Posts by thommystyle™

    Vor einem Jahr fand zum Thema "Nueva Arquitectura Vernácula" an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura de la Universidad Politécnica de Madrid ein Symposium statt. Einige Vorträge wurden auch auf youtube hochgeladen und als Playlist zur Verfügung gestellt:



    Die Vorträge sind leider überwiegend nur auf spanisch gehalten. Dennoch gibt es auch einige, bei denen auch eine Englische Übersetzung dabei ist oder gänzlich in Englisch gehalten werden.


    Im englischsprachigen Raum, aber eben auch im spanischsprachigen wird - wenn es um das traditionelle Bauen geht - zwischen zwei Hauptströmen unterschieden: Einmal der classical architecure, also Bauen dass sich überwiegend an klassische Architektur (inkl Abkömmlinge wie Barock und Klassizismus), und deren Formalien anlehnt (Säulenordnung etc) und dann die vernacular architecture. "Vernácula" oder im englischen "vernacular", beschreibt die "einheimische" - im Deutschen würde man sagen die regionale Architektur. Beide Strömungen können sich ergänzen, mischen oder auch abgegrenzt nebeneinander existieren.

    Da gab und gibt es ja auch in Deutschland seit Ende des 19. Jh. immer wieder Bestrebungen regionale Besonderheiten auch bei Neubauten wieder zu integrieren und somit die visuelle Identität der Regionen zu stärken (Heimatschutzstil o.Ä.).


    (Hier, auf dem Kanal der Notre Dame School of Architecture gibts noch eine ganze Reihe weiterer Vorträge/Vorlesungen (auf Englisch).)

    Prinzipiell ist diese aus der Historie gespeiste Lösung nicht verkehrt. Allerdings hat man die Ansicht zumindest aus dem Blickwinkel auf das Händelhaus abgewertet. Vorher konnte man wenigstens die Illusion haben, ein praktisch unangetastetes Hausensemble zu erleben. Der Eindruck ist mit dem vielen Glas und der elektronischen Anzeige nun zunichte gemacht. Interessant auch, dass der Denkmalschutz anscheinend einer Lösung aus gegossenem Beton zugestimmt hat...

    Irgendwie will UrPotsdamer die Leser für Dumm verkaufen. Wie Heimdall schon schrieb: erst distanziert er sich von der Kritik anderer um dann seinen Senf dazuzugeben, was ihm unbelassen sein soll, wenn er das "vielversprechend, interessant, schön etc" findet, aber eben auch nur seine Meinung ist. Grundkonsens in diesem Forum ist diese Meinung sicherlich nicht.


    Freilich hat die Einschätzung von zeitlos, Heimdall, mir und weiteren usern auch gar nicht viel mit persönlichem Geschmack zu tun. Ganz im Gegenteil ließen sich aus der Baugeschichte der Stadt ganz einfach die Materialien und die Form - ganz wissenschaftlich - ableiten. Da will ich gar keiner Rekonstruktion oder einem historisierendem Neubau das Wort reden (obwohl ich sowas persönlich präferieren würde).

    Eine gegliederte symmetrische, traufständige Putzfassade, ein Dach mit roten Ziegeln gedeckt und gegliederte Fenster mit Holzrahmen wären Vorgaben aus der Kontinuität des Städtebaus heraus, aus der man auch etwas modernes machen könnte, eine Fassade, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt oder wieder an eine harmonische Fassadengestaltung im Einklang mit der Bautradition anknüpft und so selbst als Taktgeber für die Umgebung dient. (In Potsdam hat man so eine Bauaufgabe vor einiger Zeit schon mal wunderbar gelöst.)


    Hier würde jedoch wieder ein riesiger optischer Bruch ermöglicht: Dunkle Fassade, untypische Materialien, Assymetrie in Fassade und Fenster, ein "offenes Erdgeschoss", über dem die anderen Geschosse zu schweben scheinen, "Dachluken", die man an keinem anderen Gebäude ein Bamberg finden wird, eine sonst glatte Dachfläche. Hier versucht sich ein Architekt mitsamt seinem privaten Bauherrn auf Kosten der Allgemeinheit zu profilieren, die den Mist die nächsten 40 Jahre ertragen muss und womögliche weitere disharmonische Ausfransungen in dem Gebiet ermöglicht. Die nächsten Bauherrn kommen dann mit noch unerträglicheren Entwürfen und verweisen auf diesen Bau: "...ist doch auch genehmigt worden..."

