicht mehr möglich sein - überall nur cholerische Wutanfälle, depressive Eindrücke oder komplette Trostlosigkeit ob der verlorenen Schönheit. Nicht einmal in der Nacht wird es Ruhe geben - überall blinkendes Rotlicht, von dem man - immerhin - keine Syphilis bekommt. Und das alles nur ob der völlig abstrusen pseudowissenschaftlichen Anmaßung einer durchgeknallten bzw gewissenlosen und erst recht renditehörigen Politschickeria, "die Welt retten" zu wollen. Eines der schönsten landschaftlichen Länder Europas hört als solches zu bestehen auf - für mehr oder weniger null komma nix.


    *derlei Monsterprojekte, gegen die man im vorigen Jahrtausend erfolgreich angekämpft hat, gehen derzeit durch wie Butter, und nirgends steht was zu lesen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/…p_Kolbnitz_01_cropped.jpg

    Es stimmt natürlich, dass man mit Potsdam momentan ohnedies zuwarten sollte. Allerdings stellt sich die Frage, worauf man genau zu warten hat, dh ob sich die Reisebedingungen nachhaltig verbessern. Darüber hinaus stehen in ein paar Jahren wieder andere wichtige Projekte an, die man besser abzuwarten hätte, wie das Staudenhofquartier oder den Rest der GK, weshalb der Turm dann eventuell gar nicht frei, dh uneingerüstet sichtbar sein kann. Man kennt das von DD. Wurst, wann man hingefahren ist - für gewisse Baustellen ist es immer zu früh gewesen.

    Von dieser Logik betrachtet müsste man ausschließlich Städte besuchen, die nichts für die Wiederherstellung ihres Stadtbildes tun. Gibt es ja ohnedies genug...

    Nein, aber wenigstens bleibt noch ein bisschen Lebenszeit, das zu genießen...

    Wenn man wieder reisen darf... Für mich als momentaner Mensch 2. Klasse aus Österreich ist Potsdam noch sehr fern.

    Da stimmt doch einfach nichts, merkt ihr das nicht?

    Was soll diese Frage? Die kann man doch immer und überall stellen, auch beim DDner NM.

    Es geht um ein neues Viertel mit historischen Zitaten. Ohne den Anspruch, dass ein solches Viertel jemals existiert hätte.


    Niemals hat man in der Baugeschichte ein solch repräsentatives Gebäude in einer so engen und zudem auch noch abschüssigen Lage errichtet.

    Das ist doch, mit Verlaub, völliger Quatsch. Schau dir doch mal eine wirklich alte Stadt an wie Wien oder Prag oder gar Rom, Florenz, was dort an feudalster Repräsentationsarchitektur in engsten Gassenräumen versammelt ist.

    Der "blaue Turm" in Dürnstein ist so eine Sache...


    Quote from Wiki

    Bei der Restaurierung in den 1980er-Jahren stieß man auf eine blaue Färbelung. Aufgrund der zahlreichen Rechnungen unter Propst Hieronymus über smalte-blaue Farbstoffe wird angenommen, dass der Turm der Stiftskirche zu der Zeit diese Farbe bekam. Daher entschloss man sich, dem Kirchturm diese als ursprünglich angesehene Farbe zu geben. Zur Zeit der Restaurierung war die Farbgebung stark umstritten. Erst in den Folgejahren entwickelte sich der Turm in dieser Farbe zu einem Wahrzeichen in der Wachau.[3] Durch die markanten Farben und das Material, das ihn keramisch wirken lässt, wird er als Architektursignal in der Landschaft wahrgenommen.


    Das ist eher euphemistisch formuliert. Dieses intensive Blau ist wirklich als extrem unpassend, aufdringlich und kitschig empfunden worden, überhaupt nach der Fertigstellung.


    mir kommt er bis heute unpassend vor. Bei alten Bildern wird einem weh ums Herz:


    Turm Dürnstein: Einst Streitobjekt, jetzt Wahrzeichen - noe.ORF.at


    Turm Dürnstein: Einst Streitobjekt, jetzt Wahrzeichen - noe.ORF.at


    So ein Quatsch auch. Der Turm war immer Wahrzeichen, egal in welcher Farbe. Architektonisch anspruchsvolle Bauten bedürfen keiner aufdringlichen Färbelung, die zerstört nur viel.


