Posts by Kapitell

    Doch, in der Zeit war das in der alten Bundesrepublik Gang und Gäbe. Ganz sicher ist der Rohbau des Altbaues erhalten geblieben. Dennoch wird man im ganzen Haus kein einziges altes Schmuckelement mehr finden - das wurde dann alles gründlich beseitigt, auch eingemauert findet sich in solchen Fällen fast nichts mehr.

    Die Darlegung von Siedel? ist aus meiner Sicht sehr plausibel,
    zum Vergleich mal zwei Fotos von Portal IV:
    Hier sieht man den Zustand bis etwa zum Regierungsantritt Kaiser Wilhelm II, in einem Lichtdruck von ca. 1885:
    wunderschöne offene Durchblicke, man beachte die tatsächlich freistehenden Portalsäulen (Gegenlicht im Zwischenraum zur Wandkante - ein sehr schönes klassisches Architekturmotiv), außerdem in der kleinen Fußgängertür ein schönes schlichtes Gitter aus der Mitte des 19. Jhs. (passend zur Kuppel).
    http://www.bilderbuch-berlin.net/Alben/28562/Fotos/mitte_portal_im_berliner_schloss_historisch_liebknecht_nr_v_eosander_schlüter_471870


    Dem gegenüber nun die "neuen" historistischen Gittertore - bei geschlossenem Tor ist quasi gar keine Transparenz mehr vorhanden, die Säulenzwischenräume sind nun von hinten blickdicht verschlossen, zusammen mit den "neuen" Fenstergittern -die nun wirklich das Gesamtbild eher beeinträchtigen als verschönern- wirkt das ganze auf mich wie die Umsetzung eines Sicherheitskonzepts von Anno 1888.
    Das kann man heute doch viel besser ohne die ganzen Metallgitter, die heutigen Fenster werden ganz andere Schutzklassen haben, so dass da kein Mensch mehr mit der Brechstange das Holz kaputthebeln kann wie damals.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Berliner_Schloss,_Portal_IV,_Rossebändiger.jpg


    Dennoch würde ich in der heutigen Zeit die Höfe des Nachts verschließen wollen - rein architektonisch finde ich die offenen Durchgänge ohne Tore aber außerordentlich schön!

    Die Regelung mag aus dem eigentlich völlig unzeitgemäßen §35 Baugesetzbuch "Bauen im Außenbereich" herrühren.


    Eine dieser Regelungen für landwirtschaftliche Betriebe (auch ehemalige) im Außenbereich besagt, dass die Zahl der bestehenden Wohnungen 2 oder 3 Stück pro Hofstelle nicht überschreiten darf. Neubauten werden nur unter der Bedingung genehmigt, dass das alte Wohnhaus entweder zeitnah abgebrochen wird oder zukünftig als Scheune, Stall o.ä. genutzt wird. Dies muss u.U. von den Eigentümern gegenüber dem Bauordnungsamt schriftlich bestätigt werden.
    Die Behörden sind rigoros bei der Durchsetzung, nur in seltenen Fällen kann im Nachhinein durch nachträgliche Unterschutzstellung als Baudenkmal bspw. ein 30 Jahre als Scheune genutztes früheres landwirtschaftliches Wohnhaus wiederum als solches genutzt werden.
    Diese Regelung ist seit Jahrzehnten als "Killer" für historische Wohngebäude auf dem Land bekannt.

    zum Beitrag 9032, dem Film von peter_langner:


    Außerordentlich bemerkenswert, die Innenräume im Film mit ein zu beziehen.
    Eine Besonderheit der Treppenhäuser im Berliner Stadtschloß aus der Schlüterzeit (außer der hier zu sehenen Gigantentreppe die Rittersaaltreppe im Portal V und die Elisabethsaaltreppe im Portal I) ist deren räumliche Enge, das "sich um einen Pfeiler wickeln" ganz im Sinne des römischen Barock des späten 17. Jahrhunderts. Die so entstandene außerordentlich interessante Raumstruktur kann durch fotografische Einzelbilder (von denen es zudem auch nur wenige gibt) kaum verständlich wiedergegeben werden. Von daher empfinde ich es geradezu als zwingend, den Film um den gesamten Treppenweg in den Schweizer Saal zu ergänzen, und zwar über den Treppenaufgang rechts, links war es ja eine Rampe für Pferde (im Film leider falsch auch als Treppe dargestellt).
    Im übrigen waren die Fensteröffnungen der Treppenhäuser in der Schlüterzeit nicht mit Fenstern versehen, so dass es einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum gab, die Treppenhäuser quasi offene Loggien waren. So finden sich rafinierter Weise beispielsweise die Fenstersäulen des mittigen Rundbogenfensters im 2.OG nochmals im Inneren (am Rittersaaltreppenhaus Portal V auf dem Foto mit den durch den Krieg zerstörten Fensterscheiben gut zu sehen). Meiner Meinung nach würde es sich lohnen, auch diesen originalen Bauzustand in einem Film auferstehen zu lassen.