    Es ist eine Vulgärmoderne wie aus dem architektonischen Gruselkabinett der 70er.


    Sehr wohl könnte und sollte man Bauherren an so einer Stelle - an einem der Eingänge zur Inselstadt - Vorschriften machen, zumal der Weltkulturerbebereich nicht weit ist. Aber auch unabhängig davon findet man in der Unteren Königstraße genug Gebäude, die eine maßvolle Moderne erfordern würden, welche dem historischen Bestand Respekt zollt.

    Das Bauherrn und Architekten an bewusster Provokation und Verschandlung gelegen ist, ist das eine, dass sowas aber von der willfährigen Stadtverwaltung genehmigt wird spricht Bände.

    Die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPK), die seinerzeit das Glockenspiel gstiftet hat, erfreut sich ja bester Gesundheit - nur ohne Max Klaar.

    Hochinteressant. Ich dachte man wollte die gespendeten Gelder - da endgültig nicht mehr im ursprünglichen Sinne zu verwenden waren - wenn ich mich recht erinnere so um die 6 Mio - peu à peu verschiedenen Projekten zukommen lassen und hernach die Stiftung auflösen... oder hat man es sich anders überlegt?

    Kaoru die Filme sind immer und immer wieder ein wichtiger Augenöffner (gleichsam ein Sehschule), insofern macht das überhaupt nichts, die Videos hier und dort zu posten. Heute ist es nicht mehr der Jodlerstil sondern Toskanastil und sonstige ortsuntypischen Bauten, Schotter"gärten" etc, die die Landschaft verschandeln....


    Heimdall, naja du vergleichst jetzt Bauten in größeren Städten wie Rosenheim oder dem München-nahen Holzkirchen mit im Film eher ländlich geprägten Orten. Auch damals hat man nicht überall im "Jodlerstil" gebaut. Es gibt aber im Oberland mittlerweile eine ganze Reihe aus der Tradition schöpfenden Architekten, die entweder sehr nahe an den Original-Häusern dran sind - ohne rustizierenden Kitsch - oder auf eine Moderne setzen, die sich and die Grundformen anlehnt, und somit auch keine totalen Fremdkörper sind.

    http://erlacher-architekt.de/

    https://www.kammerl-kollegen.de/html/projekt_privat_05.html

    http://www.zimmerei-stoib.de/m…lienhuser-wiessee-projekt


    Freilich, gebaut wird heute in den meisten Orten ohne große gestalterische Einschränkungen, und so ist dementsprechend auch das Ortsbild... Da steht dann Toskanahaus neben Schwedenhaus neben ultramodern (graues Pultdach und zumindest ein Eck verkleidet mit anthrazitgrau- oder dunkelroten Blech ist momentan der letzte Schrei).

    Weil es Kunst ist. Kunst muss nicht jedem gefallen. Kunst muss gar nicht gefallen.

    Die Frage ist also nicht mit "weil es Kunst ist" zu beantworten, sondern "weil es demokratisch so entschieden wurde".

    Ich würde keinesfalls bestreiten, dass es sich sich hier um Kunst handelt. Auch nicht das Kunst zwingend immer ästhetisch sein muss. Kunst ist wie wir festgestellt haben ein äußerst dehnbarer Begriff und bisweilen gilt auch schon ein Haufen Schrott/Müll als Kunst, die ausgestellt werden soll. Kann ja durchaus zum nachdenken anregen. Die Frage ist: Muss das auch in der Öffentlichkeit stehen?


    Selbstverständlich werden solche Werke wie dieser ins Groteske übersteigerte "Hektor" nicht ohne Hintergedanken aufgestellt. Hier soll das natürliche Schönheitsempfinden durch eine Provokation gebrochen werden. Hätte Lüpertz die Statue den menschlichen Proportionen folgen lassen, wäre diese Statue im Depot gelandet, Prädikat der Kunstexperten: eines seiner weniger interessanten Werke... So aber erfüllt es den Zweck der Irritation.

