Posts by ursus carpaticus

    Völlig richtig, Herr Herrmann, das Projekt ist eine Schnapsidee, eine Verschwendung von Kapazitäten. Das Haus ist erstens nicht besonders bedeutsam geschweige denn spezifisch DDisch, so pseudovenezianischer Kitsch kann überall herumstehen, bei uns in der Leopoldstadt wird ein ähnliches, sogar ungleich besseres Trumm von keinem beachtet

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dogenhof#/media/Datei:Wien_02_Praterstraße_70_a.jpg,

    die Lage unter einer Durchzugsstraße mit wichtiger Brücke ist inferior, das Umfeld Wüstenei - dass da wertvolle Impulse ausgehen sollen, kann ja nicht einmal der optimistischte Phantast glauben, das Ganze vergebliche Liebesmüh.

    Wenn man bedenkt, was alles in Dresden noch fehlt und so notwendig wäre...

    Für so was auch nur einen Gedanken zu verschwenden, grenzt an grobem Unfug.

    romanische Kirche Münsterschwarzach puristisch von allen barocken Innereien

    Münsterschwarzach ist doch ein pseudoroman. oder -ottonischer oder sonst was Neubau der 1930er Jahre?




    Mit dem Glas-Zeux kann ich weniger anfangen. Da ist mir die Zietengotik viel lieber. Ich hätte aber noch eine Anregung.

    Aus dieser Perspektive:


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    macht sich das in der Durchsicht ergebende Andreaskreuz irre gut, weil den "gotischen Eindruck" verstärkend.

    Aus dieser Perspektive jedoch:



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    ist es nicht zu sehen.

    Theoretisch müsste man das Ganze doch so drehen können, dass es aus der Schrägsicht sichtbar wird? Denn diese Schrägsicht ist praktisch viel relevanter, weil sie eben freien Blick gewährt.

    Das Argument von Exilwiener ist natürlich nur polemischer, dabei jedoch praktisch höchst nützlicher Natur. In der Tat wäre ein Abbau von Marx-Denkmälern, etwa in Chemnitz, alles andere als wünschenswert. Aber es ist insoweit nützlich, als Figuren wie jener klerikale Gedenkkultur-Experte niemals gegen Marx polemisiert hat. Somit lässt sich seine Einseitigkeit sehr schön bloßstellen.

    Ein Lenin-Denkmal gab es tatsächlich in Eisleben. Aber das wurde schon abgebaut.

    Luxemburger

    Du solltest das unbedingt publik machen mit Glinka. Es scheint noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen sein. So scheint Schostakowitsch, der antisemitische Anwandlungen äußerst übelzunehmen pflegte, nichts davon gewusst zu haben. Zumindest lobt er in seinen Memoiren Glinka über alles. Vielleicht kann man auch im Zusammenhang mit der geplanten Station Glinkastraße ein neuerliches Unglück verhindern, wenn man die Verantwortlichen rechtzeitig drauf aufmerksam macht. Die wollen doch nur das Beste, und machen dann i ihrer Ignoranz das Allerschlimmste!

    Der Zieten-Entwurf gefällt mir sogar weit besser als das "Original", zumal er in seiner mehr ausgeprägten "Durchbrochenheit" noch "gotischer" wirkt, sprich einer späteren gotischen Epoche verhaftet scheint und auch stilistisch mehr mit den Giebeltürmchen konform geht. Dass ein (vollständiger) Neubauaufbau stets auch eine Neuinterpretation ist, ist wohl aus den Rekoerfahrungen wohlbekannt. Wir haben darüber hinaus oft mit Vereinfachungen oder Modernismen zu tun, die unserer Sache grundsätzlich nicht zuträglich sind. Hier geht es um die interessante Frage einer "Verbesserung" (über welchen Aspekt, nämlich inwieweit eine solche überhaupt vorliegt, man trefflich streiten kann - das mit dem "non disputandum" erscheint mir eher als leere Formel ). Ist ein solcher Gedanke überhaupt "zulässig"? Zieten hat das schön schlüssig aus dem Denken des Architekten heraus dargelegt. Da der Dachreiter letztlich eine eklektizistische Zutat ist, einer Epoche somit angehört, die es mit der stilistischen Genauigkeit niemals genau genommen hat, scheint mir Zietens Vorgehensweise sehr zulässig. Ehrlich gesagt ham wir andere Sorgen, als dass ein Architekt versucht, selbstständig aus dem Geist des Vorgängerbaus etwas weiterzuentwickeln. Bei den BRD-Rekodebatten müsste man so etwas schon "taktisch" vehement ablehnen, weil sich "Rekos" wenn überhaupt nur "puristisch" durchsetzen lassen, und man sonst Gefahr liefe, jedwede Menge modernistischen Unsinn mitgeliefert zu bekommen. Aber hier kann man das weit entspannter sehen. Und eigentlich ist es ein Idealzustand, dass Architekten im alten Geiste selbstständiges Denken entwickeln. Davon haben hier im Forum früher etliche geträumt, gerade Anhänger eklektizistischer Stile. Schon allein darum würde ich zu mehr als bloß respektablem Umgang raten.

    Dass selbst in Wien die Gründerzeit-Massenware den Prinzipien und Proportionen der ital. Renaissance verhaftet blieb, war mir bekannt. Zumindest hat mir dies einmal ein Architekt mitgeteilt und sich dabei auf eine Art Renaissance-Standardwerk berufen, das bei all den industriell gefertigten Fassaden eingehalten worden sein soll, Näheres hab ich vergessen.

    Unweit von Kukus liegt das Dorf Choustníkovo Hradiště.

