Posts by Booni

    Kann man dem Bauherrn vom Stadtbild Deutschland Verein bitte die Tafel „Kaputtsanierung des Jahres 2022“ medienwirksam überreichen?! Irgendwie muss man die Leute doch einmal wachrütteln.

    Auch wenn das mit Negativpreisen so eine Sache ist, kann ich mir vorstellen, dass es Privatleute durchaus beeindrucken könnte.

    Wuppertal wurde aber meines Wissens in den Zentren von Barmen und Elberfeld schon sehr intensiv bombardiert, auch das südliche Elberfeld wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Und als stark von der Industrie geprägten Stadt ging es nach dem Krieg schnell bergauf, was ähnlich wie im Ruhrgebiet mit einer Neugestaltung der Innenstadt vollzogen wurde. Immerhin hat die Nachkriegszeit auch ein paar spannende Gebäude hervorgebracht, wie z.B. die Schwimmoper oder zwei Villen von Richard Neutra.

    Ja, Rheine hat schon ein paar interessante Häuser zu bieten, nett ist auch das Ensemble an der Emsmühle, auch wenn diese jetzt ein unpassendes Glasfach hat. Und leider schafft es immer jemand, den historischen Gebäudebestand weiter zu reduzieren, so wie jüngst an der Marktstrasse.

    Bei uns in Soest sind Solardächer in der Altstadt auch ein Thema, aktuell noch durch die Altstadtsatzung verboten. Aber wie Wikos schon schreibt, es gibt so viele ungenutzte Dachflächen, wo Photovoltaik oder Solarthermie eine Bereicherung wäre, da müssen jetzt nicht die historischen Altstädte in den Fokus gerichtet werden.

    Für Neubauten sehe ich es aber generell als sinnvoll an, es sind Innovationen, wo m.E. die Architekten gefordert sind, es harmonisch zu integrieren.

    Die können doch nicht das Ankerwerk abreißen. Wenn sich die Immobilie für die Polizei nicht unnützen lässt, dann muss eine andere Nutzung her. Abreißen und Neubauen kann doch allein aus Klimaschutzgründen kaum noch verantwortet werden.

    Manchmal frage ich mich, was in den Menschen, die solche Sanierungen planen und ausführen vorgeht. Mit normalem Menschenverstand kann doch nicht so ein grottiges Ergebnis herauskommen?

    Meine Frau und ich suchen seit Jahren so ein Objekt, allerdings nicht im Raum Herford. Sie werden meist unter der Hand verkauft. Letztes Jahr hatten wir auch so ein Haus gefunden, nur einmal in den späten 50ern behutsam renoviert, sonst völlig original. Wir sind aber überboten worden, die neuen Besitzer haben alle historischen Verzierungen abgeschlagen, vergrößern es und packen es in Styropor… aber vielleicht haben wir irgendwann mal Glück. Wie man so ein Haus komplett abreißen kann, verstehe ich nicht. Wer will schon im Styroporwürfel wohnen?

    Na also. Alles löst sich von alleine. Alles wird gut...


    Autoindustrie

    EU-Neuwagenmarkt bricht ein

    https://www.tagesschau.de/wirt…euzulassungen-eu-101.html

    Das ist alles eine Frage der Perspektive - meine Frau und ich arbeiten beide in der Automobilindustrie und sehen die Entwicklung eher mit Sorge. Aber mittlerweile sind wir so sehr Dienstleistungsgesellschaft, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Industrie und auch Handwerk vielen wohl eher egal sind.

    Wenn man sieht, wieviel Geld in gesichtslose Wohn- und Bürosilos gesteckt wird, ist es traurig, dass hier (und auch an vielen Orten anderseits) kein Geld für Sanierungen vorhanden ist.

    Ich war gestern seit längerer Zeit mal wieder in Dortmund und geschockt, wie sehr sich die üblichen Neubaukästen in der Stadt breitmachen. Saniert wird wenig und wenn, dann nicht unbedingt hochwertig.


    Leider hat sich die Haltung bzgl. des Erhalts von Altbauen leider kaum geändert, auch in den 20er Jahren des 21. Jh. wird weiter Kahlschlag betrieben.


