Posts by Villa1895

    Hier möchte ich noch etwas zum Thema Hochwasser Katastrophen anfügen. Meine alte Heimat ist das mittlere Taubertal, eine der niederschlagsärmsten Regionen weit und breit. Es gab immer wieder mal extrem trockene Jahre mit glutheißen Sommern. Wenn sich dann, nach drei oder vier Monaten schrecklicher Hitze, ohne einen Tropfen Regen, ein Unwetter bildete, so war dies mitunter verheerend. So ereignete sich z. B. das Michaelishochwasser (am Tage des Hl. Erzengels Michael) am 29.09.1732. Innerhalb kürzeste Zeit war der Himmel schwarz, man sah nur noch die gelben Blitze in der Nacht und hörte das Rauschen der Fluten. In Königshofen a. d. Tauber wurde die massive steinerne Bogenbrücke mitgerissen. In Lauda die Mühle. In Bischofsheim a. d. Tauber stürzten damals schon als uralt bezeichnete Fachwerkhäuser mit Lehmausfachung in den Feldern ein, die ganz und gar vom Wasser aufgeweicht waren. Die ganze Unterstadt stand bis zu zwei Stockwerken unter Wasser. Der gesamte Marktplatz schwamm voller aufgeweichter alter Urkunden. Ebenso war das Pfarrarchiv weitgehend vernichtet. In Wertheim am Main wurden viele Häuser mitgerissen, ebenso einer der vier Flügel des Spitals. Es waren im Taubergebiet sehr viele Tote zu beklagen.


    Auch die Hochwasser Katastrophe von 1911 fand auch nach mehrmonatiger Gluthitze statt, ohne dass es auch nur einen Tropfen geregnet hatte. Das Gewitter, das sich im September 1911 zusammenbraute, war schrecklich. Hier war allerdings der Schwerpunkt das Grünbachtal, ein Seitenbach der Tauber. In Grünsfeld, Paimar etc. gab es viele Tote, darunter auch viele Schulkinder. Massive Häuser, z. B. Mühlen, wurden von den Fluten wie nichts einfach weggerissen.


    Meine Großmutter (Jg. 1884) erzählte aus ihren Erinnerungen, wie sie das Hochwasser 1911 erlebt hatte. Sie war in Tauberbischofsheim auf dem Feld, als im September 1911 innerhalb von ganz wenigen Minuten, das Wasser schon über einen Meter hoch zu Tal rauschte. Mit Mühe und Not erreichten sie noch das sog. "zweite Bahnwärt(er)shäusle" an der Bahnstrecke der Taubertalbahn. Man ließ sie allerdings nicht mehr ins winzig kleine Häuschen hinein, mit der Begründung, es sei alles schon überfüllt. Dann gingen meine Großmutter und ihr Mann in den Geisenstall des Bahnwärters und stiegen dort in die Futterkrippe, hoben auch die Geis (Ziege) mit hinein. An den Hängen des Taubertals hatte dieses Unwetter etliche tiefe Gräben gerissen und den wertvollen Lößlehm fortgespült.

    Übrigens ist das Belvedere im Park von Schloss Charlottenburg auch in hellblauer/zartblauer und weißer Farbe gefasst und macht so einen ganz bezaubernden Eindruck. So selten scheint die blaue Farbe als Gebäudeanstrich im 18. Jahrhundert nicht gewesen zu sein. Dies schreibt der User, dessen Namen Petersburg vergessen hat und der so frei war, dass er am Dienstag, den 13.07.2021, auf das bleu mourant und die Verwendung von blauer Farbe an Fassaden im 18. Jh. hingewiesen hatte.

    Man liebte im Rokoko sehr zarte Farben, z. B. ein zartes Grün, ein zartes Rosa, ein zartes Gelb oder auch ein zartes Blau, das Friedrich d. Gr. bleu mourant, das heißt sterbendes Blau. Das bleu mourant war eine der Lieblingsfarben des "Alten Fritz", es findet sich auf vielen kostbaren KPM Servicen der Zeit, so auf dem Service für das Breslauer Schloss. Auch für Hausanstriche in Deutschland waren die zarten Farben im Rokoko recht beliebt.

    Es gibt im Deutschen Schiefermuseum in Steinbach (Landkreis Sonneberg in Thüringen neben der Herstellung von Schiefertafeln und Griffelschiefer auch detailierte Darstellungen von Beispielen der Schiefermalerei. Dachschiefer aus den Thüringer Wald wurde, insbesondere bei Fassadenverkleidungen oftmals bemalt. Nicht alleine geometrische Muster, sondern auch Tiere, z. B. Vögel. Dachschiefer wurde teis bemalt, so dass sich durch die Verwendung von bemaltem und unbemalten Schiefer sich ein gestaltetes Muster dieses Daches ergab.


