Posts by Nibelgauer

    Heimdall: Zu den grünen Planen und der Lücke Eberhardstraße 63 neben dem Tagblattturm kann ich dir leider nichts sagen. Die Fassade Eberhardstraße 65 wurde ja schon länger wieder aufgerichtet (Gottseidank!). Aber auf der Leerstelle dazwischen tut sich soweit ich das erkennen konnte noch recht wenig. Ich kann mir das wenn ich das nächste mal unten bin aber gerne etwas genauer anschauen.

    Das Bild hatte ich noch vergessen.


    Dieser wunderschöne Anblick bietet sich einem, wenn man das obige schöne Plätzchen mit dem Hans-im-Glück-Brunnen drauf bewundert - und sich dann um 180° umwendet. Das wird durch dieses Bauvorhaben repariert - zumindest so, dass man keinen ästhetischen Schock mehr erleidet ...


    Im idealen Fall hat man danach einen (fast) bruchfreien 360°-Altstadt-Blick ... und das mitten in der Stuttgarter Innenstadt!


    Ich hoffe, dieser Strang passt ... Anbei mal ein paar Bilder von der Bau-Sitaution Eberhardstraße18-22 (aktuell eher noch: Abriss-Situation), die ich unten im Kessel vor ein paar Tagen gemacht habe ... vielleicht sind sie von Interesse, auch wenn man noch nicht viel sieht :-)

    Ich denke, das Vorhaben ist den meisten bekannt.


    Generell: Ich finde das Projekt ziemlich gut ... für Stuttgarter Verhältnisse.

    Die Architektur ist nicht wirklich der Brüller in Breitwand. Wie so oft bei Stuttgarter Projekten muss man sich aber auch hier die Ausgangssituation anschauen - und die ist eben leider unterirdisch. Dieser alte Anbau des Kaufhof-Gebäudes ist nicht nur auf den ersten Blick und für sich genommen hässlich, sondern er hat auch Blickbeziehungen vernichtet - gerade an einer Stelle, wo ein relativ intaktes Altstadtgefühl entstehen könnte. Dieser mehrgiebelige Bau repariert das recht wirkungsvoll und baut die bestehenden Altstadt-Reste nach Westen relativ bündig weiter ... was für Stuttgarter Verhältisse geradezu als Sensation bezeichnet werden kann. Noch besser: 1. Wettbewerb-Sieger war eine Schachtel-Architektur mit Schießscharten, die aber auch in den Augen der Stadtverantwortlichen nun so augenfällig hässlich war, dass sie ausnahmsweise rebelliert haben und den Auftrag an ein nachplatziertes Büro vergeben haben - einfach, weil deren Plan altstadtverträglicher ist ... (Wie gesagt: Für Stuttgart ein tatsächlich revolutionärer Vorgang ...)


    Der Anbau in seiner (bereits im Abriss befindlichen) ganzen Schönheit:




    Unter dem straßenüberbauenden Riegel mit Blick auf die Illustration dessen was kommt (die Gebäude ganz recht sind neu ... Die in der Mitte gibt's schon):



    Die Schokoladenseite des Anbaus ... Eigentlich befindet sich hier der Eingang in ein schönes Altstadtquartier. Und gerade hier war das Gebäude besonders abstoßend mit einer schlecht gepflegten, relativ versiffeten Anliefer-Hinterseite mit Müllcontainern ...




    Und das sieht man, wenn man ein Meter in die Geißstraße reingelaufen ist ... wodurch vielleicht klar wird, warum diese Reparatur für die Stuttgarter Innenstadt so wichtig ist:


    Ich hoffe, das hat funktioniert ... Ist da erste Mal, dass ich Bilder hochlade ...

    Auwei …Die PNN scheint da irgendwann langsam abzudriften. Ich hab nicht unbedingt was gegen Haltungs-Journalismus, aber wenn man das journalistisch sauber machen möchte gehört doch dazu, dass die geäußerten Meinungen nicht ständig nur auf einer Seite stattfinden. Zudem scheint mir die Truppe stilistisch überfordert:


    Zitat: „Es wäre nicht verwunderlich, wenn manch einem diese Bezeichnung (Europakirche) als Hohn erschiene.“


    Ich möchte der Frau Calvez nicht zu Nahe treten … Aber vielleicht hätte sie über den Satz nochmals nachdenken sollen. So wie er da steht, wäre er ein Fressen für jede Volo-Schreibwerkstatt.

