Posts by ursus carpaticus

    es ist wie in einem Irrenhaus...

    was stellt man da bitte unter Denkmalschutz? Nicht einmal den Originalzustand der Plattenbauten als immerhin sozialistisches Relikt, sondern den (gemessen am ursprünglichen Erscheinungsbild) entstellenden Umbau vor etwa 20 Jahren. Gemessen an diesem inferioren Standard besteht eigentlich die ganze Welt nur noch aus "Denkmalstädten".

    "Krank" wäre ein Euphemismus allein für dieses Ansinnen. Wer wählt nur solche Leute in ihre Ämter...

    Ich kann Kaorus Diffamierungsstrategie überhaupt nicht nachvollziehen. Selbst die einschlägigen linken Architekturideologen würden


    Was denn für eine "Diffamierungsstrategie" von Kaoru? Was soll da diffamierend sein? Die Ähnlichkeit liegt wirklich auf der Hand, und darauf aufmerksam zu machen, muss doch zulässig sein. Ich hab den Eindruck, Kaorus Einlassung sind für manche hier schlicht ein wenig zu sophisticated.


    (Das Folgende ist in erster Linie für Kaoru gedacht - nicht, dass ich mich damit von ihr und ihren Einlassungen auch nur einen Fußbreit distanzieren wollte:)

    Ich hatte tatsächlich an so etwas gedacht:

    https://de.wikipedia.org/wiki/…:Stallburg_Arkadenhof.jpg


    Österreich ist voll von derlei Höfen. Eigentlich ist das unser genuiner Beitrag zur Renaissance. Daher meine Assoziation. Das Potsdamer Beispiel steht dem fascismo allerdings tatsächlich ungleich näher.

    Überladen ist in der Tat nicht der richtige Ausdruck, zumindest nicht in der Mikrostruktur. Protzig, monumental wäre angemessener, was sogar mit der hier zu beobachtenden Reduktion in der Detailgestaltung vereinbar ist. Eben dies, und da hat R. völlig recht, ist geradezu undresdnerisch. Die Dresdner Architektur neigt zum Unmonumentalen, geschmacklich jedoch Feinfühligen, zum bewussten Setzen von Akzenten, egal ob mikro- oder makrostrukturell. Die hier gezeigten Fassaden mit ihrer Kumulation von Giebeln, Erkern und Türmen (darin sind sie wahrhaft überladen) bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Dekors könnten wirklich überall stehen. Zu Dresden passen sie nicht besonders. Dass die Nachfolgebebauung natürlich viel schlechter ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Kaoru Natürlich haben gewisse zeitgenössische Tendenzen in ihrer unsäglichen Primitivität gewisse Parallelen zu faschistischen Bauten. Und natürlich ist die Ähnlichkeit keineswegs zu übersehen. Dennoch wäre es infam, hier eine "Vorbildwirkung" anzunehmen. Ich meinte denn auch die allgemeine Renaissance. Potsdam ist weniger "barock", zumindest nicht freiwillig, sondern eher "post"-renaissance, eine Art Proto-Historismus. Aber dein leicht giftiger Hinweis ist trotzdem nützlich, zumal gezeigt wird, wohin wir ob all der modernistischen Trostlosigkeit in unserer Anspruchslosigkeit bereits gekommen sind. Der Potsdamer Entwurf zeigt ein gewisses Anpassungs- und Ensemblebewusstsein, und das ist bereits weit mehr, als wir von der Moderne gewohnt sind.

    Also ich find das fürchterlich. Jenseits aller ecclesiastischen Würde gelegen. Dass so etwas ausgerechnet in Polen möglich ist! Lieber keine aufgebauten Kirchenwände als solche! Der nicht unorginelle Vorzustand war natürlich zu präferieren.

    das ist keine Wiederherstellung, sondern ein Banalisierung und Verhunzung.

    Quote
    Als einziges Fachwerk-Stadthaus im früher eng bebauten Handwerkerviertel von Münster wurde es im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört.

    Eine fürwahr großartige kulturelle Leistung, das einzige erhaltene FWH nicht abzureißen...

    Was hätten diese großartigen Post-Wirtschaftswunder-Städte eigentlich ohne RAF-Hilfe gemacht?

    Was ist dazu zu sagen? Kommentar von "fan aus Brüssel" zu obigem Nordbayern.-Artikel:


    Quote

    Rekonstruktion des historischen Innenhofs durch die Altstadtfreunde komplett aus Spendengeldern: 5 Mio. Euro. Sanierung des 50er-Jahre-Vorderhauses durch die Stadt Nürnberg mit Steuerzahler-Geldern: 35 Mio. Euro.

    Muss man noch mehr dazu sagen?

    Trifft das zu?

    mit den kostbaren wiederaufgebauten oder rekonstruierten Wunderbauten

    Was ist unter " kostbare rekonstruierte" Wunderbauten zu verstehen? Pellerhausfassade? Toplerhaus? Stadtgartenamt? Bratwurstglöcklein? Viatishaus? Grolandhaus? Eckhaus Hauptmarkt? Oder einfach nur EIN Bürgerhaus?

    Bitte dringend um Information. Mir fällt da nämlich nichts ein.

    Pustevný, ein vor 1900 angelegter touristischer Komplex auf dem Beskidenkamm unweit des Radhoschts:

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    pseudo-karpatischer Heimatstil oder wie man das nennen will...

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    ganz nett jedenfalls. Architekt Dusan Jurkovic hat mehrere bedeutende Werke hinterlassen zB Vereinshaus in Prossnitz sowie den Schloßumbau in Neustadt(Mettau).


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    besteht eigentlich nur aus drei Bauden und einer Kapelle- alles andere wurde später errichtet.


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    Gesamtbild:


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    auch hier im Forum war dieser Landstrich einigermaßen dokumentiert. Hier ein paar schon historische Puitln:


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    Radhoschtbaude:

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    In den Beskiden:

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    Blick zum Berg Srmk vom Kahlen Berge (Lysa hora):


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    Blick vom höchsten Berg der Mähr.-Schles. Beskiden, der Lysa hora nach Westen. Im Hintergrund ist ganz schemenhaft die Doppelstadt Frýdek-Místek zu sehen:4715314970_3e6970d390_b.jpg

    Hier kommt natürlich eins dazu: die prominente Nachbarschaft. Daher ist es besonders wichtig, dass diese Fassade eine gewisse traditionelle Qualität aufweist.

    Man kann natürlich schon fragen: was hätte man hier genau rekonstruieren sollen? Das sehr schlichte Portal, gut, vielleicht auch irgendwelche Lisenen, die auf älteren Ansichten nachweisbar gewesen wären? Das Endergebnis ist jedenfalls keine Verschlechterung, da ist dir ganz recht zu geben.

    Die sächsische Form Zsch… wird aber bloß wie Tsch ausgesprochen und nicht wie Tstsch, oder?

    Wir ham auch was Feines: Tschantschendorf, und dies noch mit der vorangestellten Deklaration "Deutsch". Das ist schon was. Kroatisch Tschantschendorf gibt es daneben auch.

    Trotzdem scheinst du nicht ganz zufrieden zu sein und siehst es noch unterhalb der Qualität, die man in der Masse im Neumarkt-Areal anstreben sollte. Was fehlt denn deiner Meinung nach noch? Was hatte zum Beispiel der Vorkriegsbau an der Stelle (ich weiß jetzt nicht, wie der aussah), was dieses Haus nicht hat?

    Nein, ich bin mit dem Bau völlig zufrieden. Ich sag nur: bitte nicht in dieser Art 100fach reduplizieren oder so was. Das Neumarkt Areal hatte eben eine Masse an dokumentierten hochwertigen Barockfassaden, die man 1: 1 rekonstruieren soll. Um jede fehlende Reko eines solchen Baus ist schade. Die Südseite der Rampischen war meines Wissens nicht exzellent dokumentiert bzw auch weit einfacher als die Nordseite gehalten. Daher ist dieser Bau eine sehr gute Lösung.

    Ich hab nur diesen Satz teilweise in Abrede gestellt:

    Richtige Füllbauten"als Masstab und Rezept zur Heilung für jeder Deutscher Grosstadt.: für Berlin, Dresden, Köln, Hamburg und Magdeburg.

    Eine derartige Heilung halte ich für großflächig nicht möglich. Man kann einen komplexen deutschen Stadtorganismus in seiner historischen Gewachsenheit nicht durch gefällige Belanglosigkeit ersetzen.

    Der hier diskutierte Bau ist nicht belanglos. Aber wir sind uns wohl einig, dass der Ruhm DDs eben darin besteht, dass die meisten Bürgerbauten aufwendiger und "schöner" waren.

