Posts by newly

    Ich persönlich wäre übrigens für eine Umverlegung der Straße oder eine Untertunnelung, um das Areal des Klosterviertels/Molkenmarkt weitgehend verkehrsfrei zu gestalten. Das würde auch die Wiederherstellung der alten Parzellen-Struktur ermöglichen.

    Also offensichtlich warst du noch nie vor Ort und/oder hast die nicht wirklich mit der Thematik befasst.

    (i.Ü. wird die Straße gerade umverlegt, die Umverlegung selbst ist doch nicht das eigentliche Problem).


    Das ist auch nicht schlimm, ich würde mich in Frankfurt auch nicht auskennen.



    Du stellst zudem eine Behauptung auf (in diesem Fall "Autolobby", die Schuld an der Molkenmarkt-Planung sei), weichst aber der Antwort aus, wer das sei, indem Du wiederum nur unkonkret auf"Lobbyismus" verweist. Deinem taz-Link ist immerhin zu entnehmen, dass die CDU sich für die Beibehaltung der Grunerstraße ausgesprochen hat.


    Ich weiche nicht aus, ich will schlicht nicht mit jemanden "diskutieren", der hier ständig zu allen möglichen Themen politisch-ideologische Grabenkämpfe führt und Fakten oft solange dreht und quetscht, bis sie ins eigene enge Weltbild passen. Dafür fehlt mir die Zeit und die Lust.

    I.Ü. will jeder die Grunerstraße "beibehalten". Die CDU-Fraktion hatte sich laut dem Artikel damals nicht nur dafür "ausgesprochen", sie "beizubehalten". Sie hat es damals durchgesetzt, als Bedingung gemacht, dass es bei der sechsspurigen Trasse bleibt, und ansonsten die Planung blockiert.


    Es ist mir schon öfter aufgefallen, dass du Texte ungenau bis sinnentstellend wiedergibst.

    Dies ist ebenso müßig wie ein Sich-naiv-stellen in Gesprächen. Wie getippt, ich geh davon aus, dass du weißt, wie Lobbyismus funktioniert und ich werde hier sicher nicht für dich irgendwelche Details ausbreiten. Falls dir das zu "unkonkret" ist, kannst Du aber gerne auch davon ausgehen, dass die Motivation für die Entscheidung der CDU-Fraktion damals ihrem christlichen Wertekanon entsprang.


    I.Ü. interessieren diese ständigen Kleinklein (wie auch unser "Disput" hier in den letzten Beiträgen) doch niemand und müllen nur den Themenstrang zu.

    Also schreib noch deinen Schlussakkord dazu, damit wir die Leser hier nicht weiter langweilen.

    (wie ich dich in diesem Forum kennengelernt habe, ist es dir ja regelmäßig wichtig, das "letzte Wort" zu schreiben.)

    Ob die Sozialisten wieder den bausenatr stellen dürfen (Scheel würde gern weitermachen) wird sich in den Koalitionsverhandlungen erweisen.

    Die Linke stellt wohl nicht mehr den Bausenator.


    "....Außerdem bleiben nach ersten Informationen aus den Parteien nicht nur das Finanz- und Innenressort bei den Sozialdemokraten, sondern es kommt auch noch das Bauressort (Chefinnensache!) hinzu...."


    https://www.berliner-zeitung.d…bezahlen-lassen-li.189030

    Somit bleibt die Frage im Raum

    Du meinst deine vier Fragen.

    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, dass du hinhälst, und dabei diesen Themenstrang zukleistern. Du wirst wohl wissen, wie Lobbyismus funktioniert. Wenn Du dennoch Fragen hast, kannst Du Dich aber gerne per PM an mich wenden.


    Zur "Entstehungsgeschichte" der sechsspurigen Schneise kannst du dich auch gern hier informieren:

    https://taz.de/CDU-faehrt-auf-den-Molkenmarkt-ab/!5269424/


    Man kann nicht glaubhaft für die "Wiedererstehung" der Altstadt und Rekonstruktionen eintreten und gleichzeitig keine massive Reduzierung des MIV wollen. Vielleicht hat der Senat doch noch die Kraft, diese Fehlplanung zu korrigieren.



