Posts by Löbenichter

    Interessant ist auch der Gedankengang, wenn Königsberg an Polen gefallen wäre. Würde ein polnisches Królewiec ähnlich aussehen wie Breslau oder Danzig? Ich glaube ja, es wäre auf jeden Fall deutlich mehr erhaltengeblieben.


    Und wenn man es den litauischen Behörden als Karaliaučius übergeben hätte? Würde es wahrscheinlich ähnlich aussehen wie Memel /Klaipeda.


    PS: Auf Instagram gibt es zahlreiche Kanäle zum alten Königsberg mit bis zu 50 000 Followern. Die heutigen Bewohner sind sich des einstigen Glanzes der Stadt bewusst und würden lieber heute als morgen das alte Stadtbild zurückhaben. Es gibt da draussen in der weiten Welt mehr Königsberg-Fans als man denkt, insofern lebt die Stadt in den Herzen der Menschen weiter.




    Kann zeitgenössische Architektur sich selber noch unterbieten? Sie kann, wie der geplante Neubau des "Forums der Physik" am Englischen Garten zeigt. Erschreckend wie die Entwürfe alle gleich aussehen.



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    Bis vor wenigen Jahren noch stand das Gesamtbauvorhaben an diesem Standort unter etwas brisanteren Vorzeichen. Das Gelände besetzt ein historisch gewachsenes Ensemble von Institutsgebäuden der Tierärztlichen Fakultät der LMU, die nach Oberschleißheim in den Norden von München zieht. Die Bestandsgebäude sind nun dem Abriss geweiht, was nicht überall auf Wohlwollen stieß. Mit einer Petition und Gesuchen beim Landesamt für Denkmalpflege versuchte vor allem die Initiative Altstadtfreunde München das großformatige Neubauvorhaben zu verhindern. High-Tech-Forschung brauche jedoch moderne Gebäude, lautete 2016 die Forderung des damaligen Wissenschaftsministers Ludwig Spaenle und des amtierenden LMU-Präsidenten Bernd Huber.


    Forum der Physik am Englischen Garten - Wettbewerbsentscheidung für Neubau der LMU München

    Am Rande der Altstadt der alten westpreussischen Hansestadt Thorn entsteht ein neues Europäisches Filmzentrum. Mir ist das viel zu nah an der Altstadt (Bild 10) und von der Konzeption her überholt. Aber wenn ein Vorarlberger Architekturbüro gewinnt, kann man historische Referenzen kaum erwarten..


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    Das geplante Europejskie Centrum Filmowe Camerimage soll zunächst einmal Mittelpunkt des Festivals sein, aber auch ganzjährig Programm für Menschen von Toruń ebenso wie die Filmwelt bieten. Die Architekten sprechen dahingehend von einer Stadt für Cineasten, die neben einer Festivalhalle und Kinosälen unter anderem auch Studios, ein Museum, Seminarräume und ein Ausbildungszentrum umfassen wird. Geplant ist eine Bruttogeschossfläche von insgesamt 42.000 Quadratmetern. Diese verteilt sich auf mehrere Volumen, welche wiederum unterirdisch verbunden sind. Im Untergeschoss wird dann auch das Museum Platz finden, denn beim Thema Film stört allzu viel Außenbezug ja ohnehin.


    Europäisches Filmzentrum - Baumschlager Eberle gewinnen in Torun


    Im oberpfälzischen Lauterhofen wurde die im 16./17. Jahrhundert erbaute Alte Mälzerei nach langem Verfall umfassend saniert.



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    Berschneider + Berschneider bewahrten im Zuge der Kernsanierung möglichst viel der rohen Materialität der Mälzerei, entfernten modernen Putz und legten Balken frei, um den historischen und eigenwilligen Charakter hervorzuheben. Damit eine adäquate Raumhöhe erreicht werden konnte, wurde im Erdgeschoss der Boden abgesenkt und ein Teil der Decke zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss sowie die Decke zum Dachgeschoss vollständig entfernt.


    Neues Leben in der Mälzerei - Denkmalsanierung von Berschneider + Berschneider in der Oberpfalz

    In Halle-Neustadt wird das an einem Plattenbau angebrachte Kunstwerk des katalanischen Künstler Josep Renau in den nächsten drei Jahren aufgefrischt und saniert.



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    Gestaltet wurde das 7×30 Meter große Wandbild “Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR” 1974 vom spanischen Künstler Josep Renau. Zu sehen ist unter anderem der Kopf von Karl Marx. AfD und CDU hatten sich zwischenzeitlich für eine Abnahme des Kunstwerks plädiert. In diesem Fall müsste aber die Stadt die Kosten komplett tragen und die Fliesen einlagern, weil das Kunstwerk unter Denkmalschutz steht.


    „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“: Mosaik in Halle-Neustadt wird saniert



    71 74 Renau 01

    Dagmar Schmidt, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

    Eine schöne Meldung aus der Ewigen Stadt: Der deutsche Friedhof (Campo Santo Teutonico), gelegen innerhalb der Vatikanmauern, wird u.a. mit Mitteln des Bundes umfassend saniert.