    Und der Artikel von Herrn Kramer, Zitat: „Harsch fielen Internet-Kommentare von Gegnern der Garnisonkirche zum Mitteschön-Konzept aus – so spottete ... (n.n.) ..."

    Soso … Sind Internetkommentare für die die Redakteure der PNN also eine übliche Quelle für O-Töne?

    Natürlich gibt es überaus seriöse Internetforen (😊). Trotzdem sollte man als seriöse Tageszeitung mit Entnahmen aus dem Fundus äußerst zurückhaltend umgehen.

    Hm. Sag ich ja. Der Bundespräsident hätte in seiner Rede darauf hinweisen können/müssen, dass wir damals nicht „allein böse“ waren. Aber die Frage, ob wir nun chauvinistischer waren oder doch die anderen ist doch ein bisschen müßig, oder? Letztlich müssen wir ja in unserer eigenen Bude kehren – und damit zurechtkommen, was schieflief und warum. Sicherlich: Es hätte geholfen, wenn das Reich nach Bismarcks Aussagen, dass es „saturiert“ sei, auch dauerhaft so gehandelt und z. B. auf das Drängen nach kolonialem Besitz verzichtet hätte. Es hätte sicherlich – auch in der späteren Betrachtung – geholfen, wenn einige deutsche Militärs beim Ausbruch des 1. Weltkriegs nicht davon schwadroniert hätten, man könne sich bei der Gelegenheit ja gleich noch dauerhaft Flandern einverleiben. Man könnte andererseits sicher auch darauf hinweisen, dass z. B. die aktive „Chauvi-Phase“ der Briten über 400 Jahre angedauert – und erst in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts geendet hat. Aber was hilft’s? Und ich bleib dabei, lieber Heimdall: Dass die europäischen Mächte anno 1914 übereinander herfielen wie Raubtiere, war nicht zwangsläufig eine Folge der Tatsache, dass die handelnden Personen damals schlicht nicht das Wissen hatten, das wir heute haben (Stichwort: 2 Weltkriege). Es war ein fatales persönliches und nicht zwingendes Versagen der damaligen Verantwortlichen auf ganzer Linie. Das Bewusstsein für verbindende Linien in der europäischen Kultur war damals durchaus vorhanden – es hätte nur einige mutige Menschen an entscheidender Stelle gebraucht, die über ihren nationalen Schatten springen (Stichwort: Schlafwandler). Die gab’s bei uns nicht – und in anderen Staaten leider auch nicht. Somit fuhr das Kaiserreich gegen die Wand – die anderen nicht, deswegen können sie heute ihre Geschichte verklären und haben wunderbar perlweiße Nationalfeiertage – und wir haben schöne Diskussionen über Fehlstellen in präsidialen Ansprachen.

    Ich finde die Rede unseres BPs eigentlich gar nicht so schlecht – im Prinzip. Sie hakt allerdings m. E. vor allem an zwei Punkten:


    1. Es jährt sich zum 150. Mal der Tag, an dem Deutschland ein Land wurde. Über die Umstände („von oben herab“ usw.) kann/muss/darf man kontrovers diskutieren. Es gibt da sicher viel Schatten. Unterm Strich möchte ich aber mal festhalten, dass ich (wie vermutlich/hoffentlich die meisten Deutschen) froh bin, ein solcher zu sein – und die Grundlagen dafür, dass ich einer sein darf und ein Land habe, in dem ich das sein darf, eben damals gelegt wurden. Das Ganze hat viele (auch emotionale) Facetten. Aber allein schon das Thema wirtschaftliche Prosperität, das sich – durch Kriege interessanterweise kaum gebrochen – durch unsere Geschichte zieht und damals mit dem „Start“ des Kaiserreichs einen gewaltigen Impuls erlebte, darf man doch durchaus positiv werten. Also: Es gebührt sich diese klitzekleine Emotion „Freude“, an einem solchen Tag zuzulassen und das meinetwegen ambivalent zu betrachten. Und das würde ich auch von einem Bundespräsidenten erwarten. Ich habe dieses klitzekleine Quäntchen Freude nicht wirklich herausgehört. Oder war das dieses verschmitzte Schmunzeln, das er zwischen den Zeilen seiner Rede eingeflochten hat?