    Es ist die unbändige Lust am dekonstruieren, provozieren, an der Disharmonie, ja letztendlich am Zerstören, die solche Aufstellungen im öffentlichen Raum möglich machen. Letztlich dieselbe Ideologie, die hinter dem Modernismus steckt und die man anderen aufdrängen möchte.


    Wäre es im Museum gelandet wäre es eine freiwillige Angelegenheit gewesen. So muss sich jeder Passant damit auseinandersetzten.

    Letztendlich sagt sowas auch immer viel über die Gesellschaft aus.


    Warum stellt man in Schottland Skulpturen von Alexander Stoddart (oder hier) vor wichtigen (historischen) Gebäuden? Solche Kunst scheint in Deutschland nicht mehr möglich.

    Zur Diskussion: Vielleicht ist das sogar gewollt. Im Sinne eines "used look". Auf den Böden sind bislang nach den Fotos zu urteilen auch noch keine Läufer ausgelegt. Vielleicht möchte man ganz bewusst, dass die Räume in 50 Jahren nicht auch noch wie "frisch aus dem Ei gepellt" daherkommen, sondern "benutzt"?

    Wäre das keine Absicht, hätte man solchen Schutz schon längst angebracht, oder? Gerade weil es ja absoluter Standard ist. Oder ist man wirklich so naiv und vertraut darauf, dass die Besucher schon nicht.... Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Wunderbar! Vielen Dank für die Bilder und die positiven Nachrichten aus Landshut.

    Ich frage mich allerdings, ob diese Holzsichtigkeit tatsächlich so ursprünglich gewollt war. Keine Frage - das ergibt eine interessante Note im Stadtbild. Aber früher orientierten sich die ärmeren Schichten oft an "den Großen" und versuchten diese auf ihre Weise zu imitieren. So waren viele Fachwerkbauten z.B. in Nürnberg immer verputzt um ein "solides" aus Stein gemauertes Haus vorzutäuschen (nicht das die Fachwerkkonstruktionen nicht solide waren), dementsprechend waren die Fachwerkkonstruktionen nie als Sichtfachwerk gedacht und schauen als freigelegtes Fachwerk bei jüngsten Sanierungen dann etwas seltsam aus... Ähnlich könnte ich mir hier in Landshut vorstellen, dass die Blockhäuser schon immer oder zumindest schon sehr lange (also bereits vor dem 19 Jh.) verputzt waren, um nicht optisch zu weit hinter den Patrizier-, Großbürger-, Brau-, und Händlerhäuser anzustehen.

    Das ist ja mal eine positive Überraschung! Die Edith-Wagner-Haberland-Stiftung ist eigentlich bekannt für die hohe Qualität ihrer Projekte. Man ist stark im Denkmalschutz engagiert, hat dort jahrzehntelange Erfahrung. Dieses Jahr noch wird die von ihr maßgeblich finanzierte Rekonstruktion der gelben Treppe in der Residenz München fertig werden. Das diese Stiftung sich dort engagiert ist freilich dann wiederum gar nicht so überraschend, wie schon Chris1988 angemerkt hat, da ihr 50% vom Augustiner Bräu in München gehören. Wurden AdF 16/17 damals nicht auch schon durch die Stiftung errichtet? Wenn ich allerdings das Foto von Bert mit dem Bauplakat betrachte und richtig interpretiere sieht man im Hintergrund Beton oder? AdF16/17 wurde seinerzeit mit Ziegeln hochgemauert...

    https://archiv.neumarkt-dresden.de/an-der-fk.html


    Womöglich ist der Bau auch eine Art Selbstschutz - wäre für die Vermarktbarkeit des Augustiners wohl nicht so zuträglich, wenn man entweder ein zu bemüht modernistisches Ungetüm oder aber einen 0815-Standardbau neben den schönen Rekonstruktionen hätte. Nicht das ich glaube, dass sich irgendwer davon abhalten liese dort einzukehren, wenn z.B. dieser Stellwerkbau dort gebaut worden wäre - aber auf Bildern wäre es einfach ein unharmonischer Bruch gewesen - und sowas erzeugt bewusst oder unterbewusst auch immer negative Gefühle...

    https://www.br.de/nachrichten/…-streit-in-kochel,S6i7r5Q


    In Bayern hat man mit Mathias Pfeil genau den "Denkmalschützer" bekommen den sich die Politik gewünscht hat. Unter Egon Greipl wären solche Aussagen undenkbar gewesen...:daumenunten::kopfschuetteln: Viel Erfolg für die Verfassungsbeschwerde!

