Posts by HelgeK

    Dass es bei der Innenraumgestaltung (deutliche!) Abweichungen geben wird, steht nach meinem Verständnis eigentlich fest. Grund ist, dass die originale Synagoge für die heutige Hamburger Gemeinde viel zu groß wäre. Gleichzeitig fehlen Versammlungs- und Veranstaltungsräume.

    Das Mosaik würde durch einen äußerlich originalen Wiederaufbau am originalen Standort seine Funktion verlieren und ad absurdum geführt werden.


    Die Politik wird um den "Mut" nicht herumkommen, sich für den originalen Wiederaufbau und damit auch für eine Abtragung des Mosaiks und die Beseitigung des Bunkers auszusprechen - ansonsten hätte man besser die Hände von dem Thema gelassen.


    Alle 3 Entscheidungen gehören untrennbar zusammen.

    Hamburg hat seinen mittelalterlichen Dom bereits im Jahr 1805 (!) abgerissen. Das Stadtbild hat sich von dieser Wunde m. M. n. nie wieder erholt.


    Bis zur Reformation 1529 war Hamburg eine lebendige Kirchenstadt mit einer allgemeinen lockeren und lebensbezogenen Volksfrömmigkeit und zahlreiche lokalen Traditionen - wie zum Beispiel der jährlichen Wahl des Kinderbischofs, gefolgt von einem Umzug und einer die ganze Stadt umfassenden Feier. Es gab auch mehrere Klöster - und damit u. a. verbunden - eine blühende Bierproduktion. Bier war das wichtigste Hamburger Exportgut, halb Skandinavien wurde damit versorgt.


    Die Reformation brachte einen radikalen Bruch. Ein kleinerer Teil der Bevölkerung nahm eine freudlos strenge Religiosität an, während die Mehrheit stillschweigend nach und nach den Bezug zur Kirche verlor. So war es möglich, dass der Abriss 1805 ohne größeren Widerstand der Bevölkerung durchgezogen werden konnte.


    Wikipedia


    800px-Hamburg.Domkirche.1800.jpg

    Ja, es sieht gut aus in dieser Sache.


    Egal was von den Modernisten noch vorgetragen wird - sich gegen den Wunsch der jüdischen Gemeinde als Bauherren durchzusetzen wird nicht möglich sein. Im schlimmsten Fall bei fehlendem Rückhalt aus der Politik (- dafür gibt es aber keine Anzeichen!) wird einfach nicht gebaut werden, aber es wird auf keinen Fall ein äußerlich moderner Bau entstehen.

    Entscheidend ist, dass es innerhalb der jüdischen Gemeinde einen Mehrheitswillen für die ReKo gibt - in Potsdam z.B. scheint die Situation diesbezüglich komplizierter zu sein als in Hamburg.

    Es geht hier ja nicht um Büroflächen in der Peripherie, sondern um begehrte Wohnflächen in einer Toplage. Eigentlich sollten das beste Voraussetzungen sein dafür, dass es weiter geht.


    Bedenklich wäre vor allem eine lange Hängepartie.

    Die Lösung wäre, weniger Büros und Geschäfte in den Innenstädten. Dafür mehr Arbeitsplätze auf dem Land. Dann müssten weniger Menschen pendeln.

    Diesen Zustand bekommen wir jetzt ja gerade unfreiwillig auf die ganz harte Tour ...


    Danke für das Statement und die Links!

    Na ja, Paris ist eh nicht autogerecht. Die allermeisten Berufstätigen pendeln auch jetzt schon mit dem ÖPNV, der an seiner Kapazitätsgrenze ist. Für die mit Autos gut gefüllten Straßen sorgt also nur ein relativ kleiner Teil der Pariser im weiteren Sinne.


    Hinter dem Konzept muss ja ein Plan stecken, wie der Verkehr weiter reduziert wird. Habe jetzt nicht die Zeit das zu googeln.

    Schön!


    Ein Wermutstropfen: Das weitestgehend erhaltene Kleinpflaster soll offenbar durch Betonsteine ersetzt werden.

    Der Hamburger Rathausmarkt befindet sich auf 2 von 4 Seiten (Rathaus + Alsterarkaden) im Vorkriegszustand, und die anderen beiden Seiten bestimmen ein Mix aus Vorkriegsbauten und stilistisch daran angepassten Gebäuden aus der ganz frühen Nachkriegszeit. Insgesamt wirkt das Bild stimmig und harmonisch. Die stark zerstörte Stadt hat unfassbares Glück gehabt, dass dieser sensible Bereich, der Zielpunkt mehrerer schwerer Bombardierungen war, so glimpflich davongekommen ist.