    2. Woran ging das Kaiserreich zugrunde? Dass es zugrunde ging hat sicherlich mit innerer/charakterlicher Schwäche der führenden Clique, Militarismus, Arroganz, Mangel an echter Demokratie usw. zu tun. Aber alle das hätte nicht notgedrungen zum Untergang führen müssen. Wahr ist eben auch, dass da sehr viel Missgunst und Neid der anderen Nationen eine Rolle spielte. Es gab Bünde, die sich gezielt gegen dieses Land richteten. Wie gesagt: Nicht unverdient. Der auftrumpfende Nationalismus unserer Vorväter war für die Nachbarn wahrscheinlich wirklich schwer erträglich. Etwas mehr Bescheidenheit, ein früheres Einlassen auf europäische, gemeinsame Politik, ein paar Konzessionen (wie z. B. der Verzicht auf den Anspruch eine weltweite Seemacht zu werden) wäre evtl. heilsam gewesen. Trotzdem: Auszuführen, dass das Kaiserreich sich quasi ausschließlich durch innere Mängel selbst zum Einsturz brachte, greift zu kurz. Bei etwas mehr Konsilianz der uns umgebenden Staaten gegenüber diesem neuen, aus einem nicht zu bestreitenden inneren Recht heraus, neu entstandenen Machtblock, wäre auch eine andere Entwicklung möglich gewesen. Das soll nun kein Nachtreten gegenüber unseren Nachbarn sein, die ich wirklich sehr liebe. Ich bin froh, dass wir uns mittlerweile verstehen und bin auch ein großer Freund der europäischen Einigung. Aber, alle Trübsal der Geschichte, uns selbst bzw. unseren Vorfahren anzulasten finde ich ... manchmal etwas einseitig.

    Ja, stimmt schon. Zeitgeist, ökonomische Bedingungen, der Blick auf die eigene Geschichte usw. fördert oder behindert Rekonstruktionen – und diese Voraussetzungen mögen sich über die Jahre ändern. Die vom Autor beschriebenen bundesweiten „Wellen“ kann ich aber trotzdem nicht erkennen. Die den maßgeblichen Rekonstruktionen zugrundliegenden Entscheidungen ziehen sich doch quer durch die letzten 40 Jahre und waren immer lokale Besonderheiten: 80er-Jahre Samstagsberg, Anfang 90er-Jahre Frauenkirche, Anfang 00er-Jahre Stadtschloss/Potsdamer Schloss, Anfang 10er-Jahre (ca.) Frankfurter Altstadt ... Sorry, ich weiß, es ist etwas kleinkariert, darauf rumzureiten. 😉 Aber ich mag dieses Bild der Welle nicht, denn es impliziert, dass wir jetzt in die Ebbe rutschen und die Zeit für größere Rekonstruktionen auf absehbare Zeit vorbei ist. Gerade in Potsdam wird die nächsten 10 Jahre doch noch einiges passieren. In Dresden gibt es noch Potenzial. Und auch in Frankfurt hab ich noch Hoffnung – zumindest für Einzelprojekte. Klar, die öffentlichen Kassen sind jetzt erstmal leer. Aber maßgebliche Rekonstruktionen können ja auch von Investoren gestemmt werden ... siehe z. B. das Signa-Karstadt-Projekt ... oder das Narrenhäusel in Dresden usw. ...

    Ich halte den Artikel für relativ ausgewogen. Was mich aber irgendwie stört ist die These, die Rekonstruktionen in Deutschland würden in „Wellen“ verlaufen.

    Zunächst einmal finde ich das Wort sehr unglücklich gewählt. Das hört sich für mich so an, als ob man es hier mit quasi schicksalhaften Entwicklungen zu tun, die hie und da mal übers Land schwappen – ohne dass man’s so richtig gewollt hat – und dann wieder verebben … ähnlich erstrebenswert wie bei einer Pandemie ….

    Zum Zweiten halte ich die Einteilung in drei Phasen für relativ gewagt. Direkt nach dem Krieg ging es doch nicht um Rekonstruktionen im heutigen Sinn. Man hat die teils massiv beschädigten, ausgebrannten Wohngebäude, Rathäuser, Kirchen, Schlösser (z. T. zunächst notdürftig) wieder hergestellt … Dachstühle wieder hochgezimmert, eingestürzte Mauern wieder aufgemauert, hinter leeren Fassaden wieder Zwischenböden eingezogen usw. … eine Wahnsinnstat für die damalige Zeit. Aber diese Wiederherstellungen waren doch in den seltensten Fällen echte Komplettrekonstruktionen – mit ganz wenigen Ausnahmen wie dem Goethe-Haus in Frankfurt.

