Posts by ursus carpaticus

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.

    Je mehr Fotos von unmittelbar nach 1945 ich betrachte, desto mehr komme ich zum Schluss, dass die Stadtplaner dieser Jahre die Weichen zur Genesung der Stadt noch richtig gestellt hatten, und erst im Verlauf der 1950er-Jahre diese Vorarbeit negiert wurde.

    Das deckt sich mit einem (natürlich laienhaften) Bericht meines Vaters, der in den (wahrscheinlich) frühen 50ern in Nürnberg war und eigentlich sehr optimistisch berichtet hatte: ja, zwar arg zerstört, aber alles deutet auf einen langsamen und gewissenhaften Wiederaufbau hin, die Stadt wird sicher noch sehr schön, nicht so einfach drauf los gebaut wie in anderen Städten. Kaum Neubauprojekte, aber viele konservierte, eingerüstete Ruinen. Das hat sein Nürnbergbild lange geprägt. Bis wir dann in den 80ern eine gemeinsame Reise dorthin unternommen haben und beide entsetzt waren. In den 50ern hat das alles viel schöner ausgesehen, hat mein Vater gesagt.

    Unsere Enttäuschung war auch sicher deshalb so groß, weil N. in der gängigen Literatur tatsächlich als "gut aufgebaut" gilt, was sogar viele hier zu vertreten scheinen.

    ja gibt es. Aber sie ist trügerisch, da sie vom 2.1. bzw danach stammt und noch große Teile des Burgviertels als intakt ausweist. Außerhalb desselben ist auch alles rot.


    1024px-1945.02.12._Plan_der_Zerst%C3%B6rungen_N%C3%BCrnbergs.jpg

    Zu Kriegsende ist es noch schlimmer.


    Man sieht immerhin, wie gezielt die Altstadt angesteuert worden ist.

    Wohl auch ein wichtiger Rekokandidat, das Haus ganz rechts:


    Bild 1 - CPA-AK-Nurnberg-St-Sebalduskirche-u-Weinmarkt-GERMANY-942634



    weiß wer was Näheres, inwieweit der Nachfolgebau die Kubatur einhält? Der Giebel kommt mir auf dem Bild leicht historistisch vor, weniger von der Form als von der Fassadierung?

    Ja, rein vom Denkmalpflegerischen her handelt es sich um irgendeinen italienisierenden Neostil, was weiß ich, eher sogar Romanik als Renaissance. Jedenfalls gefühlt eher selten und recht aufwendig in den Details gestaltet. So was müsste doch wirklich unter Schutz stehen...

    Ich halte den Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt für gelungen, aber für nicht abgeschlossen.

    Wenn dem so ist... worüber diskutieren wir dann? Warum ein gelungenes Werk in Frage stellen? Was sollte man an einem gelungenen und befriedigenden Status quo um ein paar klitzekleine Ikonen oder was verändern? Das wäre doch kleinlich. Und abgesehen davon hätten die recht, die von einem schützenswerten Flächendenkmal der 50er/60er Jahre sprechen. Wenn schon, denn schon.


    Und was ist mit "nicht abgeschlossen" gemeint? Wohl keine Rekos, weil es so etwas einfach nicht gegeben hat. "Abschluss" heißt wohl nicht "Neuansatz".


    Denn immerhin wird immer vom "Wiederaufbau der Alstadt" als Ganzes gesprochen

    Wer hätte das gemacht? Das wäre doch illusorischer Unsinn.

    Aber dass eben gar nix (ex nihilo) wiederaufgebaut worden ist, steht auf einem anderen Blatt.


    das meint dann immer sowohl den Tiergärtnertorplatz genauso wie den Kornmarkt.

    Tiergärtnertorplatz als Wiederaufbauleistung... Inwiefern eigentlich? Das Pilatushaus ist da wohl nicht gemeint Gut, das Dürerhaus war nicht ganz unbeschädigt, aber seine Nachbarhäuser hat man jedenfalls nicht wiederaufgebaut, obwohl in der Dürerstraße nicht so wenig gestanden ist:

    Bundesarchiv_B_145_Bild-F006558-0007%2C_N%C3%BCrnberg%2C_Altstadt%2C_Albrecht_D%C3%BCrer_Haus.jpg

    (1959)

    Warum aber gefällt dir der Kornmarkt nicht? DAS ist N.er Wiederaufbau nicht aber der stehengebliebene halbe Unschlittplatz oder die halbe Füll etc.

    PS Seh grad, der Kornmarkt hat sich in jüngeren Zeit wohl etwas verändert, und drauf willst du wohl hinaus. Na gut, aber glaub mir, er war in den 80ern auch nicht schöner, im Gegenteil!

    Ist es aber nicht so, dass sich der Otto-Normalbürger beim Aufenthalt auf dem Sebalder Platz wohlfühlt, weil er eine angenehme Grösse hat und keine einzige Bausünde mit Rasterfassade und Flachdach dort steht?

    Das zeigt eben, dass das vermeintlich Gute der Feind des wirklich Guten ist. Das fehlende Bewusstsein bei O.N. und nicht nur bei diesem trägt viel zur Verteidigung eines mehr als unbefriedigenden Status quo bei.

    Apropos Flachdach: ich kenn aus eigener Anschauung den Sebalder Platz eigentlich nur mit einem markanten Flachdachgebäude. Es handelte sich dabei um das heute Schürstabhaus genannte Gebäude. Das trug nicht viel bei, um mich dort besonders wohlzufühlen.

    Den Weinmarkt hab ich als sehr unangenehm in Erinnerung, als eine genuin Nürnbergische Schmerzfühlregion. Eben darum: WEIL dort noch so viel steht. Was soll man groß zur Steppe sagen, außer hin ist hin? Dafür kann auch keiner was in Nürnberg.

    Dieser moderne Giebelbau stört besonders aus Richtung Weißgerbergasse:


    Weißgerbergasse Instagram posts (photos and videos) - Picuki.com



    aber auch das ist nicht ohne:


    https://www.google.at/maps/pla…3d49.4552721!4d11.0753382


    Ich muss auch eingestehen, dass ich diese Häuser nicht leiden kann, nicht nur, weil sie mehr als anständige Barockbauten substituieren:


    https://www.google.at/maps/pla…3d49.4553869!4d11.0754963


    An anderer Stelle wäre man vielleicht froh über ihre Unaufdringlichkeit, aber hier schaden sie enorm dem Gesamtbild dieser Zeile.

    Viele hier verfügen gedanklich über privates Eigentum mit dem gleichen Furor wie jeder Sozialist

    Darin seh ich jetzt nix Negatives, weil es schließlich Sozialisten ja auch geben muss.

    Aber dieses Argument zeigt eben auch deutlich, dass es höhere Werte als Bewahrung des Privateigentums gibt. Ich will hier ja gar nicht ausführen, was das lateinische Verb privare 1 auf deutsch bedeutet, dh ich tu es sogar, weil es hier richtig passt: wir sind ja sozusagen durch dieses Haus beraubt, wenngleich nicht, was dessen Nutzung betrifft.

    Abgesehen von allem hat hier ja niemand so etwas wie entschädigungslose Enteignung gefordert.


    Mit solchen Überlegungen wären überdies alle Straßenbauer die furiosesten Sozialisten. Und was beim Straßenbau gang und gäbe ist, kann auch beim Städtebau nicht denkunmöglich erscheinen.

    Unsere Städte werden nur dann schöner, wenn sich die Veränderungen auch wirtschaftlich darstellen lassen.

    Dieser Satz trifft natürlich zu und bringt die Realität wohl auf den Punkt.

    Es wird nix werden mit dem Toplerhaus.

    Aber allein, dass es hier diskutiert wird, gewinnt es eine gewisse Realität. Und jede Veränderung beginnt damit, dass der ihr zugrunde liegende Gedanke nach außen getragen wird. Wenn sich keiner einen Wunsch auszusprechen traut, wird dieser ganz sicher nicht in Erfüllung gehen.

    (Ausgehend von der Toplerhaus-Diskussion gehört dieser mein Kommentar besser in den allgemeinen Strang)

    Ansonsten ist der Wiederaufbau überall "abgeschlossen", dass heißt, es ist alles vollgebaut.