    Ich finde, das oben schon angeführte Beispiel aus Leipzig http://fs5.directupload.net/images/170219/8gcm5koc.jpg zeigt, was auch für dieses Haus angemessen wäre: die Gesimse und Rustika im EG sowie den heute vereinfachten Giebel einheitlich in einem hellbeige zu streichen. Ein normales weiß würde zu hell und im Vergleich zum warmen Klinker zu kalt wirken. Dies gilt auch für alle grau-Töne. Also bitte nicht. Und Experimente mit Blautönen kann ich mir erst recht nicht vorstellen.
    Den genau richtigen Beige-Farbton findet man, in dem man vor Ort eine ausreichend große Musterfläche von Maler anlegen lässt (mind. 1/2 qm), am Besten neben der Klinkerfläche, um festzustellen, ob beide harmonieren.
    Technisch bitte keine Dispersionsfarbe verwenden (diese Farben werden rissig und blättern ab), sondern eine Mineralfarbe (z.B. Fa. Keim). Diese verbindet sich mit dem Putz, sieht wertiger aus, altert ohne schäbig auszusehen und hält darum letztlich länger.
    Wenn allerdings, was ich vermute, die jetzigen Farben schon Dispersion sind, müssen diese zuvor entfernt (abgestrahlt) werden. Das ist ziemlich aufwendig und teuer.
    Die Fenster werden in der Gründerzeit von außen grün (ein dunkles Moosgrün) oder Dunkelbraun gestrichen gewesen sein.
    Inwieweit sich diese Farbe auf die heutigen Fenster (vermutlich Kunststoff?) übertragen lasst, kann ich nicht beurteilen.
    Die heutigen Fenster entsprechen ja ohnehin so gar nicht den früheren (fehlende Teilungen, fehlende Zierleisten, Profile eher zu dick).
    Die Balkone (Brüstungen, Stützen) würde ich idealer Weise als eigenes "leichtes" Bauteil betrachten - also farblich nicht wie die Gesimse streichen, sondern bspw. in Fensterfarbe Moosgrün oder Dunkelbraun. Dazu müssten die heutigen modernen Brüstungen aber bspw. mit Holz (vertikale Bretter, die Balkonplatte mit überdeckend, am unteren Rand überstehend und profiliert) bekleidet werden. Inwieweit das technisch möglich ist, vermag ich auf dem Foto nicht erkennen.
    Die massive Brüstung des EG-Balkons gehört zum Originalbestand und ist in der Farbe der Rustika zu streichen, so wie es jetzt auch schon der Fall ist.


    Zur Rückfassade: Ziegelsteine streicht man nicht. Am Nachbarhaus links sieht man den "schönen" naturbelassenen Zustand, der gleichzeitig auch weitgehend schadensfrei ist. Aus meiner Sicht sollte daher die Farbe abgestrahlt werden, und soweit notwendig neu verfugt und die Risse geschlossen werden (sichtbar bleiben die weiterhin).
    Ich muss allerdings sagen, dass ich das Rissbild schon ziemlich bedrohlich finde, da es sich durch alle Geschosse zieht.
    Die nicht gemauerten Fensterstürze (ist das ein originales Betonelement?) würde ich in dem hellen Beige der Gesimse der Straßenseite streichen.
    Für die Fenster gilt auch hier das oben gesagte - vielleicht kann vor der Fassadensanierung zumindest der nachträglich angebaute Rolladen an dem einen Fenster entfernt werden, damit hinter den Führungsschienen die Farbe auch entfernt werden kann.