    Aber manche brauchen ihr Auto ja dringend für wichtige "Missionen" wie diese hier:


    ....Wie können wir es ermöglichen, dass sie so wenige Finanzmittel wie möglich von uns zur Umsetzung ihrer Ziele zur Verfügung haben? Bricht die deutsche Volkswirtschaft zusammen? Und wenn ja, wie können wir uns darauf vorbereiten, um dann etwas besser dazustehen als die anderen?


    Ich als Kleinstverdiener habe nur begrenzte Mittel, aber zumindest gehe ich dort nicht mehr einkaufen, wo ich nicht mit dem Auto fahren und kostengünstig parken kann. Damit trage ich vielleicht ein kleines Bisschen dazu bei, dass dortige Geschäftsinhaber womöglich finanzielle Einbußen haben, unzufrieden sind, Unruhe erzeugen und schließlich an andere Orte abwandern. Orte, die nicht-digitale und nicht-reglementierte Inseln sind, und die ich dann womöglich wieder aufsuche.

    Ernsthaft: wenn ich so etwas von dir lese, mache ich mir ernsthaft Sorgen um dich . Das geht schon ins Pathologische.

    Ich lese themenfremde Beiträge höchstens quer. Dein Beitrag fällt durch das große Foto des Plakates und durch die Ausbreitung kommunalpolitischer Details einer anderen Stadt besonders auf, deshalb hab ich ihn herausgegriffen.

    Ansonsten ist mein Standpunkt zur politischen Vereinnahmung von Architektur und ideologischen Grabenkämpfen denk ich für jeden erkennbar (I.Ü. sind wir hier ja nicht im Kindergarten à la "der aber auch....")

    Hier ist noch ein Link zur Online-Petition des Bürgerforums für einen vielfältigen Molkenmarkt, vielleicht mag der ein oder andere sich anschließen. Es haben bereits über 500 unterschrieben, darunter auch einige Prominente.


    https://www.change.org/p/berli…olkenmarkt?redirect=false


    "Der aktuell vom Senat ausgeschriebene Städtebauliche Wettbewerb für den Molkenmarkt droht zu scheitern. Denn wichtige Fragen sind seit Jahren unbeantwortet und es fehlt an essentiellen Vor­gaben: So ist die Anzahl und Größe der zu planenden Baugrundstücke weiterhin ungeklärt. Ebenso wenig ist geklärt, ob und wie viele historische Leitbauten es geben soll. Die beiden öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften WBM und DEGEWO sollen hier möglichst kosten­bewusst bauen. Diese Vorgabe erlaubt nur sehr eingeschränkt architektonische Details, urbane Vielfalt und anspruchs­volle Fassadengestaltung. So billig und schlicht sollte man am Molken­markt, im zentralen Schaufenster Berlins, nicht bauen.

    Vielfalt geht anders! Es gibt in dieser vitalen Stadt Berlin viele Akteure, Baugruppen, Genossen­schaften und engagierte Bauherrinnen und Bauherren, die hier gern ihr Bestes geben wollen. Der Stadtkern wird ohne diese Vielfalt der Eigentümerschaft nicht in der gewünschten Urbanität wiederentstehen.

    Daher fordern wir eine Teilung des Areals in viele kleine und mittelgroße Grundstücke, die dann in einem Konzeptverfahren an die Wohnungsbaugesellschaften und an einzelne Bau­herren – darunter Genossenschaften, Stiftungen und Baugruppen – in Erbpacht mit einem moderaten Zins vergeben werden. Von allen Akteuren am Molkenmarkt ist ein hoher Anteil an Mietwohnungen zu quer­subventionierten Preisen von weniger als 10 EUR pro Quadratmeter zu realisieren. Nur mit einer Mischung von öffentlichen, kulturellen, nicht kommerziellen und privaten Nutzungen bekommen wir eine lebendige zukünftige Stadt, die Tag und Nacht belebt und beliebt ist.

    Der Senat muss hierfür den Rahmen liefern, dem dann das Konzeptverfahren folgt. Nicht der bzw. die Meistbietende für ein Grundstück bekommt dabei den Erbpachtvertrag, sondern das über­zeugendste Nutzungs- und Gestaltungskonzept.