    Das ist mE genau der Punkt. Es zeigt sich eben, dass der so gepriesene dichte, die Grundrisse wahrende Wiederaufbau für unsere Behufe das größte Gift war. Bei aus historischer Sicht völlig verfehlt angelegten Arealen wie um das FFer technische Rathaus oder Plattenbausiedlungen in Altstädten, die im Osten glücklicherweise keine sehr hohe Halbwertszeit haben, ließ sich da viel eher was machen.


    Ich will mich ja wirklich nicht wiederholen (das tu ich ja bekanntlich nie in Sachen Nürnberg): aber das einzige freie Grundstück ist jenes der Moritzkirche, und diese Reko wäre städtebaulich sogar enorm wichtig, viel wichtiger als eine des Peller- oder Toplerhauses, dahier wirklich ein wertvoller Stadtraum wiederhergestellt werden könnte.

    Sollte man nicht hier Anregungen machen?

    Man bedenke die Situation: der kleine Platz ist in der heutigen Form recht unmotiviert und ästhetisch unbefriedigend. Schürstabhaus und der entfernte westl. Abschluss sind erhalten, die Sebaldkirche sowieso. Extrem stört mich der Block Neunürnberger Bürgerhäuser, der den östlichen Abschluss in Richtung Rathausplatz bildet. Seine Belanglosigkeit strahlt leider auf das ganze Viertel aus, jemand hat von einer "Ankerwirkung" einer guten Reko geschrieben, hier liegt eine negative Ankerwirkung vor. Wenn man sich davor das Moritzkirchlein vorstellt, wären diese Häuser verdeckt und nur noch als Platzumfassung wahrnehmbar, eine Funktion, die sie sogar einigermaßen erfüllen könnten. Dieser so zentrale Stadtraum wäre eigentlich wieder intakt. Dann kann man immer noch davon träumen, wie man den furchtbar banalen Dürerplatz irgendwie aufwerten könnte, aber jedenfalls hätte auch sein Südteil plötzlich wieder ein Gesicht.


    Und wenn man schon von Abriss und Neubebauung träumt, bestünde aus erwähnten Überlegungen bei diesem Klotz am Weinmarkt ein mE sehr hoher Bedarf, weil hier ein einigermaßen intakter Stadtraum nach allen Richtungen hin verschandelt wird. https://www.google.at/maps/@49…04aFrA!2e0!7i13312!8i6656


    ME sollten alle Überlegungen, retten, was noch zu retten ist, im Raum zwischen St. Sebald, Weißgerbergasse und Tiergärtner Tor angesiedelt werden. Hier wäre wohl noch wirklich einiges zu machen, um ein wirkliches Stück Nürnberg wieder erlebbar zu machen.

    Na ja, wie soll das konkret gehen, und vor allem warum? Erhaltenswert ist da nichts, und ohne Frage kommen Abriss und Neubau günstiger. Man bedenke die verschiedene Materialität und die völlige Nichtübereinstimmung in allen Gliederungsdetails (und ob die Grundrisse wirklich völlig übereinstimmen, muss auch dahingestellt bleiben...)

    auch ein reicher Mann in Nürnberg wird lieber ein "richtiges" Haus haben wollen und kein derartiges Provisorium mit letztlich leicht dysfunktionalen Fenstern...

    Abgesehen geht das bei einem so hochkarätigem Objekt wie dem Toplerhaus nicht an:

    dem Original sehr nahe kommen

    es muss dem Original nach bestem Wissen und Können entsprechen. Irgendein Pfusch oder eine halbherzige Angleichung ist da unangebracht.


    Sehr interessant ist das von Neusser erstverlinkte Bild. Aus diesem geht hervor, dass das Element der "Wegscheide" eigentlich in den meisten Ansichten überschätzt wird, dass sehr wohl so etwas wie eine platzartige Wirkung entsteht, und dass das Haus tatsächlich auf eine Schrägansicht ausgelegt erscheint, die es noch pittoresker erscheinen lassen als in der Frontalansicht. Im Zusammenspiel mit der Burg ist dieses Haus in der Tat genial, und es zählt ohne Frage zu den allerschwersten Verlusten des Städtebaus. Ich muss wohl meine Meinung korrigieren: es gehörte tatsächlich rekonstruiert, und sogar in situ. Soll man sich nachher was einfallen lassen, wie man die Umgebung einigermaßen ansprechend umgestaltet.

