Posts by ursus carpaticus

    Hat man doch in Köln auch nicht gemacht, so ganz tabula rasa. Köln und Düsseldorf kann man doch gar nicht vergleichen rein von der Innenstadt-Fläche her.

    Wie Seinsheim schreibt hat die Wiederaufbaugeneration anderes durchgemacht und alles andere als ästhetische Sorgen gehabt. Es ist doch höchst albern, aus heutiger Sicht mit Verständnislosigkeit zu reagieren. Hingegen mutet die spätere ideologische Voreingenommenheit gegen Rekos befremdlich an. Es ist also weniger die Wiederaufbaugeneration, sondern die heutige, die schwer zu verstehen sein wird.

    Heiligenstadt ist eine hübsche Stadt mit großartigen Kirchen. Die Originalität des Stadtbildes, die auch den Bildern zum Ausdruck kommt, ist mir realiter ziemlich entgangen, wofür es 2 Gründe gibt, unter denen die Stadt in meiner Wahrnehmung arg zu leiden hatte: die Nachbarschaft zu Mühlhausen und Langensalza. Von Erfurt reden wir besser gar nicht.

    Das ist halt die Sicht eines vertrottelten Touristen, der, wenn er mal für eine Woche nach Thüringen kommt, eh schon viel Zeit, muss man sagen, wer hat die heutzutage, mit seinen Kapazitäten haushalten muss, Für einen solchen Touristen ist Heiligenstadt ein Ärgernis: viel zu großflächig, um ob seiner Qualität hinreichend gewürdigt werden zu können, und zu wenig qualitätvoll, um Zeit in Anspruch zu nehmen, die ja sowieso fehlt. Man kann einfach nicht die erwähnten drei Städte per Tagesausflug von Erfurt erschöpfend abhandeln.

    Wie willst das beurteilen? Meinungsumfragen gab es noch nicht, der Tourismus spielte noch nicht dieselbe Rolle wie heute, und für die unmittelbar Betroffenen war es wohl eine beträchtliche Komfortsteigerung.

    Aus Wien ist allerdings eine prominente Stimme erhalten geblieben:

    Stell dir vor, die schönen gelben Häuser hätten sogar den Krieg überlebt...

    Unglaublich. Es stimmt, diesen Nazi-Bau kann man als einigermaßen aufwändigen Nachkriegsbau durchgehen lassen. Im aktuellen Kontext jedoch gibt er nichts her, er bedarf eines halbwegs historischen Umfelds, um in seiner Primitivität nicht störend zu wirken. Eigentlich gefällt mir der moderne Nachbarbau besser.

    Dass das St. Petershaus auf dem Bild ist, hätt ich nie erraten!

    Kurzum, es besteht doch ein gewisses Potential, zumindest auf lange Sicht, da die heutige Verkehrssituation einfach nicht für alle Zeit festgeschrieben sein kann! Danke für die Info.

    PS Ich war erst einmal in K,. nämlic h1983, und kann mich nur noch an das Petershaus erinnern und an die Verkehrshölle.

    Generell hab ich die Stadt als beeindruckend empfunden, wenngleich natürlich tw sehr niederdrückend.

    Ein herrliches Stadtbild. Hier besteht für die Zukunft, so es eine solche in nennenswerter Qualität geben sollte, ein Rekonstruktionspotential.

    Stimmen die heutigen Proportionen eigentlich noch?

    Dieser Neubau ist tatsächlich von hoher Qualität. Interessant, dass das BDA so etwas mit Preisen versehen muss, da diese "Neuorientierung" an die längst vergangene Epoche des ganz frühen Funktionalismus eigentlich für die heutige Architektur ein Armutszeugnis darstellt. Eine Orientierung an Jugendstil/Historismus wäre eigentlich ein nicht weit davon entfernter Anachronismus. Wahrscheinlich liegt der Hund im Umstand begraben, dass man damals, egal ob man traditionell oder modernistisch baute, noch über ein tief verwurzeltes Formempfinden verfügte.

    Ich habe eigentlich wirklich gerade an Wien und Paris gedacht als Vergleichsmuster.