    Wir fordern mit dieser Petition alle Beteiligten auf, den städtebaulichen Prozess zu qualifi­zieren. Wir bitten alle Bewohnerinnen und Bewohner dieser Stadt, uns in diesem wichtigen Anliegen zu unterstützen, damit der Molkenmarkt keine städtebauliche Ödnis bleibt!"

    @ Heimdall,


    du bringst es wieder einmal auf den Punkt.

    Also ich wüsste nicht, worin eine neue Erkenntnis liegen sollte, zu dem was Snork oben (#691) schon geschrieben hatte.


    I.Ü. wäre es schön, wenn wir uns hier mit dem Molkenmarkt beschäftigen könnten. Z.B. hat ein Plakat einer Frankfurter Stadtratsfraktion zur dortigen Altstadt hier doch wirklich nichts zu suchen.


    Wer in Berlin parteipolitisch engagiert ist, könnte natürlich gerne die Vorstellungen seiner Partei konkret zum Molkenmarkt kundtun....wenn es sie denn gebe.


    Die Gruppe, welche die Entwicklung des Molkenmarktes am meisten stört, ist i.Ü. nicht eine konkrete Partei an sich, sondern die Autofahrerlobby, die eine noch weitere Zurückdrängung des MIV dort verhindert (hat) und dafür sorgt, dass die Verkehrsschneise im Grunde bleibt.

    Eine sehr sehenswerte Sendung in der Berliner Abendschau ... es gibt Silberstreifen am Horizont, auch dank einer Petition und eines engagierten Baustadtrats.


    "Es gibt Kritik an den Senatsplänen zum Städtebaulichen Wettbewerb für den Molkenmarkt. Hochrangige Architektinnen, Ingenieure, Landschaftsgestalterinnen, Stadtplaner und SPD-Politiker haben eine Petition gestartet...."



    https://www.rbb-online.de/aben…013_1930/molkenmarkt.html

    In diese Stadt und ihre Repräsentanten und Kommandopolitiker setzt man seine Hoffnung m. E. vergeblich. Man kann allenfalls über private Initiativen etwas gegen sie zu versuchen zu realisieren.

    Na dann mal los, mit den "privaten Intiativen etwas gegen sie". Das war schon immer erfolgversprechender als etwas im Konsens zu erreichen.


    Und die Bevölkerung wird sicher begeistert sein, und getragen von den politischen Parolen in diesem Forum, mit Demonstrationen und Lichterketten für Rekonstruktionen und einen anderen Städtebau eintreten.

    noch ein kleiner Artikel in der Berliner Zeitung dazu...

    https://www.berliner-zeitung.d…ern-mit-baeumen-li.178680


    "...Senatorin Regine Günther, Grüne, betonte, die Entscheidung, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum frei von Bebauung zu halten, ermögliche eine zukunftsfähige Gestaltung. Mit anderen Worten: Künftige Generationen haben alle Freiheit zu entscheiden, wie das historische Zentrum Berlins aussehen soll."

    Also nach den Statlers und Waldorfs versuch ich mal dem Siegerentwurf Positives abzugewinnen

    https://abendblatt-berlin.de/w…nzen_Isometrie-scaled.jpg

    - die Kfz werden aus der Spandauer Straße verdrängt, es kann eine einheitliche Grünfläche entstehen, bestenfalls ein Park mit

    wirklicher Aufenthaltsqualität

    - mehrere, lange Baumreihen entlang der Rathauspassagen verdecken so teilweise deren Hässlichkeit

    - die Karl-Liebknecht-Straße könnte durch die langen Baumreihen ggf. zur Allee werden, insofern passend zu UdL


    Wenn man sich schon für eine Grünfläche statt Re-Bebauung entscheidet dann hätte man wenigstens einen wirklich attraktiven Park, Typ englischer Landschaftsgarten planen sollen.

    Welche Elemente eines typischen englischen Landschaftsgartens vermisst du denn konkret, dass sich das Gesamtergebnis so entscheidend ändern würde?

    Aus meiner Sicht ist die Fläche nach Lage und Größe für einen englischen Landschaftsgarten ungeeignet.


    Die größte Herausforderung wird sein, diesen Park (oder wie immer man es nennen wird) einigermaßen gepflegt zu halten, so dass er eine Aufenthaltsqualität bekommt. Ob da dann steinerne Querstreifen als Bänke stehen oder nicht ist doch absolut zweitrangig.


    Andererseits ist die Wahl in Berlin noch nicht entschieden. Unter einer bürgerlichen Koalition könnte der Stadtraum auch zum Modellprojekt für eine bewusste Abgrenzung zu den Lüscherjahren werden.


    Also nach der letzten Umfrage (Forsa vom 13. August) ist der Stand: CDU 17 % SPD 21 % Grüne 21 % FDP 7 % Linke 14 % AfD 10 %. Ich weiß ja nicht, von welcher "bürgerlichen Koalition" du träumst.


    Im Übrigen: die Fläche zu vermarkten und irgendwie zu bebauen ist nicht schwer und allein kein überzeugender Gegenentwurf.

    Eine neue Koalition könnte erstmal am Molkenmarkt beweisen, ob sie tatsächlich Besseres zu Stande bringt.

    ...Aktuell wurden in Kanada dutzende an Kirchen angezündet, vandaliert und niedergebrannt. .... Der Sturm wurde durch eine medial inszenierte Lüge ausgelöst, als verlassene Friedhöfe und Gräber zu Kindermorden von weißen Christen umphantasiert wurden durch führende Leitmedien. Diese Kirchenverbrennungen waren nicht die Taliban, es waren unsere Herrscher in Nadelstreifen.

    Nichts rechtfertigt das Niederbrennen von Kirchen, nur gab es keine "medial inszenierte Lüge", und schon gar nicht von "unseren Herrschern in Nadelstreifen".

    In diesem Forum trollen sich Leute, die sich ihr eindimensionales Weltbild nach ihren eigenen Wahrheiten in Trumpscher Manier zusammenbasteln.


    Der Vergleich mit den Tailiban und Afghanistan ist absurd und zynisch.




    Auf dem Gelände eines früheren Kinderheims in Kanada sind die Überreste von 215 Kinderleichen gefunden worden....

    Das Internat von Kamloops war eines von 139 Umerziehungsheimen in Kanada. Zwischen 1863 und 1998 landeten mehr als 150.000 indigene Kinder in diese Einrichtungen. Dort durften sie oftmals ihre Muttersprache nicht sprechen, viele von ihnen wurden misshandelt oder missbraucht....

    Der Bischof von Kamloops, Joseph Nguyen, sicherte der indigenen Gemeinschaft und Chief Rosanne Casimir in einem Brief Unterstützung zu. Es gebe keine angemessenen Worte der Trauer, um diese „schreckliche Entdeckung" zu beschreiben.

    https://www.vaticannews.va/de/…im-gefunden-indigene.html


    https://www.sueddeutsche.de/pa…nations-trudeau-1.5351638

    https://www.zdf.de/kultur/kult…igenen-in-kanada-100.html

    https://www.tagesschau.de/ausl…a/kanada-graeber-101.html



    Dazu kann ich nochmal meinen kürzlich gelöschter Beitrag zur Urlaubszeit anbringen...als Beispiel wie es Juden im Kaiserreich erging...



    "Seit den 1870er Jahren wuchs in Deutschland die Zahl der Kur- und Badeorte an, die sich als “judenfrei” definierten, mit einem antisemitischen Image kokettierten und in ihren Prospekten kundtaten, dass ihnen der Besuch “jüdischer”, “nichtchristlicher”, “se-mitischer”, “israelitischer” oder “mosaischer” Gäste nicht ge-nehm sei. Auch einzelne Hotels und Pensionen machten in An-zeigen keinen Hehl daraus, dass sie auf jüdische Gäste keinen Wert legten. “Juden und Lungenkranke Eintritt verboten” war da bisweilen in brutaler Offenheit zu lesen, bzw. “Judenfreies” oder “Judenreines Haus”. Kurorte versandten Prospekte mit dem Ver-merk: “Für jüdische Empfänger ungültig”, “Israeliten ausge-schlossen” oder “Israeliten suchen den Kurort in der Regel nicht auf”. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stellte bereits im Jahre 1905 resigniert fest: “Wir haben uns längst mit der beschämenden Tatsache abgefunden, daß es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Lande der Dichter und Denker eine stattliche Reihe von Bade- und Kurorten gibt, die den Grundsatz öffentlich verkünden, daß ihnen jüdischer Besuch nicht willkom-men ist”.Blickt man auf die im „Israelitischen Familienblatt“ veröffentlichten Listen „antisemitischer Erholungsorte“, dann umfassten diese schon vor dem Ersten Weltkrieg mehrere Dutzend Namen. Allein an Nord- und Ostsee definierten sich zahlreiche Seebäder als antisemitisch."



    aus: Frank Bajohr „Unser Hotel ist judenfrei“ Alltagsantisemitismus in Bade- und Kurorten im 19. und 20. Jahrhundert


    ....