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    Während die Stadtzentren die Vertreibung mitunter ganz gut überstanden haben, haben die Dörfer ihre Substanz weitgehend eingebüßt. Ch. H. bietet wie andere Sudetenlanddörfer auch keinen Grund zur Erbauung. Wo einst das Dorfzentrum war:

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    zerschneidet die Durchzugsstraße brutal jegliches Gefüge. Nur die Kirche inmmitten des (wie üblich devastierten) Friedhofs ist geblieben. Sie stammt vom gleichen (nur regional bekannten, aber mE sehr begabten) Architekten wie die Trautenauer Stadtpfarrkirche:

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    Ganz am Rande des deutschen Siedlungsgebietes ("deutsch-tschechisches Sprachgrenzdorf") lag Herschmanitz oder auch Hermanitz an der Elbe.

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    In der leider verschlossenen Dorfkirche erinnert eine deutsche Gedenktafel vom 25.02.1883 daran, dass hier, im Schloss des Dorfes am 24. September 1583 Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, geboren wurde.


    In den 1960erJahren hat Golo Mann dieses Gebiet dh dieses Dorf bereist, wobei er ziemliche Schwierigkeiten hatte, das richtige Herschmanitz zu finden - es gibt ihrer mehrere. Er hat einen recht stimmungsvollen Reisebericht hinterlassen. Damals war das Sudetenland noch etwas mehr deutsch besiedelt als heute, zumal die fortpflanzungsunfähigen Alten oftmals "bleiben durften". Diese Generation ist mittlerweile ziemlich weggestorben. Ich persönlich habe mehrfach (genauer 2x) die Erfahrungen gemacht, dass Söhne aus Mischehen (mit tschechischen Müttern) einen sagen wir ziemlich dezidiert den deutschen, ja tschechenfeindlichen Standpunkt vertreten haben. Teilweise konnten sie nicht einmal richtiges muttersprachliches Deutsch. Eine bis in meine Generation reichende deutsche Restbevölkerung habe ich nur ansatzweise im Isergebirge erlebt, ev. gibt es dies auch im Altvatergebirge und in Schatzlar (Ostriesengebirge).

    Über Kukus wäre natürlich viel zu sagen, aber ich habe ehrlich gesagt nicht viel Lust dazu. Wer will, kann ja nachlesen, sich über den Grafen Sporck und den Tiroler Matyáš Bernard Braun informieren (de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Bernhard_Braun) und die Bilder von Bethlehem, heute Braunův Betlém anschauen. Hier ist eine hübsche Galerie dabei: cs.wikipedia.org/wiki/Betl%C3%A9m_(Kuks). Ich war diesmal nicht im Neuwald, der Tag war schon so ausgefüllt genug.

    Kukus gehörte noch zum deutschen Sprachgebiet, lag aber hart an der Sprachgrenze. Hier spielt auch ein Roman, der mich seinerzeit sehr beeindruckt hat: Das verschüttete Antlitz von Gertrud Fussenegger. Wahrscheinlich ist sie in D. völlig unbekannt, bei uns hingegen hatte sie so etwas wie einen Namen und wurde erstaunlicherweise nicht einmal von der Journaille zu Tode geschwiegen. Von der Gegend um Kukus hatte sie (die gebürtige Pilsenerin) offenbar überhaupt keine Ahnung, der Roman spiegelt aber stimmungsvoll das Leben in Böhmen in der ersten Hälfte des 20 Jh wieder, er könnte überall in Böhmen spielen. Interessant scheint, dass sie irgendwas vom "Berg Bethlehem" gelesen haben muss, von der Entdeckung der steinernen Bildnisse (was sie offenbar völlig verfehlt als "Volkskunst" interpretiert), aber Sporck, Braun und den allegorischen Statuen um das Hospital scheint sie nie gehört zu haben. Dies zeigt mE die Geringschätzung, der man dem Barock lange begegnete.

    Zum Abschied aus Kukus noch ein paar Bilder:

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    Inneres der Hospitalkirche:

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    zerschneidet die Durchzugsstraße brutal jegliches Gefüge. Nur die Kirche inmmitten des (wie üblich devastierten) Friedhofs ist geblieben. Sie stammt vom gleichen (nur regional bekannten, aber mE sehr begabten) Architekten

    Ich hab ein altes Exemplar dieser legendären Blauen Bücher -Reihe über Meisterwerke deutscher Bildhauerkunst oä vor der großen Zeitenwende natürlich. Obwohl man es dort mit den Grenzen Deutscher Kunst absolut nicht streng nimmt, wird Kukus mit keiner Silbe, geschweige denn mit einem Bild erwähnt. Die gezeigten Exponate sind teilweise deutlich schwächer.

    Irgendwie typisch für das deutsche Bewusstsein. Die heutige Rezeption erfolgt über den staatlichen tschechischen Kulturtourismus.


    hier noch die restlichen Tugenden:


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    D:

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    E:

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    F:

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    G (l) und H (r):



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    Irgendwie sitzen Sie und Ihr verschwurbelter Literaturfreund Ka.

    Kaoru ist erstens eine Sie und kann zweitens nichts dafür. Ihr Verweis auf den Landvermesser in Kafkas Schloss war ausschließlich nett gemeint, nämlich als Sinnbild ehrlichen Bemühens gegen eine übermächtige Lobby oder Mafia. Von Ratrellis … Ergüssen, um es bemüht neutral zu formulieren, distanziere ich mich, er ist ganz sicher nicht das Forum, auch wenn er diesen Eindruck zu vermitteln bemüht ist.