Posts by HelgeK

    Majorhantines : Heimdall ist doch gar nicht gegen das Hochhaus an sich (- wenn ich ihn richtig verstehe), sondern dagegen, dass es höher gebaut wird als ursprünglich geplant.

    Mehr Geschossfläche bei identischer Grundfläche bedeutet hier im konkreten Fall aber doch wohl unzweifelhaft höhere städtebauliche Dichte, korrekt? Und genau das sieht Heimdall dann ja auch kritisch, weil die Frankfurter Infrastruktur nicht noch mehr Dichte vertrüge.

    Du hingegen stellst dem einen Artikel hingegen, demnach höheres Bauen allgemein keine höhere Nutzungsdichte derselben Fläche ermöglichen würde.Wir reden also offenbar aneinander vorbei.

    Meine Aussage war eine Replik auf Heimdall , der sich sinngemäß über die zu hohe Inanspruchnahme der Infrastruktur durch die Hochhäuser in Frankfurt beschwert hatte, was ja einer zu hohen Nutzungsdichte des Stadtraumes entspräche.

    Majorhantines , Du schreibst im Gegensatz dazu nun, dass die Dichte geringer wäre als bei traditioneller Bebauung.

    In Bezug auf Frankfurt mit seiner für europäische Verhältnisse relativ hohen Dichte von Hochhäusern und zusätzlich vorhandener dichter konventioneller Bebauung fände ich das erstaunlich.


    Ihr argumentiert beide gegen Hochhäuser, aber mit gegensätzlicher Argumentation.


    Mein Punkt war weder grundsätzlich pro noch kontra gerichtet, sondern der, dass wenn man schon an einer bestimmten Stelle in Frankfurt ein Hochhaus neu baut, es für das Stadtbild keinen Vorteil bringt, an Höhe zu sparen. Die Aussage bezieht sich aber wirklich nur auf Frankfurt, dessen Kulisse ohnehin durch die Wolkenkratzer dominiert wird.

    Die Stapelung auf kleiner Fläche hilft doch eher, das typisch deutsche Problem der Zersiedlung in der Fläche zu verringern. Die Städte der europäischen Vormoderne waren meist äußerst verdichtet und kompakt. Ich sehe hier keinen prinzipiellen Widerspruch. Das heutige Frankfurt fasziniert gerade wegen seiner - für eine europäische Stadt einmaligen - Dichte an Hochhäusern. Wenn an einem zentralen Standort ein weiteres Hochhaus vorgesehen ist, macht es im Frankfurter Kontext IMHO keinerlei Sinn, an der Höhe zu sparen.


    Hochhäuser haben im übrigen kein spezifisches Problem bezüglich Langlebigkeit und Erhaltensaufwand. Bau- und Planungsfehler können natürlich vorkommen, sind aber nicht systembedingt.

    Was hat das alles eigentlich noch mit dem Thema "Auswirkungen des Klimawandels auf Architektur und Städtebau" zu tun?

    Die Frage ist berechtigt - aber Du bist bei dieser sehr interessanten, wenn auch etwas abschweifenden Diskussion doch selber einer der engagiertesten Teilnehmer?!


    Nun also etwas mehr zurück auf die Spur:


    Die Schelfbauhütte Schwerin hat ein anpassbares Bausatzhaus entwickelt, das Dank ausgezeichneter Dämmung mit Strohballen und kompletter Nutzung der Dachoberfläche zur Stromgewinnung bezogen auf den Betrieb faktisch klimaneutral ist. Interessant finde ich hier, dass beim Heizen auf den Umweg einer Wärmepumpe verzichtet wird. Stattdessen kommen elektrisch betriebene Infrarot-Strahler als Heizkörper zum Einsatz.


    Das Konzept funktioniert allerdings natürlich nicht im urbanen Geschossbau.

    Und dann das noch...

    Haben wir etwas verpasst? Es ist lange bekannt, dass bei uns die Geburtenzahlen sinken. Das hat aber mit dem "gegenteiligen Problem" gar nichts zu tun. Die Weltbevölkerung wächst dennoch. Mit allen Problemen, die sich daraus ergeben.

    Meine Aussage (bzw. die der NZZ): Das globale Bevölkerungswachstum ist, wider Erwarten, mittlerweile kein Problem mehr. Wir bekommen also nicht zeitgleich mit dem Klimaproblem auch noch ein Überbevölkerungsproblem - jedenfalls nicht in der Gesamtsicht. Die Weltbevölkerung wird zwar noch eine ganze Weile weiterwachsen, aber eben nur noch degressiv, also sich immer weiter verlangsamend.