    Heimdall:

    Das schließe ich angesichts der völligen Belanglosigkeit und Austauschbarkeit des Gebäudes aus.


    Geh, Heimdall, was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Das haben wir doch schon x-mal erlebt, von Fachhochschule und Staudenhof in Potsdam bis zum Pfeilerhaus in Hildesheim. Oder willst du sagen, dass das Neue Pfeilerhaus bedeutsamer wäre als das Neue "Toplerhaus"? Aber es steht dennoch unter Denkmalschutz, und ich bin sicher, dass auch im Falle einer Toplerhaus-Diskussion dieselben Register gezogen werden würden. Jede Wette.


    Ich denke, wirklich niemand würde diesem Nachkriegsgebäude eine Träne nachweinen, wenn dafür das Toplerhaus rekonstruiert würde.

    so wie die Diskussionen in Nürnberg laufen , scheint mir eher das Gegenteil ist der Fall: Etliche würden dies, WEIL dafür das Toplerhaus rekonstruiert würde. So funktioniert das.




    Hier übrigens die für mich schönste Ansicht des Toplerhauses aus leicht ungewohnter Perspektive.



    Der Artikel mit der oldthing-id '21040991' ist aktuell nicht lieferbar.


    Hier kommt zum einen die stattliche Höhe besonders gut zur Geltung, auch gefällt mir der freie Blick auf die Dacherker, die hier nicht mit dem Giebel konkurrieren müssen.


    Meiner Meinung nach wäre es sowieso eine Verschwendung angesichts des heutigen Standortes, den zu betreten man heute wenigstens in aller Regel keinen Grund hat. Ich könnte mir denken, dass es inmitten des Heutigen in seiner Pracht sehr (im unangenehmen Sinne) irreal oder sogar surreal wirken könnte. Es hat offenbar schon immer seine Umgebung sozusagen überstrahlt, aber dennoch auch von dieser gelebt, in es eingezwängt war und die sozusagen den von ihm zu sprengenden "Maßstab" geliefert hat.


    Toplerhaus - Renaissance Architecture (Nürnberg / Germany) Build in 1590 and burnt down in 1945, this magnificent structure was replaced only with a functional building.


    Artstation https://www.artstation.com/artwork/KxQoW

    Und das Toplerhaus MUSS einfach als alleinstehendes Meisterstück, nahe dem besterhaltenen Altstadtviertel und unterhalt von der Burg, eines Tages wieder erlebbar sein. Basta.

    Das Toplerhaus liegt eindeutig im Steppenausläufer und eher weit vom Tiergärtnertor entfernt (wüsste nicht sonst, was man ansatzweise als "besterhaltenes Altstadtviertel" bezeichnen sollte..)

    Gerade dieser - an sich natürlich wunderbare - Bau dürfte wohl kaum als Rekoprojekt in Betracht kommen. Zunächst ist der "Paniersplatz" heute trotz Burgnähe ziemlich peripher und überhaupt verloren. Zweitens würde der Platzhalter sofort zu einer unbedingt schützenswerten Wiederaufbauikone erklärt werden (sofern er nicht bereits unter Denkmalschutz steht, was gar nicht auszuschließen ist). Für etliche Bewunderer des heutigen N.s dürfte seine Beseitigung sogar einen herben Verlust darstellen, weist er doch alles auf, was sie so schätzen: spitzes rotes Dach, Giebelständigkeit, regelmäßige Fensterachsen, Anklänge an Fachwerk...

    Wenn das Schwarze Pellerhaus wirklich Chancen hat, soll man sich natürlich drüber freuen, schon in Hinblick auf die Hoffnung bezüglich seines prominenten Nachbarn. Ansonsten sehe ich in der Steppe nicht viel Sinnhaftigkeit. In Hinblick auf das Toplerhaus könnte man sich mE sogar besser fragen, ob man nicht einen vom Gelände her ähnlichen Ort im westlicheren Burgviertel finden könnte. Gleiches gälte fürs Grolandhaus. Klar, das ist alles nicht durchsetzbar und bricht sogar mit Reko-Tabus. Aber auch alle anderen Ansätze sind irreal und darüber hinaus sogar im unwahrscheinlichen Verwirklichungsfall nicht besonders verheißungsvoll. Schließlich leben sogar die allerschönsten Häuser auch vom Umfeld.