Posts by zeitlos

    Bei dem Gebäude Vogelsangstraße 12 handelt es sich um das 1896 von Architekt Friedrich Metzger errichtete Mietshaus „für gehobene Ansprüche“ und es steht nach §2 DSchG unter Schutz.


    Quelle: Liste der Kulturdenkmale in Esslingen am Neckar



    Bezüglich der Besitzverhältnisse liefert diese Vorlage aus dem Jahr 2011 Auskunft. Ob dies aktuell noch zutrifft, entzieht sich meiner Kenntnis: https://ratsinfo.esslingen.de/…7bd600218a61?OpenDocument









    Inhaltlich war der Vortrag gegliedert in eine EINFÜHRUNG mit Begriffsbestimmung, worin festgehalten wurde, dass „Rekonstruktion immer hypothetischen Charakter“ hätte sowie Bildbeispielen nachfolgender Rekonstruktionen aus Peking: Alter Sommerpalast, Luxemburg: Burg Vianden, Schleswig: Schlosspark Schloss Gottorf sowie Hamburg: Sankt Michaelis – Michel.


    Im Weiteren wurden die GRUNDLAGEN für Rekonstruktion erklärt, die da seien: emotionale Triebfeder, Denkmalschutzgesetz und die Charta von Venedig


    Im dritten Teil kamen das „DENKMAL ALS KULTURSPEICHER“ mit seinen besondere Eigenschaften gegenüber der Rekonstruktion zur Sprache. Bildbeispiele waren hier das Palais Rantzau in Lübeck, die Vicelinkirche (Gipsgussmauerwerk) in Bosau und eine Sandsteingravur am Freiburger Münster.


    In einem vierten Punkt wurde die Verbindung zwischen REKONSTRUKTION und Architektur erläutert. Dabei unterschied die Referentin zwischen vier Arten der Rekonstruktion:

    1. Ersatz (am Beispiel Brandenburg, Niederer Fläming, Dorfkirche), 2. Teilrekonstruktion (an den Beispielen Plöner Prinzenhaus, der Burg Engelsdorf in Aldenhoven sowie der alten Sternwarte in Mannheim), 3. Stilreinheit (am Beispiel St. Jakobi in Bornhöved) sowie 4. die Totalrekonstruktion (am Beispiel des Berliner Stadtschlosses), bei welchen es sich im Grunde um Fassadenrekonstruktionen handle und deren Neubau (hier wurde das Tageszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover gezeigt) als solches die jeweiligen Anforderungen der Gegenwart zu erfüllen hätten.

    Referentin Annette Liebeskind unterschied bei der Rekonstruktion zwischen dem „heute“ (umfassender Neubau) und „früher“ (Nutzung baulicher Rest durch Weiterbauen) am Beispiel der Lübecker Rathausfassade.


    Als fünfter Aspekt wurde schließlich der KONFLIKT herausgestellt, wonach Teilrekonstruktionen oft zu lasten vorhandener Bausubstanz gehen ( gezeigt wurde hier merkwürdigerweise „Erichs Lampenladen“, der wie der PdR keinen Denkmalschutz genoss) und wonach der Begriff „Original getreue Rekonstruktion“ falsche Erwartungen erzeugen, er suggeriere, dass der Abriss von historischer Bausubstanz keinen Verlust darstelle („Man könne ja alles wiederherstellen“). Die Referentin sprach sogar davon, dass Rekonstruktionen aus diesem Grund „gefährlich“ seien.


    Aus ihrem Vortrag entnahm ich insgesamt eine ablehnende Haltung gegenüber den jüngeren Rekonstruktionsobjekte, selbst am Beispiel der neuen Frankfurter Altstadt sprach sie von „Verlusten“. Ihrer Haltung nach seien Rekonstruktion auch deshalb problematisch, weil sie das Original niemals ersetzen könnten. Aspekte der Ästhetik und Schönheit, welche von der Stadtbildpflege pro homine mehrfach herausgestellt wurden und längst wissenschaftlich belegt sind, spielen für die Denkmalpflege keine Rolle.

    Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich auch deshalb gegen die Zerstörung jüngerer relevanter Schichten zu Erreichung von Stilreinheit und gegen Totalrekonstruktionen ein, wenn Denkmale dadurch vernichtet werden.

    Hierbei wird aus meiner Sicht vor allem der Anspruch erhoben, Wächter über die Bausünden der Moderne und des Modernismus zu sein. Auf die interessante Frage eines Teilnehmers, ob auch Rekonstruktionen Denkmalwert erreichen können, sagte die Referentin, dass dies zwar möglich sei, aber einer späteren Generation obliege darüber zu entscheiden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte jedem aufgefallen sein, dass die aktuelle Denkmalpflege hierzulande mit zweierlei Maß misst. Ansonsten dürfte sie modernistische Bauten der Gegenwart nicht bereits unter Schutz stellen.


