Posts by ursus carpaticus

    Quote

    Das ist wirklich ein gruseliges Verhältnis zur Wahrheit.


    Was ist das für eine gruselige Unterstellung? Wann hab ich behauptet, der Satz sei von Napoleon? (Und auch erbse war eindeutig bona fide).

    Das stimmt teilweise, aber nichtsdestotrotz musste Görres dem Napoleon einen Satz unterschieben, der mehr als ein Körnchen Wahrheit beinhaltet.

    Dh der Finger musste auf eine real existente Wunde gelegt sein. Und das ist das Problem.


    Genau das ist ja dein Missverständnis:

    Es ist also egal, wer was warum gesagt hat, ob es stimmt oder nicht...ahso.

    Ob es stimmt oder nicht, ist genau NICHT egal, eben darum geht es ja. Der Satz stimmt, nur die Quelle ist fiktiv. Und auch das ist keineswegs "egal", führt jedoch nicht eo ipso zur Falsifikation des Satzes.

    Der von Görres beschriebene Charakterzug ist realexistent, und offenbar nicht erst seit ca 1950, sondern seit unvordenklichen Zeiten, auch wenn dies "gesunden Patrioten" nicht passt.

    Das ist ganz offensichtlich falsch:

    Natürlich ging es Görres offenbar auch darum den Nationalismus anzuheizen (mit all den Folgen den die "deutsch-französische Erbfeindschaft" später hatte.), Ansonsten brauchte er nicht auf Kosten des französischen Kaisers Lügen zu verbreiten.

    Um das ging es wohl überhaupt nicht. Es ging darum, den Deutschen einen Spiegel vorzuhalten, und nicht darum, "den französischen Kaiser" zu diskreditieren, etwa mittels eines Satzes à la: "God, I hate those Bratwurst eating bastards." Görres wählte ja Napoleon sozusagen als Kronzeugen für seine eigene Argumentation.

    Mit "woke" per se natürlich nichts zu tun, aber das ist doch alles schetzke-jedno* , Klimaschmäh, Genderismus und ehschonwissen, alles dasselbe Gesindel dahinter.

    *ein weiterer Bohemismus, im Gegensatz zu herich ein noch realexistenter. "Alles eins" = alles wurscht.


    Vielleicht kann man sie in dieser Form in 20 Jahren auch ja auch schon wieder zum Abriss freigeben und einen schönen Glas-Stahl-Neubau an die die Stelle setzen? Wer weiß?

    Das ist unrealistisch, weil der NM an sich bis dato eine Erfolgsgeschichte ist. Aber das zu sanieren ist eine andere Sache. Und dieses Zeug wird wohl kaum in Würde altern...

    Und abreißen lassen wird sich dieser Beton auch nicht so ohne weiteres...

    Wenigstens ist der eigentliche NM, also der Platz, ordentlich errichtet.

    Moment, das sind doch alles Neubauten von 1906-09, wenngleich gelungene? Was hat das mit "Altstadtsanierung" zu tun? War das ein Flächenabriss?

    Was man halt bei diesem Pseudo-Zitat nicht übersehen sollte: es ist letztlich wurscht, von wem es stammt, und in welcher Absicht es verbreitet worden ist. Letztlich hat zu gelten: Se non è vero, è ben trovato... Und genau darin liegt das Problem. Und zwar nicht, was Napoleon, sondern den Gegenstand des Inhaltes betrifft. Görres' Schwindel hätte nicht funktioniert, wenn er Napoleon in gehässiger Manier ein absolut blödsinniges Zitat unterstellt hätte. Schließlich ging es ihm genau nicht darum, Napoleon zu diskreditieren. Das sollten sich alle Deutschen, die meinen, gegen dieses Zitat anrennen zu müssen, hinter die Ohren schreiben. Es stammt von einem der ihren, der ihnen einen Spiegel vorhalten wollten. Die Aufdeckung der Urheberschaft macht alles eigentlich nur noch schlimmer.

