Posts by Ravensberger

    Hallo Kurprinz. Die Denkmalpflege als Institution hatte ich keineswegs kritisiert und ihr auch keine Inkompetenz vorgeworfen. Ich schrieb nur, dass sich der "Denkmalschutz als völlig unwirksam herausgestellt" hat, was heißen soll, dass die Unterschutzstellung dem Gebäude letztendlich nichts genutzt hat, wie so vielen anderen Gebäuden am Hauptplatz auch, die inzwischen abgerissen wurden. Die Schuld liegt eher bei der Politik und den Stadtvätern, die, anders als in anderen Städten, die identitätsstiftenden Bedeutung der historischen Bausubstanz nicht erkannt haben und wirtschaftliche Interessen für wichtiger halten. Wenn man dem Foto oben Glauben schenken darf, war das Haus offenbar noch gut in Schuss und nicht derart heruntergekommen, dass es abgerissen werden musste. Der eigentlich Grund war, dass man sich erweitern wollte und dass ging bei der geringen Grundfläche wohl nur, indem man das Haus beseitigte und in die Höhe baute. Bei der Höhenentwicklung hat man sich dabei, wie auch andernorts, natürlich an dem Nachkriegsbau von Eisen-Urban, der inzwischen ebenfalls beseitigt wurde. Der historische Vorgänger war deutlich niedriger:https://www.hkk-paf.de/images/…570-91bc-082ef8e9ebf6.jpg

    Der nun erzielte Kompromiss ist meines Erachtens ein fauler, denn der denkmalgeschützte Altbau ist nun weg und wurde durch einen deutlich höheren Neubau ersetzt, dessen leicht historisierende Formen als Feigenblatt herhalten müssen und den Verlust des Originals mildern sollen. Fest steht, dass die Liste der abgebrochenen Häuser am Hauptplatz in den letzten Jahren immer länger geworden ist und ihnen weder der Ensembleschutz, noch die Ausweisung als Einzeldenkmal geholfen hat:

    Hauptplatz 6 (Café Hipp), 2020 abgerissen

    Hauptplatz 18 (Sigl-Bräu), Einzeldenkmal, abgerissen

    Hauptplatz 37 (Café Herb), Einzeldenkmal, bis auf die Fassade abgerissen

    Hauptplatz 39 (Bortenschlager), 2011 abgerissen

    Leider hat auch die Herausgabe der Denkmaltopographie im Jahre 1992 nicht zu einem sensibleren Umgang mit dem Stadtbild geführt. Die liebevoll gestaltete Umgebung des Pfänderturmes spricht doch Bände:https://d2exd72xrrp1s7.cloudfr…=768&height=576&crop=true

    Mittlerweile ist ein weiteres historisches Gebäude am Hauptplatz verschwunden, das Café Hipp:

    PAF_Hauptplatz_6.jpg

    Zweigeschossiger, giebelständiger Satteldachbau mit Giebelaufsatz, Mitte 19. Jahrhundert

    Marienfigur, gusseisern, wohl 1897

    Quelle: Wikipedia

    https://de.wikipedia.org/wiki/…ziehermuseum_Pfaffenhofen

    https://pfaffenhofen-today.de/43603-denkmal-270318

    In Abstimmung mit dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Kreisheimatpfleger hat das Pfaffenhofener Landratsamt laut heutiger Mitteilung den Eigentümern des Café Hipp und des ehemaligen "Eisen-Urban"-Gebäudes am Hauptplatz in Pfaffenhofen eine Kompromiss-Lösung zur Höhen-Entwicklung bei den geplanten Baumaßnahmen vorgeschlagen: Orientierungspunkt könnten demnach die links und rechts an das Dreier-Gespann aus Markt-Apotheke, Eisen-Urban-Gebäude und Café Hipp angrenzenden traufständigen Gebäude bieten. An der zentralen Forderung indes hält die Kreisbehörde fest.