    Womit der Autor wohl Recht hat, ist, dass die Diskussion hinsichtlich „echter“ Rekonstruktionen gegen Ende der 70er Jahre in Ost und West losging. Tatsächlich trugen diese Bemühungen „schubhaft“ Früchte . Diese „Schübe“ ereignen sich m. E. nach aber weniger landesweit als vielmehr regional und es sind immer spezifische lokale Aspekte, die zum Tragen kommen. In Frankfurt wurde in den 80er-Jahren die Römer-Ostzeile wiederaufgebaut. Diese Maßnahme war unbedingte Vorbedingung dafür, dass die Sehnsucht in den Menschen wuchs, das städtebauliche Loch zwischen Dom und Römer nun wieder komplett zu schließen. Ähnlich wäre der Dresdner Neumarkt ohne die Frauenkirche nicht denkbar, die (teilweise) Rückkehr zur innerstädtischen Stadtstruktur in Potsdam nicht denkbar ohne das Schloss …. Ähnlich läuft es doch auch in Berlin. Nun steht das dortige Schloss – und daraus ergeben sich wieder ganz andere Fragen wie: Muss man dem Schlossplatz seine ost- und westseitige Fassung wieder geben, damit daraus wieder ein echter Platz wird? Warum sieht der Marsstall plötzlich so armselig aus? (vor dem Schloss war er in seiner giebellosen Versehrtheit noch das historische Highlight an dieser Brache) … usw.

    Insofern: Ich würde weniger von „Wellen“ sprechen, sondern von Schritten, die man bezüglich Rekonstruktionen vor Ort gehen muss. Leider – und das hat der Autor wiederum korrekt beobachtet – verlaufen bzw. entwickeln sich solche Schritte und die ihnen zugrundliegenden Einsichten häufig unendlich langsam … Oft wird da eine Generation und länger diskutiert bis es tatsächlich in irgendeiner Form weitergeht – oder nicht.

    Der Mehring-Platz ist wahrscheinlich der schlimmste städtebauliche Totalschaden in dieser an Totalschäden nicht gerade armen Stadt. Das Ganze wirkt, als hätten die Architekten da mit Absicht etwas konstruiert, das für nachfolgende Generationen nur mit größten Anstrengungen wieder entwirrt werden kann. Dass die Friedrichsstraße hier quasi als Sackgasse endet ist doch ein Treppenwitz, der Straßendurchbruch zur Brücke über den Landwehrkanal wäre die einzige sinnvolle Lösung – gleichzeitig aber auch total unrealistisch. Die einzige Qualität dieser Anlage ist dieses nach innen gerichtete grüne Refugium. Und da wo die Viktoria jetzt steht ist sozusagen der ruhende Kern, das "soziale" Herz ... wie auch immer. Keine Ahnung, ob die Menschen, die dort wohnen die bauliche Qualität ihrer Wohnungen schätzen – aber diese „Grüne Mitte“ werden sie lieben und mutmaßlich jeden massakrieren, der dieses Konzept umkehren möchte – was ich gewissermaßen sogar nachvollziehen kann. Aber es müsste doch möglich sein, zumindest diesen südlichen Riegelbau abzutragen, damit zumindest die Sichtbeziehung vom Landwehrkanal nach Norden und vice versa wieder entsteht. Es wäre zumindest ein Anfang ...

    Zitat von OB Feldmann in dem Interview mit der FAZ:


    "In einem Punkt bin ich mit den Berlinern völlig d’accord: Man muss die Paulskirche besser erklären. Das Gebäude versteht man nicht von selbst."


    Bei der Argumentation rollen sich mir ein bisschen die Zehnägel auf. Bei einem Gebäude, das man "erklären" muss, damit die Menschen, die es betreten verstehen, ist doch irgendwas nicht richtig, oder? Eigentlich beweist doch diese Aussage, eben gerade, dass der Status quo Murks ist. Die Paulskirche sollte so umgebaut werden, dass sie sich nach Betreten aus sich selbst heraus erklärt! Keine Frage, dass die Menschen, die sie besuchen noch zusätzliche Informationen erhalten sollten ... Aber dass die Grundaussage "Geburtsort des gesamtdeutschen demokratischen Parlamentarismus" dem Gebäude an sich immanent sein muss, sollte doch eigentlich sonnenklar sein ... Naja, so müssen wir wohl auf die nächste Renovierung in 20 Jahren warten ... :augenrollen:

    Naja ... Aufklärung und Kommunismus entstanden aus ziemlich finsteren bzw. totalitären Ausgangssituationen heraus und entwickelten von daher ihre rasche (und im Fall der Aufklärung) ja auch ihre berechtigte Dynamik. Ich denke doch, dass die Ausgangssituation heute etwas ausgewogener ist und ich von daher eher weniger erwarten würde, dass unserem Gemeinwesen zu starken Ausschlägen neigt ... Ich weiß schon, auf der Skala zwischen Pessimismus und Optimismus was die Entwicklung unseres Landes anbelangt gehöre ich eher zu denen, die recht positiv denken. Man möge mir deswegen Blauäugigkeit vorwerfen ... Aber ich hab ja mittlerweile auch schon ein paar Jahrzehnte Erfahrung mit diesem Land. Und bisher hat sich mein Vertrauen dahingehend, dass sich (im Großen und Ganzen und mit Rückschlägen) immer Vernunft durchsetzt immer bewahrheitet ...

    Ich denke auch, man muss solche Diskussionen ein Stück weit aushalten. Mir dreht’s bei der einseitigen („zu wenig diversen“) Argumentiererei zwar ebenfalls den Magen um. Angesichts solcher Veranstaltungen, sich darüber zu echauffieren, wie „arm“ unser Land doch dran ist, ist aber fehl am Platz. Es macht unser Gemeinwesen doch gerade aus, dass sich solche Nischenmeinungen – wie abgedreht sie auch immer sein mögen - sich austauschen können und meinetwegen sogar ein Forum in der Tagespresse finden. Auch wenn eine irgendwie geartete „Kontextualisierung“ in Form einer Ausstellung o.ä. oder einer nebengeordneten modernen Ergänzung stattfinden sollte, macht mir das nix. Sowas ist in aller Regel nach 20-30 Jahren eh wieder weg oder überarbeitet bzw. wird von kaum einem bemerkt. Das Denkmal an sich wird unangetastet bleiben. Daran zweifle ich keine Sekunde. Dafür steckt dieses Denkmal doch zu tief in der Seele dieser Stadt – und der Kerl an sich in der Volksseele. Nee, da wird sich keiner ernsthaft rantrauen …

    Hauptproblem bei dieser Häuserreihe ist dieser - Entschuldigung - blödsinnige Versprung zwischen rekonstruiertem Bofrashaus und den Neubauten. Solche Versprünge gibt es in kriegszerstörten Städten zuhauf. Oft steht da ein schöner Altbau, über die nächsten Parzellen zieht sich dann ein im typisch postbellischen Hungerstil errichteter Horizontal-Riegel - hundertprozentig ein Stück im Straßenverlauf zurückversetzt, so dass der Eindruck städtebaulicher Harmonie so richtig schön schmerzhaft durchbrochen wird, gerne noch mit Mülltonnen davor und reihenweise Garageneinfahrten untendrin. Dass solche Verfehlungen in den stilverarmten Nachkriegsjahren geschehen sind, kann ich noch halbwegs nachvollziehen. Aber warum baut man so etwas heutzutage an so einer Stelle mit voller Absicht?? (Na gut, zumindest fehlen die Garagentore und der Rundbogen in der Mitte sieht recht gut aus ..,)

    Piefke, Marmeladinger ... Mich als Allgäuer lassen so Garstigkeiten eh immer relativ ratlos zurück. Butter gab's bei uns eigentlich immer - auch in dunkelsten Kriegszeiten. Und unser Dirigent hat Freitagabend in den Proben nie was von Piefke und Konsorten aufgelegt, sondern (fast) ausschließlich österreichische Märsche ... Seither liegt mir der Florentiner sehr viel mehr im Blut als Preußens Gloria und Petersburger ... :biggrin:

    Um zum Thema zurückzukehren ... Mein persönliches Überraschungs-Highlight (international gesehen): Buenos Aires! Eine gigantische Stadt, von Wirtschaftskrisen gebeutelt, aber der Reichtum, der sie einst groß machte, ist immer noch erkennbar. Gerade das Zentrum dieser Mega-Metropole ist bei allem Zerfall von (immer noch) prächtigen Bauten geprägt. Die teils recht uneuropäisch hohen aber trotzdem europäisch anmutenden Bauten schaffen ein ganz eigentümliches Mittelding aus Neuer und Alter Welt. Besonders beeindruckend: Gebäude wie das Palacio Barolo an der Avenida de Mayo. Dazu kommt noch der kulturelle Reichtum der Stadt … das saugute Essen …die sehr gastfreundlichen Menschen …

    Wenn Ihr in eurem Leben irgendwann mal die Chance dazu habt: Schaut euch das an!