    Selbstverständlich kann dabei regional das Pendel in die gegenteilige Richtung ausschlagen - in Europa z.B., aber auch in China, und absehbar wohl auch in Indien. Mit "zu weit" meine ich - wie bereits ausgeführt - dass es zu wenige junge Leute gibt, um die Alten ausreichend zu versorgen. China befindet sich in einem demographischen Kollaps. Das Land hat viel zu spät von strikter Geburtenkontrolle auf Kinderförderung umgeschwenkt - jetzt fehlen die Frauen, die nötig wären, um den Absturz zu bremsen. China wäre auch zu groß, um seine Probleme durch Zuwanderung lösen zu können, und hätte dafür wohl auch nicht die nötige kulturelle Ofenheit. Die Folge wird eine bittere und nicht mehr abwendbare Altersarmut sein.

    Ein beliebtes Narrativ, um Verhaltensänderungen zur Verhinderung der Klimakatastrophe zu vermeiden, ist, dass das eigentliche Problem sei, dass die Erde überbevölkert wäre und entsprechend die Geburten kontrolliert werden müssten.


    Dazu ein Artikel in der Neuen Züricher Zeitung mit einer bemerkenswerten Aussage:


    Bereits heute leben zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ländern oder Gegenden, in denen Frauen im Schnitt weniger als die 2,1 Kinder gebären, die für eine stabile Bevölkerungsentwicklung notwendig wären.


    Wir steuern also tatsächlich auf das gegenteilige Problem zu: In immer Staaten gehen die Geburtenzahlen so stark zurück, dass wegen des daraus folgenden Mangels an Menschen im arbeitsfähigen Alter die Finanzierung der Sozialsysteme zum Problem wird. Ein globaler Wettbewerb um junge Arbeitskräfte wird die nächsten Jahrzehnte bestimmen.


    Eine dünner besiedelte Erde wäre in vielerlei Hinsicht von Vorteil, auch und gerade für das Klima. Der Bevölkerungsrückgang kann aber nur in einem gemächlichen Tempo erfolgen, wenn die Sozialsysteme nicht wegen eines zu großen Anteils älterer Menschen kollabieren sollen. Das gesellschaftlich und ökonomisch maximal verkraftbare Tempo ist gleichzeitig viel zu langsam, um uns bei der kurzfristig erforderlichen Bekämpfung des Klimawandels zu helfen,

    Welche Folgen sind das denn konkret und war hat das angesichts der niedrigen Bevölkerungsdichte mit der Einwohnerzahl zu tun? Abgesehen davon, daß Teile Kaliforniens ja Wüste sind ...

    Gerade weil große Teile Kaliforniens Wüste oder unwegsames Bergland sind, konzentrieren sich Bevölkerung und Wirtschaftskraft auf bestimmte Gebiete - s. die Bevölkerungsdichte nach Region.

    Bevölkerungsdichte Deutschland zum Vergleich: Ca. 235 E/km2. Kalifornien hat in Summe immerhin etwa halb so viele Einwohner wie Duetschland (knapp 40 Mio.)


    Der Bundesstaat leidet seit einigen Jahren unter immer extremer werden Dürreperioden, und damit verbundenen Waldbränden. Die Wasserversorgung der Bevölkerung und die landwitschaftliche Produktion sind gefährdet und werden immer strenger reguliert. Letzlich gefährdet der Wassermangel die wirtschaftlche Entwicklung, qualifizierte Zuwanderer meiden den Staat zusehends.

    Ein Elektro-Motor ist vergleichsweise einfach zu bauen und insofern ist es mE nicht abwegig (auch) wirtschaftspolitische Interessen zu unterstellen, weshalb gerade von seiten der USA die Elektromobilität propagiert wird.

    Ist das so? Zum einen sind die USA sind ein Bundesstaat, dessen Teilstaaten jeweils eigene und zum Teil sehr unterschiedliche Umweltgesetzte erlassen.

    Zum anderen haben die traditionellen großen amerikanischen Hersteller, ebenso wie die Deutschen, das Thema E-Mobilität verpennt. Tesla taugt nur bedingt als Gegenbeispiel, da das Unternehmen als Branchenneuling nicht von der amerikanischen Automobillobby vertreten wird, und zu einem erheblichen Teil im Ausland fertigt.


    Kalifornien hat als bevölkerungsreichster Bundesstaat mit am stärksten mit den Folgen des Klimawandels zu tun, und beheimatet gleichzeitig Tesla. Der Staat hat bereits 2020 Verbrenner verboten und ist damit Pionier - allerdings erst mit Fristsetzung 2035, und damit auch nicht anders als mittlerweile die EU.


    Ich sehe ich keinerlei kommerziell motivierten Druck der USA auf Europa, bei der E-Mobilität voranzugehen. Die Regierung hätte nichts davon, da die relevante heimische Industrie, was Stromer betrifft, nicht lieferfähig ist.

    70.000 Euro für ein Mittelklasseauto made in China, welche normale Familie soll sich das leisten können?

    Ich glaube, das Problem ist, dass die Hersteller bei vielen Modellen immer noch nicht in der Lage sind, die Produktion der Nachfrage anzupassen, weil es immer wieder zu Störungen bei der Lieferung von notwendigem Zubehör kommt. Nach wie vor gibt es coronabedingte Produktionsausfälle in China und kriegsbedingte Unterbrechungen in der Ukraine und Russland.