    Zum Hintergrund des erarbeiteten Kompromiss-Vorschlags wird erklärt: Das Café Hipp möchte sich erweitern, um den seit über 400 Jahren bestehenden Standort am Hauptplatz beibehalten zu können. Auch bezüglich des Nebengebäudes, ehemals Eisen-Urban, stehe ein Ersatzbau an. Die beiden Gebäude gehören zusammen mit der Markt-Apotheke zum Ensemble des Hauptplatzes. Besonders ist dabei: Bei dem Dreier-Gespann handelt es sich nach Angaben der Kreisbehörde "um die einzigen drei giebelständigen Häuser auf dieser Seite des Hauptplatzes".Alte Aufnahme:https://pfaffenhofen.de/media/…-255-255-255.original.jpg

    Wenn der Schwund an historischer Bausubstanz am Hauptplatz so weitergeht, gibt es dort bald keine alten Häuser mehr.

    Hier der deutlich höhere Neubau:http://www.architekturbuero-ob…folio/items/hauptplatz-6/

    Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die Apotheke nebenan (Hauptplatz 10) abgebrochen wird, denn der Bau passt ja so gar nicht mehr

    zu den wesentlich höheren Neubauten, von denen sie bedrängt wird:


    Wohn- und Geschäftshaus

    Es ist schon erstaunlich: bei nahezu jedem Abriss wird auf das denkmalgeschützte Ensemble des Hauptplatzes verwiesen, die alten Häuser opfert man aber dann ohne mit der Wimper zu zucken. Ein schicker Neubau reicht offenbar, um den Gesamteindruck zu erhalten. In dem Ort schreckt man wirklich auch vor nichts zurück und man fragt sich, welches Gebäude als nächstes dran ist. Der Denkmalschutz hat sich hier als völlig unwirksam herausgestellt.

    "Neue" Baudenkmäler in der Memminger Altstadt: https://www.kurierverlag.de/me…er-altstadt-90196057.html

    nsgesamt neun Baudenkmäler aus der Innenstadt, die vom 14. bis zum 18. Jahrhundert errichtet wurden, konnten jetzt in die Liste der Memminger Baudenkmäler aufgenommen werden.

    Allerdings wurden bei der jetzt durch das Landesamt für Denkmalpflege vorgenommenen Aktualisierung auch neunzehn Baudenkmäler gestrichen. Das lag zum Teil daran, dass einzelne Bauwerke in der Regel durch bereits durchgeführte starke bauliche Veränderungen ihren Status als Baudenkmal verloren haben oder bedingt durch „altersschwachen“ Substanzverlust dem Abbruch zum Opfer fielen.

    In der Kirchgasse wurden die Häuser Nr. 11 und 13 abgebrochen. Es scheint sich um sehr alte Fachwerkbauten gehandelt zu haben:https://www.mainpost.de/region…markt-belebt-art-10220895

    Zitat: In Zeiten knappen Wohnraums geht die Stadt Iphofen beispielhaft voran: Sie errichtet in bester Altstadtlage selbst neun Mietwohnungen. Der Bauausschuss hat am Montagabend dem Antrag zum Neubau eines Wohngebäudes in der Kirchgasse 11 und 13 zugestimmt – eine Formalie, nachdem der Stadtrat zuvor die Grundlinie festgezurrt hatte.

    Leider konnte ich keine Pläne oder Entwürfe für den Neubau im Netz finden! Weiß jemand, was da hinkommen soll oder wie weit der Neubau schon ist?
    Marktplatz 9 steht auch nicht mehr (Traufenhaus in der Bildmitte). Das unmittelbar anschließdende Giebelhaus rechts steht nach google maps offenbar noch:https://upload.wikimedia.org/w…arktplatz_9%2C_10-001.jpg

    In Forchheim wurde die Jahn-Halle, eine 1924-26 erbaute Sport- und Kulturhalle zu Beginn des Jahres abgebrochen:https://www.nordbayern.de/regi…mer-jahn-halle-1.10879892

    An ihrer Stelle entsteht das idyllische Philosophenviertel. Im altfränkischen Stil erbaut, fügt es sich selbstverständlich nahtlos das Bild der historischen Stadt ein:

    https://images.nordbayern.de/image/contentid/policy:1.8309289:1542213529/OBJ10876479_1.JPG?f=16%3A9&h=480&m=FIT&w=900&$p$f$h$m$w=c25ab77

    https://www.nordbayern.de/regi…tig-wohnviertel-1.9140720

    https://www.philosophenviertel.de/

    Projekt Klosterhöfe (Kreft-Häuser). Nach diesem Entwurf soll Klosterstraße 37 wohl erhalten bleiben und in den Neubaukomplex integriert werden. Das andere Fachwerkhaus daneben wird allerdings fallen (siehe Seite 8):

    https://www.google.de/url?sa=i…nm_2hpPACFQAAAAAdAAAAABAD

    Heutige Situation:https://mar.prod.image.rndtech…lant_master_reference.jpg

    Auch die Häuser auf der gegenüberliegenden Seite sollen stehen bleiben und um diesen rückwärtigen Neubau bereichert werden, der nun wirklich kein Schmuckstück ist:https://mar.prod.image.rndtech…nt_big_teaser_article.jpg

