Posts by newly

    Was -glaube ich- unterschätzt wird, ist, wie rückständig die Ostgebiete relativ zum Rest des Reichs gewesen sind. Das war mit Ausnahme von Teilen Schlesiens sehr ausgeprägt das, was man heute "strukturschwach" nennen würde, mit kontinuierlicher Landflucht...

    Weite Teile waren dort natürlich von Landwirtschaft geprägt, das unterschied sich aber nicht wesentlich von der Situation in Schleswig-Holstein, weiten Teilen des heutigen Niedersachsens oder Bayerns usw. .

    Ich wüsste auch nicht, was im Schwarzwald, dem Hünsrück oder der Pfalz usw. damals besonders fortschrittlicher gewesen sein sollte.

    ...mit kontinuierlicher Landflucht und einer ungünstigen Besitzstruktur auf dem Land, wo nicht etwa freie Bauern auf ihrem eigenen Land arbeiteten, sondern Landarbeiter für ihre Gutsherrn in einer Art in die Moderne geretteten Lehenswesen.

    Die Landflucht wurde doch vor allem durch den großen Geburtenüberschuss mit einer ständig zunehmenden Technologisierung der Landwirtschaft verursacht. Es wurden schlicht viel weniger Arbeitskräfte benötigt - in Ost wie West.

    Das vom ostelbischen Landadel geprägte System war (übrigens auch in Schleswig-Holstein) sicher nicht fortschrittlich. Ich bezweifel aber, dass die Bedingungen für die Beschäftigten in der Landwirtschaft im Westen, also z.B. für einfache Knechte, nennenswert besser waren. Es kam wohl mehr auf die Persönlichkeit des "Junkers" oder des "freien Bauern" an, wie es den ihm Untergebenen ging.

    Und wenn man etwa die Situation der "Schwabenkinder" bedenkt, kehrt sich doch diese angebliche Höherentwicklung im Westen auf dem Land ins Gegenteil. Diese wurden doch faktisch wie Vieh bis Anfang der 1920er auf schwäbischen Märkten von "freien Bauern" erworben um auf deren Höfen in Süddeutschland Kinderarbeit zu leisten - quasi wie minderjährige Leibeigene. Auf Schulbildung wurde selbstredend verzichtet.

    aus Perspektivlosigkeit zogen damals schon jedes Jahr hunderttausende Menschen aus diesen Gebieten in den Westen Deutschlands.

    Also ein Großteil der vom Strukturwandel betroffenen zog schlicht in die nächsten größeren Städte, u.a. auch Danzig, Stettin, Breslau. Oder auch (ich weiß es von meiner eigenen Familie) vom Land in die nächste Kreisstadt.

    Die "hunderttausenden Menschen" zogen vor allem dorthin, wo die Industrie brummte, egal wo. Also insbesondere nach Berlin, ins Ruhrgebiet oder auch nach Oberschlesien. Also nicht nach Hannover oder Stuttgart, dann eher noch nach Sachsen.

    Hinzu kamen sicherlich auch einige "politische" Verbrechen in den Kontaktgebieten zur polnischen Bevölkerung, wo ebenfalls Unzufriedenheit gärte

    Und du meinst, wenn ein Pole dann von der preußischen Provinz Posen ins Ruhrgebiet, also in die preußische Rheinprovinz zog, konnte er seine Kultur dann dort frei entfalten und lebte zufriedener?

    Und ganz so allgemein kann die Unzufriedenheit in den ländlichen Gebieten der polnischsprachigen Minderheit i.Ü. nicht gewesen sein. Sonst hätte die -zu einem großen Teil ja eigentlich polnischsprechende- Landbevölkerung in Masuren bei der Volksabstimmung nach dem Krieg wohl kaum fast ausschließlich für den Verbleib bei Preußen und Deutschland gestimmt - und gegen den Anschluss an Polen.

    Insgesamt sollte man nie vergessen, dass die Wertschöpfung in Deutschland auch im 19. Jahrhundert ganz überwiegend in den auch heute noch wirtschaftlich dominierenden Regionen entlang des Rheins erfolgte, von wo aus auch die meisten Innovationen ausgingen.

    Und diese Informationen hast du woher? Dass die Wertschöpfung "ganz überwiegend" entlang des Rheins erfolgt sein soll, ist z.B. angesichts des damaligen industriellen Fortschritts in Sachsen und der relativen Rückständigkeit in Baden verblüffend.

    Also ich schätze ja sonst deine Beiträge. Aber ich denke hier hast du es mit einer Schwarz-Weiß-Malerei und einem "erhabenen Blick" vom Westen in den Osten übertrieben.

