• Ich bin etwas überrascht über die scharfe Kritik. Finden an einem Denkmalgebäude neue Ergänzungen statt, so werden diese heute doch auch genauso abgesetzt? Außerdem wurde zumindest von meiner Erinnerung her an der Fassade nichts gemacht, was einer kompletten Rekonstruktion später im Wege stünde, es wurde lediglich das Gebäude auf diese Weise vor dem Abriss bewahrt. Die Ästhetik leidet natürlich, keine Frage, aber die grundsätzliche Ausprägung des Gebäudes ist viel besser erhalten, als bei irgendwelchen Kirchenruinen u.ä. Erinnerungsorten.

    Ja, Konservieren statt Restaurieren - so wie es Dehio wollte und es später sogar in der Charta von Venedig Eingang gefunden hat. Klar wird das mit den Schichten absetzen und zeigen oftmals so gemacht - aber man muss es ja nicht gut finden. Bei einer Haussanierung und bei Wiederaufbauten brauche ich keine Zeitschichten zu sehen. Das sieht künstlicher aus, als wenn man es ohne Zeitschichten restauriert.

  • Bei einer Haussanierung und bei Wiederaufbauten brauche ich keine Zeitschichten zu sehen. Das sieht künstlicher aus, als wenn man es ohne Zeitschichten restauriert.

    Zeitschichten offen zu legen finde ich generell eigentlich gut. Ich finde es unglaublich spannend, z.B. an einem Haus mit barocker Fassade die Teile zu sehen, die zeigen, dass das Haus eigentlich aus der Spätgotik stammt und nur im 18. Jahrhundert eine barocke Fassade erhalten hat.
    Das ist aber was anderes, als wenn bei bloßen Wiederaufbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen gewollt Brüche eingebaut werden, nur damit eine Zerstörung sichtbar bleibt.
    @ Majorhantines: Letzteres ist es, was hier so auf Kritik stößt. Nicht zuletzt, wegen des Geistes, der sich darin ausspricht und der auf eine Fetischisierung der Ereignisgeschichte auf Kosten der Geistes- und Kulturgeschichte hinausläuft.

  • Ach, weißt du, ich bin seit gut 20 Jahren in dem Thema Rekonstruktion und Wiederaufbau drin. Ich habe da schon so viel Unsinn erlebt und mir von Rekonstruktionsgegnern anhören müssen. Und ich habe erleben müssen, wie sie damit wieder und wieder bei den politisch Verantwortlichen durchkommen, obwohl ihre Argumente so hohl sind wie ein durchgeblasenes Ei.

    Meine Frustrationstoleranz gegenüber dem ganzen Zeug, das da verzapft wird - intellektuell wie architektonisch - , ist nach dieser langen Zeit mittlerweile auf Null gesunken. Ich nehme jetzt keine Rücksichten mehr auf irgendwelche Befindlichkeiten, sondern sage, was ich denke.

    Kann ich gut verstehen, aber ich meinte ja eh Klassiker. Du drückst dich ja nicht ganz so extrem aus. Und eine Frage zu deinem Profilbild: ist das der Bogen am Alten Rathaus von Regensburg?

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Das ist aber was anderes, als wenn bei bloßen Wiederaufbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen gewollt Brüche eingebaut werden, nur damit eine Zerstörung sichtbar bleibt.
    Letzteres ist es, was hier so auf Kritik stößt. Nicht zuletzt, wegen des Geistes, der sich darin ausspricht und der auf eine Fetischisierung der Ereignisgeschichte auf Kosten der Geistes- und Kulturgeschichte hinausläuft.

