Posts by Villa1895

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.

    Lieber Zeno,


    leider gehen oftmals geade die schönsten Häuser verloren. Im Falle des Fachwerkhauses aus der Renaissance in Bütthard sah ich dessen Verlust leider schon lange voraus.


    Eine ganz kleine Hoffnung hege ich allerdings noch dahingehend, dass man vielleicht das Haus in ein Freilandmuseum, z. B. ins Freilichtmuseum Bad Windsheim versetzt haben könnte. Oder dort zumindest die Balken für einen künftigen Wiederaufbau eingelagert wurden.

    Aus der Architektonischen Rundschau 1897, Wohnhaus Untere Wöhrdstraße 22 in Nürnberg (aus "Nürnberger Neubauten"). Mit dem "Chörlein" hat man ein vertrautes, lokaltypisches Nürnberger Motiv aufgegriffen. Im Übrigen wurde ohne allzuviel Aufwand ein charktervolles Gebäude geschaffen. Dieses Haus bildete mit seiner Umgebung ein gelungenes Ensemble. Warum bringt unsere Zeit so etwas nicht mehr zuwege? Vermutlich hat das Haus den Bombenterror des II. Weltkriegs nicht überstanden.



    Was kann man auch von einer modernistischen Architektin, die auch noch dazu "Denkmalschützerin" ist, denn anderes erwarten. Diese Leute sind doch zumeist stur wie ein Panzer. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Vielleicht darf ich doch noch eines Tages das, wie weiland Phönix aus der Asche, in alter Schönheit wieder auferstandene Renaissance Juwel Pellerhaus bewundern.

    Nachtrag:

    Ermittlungen zum Schicksal der oben bereits vorgestellten, um 1880 errichteten Villa des Tuchfabrikanten Gustav Samson haben dank Wikipedia zu folgendem, leider traurigem, Ergebnis geführt:

    In den 1930er Jahren gehörte die Villa Samson der Familie des jüdischen Fabrikanten Dr. Martin Blum. In der sog. "Reichskristallnacht" oder Reichsprogromnacht 1938 wurde die Villa vollständig nieder gerbrannt. Nur durch das Eingreifen einer Hausangestellten konnte dich die Familie noch vor den Flammen retten. Dr. Blum wurde 1940 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und sein gesamtes Vermögen vom Staat beschlagnahmt. Die bei der Villa liegenden Fabrikgebäude wurden im II. Weltkrieg vollständig zerstört. Über das weitere Schicksal der Familie Blum ist mir nicht bekannt, es steht aber das Schlimmste zu befürchten.


    Die Größe des gesamten Anwesens von Villa Bürogebäude und Fabrikationsräumen zeigt der folgende Holzschnitt (die Villa befindet sich rechts im Park):

    Villa Samson, Cottbus bei Ostrow

    Hallo VonSalza,


    danke für deine Recherche und deine Nachricht, auch wenn diese leider traurig ist.


    Vermutlich wurde dieses schöne, neobarocke Haus ein Opfer einer Gewinnmaximierung oder anders ausgedrückt, ein Opfer der Geldgier. Wobei sich aber auch die Frage nach dem Denkmalschutz stellt. Stand diese Villa nicht unter Denkmalschutz oder hat man diesen mit irgendwelchen Begündungen aufgehoben? Jedenfalls hat das Stadtbild durch die jetzt dort stehenden Flachdachklötze arg gelitten. Es ist noch oftmals wirklich traurig, wie unsere Städte immer mehr verhunzt werden.

    Noch einige Zeichnungen und Pläne von Villen und Landhäusern aus der Gründerzeit:


    Die folgende Villa ist ganz klassizistisch ausgeführt, interessant ist auch die Gartengestaltung. Nach dem Plan befanden sich im Garten zwei Bassins, die wohl als Springbrunnen mit Fontäne ausgestattet waren:






    Anbei noch einige Bilder von Landhäusern und Villen aus der Gründerzeit:







    Streng genommen eigentlich kein Landhaus, sondern eine Meierei bei Bremen. Da jedoch die Bauweise des Hauptgebäudes durchaus in der Art einer Villa ausgeführt wurde, habe ich mich entschieden dieses Objekt hier einzustellen, zumal es ja in dem Buch von 1896 auch als Landhaus oder Villa mit enthalten war:



















    Fortsetzung von Landhäusern und Villen aus der Gründerzeit:




