    Es gibt auch ein sehr interessantes Schiefermuseum in Ludwigstadt, das zu Bayern gehört, aber hart an der einstigen innerdeutschen Grenze liegt. Dort gibt es Informationen und anschauliche Beispiele der Verarbeitung des Schiefers zu Schiefertafeln, Dachdeckung und zur Hausverkleidungen sowie zu Verzierungen und zu Mustern. Anlässlich einer Fahrt in den Frankrnwald waren wir 2010 dort.

    Hallo DelgadoVitzhugh,


    sofern dir die Namen und die Geburtsdaten und/oder die Taufdaten der vier Kinder bekannt sind, könntest du vielleicht über die Standesämter/Geburtsregister oder die Kirchenbücher/Taufbücher in Erfahrung bringen, wo der Wohnort der Eltern damals war, vorausgesetzt man hat nicht nur den Wohnort, sondern auch noch zusätzlich die Straße (evtl. auch die Hausnummer) in den Unterlagen vermerkt. Allerdings wird es in Charlottenburg damals evtl. mehrere Bezirke und auch schon etliche Kirchengemeinden gegeben haben, was dann viel Arbeit, weil viele Standesämter und Geburtsregister und/oder viele Taufbücher bedeutet. Aber leider keinen sicheren Erfolg garantiert. Viel Glück bei der Suche.

    Lieber Pagentorn,


    es würde mich aufrichtig freuen, wenn du bliebest. Ich denke, dass ich da für viele Leser deiner Beiträge spreche, wenn ich dir mitteile, dass ich diese stets mit großem Interesse gelesen habe. In vielen Bereichen teile ich auch deine Auffassungen. Dass du für deine Überzeugungen und mit deiner Meinung andererseits teilweise auch auf Widerspruch stößt, das kann in der heutigen Zeit gar nicht anders sein. Darüber solltest du stehen und dir die von dir als Schmähungen empfundenen und auch mit Schärfe vorgetragenen anderen Positionen, nicht gar zu persönlich zu Herzen nehmen. Vielmehr versuchen, darüber zu stehen


    Im Taubertal, also im Fränkischen, gibt es dafür einen kernigen Spruch:

    Viel Köpf', viel Sinn',

    viel Ärsch', viel Winn'


    Hochdeutsch:

    Viele Köpfe, viele Sinne,

    viele Ärsche, viele Winde.


    Oder aber mit dem kräftigen Spruch des Götz von Berlichingen, der einst von der Burg Krautheim an der Jagst herabgerufen wurde, den ich hier nicht zitieren möchte, da er als allgemein bekannt gilt, wenn es auch einige Abwandlungen davon geben mag. Und wenn man ab und zu mal von Herzen lachen kann, dann ist das gut, denn das Lachen ist gesund. Es ist dann alles nur halb so schwer.


    In diesem Sinne, lieber Pagentorn, lege dir möglichst ein "dickes Fell" zu und bleibe uns hier erhalten.

    Zu den Sorben bzw. Wenden habe ich mal über Anwerbungsversuche des russischen, zaristischen Geheimdienstes aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg gelesen. Es war wohl ein Zeitungsartikel anlässlich des Ausbruchs des I. Weltkriegs bezogen auf die Lausitz. Sinngemäß meine ich mich zu erinnern, dass sämtlichen Anwerbungsversuche des zaristischen Geheimdienstes scheiterten, zumal die Sorben/Wenden sehr wohl wussten, unter welchen erbärmlichen Verhältnissen und in welcher Not die Bauern und Gutsarbeiter in Russland lebten. Bei uns in Deutschland hatte jeder Bauer, Guts- oder Fabrikarbeiter zumindest ein Paar Schuhe aus Leder. In Russland hingegen, trugen die Leute anstatt Schuhen Lumpen um die Füße gewickelt, selbst in den bitter kalten russischen Wintern. Das ist nur ein Beispiel von sicherlich vielen. In Russland war die Infrastruktur, was Straßen, Wasserversorgung etc. anbetrifft, weit hinter den deutschen Zuständen zurückgeblieben, was auch für die ärztliche und medizinische Versorgung zutraf.


    Ein Leben unter der zaristischen/russischen Knute hätte für die sorbisch/wendischen Bauern, Guts- oder Fabrikarbeiter einen in vielerlei Hinsicht massiv schlechteren und deutlich niedrigeren Lebensstandard als in Sachsen oder Brandenburg bedeutet. Obwohl der russische Geheimdienst das Leben unter russischer Herrschaft in den heitersten Farben malte und an den Panslawismus erinnerte, ging von den Sorben/Wenden niemand auf den Leim.