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    An der Finanzierung der Sanierung wird sich auch die Bundesrepublik Deutschland mit 15 Millionen Euro beteiligen. Bätzing dankte dem Bund für die Unterstützung. "Der Deutsche Bundestag hat in den Bundeshaushalt für das Jahr 2021 erstmals einen Zuschuss für die grundlegende Sanierung des Campo Santo eingestellt und damit die geschichtliche Bedeutung dieses Gebäudekomplexes, die in die Gegenwart hineinragt, gewürdigt", betonte der DBK-Vorsitzende. Die Bischofskonferenz komme "gerne" der Bitte nach, sich gemeinsam mit der Erzbruderschaft des Campo Santo Teutonico um eine "zügige" Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen zu bemühen.


    Campo Santo Teutonico wird saniert – Bund gibt 15 Millionen Euro



    Campo Santo Teutonico from St. Peter's

    Johannes Müller, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons


    PS: Weiss jemand, was das für ein massiver gewellter Bau im Hintergrund ist?

    In der litauischen Hauptstadt Vilnius wird das Bahnhofsareal durch das Architekturbüro Zaha Hadid grundlegend umgestaltet.



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    Zentraler Baustein ist eine neue, 150 Meter lange und 46 breite Brücke über die Bahngleise, die den südlichen Stadtteil Naujininkai mit dem Stadtzentrum und der Altstadt von Vilnius verbindet. Wo die Gleistrassen zuvor einen städtebaulicher Keil bildeten, soll nun ein Ort der Verbindung und des Zusammenkommens entstehen. Die helle, zweistöckige Halle mit Oberlicht soll den Bau auch in den harschen Wintern Nordosteuropas zu einem beliebten Aufenthaltsort machen.


    Die Anlage am Stoties Platz vor dem Haupteingang im Norden soll umfassend umgestaltet werden. Hier entsteht ein neuer Busterminal, der jedoch kaum sichtbar sein wird. Auf dessen Dach aus lokalem Leimholz wird eine Terrasse installiert. Der gegenüberliegende Park soll durch 300 zusätzliche Bäume, eine kleine pavillonartige Struktur, Sitzgelegenheiten und Wassergärten für die Sammlung, Filterung und Reinigung von Regenwasser aufgewertet werden. Autos fahren künftig in die Tiefgarage. Im bestehenden Bahnhofsgebäude sollen die kleinteiligen Einbauten wie Kioske und Büros verschwinden, damit alles offener wirkt.


    Parametrischer Knotenpunkt - ZHA planen Bahnhof in Vilnius

    In der kleinen Gemeinde Seestermühe, gelegen in den Elbmarschen, befindet sich ein gleichnamiges Gut mit einer historisch wertvollen, barocken Lindenallee von 1710. Diese wurde nun mit Fördergeldern von versch. Organisationen gerettet und saniert.



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    „Die historische Lindenallee Seestermühe ist gerettet! Die notwendigen Baumpflegemaßnahmen und Neupflanzungen konnten durchgeführt werden. Das Konzept, an einem Runden Tisch alle am Erhalt der Allee interessierten Akteure zusammenzuführen, war erfolgreich. Es ist auch gelungen, mit einem neuen, nur für die Allee und ihren Erhalt zuständigen Förderverein, nachhaltige Aktivität für Pflege und Erhaltung zu sichern“, sagt Dr. Frank Schoppa, Initiator und Koordinator des Projekts als Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.


    Gerettet: Historische Lindenallee Gut Seestermühe saniert



    Seestermühe Gut

    Uwe Barghaan, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons


    Ansicht 1988


    In Amsterdam wurde ein neues Holocaust-Mahnmal eingeweiht, unter Mitwirkung des Architekten Daniel Libeskind. In die Ziegel des Backstein-Bauwerks sind die Namen von 102 000 niederländischen Juden eingraviert, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden.



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    Daniel Libeskind ergänzt mit dem Dutch Holocaust Memorial of Names sein Repertoire gebauter Gedenkorte mit Bezug zur jüdischen Geschichte nach Berlin, Ottawa oder etwa Ohio nun auch in den Niederlanden. Mit den Backsteinen nehmen die Planer Bezug zum baulichen Lokalkolorit, gleichzeitig erlaubt die elementierte Materialwahl, jedes Opfer einzeln zu würdigen. Die Steine tragen eine haptisch erfahrbare Gravur mit Namen, Geburtsdatum und Alter zum Zeitpunkt der Ermordung.


    Die Menschen hinter den Lebensgeschichten hatten nie ein eigenes Grab. Der Ort des Gedenkens an der Weesperstraat ist dabei seinerseits geschichtsträchtig. In der Gegend im östlichen Stadtzentrum finden sich mehrere Denkmäler und Gebäude, die eng mit dem jüdischen Leben in Amsterdam verbunden sind. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren hier nahezu alle Bewohner jüdischer Herkunft.


    Steine des Gedenkens in Amsterdam - Holocaust-Mahnmal von Studio Libeskind

    German architects doing German architects things: So wie das fürchterliche neue Landratsamt in Tuttlingen.