    "12.000 jüdische Soldaten fielen für Kaiser Wilhelm. Sie fühlten sich als deutsche Patrioten und nicht als Opfer von Antisemitismus: Neue Studien zeigen, dass die jüdischen Soldaten des Kaiserreichs viel besser integriert waren, als man lange meinte ("Die Welt" vom 3.7.2013).


    Das heißt natürlich nicht, dass es im Kaiserreich keinen Antisemitismus gab. Aber in der Politik spielte er so gut wie keine Rolle.



    Dazu Auszüge aus der einer Arbeit der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages von ..

    "Judenfeindschaft und Antisemitismus bei Kaiser Wilhelm II"


    https://www.bundestag.de/resou…/wd-1-172-07-pdf-data.pdf


    Die in Deutschland insbesondere seit den Stein-Hardenbergschen Reformen und in Folge der Revolution von 1848 schrittweise fortschreitende bürgerliche Emanzipation der deutschen Juden setzte sich auch im Kaiserreich fort. Allerdings blieb den jüdischen Bürgern die vollständige formale Gleichberechtigung versagt. Innerhalb seiner eigenen Sphäre gab der Staat seine Neutralität praktisch auf und benachteiligte die jüdischen Deutschen. Formelle wie informelle Schranken versperrten ihnen den Zugang u.a. zu den Hof-und Regierungsämtern, zur höheren Verwaltung, dem diplomatischen Korps, der akademischen Welt oder dem Offiziersamt. Die Reichsverfassung garantierte zwar die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger, beließ aber weitgehende Kompetenzen bei den Ländern. In Preußen zum Beispiel berief man sich bis zum Jahr 1918 auf die Verfassung von 1850, welche jüdische Bürger von der höheren Verwaltung und dem Offiziersamt ausschloss.


    ....


    Seit Ende Ende der 1870er Jahre steigerten sich in Teilen der Gesellschaft des Kaiserreiches die nach wie vor vorhandenen Vorurteile und Aggressionen gegen Juden zu einem rassistisch geprägten Antisemitismus, der in seiner letzten Konsequenz darau abzielte, die "Semiten" und damit die Juden physisch zu vernichten. Journalisten wie Wilhelm Marr (1819-1904), Universitätsprofessoren wie Heinrich von Treitschke (1834-1896) oder Geistliche wie der Hof- und (Berliner) Domprediger Adolf Stöcker (1835-1919) waren wichtige geistige Wegbereiter eines Antisemitismus, der auch zu einem politischen Faktor wurde und sich im Verlauf des Kaiserreichs zu einer organisierten Massenbewegung entwickelte.

    Stöckers im Jahr 1878 gegründete "Christlich-Soziale Arbeiterpartei" war die erste antisemitische Partei im Kaiserreich, der andere antisemitisch eingestellte Parteien folgten, die - wenn auch in geringer Stärke - in verschiedene Länderparlamente wie auch in den Reichstag mit eigenen Abgeordneten einzogen. Bedeutende Tageszeitungen des Kaiserreiches wie die konservative Kreuzzeitung oder die katholisch orientierte "Germania" führten seit Mitte der 1870er Jahre zusammen mit Antisemiten Kampagnen aus Feindschaft gegen den "jüdischen Liberalismus"....


    Wilhelm II äußerte sich in seinem Leben wiederholt antisemetisch, so z.B. gegenüber seinem Großvater:


    "O lieber Großpapa, es ist empörend wenn man beobachtet wie in unserem christlichen, deutschen, gut preußischen Lande das Judenthum in der schamlosesten, frechsten Weise sich erkühnt, alles verdrehend und corrumpirend sich an solche Männer zu wagen und sie zu stürzen sucht."