    Am Webinar nahmen ca. 50 Teilnehmer teil.


    Zum Vormerken, folgender Termin, bei dem wohl auch schärfere Geschütze gegen das Anliegen der Stadtbildvereine und Rekonstruktionen vorgetragen werden:


    Freitag, 02. Oktober 2020, 9:30 - 17:30 Uhr


    Der Traum von einer verlorenen Zeit – Aktuelle Wiederaufbauten

    und Rekonstruktionsprojekte


    Tagesseminar für Denkmal- und Kulturinteressierte

    Deutsche Stiftung Denkmalschutz I Brüderstraße 13 I 10178 Berlin


    „Die Rückbesinnung auf verloren gegangene Monumente und hieraus erwachsende teils groß angelegte Wiederaufbau-Initiativen sind ein Trend unserer Zeit. Was ist der Grund für solche Rückbesinnungen und Wiederbelebungsversuche? Welchen Mehr- und Stellenwert hat ein Original im Vergleich zu anachronistischen Neubauten? Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzt sich stark für den Erhalt von Originalbauten ein und will in diesem Seminar Gründe und Wege aufzeigen, dies zu unterstützen.“ Teilnehmergebühr: 130 €




    Klotzenstein


    Diese Anfrage hatte ich auch an die Moderatoren während des Vortrags gerichtet, ob dieser nachträglich online gestellt wird? Die Webinar-Teilnehmer haben daraufhin im

    Anschluss die Vortragsfolien per E-mail erhalten. Es besteht jedoch die dringende Bitte diese nicht weiterzugeben. 🤷🏼‍♂️

    Von grundsätzlich war auch nicht die Rede. Jedoch eben auffällig und häufig, vielleicht auch vermehrt bei Bauplänen aus der Zeit vor dem Historismus. In Anbetracht der detaillierten Darstellung von Fassadenelementen auf traditionellen Bauplänen ist der gleichzeitige Verzicht der exakten Fenstergliederungen durchaus erwähnenswert.

    Hatten die Fenstermacher so wenig mit dem Baumeister zu am Hut (und es war schlicht klar, wie die Fenster gemacht werden mussten) oder woran mag das gelegen haben?

    Tatsächlich eine berechtigte und interessante Frage, wobei diese Gebäude auf den traditionellen Baupläne durch die fehlende Gliederung der Fensteröffnungen optisch schlechter abschneiden und damit bereits das uns bekannte, reale, traurige Fassadenbild sanierter Altbauten mit ihren toten, leeren Löchern vorwegnehmen.


    Das Problem ist, dass genau dieser Umstand jedoch von Modernisten, Gegnern und Gleichgültigen gegenüber traditionellen Fenstergliederungen letztlich als Plädoyer für das Verzichten gewertet werden dürfte und die Gliederungen schlicht auf die damals mangelnden, technischen Möglichkeiten sowie auf Kostenminimierung zurückzuführen seien.

    Aspekte der Schönheit und Harmonie für das Gesamtbild der Fassade, für welche gegliederte Glasflächen, sprich die „Fenster als Augen des Hauses“ die entscheidende Rolle spielen, kommen in dieser Gedankenwelt nicht vor so wenig wie die negierten funktionalen Vorteile des traditionellen Fensterbaus (Abzug, Lüftung, Dämmung, Nachhaltigkeit,...)


    Vielleicht könnte man die Beiträge hier zur Fensterthematik in den entsprechenden Strang verschieben und dort weiter erörtern. Hier gehen sie vermutlich inhaltlich verloren.

    Donnerstag, 10.September 2020

    10:00 - 11:00Uhr


    Kostenfreies Webinar zum Thema:

    „Trend - Rekonstruktion vs. Original“


    Eine Veranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz


    „Kaum ein Thema wird gegenwärtig in der öffentlichen Architekturdiskussion so kontrovers besprochen wie die Frage nach der Rekonstruktion zerstörter Gebäude. Das machen die Reaktionen auf den Bau des Humboldtforums in Berlin, des Schlosses in Braunschweig oder der neuen „Altstadt“ von Frankfurt am Main deutlich. Gleichzeitig besteht vielerorts der Wunsch nach weiteren Architekturkopien. Zum besseren Verständnis der unterschiedlichen Standpunkte werden in dem Webinar einige der wichtigsten Wiederaufbauten vorgestellt und das Für und Wider solcher Projekte erläutert.“


    Die Anmeldung erfolgt unter: http://www.denkmalakademie.de/webinare.


