Posts by Majorhantines

    Hier die Überlagerung der historischen Parzellen (rot) mit der aktuellen, vollig banalisierten Straßenführung.

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    Eine solche Karte könnte man auch mal nutzen, um in Zahlen zu konkretisieren, wie viel DDR (41 Jahre Dauer) noch immer im alten Zentrum Berlins steckt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zahl hoch genug ist, um Argumenten, wie dass die DDR Epoche durch Abrisse nicht mehr angemessen gewürdigt würde, erheblich Wind aus den Segeln zu nehmen. Allein hier in der abgebildeten Bereichen bleibt der historische Straßengrundriss zum erheblichen Teil vernichtet.

    Die Plätze und Straßen in Deutschland sind zunehmend vermüllt - und das obwohl die Städte erhebliche Mittel in die Hand nehmen, das Problem im Griff zu behalten. In Köln wird allein für illegale Müllablage 13 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben.

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    Die zunehmende Vermüllung ist kein Kölner Einzelphänomen. Auch keines nur von Großstädten. Viele Stadtreinigungen bundesweit sind mit ihrer Arbeit am Limit.

    Diese Aussagen, die sich wiederholen, dass man nur appellieren kann an den Einzelnen, keine Schuldigen benennen könnte, es ein individuelles Thema ist, das sehe ich nicht so. Es ist ein gesellschaftliches, und es ist ein Unding, dass das Fehlverhalten nicht so wie früher auch gesellschaftlich viel stärker gebrandmarkt wird. Auch ist es in meinen Augen das Symptom eines Desinteresses für unser Stadtbild. Es muss endlich die zentrale Relevanz des Themas Stadtbild überall ankommen. In den Schulen fehlt Kulturunterricht. In den Familien die vorgelebte Wertschätzung gemeinschaftlicher Güter. Bei den Behörden demfolgend eine sehr viel restriktivere Verfolgung. Bei Stadtplanern und Architekten, dass sie Orte schaffen müssen, die die Menschen lieben und funktionieren nach der menschlichen Psychologie.
    Alles andere, wie Mehrwegbecher, ist reine Symptombekämpfung, die wie sich an den absurden gezeigten Reinigungszyklen von teils täglich und trotzdem unerträglichem Zustand im Ergebnis darstellen.

    Denkmalgerechte Sanierung der Hyparschale:

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    Die Sanierung und Umgestaltung von zwei bedeutenden Baudenkmalen des 20. Jahrhunderts werden in einem spannenden Filmdokument verewigt: Seit 2021 begleitet der Filmproduzent Detlef Suske im Auftrag der Architektenkammer Sachsen-Anhalt und gefördert vom Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt die Bauarbeiten an der Hyparschale und der Stadthalle auf der Magdeburger Rotehorninsel mit der Kamera. Für die Planung der Umbauten und der Sanierung beider Bauten wurde das Büro gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner aus Berlin beauftragt. Die örtliche Bauleitung hat das Büro A.BB Architekten aus Magdeburg übernommen. Die Intention des Projektes im Rahmen der Landesinitiative Architektur und Baukultur in Sachsen-Anhalt ist nicht allein die Dokumentation der Bauprozesse, sondern zugleich zu zeigen, wie Baukultur entsteht und bewahrt wird. Durch die Filme können sich Interessierte dauerhaft im Internet einen Einblick über den Baufortschritt an diesen besonderen denkmalgeschützten Bauten verschaffen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Sanierung der Magdeburger Hyparschale auf der 18. Architekturbiennale in Venedig. Das vom Bauingenieur Ulrich Müther geplante und 1969 gebaute Zeitzeugnis war eines der sieben Fallbeispiele von „Umbaupraktiken des 21. Jahrhunderts“, die sich mit dem Architekturerbe der Moderne auseinandersetzen und in der Lagunenstadt vorgestellt wurden.

    ,,GENUG BAROCK ERHALTET UNSERN BLOCK"

    Zeigt halt wieder mal die Geisteshaltung. Andere sollen machen. Statt dass man selbst Spenden sammelt und glaubwürdige Sanierungskonzepte vorlegt, pinkelt man anderen ans Bein, die genau das gemacht haben, Pläne erstellt, Gelder aquiriert, Bauten realisiert und damit die Stadt schöner gemacht haben. Also entweder man ist ,,nur" Mieter und hat mit dem Eigentum anderer nichts zu schaffen, oder aber man fühlt sich als mehr als Mieter und möchte mitgestalten, dann auch mit Eigenmitteln und Plänen, und nicht nur Forderungen an andere.

    Periodisch wird eine neue Kuh durchs Dorf getrieben.

    Ich sehe das nicht einfach nur als den "nächsten Hype", der hier beschrieben wird. Ich finde das Video zeigt eine realistische Fortentwicklung gemessen an den heutigen Maßstäben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Erfassung verwendeter Baumaterialien in digitaler Form sich durchsetzen wird. BIM wird heute eingesetzt und geht in genau diese Richtung, bloß dass es auf das eigentliche Bauprojekt beschränkt ist. Ich denke das Thema Recycling wird uns zwangsläufig dauerhaft begleiten. Bei Reuse sind Zweifel angemessen (Ausnahme wie im Video gezeigt Umnutzung ganzer Gebäuden), beim Recycling eher nicht.

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    Aus Alt bau Neu! Architekten entdecken Recycling (2020)

    NZZ Format

    30.06.2024

    Recyceln ist heute nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, Recyceln ist auch chic, wie die Freitag-Taschen zeigen. Zunehmend auch beim Bauen. Die Herstellung von Beton, Stahl und Glas verbraucht enorm viel Energie, setzt CO2 frei, und am Ende des Gebäudelebens steht der Abriss – und unsere Wegwerfmentalität. Das können wir uns so nicht mehr leisten, die Ressourcen werden knapper. Immer mehr Architekten entwerfen inzwischen Gebäude nach dem Motto: Aus Alt mach Neu. Recycelte Materialen finden wieder Verwendung und die Kreativität hier ist gross. Wer heute neu baut, der sollte schon jetzt darauf achten, dass das Material später wiederverwendet werden kann, fordern die visionären Architekten. Dafür wird gerade eine besondere Bibliothek der Materialen entwickelt.

    Zitat aus dem Video:

    ,,Alles soll möglichst lange halten und trotzdem schön aussehen. Es gibt kein nachhaltiges Gebäude, das nicht in einer sehr guten Architektur realisiert worden ist. Alles was man liebt, pflegt man. Und Sie müssen als Architekt alle Sorgfalt darauf verwenden, dass die Menschen das Gebäude lieben. Weil wenn das Gebäude hässlich ist, dann werden sie dazu keine Sorge tragen und Sie werden nie auf die Lebensdauer kommen, die dieses Gebäude braucht, um die graue Energie und das graue CO2, das trotz allem natürlich drin ist je zu amortisieren. Schön sollten wir bauen. Langlebig und verantwortungsvoll."

    Danke.

    Thema gewagte Konstruktion:

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    Es wird gerade versucht beim Holzbau immer weiter hinaus zu kommen. Dabei sogar auf den bisher notwendigen Betonkern verzichten zu können.
    Die ganze Doku dreht sich um das Trendthema Ökologie im Zusammenhang mit dieser neueren Bautechnik und dann sind die Schlussworte, dass diese Gebäude für eine 50-60 Jahre dauernde Nutzungszeit ausgelegt werden. Dann soll das Holz jedoch wieder verwendet werden. Klingt für mich nicht vernünftig.

    Mein Ansatz bei der Materialwahl und der Farbigkeit ist - und damit decke ich mich mit der Ansicht der Denkmalpflege - zunächst den Originalbefund heranzuziehen - wenn möglich. Wenn nicht möglich, dann muss man sich vielleicht für eine andere Zeitschicht entscheiden. Ist auch dies schwierig, dann sollte man Vergleichsbauten heranziehen. Die Möglichkeit, den Eindruck einer Patina zu erzielen oder zu erhalten, kann - wenn möglich - berücksichtigt werden, aber niemals über dem Baubefund stehen.

    Das ist nachvollziehbar, wenn man aus einem wissenschaftlichen Anspruch heraus Gebäude unterhält. Dadurch, dass das aber nur ein Aspekt von ganz vielen ist, würde ich das gerne hinterfragen. So ist dieser Ansatz stark abhängig von hochspezialisierten Experten, die dann sich z.B. durch die Wandschichten arbeiten. Natürlich auch entsprechend sehr teuer und zeitraubend. Das soll kein Totschlagargument sein, man muss sich überlegen, ob die Investition gerechtfertigt ist (bei Ausgrabungen ist man z.B. ja auch bereit das zu investieren), aber generell kann man konstatieren, dass man über diesen Weg nicht sehr viele Bauten so sanieren kann und entsprechend "wenige" betreut der Denkmalschutz heute. Ich denke aus gesellschaftlicher Sicht (und in diesem Fall liegt die überquer zur wissenschaftlichen) ist von sehr viel höherem Wert, wenn solche Sanierungsansprüche gesenkt würden, dafür mehr Bauten (auch von den Besitzern dann begrüßt) unter Denkmalschutz kämen, bei erheblich gesenktem Aufwand bei Sanierung. Der Denkmalschutz könnte Materialien vorgeben, wo man weiß, dass sie dem Bestand nicht schaden, könnte auch vorgeben, wie vermieden wird, dass es grobe Stilbrüche gibt, wie z.B. ungeeignete Fensterteilungen, Dachaufbauten etc., und eben wie hier diskutiert wie ein organischer Look erreicht wird (das wäre komplett neu soweit ich weiß). Das würde m.E. für fast alle ausreichen, hohe ästhetische Ergebnisse liefern, und würde dem Denkmalschutz wieder Zuspruch und Anerkennung geben in der Bevölkerung, weil er tatsächlich dann Hilfe ist und nicht einfach ein Verteuerer und Verkomplizierer aus Prinzip.

    Wie definiert sich eigentlich Leerstand? [...] Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um nicht ständig oder gar nicht genutzte Zweitwohnungen.

    Das beklagen auch viele, dass die Datenlage zu Leerstand sehr schlecht ist. Vorgeschlagen wird, dass die Kommunen selbst ihren Leerstand stärker beobachten sollen. Einige Städte machen das nämlich schon individuell und kreativ, z.B. werden Verbrauchsdaten herangezogen von Stadtwerken. Da kann man dann relativ präzise längeren Leerstand abbilden. Leider fehlt da dann der Leerstand < 12 Monate ist also nur für strukturellen Leerstand geeignet die Methode.

    einer Leerstandsquote von lediglich 0,8% (2023)

    Da vergleichst du nun aber auch Äpfel mit Birnen. Die Leerstandsquote wird anders ermittelt. Aber deine Botschaft bleibt in diesem Fall ungefähr richtig, weil es mit den passenden Zahlen knapp 2% sind, was für Anfangsleerstand bei Neubau, modernisierungsbedingten Leerstand und fluktuationsbedingten Leerstand in Summe ein guter (niedriger) Wert ist.
    Augsburg wäre ein Beispiel, das mir spontan käme, wo es trotz wirtschaftlicher Stabilität, Universitätslandschaft, Großstadt eine vergleichsweise hohe Quote von 4% gibt.

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    Fast zwei Millionen Wohnungen stehen leer

    Trotz Wohnungsnot stehen laut Statistikamt in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer - vor allem in Großstädten. Allein in Berlin waren es zum Stichtag mehr als 40.000 Wohnungen, in München mehr als 20.000.

    Zensus: In Deutschland stehen fast zwei Millionen Wohnungen leer
    Trotz Wohnungsnot stehen laut Statistikamt in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer - vor allem in Großstädten. Allein in Berlin waren es zum Stichtag…
    www.tagesschau.de

    2018 waren es noch 1,7 Millionen leerstehende Wohnungen. Das Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung (BBSR) schätzt die Zahlen höher. Für Berlin sind übrigens 40.000 Wohnungen eine Verbesserung, zum Vergleich, 2005 waren es noch über 100.000 laut Wohnungsmarktbericht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Investitionsbank Berlin (IBB). Berlin ist auch zu einer Veranschaulichung ganz nützlich: So entspricht die Zahl der leerstehenden Wohnungen in Deutschland ungefähr dem gesamten Wohnungsbestand Berlins.

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    Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg, zu BILD: „Das Problem ist, dass der Leerstand gerade in kleinen Orten häufig innerstädtisch in Altbauten ist. Das sind oft Wohnungen, die nicht mehr den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen entsprechen. Gleichzeitig suchen solche Kommunen oft geradezu händeringend nach Einnahmen. Der Verkauf neuen Baulands und die angestoßenen Baumaßnahmen sorgen natürlich für Impulse. Doch der Leerstand wird dadurch nicht abgebaut, sondern verfestigt sich. Tatsächlich sinkt die Vermarktungsfähigkeit mit jedem Jahr Leerstand.“

    „Die Autoren sprechen damit ein seit Jahren existentes Problem an. Gesamtwirtschaftlich wäre die Stärkung des Bestands sinnvoller als der Neubau, doch einzelwirtschaftlich bleiben die privaten Entscheidungen nachvollziehbar – sowohl jene der Kommunalpolitiker als auch jene der Immobiliennutzer.“

    Wohnungsmangel-Irrsinn: Fast 2 Millionen Wohnungen stehen leer
    Alle reden über Wohnungsmangel – dabei stehen bundesweit viele Wohnungen leer! Eine neue Studie zeigt, wo das Problem am größten ist.
    www.bild.de

    In den vergangenen 20 Jahren wurden in Ostdeutschland bereits grob 370.000 Wohnungen rückgebaut.

    Zur Einordnung, wo die Leerstände sich häufen:

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    Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln mahnt die Politik, das Thema Leerstand nicht weiter zu vernachlässigen. „Manche Regionen schrumpfen kontinuierlich“, sagte der Immobilienökonom dem Handelsblatt. Das löse Abwärtsspiralen aus. „Je mehr Leute wegziehen, umso unattraktiver wird das Leben in diesen Regionen.“ Nicht nur, weil ein hoher Leerstand abschreckend auf mögliche Neuzugänge wirkt, sondern auch, weil die örtlichen Gebühren für Müllabfuhr oder Wasser sich auf immer weniger Bewohner verteilen und damit steigen.

    Wohnungsmangel: Mehr als eine Million Wohnungen stehen leer – wer zieht raus aufs Land?
    Bundesweit fehlen rund 750.000 Wohnungen. Es gibt aber auch viel Leerstand - außerhalb der Ballungsräume. Wie lässt sich das auflösen? Welche Vorschläge…
    www.handelsblatt.com

    Zum Vergleich: In der Schweiz stehen lediglich 70.000 Wohnungen leer. Um die 3%. Und deren Zahlen sinken sogar, nachdem in der Coronazeit dieser Höchststand für die Schweiz erreicht wurde.

    Konstruktive Ideen folgen dann aber selten. Kannst doch mal mit der Tradition brechen.