    Ein weiteres Beispiel für den Umgang Wilhelm II. mit dem Thema Juden und Antisemitismus war das Verhältnis des Kaisers zum völkisch-nationalen Schriftsteller und Kulturphilosophen Houston Stewart Chamberlain. Um die Jahrhundertwende pflegte er mit ihm eine langjährige Korresponden, und über das im Jahr 1901 erschienene Hauptwerk des antisemitischen

    Schriftstellers ..."Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts" äußerte er sich begeistert und machte es zur Pflichtlektüre bei der Oberlehrerausbildung bzw. an preußischen Lehrerseminaren.

    Schließlich ist für den Zeitraum der Regierungszeit von Wilhelm II.eine antisemitische Äußerung dokumentiert, die er bei einem Besuch in Großbritannien gegenüber dem damaligen Außenminister Sir Edward Grey fallen ließ: „Es gibt viel zu viele Juden in meinem Land. Sie müssten ausgemerzt werden."



    Der Antisemitismus nahm insgesamt in den rund vier Jahrzehnten von der Reichsgründung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Staat und Gesellschaft stark zu. Zwar gehörten Ausschreitungen gegen jüdische Bürger-wie zum Beispiel 1881 im hinterpommerschen Neustettin oder 1900 im westpreußischen Konitz –nicht zum Alltäglichen, aber der Antisemitismus gewann erheblichen Einfluss bei vielen politischen und gesellschaftlichen Organisationen im Kaiserreich und spielte eine wichtige Funktion im Denken des national gesinnten Bürgertums. Er wurde im gesellschaftlichen Leben zur sozialen Norm.

    ....


    EDIT Philon: Ich habe mal Schriftgröße und Schriftart vereinheitlicht. Durch die ständigen Wechsel in Schriftart und Schriftgröße von Absatz zu Absatz war das wirklich sehr schwer zu lesen.


    Ich denke die Zahlen sprechen klar für sich.

    Die Zahlen sagen natürlich nichts über die Ursachen des Abstimmungsverhaltens und die Motive der polnischsprechenden Bevölkerung aus - allein darum ging es ja in den obigen Beiträgen. Insofern sprechen deswegen natürlich auch die Zahlen nicht für sich.

    Trotzdem danke für die Grafik.


    Oder das eine schließt das andere nicht aus.


    Natürlich gab es auch eine Unterdrückung der polnischen Kultur im Kaiserreich (Wenn z.B. polnisch als Unterrichtssprache verboten wurde, also Kinder auch in rein polnischsprachigen Gebieten nicht in ihrer Muttersprache lernen oder studieren durften.)

    Um festzustellen, ob diese Unterdrückung "ausgeprägter" war, als sie "gemeinhin dargestellt wird", kann man sich allein schon durch die gesetzlichen Regelungen leicht ein Bild machen - wenn man denn will.

    Es gab u.a. auch einschränkende Vorschriften zum Gebrauch des Polnischen als Geschäftssprache, Einschränkung der Versammlungsfreiheit, bei der Beschäftigung im Staatsdienst usw. usw.

    Das ist mir durchaus bekannt und ich erwartete auch diesen Einwand.

    Es war kein Einwand, sondern ein wichtiger Fakt zur Ergänzung.

    Wenn er dir bekannt ist und du "den Einwand" schon erwartest hast, warum schreibst du es dann nicht von dir aus dazu?


    Offensichtlich hast du nur eine bestimmte Botschaft ("Unterdrückung der polnischen Minderheit war gar nicht so schlimm") als Ziel und bist an einer vielschichtigen, realen Darstellung gar nicht interessiert.


    Aber klar, wenn man auf solche Auffälligkeiten/Widersprüche hinweist, dann sieht man für dich "alles nur durch die nationale Brille".


    Du kannst gern auf alle möglichen "Auffälligkeiten" hinweisen. Nur wenn du bewusst stets andere, dir nicht genehme Fakten weglässt, und dich selbst noch über einen (vollkommen neutralen) ergänzenden Nachtrag echauffierst, dann siehst du tatsächlich alles nur durch die nationale Brille.

    Und die polnisch-sprechenden Allensteiner zogen es - in absoluter Mehrheit - vor in Deutschland zu verbleiben und das ist auch in doppelter Hinsicht bemerkenswert, da das Deutsche Reich 1920 am Boden lag.


    Es ist weniger bemerkenswert, wenn man nicht alles nur durch die nationale Brille sieht, auch die Religion hatte damals einen hohen Stellenwert. Die polnischsprachige Bevölkerung in Masuren, d.h. in den Abstimmungsbezirken Alleinstein und Marienwerder war zum größten Teil evangelisch und wollte nicht zu einem Staat wie der Republik Polen gehören, in der die katholische Kirche einen so dominanten Einfluss hatte.


    Obwohl der russische Geheimdienst das Leben unter russischer Herrschaft in den heitersten Farben malte und an den Panslawismus erinnerte, ging von den Sorben/Wenden niemand auf den Leim.

    Zum Teil spielte auch hier die Religion ein Rolle. Einem gläubigen evangelischen Wenden oder katholischen Sorben war Russland auch schon durch seine russisch-orthodoxe Staatskirche suspekt.

    Als Kind, noch vor der Wende, war ich mal da; und habe seltsamerweise die Halle gar nicht so eindrucksvoll in Erinnerung. Aber als Kind nimmt man ja vieles anders wahr.


    Warst du schon auf der Seite der Jahrhunderthalle?

    https://halastulecia.pl/de/fuer-besucher/



    Es wäre übrigens wunderbar, wenn Thema hier die Architektur des Kaiserreichs 1871-1918 wäre (anstelle dieses politischen "Kaiserreichs im Rückblick" )

    Seit 1945 hatten wir die Geschichte durch eine rote Brille zu betrachten. Es ist an der Zeit, die Gläser durch ungefärbte zu ersetzen. Zwischenfarben sind zulässig. Nur rot dürfen sie nicht wieder sein.


    Aber braun dürfen sie sein, nicht wahr?

    Die Bemerkungen von Rastrelli (oder mein bloßes Zitat von Wilhelm II oben) waren nicht annährend rot, sondern glasklar ungefärbt.


    Ich merke hierdrin immer wieder, dass sobald Argumente und Fakten unangehm werden, die nicht in das eigene Weltbild passen, gleich in einem Schwall reflexionsartig allgemeine Behauptungen von einer angeblich "roten Geschichtsschreibung" gemacht werden. So kann man natürlich jeder kritischen Auseinandersetzung aus dem Wege gehen.


    Diese rhetorische Frage ist unanständig. Rot ist allgemein die Farbe der Linken, sie wird nicht nur von den Kommunisten, sondern auch von den Sozialdemokraten in Anspruch genommen. Insofern kann man durchaus von einer roten Geschichtsbrille sprechen, wie Elbegeist es getan hat. Braun dagegen steht ausschließlich für den Nationalsozialismus. Menschen aus dem bürgerlich-konservativen oder auch aus dem monarchistisch angehauchten Milieu, die "rotes" Gedankengut ablehnen, eine "braune" Gesinnung zu unterstellen, ist somit hochgradig diffamierend.

    Ich wüsste nicht, was an dieser Frage "unanständig" sein sollte. Die Farbenlehre ("alles außer rot ist erlaubt") wurde nicht von mir eingebracht.


    Zunächst ist diese Aussage, dass "wir seit 1945 die Geschichte durch eine rote Brille zu betrachten hatten" purer Unsinn.

    Jahrzehntelang wurde die Bundesrepublik von der konservativen CDU/CSU regiert. Dann waren in Westdeutschland sogar alte Nazis noch jahrzehntelang an einflussreichen Stellen, auch an den Universitäten. In Westdeutschland wurde die KPD verboten, die NPD blieb erlaubt, es gab einen Radikalenerlass, faktisch ein Berufsverbot für "rote" Lehrer usw. usw.

    Die Darstellung, dass "die Roten" den Deutschen nach 1945 ihre Geschichtsauffassung aufzwangen, ist absurd - es sei denn man steht sehr weit rechts und subsumiert unter "rot" alles mögliche und bedauert generell die Veränderungen seit 1945.


    Und wer sich einbildet, dass diese Geschichtsauffassungen von rechtsaußen hier im heutigen Deutschland im Grunde "bürgerlich-konservativ" seien, der lebt noch in längst vergangenen Jahrzehnten.