    Dass ich keine Quellenangaben machen kann, wo ich das gelesen habe, möge man mir bitte nachsehen. Am Wahrheitsgehalt dieser Sache, hege ich jedenfalls keine Zweifel.

    Lieber Seinsheim,


    danke für den Hinweis auf das Boxberg'sche Palais. Von diesem wusste ich bisher gar nichts. Dein Wikipedia Link zeigt auch Fotos dieses prachtvollen Palais. Es muss ein Juwel der Architektur gewesen sein, dessen Verlust man nur zutiefst bedauern kann. Stellt sich mir die Frage, ob es, wenn es nicht 1899 abgebrochen worden wäre, das Inferno von 1945 überstanden hätte. Vermutlich eher nicht.

    Danke lieber Heimdall,


    immerhin legt, gerade durch die räumlichen Nähe zum Bahnhof Bismarckstraße, schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit einen Bezug zum Familienwappen Bismarcks nahe. Da der Bahnhof 1911 erbaut wurde, die Brücke wohl auch um diese Zeit einstanden sein dürfte, so war dies ja immer noch eine Zeit der großen Bismarckverehrung, obwohl Bismarck ja bereits 1898 verstorben war. In Burg im Spreewald wurde sogar noch 1915, also während des I. Weltkriegs, ein Bismarckturm errichtet (wohl zu Bismarcks 100. Geburtstag). Die Adler der Brücke hätten, jedenfalls mit Bismarcks Wappen auch zur Bismarck Verehrung jener Epoche gepasst.


    Wie du, Heimdall übereinstimmend mit Seinsheim festgestellt habt, ist zumindest heute, auf dem Wappenschild, das der Adler hält, kein Bismarck'sches Familienwappen mehr zu erkennen. Vielleicht wurde auch das Bismarck'sche Wappen heraus- oder abgemeißelt, wie unser lieber Seinsheim weiter oben dazu anmerkt. Vieles ist möglich, in über 100 Jahren kann viel passiert sein.

    Hallo Risalit,


    auf dem Foto mit dem Adler meine ich zu erkennen, dass der Adler ein Wappen in seinem Klauen hält. Was allerdings auf dem Wappen dargestellt ist, kann ich jedoch nicht erkennen. Da die Brücke Bismarckbrücke heißt, könnte es sich vielleicht um Bismarcks Familienwappen handeln. Dann müssten drei Kleeblätter dargestellt sein. Mitunter steht auf den Bismarck'schen Familienwappen auch noch der Spruch: "In Trinitate robur." Übersetzt bedeutet dies: Der Wappenspruch: „In trinitate robur“ (In der Dreieinheit Kraft). Er wird in sinniger Weise in Beziehung gebracht zu den drei Genossen Bismarck, Moltke und Roon, die im Feuer der Schlacht aus echtem Golde die Reifen der Kaiserkrone geschmiedet hatten. Man kann die Dreiheit (Trinitatis) aber auch auf die Heiligste Dreifaltigkeit (Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geist) beziehen.


    Vielleicht ist aber auf dem Wappen, welches der Adler hält, auch etwas ganz anderes dargestellt.

    Hallo Leonhard,


    auch von mir vielen herzlichen Dank für die ebenso sachkundige wie interessante Führung und Vorstellung der Bauten der Ludwigstraße nebst deren Entstehung und Geschichte. Auch die anschauliche Illustration durch die vielen wunderschönen Fotos ist sehr gelungen, sogar von alten Bildern, die von der unter gegangenen Pracht der einstigen Innenausstattung künden, das möchte ich lobend hervorheben.

    Die Erbschaftssteuer als Reichssteuer wurde 1906 eingeführt.


    Die Lohnsteuer wurde ab 1920 vom Arbeitslohn der Arbeiter und vom Gehalt der Angestellten einbehalten. Das war zumindest teilweise durch die enorm hohen Reparationszahlungen bedingt, die Deutschland ja irgendwie aufbringen musste. Da Lohn und Gehalt damals meistens bar ausbezahlt wurden (Lohntüte), wollte der Staat vorbeugen, dass die körperlich schwer arbeitenden Männer, z. B. Industriearbeiter und Bergleute, wie damals, besonders im Ruhrgebiet üblich, einen Großteil des Lohns am Zahltag gleich in Bier und Korn umsetzten. Dann hätte der Staat die Lohnsteuer in vielen Fällen nicht erhalten, wenn nicht vor der Auszahlung des Lohns die Lohnsteuer vom Arbeitgeber nicht abgezogen und an das Finanzamt abgeführt worden wäre. Deshalb der Abzug noch vor der Auszahlung des Arbeitslohns. Auch muss man bedenken, dass von dem nicht versoffenen Anteil des Lohns, auch noch die Familie ernährt werden musste.