    Also was Sienna betrifft, so regt mich das nicht sehr auf. Wer Phänomene wie Lackenhof am Ötscher oder Ischgl gewöhnt ist, empfindet so was als Idylle. Und dass halt dort ein paar landschaftlich wie ökologisch unbedeutende Hände dem Tourismus geopfert wurden - tausend Rosen. Dafür eben nicht die wirklich bedeutenden Sachen wie der Kernbereich des Gebirges. Ich neige nicht zu Polen-Schwärmerei, (natürlich auch nicht zum Gegenteil). Aber man muss objektiv sagen, dass für Natur und Landschaft die Vertreibungsgeschichte ein großes Glück war. Generell ist es mE überall zu beobachten, auch in den Beskiden (Bieszczaden): Polen geht mit "Landschaft" sehr sorgfältig um. Angesichts des Umstandes, dass auf die vergleichsweise wenigen Gebirgshänge angesichts der großen Bevölkerungszahl ein enormer Erschließungsdruck herrschen muss, stellt dies eine enorme kulturelle Leistung dar. "Sienna" kann man dafür getrost in Kauf nehmen. Wenn dir das nicht passt, dann schau dir mal einen Ort wie Bodenmais an.


    Zum Wasserfall: ich glaube der Krebsschaden liegt darin, dass ich als AK-Sammler einfach die alten Bilder im Kopf hab. Vor Ort wirkt er keineswegs mickrig. Aber wenn man Bilder mit Bildern vergleicht, merkt man den Unterschied. Ich hab glaub ich gar keine Bilder gemacht. War so eine Phase damals.

    Na ja, DAS ist was anderes! Aber eben das war von der Titulierung als "Sommerfrische" nicht zu erwarten. Eigentlich haben mir die Bilder vom Schwarzen Berg eh sehr geholfen: Dort scheint der Wald recht gut beisammen zu sein, besser, als in meiner Erinnerung, weshalb gleiches auch für den Schneeberg zu erwarten ist. Mich hatte nur dein Satz mit dem "Kiefernsterben" beunruhigt. Ich hab in meinem Leben schon manche Bergfichtenwald-Paradiese zu Borkenkäferwüsten mutieren sehen, nämlich im Böhmerwald und bin daher vielleicht ein wenig traumatisiert.

    Ansonsten: Das ist halt das Schicksal eines jungen Menschen. Die Freiheit, die man mit den jungen Jahren verbindet, hat man einfach noch nicht. In deinem Alter konnte ich von Orten wie WG überhaupt nur auf der Landkarte träumen (wenn ich um ihre Existenz gewusst hätte, was ich nicht ausschließen kann)- sie waren praktisch unerreichbar. Meinen Lieblingsneffen hab ich schon mit 6 oder was da raufgeschleppt. Er ist sich seines Glücks bis heute nicht bewusst, und alles was ihm davon geblieben ist, ist seine nunmehrige Liebe zu alpinen Hochgebirgen, die ich ihm eben nicht einimpfen wollte. Übrigens ist es damals sehr lustig mit ihm gewesen. Wir waren eine lustige Männerpartie, alles Bayern außer uns beiden, und wir haben uns am Rückweg in der Schweizerei nicht grad niedergesoffen, aber es uns doch recht gemütlich gemacht. Gerade er, das Kind, sagte, wir müssten weitergehen, weil ein Gewitter im Anmarsch sei. Nicht, weil ihm fad war, sondern weil er recht hatte. Was soll ich sagen: wir haben es tatsächlich bis zum Bus in WG geschafft, und dann brach ein veritables Unwetter los, das um Waldenburg herum sogar Opfer forderte. So hat uns ein kleines Kind ziemlichen Ärger erspart. Für die Besichtigung von WG war dann natürlich keine Zeit...

    Heutzutag sind im solche Berge zu fad, und er hat mich schon 2x auf den Groß-Venediger geschleppt.

    PS 1: Nein, diesen Punkt hab ich auch nicht betreten dürfen.

    PS 2 Was dich betrifft, so bleibt natürlich ein schwerer Fehler zu beanstanden: wenn man nach WG fährt, nimmt man sich einfach Bergschuhe mit!




    So kann man das natürlich auch sehen, ich würde dir trotzdem nicht recht geben. Aber dieser nicht unoriginelle Ansatz ist nicht leicht zu widerlegen.

    Die erwähnten mittelalterlichen Städte bestanden nicht aus Füllbauten, sondern aus anonymen Häusern, deren Wert wohl in der pittoresken Anordnung und in der Authentizität lag. Es ist klar, dass sich dies einfach nicht wiedergewinnen ließ. Daher sehe ich beispielsweise Projekte wie Ulms Neue Mitte viel positiver als die allermeisten hier: die bedingungslose Modernität wird dem Charakter des Vorzustandes mE mehr gerecht als "Anpassung" oder vielmehr, da es kaum mehr was zum Anpassen gibt, als Annäherung an den verlorenen Vorzustand.