    Ich denke, wir haben schon ein Problem mit einem ,,zu perfekten" Anspruch. Wir hatten das glaube ich mal kurz bei alpenländischer Architektur diskutiert, dass dort eine perfekt glatte Putzoberfläche mit schnurgeraden Kanten und kaltweißer perfekter Farbe besonders viel vom Charme nimmt, durch den hohen Mauerflächenanteil. Anderswo hatten wir diskutiert, wie die Wirkung von unterschiedlich farbigen Dachziegeln ist, bzw. ob man wie in der Schweiz nicht besser etwas mehr Variation rein bringt.
    Mein Lösungsvorschlag wäre also, größere Abweichungen bewusst zu akzeptieren, bzw. sogar zu fördern, sowohl bei der ausführenden Firma, als auch bei den Herstellern. Denn es ist eben heute leider nicht so, dass eine Pattinierung sowieso irgendwann sich angenehm einstellt. Eine PS-Schale, die volldeckende hochpigmentierte Silikonharz-Farbe drauf hat, bekommt maximal vielleicht irgendwann Flechten und Algen. Das ist aber keine schöne Pattinierung. Der Rest bleibt stets perfekt gleich. Zu perfekt.

    Moskau hatte 1960 auf der Fläche von Berlin sechs Millionen Einwohner. Danach stieg die Einwohnerzahl alle zehn Jahre um etwa eine Million Einwohner an. 1970 waren es etwa sieben Millionen, um 1980 dann acht Millionen, um 1990 neun Millionen. Nach dem Ende der Sowjetunion ist die Bevölkerungszahl Moskaus weiter gestiegen. In den letzten Jahren hat sie sich bei etwa 13 Millionen stabilisiert. Davon leben fast zwölf Millionen auf einer Fläche, die so groß ist wie Berlin. Nenne mir eine Stadt in Deutschland, die nach 1945 ein vergleichbares Wachstum zu bewältigen hatte! Nenne mir eine deutsche Stadt, in der 12 bis 13 Millionen Menschen leben!

    Groß-Berlin ist immerhin in 60 Jahren um 4 Millionen Einwohner gewachsen, ein Wachstum von 800%. Von 1860 bis 1920 ist dabei trotz aller berechtigter Kritik der Massenwohnungsbau qualitätsvoller geschehen, retrospektiv gesehen. Viele der Bauten werden heute immer noch als schön angesehen und sind erhalten. Es ist also nicht zwangsläufig der Geschwindigkeit geschuldet, mit der Wohnraum geschaffen werden muss, der die Qualität vorgibt. Ist es die Dichte? Berlin hat heute 4.241 Einwohner pro Quadratkilometer. Der Wert dürfte damals höher gelegen haben, wohl so bei 4420 Einw./km². Moskau hat heute 4583 Einw./km² (nicht abwegig, zwar sehen diese Hochhäuser immer extrem dicht aus, aber sie brauchen viel Freiraum drumherum, weshalb niedrigerer Städtebau teils sogar dichter erfolgen kann, habe zudem die Grünflächen verglichen, sie scheinen vergleichbar). Kann ich mir auch nicht recht als gute Erklärung vorstellen, weshalb nun die Qualität derart leiden muss deshalb.

    Zum Thema eventuell eine recht interessante ergänzende Lektüre: Eine Dissertation, welche die Ächtung und Rehabilitation des Historismus bearbeitet. Hier eine kurze Zusammenfassung:

    https://www.research-collection.ethz.ch/bitstream/handle/20.500.11850/149285/eth-28696-01.pdf?sequence=1&isAllowed=y

    ,,Der Wandel in der Rezeption historischer Architektur von 1960 bis 1980 in der Stadt Zürich und seine Bedeutung aus Sicht der Denkmalpflege"

    Dogmen des Denkmalschutzes? Das Haus stand nicht unter Denkmalschutz. Es gibt Denkmalschutzgesetze in denen definiert ist, was zu schützen ist.

