Posts by Saxonia

    Zeitz sieht schlimm aus. Wenn man da durchfährt, ist es wie eine Zeitreise. Meines Erachtens politisches Versagen der Stadtpolitik.

    Genau, hier fehlt sie noch http://www.deutschefotothek.de…3338/df_mbs_0091100_001_b und so sieht es heute aus: https://commons.wikimedia.org/…esden-Langericht-Tuer.jpg


    Man muss bedenken, dass das Ständehaus, mehr noch als Staatskanzlei oder gar Finanzministerium, kaum mehr war, als eine notdürftig ausgebaute Ruine. Ich weiß es hier nicht bestimmt, befürchte aber, dass einige Maßnahmen dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. War auch beim Finanzministerium und an der Staatskanzlei der Fall, dass man Dinge zwar als denkmalpflegerische Zielstellung formulierte, sie dann aber aus Kostengründen aufschob. Natürlich immer mit dem Hinweis der problemlosen Möglichkeit einer nachträglichen Ergänzung. Die ist, wie wir wissen, aber bis jetzt meistens ausgeblieben.

    Ich habe kein Welt-Abo, aber ich habe mir vor einigen Wochen den Bildband "Dresden in Fotographien des 19. Jahrhunderts" von Andreas Krase gegönnt, aus dem die meisten von Guratzsch verwendeten Fotos offenbar stammen. Kann ich nur empfehlen, auch wenn einige Bilder vlt. schon aus der Fotothek bekannt sind.

    Ich fand den Film eigentlich ganz in Ordnung. Eine kommentierende Stimme aus dem Off habe ich nicht vermisst. Allein das Geblubber der kamerascheuen Antifa-Hanseln mit ihren ritualisierten Phrasen hätte man weglassen können.


    Logisch, dass das alles in knapp ner Stunde eher oberflächlich bleiben muss. Entschieden widersprochen werden muss allerdings, wenn Matthias Neutzner davon spricht, man habe "die Zerstörungssituation vollständig geleugnet" bzw. "ausgelöscht". Das ist ja schlichtweg nicht war, weder am Neumarkt, der eine winzige Fläche der 1945 völlig verwüsteten Stadtfläche umfasst, noch in der Stadt insgesamt. Sowas zu behaupten, ist geradezu infam.

    Andere Städte müssen sich auch nicht entschuldigen, dass man sie wiederaufgebaut hat. In Dresden war ja die besondere Situation, dass ein wortwörtlicher Wiederaufbau bis 1990, von einer handvoll Gebäuden mal abgesehen, praktisch gar nicht stattgefunden hatte.

    Bekanntlich führt der rote Split ja zu problematischen Ablagerungen an den Objekten im Zwinger (bspw. im Mathematisch-Physikalischen Salon). Sehr schön also, dass es hier eine Perspektive gibt.

    Zumal in Dresden die überbreiten Straßen häufig auch noch einen völlig sinnlosen Grünstreifen oder ganze Grünflächen umschließen, auf denen aus Gründen der Verkehrssicherheit häufig nie große Bäume stehen werden. Allein durch eine Komprimierung des Verkehrsraumes, ohne auch nur eine Fahrspur effektiv zu opfern, könnte man unheimlich viel Raum gewinnen.

    Letztendlich waren diese exorbitant raumgreifenden Verkehrsanlagen zu DDR-Zeiten ja ein Trick mit zwei Effekten. 1. konnte man so der Bevölkerung vorgaukeln, ein modernes Land mit entsprechender Verkehrsinfrastruktur zu sein und 2. verschwand so potentiell zu bebauende Fläche, die man ohnehin niemals füllen konnte (viel Stadt mit wenig Haus)

    Man könnte schreien, ob so viel Blödheit. Ich vermeide es normalerweise, solche drastischen Worte zu wählen, aber hier fällt mir nichts anderes mehr ein. Da wird mit viel Aufwand das Schloss wiedererrichtet, übersät mit "Symbolen der Monarchie", um im Duktus zu bleiben, aber ein par Mosaike sollen nun unvereinbar mit dem Charakter des Denkmals sein. Wie so ein Unsinn von durchaus gebildeten Menschen verzapft werden kann, ist mir völlig schleierhaft. Zeigt aber auch, in welchen Sphären dieses ganze Projekt mittlerweile schwebt. Mit der Wirklichkeit hat all das nichts mehr zu tun.