    Vorderansicht von der Klosterstraße aus:https://mar.prod.image.rndtech…en_big_teaser_article.jpg

    Wirklich gruselig!!!

    Das Architektenteam sieht das freilich anders:

    Im Stadtbild erscheint das Ensemble, wie einst die historische Klosteranlage, als eine ausgewogene Komposition verschiedener Volumina. Mit einem hohen Maß an historischer Kontinuität entstand im urbanen Landschaftsraum der Paderquellen ein identitätsstiftender Gebäudekomplex.

    An der Stelle stehen heute gruselige Betonklötze, die heutzutage unter der euphemistischen Bezeichnung "Stadtvillen" geführt werden:https://www.google.de/maps/pla…m2!3d52.041545!4d8.532321

    Um das Grundstück bestmöglich vermarkten zu können, stand das alte Fachwerkhaus, das eine überaus interessante Baugeschichte hatte, natürlich im Wege. In der Denkmalliste stand es leider nicht, da es angeblich stark verändert worden war. Die Fotos vom Abbruch belegen aber, dass das alte Fachwerkgerüst noch gut erhalten war:https://www.nw.de/_em_daten/_c…2117-585a33f5a71b02d5.jpg Das Haus stand zuvor auf dem Hof Falkmann zu Ehrdissen bei Schötmar (Kreis Lippe) und wurde um 1868/1869 nach Schildesche auf den Hof Meyer zu Sudbrack versetzt:http://www.nhv-ahnenforschung.…bogen/Orte/Hovedissen.htm

    Erhalten blieb lediglich der Torbogen:https://www.nw.de/lokal/bielef…ofs-wird-restauriert.html

    Gemeinsam mit dem Heimatverein Schildesche setzen sich die Politiker nun für die Aufarbeitung des Bogens ein. Dieser ist vor dem Abriss jedoch nicht fachgerecht ausgebaut worden. "Statt den Torbogen sachgerecht zu zerlegen, wurde mit der Kettensäge vorgegangen", ärgert sich Hans-Dieter Kuhnert, Vorsitzender des Heimatvereins.

    Die Denkmalpflege hatte das Haus nie wirklich im Blick, denn bereits in den älteren Listen, in denen die denkmalwerten Gebäude der Stadt aufgeführt werden, findet es keine Erwähnung. Laut Lutz Volmer (Baudenkmäler in Bielefeld - Eine Dokumentation, Bielefeld 2019, Seite 38) war das Bauernhaus "in einer Nacht-und-Nebel-Aktion" abgebrochen worden, ohne zuvor die mögliche Denkmaleigenschaft zu prüfen."

    Als die Baugesellschaft Sudbrack, auf deren Gelände sich das Gebäude befand, umzog, fand sich kein Käufer dafür. Zumindest der alte Torbogen konnte gerettet werden. Die Anwohner sprachen im November 2012 von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion". Um den drohenden Abriss zu verhindern, versammelten sie sich an einem Wochenende - und schalteten einen Rechtsanwalt ein. Bevor Mitarbeiter der Oberen Denkmalbehörde aus Münster den Hof jedoch begutachten konnten, war er schon Geschichte. Der Abbruchbagger hatte fast unbemerkt ganze Arbeit geleistet. "Die Stadt machte keinen Gebrauch von ihrem Vorkaufsrecht", sagt Bezirksvertreter Hartwig Hawerkamp.

    https://www.google.de/maps/pla…!3d52.0438208!4d8.5294401

    Das Haus sieht ja wirklich erbärmlich aus! Hoffentlich wird es gerettet.