    Heinzer Ich bin ja bei den meisten deiner Ausführungen bei dir. Ich glaube nur nicht, dass die Unbeliebtheit einer Stadt wie Gelsenkirchen bei Touristen etwas mit der "Abgerocktheit" durch den Strukturwandels zu tun hat.

    Auch zu ihren industriellen Glanzzeiten (1960? 1970 ? oder wann immer die gewesen sein sollen) sah die Stadt doch nicht jemals wirklich "besser" aus, so dass ein Journalist wie obiger nicht hätte ablästern können.

    Im Gegenteil: damals sahen die Ruhrgebietsstädte durch Qualm, Rauch und Staub doch noch dreckiger aus.

    Anbei ein Link zu einem Artikel im neuesten ODEG-Magazin, das in deren Zügen ausliegt.

    Auf Seite 8: "Die historische Mitte erstrahlt im neuen Glanz".

    https://www.odeg.de/fileadmin/user_upload/Unternehmensseite/ihre-ODEG/o-ton/o-ton_01-2024.pdf

    Ich denke, Artikel wie dieser spiegeln eher die Realität wieder, wie die mit Abstand übergroße Mehrheit das Humboldt-Forum und die wiedererstandenen Schlossfassaden wahrnimmt und sich daran erfreut.

    Pseudointellektuelle, ideologisch aufgeladene "Diskussionen" gehen doch am Interesse und an der Lebenswirklichkeit fast aller Berliner und Besucher vorbei.

    Die Entwicklung in vielen Großstädten ist nicht gut, aber bei diesem Gelsenkirchen-Bashing sollte man auf dem Teppich bleiben. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Realität in postindustriellen Städten Englands besser aussieht.

    Auslöser für die Erregung dieses englischen Jorunalisten war i.Ü., dass er in Gelsenkirchen seine Restaurant- oder Imbussbudenrechnung nicht mit einer seiner Kreditkarten begleichen konnte, sondern nur Debitkarten oder Bargeld akzeptiert wurden.

    Ich finde es eigentlich gut, dass auch so "hässliche" Städte mit einer großen Fußballtradition wie Gelsenkirchen in so ein Tunier mit eingebunden werden. Es wäre ja ein leichtes, sie einfach außen vor zu lassen.

    Und mir kann keiner erzählen, dass der Großteil der englischen Fußballfans wegen der architektonischen oder kulturellen Sehenswürdigkeiten anreist.

    Inwieweit das überhaupt rechtlich möglich ist steht dahin. Nach meiner Auffassung kann ein Vorsteher einer Stadtverordenetenversammlung (SVV) nicht nach eigenem Gütdünken entscheiden ob mehrheitlich mit Originalunterschrift eingebrachter Antrag zu behandeln ist oder nicht.

    In der Tat ein seltsames, selbstherrliches Gebahren. Was ist denn die offizielle Begründung des Vorstehers? (wohl ja kaum, dass die AfD mit unterzeichnet hat)

    Diese Art Unterhaltungsarchitektur, wie du es nennst, kam dem Umfeld der Friedrichstraße als historischer Vergnügungsmeile jedenfalls mehr entgegen bzw. zeigte mehr Gespür für den Ort als die sterilen Büropaläste, die nach der Wende gebaut wurden. Hochwertig war dieser DDR-Historismus natürlich nicht gerade, aber irgendwie einfallsreicher.

    Volle Zustimmung. Und an der Friedrichstraße wären durch die teilweise Zurücksetzung der Gebäude so kleine Plätze entstanden.

    Stattdessen kamen wohl die für die enge Friedrichstraße viel zu monströsen Klötze Q205, Q207, also ein kastenartiger Wohn-Geschäftshausblock und der danebenstehende dunkle Block der Galeries Lafayette.

    So gesehen: schade, dass diese historisierenden Platten nicht vollendet wurden.

    ...Es geht darum den Schlossplatz attraktiv zu machen...

    Wenn es allein darum ginge, den Schlossplatz - völlig losgelöst vom Umfeld - attraktiv zu machen, hättest du sicher recht.

    Noch wichtiger ist aber doch, diesen gesamten kleinen Kernbereich der Stadtmitte attraktiv zu machen.

    Und da bleibt es nunmal bei den schon oft genannten Nachteilen zweier identischer Brunnen.

    Dieser eigenartige Denkmalschutz, er scheint mir ideologisch beeinflusst, muss I.Ü. ja nicht ewig Bestand haben.