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    Der Neubau mit seiner tragenden, streng gerasterten Fassade aus Betonwerksteinen ist im Westen von Tuttlingen situiert. Die Architekten antworten auf den nach ihren Aussagen eher verspielten Bestand von Günter Herrmann Architekten mit entschiedener Zurückhaltung. Ihr Volumen über rechteckigem Grundriss markiert eine Ecke des Blocks, so dass zwischen den beiden Gebäudeteilen ein öffentlicher Platz entsteht. Der wird von einer rostig-erdigen Skulptur des Künstlers Jörg Bach namens „Begegnungen“ dominiert, die sich dort schon seit 2002 befindet. Die helle Fassade der Erweiterung, die in ihrer Farbigkeit an das Stammhaus anknüpft, schafft in diesem Sinne einen Rahmen für die Kunst.


    Begegnungen vor Beton - Landratsamt in Tuttlingen von Beer Bembé Dellinge

    Im märkischen Lieberose befindet sich eines der grössten Barockschlösser Brandenburgs. Es wurde bei den Kämpfen 1945 teilweise zerstört und der markante Uhrenturm stürzte 1975 ein. Jetzt hat ein Berliner Augenarzt die Immobilie erworben und wird es sanieren. Ob es dabei auch zu Rekos kommt ist noch schwierig zu sagen, bei der Grösse des Schlosses.



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    Das Schloss Lieberose, seit drei Jahrzehnten mehr oder weniger brachliegend, soll zunächst saniert werden. Dann will der neue Besitzer, so zitiert Bürgermeisterin Petra Dreißig (Bündnis Zukunft Lieberose) aus einem an sie gerichteten Brief, Ärzte ansiedeln, es soll ein kleines Hotel entstehen. Räume für Veranstaltungen und Ausstellungen sollen erhalten bleiben. Wie es weiter heißt, soll der 34 Hektar große Park für die Bevölkerung weiter zugänglich sein.


    Praxen und Hotel sollen in verlassenes Barockschloss Lieberose einziehen



    Lieberose Schloss-01

    Radler59, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

    Im thüringischen Probstzella, einstmals im Sperrzonengebiet der DDR gelegen, befindet sich das zwischen 1925 und 1927 erbaute "Haus des Volkes" im Bauhausstil. Ein markanter Bau, der über Jahrzehnte verfiel. Seit 2003 hat das Eigentümerehepaar das Gebäude Schritt für Schritt wiederbelebt, die Räume nach alten Plänen rekonstruiert und daraus ein stilvolles Hotel gemacht.



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    Er will Bauhaus erlebbar machen. Dafür hat Dieter Nagel sich Unterstützung von Studenten der Bauhaus-Universität in Weimar geholt, die monatelang am Boden und an den Wänden kratzten und Farbvorlagen von Alfred Arndt recherchierten. Im Treppenaufgang ist Arndts Umgang mit Farben besonders schön zu sehen. Da wechseln sich die blassen Farben Gelb, Grau, Weiß ab und die starken Farben Rot und Blau.


    Von den Originalen ist zwar kaum etwas erhalten, aber glücklicherweise funktionieren die originalgetreuen Nachbauten im Bauhausstil. Wenn man den „Blauen Saal“ betritt und die Herbstsonne scheint durch die raumhohen Messingrahmenfenster, zeigt sich die ganze Stärke dieses Liebhaberprojekts. Hier wollte jemand einen extrem schönen Ort schaffen. Nun wird der Park mit Pavillon aufgemöbelt, ebenso die Garagen im Bauhausstil.


    Dieses Bauhaus-Hotel in Thüringen ist ein Geheimtipp



    Bauhaushotel




    Probstzella-Haus-des-Volkes

    Störfix, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons


    Ansicht 2008



    KO Bauhaus-Probstzella

    Meterstab, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons


    Ansicht 2019



    Treppenhaus 'Haus des Volkes' Probstzella

    Babs Steiner, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

    Eine kleine, aber feine Meldung: Am Nordportal des Frankfurter Doms wurde der Kopf des heiligen Bartholomäus rekonstruiert, welcher seit 2007 fehlte. Gerade so kleine Rekos sind immer wichtig und für die Gesamtwirkung nicht zu unterschätzen. :applaus:



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    Die neugotische Skulptur des St. Bartholomäus wurde 1884 angefertigt und befindet sich ganz links am Nordportal, das ursprünglich aus der Zeit um 1350 stammt. Seit 2007 fehlte der Kopf der Figur. Vermutlich ist er abgestürzt; er wurde nie gefunden. Das Nordportal führt am nördlichen Ende des Querhauses zum Domplatz und ist das prächtigste Portal der Kirche. Im Zuge der Dach- und Fassadensanierung des Doms war es lange eingerüstet und ist erst seit kurzem wieder sichtbar. Die Rekonstruktion des Kopfes der Skulptur erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst wurde er in Anlehnung an Fotomaterial und die Originalfiguren in Ton modelliert. Anschließend fertigte der Steinmetzbetrieb Rycek aus Würzburg eine Kopie aus Weiberner Tuff, dem ursprünglich verwendeten Material.


    Figur am Nordportal des Frankfurter Doms ist wieder vollständig