    Ich habe Folgendes gefunden:

    Konrad Bedal: Fachwerk vor 1600 in Franken. Petersberg 2006, Seite 266:

    Sattlertorstraße 7

    (vor 1450). Zweigeschossiges Giebelhaus mit Pultdach, vollkommen verputzt. OG und DG weit über verputzten Bügen vorkragend; das Pultdach aus der Bauzeit, die Wand zum Nachbarhaus mit abgeblatteten Streben von Westen, dem Nachbarhaus Sattlertorstraße her; die angeblatteten Kehlbalken fassen beide Pultdächer zusammen; zum First noch ein freier Abstand oberhalb der oberen Kehlbalkenlage.

    Sattlertorstraße 9

    (vor 1600). Dreigeschossiges Giebelhaus mit Sattlertorstraße 7 gemeinsames Satteldach, völlig verputzt, wohl etwas jünger als Sattlertorstraße 7, mit diesem zusammen aber das Dach verbunden.

    Hallo Ostwestfale, vielen lieben Dank für deine Mühe!!! Der alte Meierhof sieht ja wirklich erbärmlich aus. Hier müsste ganz dringend gehandelt werden!

    Das Haus an der Versmolder Straße scheint gerade saniert zu werden, oder täusche ich mich da? Jedenfalls steht da eine große Mulde mit Gerümpel herum. Hoffentlich wird es nicht entkernt! Es scheint auf jeden Fall schon recht alt zu sein, worauf die Knaggen, die altertümlichen Kopfbänder und der steile Giebel hindeuten (um 1600?).

    Warum denn nicht? Das ist doch ein äußerst spannendes Thema! Ähnliche Arbeiten existieren auch über andere Städte wie z.B. Nürnberg, Münster oder Rothenburg ob der Tauber. Das Buch ist sehr interessant, da es die Verluste an historischer Bausubstanz akribisch auflistet und auf zahlreichen Fotos den Vorzustand mit der heutigen Situation vergleicht.

    In der an Baudenkmälern armen Innenstadt von Büren stehen Abrisse bevor:https://www.westfalen-blatt.de…ssade-statt-Schmuddelecke

    Betroffen sind ein gut erhaltenes Fachwerk-Traufenhaus des 19. Jahrhunderts:https://mapio.net/images-p/59795965.jpg

    und das Verwaltungsgebäude der Gehörlosenschule, ein spätklasszistischer Putzbau (Bertholdstraße 3), errichtet 1842:https://de.wikipedia.org/wiki/…ldstra%C3%9Fe3-1-Asio.JPG

    Angeblich ist es bei den Bürenern nicht sehr beliebt: Das denkmalgeschützte Gebäude wirkt an Bürens Hauptkreuzung wie eine graue

    Maus. Die Architektur von 1842 ist in heutigen Augen vieler Bürger hässlich. Quelle:https://www.nw.de/lokal/kreis_…ulgebaeude-im-Tausch.html

    Früher sah es mit seinem Quaderputz und den Sprossenfenstern viel prächtiger aus (rechts im Bild):https://www.weberbueren.de/wp-…ntuqeo4euctgsirqk9ed6.jpg

    Es soll ein Neubau entstehen, einen Kontrast zu den nahen Barockbauten (Jesuitenkirche und -kolleg) bilden soll:

    Der Neubau mit einer verglasten Fassade, einem kleinen Erker zur Königstraße hin und einem markanten hölzernen Bogen in Richtung Kreishaus solle ganz bewusst ein Gegengewicht zum Ensemble der Bürener Barockbauten in unmittelbarer Nachbarschaft setzen. „Wir möchten etwas Modernes schaffen“, erläuterte Architekt Hein im Ausschuss. Schließlich seien die Jesuitenkirche und das Kolleggebäude (heute das Mauritius-Gymnasium), als sie erbaut wurden, für die damalige Zeit auch höchst moderne Gebäude gewesen.

    Angesichts der Größe und Beschaffenheit des Gebäudes hatte der Landschaftsverband als Denkmalbehörde im Zuge der Offenlage der Pläne bereits Bedenken angemeldet. Man befürchtet in Münster eine Abwertung des Barockensembles (das WV berichtete). Kritisch wird dort auch der geplante Abriss des benachbarten Eckhauses, Bertholdstraße 3, gesehen.


    Hier noch eine interessante Seite über das historische Büren:https://www.weberbueren.de/bueren/bueren-frueher-heute/