Posts by spacecowboy

    Selbst wenn die meisten, die abgestimmt haben, Ostdeutsche waren, so verwundert dennoch die Platzierung. Wieso erhält Halle 1015 Klicks, während Wittenberg nur 8 erhält? Ich kenne die Abstimmung nicht, aber sie kommt mir doch arg manipuliert vor.


    Zeno, wie ich dir schon einmal implizit unterstellt habe, zählt der süddeutsche Raum zu deinem Metier und der Rest von Deutschland ist dir wenig vertraut und schon gar nicht geheuer. Das ist an sich ja nicht verwerflich (was einem nicht vertraut ist, ist einem oft auch nicht geheuer), erklärt aber einiges, so auch deinen letzten Beitrag hier. In Würzburg beschränkst du dich rein auf die positiven Seiten der Stadt, während du in der Händelstadt, der Besuch liegt wahrscheinlich schon viele Jahre zurück, du wohl nur das gesehen hast, was dich in deiner Meinung über die Stadt bestätigt. Halle-Silberhöhe liegt übrigens genauso weit entfernt von der Hallenser Altstadt wie [url=http://maps.google.de/maps?hl=de&gl=de&q=w%C3%BCrzburg,+heuchelhof&ie=UTF8&hq=&hnear=Heuchelhofstra%C3%9Fe,+97084+W%C3%BCrzburg,+Bayern&ll=49.747612,9.956274&spn=0.025123,0.084543&z=14&layer=c&cbll=49.747535,9.956295&cbp=12,0,,0,5&photoid=po-4281697]Wü-Heuchelhof[/url] zur Würzburger Altstadt. Und dass Leipzig bei dir noch vor Gelsenkirchen kommt, wenn sicher auch nur ganz knapp, ehrt dich selbstredend.

    ^ Erfährt die werte Forumsgemeinschaft auch noch einen Grund für deine Aussage?


    Auf mich macht die Brücke einen leichten, geradezu schwebenden, und wohlproportionierten Endruck. Dagegen wirkt das Blaue Wunder ein Stück elbaufwärts wie ein schwerfälliges Stahl-Gewitter. Selbst die hier viel kritisierten Blickbeziehungen im Elbtal scheinen, auch wenn der Fotograf offensichtlich mit seinen Bildern darauf anspielt, weit weniger störend als gedacht.

    Nürnberg, Würzburg, immer diese unpassenden Vergleiche! Chemnitz war schon vor dem zweiten Weltkrieg eine moderne Industriestadt mit Kontrasten, nicht nur, sicher, aber eben hauptsächlich. Eine Stadt, wie viele andere Industriestädte auch, nicht zu vergleichen mit der historischen Einmaligkeit Nürnbergs, das es kein zweites Mal auf Erden gab. Unter diesem Gesichtspunkt kann man den Nürnberger und Würzburger Wiederaufbau für grandios gescheitert erklären, weil dieser qualitativ nicht im entferntesten an die Zeit davor anknüpft, während Chemnitz den bereits weit vor dem Krieg eingeschlagenen modernen Weg konsequent weiterverfolgt. Und die bauliche Qualität gerade der Neubauten begeistern mich auch. Wie ursus schon andeutete, wenn die Chemnitzer Lust auf eine historische Altstadt haben, fahren sie - wie vor hundert Jahren schon - ins nahe Freiberg oder Meißen.

    Wikos, andersherum wird wohl eher ein Schuh draus. Was du "Investorenarchitektur" nennst, kann kein Maßstab für die Bewertung des neuen Quartiers genommen werden. Das Hackesche Quartier, errichtet auf einer Brache, übernimmt die Funktionen Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und öffentliche Durchwegung. Das ist das entscheidende Kriterium für die Bewertung des Hackeschen Quartiers. Die Gestaltung der Fassaden, die eh nur subjektiv bewertet werden können, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.


