Friedrichshafen

  • In Friedrichshafen am Bodensee tobt derzeit ein Streit darüber, ob ein sanierungsbedürftiger Altbau aus den 1830er Jahren saniert oder abgerissen werden sollte. Wie nicht anders zu erwarten strebt man von offizieller Seite her einen Abriss an, obwohl dies niemand so laut sagen möchte.


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    Peter Liptau verwaltet diese Facebook-Gruppe. Er ist Bauhistoriker, arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie und sagt, es sei für ihn „unfassbar, dass so ein Gebäude nun fallen soll“. Das Haus, das heute das „Athen“ beheimatet, stamme aus den 1830er Jahren und sei vermutlich eines der ersten Gebäude, die damals an der Friedrichstraße als Repräsentationsstraße gebaut worden seien.


    Was passiert also mit dem Haus 65? Ein Blick in den Rahmenplan der Stuttgarter Stadtplaner Wick und Partner aus dem Jahr 2010 jedenfalls verrät: Zumindest die Stadtplaner empfehlen einen Abriss des Hauses. Auf einer weiteren Folie ist vermerkt, dass von Seiten der Eigentümer durchaus Veränderungsinteresse bestehe.


    http://www.suedkurier.de/regio…strasse;art372474,7999215

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Das kann doch wohl nicht wahr sein. Friedrichshafen kann man, wenn man ein paarmal durch die Innenstadt geschlendert ist, aufgrund seiner Zerstörungsquote und der geringen Anzahl an Vorkriegsbauten wohl durchaus als eine Art "Kassel am Bodensee" bezeichen. Und ausgerechnet dort kann man sich den Abriss eines Hauses aus den 1830er Jahren leisten?
    :kopfschuetteln:

  • Zustimmung, "Schloßgespenst". Das wäre ein herber Verlust für Friedrichshafen. Insofern hoffe ich auf einen Erhalt des Gebäudes.

  • Auch unweit von Überlingen werden im ohnehin stark kriegszerstörten Friedrichshafen Fakten geschaffen:
    Die Fassade des Hotel Schöllhorns ist Geschichte.


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    Das Landesamt für Denkmalschutz hatte vor allem wegen der klassizistischen Fassade das Hotel Schöllhorn an der Friedrichstraße im Dezember 2015 als Kulturdenkmal eingestuft, Bedenken wegen des geplanten Abrisses aber zurückgestellt.


    Quelle: http://www.suedkurier.de/regio…feed#link_time=1460749214

  • Friedrichshafen ist ja auch eine Stadt mit enormem Altbaubestand. Angesichts der ganzen historischen Perlen im Stadtbild spielt ein klassizistisches Gebäude vermutlich gar keine Rolle.


  • Was ist denn da konkret passiert? Wurde das Hotel abgerissen oder "nur" beschädigt in der Hoffnung, Fakten zu schaffen. In der Tat eine Grausamkeit im ohnehin schon nur aufgrund der Lage sehenswerten Friedrichshafen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • In der Presseumfrage zu "Zenos" Link haben 51 % für folgende Aussage gestimmt:
    "Nicht alles, was Geschichte hat, ist auch erhaltenswert. Der Abriss ist richtig."
    Wenn das repräsentativ für die Friedrichshafener sein sollte (was bei Online-Umfragen ja immer unsicher ist), dann soll es so sein. Mal sehen, was sonst noch zu dem "alles" in Friedrichshafen gehört, das dort Geschichte hat, die über einige Jahrzehnte zurück liegt. Sollen sie mit ihren Neubauten glücklich werden. Ich muss dort nicht mehr hinfahren.

  • Naja, vor einigen Stunden (als es hier gerade gepostet wurde) war der Anteil der Abrissbefürworter noch größer. Mich wundert es tatsächlich etwas, lebt doch die Region gerade von den schönen alten Stadtbildern wie Lindau, Überlingen oder Meersburg.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Friedrichshafen ist nicht mehr zu retten. Das was auf den ersten Blick wie eine Altstadt aussieht, entpuppt sich beim Spaziergang als Ansammlung von Nachkriegsbauten, in deren Erdgeschossen sich nichts anderes mehr findet als die üblichen Verdächtigen (H&M, Müller-Drogeriemarkt etc.). Stinklangweilig. Wenn ich dann hier lesen muss, wie auch noch die wenigen erhaltenen Altbauten abgerissen werden, fällt mir nichts mehr ein. Man kann das Zeppelinmuseum und das Dorniermuseum besuchen, und dann aber ab aufs nächste Schiff mit einem Einfache-Fahrt-Ticket. Schöne Städte gibt's am Bodensee ja noch. Lindau, Konstanz, alles nett - aber Friedrichshafen ist das Kaliningrad des Bodensees.

  • Nun ich meine die Altstadt (natürlich handelt es sich um eine) wurde seinerzeit doch recht stimmig und harmonisch wiederaufgebaut. Natürlich gänzlich einfach ohne Zierrat. Ohne Kriegszerstörung würde die Altstadt aber nicht viel anders aussehen, sind ja nur drei Gassen. Mit den anderen Bodenseestädten konnte man die Stadt noch nie vergleichen.


    Mit Königsberg kann man das erst recht nicht vergleichen.

  • Friedrichshafen ist auch die einzige Stadt am Bodensee, die stark bombardiert worden war (Zeppelin-Werke). Den Rang und die Grösse von Konstanz, Lindau und Bregenz hatte es nie, und zudem gibt es am Bodensee eine Menge von kleineren Ortschaften, die bedeutend schöner und touristischer waren als Friedrichshafen. Wohl aus diesen Gründen war hier der Druck auf "Schönheit" nicht so ausgeprägt und auch das städtebauliche Wiederaufbau-Knowhow wie in Grossstädten nicht vorhanden.

  • Naja, der Spruch war böse und polemisch und nicht ganz wörtlich zu nehmen, das habt Ihr ja wohl gemerkt. Es ging mir darum, dass eine Stadt, die eh schon von Krieg und zweifelhaftem Wiederaufbau betroffen ist, meint es sich leisten zu können, nun auch noch verbliebene schöne alte Bauten abzureißen, nach dem Motto "ist ja eh nicht mehr viel da, hauen wir den Rest auch noch weg, da kommt's dann auch nicht mehr drauf an". So einen "Städtebau" kann man nur dann betreiben, wenn man zur Geschichte und zu Bauwerken aus früheren Epochen keinerlei Beziehung hat.

  • http://www.schwaebische.de/reg…id,10755680_toid,310.html


    Beim geplanten Neubau anstelle des alten Hotels Schöllhorn stellt sich einem die Frage, ob der von einer Jury gewählte Entwurf so schlimm ist, wie wird gedacht haben, oder noch viel schlimmer! »„Am prägnantesten und originellsten“, „alles sehr charmant gemacht“, „Tiefgaragenzufahrt am besten“, „Wohnungsgrundrisse raffiniert gelöst“« heißt es von einem Schwätzer. Noch ist der Entwurf wohl noch nicht festgezurrt. Das Nachbarhaus des Schöllhornhauses – nach meinem Augenschein 1950er Jahre oder älter – soll auch bald noch abgerissen werden. Nichts Neues am See also.

  • Dieser in meinen Augen infernalisch abscheuliche und extrem hässliche "prägnanteste Entwurf" sieht aus wie elende, windschiefe Hütten, bei denen man damit rechnen muss, dass diese beim nächsten starken Sturm einstürzen könnten. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Leute, die so etwas planen und sich damit brüsten, wirklich noch ganz bei Trost sind.