    Demnächst abgerissen wird die Lindemannstraße 78-80 (Google Streetview), ein Bürogebäude aus den 1930er Jahren, was damals noch auf freiem Feld zwischen Kreuzviertel und dem neuen Westfalendamm errichtet wurde. Im Gegensatz zur danebenliegenden Pädagogischen Akademie von Paul Fehmer, die zu recht unter Denkmalschutz steht, ist dieses Gebäude leider unscheinbar und wurde in jüngerer Vergangenheit aufgestockt und entstellt. Dennoch ist es m.E. ein Zeugnis der Stadterweiterung der Zwischenkriegszeit, was nachfolgt wird wohl wieder reiner Würfelhusten.


    Zum Abriss bestimmt ist auch die über 100 Jahre alte Grundschule in der Kreuzstrasse (Lokalkompass.de). Ohnehin scheinen die NRW-Fördergelder für Schulsanierungen eher in Abriss und Neubau anstatt Sanierungen zu fließen.


    Schon vollzogen wurde der Abriss eines Seniorenheims in der Nordstadt (Schützenstraße), wo der hier verlinkte Artikel auf Lokalkompass.de einige Hintergrundinfos gibt, die sprachlos machen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben konnte in den Räumlichkeiten nicht weiter ein Seniorenheim betrieben werden und mangels Ersatzgrundstück gab es Abriss und Neubau. Auf der Seite Nordstadtblogger.de gibt es noch weitere Fotos, ebenso vom Abriss (wer es aushält) auf bauforum24.biz.


    Ein weiterer stadtbildprägender Bau in der Nordstadt wurde ebenfalls vor kurzem abgerissen, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Auf hier gibt es eine interessante Fotostrecke auf Nordstadtblogger.de sowie Abrissfotos auf bauforum24.biz.


    Das auch der alte Saal der Gaststätte Heideröschen abgerissen wurde, fällt da kaum noch ins Gewicht.


    Es ist mittlerweile völlig deprimierend - während vor 10 Jahren noch viel saniert wurde und Altbauten langsam an Wert gewonnen haben ist hier mittlerweile ein Kahlschlag wie in den 1960er Jahren angesagt - alles, was sanierungsbedürftig ist und auf einem größeren Grundstück steht wird "entwickelt", sprich abgerissen und durch üble Investorenkisten ersetzt. Wir waren vor 20 Jahren architektonisch schonmal weiter - vmtl. sind es die hohen Handwerkerkosten bei der Sanierung, während Abriss und Neubau weitgehend maschinell erfolgen können. Insofern besteht minimale Hoffnung, dass mit langfristig höheren Rohstoffpreisen auch die Sanierung von Bestandsbauten wieder mehr Bedeutung zukommt. Wobei - wenn ich mir die hiesige Qualität von Sanierungen anschaue, heißt das auch nicht unbedingt etwas Gutes.

    Aufgrund der hier berichtet Zerstörung der An-225 Mirja in der Ukraine möchte ich der Vollständigkeit halber noch daran erinnern, dass es seit letztem Jahr auch keine Boeing-707 mehr in Deutschland gibt und weltweit keine mehr des Typs 707-430, da beide Museumsmaschinen in Tegel und Hamburg letztes Jahr verschrottet wurden.

    Warum ich die Meldung für Hamburg poste: Die Hamburger Maschine war wesentlich besser erhalten, wurde angeblich nur verschrottet, weil man die ca. 6000€ jährliche Erhaltungskosten nicht mehr tragen konnte (oder wollte) und letztes Jahr recht kurzfristig kurzer Prozess gemacht wurde. Wenn man sieht, was dagegen für den Erhalt des Segelfrachtschiffs Peking gemacht wurde (was ich sehe begrüße), ist es sehr verstörend, dass es nicht möglich war, ein strukturell gesundes Flugzeug, was für den Beginn des deutschen Jetzeitalters steht, zu erhalten.

    https://rettet-b707-dabod.de/

    Die Zerstörung dieses einzigartigen Flugzeugs ist tragisch. Ich habe aber auch schon vernommen, dass die An-225 repariert werden soll, sofern sich die dafür nötigen 3 Mrd. Dollar auftreiben lassen. Wollen wir hoffen, dass der Krieg bald vorbei ist.

    Du meinst Opel?


    Opel hatte eine riesige Chance sich als E Auto Hersteller zu positionieren. Klar wäre ein Risiko gewesen, aber zu verlieren hat Opel sowieso nichts mehr.

    Opel hat seit 10 Jahren E-Autos im Programm, derzeit 5 Elektroautos in verschiedenen Klassen, Tendenz steigend. Was sollen sie Ihrer Meinung nach falsch gemacht haben?