    Quelle: https://www.heimat-bayern.de/termin/deutsche-stiftung-denkmalschutz-webinar-trend-rekonstruktion-vs-original.html?day=20200910&WCF_AMPERSAND×=1599724800%2C1599728400&fbclid=IwAR2kJkdyz1Sq-j8YL8uw2405uUyq113iA59IIbmxVO5TPlYaWeehcTAtzl4


    Es wäre hilfreich, wenn Mitglieder und Foristen von Stadtbild Deutschland e.V. , DAS Organ für Rekonstruktionsthemen, bei dieser Veranstaltung, wenngleich kurzfristig, teilnehmen könnten, um das Feld nicht der indoktrinierten Denkmalpflege und modernistischen Architekten sowie deren Anhängerschaft zu überlassen.

    Neubau Mittelbau Traube Tonbach

    Vergangene Nacht wurde der historische Teil, der 230-Jahre-alte Mittelbau des bekannten 3-Sterne-Restaurants Traube Tonbach, die sogenannte Schwarzwaldstube, ein Raub der Flammen.


    Quelle: https://www.schwarzwaelder-bot…32-bad8-08c065ec4173.html


    Wie also soll gebaut werden?

    Quote

    Bei der Frage holt die Seniorchefin erstmal weit aus, sie spricht von der Kargheit der traditionellen Architektur im Nordschwarzwald, vom Pietismus ("Die protestantische Architektur ist die schlichtere und gradlinigere"), schlägt den historischen Bogen zum Dreißigjährigen Krieg ...


    ... Sie spricht vom "Murgtalbarock" und meint damit die überladenen, schnörkelreichen Holzeinrichtungen der 70er-Jahre, die es so nicht mehr geben werde. "Wir werden mit Sicherheit modern bauen, wir wollen ja kein Disneyland." Man wolle nichts nachbauen, was aus der Zeit gefallen ist. Es gelte, an der "Gradlinigkeit der Architektur des Nordschwarzwalds anzuknüpfen" ...


    ... "wir dürfen den alten Bauten nicht die Würde nehmen, indem wir da einen Prachtklotz hinsetzen". Drei einzelne Gebäude solle das "neue Stammhaus" umfassen, "drei Häuser, die nicht so wuchtig aussehen", zudem miteinander verbunden sind. "Alles sehr leicht, mit viel Glas

    Quote

    "Sicherlich, alles soll moderner gestaltet werden, aber auch mit herkömmlichen Elementen wie Holz." Leichter soll der Neubau werden, "ganz anders", aber er müsse sich zugleich auch "demütig in die Region einpassen". Moderne und Tradition eben. Auch müsse es einen "Wiedererkennungseffekt" für den Gast geben.

    Quelle: https://www.schwarzwaelder-bot…b4-ab8d-0e3cf0633614.html



    Nachdem ich "Alles sehr leicht, mit viel Glas" infolge des indoktrinierten wie abgedroschenen "Disneyland" las, wage ich auch mit Blick auf die Übergangsgaststätte "temporaire"zu sagen, dass hier weder etwas Regionaltypisches, Würdevolles noch Ästhetisches im Sinne des Ortsbildes entstehen wird. Vom "Murgtalbarock" hat man indes jahrelang sehr gut gelebt. Hauptsache den Gäste schmeckt's!

    ... würde ich gerne wissen was dein Interesse an diesem Neubau weckte? Ist es die visualisierte Materialität der Fassade, die wilde Anordnung eines Teils der Fensteröffnungen, das verzerrte Zeltdach eines Baukörpers? Was macht aus deiner Sicht die Qualität dieses Komplexes für das Stadtbild auch gegenüber der älteren traditionellen Nachbarbebauung aus?

    Aziabel

    Mich würde auch die Beantwortung meiner Fragen interessieren, die ich Dir, als Laie, seinerzeit zum Neubau gestellt hatte.

    ... reine Platzverschandelung. Dafür bereits in der Denkmalliste aufscheinend (hat offenbar gar nicht schnell genug gehen können).

    Bezeichnend wie die ideologisch-modernistisch aufgeladene, staatliche Denkmalpflege die Architektur ihrer Lobbyisten überhöht, statt deren Entbehrlichsein einer kommenden Generation zu überlassen.

    Aber das Plädoyer spricht sich doch gezielt für Sanktionen aus. Was die Bürgerbeteiligung angeht, stimme ich Dir zu.

    Was in der Nachhaltigkeitsdebatte nicht vernachlässigt werden darf ist die traditionelle Ästhetik. Modernistische Gestaltungsvorstellungen lediglich unter Berücksichtigung von traditionelle Baustoffen und -techniken sind nicht zielführend.