Posts by newly



    Dazu kann ich nochmal meinen kürzlich gelöschter Beitrag zur Urlaubszeit anbringen...als Beispiel wie es Juden im Kaiserreich erging...



    "Seit den 1870er Jahren wuchs in Deutschland die Zahl der Kur- und Badeorte an, die sich als “judenfrei” definierten, mit einem antisemitischen Image kokettierten und in ihren Prospekten kundtaten, dass ihnen der Besuch “jüdischer”, “nichtchristlicher”, “se-mitischer”, “israelitischer” oder “mosaischer” Gäste nicht ge-nehm sei. Auch einzelne Hotels und Pensionen machten in An-zeigen keinen Hehl daraus, dass sie auf jüdische Gäste keinen Wert legten. “Juden und Lungenkranke Eintritt verboten” war da bisweilen in brutaler Offenheit zu lesen, bzw. “Judenfreies” oder “Judenreines Haus”. Kurorte versandten Prospekte mit dem Ver-merk: “Für jüdische Empfänger ungültig”, “Israeliten ausge-schlossen” oder “Israeliten suchen den Kurort in der Regel nicht auf”. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stellte bereits im Jahre 1905 resigniert fest: “Wir haben uns längst mit der beschämenden Tatsache abgefunden, daß es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Lande der Dichter und Denker eine stattliche Reihe von Bade- und Kurorten gibt, die den Grundsatz öffentlich verkünden, daß ihnen jüdischer Besuch nicht willkom-men ist”.Blickt man auf die im „Israelitischen Familienblatt“ veröffentlichten Listen „antisemitischer Erholungsorte“, dann umfassten diese schon vor dem Ersten Weltkrieg mehrere Dutzend Namen. Allein an Nord- und Ostsee definierten sich zahlreiche Seebäder als antisemitisch."



    aus: Frank Bajohr „Unser Hotel ist judenfrei“ Alltagsantisemitismus in Bade- und Kurorten im 19. und 20. Jahrhundert


    ....

    "12.000 jüdische Soldaten fielen für Kaiser Wilhelm. Sie fühlten sich als deutsche Patrioten und nicht als Opfer von Antisemitismus: Neue Studien zeigen, dass die jüdischen Soldaten des Kaiserreichs viel besser integriert waren, als man lange meinte ("Die Welt" vom 3.7.2013).


    Das heißt natürlich nicht, dass es im Kaiserreich keinen Antisemitismus gab. Aber in der Politik spielte er so gut wie keine Rolle.



    Dazu Auszüge aus der einer Arbeit der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages von ..

    "Judenfeindschaft und Antisemitismus bei Kaiser Wilhelm II"


    https://www.bundestag.de/resou…/wd-1-172-07-pdf-data.pdf


    Die in Deutschland insbesondere seit den Stein-Hardenbergschen Reformen und in Folge der Revolution von 1848 schrittweise fortschreitende bürgerliche Emanzipation der deutschen Juden setzte sich auch im Kaiserreich fort. Allerdings blieb den jüdischen Bürgern die vollständige formale Gleichberechtigung versagt. Innerhalb seiner eigenen Sphäre gab der Staat seine Neutralität praktisch auf und benachteiligte die jüdischen Deutschen. Formelle wie informelle Schranken versperrten ihnen den Zugang u.a. zu den Hof-und Regierungsämtern, zur höheren Verwaltung, dem diplomatischen Korps, der akademischen Welt oder dem Offiziersamt. Die Reichsverfassung garantierte zwar die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger, beließ aber weitgehende Kompetenzen bei den Ländern. In Preußen zum Beispiel berief man sich bis zum Jahr 1918 auf die Verfassung von 1850, welche jüdische Bürger von der höheren Verwaltung und dem Offiziersamt ausschloss.


    ....


    Seit Ende Ende der 1870er Jahre steigerten sich in Teilen der Gesellschaft des Kaiserreiches die nach wie vor vorhandenen Vorurteile und Aggressionen gegen Juden zu einem rassistisch geprägten Antisemitismus, der in seiner letzten Konsequenz darau abzielte, die "Semiten" und damit die Juden physisch zu vernichten. Journalisten wie Wilhelm Marr (1819-1904), Universitätsprofessoren wie Heinrich von Treitschke (1834-1896) oder Geistliche wie der Hof- und (Berliner) Domprediger Adolf Stöcker (1835-1919) waren wichtige geistige Wegbereiter eines Antisemitismus, der auch zu einem politischen Faktor wurde und sich im Verlauf des Kaiserreichs zu einer organisierten Massenbewegung entwickelte.

    Stöckers im Jahr 1878 gegründete "Christlich-Soziale Arbeiterpartei" war die erste antisemitische Partei im Kaiserreich, der andere antisemitisch eingestellte Parteien folgten, die - wenn auch in geringer Stärke - in verschiedene Länderparlamente wie auch in den Reichstag mit eigenen Abgeordneten einzogen. Bedeutende Tageszeitungen des Kaiserreiches wie die konservative Kreuzzeitung oder die katholisch orientierte "Germania" führten seit Mitte der 1870er Jahre zusammen mit Antisemiten Kampagnen aus Feindschaft gegen den "jüdischen Liberalismus"....


    Wilhelm II äußerte sich in seinem Leben wiederholt antisemetisch, so z.B. gegenüber seinem Großvater:


    "O lieber Großpapa, es ist empörend wenn man beobachtet wie in unserem christlichen, deutschen, gut preußischen Lande das Judenthum in der schamlosesten, frechsten Weise sich erkühnt, alles verdrehend und corrumpirend sich an solche Männer zu wagen und sie zu stürzen sucht."



    Ein weiteres Beispiel für den Umgang Wilhelm II. mit dem Thema Juden und Antisemitismus war das Verhältnis des Kaisers zum völkisch-nationalen Schriftsteller und Kulturphilosophen Houston Stewart Chamberlain. Um die Jahrhundertwende pflegte er mit ihm eine langjährige Korresponden, und über das im Jahr 1901 erschienene Hauptwerk des antisemitischen

    Schriftstellers ..."Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts" äußerte er sich begeistert und machte es zur Pflichtlektüre bei der Oberlehrerausbildung bzw. an preußischen Lehrerseminaren.

    Schließlich ist für den Zeitraum der Regierungszeit von Wilhelm II.eine antisemitische Äußerung dokumentiert, die er bei einem Besuch in Großbritannien gegenüber dem damaligen Außenminister Sir Edward Grey fallen ließ: „Es gibt viel zu viele Juden in meinem Land. Sie müssten ausgemerzt werden."



    Der Antisemitismus nahm insgesamt in den rund vier Jahrzehnten von der Reichsgründung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Staat und Gesellschaft stark zu. Zwar gehörten Ausschreitungen gegen jüdische Bürger-wie zum Beispiel 1881 im hinterpommerschen Neustettin oder 1900 im westpreußischen Konitz –nicht zum Alltäglichen, aber der Antisemitismus gewann erheblichen Einfluss bei vielen politischen und gesellschaftlichen Organisationen im Kaiserreich und spielte eine wichtige Funktion im Denken des national gesinnten Bürgertums. Er wurde im gesellschaftlichen Leben zur sozialen Norm.

    ....


    EDIT Philon: Ich habe mal Schriftgröße und Schriftart vereinheitlicht. Durch die ständigen Wechsel in Schriftart und Schriftgröße von Absatz zu Absatz war das wirklich sehr schwer zu lesen.


    Ich denke die Zahlen sprechen klar für sich.

    Die Zahlen sagen natürlich nichts über die Ursachen des Abstimmungsverhaltens und die Motive der polnischsprechenden Bevölkerung aus - allein darum ging es ja in den obigen Beiträgen. Insofern sprechen deswegen natürlich auch die Zahlen nicht für sich.

    Trotzdem danke für die Grafik.


    Oder das eine schließt das andere nicht aus.


    Natürlich gab es auch eine Unterdrückung der polnischen Kultur im Kaiserreich (Wenn z.B. polnisch als Unterrichtssprache verboten wurde, also Kinder auch in rein polnischsprachigen Gebieten nicht in ihrer Muttersprache lernen oder studieren durften.)

    Um festzustellen, ob diese Unterdrückung "ausgeprägter" war, als sie "gemeinhin dargestellt wird", kann man sich allein schon durch die gesetzlichen Regelungen leicht ein Bild machen - wenn man denn will.

    Es gab u.a. auch einschränkende Vorschriften zum Gebrauch des Polnischen als Geschäftssprache, Einschränkung der Versammlungsfreiheit, bei der Beschäftigung im Staatsdienst usw. usw.

    Das ist mir durchaus bekannt und ich erwartete auch diesen Einwand.

    Es war kein Einwand, sondern ein wichtiger Fakt zur Ergänzung.

    Wenn er dir bekannt ist und du "den Einwand" schon erwartest hast, warum schreibst du es dann nicht von dir aus dazu?


    Offensichtlich hast du nur eine bestimmte Botschaft ("Unterdrückung der polnischen Minderheit war gar nicht so schlimm") als Ziel und bist an einer vielschichtigen, realen Darstellung gar nicht interessiert.


    Aber klar, wenn man auf solche Auffälligkeiten/Widersprüche hinweist, dann sieht man für dich "alles nur durch die nationale Brille".


    Du kannst gern auf alle möglichen "Auffälligkeiten" hinweisen. Nur wenn du bewusst stets andere, dir nicht genehme Fakten weglässt, und dich selbst noch über einen (vollkommen neutralen) ergänzenden Nachtrag echauffierst, dann siehst du tatsächlich alles nur durch die nationale Brille.

    Und die polnisch-sprechenden Allensteiner zogen es - in absoluter Mehrheit - vor in Deutschland zu verbleiben und das ist auch in doppelter Hinsicht bemerkenswert, da das Deutsche Reich 1920 am Boden lag.


    Es ist weniger bemerkenswert, wenn man nicht alles nur durch die nationale Brille sieht, auch die Religion hatte damals einen hohen Stellenwert. Die polnischsprachige Bevölkerung in Masuren, d.h. in den Abstimmungsbezirken Alleinstein und Marienwerder war zum größten Teil evangelisch und wollte nicht zu einem Staat wie der Republik Polen gehören, in der die katholische Kirche einen so dominanten Einfluss hatte.


    Obwohl der russische Geheimdienst das Leben unter russischer Herrschaft in den heitersten Farben malte und an den Panslawismus erinnerte, ging von den Sorben/Wenden niemand auf den Leim.

    Zum Teil spielte auch hier die Religion ein Rolle. Einem gläubigen evangelischen Wenden oder katholischen Sorben war Russland auch schon durch seine russisch-orthodoxe Staatskirche suspekt.

    Als Kind, noch vor der Wende, war ich mal da; und habe seltsamerweise die Halle gar nicht so eindrucksvoll in Erinnerung. Aber als Kind nimmt man ja vieles anders wahr.


    Warst du schon auf der Seite der Jahrhunderthalle?

    https://halastulecia.pl/de/fuer-besucher/



    Es wäre übrigens wunderbar, wenn Thema hier die Architektur des Kaiserreichs 1871-1918 wäre (anstelle dieses politischen "Kaiserreichs im Rückblick" )

    Seit 1945 hatten wir die Geschichte durch eine rote Brille zu betrachten. Es ist an der Zeit, die Gläser durch ungefärbte zu ersetzen. Zwischenfarben sind zulässig. Nur rot dürfen sie nicht wieder sein.


    Aber braun dürfen sie sein, nicht wahr?

    Die Bemerkungen von Rastrelli (oder mein bloßes Zitat von Wilhelm II oben) waren nicht annährend rot, sondern glasklar ungefärbt.


    Ich merke hierdrin immer wieder, dass sobald Argumente und Fakten unangehm werden, die nicht in das eigene Weltbild passen, gleich in einem Schwall reflexionsartig allgemeine Behauptungen von einer angeblich "roten Geschichtsschreibung" gemacht werden. So kann man natürlich jeder kritischen Auseinandersetzung aus dem Wege gehen.


    Diese rhetorische Frage ist unanständig. Rot ist allgemein die Farbe der Linken, sie wird nicht nur von den Kommunisten, sondern auch von den Sozialdemokraten in Anspruch genommen. Insofern kann man durchaus von einer roten Geschichtsbrille sprechen, wie Elbegeist es getan hat. Braun dagegen steht ausschließlich für den Nationalsozialismus. Menschen aus dem bürgerlich-konservativen oder auch aus dem monarchistisch angehauchten Milieu, die "rotes" Gedankengut ablehnen, eine "braune" Gesinnung zu unterstellen, ist somit hochgradig diffamierend.

    Ich wüsste nicht, was an dieser Frage "unanständig" sein sollte. Die Farbenlehre ("alles außer rot ist erlaubt") wurde nicht von mir eingebracht.


    Zunächst ist diese Aussage, dass "wir seit 1945 die Geschichte durch eine rote Brille zu betrachten hatten" purer Unsinn.

    Jahrzehntelang wurde die Bundesrepublik von der konservativen CDU/CSU regiert. Dann waren in Westdeutschland sogar alte Nazis noch jahrzehntelang an einflussreichen Stellen, auch an den Universitäten. In Westdeutschland wurde die KPD verboten, die NPD blieb erlaubt, es gab einen Radikalenerlass, faktisch ein Berufsverbot für "rote" Lehrer usw. usw.

    Die Darstellung, dass "die Roten" den Deutschen nach 1945 ihre Geschichtsauffassung aufzwangen, ist absurd - es sei denn man steht sehr weit rechts und subsumiert unter "rot" alles mögliche und bedauert generell die Veränderungen seit 1945.


    Und wer sich einbildet, dass diese Geschichtsauffassungen von rechtsaußen hier im heutigen Deutschland im Grunde "bürgerlich-konservativ" seien, der lebt noch in längst vergangenen Jahrzehnten.

    I.Ü. gibt es natürlich in der nationalistischen Gedankenwelt von Monarchisten und Nazis Schnittmengen (und nicht nur weil der Kronprinz sich 1932 Hitler als Kandidat der NSDAP für die Reichspräsidentenwahl anbot, ein anderer Sohn Wilhelm II in der SA war usw. usw.). Viele Ansichten und Ziele waren/sind ähnlich, der Übergang oft nahtlos - und das weißt du auch.

    Leider ist die Dichotomie rot-braun Teil einer "antifaschistischen" Kampfrhetorik, die zumindest von den extremen Linken permanent praktiziert wird - nicht zuletzt im sogenannten "Kampf gegen Rechts", der sich leider nicht auf die an sich durchaus berechtigte und notwendige Bekämpfung des Rechtsextremismus beschränkt, sondern auch die Konservativen - und letztlich alle Nicht-Linken - unter Generalverdacht stellt (wohingegen sie den ebenso bekämpfenswerten Linksextremismus systembedingt verharmlost).


    Innerhalb dieser extremistischen Perspektive ...


    Aus dieser einen Frage eine "antifaschistische Kampfrhetorik" von extremen Linken abzuleiten ist absurd und offensichtlich auch nur der Aufhänger um wieder allgemeine Statements unterbringen zu können.


    Es findet hierdrin i.Ü, gar "keine kritische Hinterfragung und Aufarbeitung linker Geschichts- und Gesellschaftsbilder" statt, wie du suggerierst. Wenn dies wenigstens der Fall wäre.


    Die Beiträge sind meist eine Aneinanderreihung einer simplen, einseitigen und unkritischen Darstellung des Kaiserreichs und insbesondere auch der Person des Kaisers, mehr nicht.


    Und da stoßen wir auch auf des Pudels Kern: Die Charakterisierung Wilhelms II. als eines Kriegstreibers und des Kaiserreichs als einer Vorstufe des NS-Staates ist von weiten Teilen linker Geschichtswissenschaft erfolgreich betrieben worden (Stichwort Fritz Fischer). Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass die Nazis gerade Wilhelm II. zutiefst verachtet haben (was, wie in diesem Forum bereits mehrfach dargelegt, auf Gegenseitigkeit beruhte).


    Derart linke Geschichtsbilder zu relativeren - freilich ohne eine unkritische Haltung gegenüber dem Kaiserreich einzunehmen - halte ich für keinen Rückschritt, sondern für einen Fortschritt.


    Ich habe hier noch keinen einzigen Beitrag gelesen, der das Kaiserreich als eine simple Vorstufe des NS-Staates charakterisierte.

    Allerdings auch keinen einzigen von dir, der eine kritische Haltung gegenüber dem Kaiserreich oder Wilhelm II erkennen ließ.

    Du und andere hier jammern ständig über ein einseitiges Geschichtsbild "der Linken", das relativiert werden müsse.

    Dabei sind eure Darstellungen sicher nicht minder einseitig, aber auch nicht neu. Es sind alte, nationalistische Geschichtsschreibungen wie sie z.B. in Westdeutschland noch in den 50er Jahren üblich waren. Manchmal könnte man sogar meinen, der Hofschreiber des Kaisers sei anwesend.


    So kann man das ganze hier nicht ernst nehmen. Das ist leider noch nicht mal naiv, es ist nur primitiv.


    Und das führt dann zu mal eben so kurz in den Raum geworfenen einseitigen Aussagen wie, dass die Nazis "gerade Wilhelm II. zutiefst verachtet" hätten.

    Zutiefst verachtet haben die Nazis viele: Juden, Slawen, "die Roten", Pazifisten, Homosexuelle usw. usw. Mag sein, dass Hitler Wilhelm II nicht besonders mochte (vor allem, weil er den Krieg verloren hatte und die Aura der Niederlage hatte). "Zutiefst verachtet" hat er die Hohenzollern einschließlich Wilhelm II sicher nicht.


    Es gab natürlich zwischen Monarchisten und Nazis Unterschiede und Gemeinsamkeiten (wie z.B. der Nationalismus, die Ablehnung der Demokratie, die Verachtung der Weimarer Republik usw. usw.).


    Diese Schwarz-Weiß Malerei und ständige politische Vereinnahmung unserer Geschichte ist lächerlich und traurig zugleich.

    Hiermit komme ich der Aufforderung von Newly nach, mich mit den Ausführungen von Rastrellli auseinanderzusetzten.

    (Die Zitate der Ausführungen von Rastrelli sind kursiv gesetzt.) :


    "Nordschleswig ist dänisch besiedelt....

    Du weißt genau, um welche Zitate es ging (natürlich die zuletzt genannten)

    Dieses ständige sich naiv stellen ist i.Ü. eine der Primitivitäten in dem Strang hier.


    Für dich nochmal:


    Seit 1945 hatten wir die Geschichte durch eine rote Brille zu betrachten. Es ist an der Zeit, die Gläser durch ungefärbte zu ersetzen. Zwischenfarben sind zulässig. Nur rot dürfen sie nicht wieder sein.

    Aber braun dürfen sie sein, nicht wahr?

    Die Bemerkungen von Rastrelli (oder mein bloßes Zitat von Wilhelm II oben) waren nicht annährend rot, sondern glasklar ungefärbt.


    Ich merke hierdrin immer wieder, dass sobald Argumente und Fakten unangehm werden, die nicht in das eigene Weltbild passen, gleich in einem Schwall reflexionsartig allgemeine Behauptungen von einer angeblich "roten Geschichtsschreibung" gemacht werden. So kann man natürlich jeder kritischen Auseinandersetzung aus dem Wege gehen.

    Bei der Betrachtung der Geschichte durch eine ideologische Brille (von "neuen Erkenntnissen" zu schreiben) ist ebenso skurril....

    Ich weiß nicht genau, was du mir damit sagen willst. Vermutlich das hier oft zelebrierte Denkmuster, dass die heutige Betrachtung der Geschichte so einseitig ("links-ideologisch") sei, dass man zum Ausgleich genauso einseitig die alte, nationalistische Gedankenwelt wieder pflegen könnte (oder diese gar die bessere sei).


    Es geht auch ohne Ideologie.

    S.M. Kaiser Wilhelm II. hat während seiner mehr als fünfundzwanzigjährigen Friedensherrschaft...


    „Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“ —


    Wilhelm II. aus der so genannten Hunnenrede bei der Verabschiedung des deutschen Expeditionscorps nach China in Bremerhaven am 27. Juli 1900,


    Dazu gehört aber das damalige Umfeld. Im Kolonialkrieg wurde allseitig kein Pardon gegeben. Hinzu kam:

    "Ein Teil der moralischen Entrüstung des Kaisers geht möglicherweise auch auf die Mitte Juli zunächst in der britischen Daily Mail und später in der deutschen und internationalen Presse verbreitete, mit grausigen Details ausgeschmückte Falschmeldung zurück, das Pekinger Gesandtschaftsviertel sei erstürmt und ausnahmslos alle Ausländer seien umgebracht worden. (wiki)


    Ein solcher Aufruf - faktisch zum Morden - durch ein Staatsoberhaupt war auch für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich.