    Interessant wären natürlich historische Fotos des Gebäudes. Diesen könnte man einiges zum "richtigen" historischen Zustand entnehmen.

    ^ Mir ging es ganz genau so. Im Westen mussten wir vor der Wende nicht, dass die DDR so großflächig schlimm verfallen war. Und erst recht haben wir nicht gedacht, dass das so viel unter Denkmalschutzvorgaben saniert werden würde. Niemals, niemals, haben wir geglaubt, dass die Frauenkirche Dresden wiedererstehen würde, niemals die Rampische Straße, niemals das Stadtschloß Berlin. Man kannte vor der Wende die schwarz-weiß-Fotos dieser Gebäude aus der Literatur, das war für uns alles zerstört, nicht reproduzierbar, weg für immer!
    Insofern teile ich die "oktaviansche Dankbarkeit" in gewisser Weise, und wünsche mir von den Ostdeutschen mehr von dieser Dankbarkeit.
    Ich kann noch immer nicht verstehen, dass Westdeutschland derartig rigoros ungestaltet wurde. Bis etwa 1960 war in den unzerstörten Gebieten das alte Westdeutschland überwiegend erhalten, etwa angegraut zwar, aber wohl erhalten, und zu meiner Zeit seit etwa 1980, war es weitgehend verschwunden bzw. verschwand immer weiter.

    Ich habe die Neubebauung der "Townhouses" aus der Entferung ein wenig verfolgt und war in den letzten Jahren hin und wieder dort und finde, dass dieser Ort einer der schönsten, völlig neu bebauten Bereiche von Berlin ist. Wo sonst ist eine solche eher interessante Abwechslung gelungen, die sogar "klassische Neubauten" zugelassen hat? Sicher sind solche schmalen Gebäude eher typisch für Amsterdam oder (in Deutschland) Köln oder Aachen. Außerdem tut es Berlin gut, dass es in der ansonsten durch die Nachkriegszeit und DDR eher proletarisierte Innenstadt wieder exklusives Wohnen gibt.
    Es müssen nicht überall Läden in den EGs sein, das war vor 1945 in den Straßen der Wohlhabenen auch nicht der Fall (bspw. Tiergartenviertel - komplett zerstört - viele Fotos beim Bildindex....)

    zum Beitrag Nr. 3544
    Selbstverständlich kommt das Holz aus Abbrüchen. Speziell in Westfalen und Niedersachen gibt es genug ländliche Fachwerkgebäude (Bauernhäuser) vorwiegend aus dem 19. Jh., die zum Abbruch stehen. Denkmalgeschützt sind die wenigsten. Reichlich Eichenholz gibt es besonders in den Balken über der Diele.
    Auf der Webseite von Kr amp und K r am p kann man sehen, wie dieses Fachwerkrecycling funktioniert. Man muss dabei immer bedenken, dass das Holz alternativ komplett im Bauschuttcontainer gelandet wäre. Solche inhabergeführten kleinen Firmen haben in den 70er und 80er Jahren geholfen, Fachwerkstädte wie Lemgo vor dem Verfall und mutwilliger Zerstörung zu retten.
    Auch die Fa. Bl ö ch er in Lemgo handelt mit altem Eichenholz http://www.bewaehrte-baustoffe.de/

    Für meine Augen sehen die Fassaden zunächst fachgerecht instand gesetzt aus. Das, was hier krisiert wird, ist lediglich die Farbe der Vierungen (=neu eingesetzte Naturstein-Stücke). Es ist immer schwierig, einen gleichwertigen Stein für Ausbesserungen im Sichtbereich zu bekommen. Naturstein ist ein Naturprodukt, d.h. am Besten bedient man sich aus dem gleichen Steinbruch wie die Altvorderen dies getan haben. Diese Steinbrüche sind schwer zu ermitteln, und stehen heute oft nicht mehr zu Verfügung (oft Naturschutz). Bei der Auswahl des richtigen Steines spielt nicht nur die Farbe eine Rolle, sondern auch viele andere pyhsikalische Kriterien des Materials. Aus der Ferne können wir dies nicht beurteilen.
    Bis vor 20 Jahren wurden solche Natursteinfassaden fast immer mit Steinersatzmassen ausgebessert, d.h. Mörtel mit individuell abgestimmten Zuschlägen. Mit diesen Methoden hat man überwiegend schlechte Langzeit-Erfahrungen - das ganze funktionierte in etwa so wie eine Plombe im Zahn. Insofern ist die jetzige Restaurierung erstmals seit der Erbauung eine wirklich Restaurierung und wird erfahrungsgemäß -hoffentlich- eine lange Haltbarkeit haben, wenn man technisch alles richtig gemacht hat.
    Die Farbgebung ist definitiv eines der kleineren Probleme. Man wird damit leben müssen, dass sich die Steinpartien erst mit der Zeit einanderer angleichen. Übrigens würde selbst neu eingebautes Originalmaterial mit einer neuen Schnittfläche zunächst anders aussehen als die angewitterte und nur gereinigte/restaurierte Originaloberfläche. Alternativ hätte man die ganze Fassade überstreichen können (es gibt geeignete Farbsysteme dafür, wie bei der Kommode), ob das aber besser gewesen wäre?

