Posts by HelgeK

    Nahezu jedes mir durch persönliche Mitarbeit bekannte Forum hat einen "Giftschrank". Dorthin werden themenfremde und/oder ausufernde Diskussionen ausgelagert, um sie dennoch bei Bedarf den "zuständigen Organen der Rechtspflege" unverändert zur Verfügung stellen zu können. Warum sollte das ausgerechnet hier anders sein?

    Die Toleranz gegenüber Abschweifungen, die in diesem Forum gepflegt wird, hat Vor- und Nachteile. Für meine Empfinden überwiegen klar die Vorteile. Der freie Diskussionsstil führt zu mehr Lebendigkeit und vielen interessanten Beiträgen, die sonst nie geschrieben werden würden. Ja, andere Foren machen das anderes - aber IMHO nicht zu deren Vorteil.

    Es scheint ein gewolltes Stilmittel zu sein, denn niemand muss auch bei WDVS-gedämmten Häusern so tief innenliegende Fenster einbauen. Selbst bei (wertigeren) Sanierungen mit nachträglicher Installation einer solchen Dämmung werden die neuen Fenster sehr weit vorne in der Fassade eingebaut, um genau diesen Effekt zu vermeiden.

    Nach meinem Empfinden würde das Haus besser aussehen, wenn der Architekt auf dieses Stilmittel, ebenso wie auf die Rundungen, verzichtet und stattdessen das Gestaltungsmuster des 1. OG wiederholt hätte.

    Für mich leider wieder mal ein Beispiel dafür, wie unendlich schwer sich zeitgenössische Architekten tun, stimmige Lösungen zu finden, sobald ein Bauwerk mehr als eine simple Kiste werden soll. Diese offenkundige Hilflosigkeit erinnert mich an die entprechenden Versuche im Lübeker Gründungsviertel und am Alten Markt in Potsdam.

    Ich finde diesen (radikal) modernen Museumsbau auf seine Art schön!

    Die Räume laden zum Aufenthalt ein, das gelungene Wechselspiel mit den Materialien Beton und Holz, die vielen Sichtbeziehungen ins Grüne - wow.

    Warum auf teufelkommraus einen Gründerzeitbau rekonstruieren?

    Weil Gründerzeit und Jugenstil die letzte Epochen in Deutschland waren, in denen flächendeckend ästhetisch anspruchsvoll gebaut wurde?

    Teilweise traf dies auch noch auf die 20er und frühen 30er Jahre zu, dann wurde es gestalterisch armselig. Die Moderne hat nie zu einem stilsicheren Anschluß an den Altbaubestand gefunden.

    Ich habe Lissabon in den frühen 1990ern bei einem Besuch mittem im Winter kennengelernt, lange bevor die Stadt zum Ziel des globalen Massentourismus wurde. Es war ein unglaublich schönes Erlebnis!

    Die zentralen Bereiche wurden damals noch von Einheimischen bewohnt. Kaum jemand - vom Arbeiter bis zum Geschäftsmann - ging auf die Straße, ohne sich mindestens mit einem einfachen Alltags-Anzug fein zu machen. Wir kamen uns als deutsche Touristen mit unser zweckmäßigen Allwetter-Bekleidung völlig underdressed vor, wurden aber trotzdem überall freundlich bis herzlich behandelt. Es gab jede Menge einfache Restaurants (- überlicherweise ohne Speisekarten, geschweige denn mehrsprachige Auslagen), die mittags mit einheimischen Geschäftsleuten voll waren, überall auf den Straßen waren fliegende Händler und Maroni-Röster unterwegs.

    Mein liebstes Erlebnis war, als meine bessere Hälfte einmal in einem Restaurant neugierig auf ein lecker aussehendes Desert auf dem Nachbartisch schaute - vielleicht eine Sekunde zu lang. Der Geschäftsmann, der es gerade essen wollte, stand auf, brachte seinen Nachtisch zu meiner Frau und meinte sinngemäß "Junge Dame, ich kann sie nicht verhungern lassen - bitte erlauben sie mir, Ihnen mein Desert zu überlassen" :wink:

    Daumen drücken.
    Ich war noch nie in Schwerin, wie ist es denn dort so mit Sanierungen? Geht man da ähnlich rabiat vor wie in anderen deutschen Städten, alles totsaniert und unpassende, moderne Ein- oder Anbauten oder ist man da sensibler? Man baut ja das Schloss zum Landtag um, richtig?