    Vielleicht bin ich da sehr isoliert mit der Meinung, aber ich würde gerne an historischen Gebäuden eine Vorgehensweise, wie sie beispielsweise Möbelrestauratoren vornehmen, sehen. Dabei wird das meiste reversibel addiert zu einem vorhandenen Stück. Z.B möglichst wenig zusammenleimen oder Wachs in Lücken, das auch wieder herausgeschmolzen werden kann. Deshalb finde ich es auch bei Reparaturen an Gebäuden kein Sakrileg solche Ausbesserungen nicht mit original historisch aussehenden Material zu machen und manches bewusst späteren Generationen zu überlassen wie damit umgegangen werden soll. Womöglich ist das ,,Ersatzteil" negativ oder von späteren Generationen anderst und besser ausgebessert, muss nochmal raus, oder man will später etwas umbauen, dann nimmt man lieber diesen jüngeren Bereich. Das geht ja auch mit einer guten Bauaufzeichnung, aber da kommt noch ein weiterer, persönlicher Aspekt: Mich hat schon als Kind erst richtig abgeholt, als ich bei der Brücke und später auch an einem anderen Gebäude Einschusslöcher entdeckt habe. Das war so ein einprägsamer Moment, in meinem beschaulichen friedlichen Örtchen diese Brutalität der Vergangenheit vorzufinden. Erst da wurde mir in kindlicher Naivität klar, dass das wirklich da war, nicht nur irgendwo fern. Und bei der Pinakothek ging es mir so, ich sah sie damals noch im Studium von der Mensa aus zum ersten Mal und wollte dann unbedingt herausfinden, wieso dieses Gebäude so aussieht. Es war also für mich ein erzählender Zeitzeuge, von dem es immer weniger menschliche Lebende gibt. Ich stimme zu, für dieses Zeitzeugnis wurde ein Kulturbau unnötigerweise herangenommen, und man könnte es besser integrieren in den Altbestand, damit es nicht als Bruch in der Stadtbildwahrnehmung zutagetritt. Aber wenn man die Kriegsfolgen sehen möchte, sollte man sie erkennen dürfen.


  • Das mittlere Haus wurde monatelang renoviert, neue Fenster eingesetzt und es wurde neu gestrichen. Optisch verliert das Gebäude durch die triste, abstoßende Farbe sogar gegenüber dem Vorzustand.


    Das Haus befindet sich in Sendling.

  • Die folgenden Häuser im Stadtteil Neuhausen sind für Neubauten und unter den schwierigen Bedingungen für schönes Bauen in München (zumindest für mein Dafürhalten) recht ansprechend. Mehr kann man in Bayerns Landeshauptstadt derzeit kaum erwarten.







  • Das mittlere Haus wurde monatelang renoviert, neue Fenster eingesetzt und es wurde neu gestrichen. Optisch verliert das Gebäude durch die triste, abstoßende Farbe sogar gegenüber dem Vorzustand.


    Das Haus befindet sich in Sendling.

    Nennt sich diese Farbe zufällig Straßendreck?

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Erst mal Dankeschön, lieber "Michael".

    In den Aussagen muss ich Dir aber zwei mal widersprechen.

    1. Das von Dir gezeigte renovierte Haus in Sendling finde ich jetzt verbessert. Nur nur, dass unter dem obersten Geschoss eine gliedernde Zierleiste angebracht wurde. Mir gefällt die Farbgebung in grau mit den lindgrünen Fenstern besser. Das Haus hat jetzt einen Charme der Nachkriegszeit. Könnte allerdings auch nach Ost-Berlin vor der Wende passen. Das meine ich aber anerkennend.

    2. An den Häusern in Neuhausen wiederum finde ich nichts ansprechend. Bei den Häusern zur Straße erst recht nicht. Die Häuser im Hofbereich sind etwas "klassischer" gestaltet, aber auch hier zu groß und klotzig bzw. zu wenig aus den Möglichkeiten herausholend.

  • Ich finde, die Fassade hat eher sogar etwas von der Zwischenkriegszeit. Also ein Gründerzeitler, der bereits zwischen 1920 und 1939 mal vereinfacht wurde und eine andere Farbe bekam (was übrigens gar nicht so selten vorkam wenn man sich späte Vorkriegsbilder anschaut, Stichwort Neue Sachlichkeit).

  • Sehr gerne, lieber Heimdall.


    Ich finde mich in vielen Deiner Aussagen wieder, aber hier kommen wir glaube ich nicht zusammen. Aber das wird schon wieder. :wink:




  • Dieser Wohnblock wurde mit recht geringem Aufwand optisch (Fenster und Farbe) deutlich aufgewertet. Jahrzehntelang befand sich das Gebäude in diesem Zustand

  • Abriss Leopoldstraße 59 in Schwabing steht nichts mehr im Wege (schon garnicht der Denkmalschutz): http://www.sueddeutsche.de/mue…-nichts-im-wege-1.2843836


    Quote

    Kulturhistorisch unbedeutend


    Der Abriss des Hauses an der Leopoldstraße 59-61, in dem Heinrich Mann 14 Jahre lang wohnte, steht kurz vor der Genehmigung.


    Quelle: https://www.sueddeutsche.de/mu…_jl2HPQmIp_9_MwMQwE5dT4tg

  • ,,Stilelemente sollen im Neubau aufgenommen werden''', oder in anderen Worten: das Haus hat Ecken und es hat ein Dach, mit etwas Glück vielleicht noch ein Fenster.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland