Posts by Grimminger

    35 Millionen Euro für ein mehr oder weniger nicht effizient nutzbares Gebäude. Reschpekt! Ich nehme an, dass die Stadt das gegen alle Widerstände so durchbringen möchte. Immerhin ist das aktuelle Pellerhaus ja DAS Vorzeigeobjekt schlechthin in Nürnberg. Diese Ikone darf auf keinem Foto fehlen und wurde sicher schon Millionen Mal abgelichtet, ganz im Gegensatz zu Fembohaus, St. Sebald oder der Weißgerbergasse. Grauenhafte Relikte der schrecklichen Vorzeiten.

    Naja, also eines der Häuser an der Nordseite wurde vor ein paar Jahren ja schon abgerissen und einigermaßen angepasst wiederaufgebaut. Ist heute die Touristeninfo drin.

    Ich finde es nicht in Ordnung, die unfassbare und schier unglaubliche Arbeit der Altstadtfreunde durch solche Kommentare zu schmälern bzw. zumindest abschätzig zu bewerten. Nürnberg hat das unfassbare Glück, diesen Verein zu haben. Und daher ist es auch, meiner Meinung nach, nicht legitim, diese Stadt abzuschreiben oder von einer verlorenen Stadt zu schreiben. Nürnberg hat, als eine der wenigen deutschen Städte, ein unfassbar großes Glück: Die Arbeit der Altstadtfreunde. Und je mehr Mitglieder und Spenden diese haben, desto besser sieht die Zukunft der Altstadt aus.

    Uuuuh, geil, Grabenkämpfe a la "das hab ich doch gar nicht gesagt" bzw. "ich weiß es besser als der Herr Kunsthistoriker" sind hier sehr sehr produktiv. Toll! Wie wäre denn eine wertneutrale Diskussion unter eben diesen Kennern, die nicht immer wieder in obiges unnötiges Verhalten abrutscht? Ich finde beide Seiten interessant und finde es sehr schwierig, sich hier eindeutig zu positionieren. Ich finde es einerseits wichtig, Rekonstruktionen an ihrem ursprünglichen Standort auszuführen und andererseits denke ich, dass in einer Stadt wie Magdeburg so oder so alles, was in Richtung Stadtbildaufwertung geht, unfassbar wichtig und kaum zu bemängeln ist. Ich bin tendenziell für das Projekt.

    Da wird sicher wieder gewartet, bis eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr zumutbar ist und dann abgerissen und neu gebaut. Schön fette Rendite. So läuft das eben im Kapitalismus mit schwachen Regulierungsinstrumenten seitens des Staates. Bzw. mit nicht angewendeten.

    Fast sieben Jahre zwischen Abriss und Fertigstellung des Neubaus. Nach heutigem Plan. Verzögerungen erfahrungsgemäß wahrscheinlich. Das ist schon stolz.

    Das verstehe ich allerdings auch nicht... Vielleicht nimmt man sich so viel Zeit, weil hier alles ganz besonders perfekt rekonstruiert werden soll? :tongue::opa:

    Ich finde Heimdalls Gedanken sehr interessant und kann vielen Punkten auch durchaus zustimmen. Andererseits gibt es natürlich auch das Phänomen der Glokalisierung, also der Globalisierung mit gleichzeitig einhergehender Identifizierung mit den lokalen Traditionen und Gegebenheiten. So etwas kann man durchaus in einigen Städten exemplarisch erleben, beispielsweise Potsdam, Heilbronn oder Heidelberg. Hier sorgen Zugezogene (Potsdam = Plattner, Jauch) oder Menschen mit großem nationalem, europäischem oder internationalem Erfolg (Potsdam = s.o.; Heidelberg = Wild, Marguerre; Heilbronn = Schwarz) dafür, dass sich das Stadtbild durchaus zum Besseren wendet. Bei Herrn Wild und Herrn Schwarz liegt der Fokus allerdings eher auf modernem Bauen, was allerdings häufig (s. Bildungscampus Heilbronn, Stadttheater Heidelberg) zur Aufwertung der gesamten Stadt beiträgt. Man kann hier also, wie immer, nicht pauschalisieren. Trotzdem empfinde ich es auch so, dass die Identifikation mit der "eigenen" Stadt oder eben der Stadt mit festem Hauptwohnsitz, nicht mehr so stark ist, wie es in früheren Zeiten der Fall gewesen sein dürfte. Und das ist definitiv eine Folge der Globalisierung, der unglaublich hohen Mobilität der Menschen, von Rationalisierungs- und Transformationsprozessen in der Wirtschaft und von der Entwicklung des Individualismus und dem Streben nach dem eigenen Glück.

