Leipzig - Bau- und Sanierungsprojekte

  • Vielen Dank für die Bilder. Beeindruckend finde ich vor allem diese Gegenüberstellung: Unglaublich, wie tief der Eigentümer hier in die Tasche gegriffen haben muß, um aus rein wirtschaftlicher Betrachtung "unnötige" Baumaßnahmen durchzuführen - sogar das zwischenzeitlich aufgesetzte Vollgeschoß (bzw. die aufgesetzte Außenmauer des Dachgeschosses) wurde wieder zum Dachgeschoß umgebaut - Wahnsinn! Von der Balkon-Rekonstruktion mal ganz abgesehen - oder waren die möglicherweise früher gar nicht vorhanden; das Aussehen der Fenster auf dem oberen Bild deutet darauf hin. Aber selbst wenn - eine rundum gelungene Sanierung.


    :applaus:


    Quote from "Leipziger"

    Reudnitz, Margaretenstr. 6 am 06.05.07, keine Hoffnung mehr?


    Ansicht


    Ansicht 01/2010

  • ^ Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die Balkone eine Neuschöpfung, ist seit einiger Zeit häufiger in Leipzig zu beobachten. Solange Qualität und Optik stimmen, ist dagegen sicher nichts einzuwenden. Bei dem Beispiel der Magaretenstraße 6 hat sich auch ein Vorher-/Nachhervergleich der alten Kofferfabrik rechts im Bilde mit reingemogelt. Auf dem ersten Bild, durch das Laub leider schwer zu erkennen, noch marode und ohne Dach, auf dem zweiten Bild saniert und mit neuem Dach.

  • Das ist wirklich große Klasse, was da in Leipzig immer wieder geschaffen wird.
    Ich habe da trotzdem eine Frage zu: Wie funktioniert das eigentlich in Leipzig? Ist da ein privater Verein vorhanden, der diese umfangreichen Sanierungen/Rekonstruktionen unterstützt (z.B. durch Spenden) oder werden diese Projekte von der Stadt finanziell untermauert? Oder finanzieren das die Hauseigentümer komplett selbständig :schockiert: ?
    In anderen Städten klappt das ja nicht so gut (z.B. Magdeburg). Hier warten viele Gründerzeitler auf umfangreiche Sanierungen/ besonders Fassadenrekos.


    LG Christian

  • Es sind i.d. Regel professionelle Eigentümer. Diese erwerben die Immobilien i.d.Regel relativ günstig (Preise siehe übliche Portale) und sanieren. Oft werden die Wohnungen einzeln als Eigentumswohnungen an (westdeutsche) Anleger verkauft, um über die Denkmalabschreibung Steuern zu sparen. Interessant sind die Eigentumswohnungen natürlich hauptsächlich für Leute, die viele Steuern zahlen (also auch gut verdienen). Für westdeutsche Verhältnisse sind die Baupreise hier bekanntlich sehr niedrig.
    Privatleute schaffen es ganz selten, solch ein großes Haus in Eigenregie zu sanieren. Meist sieht man dies dem Haus dann auch an, weil irgendwo gespart werden muss.
    Vereine oder dergleichen gibt es nicht - naja, in kritischen Fällen schaltet sich das Stadtforum manchmal ein... die wirklichen Ergebnisse werden dann aber von den Firmen "geschaffen".


    Ich kann auch nicht beantworten, warum dies Modell in Leipzig (und da auch nur in bestimmten Stadtteilen) super funktioniert und in Magdeburg, Halle.... usw. nicht oder sehr viel schlechter. Übrigens sieht es in Leipzig rund um die Eisenbahnstraße auch noch schlimm aus - hier tut sich seit Jahren kaum was.
    Ein sehr komplexes Thema.

  • Quote from "Magdeburg1990"

    Das ist wirklich große Klasse, was da in Leipzig immer wieder geschaffen wird.