    Die nachfolgende Villa nimmt den Stil der von Patriziern aus Nürnberg im Nürnberger Land im 16. und 17. Jh. errichteten "Weyerhäuser" auf. Also ein in der Umgebung von Nürnberg durchaus typischer Baustil. Das waren Sommerhäuser der Nürnberger Kaufmannsfamilien, oftmals, aber nicht immer, noch von einem Wassergraben umgeben. Also ein "festes Haus", obwohl diese Häuser auf Grund der technischen Entwicklung im Kriegsfalle längst nicht mehr uneinnehmbar waren, so machten diese doch einen starken und wehrhaften Eindruck:


    Die nachfolgenden Pläne und Grundrisse stammen aus einem anderen Werk, das mir in gebundener Form vorliegt. Es trägt den Titel: "Villen und Landhäuser", erschienen 1896. Die darin enthltenen Villen sind jedoch mitunter allerdings wesentlich älter. Ich habe diese Bilder nun im bereits von mir angelegten Strang "Landhäuser und Villen" eingestellt, da die Thematik ja auch dieselbe ist. Nicht alleine die Papierqualität ist gegenüber den neulich eingestellten Plänen besser (nicht so vergilbt oder gebräunt), sondern auch die Baupläne sind größer dargestellt, also besser zu lesen. Gleichzeitig wird oft noch Bauzier, Gesimse, Querschnitte, ja selbst profilierte Balken abgebildet.


    Bei vielen der im Anschluss vorgestellten Villen kann man m. E. dem späten Klassizismus oder der italienischen Renaissance zuordnen. Für die Villen mit den großen Rundbogen Loggien würde ich als Baujahr in aller Regel noch den 1860er und vielleicht auch noch die 1870er Jahre annehmen.


    Doch nun viel Freude nun beim Anschauen.





























    Lieber Exilwiener,


    die Architekten behaupten ja, so ein Haus nach historischen Plänen zu bauen, könne heute doch niemand mehr bezahlen. Nach Ansicht vieler Foristen stimmt das so aber nicht. Es wurde hier im Forum schon dargelegt, dass die Mehrkosten einer schönen, historischen Fassade geschätzt 15 % der Gesamtkosten des Baues ausmachen. Sonderanfertigungen, z. B. im Innenausbau, wie Fenster und Türen. die nicht der Deutschen Industrie Norm (eingeführt 1925) entsprechen, sind deutlich teurer als wenn diese nach DIN genormte sind. Auf der anderen Seite gibt es heutzutage ja die 3-D-Technik, wo viele Teile, nicht nur aus Holz, sondern auch steinerne Gesimse am Drucker ausgedruckt werden können, was Kosten vermindert und wohl auch Zeit spart.


    Langer Rede kurzer Sinn, wenn man sich beim Innenausbau anstelle von vielen Sonderanfertigungen, auf genormte Teile verständigen könnte, sollte ein solches Haus für viele Leute finanzierbar sein. Die heutigen Sicherheits- und Brandschutzvorschriften etc. müssen selbstverständlich eingehalten werden. Die Fassade sollte aber möglichst nahe an den alten Plänen sein, auch sollten die historischen Geschosshöhen tunlichst beibehalten werden, weil sonst die Proportionen des Hauses nicht stimmen und das Gebäude zu "gestaucht" aussieht. Allerdings finde ich, dass Zimmerhöhen von 3,30 m absolut ausreichend sind. Wir haben in der Belle Etage z. B. 3,80 m hohe Räume, da sind die Zimmer, wenn es in einem strengen Winter richtig knackig kalt ist, kaum mehr richtig warm zu bekommen. Man muss also bereit sein, im einen oder anderen Punkt Kompromisse zu schließen, dann sollte der Bau eines solchen Hauses möglich sein. Allerdings sind die Bodenpreise/Baulandpreise in den Großstädten und in deren Speckgürtel, inzwischen derartig hoch, dass man dort sowieso kaum bauen kann. Außerhalb der Ballungsgebiete, in einer ländlichen Region hingegen, sind die Grundstückspreise noch als günstig zu bezeichnen, dort könnte man ein Bauvorhaben für eine solide Villa nach alten Plänen aus der Gründerzeit, noch am ehesten in die Tat umsetzen. Die Wohnqualität bleibt auch noch den Kindern und Enkeln erhalten.


    Übrigens habe ich noch einige Pläne von Villen aus der Gründerzeit, die ich vermutlich nach und nach gerne noch einstellen würde. Da sind auch ganz tolle und wunderschöne Villen und Landhäuser darunter.

    Schön wäre es, wenn Forumkollegen vor Ort recherchieren könnten, welche dieser Villen noch existieren. Und eventuell Fotos liefern könnten. :zwinkern:

    Hallo Heimdall,


    da sprichst du eine gute Idee aus. Es würde bestimmt viele Foristen interessieren, was aus den alten Gründerzeitvillen geworden ist. Wenn Eis und Schnee und möglichst auch Corona überstanden sind, könnten in der Umgegend dieser Villen wohnende, interessierte Forumsteilnehmer hierzu Fotos und vielleicht auch Informationen über das Schicksal dieser Villen beisteuern.