    Es zeigt einen Einblick in den ambivalenten Charakter und die Gedankenwelt des Kaisers, u.a. auch sich die Hunnen - die bekanntlich blutrünstig in Angriffskriegen über andere Völker herfielen - zum Vorbild zu nehmen.


    Dafür trägt auch niemand anders die Verantwortung als der Kaiser, der "Friedensherrscher" selbst.


    Auch nicht indirekt, "möglicherweise" eine britische Tageszeitung. ...Diese Art verwinkelter Rechtfertigungs- und Verharmlosungsversuche sind i.Ü. ziemlich primitiv.

    In meinen Augen kann es nicht Sinn eines Diskussionsforums sein, immer und immer wieder die schon vorher feststehenden Standard-Ansichten und den ‚Kanon des Offiziösen’ in Endlosschleife zu wiederholen. Auf solchen Plattformen sollte vielmehr die Möglichkeit bestehen, vorhandene Faktenlagen auch einmal gegen den Strich zu bürsten und anhand neuer Fragestellungen neue Erkenntnisse zu gewinnen.

    Warum setzt du dich nicht einfach mit dem auseinander, was Rastrelli zu deinen Beiträgen geschrieben hat?

    Da war keinerlei Endlosschleife dabei. Allerdings bedarf es dafür eines Mindestmaßes an Selbstreflexion.


    Bei der Betrachtung der Geschichte durch eine nationalistische Brille von "neuen Erkenntnissen" zu schreiben ist mehr als skurril. Diese Art der einseitigen Betrachtung historischer Ereignisse gab es vor Jahrzehnten.

    S.M. Kaiser Wilhelm II. hat während seiner mehr als fünfundzwanzigjährigen Friedensherrschaft....


    „Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“ —


    Wilhelm II. aus der so genannten Hunnenrede bei der Verabschiedung des deutschen Expeditionscorps nach China in Bremerhaven am 27. Juli 1900,

    Bitteschön...


    https://www.tagesspiegel.de/ku…rtenviertel/27301634.html


    Es geht nicht nur um den Namen der Piazzetta, sondern auch um Ideen für einen Gedenkort für das verlorene Tiergartenviertel. Zwei wurden vorgestellt:

    Die eine ist "...eine Art Bauschild .., auf dem ein vergrößerter Ausschnitt aus Liebermanns Gemälde vom Wannseegarten der Arnholds zu sehen ist, umrahmt von blauen Davidssternen,

    Die andere Idee will "ein Stück des Parks der Villa Massimo innerhalb der Piazzetta...."

    Primitiv hin oder her. Weder habe ich mich hier an einer Glorifizierung des Kaiserreichs beteiligt, noch Stellung zu einer "favorisierten Seite (Die Kaisertreuen)", die angeblich falsch liege, bezogen. ..

    ... Ich gerate in Auseinandersetzungen, mit denen ich eigentlich an dieser Stelle überhaupt nichts zu tun habe.

    Dann solltest du deine zahlreichen Beiträge noch einmal durchlesen. Nach deren Wortlaut bist du sicher kein neutraler Unbeteiligter.

    Bei dieser Diskussion und ihren Frontstellungen, so wie sie sich nun entwickelt haben, geht es nicht wirklich um das Kaiserreich. Es geht um die Bundesrepublik. Die einen ziehen das Kaiserreich als positives Vorbild heran, um die Zustände der Bundesrepublik zu kritisieren. Die anderen haben die Absicht, die Bundesrepublik bzw. deren aktuell herrschendes Personal und dessen aktuell dominierende Ideologie zu verteidigen. Und deshalb wiederum attackieren sie das Kaiserreich oder malen ein eher negatives Licht, damit die BRD im Vergleich besser strahle.

    Nein, das mag deiner Denkweise geschuldet sein, aber was mich betrifft, interpretierst du da etwas falsch rein.

    Die Vergleiche mit der Bundesrepublik fangen bei der Thematik hier andere an zuziehen. Aber es mag noch erlaubt sein, die einseitige Glorifizierung des Kaiserreiches so nicht stehen zu lassen, und dann zu entgegnen.


    Aber mir ist aufgefallen, dass du diese o.g. allgemeinen Ausführungen jedes mal machst, wenn du dich argumentativ mit einem Fakt nicht auseinandersetzen kannst oder willst. Und die von dir favorisierte Seite (hier die "Kaisertreuen") offensichtlich mit ihrer Begründung falsch liegen.


    Solange hier das Kaiserreich mit den absurdesten Begründungen und überzogenen Darstellungen glorifiziert wird und dabei die Bundesrepublik, ihr "herrschendes Personal" und die "dominierende Ideologie" angegriffen oder negativ bewertet werden, verlierst du nie ein einziges Wort. Dann scheinen dir die Vergleiche nichts auszumachen oder ganz recht zu sein.


    Nimm es mir nicht übel, aber deine Vorgehensweise ist in meinen Augen nicht nur unredlich, sondern auch ziemlich primitiv.


    Und du merkst hoffentlich selber, das du dabei keine neutralen, sachlichen Begriffe verwendest, sondern mit "aktuell herrschendem Personal" und "aktuell dominierende Ideologie" eine aufgeladene Terminologie

    Wesentlicher Unterschied ist, dass das Kaiserreich seine Infrastruktur mit einem enormen Kraftakt neu aufgebaut hat. ...


    Das ist natürlich das alleinige Fazit von Freunden der Monarchie, das wohl unabhängig der Faktenlage immer zugunsten des Kaiserreiches ausfällt.


    Zunächst waren die Startbedingungen der BRD 1949 und des Kaiserreiches genau gegensätzlich.

    Während Deutschland 1949 in Trümmern lag, verschaffte sich das Kaiserreich gleich zu Beginn eine milliardenschwere finanzielle Basis auf Kosten des Nachbarn im Westen.

    Neben Gebietsabtretungen waren im Friedensvertrag von Frankfurt Frankreich Zahlungen von fünf Milliarden Goldfrancs innerhalb von drei Jahren auferlegt worden. Das sind 1450 Tonnen Feingold.


    Bei dem aktuellen Goldpreis von rund 49.000 Euro pro Kilogramm wären das heute über 71 Millarden Euro.


    (Befestigungen von Paris und Departements im Osten Frankreich blieben besetzt bis die Zahlungen geleistet wurden.)


    Der Preis für den Vorteil, den sich das Kaiserreich durch diese Politik verschaffte, musste Deutschland später bitter bezahlen.



    Dann wurden - wie oben beschrieben - im Laufe der Jahrzehnte im Kaiserreich durchaus ständig auch neue Steuern und Abgaben eingeführt um natürlich den ständig steigenden Finanzbedarf für neue Aufgaben erfüllen zu können.

    Insofern unterscheidet sich die Entwicklung grundsätzlich nicht von der der Bundesrepublik.

    (Außer dass der Schwerpunkt im Kaiserreich auf den unsozialeren Verbrauchssteuern lag).


    Natürlich gibt es heute ungleich mehr staatliche Aufgaben, über deren Notwendigkeit man sich in Einzelfällen streiten kann, und die finanziert werden müssen.

    Mitglieder des Clubs der glücklichen Spermien (also diejenigen, die aus priviligierten Schichten stammen), mögen einem Spitzensteuersatz von 4 % hinterhertrauern. Für die breite Masse ist das System der Bundesrepublik sicherlich von Vorteil.



    Gerade diese alten Brücken und Eisenbahnstrecken sind erstaunlich langlebig

    Wo genau fahren heute noch Züge auf Gleisen oder Bahnschwellen aus der Kaiserzeit?

    Schreibe einfach "Heimdall ist ein durch und durch destruktiver Charakter".

    Nö, ich schreibe nur Dinge, die ich auch meine. Aber danke für die Formulierungshilfe ; )



    Das hatte sie auch im Kaiserreich, allerdings auf einem ungemein niedrigeren Niveau, eben von 0,6% bis 4%.

    Eben, deswegen war ihr Anteil an den Gesamteinnahmen des Staates auch so niedrig.