    (bei der Diskussion um die "Staatsachse" oben wurde übrigens das DDR Außenministerium hinter dem PdR vergessen, auch dieses ist schon längst abgerissen).

    Die Frage ist doch, wie man die Entscheidungsträger am besten zu einem Umdenken bewegt.

    Und da erscheint mir ein sehr guter, überzeugender Entwurf für eine alternative Brunnenanlage vor dem Roten Rathaus samt Finanzierung aus Spendengeldern ehrlich gesagt erfolgsversprechender als Spendengelder für eine Kopie zu sammeln. Letztere ist doch schon hier unter uns umstritten.

    Man sollte vielleicht berücksichtigen, dass in der Gegend möglicherweise keinerlei Gestaltungsvorschriften vorliegen und auch kein "Rekonstruktionsgedanke" einzuhalten ist.

    Nun ja, § 9 der brandenburgischen Landesbauordnung gilt immer:

    Bauliche Anlagen müssen nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe so gestaltet sein, dass sie nicht verunstaltet wirken. Bauliche Anlagen dürfen das Straßen-, Orts- und Landschaftsbild nicht verunstalten.

    Also ich verstehe die durch diesen seltsamen Denkmalschutz entstandene Zwangslage und den Wunsch diese zu überwinden und endlich mal "zu Potte zu kommen".

    Es bleibt jedoch das Problemchen der zwei identischen Brunnen in unmittelbarer Nähe durch Anfertigen einer Kopie.

    Es tut mir leid, aber ich finde die Nachteile überwiegen: der Brunnen als Kunstwerk wird entwertet und das Ganze offenbart eine unglaubliche Phantasielosigkeit bzw. wird an einen bürokratischen Schildbürgerstreich erinnern.

    Ein lesenswerter Artikel in der Berliner Zeitung.

    Brandenburger Tor: Reinigung beendet – ist die Farbe wirklich ganz weg?
    Die Spuren der Farbattacke der Letzten Generation wurden bei wochenlangen Arbeiten entfernt. Für einen nächsten Angriff wurden Vorkehrungen getroffen.
    www.berliner-zeitung.de

    Die gute Nachricht vorab "Auf Anfrage der Berliner Zeitung teilt York Rieffel vom Landesdenkmalamt mit:

    „Man sieht nichts mehr.“

    Ich finde Weihnachtsmärkte direkt an mehrspurigen, stark befahrenen Straßen generell ungemütlich, so auch diesen (wie z.B. auch den an der Gedächtniskirche).

    M.E. wäre doch der Schlossplatz besser dafür geeignet. Da könnte die Straße für den Durchgangsverkehr für die Wochen dann auch leichter gesperrt werden.

    Letztered wäre auch hinsichtlich der Sicherheit besser.

    ... Wäre gesetzlich geregelt, dass Altmieter und Neumieter in einem Objekt dieselbe Miete zahlen müssten, hätte sie sich längst was Kleineres gesucht. Und ihre jetzige Wohnung könnte wieder für den Zweck genutzt werden, für den sie eigentlich gedacht ist: Als Wohnstätte für eine Familie...

    Also ich weiß nicht wie du das in der Realität lösen willst.

    Stärkere staatliche Regeln hinsichtlich der Höhe von Neumieten wird schon aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht gehen.

    Damit läuft es darauf hinaus, den Mieterschutz hinsichtlich der Miethöhe aufzuheben, faktisch also z.B. die alten Damen in o.g. Beispielen aus ihren Wohnungen herauszudrängen indem sie sich die stark gestiegenen Mieten dann nicht mehr leisten können.

    Die Vermieter mag es freuen und deine Schwiegermutter mag damit vielleicht kein Problem haben. Andere hingegen umso mehr und es wird für diese wie eine Vertreibung aus ihrem Zuhause, in dem sie Jahrzehnte gelebt haben. Menschen sind nunmal keine Bauklötzchen, die sich nach belieben verschieben lassen.

    Und das in einer Zeit in der viele durch die gestiegenen Energiepreise ohnehin verunsichert sind.

    Lasst doch die alten Leute in ihrem Lebensabend in Ruhe.

    Wir haben seit meiner Geburt fast gleichbleibend viele Einwohner im Land. ..

    Ich weiß natürlich nicht wie alt du bist, aber die Einwohnerzahl hat zugenommen, von z.B.

    1985 77,6 Millionen auf 2022 84,4 Millionen.

    Fast gleichbleibend würde ich das nicht nennen.

    Ein Lehrer hatte bei uns damals (es könnte um das Jahr 1985 gewesen sein) schon seltsamerweise die negative Bevölkerungsentwicklung verkündet.