    Aktuelle Fotos gibt's übrigens hier

    Der Putz bröckelt zwar und die meisten Fassaden sind aufgrund negativer Umwelteinflüsse aus der Vergangenheit rußschwarz, die Substanz jedoch scheint mir bei den allermeisten Gebäuden noch sehr intakt zu sein. So schnell kommt da wirklich keine Abrissbirne zum Zuge. An groß angelegte Entstuckungsaktionen wie in Deutschland en masse geschehen glaube ich zudem nicht, da das meiste, was auf den Bildern zu sehen ist, eh erst zwischen 1910 und 1940 erbaut sein dürfte und damit per se der schmuckarmen Neuen Sachlichkeit sowie Klassischen Moderne angehört. Wie schon geschrieben, ist Zabrze, also eigentlich nur das deutsche Hindenburg, eine sehr junge polnische Industriestadt, in der man kein pittoreskes oder kunsthistorisch wertvolles Stadtbild erwarten kann. Dennoch hat dieses ungeschminkte Stadtbild seinen Charme, den unsere sterilen und zugebauten Städte schon seit Jahrzehnten nicht mehr haben. Die Gebäude zeigen außerdem eine gewisse bauliche Qualität, von der man in Bochum meilenweit entfernt ist.

    Ich versteh' nicht ganz. Zabrze ist offensichtlich eine sehr junge polnische Industriestadt ohne (große) Geschichte. Ansonsten finde ich beim Betrachten der Bilder sowohl Architektur (insbesondere die Repräsentationsbauten aus der sog. Zwischenkriegszeit sind herausragend) als auch das Stadtbild - klar, ein paar grobe Schnitzer sind dabei - ansprechend. Und außerdem wohltuend: Keine Autobahnschneisen, kein Sichtbeton, keine sprossenlose Plastikfenster, keine Tankstelle in Baulücken etc. Wenn ich mir dagegen weit geschichtsträchtigere Städte hierzulande anschaue, kann sich Zabrze glücklich schätzen, dass es mit vergleichsweise wenig Aufwand (z.B. mit einem groß angelegten Sanierungsprogramm) wieder in altem Glanz erstrahlen könnte.

    Im Herbst baut Hochtief dieses Tortenstück, das vom Leipziger Architekturbüro schulz & schulz entworfen wurde. Damit wird nach über 60 Jahren die Brache am Neuen Rathaus (bzw. am sog. Stadthaus) geschlossen.



    Bild: schulz & schulz
    Quelle: LVZ

    Quote from "Leipziger"

    Ja, selbstverständlich. Allerdings nennt man in der ex-DDR bis heute jede Baumaßnahme in einem Altbau "Rekonstruktion". Dies kann sich selbst auf Dinge wie die Erneuerung der Elektrik beziehen.


    So ein ausgesprochener Quatsch. Stahlbauer hat völlig recht: Wenn Fassaden oder Dachaufbauten im Zuge einer Gebäudesanierung nach historischem Vorbild erneuert werden, kann man von Rekonstruktion (i.S.v. Dachrekonstruktion oder Fassadenrekonstruktion versteht sich, wie jüngst bei der Sanierung der Karl-Liebknecht-Straße 107 geschehen) sprechen. Was soll da der hanebüchene Verweis auf die Erneuerung der Elektrik?

    ^ Die Leute sollen drinnen kaufen, nicht von außen gucken. So sehen Einkaufszentren halt aus, wenn Investorenwünsche - in Zentren anderer Städte inzwischen unmöglich - zu 100 Prozent berücksichtigt werden. Die Erweiterung der Altmarkt-Galerie stellt einen neuen Tiefpunkt des Dresdner Städtebaus dar.