    Nürnberg und Würzburg, weniger Köln, bestehen tatsächlich zu gewissen Teilen aus (im übrigen: sehr schlechten) Füllbauten. Man hat sie hier sehr oft als "Platzhalter" bezeichnet. Man betrachte beispielsweise den Nürnberger Hauptmarkt: Kaum ein Objekt, dass man - wäre es von Altbestand umgeben - als "Bausünde" ansehen. Auch der Kölner Altmarkt besteht zeilenweise aus solchen "Anpassungsbauten" (die allerdings eine gewisse Qualität aufweisen und vielleicht sogar als stilistische Leistung durchgehen könnten).

    Jetzt zu diesem:


    Unsere Großstädte haben doch häufig Kirchen, Rathäuser, Schlösser und das ein oder andere herausragende Bürgerhaus, nur in der Masse sind sie eben hässlich, da nur aus Nachkriegsschrott bestehend. Es sind also die passenden Füllbauten, die fehlen und die in meinen Augen immens wichtig sind für das Erscheinungsbild einer Stadt.

    Es ist klar, dass dies weitgehend stimmt bzw kann es nicht darum gehen, das zu widerlegen.

    Aber andererseits... täte man dem Vorzustand unserer Städte nicht gewaltig Unrecht, wenn man all dies, was zwischen den erwähnten Glanzlichtern stand, als bloßes "Füllmaterial" verstehen würde? Die Frage nach dem wirklichen Wert derartiger Bauten ist in diesem Forum schon ungemein scharf diskutiert worden - ich erinnere mich an so etwas wie polemische Ausfälle meinerseits gegen Königsbau bezüglich einer wertenden vergleichenden Beurteilung solcher Häuser mit Gründerzeitlern (Pirna-Strang, so viel ich mich erinnere). "Füllmaterial" jedenfalls scheint mir in keinem dieser beiden Fälle vorzuliegen, und vielleicht ist diese Erkenntnis entscheidend. Füllmaterial setzt wohl einen klaren Mangel an Authentizität voraus. Sowohl ein schlichtes altes Pirnaer Bürgerhaus als auch ein Gründerzeitschinken weisen ihr Quantum an Authentizität auf. Das gegenständliche Dresdner Bürgerhaus übrigens wirkt auch recht authentisch. Und daher ist es mehr als ein Füllbau. Aber auch weniger als ein echtes schlichtes Barockbürgerhaus. Dh: dieser Entwurf ist sehr zufriedenstellend, aber keinesfalls als "Standardfall" für den Wiederaufbau geeignet. Das hätte sich der großartige NM-Bereich nicht verdient.

    Der Fall kommt mir auf deinen Bildern wirklich mickrig vor. Ich hab ihn auch erst nach dem Hochwasser gesehen, aber auch damals kam er mir ordentlich vor. Der neue Weg ist natürlich eine Sauerei. Laternen haben hier nichts verloren, auch nicht diese Granitstiegen. Das ist ein Naturparadies und kein Trampelpfad für Altersheiminsassen. Besonders schmerzlich fehlen die charmanten gelben Geländer, die so viel zum Genius loci beigetragen haben.

    Das mit dem Handyverlust tut mir natürlich leid. Wenngleich derlei natürlich passieren kann und ein ganz anderer Umstand höchst tadelnswert erscheint: bei den aufgezählten verlorenen und noch vorhandenen Bildserien wird zwar der Schwarze Berg erwähnt, indes scheint der Große Schneeberg zu fehlen. Wie kannst du das rechtfertigen? Du bist doch offensichtlich noch keine Altersheiminsassin, dass so etwas wie der Heudorfer Sessellift eine conditio sine qua non für eine Bergbesteigung darstellen würde. Nimm dir mich zum Beispiel, ich hab sogar den Weg von den Klappersteinen, die auch erst bestiegen werden mussten, bis zum Schneeberg geschafft. Der ist ganz schön weit, wie das entsprechende Bild zeigt. Solltest du wirklich einen Urlaub in WG verbracht haben, ohne auf den Großen Schneeberg gestiegen zu sein? Dies würde mir schier unfassbar erscheinen und für mich eine herbe persönliche Enttäuschung bedeuten!

    PS: Patschkau kenn ich eh, und von Bad Landeck hab ich schon eine kleine Galerie eingestellt. Diesbezüglich hält sich die Enttäuschung also in Grenzen,.