Westliches Umfeld Berliner Schloss - Schlossfreiheit - ehem. Nationaldenkmal

  • Die Berliner Zeitung vom 31.03.2021 hat über den Bau des Denkmal- für Einheit und Freiheit in seiner Ausgabe berichtet. In diesem Artikel finde ich diesen Satz interessant:


    Dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) jetzt behauptet, der Erhalt der Mosaike sei weder „Gegenstand der Bundestagsbeschlüsse noch Teil des Wettbewerbs“ für das Freiheits- und Einheitsdenkmal gewesen, wie aus ihrer Antwort auf eine Anfrage der FDP hervorgeht, mutet schon recht eigenwillig an. Denn tatsächlich hat der Bundestag nie beschlossen, dass die Mosaike verschwinden sollen. Und dass die Mosaike im Wettbewerb für das Denkmal keine Rolle gespielt hätten, stimmt nicht. Es gibt sogar Bilder vom Wettbewerbssieger, auf denen das Mosaik zu sehen ist.


    https://www.berliner-zeitung.d…tag-einschaltet-li.149879


    Also wenn wir uns schon an die "Bananenwippe" gewöhnen müssen, dann sollen die Bodenmosaike eigentlich an den alten Platz zurückkehren. Denn was wurde bisher erreicht:


    1. der Verein Historische Mitte Berlin e.V. konnte eine Verzögerung des Bau des Denkmal für Einheit- und Freiheit nicht verhindern
    2. die Fledermäuse sind wahrscheinlich schon umgesetzt worden
    3. die Online- Petition zur Rettung der Bodenmosaike hatte nicht genügend Unterstützer

    Ich möchte meinen Beitrag oben noch ergänzen, denn das Online-Portal "Baunetz" hat sich ebenfalls mit der Umfeldgestaltung des Berliner Schloss in einem Artikel befasst. Hier sind auch einige Kommentare interessant.


    https://www.baunetz.de/meldung…sarchitekten_7558839.html

    (Quelle: baunetz.de, Datum unbekannt)

  • Ja, die Fledermäuse sind weg, und das Denkmal soll im Frühjahr 2022 eingeweiht werden. Gut so! Denn die Hysterie in dem Zusammenhang geht mir langsam wirklich auf die Nerven. Außerdem brauchen wir das Denkmal als Erinnerung daran, was Volksbewegungen sind und was Demokratie bedeutet. Deutschland gleitet allmählich in ein Bevormundungsregime ab. Wirkliche Oppositionsbewegungen werden als verfassungsfeindlich abgestempelt, gegen die rigorose Polizeieinsätze gefordert werden, die, wenn sie so durchgezogen würden, zu Bildern wie in Belarus führen würden. Zum Glück kennt die Polizei in Deutschland noch das Kriterium der Verhältnismäßigkeit der Mittel.


    Außerdem vergessen die Menschen zunehmend, dass die Wiedervereinigung nicht einfach so kam, weil Gorbatschow ein netter Onkel war oder einfach so eine Mauer umgefallen ist. Deshalb taugt auch das Brandenburger Tor nicht als Ersatz. Denn das ist ein Symbol für Teilung und Wiedervereinigung, aber nicht für eine Demokratiebewegung. Das Pflanzen von drei Bäumen, was hier schon gepriesen wurde (eine Kiefer für den Osten, eine Buche für den Westen - es gibt im Osten aber auch schöne Buchenwälder - und eine Eiche für das wiedervereinte Deutschland), ist entpolitisierter Kitsch.


    Auch der Standort vor dem Humboldt Forum ist richtig gewählt. Im Hufo geht es um die Völker der Welt und die globalen Probleme. Und vor seinem Haupteingang werden wir daran erinnert, dass wir in einem konkreten Staat leben, der ein Staatsvolk als Souverän und eine Geschichte hat. Dazu auch der Bezug zum alten Nationaldenkmal: 1871 nationale Einigung von oben, 1990 Wiedervereinigung von unten, durch Volksbewegung.


    Ursprünglich war ein Erhalt der Bodenmosaiken am Originalstandort vorgesehen. Das fand ich auch gut. Wie das Freiheits- und Einheitsdenkmal nun im Detail ausfallen wird, werden wir dann sehen. Ich hoffe, dass es doch ganz gut wird. Zu groß wird das Denkmal sicherlich nicht, denn es wurde für den alten Sockel entworfen.

  • Moderationshinweis: Gekürzt. Bitte keine Diskussionen über Corona-Maßnahmen.


    Im Übrigen muss man wohl schon sehr naiv sein um zu glauben, dass diese Wippe gegen ein "Bevormundungsregime" nutzen soll oder sich jemals als ein Symbol dafür etabliert.

    Denn das ist ein Symbol für Teilung und Wiedervereinigung, aber nicht für eine Demokratiebewegung. Das Pflanzen von drei Bäumen, was hier schon gepriesen wurde (eine Kiefer für den Osten, eine Buche für den Westen - es gibt im Osten aber auch schöne Buchenwälder - und eine Eiche für das wiedervereinte Deutschland), ist entpolitisierter Kitsch.

    Das Pflanzen von Bäumen soll Kitsch sein...und eine Wippe für Erwachsene dann wohl im Umkehrschluss politisierte Kultur.

    Nun ja...

    Hier steht auf dem Marktplatz ein Baum, gepflanzt zum Ende der Napoleonischen Kriege. Ich finde ihn sehr eindrucksvoll.