    Die bemerkenswert unproportionierten und kitschigen Beispiele von ApparatBauske zeigen aber auch, dass eine gewisse architektonische Qualität nicht aufgrund einer historisch anmutenden Fassade entsteht. Was irgendwo im fränkischen Nirgendwo (Wertheim Village) seinen Zweck erfüllen mag, wäre im urbanen Zentrum einer Großstadt sicher völlig daneben.

    als gegenüber des neuen rathauses wirken der flachbau und selbst der glockenturm mickrig


    Mit diesem Argument deklassierst du alle Gebäude zu mickrige Flachbauten, die sich im Umfeld des Neuen Rathauses befinden. Der Schulz-Entwurf hat m.W. gerade deshalb gewonnen, weil er sich dem Neuen Rathaus unterordnet, ohne mickrig zu sein.


    Und mein Dresden-Vergleich zielte eher in die Richtung, dass wir uns in Leipzig glücklich schätzen sollten, dass viele eigenständige, architektonisch völlig unterschiedliche Entwürfe - so in meinen Augen auch St. Trinitatis - umgesetzt werden, wie es ein geschätzter User hier trefflich analysierte. Eine Vielfalt, die es in Dresden so nicht zu geben scheint. Ob nun Wilsdruffer Kubus, Legohaus, Wiener Platz, Altmarkt-Galerie, Motel One, nh-Hotel oder diese unsäglichen Florana-Projekte: Stets hat man das Gefühl, dass jedesmal der gleiche uninspirierte Architekt losgelassen wird.

    Ich verstehe die zuletzt geschriebenen zwei Beiträge nicht. Wo wird denn was implantiert und exportiert? Und das begrenzte Grundstück lässt eben nur einen innenliegenden Pfarrhof zu. Hier wird auch nichts zur Verödung beigetragen, sondern - im Gegenteil - ein Kirchenneubau auf einem Gelände vollzogen, das seit Ende des letzten Krieges verödet. Und selbst wenn die Kirche den einen oder anderen an die Herkunft der ausführenden Architekten erinnern mag, so hat eben deren Konzept überzeugt, Kirche, -hof und Gemeindezentrum auf einem dreieckigen Grundstück unterzukriegen (schon allein deswegen hinkt der Vergleich mit einer Schwimmhalle). Architektur ist viel mehr als nur die äußere Hülle, die übrigens vollständig in geschliffenem Porphyr verkleidet wird (gibt's das auch in Witten oder in irgendeinem Kölner Vorort?). Allein diese Ansicht verspricht doch eine hohe urbane Wirkung der neuen Propsteikirche.


    Letztendlich trägt auch die neue katholische Kirche zum gewünschten Stilmix der Stadt bei, und für Kirchenneubauten mit aufregenderer Architektur haben wir ja bald das Paulinum ein paar hundert Meter weiter. Dagegen steckt Dresden in einem Dilemma, weil es nicht weiß, wie es außerhalb des Neumarkts bauen soll und dann lieber solche oder solche oder solche Langweiler fabriziert. Das sind doch Bauten, die sie sich wirklich nicht mehr von 08/15-Bauten anderer Städte unterscheiden lassen.

    ^ Hehe, hast du jetzt 2 Tage gebraucht, um dir diese Antwort zu überlegen? Derweil war mein "Beitrag" nur eine Persiflage auf Valjeans Ruhrpottvergleich (das einzige Argument, das keines ist, dass er seit der Siegerkür von St. Trinitatis hier und woanders zum Besten gibt - *gähn*) und ein Vorgriff meinerseits auf den hier weit verbreiteten Stereotyp. Aber mich freut ehrlich, dass du verstanden hast, wie man besser argumentieren und diskutieren sollte.