    #43 und die Antwort #51


    Das ist schon echter Stuck, allerdings stark restauriert. Solche Eingangssituationen gab es in Nord-/Mitteldeutschland bei kleinen Häusern recht häufig: in der Mitte der Hauseingang mit Treppenhauszugang, rechts und links Türen zu zwei sehr kleinen Länden. Heute ist das natürlich alles zu einer großen Ladenfläche umgebaut. Häufig haben bei solchen Nischen-Situationen die oberen Bereiche die 1930er bis 1980er Jahre unter Verkleidungen und Abhangdecken überlebt. Der untere Bereich von 2,80 m Höhe war meist zerstört und ist (so wohl auch in diesem Fall) rekonstruiert. Ebenfalls rekonstruiert erscheint der Schlußstein der Mitteltür.
    Übrigens zeigt gerade dieses Beispiel, warum der Historismus schon von den Zeitgenossen kritisiert wurde. Man sieht hier deutlich die additive rein dekorative Verwendung der Stuckteile, ohne Beachtung der klassischen Tektonik.
    Den Stropor-Stuck-Teilen fehlt fast immer die Tiefe der Details und diese sind niemals so wuchtig (weil das gerade im Außenbereich einfach nicht dauerhaft hält).

    Ich kann es auf den Fotos nicht erkennen, aber das ist bestimmt ein Blindenleistreifen. (Beim öffentlichen Bauen gelten sehr weitgehende Richtlinien für Behinderte, die in unserer sehr demokratischen Welt für sehr wichtig gehalten werden.)

    Ja, genau. Rein konservatorisch ist es für den Stein besser, diesen nicht anzustreichen. Auch unter dem Aspekt der Wartung. Gerade in 'Norddeutschland' (ob man Potsdam noch dazu rechnet, sei dahingestellt) gibt es eine ausgeprägte Tradition von materialsichtigen Oberflächen (Holzfachwerk, Ziegelstein, oder eben Sandstein). Dem gegenüber wird vereinfacht gesagt in 'Süddeutschland' der Naturstein eher überstrichen. Dies hat sicherlich auch mit dem Wetter zu tun.
    Im Barock und Klassizismus wurden auch in Norddeutschland mehr Fassaden komplett gestrichen als in anderen Epochen.

    Ah ja, jetzt wo du es sagst, sehe ich die Überblattung an der Strebe links oben auch... stutzig hat mich der geschossübergreifend durchgehende Ständer sowieso schon gemacht.
    Aber der ganze Vordergiebel ist doch definitiv nicht aus dem 15. Jahrhundert, sondern irgendwann mal neu abgezimmert und davor gesetzt worden?

    Definitiv ist der hintere Teil der Marktschänke von 3 (bzw. 6) Gefachen aus dem 15. Jahrhundert, die vorderen beiden Gefache würde ich zeitlich dem Giebel (17. Jahrhundert?) zuordnen, zum einen aufgrund des Höhenversprungs der Riegelketten, zum anderen aufgrund der Kopfstreben, die denen des Vordergiebels entsprechen. Somit hätte der Vordergiebel des 15. Jahrhunderts in etwa in der Flucht des linken Nachbarhauses gestanden und ist vielleicht im Hausinneren eingebaut noch erhalten.
    Wenn man das Fachwerk einmal genau aufzeichnet, mit allen Befunden, die man sieht, könnte man vielleicht noch mehr sagen. (Auf den vorliegenden Fotos kann man nicht alles genau erkennen.)