    Ich habe ihn hier aber bewusst nicht erwähnt, da eines der Stichworte "Hidden Champions" war - und dazu kann man ihn - ebenso wie den Marienplatz in München - ja ganz sicher nicht zählen. Beide Plätze sind prominente touristische Highlights.

    Anders als Potsdam, München oder Dresden (oder Jerusalem) hat Hamburg eben das Glück, dass der ehem. Standort noch frei ist.

    Nicht ganz.


    Ist gibt eine teilweise Überschneidung mit einem 40er-Jahre Bunker. Der Umstand des notwendigen Abrisses des - wegen seines Vorgängerbaues - denkmalgeschützten Bunkers wird ja erwartungsgemäß von den Gegnern als Argument gegen den Wiederaufbau genutzt.


    Die Erinnerung an die Synagoge würde nach dieser Logik durch die real existierende Synagoge geschädigt werden :gehtsnoch:

    Auf Helgoland wird ein neues Meerwasseraquarium geplant, das einen seit 2014 geschlossen, maroden Vorgängerbau ersetzen soll. Das Projekt firmiert unter dem Namen "Bluehouse".

    Der Vorgängerbau stammt aus dem Jahr 1959 und wird für die Maßnahme abgerissen - eine zeittypische Flachdachkiste mit Gelbklinker-Verkleidung.


    Ganz interessant im Sinne unseres Forums finde ich, dass der Denkmalschutz zur Auflage macht, den 50er Jahre-Bau weitgehend zu kopieren. Damit wäre er dann aber doch nicht mehr "authentisch"?!


    Hamburger Morgenpost


    altes-aquarium.jpg

    Die Frage stellt sich doch nur.. was sagt es über unsere Zeit aus, wenn wir solche Probleme mit den Designprodukten unserer Zeit haben?

    Wäre ich Architekt, würde ich erst mal selbstkritisch hinterfragen, was meine eigene Zunft falsch macht, bevor ich der Allgemeinheit vorhalte, auf Gegenwartsarchitektur unangemessen zu reagieren.

    Ein Streit um des Kaisers Bart.


    Ob nun die hunderttausendste flachbedachte Kiste mit bodentiefen Fenstern ohne Lokalbezug authentischer ist als die Reko eines 200 Jahre alten Bauwerks mit Lokalbezug oder nicht - so what?


    So lange die Rekos subjektiv so viel schöner sind als die Schöpfungen der Gegenwartsarchitektur, freue ich mich über jede Reko.

    Das ist selbstverständlich ein Baumangel.


    In das Mauerwerk darf von oben kein Wasser eindringen. Ausblühungen und Frostabsprengungen sind hier vorprogrammiert. Nicht von heute auf morgen - gut gebrannte Ziegel halten schon was aus. Längerfristig aber auf jeden Fall. Historisch wurde dies durch eine Reihe Dachpfannen verhindert.


    Was immer hier verbaut wurde - es erfüllt seinen Zweck offensichtlich nicht.

    Ich bin vorsichtig optimistisch.


    Die Riege der Befürworter in Hamburg ist hochkarätig, praktisch der gesamte Senat steht hinter einer Reko. Diesbezüglich ist Hamburg eine andere Welt als z.B. Berlin in Bezug auf das Schloss. Der Senat kann das Genehmigungsverfahren an sich ziehen und selbst entscheiden, ohne auf die Verwaltung Rücksicht nehmen zu müssen - das wurde und wird in Hamburg durchaus auch bei anderen Projekten praktiziert. Man wird zwar nicht einfach einfach in "Basta-Manier" durchregieren, sondern sich mit den Gegnern kultiviert austauschen und dem Prozess Zeit lassen.


    Bezüglich des Ergebnisses bin ich mir aber recht sicher.

    Ich verstehe die Zielsetzung der Kampagne originär etwas anders - eher allgemein als politisches Marketing und Fundraising.


    Die Beiträge auf der Bornplatz-Homepage unter dem Motte "gegen Antisemitismus" stammen offenbar aus den letzten Monaten des alten Jahres - sie können sich also noch gar nicht auf die jüngst in Erscheinung getretenen organisierten Reko-Gegner beziehen.


    Dass der Gegenwind jetzt die Befürworter dazu treibt, ihren prominenten Fürsprechern mehr Gehör zu verschaffen und dabei das Missverständnis vielleicht auch bewusst in Kauf nimmt, mag sein.