    I.Ü. gibt es natürlich in der nationalistischen Gedankenwelt von Monarchisten und Nazis Schnittmengen (und nicht nur weil der Kronprinz sich 1932 Hitler als Kandidat der NSDAP für die Reichspräsidentenwahl anbot, ein anderer Sohn Wilhelm II in der SA war usw. usw.). Viele Ansichten und Ziele waren/sind ähnlich, der Übergang oft nahtlos - und das weißt du auch.

    Leider ist die Dichotomie rot-braun Teil einer "antifaschistischen" Kampfrhetorik, die zumindest von den extremen Linken permanent praktiziert wird - nicht zuletzt im sogenannten "Kampf gegen Rechts", der sich leider nicht auf die an sich durchaus berechtigte und notwendige Bekämpfung des Rechtsextremismus beschränkt, sondern auch die Konservativen - und letztlich alle Nicht-Linken - unter Generalverdacht stellt (wohingegen sie den ebenso bekämpfenswerten Linksextremismus systembedingt verharmlost).


    Innerhalb dieser extremistischen Perspektive ...


    Aus dieser einen Frage eine "antifaschistische Kampfrhetorik" von extremen Linken abzuleiten ist absurd und offensichtlich auch nur der Aufhänger um wieder allgemeine Statements unterbringen zu können.


    Es findet hierdrin i.Ü, gar "keine kritische Hinterfragung und Aufarbeitung linker Geschichts- und Gesellschaftsbilder" statt, wie du suggerierst. Wenn dies wenigstens der Fall wäre.


    Die Beiträge sind meist eine Aneinanderreihung einer simplen, einseitigen und unkritischen Darstellung des Kaiserreichs und insbesondere auch der Person des Kaisers, mehr nicht.


    Und da stoßen wir auch auf des Pudels Kern: Die Charakterisierung Wilhelms II. als eines Kriegstreibers und des Kaiserreichs als einer Vorstufe des NS-Staates ist von weiten Teilen linker Geschichtswissenschaft erfolgreich betrieben worden (Stichwort Fritz Fischer). Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass die Nazis gerade Wilhelm II. zutiefst verachtet haben (was, wie in diesem Forum bereits mehrfach dargelegt, auf Gegenseitigkeit beruhte).


    Derart linke Geschichtsbilder zu relativeren - freilich ohne eine unkritische Haltung gegenüber dem Kaiserreich einzunehmen - halte ich für keinen Rückschritt, sondern für einen Fortschritt.


    Ich habe hier noch keinen einzigen Beitrag gelesen, der das Kaiserreich als eine simple Vorstufe des NS-Staates charakterisierte.

    Allerdings auch keinen einzigen von dir, der eine kritische Haltung gegenüber dem Kaiserreich oder Wilhelm II erkennen ließ.

    Du und andere hier jammern ständig über ein einseitiges Geschichtsbild "der Linken", das relativiert werden müsse.

    Dabei sind eure Darstellungen sicher nicht minder einseitig, aber auch nicht neu. Es sind alte, nationalistische Geschichtsschreibungen wie sie z.B. in Westdeutschland noch in den 50er Jahren üblich waren. Manchmal könnte man sogar meinen, der Hofschreiber des Kaisers sei anwesend.


    So kann man das ganze hier nicht ernst nehmen. Das ist leider noch nicht mal naiv, es ist nur primitiv.


    Und das führt dann zu mal eben so kurz in den Raum geworfenen einseitigen Aussagen wie, dass die Nazis "gerade Wilhelm II. zutiefst verachtet" hätten.

    Zutiefst verachtet haben die Nazis viele: Juden, Slawen, "die Roten", Pazifisten, Homosexuelle usw. usw. Mag sein, dass Hitler Wilhelm II nicht besonders mochte (vor allem, weil er den Krieg verloren hatte und die Aura der Niederlage hatte). "Zutiefst verachtet" hat er die Hohenzollern einschließlich Wilhelm II sicher nicht.


    Es gab natürlich zwischen Monarchisten und Nazis Unterschiede und Gemeinsamkeiten (wie z.B. der Nationalismus, die Ablehnung der Demokratie, die Verachtung der Weimarer Republik usw. usw.).


    Diese Schwarz-Weiß Malerei und ständige politische Vereinnahmung unserer Geschichte ist lächerlich und traurig zugleich.