    Edit: zeitliche überschneidung mit vorherigem Beitrag von Mündener

    @Friedrich-Engels-Allee:
    Der Neubau sieht ja ganz O.K. aus. Im meiner Zeit in Wuppertal habe ich mir immer vorgestellt, den Autoverkehr auf eine neue Trasse neben der Bahnlinie zu verlegen und die Friedrich-Engels-Allee dann als Fußgängerzone/Fahrradstraße/Zone 30 zu gestalten. Eigentlich ist diese ja die Prachtstraße der Stadt, in ihrem unzerstörten Teil jedenfalls.

    Unser Exilwiener hat völlig recht mit seinem Beitrag.
    Ich wollte schon die Tage etwas ähnliches schreiben, dachte mir aber, dass es von vielen nicht verstanden würde.
    Die ökonomische Verknüpftung von Schloßgebäuden und einem privaten, oft landwirtschaftlichen Unternehmen, das diese Schloßanlage samt Ländereien betreibt, ist eine Notwendigkeit zu ihrem Erhalt.
    Als Beispiel führe ich meine Heimat Westfalen an. Dort ist nach 1945 alles beim alten geblieben und die vielen samt Inventar wohl erhaltenen Schlösser und Herrenhäuser, von denen man im Netz freilich wenig bis nichts findet, werden von den alten Familien und deren Gutverwaltungen, die oftmals als richtige Firmen funktionieren, betrieben. D.h. diese kümmern sich um eine rentable Nutzung, u.a. Vermietung jeder noch so unscheinbaren Scheune, jedes Ackerstückchens, auf dem in ehem. DDR heute 'Unkraut' wächst, weil sich niemand darum kümmert.
    Die unwissenden Bürger dieses Landes halten schlicht nicht für möglich, wie aufwändig das 'Betreiben' einer solchen Gutsanlage ist. Die alten Familien können dies in der Regel, weil sie von Kind auf gelernt haben, wie das geht ('Chef ist immer da und sich für keine Detailfrage zu schade'), und zum anderen natürlich in der Bundesrepublik wirtschaftlich frei agieren konnten und können. Die Komplettsanierung des Schlosses war und ist aber so gut wie keiner Familie finanziell möglich, man kann das nur erhalten, weil man kontinuierlich am Ball geblieben ist und bleibt, sich selbst in den wilden 60er Jahren nicht zu schade war, das alte weiter zu bewahren, während die normalen Leute modernisierten. Die westdeutschen Schlösser in Privatbesitz sind immer abschnittweise saniert worden, über Jahrzenhte hinweg, und nie völlig verfallen.

    Unfassbar, wie schimm es vielerorts in Hagen aussieht, wie viel Geld in den nächsten Jahren investiert werden muss, nachdem man gefühlt 20-30 Jahre quasi nicht mehr investiert hat. Dem Industrieareal braucht man glaube ich nicht wirklich hinterhertrauern, viel erhalteneswertes und umbaufähiges sehe ich nicht (das Industriezeithalter ist halt vorbei), aber das schöne Schulgebäude mit den Original-Fenstern und die gezeigten Wohnhäuser sind unbedingt rettbar. Doch wird es mit kleinen Investitionen nicht mehr gehen, hier muss rund 100 Jahre nach der Erbauung erstmals eine Kernsanierung her. Leider gibt es in Westdeutschland derzeit keine Kultur des 'restaurierens' solcher Objekte, auch keine Investoren, die Beispielsweise die Schule oder den Bahnhof in Lofts umbauen würden.
    Gerne mehr Fotos aus Hagen.

    Ja, es war (unausgesprochene!) Wertschätzung und die Demut für das verlorene. Auf breiter Front sichtbar sind diese Bemühungen der 80er Jahre allerdings nur in Westdeutschland geworden, daher passt dieses Thema im Dresden-Strang nicht wirklich.


    (In der DDR gab es lediglich Einzelprojekte unter staatlicher Obhut wie Barockhäuser an der Str. der Befreiung, Hotel Bellevue in Dresden, Barockhäuser Katharinenstr. in Leipzig.... in Westdeutschland hätte man derart herausragende Objekte sicher schon einige Jahre zuvor in Angriff genommen .... ergänzt 11:55 Uhr)