    Das Problem in Bochum war eher, dass der Betriebsrat zu hoch gepokert hat und die Bedingungen - im Gegensatz zu allen anderen Werken - nicht akzeptiert hat. Alle anderen Werke gibt es noch.


    Grundsätzlich sehe ich die Art der EU-Industrieförderung aber auch kritisch, zu wenig Strategie, zu viel Ideologie.

    Seltsam ist allenfalls, dass Dresden mit seinem "Silicon Saxony" nicht das Rennen gemacht hat, denn dort gibt es ja bereits einige Fabriken und eine entsprechende "Clusterbildung".

    Könnte es sein, dass die Nähe zu Wolfsburg (Ingenieure) und Berlin (IT-Fachleute) hier eine Rolle spielt? Ich kenne jetzt den Fachkräftemarkt in Dresden nicht, aber wenn die Platzhirsche schon alles abgegrast haben, dann macht es die Ansiedlung einer solchen Grossfabrik nicht leicht. Als jemand, der selbst in der Industrie tätig ist, freut mich die Nachricht ganz besonders, auch für Magdeburg.

    Ich wünsche mir, dass gewisse traditionelle Prinzipien und ein Ortsbezug wieder Einzug in die Architektur finden.

    Dem schließe ich mich an - Rekonstruktionen gerne, wo bedeutende Bauten oder Stadtbilder verloren gegangen sind. Aber für die allgemeine Baukultur würde ich mir einen neuen „Heimatschutzstil“ wünschen. Diese Strömung, die in den 20er Jahren begann und in der Stuttgarter Schule der Nachkriegszeit ihre letzte Hochphase hatte, wäre für mich das ideale Leitbild einer neuen Architekturströmung - und zwar nicht als Fortführung des Heimatschutzstils sondern in der Antwort der Frage, wie man den traditionellen örtlichen Baustil in Art, Volumen und Anmutung so mit modernen Erfordernissen (Energiebilanz, solare Strom- und Wärmeerzeugung, Unterbringung von PKWs, Barrierefreiheit) kombiniert, dass am Ende ein harmonisches Bauwerk herauskommt, mit dem historische Ortsbilder bereichert und nicht gestört werden.

    Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sollte man sich eigentlich stärker mit jahrhundertealten Bauweisen befassen, diese waren meist so entwickelt, dass sie dem lokalen Klimaextremen bestmöglich begegnen können.

    Durch Zufall habe ich mitbekommen, dass sich in Nieheim die Geschichte vom Ratskrug wiederholt hat:

    2017 ist der historische „Westfälische Hof“ gegenüber der Pfarrkirche Sankt Nikolaus in Brand geraten und wurde 2018 abgerissen, auch wenn die Schäden scheinbar einen Wiederaufbau ermöglicht hätten:

    Ankündigung auf Nieheim.de

    Anstatt eines belanglosen Neubaus gibt es aber diesmal eine Brachfläche, die für Aussengastronomie genutzt wird:

    Meldung auf NW.de


    Ich verstehe meine Landleute nicht, seit einigen Jahren wird scheinbar zwanghaft versucht, die noch erhaltenen historischen Gebäude und Ortsbilder zwanghaft zu zerstören. Alles, was nicht mindestens 200 Jahre alt ist (und selbst das schützt nicht immer), ist prinzipiell zum Abriss freigegeben. Während die Gründerzeit, die frühe Moderne und der Heimatschutzstil der 30er bis 50er andernorts schon hohe Wertschätzung erfährt, sind die Häuser hier weiterhin Schandflecken, die man am besten schnellstmöglich ersetzt.

    Danke für die Bilder vom Chrysler-Haus. Ich mag diese frühe Moderne sehr (als einzelne Akzente im Stadtbild) und hatte von diesem Hau gehört, bisher aber nie ein Bild gesehen. Schade, dass es in den 70ern oder 80ern diesem belanglosem Bau weichen musste.

    Ich frage mich dann aber, warum man nicht transloziertes Haus für das Eingangsgebäude nimmt? Der LWL überrascht in letzter Zeit immer häufiger mit fragwürdigen Entscheidungen.

    Typisch für Westfalen…. Dass dahinter ein älteres Haus sieht, sieht zwar das geschulte Auge aber nicht der gemeine Bürger. Man müsste viel stärker Werbung für die Wiederherstellung alter Fassaden machen. Der derzeitige Bauboom sorgt hier in Westfalen leider für eine Abrisswelle, wie wir sie zuletzt in den 1960ern hatten :(