    Schwerin ist zweifelsfrei ein "hidden Champion"!

    Die Tatsache, dass die Stadt im Westen und Süden nur wenig bekannt ist, dürfte vor allem in ihrer abgelegenen geographischen Lage weitab der Bevölkerungsschwerpunkte Deutschlands begründet sein. Man kann Schwerin als Süddeutscher nicht einfach mal auf dem Weg von A nach B "mitnehmen", sondern muss schon gezielt anreisen, was pro Richtung einen ganzen Tag in Anspruch nimmt, und entsprechend dort dann auch übernachten - aber wer macht das schon wegen einer unbekannten Stadt?

    In Schwerin wurden in den Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung zahlreiche einfache Bürgerhäuser aus der Errichtungszeit zwischen ca. 1750 und 1900, die sich in absolut desolatem Zustand befanden, liebevoll restauriert. Die naturräumliche Lage der Stadt zwischen mehreren eiszeitlichen Seeen ist einmalig. Die DDR-Zeit hat zwar einige Spuren im Stadtbild hinterlassen, aber selbst diese Plattenbauten wurden nur vereinzelt und ungewöhnlich sensibel eingefügt und stören heute kaum. Die größte zentrale Plattenbausiedlung der Stadt befindet sich mittig im folgenden, vom Turm des Doms aus aufgenommenen Bild - man muss schon genau hinsehen, um sie überhaupt auszumachen.

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    (Bilder von 2016)

    Vielleicht wegen der Tiefgarage?

    Ja, ich meine auch, so etwas mal gelesen zu haben.

    Macht IMHO aber keinen Sinn. Kopfsteinpflaster ist nur "laut", wenn relativ schnell (- über ca. 30 km/h) gefahren wird UND das Pflaster uneben, also ungeschliffen ist.

    Ich gehe aber davon aus, dass in so einer engen Straße ohnehin nicht mehr als echte 30 gefahren wird, und auch der Einbau "leiser", aber teurer geschliffener Steine sollte bei einer so kleinen Gesamtffläche keine wirkliche Hürde darstellen.

    Im weiteren Verlauf der LH Straße ist kein weiteres mehr vorgesehen.

    Ja, ich weiß. Der Asphalt sieht aber trotzdem bescheiden aus, es passt so optisch einfach nicht.

    Die Summe, die erforderlich wäre, um die paar Meter Landhausstraße mit geschliffenen (- lärmmindernden und fahrradfreundlichem) Kopfsteinplaster aufzuwerten, sollte für Dresden nicht ernsthaft eine Hürde darstellen.

    Soweit ich weiß ist eine Unterbrechung und Fortsetzung des Backprozesses ungesund und auch nur mithilfe technischer Enzyme zu bewerkstelligen.

    Um mal ein Beispiel aus deinem Umfeld (München) zu nennen, um zu verdeutlichen, was ich meine - der Backshop von Manufactum in der Dienerstraße (- Zentrum, direkt neben dem Dallmeyer-Stammhaus).

    Dort werden Rohlinge im Steinofen gebacken. Die Mitarbeiter haben ebenso wie der dahinterstehende Backbetrieb normale Arbeitszeiten, niemand muss nachts aufstehen. Die Qualität der ohne zugesetzten Enzyme hergestellten Sauerteigbrote ist IMHO erstklassig und übertrifft die der Mehrheit der Handwerksbäcker. Es handelt sich um eine der besten Adressen für Brot in München.

    Was hindert handwerkliche arbeitende Familienbetriebe daran, ähnlich vorzugehen?

    Mein Meinung nach ein gutes Beispiel für heutige Architekten, die "es einfach nicht können", auch wenn die gute Absicht da ist, keine 0815-Kiste zu erschaffen.

    Sie tun sich offenbar sehr schwer darin, jenseits von schlichten Kisten oder Rekos harmonisch-stimmige Ergebnisse abzuliefern. Ob die Kompetenz fehlt oder der Wille, auf Brüche und Widersprüche zu verzichten - keine Ahnung.

    Die traumwandlerische Sicherheit, mit der in der Vormoderne vom einfachen Maurer bis zum Hofarchitekten stilsichere Ergebnisse erzielt wurden, ist verschwunden.

    Indes gibt es auch eine erfolgreiche Neugründung, die brotique: winziges Produktangebot, praktisch nur Sauerteigbrote, dafür aber garantiert immer tagesfrisch. Aber ob das auch außerhalb einer Großstadt funktionieren würde?