    Was ich an diesem offenen Brief so schlimm finde, ist nicht mal die Ablehnung der Rekonstruktion. Daran hat man sich ja gewöhnt, dass einige grundsätzlich gegen Rekonstruktionen sind. Nicht verwerflich, jeder wie er meint.

    Aber im Kern lautet hier doch der Vorwurf an die Führung der jüdischen Gemeinde (die hinter dem Vorhaben steht), sie würde ihrer eigenen Vernichtung im Nationalsozialismus nicht richtig gedenken, weil die wiederaufgebaute Synagoge ja suggeriere, hier sei nichts passiert.

    Der Vorwurf ist an sich schon schwachsinnig genug. Es gibt schließlich auch in und an einem wiedererrichteten Gebäude genug Möglichkeiten, an etwas zu erinnern. Weiterhin dürfte ein Synagogenbau im modernen Stil auch nicht automatisch zum Gedanken führen, dass hier Verfolgung und Massenmord stattgefunden haben. Wenn doch, würde es mir für die Juden leid tun, denn so ein Gebäude hätten sie als Gebetshaus nicht verdient.

    Am schlimmsten ist jedoch der Eingangs erwähnte, vorwurfsvolle Impetus der überwiegend nicht jüdischen Unterzeichner dieses Briefes, wie man doch dem eigenen Schicksal richtig zu Gedenken habe. Da wird dann die "Leerstelle" des Platzes oder der Weltkriegsbunker als wichtige Denkmale an die NS-Zeit ins Feld geführt. Da muss ich wieder an das Bonmot von Broder denken, der mal sinngemäß meinte, die Deutschen seien Experten für tote Juden und vergessen darüber die lebenden.

    Die prägnanten Dachreiter wieder anzubringen wäte meines Erachtens noch der geringste Eingriff in die wiederaufgebaute Rathausstruktur. Dafür müsste ja nicht wirklich etwas entfernt werden. Bei der Fassade sieht das anders aus, die man nach dem Krieg doch deutlich neugestaltet. Auch in Hinblick auf die viel höhere Umgebungsbebauung wäre eine Neuerrichtung der Dachreiter natürlich ein Traum, da heute die dominante Stellung dieses Riesenkomplexes in der Stadtstruktur etwas verloren gegangen ist und mit der (hoffentlich) zunehmenden Bebauung am Georgsplatz weiter verloren gehen wird.

    Aber ein Traum wirds wohl bleiben, in erster Linie aus Kostengründen. Denn der Wiederaufbau war zum Teil so schlampig, dass bei grundlegenden Sanierungsarbeiten im Rathaus jedes mal enorme Kosten entstehen. Auf die Denkmalpflege hat man ja wohl bspw. auch nicht gehört, als das SED-Logo mit dem Händedruck, sowie Hammer, Zirkel und Ährenkranz nach der Wende aus dem Ziergitter über dem Haupteingang entfernt worden sind. Da ist bis heute eine Lücke.

    Die Tapisserien habe ich mir im August angeschaut. Sehr beeindruckend, allein die schiere Größe. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass das natürlich alles Handarbeit ist - völlig unklar.

    Der Straßburger Platz ist spätestens seit dem Bau dieses Ungetüms "SP1" nicht mehr zu retten. Damit hat man ja nun überdeutlich gemacht, dass man hier von städtischer Seite keinen gefassten Platz möchte sondern eine zugige Verkehrsschneiße mit Gewerbegebietscharme. Ob man sich dafür schon beim schönen Straßburg entschuldigt hat? Ein freundlicher Akt ist das ja nun nicht gerade...


    Leider wusste ja schon die Gläserne Manufaktur mit dem Platz nichts anzufangen und zeigt ihm demonstrativ die kalte Schulter. Dem Konzept der vier offenen Ecken, die dann winklig gefasst werden, hätte ich ja durchaus was abgewinnen können. Aber diese Restmöglichkeit für irgendeinen Gestaltungsansatz hat man mit dem Bau der FH nun auch noch vergeigt.

    Man hat sich die Neuplanung der Hauptsstraße in den 70ern lange schön geredet, manche tun es heute noch. Aber tatsächlich hat man hier genauso rücksichtslos agiert, wie bei der Überbauung der Altstadt, der Johannstadt oder der Prager Straße. Die städtebaulichen Fehler sind eigentlich kaum oder nur in Ansätzen zu beheben. Hier wird man den Weg der kleinen Schritte gehen müssen. Wie bspw. bei der Öffnung der Heinrichstraße.