    Paris ist ganz einfach: brutale Schneisen durch, wo eine völlige Neuanlage stattfindet und alles Alte restlos vernichtet wird, Dazwischen bleibt eigentlich alles bestehen. In Wien wurden mitnichten ganz Viertel abgerissen. Auch wurden keine Schneisen geschlagen, dazu wäre gar kein Platz gewesen, sondern auf alten Straßengrundrissen weitergewurstelt. Abseits der Hauptstraßenzüge blieb vieles erhalten. In Köln scheint alles viel mehr durcheinander gewesen zu sein.

    Deine Erklärung von Köln ist schlüssig: Dom und Stiftskirchen waren einfach nie einbezogen worden. Ja, darüber muss man sich klar werden, das war bei mir bisher nicht so der Fall. Der Alte Markt als Zentrum ist klar, in diesem Bereich verfügt die Stadt auch heute noch über eine erkennbare Struktur. Allerdings ist dieses Viertel gemessen am weiten Raum der Innenstadt verschwindend klein.

    Den Neumarkt hab ich eigentlich weniger als Stadtraum denn als Leerfläche bzw als Verlegenheitslösung empfunden. Ohne St. Aposteln wäre er mir gar nicht in Erinnerung geblieben.

    Natürlich bietet keine dt. Großstadt ein wirklich überzeugendes Gegenbeispiel, im Gegenteil meine ich sogar, dass in Köln stellenweise gar nicht so schlecht vorgegangen ist.

    Ich bin der letzte, der von einem gelungenen Aufbau in diversen anderen Städten fantasiert und diesen gegen das "hässliche" Köln ausspielen will.

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    Da es im Grunde in keiner deutschen Großstadt ein gelungenes Gegenbeispiel gibt, kann man da nur spekulieren. Am Ende hat es keinen Unterschied gemacht, ob ein mittelalterliches Nürnberg oder ein wilder Mix aus Köln wiederaufgebaut wurde: Am Ende findet man hier wie dort banalste 50er-Jahre-Architektur, zunehmend durchsetzt mit modernen Klötzen.

    DAs ist leider völlig richtig, was ich mit "wiederaufbaufähig" meinte, bezog sich wohl mehr auf den Anreiz eines am Vorzustand orientierten Wiederaufbaus. Dieser musste in Nürnberg ungleich höher sein, umso vorwerfbarer ist das dortige Versagen.

    Man merkt schon auf den Vorkriegsluftbildern, dass man für Köln kein rechtes städtebauliches Konzept gehabt kann, die wohl über die gesamte Neuzeit hinweg. Eine ursprünglich riesige Altstadt, engbebaut, aber ohne ausgeprägte Zentren, nur mit den Kirchen als (bis heute einzig bestehende) Fixpunkte. Alles Alte an bürgerlichem Bestand ist "irgendwie", also mehr oder weniger zufällig zwischen neuen Durchbrüchen, Abbrüchen, Neubaublöcken, Straßen- und Platzerweiterungen und -verbreiterungen stehengeblieben. in Summe mag es nicht so wenig gewesen sein, scheint aber doch irgendwie lieblos behandelt bzw gar als Altlast empfunden worden zu sein. So eine Stadt ließ sich einfach nach ihrer Zerstörung nicht mehr aufbauen, weil ihr bereits zuvor kein sinnvolles Konzept zugrunde gelegen ist. Dass sich dieses Chaos im heutigen Stadtbild fortsetzt, natürlich nur ungleich grausamer, dh mit ganz wenigen Resten an Altsubstanz bzw sogar historistischer Bebauung, mit noch brutaler geschlagenen Schneisen, alles noch funktioneller, nur der neuen Zeit geschuldet, erscheint sogar konsequent bzw als Konstante.

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    Am heutigen Geburtstag des größten Musikers aller Zeiten

    Anton Bruckner ist doch am 4. September geboren??!? Aber er ist in seinen alten Tagen anlässlich der Aufführung seines Tedeums in Berlin (1894) tatsächlich in Potsdam gewesen, zumal überliefert ist, dass er die Fenster vom Stadtschloss gezählt hat. Wo er damals genächtigt hat, ist ebenfalls überliefert: im Berliner Hotel Kaiserhof. Dort hat er sich auch verlobt.

    Die Auskunft war natürlich wunderbar, aber wie immer weckt wirklich gute Information das Interesse nach mehr.