    Und wahrscheinlich steht er noch in seiner Würde, wenn der Mechanismus der von dir geliebten Wippe schon längst den Geist aufgegeben hat und sie wieder demontiert wurde.

    Es glaubt wohl keiner ernsthaft, dass das Gewerk in hundert Jahren noch steht. Genau für einen solchen Zeitrahmen und länger sollte ein Denkmal für die Wiedervereinigung aber eigentlich erdacht und errichtet werden.

    Auch der Standort vor dem Humboldt Forum ist richtig gewählt. Im Hufo geht es um die Völker der Welt und die globalen Probleme...

    Ein Denkmal für die friedliche Revolution von 1989/90 bzw. die Wiedervereinigung hat rein gar nichts mit den "Völkern der Welt und den globalen Problemen zu tun". Genau das Gegenteil ist der Fall, es geht bei dem Denkmal ausnahmsweise nur um das deutsche Volk.


    Also ein Denkmal für die Wiedervereinigung ist gut und wichtig. Und ich kann mir auch vorstellen, dass dir und manch anderen die sich wiederholende Kritik nervt.

    Ich persönlich kann auch mit der Wippe leben, auch wenn ich mir ein würdevolleres Denkmal gewünscht hätte.


    Der Standort passt allerdings aus historischen und städtebaulichen Gründen gar nicht.

    Darüber kann man sich weiter aufregen, es einfach hinnehmen oder eben (sich) den Standort und die Wippe insgesamt schönreden. Suum cuique.

  • Eine nicht ganz ernst gemeinte Vorhersage: Irgendein Depp fällt runter, verklagt die Betreiber (Stadt Berlin?) und das ganze Ding wird umzäunt und darf nicht mehr betreten werden. Ein paar Jahre später wird es dann, schon völlig vergammelt, abgerissen werden. Fertig ~:-[]

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • ^ So absurd ist der Gedanke im überregulierten Deutschland gar nicht. Zumal die Wippe nur einen Zugang und damit auch nur einen Fluchtweg hat, damit ist der Brandschutz definitiv nicht gewährleistet. Ein Drama! Da haben die doch sonst so emsigen Bürokraten einfach nicht aufgepasst...

  • Interessant! Aber von "geistiger Substanz" und "schöpferischem Werk", wie es in dem Artikel heißt, kann ich beim Projekt der Bundeswippe wenig erkennen.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Es deutet sich ja schon an, dass die Freitreppe zwischen Denkmalsockel und Aufzug zur U-Bahn nicht gebaut wird. Der entsprechende Abschnitt der Ufermauer wird gerade grundsaniert. Ein Grund für einen Verzicht auf die Freitreppe zum Wasser an dieser sensiblen Stelle ist wohl der Umgebungsschutz für das Freiheits- und Einheitsdenkmal. Jedenfalls habe ich irgendwo sowas aufgeschnappt. Das neue Nationaldenkmal ist ein weiteres Argument gegen ein Flussbad im Spreekanal. Auch wenn ihr die Gestaltung des Denkmals für misslungen haltet, so teilt ihr doch mit seinen Urhebern das Ziel, das Flussbadprojekt zu stoppen. Somit hat das Denkmal für uns alle etwas Gutes.


    Der Bund investiert sehr viel Geld beiderseits des Spreekanals: Humboldt Forum, Bauakademie, Deutsches Historisches Museum, Staatliche Museen auf der Museumsinsel. Und er hat ein Interesse an einer repräsentativen Hauptstadt. Das Flussbadprojekt ist genau dagegen gerichtet. Es hat eine kulturfeindliche Stoßrichtung.

  • Prinzipiell ist die Idee einer Treppe, die ins Wasser führt, sehr schön - vorausgesetzt, dass sie nicht als Badesteg missbraucht wird. An der Ostseite des Schlosses hätte ich mir solch eine großzügige Treppe gewünscht - wie etwa im ehemaligen Ripettahafen in Rom.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Porto_di_Ripetta

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Lieber Seinsheim,


    vielen Dank für die Darstellung der barocken Treppe zum Wasser.


    An der Ostseite des Berliner Schlosses gab es eine zweiläufige Freitreppe hinunter zur Spree. Dort hätte man in ein Boot steigen können. Die Treppe hatte eim steinernes Geländer mit Balustern im barocken Stil. Irgendwo habe ich mal gelesen, diese Treppe sei erst auf Wunsch des Kaisers nach 1900 erbaut worden. Leider habe ich kein Foto dieser Treppe.

  • Der Berliner Tagesspiegel hat sich in seiner Ausgabe vom 24.04.2021 zu einer Idee des Berliner Senat geäußert. Dieser möchte nämlich am Denkmal für Einheit und Freiheit einen Aufzug errichten. Zu nah - sagen dessen Erfinder und drohen mit Klage.


    https://www.tagesspiegel.de/be…-spreekanal/27127078.html


    Das Bild, dass der Tagesspiegel gewählt hat, finde ich sehr interessant, denn es zeigt den schönen Sockel, der leider zerstört worden ist.

  • img_1814b6kvy.jpg


    Ich vermute, dass an der zusätzlich zerstörten Stelle des Eckpfeilers dieser ominöse Aufzug entstehen wird, wie es hier im zweiten Bild visualisiert ist. Ich verstehe aber nicht, warum man den dort benötigt.

    img_181519k7r.jpg

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)