    Quote

    Unsere heutigen Nationalstaaten sind bekanntermaßen nicht flächenidentisch mit alten Sprachgemeinschaften.

    Das stimmt. Aber gleichzeitig ist unser Land eben entstanden aus dem Bestreben der Menschen unseres Sprachraums, in einem einigen durch diese Sprache geprägten Land leben zu wollen. Insofern geht es mir zu weit, alle - in welcher regionaler Ausformung auch immer - „Deutschsprachigen“ aus vornationaler Zeit komplett von der Zuschreibung „deutsch“ abzugrenzen. Vielmehr sehe ich historisch alle Menschen, die deutsch gesprochen haben, aber außerhalb des heutigen Bundesgebiets lebten, (zumindest AUCH) als Deutsche - zumindest bis zu jener Periode, in der ihre Heimatregionen möglicherweise eine eigene nationale vom restlichen Sprachraum abgegrenzte und anders als durch Sprache definierte Identität entwickelten … Bei den Schweizern war des recht früh, möglicherweise kurz nach dem Schwabenkrieg zum Ende des Mittelalters, bei den Niederländern etwas später, ca. nach dem 30-jährigen Krieg … Bei den Österreichern – hm, schwer zu sagen – vermutlich irgendwann zwischen 1866 und 1945. Dass dies nur ein mögliches Narrativ ist und die Bewohner der "kontinentalgermanischen" Länder um uns rum andere haben, ist mir klar. Deswegen kann man über Fragen wie „War Mozart Deutscher oder Österreicher?“ oder „War Rubens Belgier oder Deutscher?“ auch so wunderbar und vollkommen unergiebig streiten …

    Der FAZ-Artikel verrät ein pikantes Detail. Wenn es stimmt, dass diese von ihren Fans so gefeierte Glasfassade des Foyers zunächst durch einen Vorhang abgehängt war, um die innen versammelte Kulturgesellschaft vor den neugierigen Blicken der Draußen-Bürger zu schützen, entlarvt dies das ganze Geschwafel von der ach so demokratischen Offenheit dieser Architektur als fromme Legende.

    Ja, ich weiß ... Da gibt's unterschiedliche Ansichten.

    Jahn-Entwurf


    Ich finde beide Entwürfe monströs - wobei der alte eher "obszön monströs" war, der neue "belanglos monströs". Mich stört an modernen Bauten immer eher, wenn sie belanglos monströs sind, wie in diesem Fall, wo man beim Betrachten der Gebäude eine spontane Depression entwickelt ...

    Aber: Das ist alles Schnee von Gestern und nur (meine belanglose :-)) Geschmacksache! Ich bin den Altstadtfreunden unbedingt dankbar, dass sie auch hier aktiv geworden sind und alles versucht haben!


    Jetzt ist eher die Frage: Wie kann man mithilfe solcher Ergebnisse wie dieser Fassade die Sinne der Verantwortlichen dafür schärfen, dass solche schwierigen Groß-Projekte in Altstädten vielleicht doch mal besser gelingen ... (Beispiele dafür, wie's besser ginge, gibt es ja mittlerweile genug - wie wir alle wissen ...). Jetzt kann man nur hoffen, dass angesichts solcher bzw. im Vergleich der Ergebnisse endlich die Augen aufgehen ...

    Besonders traurig, wenn man bedenkt, dass an dem Projekt über 20 Jahre lang herumgeplant wurde ... Und das kommt am Ende raus. Ich weiß ehrlich nicht, was die Veratwortlichen da geritten hat bzw. reitet. Dieses Monstrum sollte tatsächlich als Mahnmal dienen dafür, was rauskommt, wenn man Stadtplanungsämter, Architekten und Investoren ungebremst machen lässt ...

    Wobei: Zur ganzen Wahrheit gehört, dass m. W. die Altstadtfreunde da durchaus aktiv waren und versucht haben, mäßigend einzuwirken. Aber der Erfolg war in diesem Fall nur, dass der einen schlimme Plan durch einen noch schlimmeren abgelöst wurde ...