    Hätte man damals geahnt, was kommen würde, wäre bestimmt jede Straße dokumentiert worden. Genau dies wurde übrigens im Jahr 1942 in Stuttgart gemacht, als man es eben schon ahnte.

    Das ist natürlich wieder etwas anderes. Aber es ist ein Phänomen, dass alle Tourismusprodukte, dh Produkte für und von Touristen ziemlich gleich aussehen und dass man, wenn man sich fremde Reisephotos ansieht, häufig keinen Nutzen daraus zieht. (Heute ist das etwas besser, weil man digital kostenlos photographiert).

    Dadurch sind historische Ansichtskarten von zerstörten, dh heute völlig veränderten Großstädten wie Dresden oder Nürnberg weitgehend wertlos. Die Ausnahmen betreffen Detailansicht, die eher für Anwohner als für Touristen angefertigt wurden. Diese Gemengelage führt zB dazu, dass es außerhalb von D keinen richtigen Markt für deutsche AKs gibt, weil die Differenzierung, was selten und wertvoll ist, die meisten Händler überfordert.

    Wer's noch nicht probiert hat, kann mal das ebay-Angebot in Sachen Dresden durchstöbern. Man braucht elendlang, bis man was Hochpreisiges findet. Man kann davon ausgehen, dass alles unter 20 € Massenware ist.

    Leider weniger die "wichtigsten Sachen", als sondern eigentlich die nichtssagendsten. Lange Sequenzen über Verkehrsabläufe bei relativ freien Plätzen - warum keinen Rundblick über die Rampische oder die Schlossstraße, oder gar Prager oder Wilsdruffer ? Immer nur Zwinger von allen Seiten, warum nicht die Frauenkirche von "hinten".

    Na ja. Bin zwar unterm Strich auch der Meinung, dass nach damaligen Maßstäben etwas durchaus Ansprechendes entstanden ist. Damals war der Gedanke, die Fischer-Bastei im Glas zu spiegeln, noch originell, überdies durch die Schaffung eines doppelten Retros: der Pseudostil erhält ein weiteres pseudoartiges Erscheinungsbild. Überhaupt von der Donau her sieht der so entstandene Komplex noch künstlicher, ja Plastik-mäßig aus, ein bisserl wie ein Kinderspielzeug. Dieser komische Turm ist natürlich so etwas wie die Krönung dieses Ensembles. Von den Gassen Alt-Ofens hingegen wirkt er eher bescheiden, da hat Goldstein völlig recht.


    ich stelle mir vor, man würde eine Mozartsymphonie modern paraphrasieren

    So Sachen gibt's. Zwar ist mir das Beispiel einer Mozartsymphonie nicht bekannt, wohl aber jenes der 9. oder 10. (nach Zählweise) Schubert durch den ital. Komponisten Berio. Und in Linz hab ich La clemenza di Tito gesehen mit modernen Rezitativen. Hat mir gut gefallen. Darüberhinaus gibt es diese Perle:

    Schubert / Arr. Hans Zender : Winterreise - Pregardien /Klangforum Wien - YouTube

    Das hat schon meinen Vater seligen Andenkens auf die Palme gebracht. Mir gefällt es.

    Kein Vergleich mit "architektonischen Pendants". Kunst kommt von Können, und diese Voraussetzung ist halt in der Welt der Musik so etwas wie eine unerbittliche Eintrittskarte. Scharlatanerie gibt es zwar, aber weitaus seltener. Sich so einen Klotz wie das Hilton ausdenken, mit Spiegelglas und ein paar erhaltene Relikte darin integrieren kann eigentlich ein jeder. Für zeitgenössische Musik braucht man hingegen ein verdammt ausgeprägtes klangliches und harmonisches Vorstellungsvermögen.

    Aber so schlecht ist der Hilton-Komplex nicht.

    Überdies eine Quizfrage an Meister Rastrelli: An welchem Turm in welcher Stadt findet sich das Originalepitaph ...

    ach was, grad gesehen, schon mitgeteilt!