    Und die Umsatzsteuer wurde als "Reichsstempelabgabe" erst 1916, wegen der enormen Kriegkosten, eingeführt. Auch mit einem sehr niedrigen Prozentsatz. Vor 1916 hatte es also gar keine Umsatzsteuer in Deutschland gegeben.

    In diesem Zusammenhang sei auch an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft erinnert, die anlässlich des 100. Gründungstags der Berliner Universität im Jahre 1911 von Kaiser Wilhelm II. gegründet wurde. Er war ihr Schirmherr und förderte die international angesehene Gesellschaft nach Kräften.

    Schöner ist es m. E. aber ganz gewiss nicht geworden. Was mich auch gar nicht wundert. Der entstuckte Bereich wirkt auf mich steril, triste und langweilig. Früher war der Einfluss des Jugendstils an der Fassade unverkennbar, auch oben am Giebel, wo man ganz oben ein beliebtes Motiv des Jugendstil, eine Sonne mit ihren Strahlen erkennen kann. Früher war es ein Haus mit einem individuellen Gesicht, heute wirkt die Fassade wie ein Gesicht eines Invaliden, der schwere und schwerste Plessuren erleiden musste.

    Schön, dass das Dach nun auch so wunderbar wieder hergestellt wurde. Danke für die zusätzlichen Fotos. Das war auf den zuerst eingestellten Bildern leider nicht zu sehen, sonst hätte ich dazu gar nichts geschrieben.

    Die Rekonstruktion des Peißnitzhauses ist bestimmt eine gute Sache. Doch sollte m. E. der heute leider völlig fehlende, weite Dachüberstand am Hauptgiebel wieder hergestellt werden, so wie er auf den historischen Fotos zu sehen ist. Das verleiht dem Haus eine viel großartigere Wirkung und überdies stellt ein großer Dachvorsprung/Dachüberstand einen wirksamen Schutz der Außenmauern vor Regen und Nässe dar.


    So haben z. B. wir im Jahre 2015 die in der 1960 er Jahren entfernten Dachüberstände unseres anhand alter Fotos Hauses rekonstruiert. Danach hatten uns gegenüber viele Leute anerkennend gemeint, unser Haus habe durch diese Maßnahme enorm gewonnen, es sähe dadurch sehr gut aus. Dies geht mit dem besseren Schutz des Gebäudes vor den Unbilden der Witterung einher.

    Lieber Heimdall,


    eine kleine Anmerkung sei mir bitte gestattet. Zwischen Wildtauben (sie werden oft und wohl auch nicht zu Urecht als "Ratten der Lüfte" bezeichnet) und den im Stall oder im Taubenturm gehaltenen Haustauben besteht ein sehr großer Unterschied. Ein mit feinen Körnern gefüttertes Haustäubchen soll dem Vernehmen nach einen ganz wunderbaren und überaus zarten Geschmack haben. Es gab, zumindest vor einigen Jahren, in Impfingen (heute Ortsteil von Tauberbischofsheim) einen Landwirt, der Haustauben hält, aber auch schlachtet und zum Verzehr feil bietet. Dort hat ein vor etlichen Jahren ein Bekannter von mir, ein Zahnarzt im Ruhestand, mehrfach ein Täubchen verzehrt und war total begeistert, auch wenn freilich "nicht viel an Fleisch dran ist". Im Alter von 5 Jahren hatte ich auch mal von einem Taubenbraten gekostet, das Täubchen war meiner Großmutter von Ihrer Schwester geschenkt worden. Nach über 60 Jahren habe ich aber freilich keine Erinnerung an den Geschmack.

    Hainewalde ist ein hübsch gelegener Ort, der direkt an Tschechien grenzt, unweit von Zittau gelegen. Es gibt dort zwei Schlösser. Das hier zuerst gezeigte ist ein Wasserschloss aus der Renaissance, wobei es allerdings streng genommen nur das Torhaus eines abgegangenen Schlosses ist. Allerdings ist es doch recht beeindruckend und malerisch. Heute führt eine steinerne Bogenbrücke über den Wassergraben zum Tor. Dieses Torhaus stellt den einzig erhaltenen Rest des alten Schlosses der Familie von Nostitz dar und wurde 1564 erbaut.




    Das auf dem Foto