    Erstmal Kopf einschalten bevor losschießst. Durch das Dogma des Denkmalschutzes, eine Bewertung vorzunehmen, die sich hauptsächlich danach richtet, wie viel Originalsubstanz zusammenhängend noch erhalten ist, um eine Schutzwürdigkeit festzustellen, verliert man sehr viele Bauten, die eigentlich trotzdem hätten (teil-)geschützt werden müssen, weil sie einen Kulturwert aufweisen, der nicht ersetzt werden kann. Substanz an einem Stück ist nicht alles. Und im oben gezeigten Beispiel hat man sogar recht viel erhaltene zusammenhängende kunstvolle Substanz noch. Aber solange es Leute wie dich gibt, die sogar aus so einem Forum wie "Stadtbild" heraus - es also besser wissen müssten - noch immer diesen Unsinn verteidigen, kann man sich kaum mehr wundern, warum da keine Umkehr stattfindet bei den Kriterien der Schutzwürdigkeit. Dann noch zynisch beklagen, dass die Gesetze gelockert würden im Denkmalschutz.
    Nur so um mal Erinnerungen zu wecken, wir haben hier im Forum Beispiele wie den Münchner Hbf besprochen, dem die Schutzwürdigkeit versagt wurde, weil eigentlich schützenswerte Teile zu weit auseinanderlagen, getrennt von Umbauten und Veränderungen an der Substanz, wir hatten in Landshut reihenweise Aberkennungen des Denkmalschutzes für einzelne Bauten diskutiert, aber auch bei noch im Denkmalschutz befindlichen Bauten führt der Ansatz ,,Originalsubstanz" wunderliche Blüten, wie Beispiele gezeigt haben, in denen die Abwesenheit von Substanz geschützt wurde (abgebrannte Teile durften nicht rekonstruiert werden). Deinem Appell folgend nehme ich an, dass du diese Beispiele kennst und natürlich alles für völlig richtig hältst. Dann aber auch sich ehrlich machen und nicht so tun, als würde man die verminderte Wirkungskraft des Denkmalschutzes tatsächlich beklagen.

    Das Problem ist, dass ein gut geschliffener Granitstein - mit dem auch Fahrradfahren geht - selbst in Chinaqualität inkl. Verlegung über 500 Euro/qm kostet.

    Wenn unsere Austauschzyklen nicht so hoch wären, wäre das kein Problem. Wir haben 13,5 Mrd. m² Gemeindestraßen und -wege zu unterhalten. Nehmen wir dabei dann die stärker befahrenen Straßen heraus, die zwischen 40 und 60% dieser Flächen je nach Stadt oder Gemeinde ausmachen und noch ebenmäßiger sein und regelmäßiger ausgetauscht werden müssen, bleiben 5,4 - 8,1 Mrd. m². Da macht es einen riesigen Unterschied, ob ein Belag für 50 oder 100 Jahre liegen bleibt. Entsprechend kann der Preis höher oder muss dann niedriger sein, je nachdem was man möchte. Ich sehe das im Privaten ähnlich, lieber kaufen sich die Leute Möbel für günstig, und hauen diese alle 10 Jahre raus, als teure Möbel 40 Jahre und mehr zu nutzen. Da die öffentliche Hand eher mit Schulden finanziert, als mit Eigenkapital, fördert das eigentlich sogar ein langfristiges Investment - im Gegensatz zum Privaten. Trotzdem baut die öffentliche Hand lieber mit Asphalt, statt Pflastersteine, was mir sagt, es gibt nicht den Willen für einen langen Erhalt.

    Eventuell ergibt sich ja durch die räumliche Nähe eine gewisse Ensemblewirkung. Ich finde moderner Architektur mangelt es fast immer an einem Zusammengehörigkeitsgefühl. Jeder Bau steht für sich oder soll als Gegenpol zu Vorhandenem positioniert sein. Ich meine, wohl aus der Unfähigkeit auf Umgebungsarchitektur und andere ortabhängige Besonderheit einzugehen. Letzteres ist hier natürlich auch Programm, weshalb die einfache Vervielfältigung eines solchen Baus noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.