    Das hatte ich auch gedacht :biggrin:, links die Eden Lichtspiele, in der Mitte Tanz, der rustikale Hanseaten-Dielen-Schriftzug mag allerdings nicht recht zu den 50/60 Jahre-Design der beiden anderen passen; alles etwas "aufräumen" unnötige Plakate und Schriftzüge entfernen und die Leuchtreklame reinigen... ein bisschen 50er Jahre Nostalgie :smile:

    Wie solche Diskussionen laufen können sieht man gerade in Coburg: eine Dame, die selbst nicht mal direkt in Coburg aufgewachsen ist lebt heute in Berlin und hat eine Petition zur Abschaffung des Coburger Mohren gestartet. Die ö-r ( BR) Medien hecheln hinterher: Rassismusverdacht! Viele überregionale Medien berichten. Auf den Zug dieser verwirrten Person wird aufgesprungen. Geschichtskenntnisse: offensichtlich gleich Null.

    Die Stadtgesellschaft versteht die Welt nicht mehr. Auch Schwarze solidarisieren sich mit dem Mohren im Stadtwappen. Die Dame gibt weiterhin ihre gut eingeübten Sprechblasen und Phrasen von sich, hier auf DW TV, in dem Beitrag sieht man auch ganz gut wie genervt die Bürger von solchen künstlich aufgezwungenen "Debatten" sind: https://www.dw.com/de/rassisti…coburger-mohr/av-54223824

    Seit April diesen Jahres ist in China anscheinend ein neues Gesetz in Kraft:


    - alle Hochhäuser über 100m unterliegen ab sofort besonderen Restriktionen bzgl Rücksichtnahme auf Natur und historischer Umgebung

    und müssen chinesische Kultur repräsentieren (was immer das auch heißen mag in der Praxis)

    - Hochhäuser über 250m sind nur noch erlaubt, wenn es absolut keine Alternative gibt und unterliegen dann besonderes strengen Restriktionen

    - Hochhäuser über 500m sind komplett verboten


    Nun der Zusammenhang mit diesem Faden: das Gesetz verbietet ab sofort "Replika-Architektur", wie sie auf den vergangenen Seiten vorgestellt wurde; also keine Fake-Eifelltürme, Fake-Tower-Bridges, Fake-Heidelbergs mehr...


    Ich habe die Türken gestern auch schon wieder vor Wien gesehen.


    Das soll wohl ein Zitat sein. Unabhängig davon, ob es so getätigt wurde, gehört eine Quellenangabe zu jeder respektvollen Diskussion dazu. Ich glaube, darauf weise ich dich nicht zum ersten Mal hin.

    Ob der erste Satz zu einer "respektvollen Diskussion" gehört, kann jeder für sich entscheiden.


    Zur (Teil-)Quelle zum 2. Satz: https://twitter.com/jenanmoussa/status/1281875108039196672

    Man sehe für den arabischen Empfänger gibt es eine extra Verlautbarung mit unterschiedlicher Wortwahl.


    Zu Spanien: Die Enteignung der Mezquita-Catedral wird immer wieder von der spanischen extremen Linken "podemos" ins Spiel gebracht. Mit großer Unterstützung der Muslime in Spanien. Eigentlich erstaunlich diese Allianzen aus Links und Islam, bei näherer Betrachtung aber gar nicht so sehr überraschend.

    Ich denke das liegt auch hierin begründet:

    Hier entstehen Spannungen, die man versucht mit universellen Bauten und nichtssagender Architektur abzumildern. Man kommt dieser neuen Gesellschaft entgegen und negiert bzw. verdrängt dafür das Eigene. Der Schutz und die Bewahrung der eigenen Identität ist zweitrangig oder gar nicht mehr vorhanden.

    Du sprichst sicherlich allgemein von Architektur, bezüglich Religion kann man in diesem Zusammenhang auch solche politischen Luftschlösser wie das "House of One" in Berlin sehen.