    Na, jetzt übertreibt es mal nicht mit dem Lob! Negativbeispiele ließen sich endlos finden. Auch in Leipzig wird so schnell und billig wie möglich saniert. Draußen kommen Stahlbalkone dran, innen werden mitunter alte Türen rausgerissen und Baumarktware eingebaut. Wenn möglich, werden die charakteristischen großen Wohnungen zu Hühnerställen umfunktioniert. Ich kenne ein Haus, in dem über den Dielenfußboden graue Fließen gelegt wurden. Ganz zu schweigen von den Abrissen etwa in der Friedrich-Ebert-Straße oder der Kleinen Funkenburg.

  • Sicher gibt es auch schlechte Sanierungen. Aber wo gibt es die nicht?
    Für das Rausreissen den alten Türen, was tatsächlich viel zu oft festzustellen ist, habe ich auch kein Verständnis. Und grauenhafte Fliesenböden, die in Westdeutschland an jeder Ecke zu finden sind, sind hier m.E. ziemlich selten (außer im Bad natürlich).
    Das Aufteilen der großen Wohnungen ist meiner Meinung nach tatsächlich in den repräsentativen Stadtvierteln "ein Problem" - ich denke an Musikviertel, Lassalle-Str. und so weiter. Dabei geht oft die gesamte alte Ausstattung drauf. Da diese Stadtviertel bereits weitgehend saniert sind, passiert in dieser Richtung dort nicht mehr viel. Die Moschelestr. 2 ist noch so ein Fall, der ansteht.
    Wohingegen bei den unendlich vielen "Arbeiterhäusern" kaum Grundrissänderungen nötig sind.
    Die Balkons sind m.E. eher eine Verbesserung - die Rückseiten sind sowieso schlicht und eigentlich hässlich, da wirken die Balkons doch belebend. Und schlanke Stahl-Balkons sehen doch viel besser aus als irgendwelche Betonkonstruktionen.

  • @ Leipziger: der Selbstnutzer e.V. hat auch schon diverse denkmalgerechte Sanierungen an Altbauten hingekriegt, auch wenn diese natürlich nur einen winzigen Teil der Sanierungsleistung in Leipzig ausmachen. Außerdem zeigen die Bilder m.E. exemplarisch, dass auch in "schlechteren" Stadtvierteln die Sanieurngsqualität inzwischen steigt.

  • Nein..hier gibt es wirklich nichts zu meckern...diese Balkone fügen sich derart genial ein...Leipzig ist da einfach spitze...was Gründerzeitsanierungen und deren Teilrekonstruktion angeht. Sollte Vorbild für alle sein.


    Danke für die Bilder...ein Genuss!


    Gruß DV

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Quote from "dancingdwarf"


    Na, jetzt übertreibt es mal nicht mit dem Lob! Negativbeispiele ließen sich endlos finden. Auch in Leipzig wird so schnell und billig wie möglich saniert. Draußen kommen Stahlbalkone dran, innen werden mitunter alte Türen rausgerissen und Baumarktware eingebaut. Wenn möglich, werden die charakteristischen großen Wohnungen zu Hühnerställen umfunktioniert. Ich kenne ein Haus, in dem über den Dielenfußboden graue Fließen gelegt wurden. Ganz zu schweigen von den Abrissen etwa in der Friedrich-Ebert-Straße oder der Kleinen Funkenburg.


    Aber wenn du wenig gutes gewohnt bist (hier in MD), dann ist dass für einen MD´er, wie ich es bin, schon klasse. Bei euch wird scheint einfach hochwertiger saniert zu werden.
    Dass es überall Fehlgriffe und "schwarze Schafe" gibt, das ist leider klar.


    LG Christian

  • In Halle wird, wenn überhaupt, meistens billigst saniert. Dass Stuck abgeschlagen wird, ist keine Seltenheit. Dass entstuckte und entturmte Gründerzeitler wieder in den Orginalzustand versetzt, sogar ein durchgängiges Biberschwanzdach statt der ursprünglichen Dachpappe erhalten, habe ich in meiner alten Heimatstadt noch nie erlebt. Deutschland sollte wirklich dankbar sein, dass Leipzig die großstädtische Baukultur so hoch hält. " Es ist halt ein klein Paris und bildet seine Leute." ...und das wird man ihr irgendwann in barer Münze zurückzahlen. Davon bin ich fest überzeugt.