    Und ich bleibe dabei: Sobald auch nur einfachste Teile von Form und Ornament außerhalb von Rechteck-bzw. Strichcodefenstern und eingravierten Schriftzügen am Klingelschild in die Architektur einfließen, bekommt alles mehr Klasse. :smile: Schöner Bau, finde ihn auch ganz passend.

    Na dann beantworte ich meine Frage einfach mal selbst:


    Nach der Debatte haben die Stadtverordneten für den Abriss des Staudenhofs am Alten Markt votiert. Dafür stimmten am Mittwoch CDU, Grüne, SPD, Bürgerbündnis, FDP und AfD, dagegen die Linke und die Fraktion Die Andere sowie die Einzelstadtverordneten Andreas Menzel (Freie Wähler) und Bettina Franke (Die Partei).

    Dafür votierten schließlich 30 Stadtverordnete, 17 waren dagegen. Zuvor scheiterte bereits ein Antrag der Linken, vor einer Abrissentscheidung noch einmal die Potsdamer zu befragen - mit ebenso 17 zu 30 Stimmen.

    Demnach soll der Abriss im März 2023 beginnen, Ende 2029 soll der Neubau stehen - und zwar auf Grundlage des Leitbautenkonzepts für die Potsdamer Mitte, das den Wiederaufbau rund um den 1945 zerstörten Alten Markt im historischen Grundriss vorsieht. Dieses viele Jahre umstrittene Langzeitprojekt würde mit dem Neubau anstelle des Staudenhofs vollendet. Allerdings gibt es laut der kommunalen Bauholding Pro Potsdam auch wirtschaftliche und soziale Gründe: So könne man für einen Neubau Fördergelder bekommen, um Sozialwohnungen langfristig zu sichern. In einem Neubau werde zudem deutlich mehr Wohnfläche zur Verfügung stehen und die Grundrisse könnten flexibler vergeben werden - bei einer Sanierung sei das nicht so einfach möglich, zudem müsse man ein zweites Treppenhaus für den Brandschutz einziehen. Die Fördermittel sorgen auch dafür, dass der geschätzt 39 Millionen Euro teure Abriss und Neubau unter dem Strich für die Pro Potsdam billiger wäre als eine Sanierung für 18 Millionen Euro. (HK)


    Quelle: Stadtverordnetenversammlung in Potsdam: Die wichtigsten Debatten und Beschlüsse - Potsdam - PNN (von heute)

    Habe gerade in Facebook gelesen, dass der Abriss heute in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden sei. Ist das richtig? Hat jemand Infos? Das wäre dann ja wenigstens eine gute Nachricht, nachdem die Hiobsbotschaft Pellerhaus hereinflatterte...

    Nürnberg als Stadt wird tatsächlich von Jahr zu Jahr unattraktiver. Und damit möchte ich nicht den unfassbar großen Einsatz der Altstadtfreunde schmälern, deren Projekte, wie jüngst das endlich enthüllte Haus Ledergasse, natürlich fast deutschlandweit ihresgleichen suchen. Nein, es ist die Summe der schlechten Neuigkeiten aus dieser Stadt, die mich zu einer solchen Aussage hinreißen lassen. Ich erinnere da an einige Knaller der letzten Jahre: gescheiterte Ausmalung des Ratssaals, die dubiose Vergabe des Auftrages für den Wiederaufbau des Hauses zum savoyischen Kreuz, das Augustinerhof-Areal, die Sebalder Höfe. Nürnberg will auf Teufel komm raus provinziell bleiben, als Stadt, die immer noch nicht zu sich selbst gefunden hat...

    Na ja du meine Güte... Es geht hier doch nicht nur um dieses überdimenisionierte Eckgebäude

    Naja, selbst das wird Dresden wahrscheinlich nicht hinbekommen. Ich glaube, dass sich der Horizont der allerallermeisten Menschen in zentralen Positionen in der Dresdner Verwaltung nicht weiter als bis zum Neustädter Markt erstreckt. Ich kann mich natürlich auch täuschen und in 10 Jahren besitzt die Stadt wieder ganze Blocks rekonstruierter historistischer Gebäude.

    Ich würde mich auf jeden Fall über jedes einzelne Rekonstruktionsprojekt freuen.