    Danke für die Bilder. Görlitz ist wirklich ein Juwel. Ich frage mich, ob die Stadt trotz oder gerade wegen der Randlage baulich und historisch gesehen so gut in Schuss ist. Das städtebauliche Grauen zeigt sich allerdings schon ca. 500 Meter östlich der Altstadt ([url=http://maps.google.de/maps?hl=de&q=g%C3%B6rlitz&ie=UTF8&hq=&hnear=G%C3%B6rlitz,+Sachsen&gl=de&ei=jeP9TPOIBMeb8QO_0LSMCw&oi=geocode_result&ved=0CCcQ8gEwAA&ll=51.157277,15.002003&spn=0.023578,0.154324&z=13&layer=c&cbll=51.157304,15.002003&cbp=12,0,,0,5&photoid=po-39874383]Klick mich![/url]). Apropos: Mir ist mal zu Ohren gekommen, dass sich der deutsche Teil der Stadt aufgrund der besorgniserregenden demographischen Situation dem polnischen öffnen soll. In Zgorzelec gibt es etwas, das man im deutschen Teil seit Jahrzehnten nicht mehr kennt, nämlich akute Wohnraumknappheit und die Bevölkerung dort ist im Schnitt einige Jahre jünger. Inzwischen ziehen wohl tatsächlich zunehmend Polen in den deutschen Teil. Darüber hinaus darf man sowieso gespannt sein, wie sich die Grenzregion wirtschaftlich entwickeln wird, wenn die Arbeitsgenehmigung für Polen im Mai nächsten Jahres wegfällt.

    Wow, das Video, das von Breslau eingestellt wurde, ist fantastisch. Bei so viel kosmopolitischer Atmosphäre, wie sie der Film vom Berlin der 1930er-Jahre zeigt, frage ich mich, wie sich die aberwitzige Nazi-Doktrin einer homogenen und reinrassigen Volksgemeinschaft überhaupt in dieser Stadt verwurzeln konnte.


    Und am Wannsee sonnt sich 'ne Frau oben ohne. Auweia, so was ist in einigen süddeutschen Gefilden heute noch verpönt.

    ^ Du meinst also, ein Cluster aus gleich aussehenden Hochhäusern wäre weniger beliebig und austauschbar, resp. unverwechselbar und unverkennbar, als ein Cluster mit unterschiedlichen Stilen? Das sollte wohl gerade sowas wie ein missglückter Scherz gewesen sein. Und stünde Frankfurt heute eine ähnlich große Rolle im Finanzwesen zu, wenn es den 2. Weltkrieg nicht gegeben hätte (was man sicher bezweifeln kann), gäbe es heute ebenso Hochhäuser. Hochhäuser entstehen ja nicht, weil sie schön (oder nicht schön) anzuschauen sind, sondern weil Bedarf dafür besteht.

    Lass deinem Sarkasmus ruhig freien Lauf, Aedificium. Jetzt sind wir schon bei der Austauschbarkeit europäischer Großstädte angelangt. Immerhin auch ein Fortschritt, sonst muss diesbezüglich ja immer die ganze Welt herhalten. Was zeichnet denn in der Architektur und Materialität die Berliner Identität aus? Doch nicht etwa das, was zu Kaisers Zeiten dort stand? Mit Verlaub, sowas gab es auch in Paris, in London und darüber hinaus in Shanghai, Kapstadt, Tokyo und sonstwo auf der Welt zur Genüge. Das einzige, was an den Bildern von Palantir stört, ist dieses unsägliche Plattenhochhaus, das zu allem Überfluss nach der Wende in Köln-Porz-Optik saniert wurde. Aber das gehört nicht zum Projekt und ist (da bin ich ganz festgefahren in meiner Meinung) halt so in Berlin.


    Ansonsten bin ich auf den Eindruck gespannt, wenn die Baucontainer verschwunden sind und das Quartier bezogen ist.

    Wenn man eine so festgefahrene Meinung über Architektur hat, fällt es freilich schwer, zuzugeben, dass mit dem Hackeschen Quartier eine architektonisch ungewöhnlich vielseitige und hochwertige Neubebauung entstanden ist. Da sind Floskeln wie wirklich nicht schlecht oder gar nicht so übel, garniert mit den üblichen Siehtauswie-Botschaften, wohl die höchste Anerkennung, die man entgegenbringen kann. Eigentlich traurig.