    So lange die Nachfrage noch größer als das Angebot ist ,und lange Wartezeiten bei vielen Modellen die Norm sind, werden wir keine verbreitet fallenden Preise zu sehen bekommen.

    Ist das Original weniger lächerlich?

    Ja, das ist es. Allerdings teile ich die Aussagen dort auch nur bedingt, und auch ich wäre definitiv nicht auf die Idee gekommen, den Ukrainekrieg isoliert aus der Klimaperspektive zu betrachten.


    Meine Kritik an dem Artikel wäre ansonsten eher, dass plakative Behauptungen aufgestellt werden ("wäre das Militär ein Staat, wäre es der fünftgrößte CO2-Emittent der Welt"), ohne diese wenigstens halbwegs zu begründen. Positiv wiederum, dass erwähnt wird, dass es sich um eine Schätzung handelt.

    ursus carpaticus : Meine Frage hast Du damit beantwort, danke.


    Elbegeist : Von welcher Temperaturabsenkung um 1,5 Grad ist die Rede? Bin ich gemeint?


    Edit: Ach so, jetzt habe ich es begriffen, hast Du oben ja erwähnt. Deine Aussage ist offenbar nicht global bezogen, sondern auf Deutschland. Global betrachtet fiel die "kleine Eiszeit" weniger deutlich aus als in Mitteleuropa. Wie gesagt: Vorsicht mit Klimadaten! Immer die Bezugsregion betrachten.

    Elbegeist : Der von Dir genannte Zeitraum ist in der von mir verlinkten Grafik doch enthalten ("Vergrößerung: Seit Beginn der Zeitrechnung"). Was ist daran unklar?


    Dieser über Jahrzehnte beobachtete periodische Wechsel war nicht menschengemacht, aber seine Extremwerte überschreiten alle heutigen


    Nein, keineswegs. s. Grafik. Das Gegenteil ist korrekt, und das selbst dann, wenn die Erwärmung morgen per Zauberhand enden würde (- was definitiv nicht passieren wird). Die Gegenwart ist durch den hauchdünnen, fast senkrechten Strich am rechten Rand abgebildet, der alle natürlichen Schwankungen der dort abgebildeten letzten 2000 Jahre weit hinter sich lässt.


    ursus carpaticus : Hast Du jenseits von Kategorien wie "Glauben", "Mist" und "Inbrunst" etwas sachliches beizutragen? Diese emotionale Schiene ist nicht meine Welt.

    Elbegeist :Die Performance des Forums ist momentan so schlecht, dass ich kaum antworten kann. Empfohlen sei vielleicht dieser Artikel in Wikipedia zur Klimageschichte.


    Anbei verlinkt aus dem Artikel eine Grafik, in der man auch die "Kleine Eizeit" ganz gut erkennen kann.


    Deine Frage, was der Aussagewert der letzten 150 Jahre ist, würde ich so beantworten: Der Anstieg unterscheidet sich von allen Entwicklungen davor in einem Punkt - er ist durch uns selber verursacht. Wir sind nicht hilflos einer natürlichen Entwicklung ausgesetzt, sondern haben es in der Hand, was passiert. Wir tragen die Verantwortung für die Konsequenzen.


    Die Entwicklung, die innerhalb der letzten Jahrzehnte stattgefunden hat, ist, was das Tempo der Veränderung angeht, im Vergleich mit natürlichen Entwicklungen außerordentlich, und sie steht noch ganz am Anfang. Sie führt uns in einen Temperaturbereich, der über alles hinausgeht, was es gegeben hat, so lange es Menschen auf der Erde gibt. Um eine vergleichbare Warmphase zu finden, muss man schon ca. 15 Millionen Jahre in der Erdgeschichte zurückgehen.


    Kritisch ist, dass uns die Entwicklung aus einem für die Menschheit optimalen Temperaturbereich entfernt. Es werden größere Regionen durch Hitze und Trockenheit faktisch unbewohnbar, als bisher kalte Regionen besser nutzbar werden.

    Die von Unify erwähnte Abkühlungsphase zwischen etwa 1950 und den 1980ern ist Konsens, allerdings bei globaler Betrachtung keinesfalls in dem erwähnten 2-Grad Umfang, sondern lediglich in einer Größenordnung von 0,1 (!) Grad. Die Theorie dazu ist, dass wir uns derzeit natürlicherweise in einer Abkühlungsphase befinden, die aber seit den 1980ern durch den menschlichen Einfluss deutlich überkompensiert wird.

    Man sollte grundsätzlich immer genau schauen, ob für eine Aussage zur Klimaentwicklung ein bestimmtes Land, einen Kontinent oder die Welt als Ganzes als Bezugsregion gewählt worden ist, denn lokal gibt es erhebliche Abweichungen. Auf dem oben bereits verlinkten ShowMyStripes kann man sich gut einzelne Regionen herauspicken und isoliert betrachten.


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