  • HalleLuja,


    da denke ich genauso. Hoffentlich wissen die Leipziger das auch und halten weiter durch!

  • Dem schließe ich mich an!


    Quote from "HalleLuja"

    …und das wird man ihr irgendwann in barer Münze zurückzahlen. Davon bin ich fest überzeugt.


    Amen ;)

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Das nächste größere Sanierungsprojekt wirft seine Schatten voraus, die Sanierung des Hotel de Pologne in der Innenstadt. Dase hat uns HIER bereits einen kleinen Überblick vom Inneren des Hotels verschafft. Entwicklerin ist die Leipziger Stadtbau AG, die derzeit den HANDELSHOF zum Steigenberger Grandhotel umbaut. Auch das Hotel de Pologne, das nur bis 1917 als Hotel genutzt wurde und in dem zu DDR-Zeiten das Messamt untergebracht war, soll wieder ein Hotel in der 5-Sterne-Kategorie werden. Vermutlich beginnen die Sanierungsarbeiten noch im ersten Halbjahr dieses Jahres.


    Zudem saniert die Leipziger Stadtbau AG zur Zeit KRETSCHMANNS Hof, dessen Grundstück rückwärtig an das des Hotel de Pologne grenzt. Sowohl in Kretschmanns Hof entsteht wieder eine SCHMUCKE PASSAGE, wo künftig das Kabarett Pfeffermühle beheimatet sein wird, als auch - nach über 60 Jahren Dornröschenschlaf ohne öffentlichen Zutritt - im Hotel de Pologne. Beide Passagen werden miteinander verbunden, so dass man in Zukunft über diese von der Hainstraße zur Katharinenstraße gelangt.



    Zuerst das Hotel de Pologne aktueller Zustand

    Quote from "Leipziger"




    Visualisierung gleiche Perspektive mit rekonstruierter Ladenzeile




    Und so sieht künftig die Passage im Hotel de Pologne aus.



    Hinter den großen Fenstern links befinden sich die neobarocken Säle (siehe Link oben), auf der rechten Seite höchstwahrscheinlich die Hotelzimmer. Um diese vom Trubel in der Passage abzuschirmen, ist dieses Glasdach vorgesehen, optisch gesehen sicher kein Vorteil.



    Visualisierungen: stadtbau.com
    Einbinden der Bilder erlaubt

  • Die Visualisierungen sehen echt vielversprechend aus, ich bin begeistert!

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Genial :!:


    Wobei es mich als Dresden-Fan traurig macht, daß man in der Landeshauptstadt erhobenen Hauptes völlig konträre Süppchen kocht.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Nachtrag:
    Die Sanierung von Kretschmanns Hof trägt zu einer weiteren Aufwertung der Katharinenstrasse bei. Demnächst wird der zweite und sehr ansprechende Museumswinkel (Katharinum) fertig gestellt und sollte dann auch bald der Bau des Winkels zum Brühl wie angekündigt ebenso qualitativ hochwertig ausgeführt werden, dann hat Leipzig eine prächtig urbane innerstädtische Strasse gewonnen, welche die Höfe am Brühl mit dem Marktplatz verbindet.


    Die zu Teilen bereits schmucke Hainstraße legt auch noch mal deutlich zu mit der Sanierung des „polnischen Hotels“, inklusive rekonstruierter Ladenzeile. Allein der Raum gegenüber dem Hotel Richtung „Große Fleichergasse“ lechzt noch nach einer angemessenen Gestaltung (Bebauung?)


    Zu loben und hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass mit der Verbindung der beiden Sanierungsobjekte die Leipziger Passagentradition fortgeführt und die die kleine aber durchaus feine Leipziger Innenstadt um ein weiteres großstädtisches Filetstück reicher wird.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)