    Mit Blau muss man überhaupt sehr aufpassen. Eines der wenigen schönen Beispiele findet sich am Neutitscheiner Ring:


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    Nový Jičín


    Was rekonstruierte Häuser betrifft, so würde ich von dieser riskanten Farbe entschieden abraten .

    Es geht nicht drum, was abzuschreiben, aber man muss die Realität erkennen.


    Bauen nach Maßstäben, wie Originalität, Regionalität, Dauerhaftigkeit, menschlichem Maßstab, usw.

    Das soll "die Mehrheit" bewegen? Ernsthaft?

    Im Kunstbereich findet bereits so ein Ablösung statt. Die Mehrheit hat sich komplett aus diesen Sphären verabschiedet, mit dem Verweis nichts mehr damit anfangen zu können. Nur ist der Gebäudebau nicht einfach in eigenen Kreisen dann fortzuführen, egal was die Mehrheit denkt.

    Geh, war es je anders im Kunstbereich? Deshalb welkt er auch so dahin - auch in jenen Bereichen übrigens, die obzitierten Maßstäben entsprechen. Im Musiksektor gut zu beobachten: Die Fixierung auf "Klassik" (im Sinne von "bis Richard Strauss und nicht weiter") funktioniert einfach nicht - das Publikum bricht so oder so immer mehr weg.

    Und der Gebäudebau ist der Mehrheit auch so etwas von wurscht.

    Mit Migranten hat das alles auch nichts zu tun, diese mögen zwar insgesamt gleichgültiger gegenüber dem Bauerbe eingestellt sein, "ersetzen" in diesem Sinne aber nur die gleiche, zuvor genauso desinteressierte Schicht an Deutschen, die ihre Häuser in den 50er-80er Jahren baumarktgerecht saniert haben und keinen Deut mehr Interesse am Stadtbild zeigen/gezeigt haben. Ob in einer Stadt 10 oder 25% Menschen mit Migrationshintergrund leben, ändert daran gar nichts,

    Diesen pessimistischen Ausführungen ist - leider - recht zu geben, wie es auch bei uns nicht zu übersehen ist. Kulturelle Fragen jeder Art sind heutzutage - dh unter den heutigen Rahmenbedingungen - nicht demokratisch - und damit auch nicht demographisch - anzugehen. Dafür fehlen jegliche sozio-politische Grundlagen, und das nicht erst seit gestern. Eine sozialdemokratische Bewegung, der an der kulturellen Förderung der Arbeiterschicht gelegen ist, findet man allenfalls bis zur Kreisky-(Brandt-)Ära, im großen Stil überhaupt nur in der Zwischenkriegszeit.

    Wir dürfen doch nicht vergessen, dass das, was wir hier diskutieren, ein absolutes Minderheitenprogramm ist. Klassische Kunst, Architektur oder Musik, ist heute einfach nicht mehr zu "verkaufen". Die schlichten Mechanismen des Marktes bzw des Plebiszites funktionieren hier einfach nicht. Auch eine ethnisch rein deutsch bleibende Unterschicht würde unter den heutigen Umständen in kultureller Hinsicht hoffnungslos verkommen- wahrscheinlich sogar schlimmer als Türken, denen eine gewisse traditionelle Bindung bliebe. Das ist woanders übrigens genauso.

    Entscheidend bleibt, wo es in Politik und Gesellschaft hinreichend mächtige Kräfte gibt, gegenzusteuern. Das kann in Ulm, Lübeck, Potsdam, Dresden oder seinerzeit im komm. Warschau sein. Mit dem Ausmaß der Begeisterung und Beteiligung der unteren Bevölkerungsschichten hat das rein nichts zu tun, damit wäre auch kein Staat zu machen.