    #22 Bild 5 zeigt ein verschiefertes Haus. Dieses Viertel müsste demnach älter sein, als es die übrige historistische Bebauung suggeriert. Ist dies das Luisenviertel? Die anderen Bilder suggerieren eher ein Gründerzeitviertel, wenngleich die verwinkelte, dichte Anlage, die an gewisse Wiener Vorstädte erinnert, eher älter wirkt.

    Ist die Verschieferung eher jüngeren Datums (etwa 1, Hälfte XX. Jh?)

    Gibt es noch unverputztes Fachwerk in Wuppertal?

    Das Wupper-Ufer sieht mit den FWH natürlich wunderbar aus!

    Vielen Dank für die umfassende Info, die jedoch mein Interesse an Elberfeld noch mehr geweckt hat. Mir kommt vor, dass die Nordstadt qualitativ hochwertiger war als das eigentliche Stadtzentrum, das mir auf alten Ansichten eher durchschnittlich-beliebig wirkt. Stimmt das oder ist dort auch viel hochwertige Substanz verloren gegangen? Die bergischen Schieferhäuser dürften doch nicht mehr allzu zahlreich gewesen sein? Hier etwa sieht man nur ein einziges, irgendwie verlorenes:

    https://www.ebay.at/itm/427853…397692:g:LlcAAOSwoSxedizv

    Waren die so oft beklagten Altstadt-Verluste eher in Barmen zu verzeichnen?

    Gibt es im Wuppertaler Stadtgebiet noch solche Fachwerkviertel?

    Und vor allem: die wunderbare St. Laurenziuskirche liegt wohl im zerstörten Gebiet. Dennoch schaut das Umfeld recht verträglich aus. Könnte man hier ein paar Bilder sehen?

    Ich werd aus diesen Bildern überhaupt nicht schlau - das sieht doch alles total innerstädtisch aus, und Elberfeld gilt doch diesbezüglich als Totalverlust? War das betroffene Gebiet in der Talsohle so klein? Auf einem Bild sieht man noch ein schiefergedecktes Haus.

    Hat in Alt-Elberfeld überhaupt noch eine Fachwerkaltstadt gegeben?

    In einem konservativen Bauforum wird man eine Aussage wie diese:

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    Die vorspringende Seitenwand des Ostflügels hat in Bezug auf das Schlütersche Eckrondell die richtigen Proportionen.

    doch noch mit maßvollen Worten als das dartun können, was sie ist: bizarr.

    Das Rondell ist doch förmlich erdrückt worden und als gestalterisches Formelement völlig entwertet. Wahrscheinlich wird das Stella gewusst haben, man muss dazu wissen, dass dieses Rondell ursprünglich nicht vorgesehen war, zumindest in Stellas Siegerentwurf fehlte. Wahrscheinlich hat Stella es geschafft, nachträglich hineinzureklamieren, wofür wir ihm sehr dankbar zu sein haben, wie auch diese künstlich nichtige Fassade nicht auf seinem Mist gewachsen zu sein scheint und nichts anderes als Schadensbegrenzung ist. Natürlich hätte es, da hat sogar Rastrelli mal recht, viel schlimmer kommen können. Die bundesdeutsche Befindlichkeit ließ halt nicht mehr zu, und danach hatte sich auch Stella zu richten. Man muss einfach anerkennen, dass sein Entwurf von allen realistischen derjenige war, der unseren Intentionen am meisten entgegenkam und daher seinerzeit in diesem Forum auch entsprechend bejubelt worden ist. Der Entwurf im Ganzen nämlich, nicht die Ostfassade. Letzteres ist ausschließlich Rastrelli vorbehalten.

    (...) entfernt, bezog sich auf gelöschte Beiträge. Franka


    Zur Sache: Ich denke, dass Heimdall hier nicht unbedingt recht hat, wiewohl das von ihm beschriebene Phänomen zweifellos in anderen Fällen durchaus real sein könnte.
    Hier geht es mE darum, dem "Landtag" ein Maximum an Authentizität zu geben. Und das finde ich auch richtig so. Das Stadtschloss im Herzen der Stadt verdient das. Dazu kommt natürlich eine Anspielung auf das gleichermaßen nur in Spolien erhaltene antike Griechenland, welches ja die architektonische Vorlage des Stadtschlosses abgibt.