    "My home is my castle" passt bei den meisten der gezeigten Häusern wie die Faust aufs Auge. ^^

    Hallo miro,


    viele dieser Häuser, insbesondere jene, welche einen Turm oder malerische Giebel und/oder Erker aufweisen, erinnern einem tatsächlich an ein "festes Haus" oder um es mit Luther zu sagen an "ein' feste Burg". Diese Gebäude strahlen Solidität, Gediegenheit, Nachhaltigkeit und Beständigkeit aus. Allerdings benötigte man, um ein großes Haus zu betreiben, Personal. Als nach dem I. Weltkrieg die Wirtschaft am Boden lag, konnten sich die Eigentümer, da oft selbst nahezu mittellos, kein Personal mehr leisten. Der laufende Unterhalt dieser Häuser war relativ hoch. Die Steuern und Abgaben stiegen auf Grund der hohen Reparationszahlungen stark an. Viele Eigentümer sahen schließlich nur den Ausweg, ihr Anwesen zu verkaufen, meist an die Städte und sehr oft weit unter dem tatsächlichen Wert der Immobilie.


    Ein Beispiel: Die große Villa Siegle in Stuttgart, erbaut um 1870 (hiervon habe ich derzeit kein Bild), ging vom Eigentümer auf diese Weise nach dem I. Weltkrieg an die Stadt Stuttgart. Diese nutzte das große Haus als Altersheim. Dieses brannte im II. Weltkrieg aus. Die danach stehen gebliebenen, massiven Außenwände der Villa Siegle wurden, soviel ich weiß, in den 1950 er Jahren gesprengt, um einem Neubauklotz einer großen deutschen Versicherung Platz zu machen.

    Hier noch einige Bilder und Pläne zu tatsächlich errichteten Landhäusern und Villen aus der Gründerzeit um 1890:













    Zumindest bia 2012 stand die nachfolgend vorgestellte Villa an der Hohenheimer Straße in Stuttgart noch, dort wo diese auf die Grünanlage Bopser trifft. Vielleicht existiert die Villa heute immer noch. Allerdings war zu meiner Stuttgarter Zeit der frühere Park/Garten bereits damals nahezu vollständig mit modernen Nachkriegsbauten geopfert worden . Dadurch ist die Villa in ihrer Wirkung deutlich beeeinträchtigt.
















    Wow, super Entwürfe! Waren diese Zeichenfähigkeiten damals Standart unter Architekten? Insbesondere die 3D Zeichnungen sind der Wahnsinn. Wer brauch da noch (fake) Renderings. Oder sind dies besonders herausragende Zeichnungen?

    Hallo Sir Moc,


    ja, diese exakten Zeichnungen waren bei den Archtekten damals Standart. Die hatten ihr Handwerkszeug wirklich gründlich gelernt. Da musste alles stimmen, selbst der Schattenwurf der Fassaden. Was man bei den zumeist in schwarz-weiß von mir eingestellten Bildern und Plänen leider nicht sehen kann, ist die Tatsache, dass die Architekten die mit Tusche gezeichneten Fassaden sogar noch von Hand koloriert hatten und zwar entsprechend der Farben des verwendeten Baumaterials. Übrigens haben diese Architekten oft und gerne auch zusätzlich noch Personen mit dargestellt um damit die Größenwirkung des Bauwerks im Verhältnis zur Größe eines Menschen aufzuzeigen.

    Das Straßenbild der Upper Bloomfield kommt letztlich von England her bzw. wurde von den Amerikanern von dort her übernommen. In England gab es - und gibt es wohl noch heute - in den Industriestädten schier endlos lange Straßen mit sich ständig wiederholenden Fassaden, an denen man kaum Zierrat hat. Alleine die von der erhöht liegenden Haustüre herab fühenden Treppen (zur Straße hin), bringen die einzige Abwechslung. Aber auch diese Treppen wiederholen sich eben auch immer wieder. Das wirkt freilich öde, aber diese Häuser in England waren zumeist einfache Arbeiterhäuser. Sie waren relativ preisgünstig zu erstellen. Man nahm immer wieder den gleichen Grundriss und fügte so die Reihen aneinander. Ohne die Hausnummern hätte man vermutlich leicht seine Haustüre verwechseln können.


    Das mit der Monotonie gibt es allerdings auch bei modernen Wohnblöcken. Um die Tristesse zu mindern versucht man heute, zumindest in Deutschland, oft mit unterschiedlicher Farbgebung etwa Abwechslung rein zu bringen.