    Angebote in diese Richtung - deutlich eingeschränktes, aber sehr hochwertiges Angebot - gibt es offenbar in vielen größeren Städten.

    IMHO folgerichtig, denn die Notwendigkeit, extrem früh aufzustehen, um das traditionelle Komplettangebot morgens bereitstellen zu können, dürfte eines der Haupthindernisse bei der Rekrutierung von Nachwuchs sein.

    Worin ich im Übrigen kein Problem sehe, ist das Aufbacken von Roh- oder halbgebackener Ware in den Geschäften. Die Praxis hat meiner Meinung nach zu Unrecht einen schlechten Ruf, der dadurch entstanden ist, dass sie meist von billigen Ketten mit minderwertige Ware praktiziert wird. Mit hochwertigen Produkten erzielt man dabei aber auch hochwertige Ergebnisse! Auf diese Weise lassen sich in der Produktion normale Arbeitszeiten am Tage statt nachts ermöglichen, und der tolle Duft ist eine gute Werbung.

    Ich finde die Häufung der Maßnahmen im Umfeld des Berliner Schlosses (Einheitswippe, Bepflanzung der Nordseite, Möblierung der Innenhöfe, Sanchi-Tor, Möblierung des Umfelds) in dieser Form schon einmalig.

    Was sich aus meiner Sicht hier als roter Faden abzeichnet, ist die Absicht, dem Schloss ein Teil seiner Wirkung zu nehmen, in dem Kontraste gesetzt werden. Gleichzeitig wird alles versucht, die Wiedererrichtung der benachbarten Bauakdemie mit historischer Fassadengestaltung oder eine Diskussion über die Rückverlagerung des Neptunbrunnens zu unterlaufen.

    Ob es dazu einer gezielten, durchgängig handelnden "Verschwörung" bedarf? Nein, das glaube ich auch nicht. Aber eine jeweils einzelfallbezogene Absicht, das Schloss zu kontrastieren, halte ich sehr wohl für schlüssig.

    Von den 6 handwerklichen Bäckereien, die ich in meiner Kindheit in den 1970ern in unterschiedlichen Orten in Deutschland kannte, haben genau 2 bis heute überlebt. Neue sind in den betreffenden Ortschaften / Stadtteilen nicht hinzugekommen. Von den 2en hat nur eine eine gesicherte Nachfolge.

    Die 4, die verschwunden sind, existieren nicht mehr, weil die Besitzer entweder kinderlos geblieben sind, oder die Kinder kein Interesse an einer Übernahme hatten. Bei Bäckereien ist der (- scheinbare oder gefühlte) Zwang, das komplette Sortiment morgens um 06:00 oder 07:00 anbieten zu müssen, ein großes Problem. Wer will schon sein ganzes Arbeitsleben lang um 02:00 Uhr nachts aufstehen müssen?

    Bei Metzgereien scheint der Grund zu sein, dass das Töten und Ausnehmen von Tieren nicht jedermans Sache ist. Als Käufer kann man die Herkunft der Wurst "ausblenden" - als Metzger nicht.

    @ Reklov: Ist das Scheitern der sog Banlieue wirklich ein architektonisches Problem? Hätte eine solche Architektur das Scheitern verhindert? Je n'y croix pas.

    Möglicherweise hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Fehler gemacht wurden, und sich demzufolge etwas ändern muss.

    Was aber leider nicht ausschließt, dass das andersartige Neue seinerseits fehlerhaft ist.

    UrPotsdamer - Im Gegensatz zu Dir habe wohlweislich eben keine Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern einen Verdacht geäußert, denn ich habe logischerweise keine Beweise.

    Das Berliner Schloss ist politisch umstritten wie kaum ein anderes Bauwerk, und ist schon aufällig, dass genau dort - sowohl in den Innenhöfen wie im direkten Umfeld - versucht wird, besagte Kontraste zu setzen. Mir persönlich zumindest ist kein anderes Beispiel bekannt, bei dem in vergleichbar hartnäckiger Weise vorgegangen wird.

    Nein, es gibt keine Verschwörung zur Verhunzung des Stadtschlosses. Das ist einfach der Zeitgeist - wenn der Palast der Republik noch stünde, würde man vermutlich dieselben Möbel dort aufstellen. Diese Paranoia, hinter allem böse Absicht zu vermuten...

    Sind solchen Möblierungen im Umfeld traditioneller Bauten in Berlin und Potsdam allgemein üblich?