Posts by Riegel

    Der Block für sich allein betrachtet hat bestimmt seine Qualitäten; das sieht man nur schon auf dem dritten Bild mit der Durchfahrt zum Hof. Ich erkenne aber bereits beginnende Witterungsspuren (oder sind es sanierte Partien?), und die lassen so ein Gebäude recht schnell schmudelig wirken. Das ist das Problem, das ich mit solchen Bauten habe. Ihre Fassaden müssten alle fünf bis zehn Jahre gereinigt werden, dann haben sie eine dauernde Ausstrahlung.


    Bei der Fenstererneuerung hätte man auch mehr Feingefühl walten lassen können, wenn der Bau schon in der Denkmalliste eingetragen ist. Besonders das Treppenhausfenster gegen den Hof wirkt billig.

    ?????? Lies mal genau nach, was Du da geschrieben hast... :wink:

    Das ist ja eine großartige Nachricht! Denn bisher so habe ich es immer vernommen, war immer der frühere OB Maly und seine Clique bewusst gegen Rekos in Nürnberg und haben alles ausgebremst. Wenn wirklich durch diesem neuen Kopf Schwung in die Sache reinkommt, kann es für diese alte Reichsstadt kaum besser werden :anbeten::harfe:

    Und sonst ganz einfach mal den Bayerischen Denkmalatlas mit eingetragenem Denkmälerbestand betrachten. Es sind allerdings auch die modernen Schutzobjekte eingeschlossen, welche aber eher südlich der Pegnitz anzutreffen und an den grossen Grundstücken zu erkennen sind. Nördlich der Pegnitz erkennt man an den kleinteiligen Strukturen sofort, wo Traditionsinseln vorhanden sind.


    Südlich der Pegnitz gibt's sonst noch diese mittelalterlich anmutenden Traditionsinseln:

    - Ludwigstrasse (teilweise) > Google maps

    - Theatergasse (auch nur noch ein Rest, dafür daneben ein krasser Gegensatz > Google maps

    - Quartier Unschlittplatz, Mühlgasse, Untere und Obere Wörthstrasse > Google maps

    - Pfeifergasse

    Das ist jetzt aber eine deutliche Verbesserung! Jetzt sollten nur noch die Erdgeschosse ein bisschen variiert werden. Wollte man sich jetzt noch schönere Dachgauben wünschen, so muss man bedenken, dass die eine enorme Kostensteigerung zur Folge hätte. Hingegen wäre eine Variierung der Erdgeschosse ohne Kostensteigerung machbar.


    Hier wurde im Juni 2019, also vor gut zwei Jahren, das Projekt zum ersten mal vorgestellt. Einige Foristen, die die damaligen Kritiker hier im Forum wegen ihrer Kritik kritisierten, sehen jetzt, dass wir Kritiker nicht unrecht hatten. :wink:

    Das Haus hatte zwei Nummern, Neue Gasse 45 und Tucherstrasse 46. Der Blick geht nach Westen, links verläuft die Neue Gasse bis zum Spitalplatz und rechts die Tucherstrasse bis zum Obstmarkt. Die Situation heute (Kopfbau mit eingeschossigem Ladenanbau): Google maps


    Der Kopfbau aus dem Historismus war sehr vom Toplerhaus inspiriert, nur schon vom trapezoiden Grundriss her: Erker mit Masswerkeinlagen, horizontale Gurtgesimse, Halbsäulen, Stichbogenfenster, Dachaufbauten, Schaugiebel. Mit seiner Grösse und hohen Geschossen war er ein Fremdkörper in der mittelalterlichen Altstadt, was man aber über das Toplerhaus aber auch sagen kann. Das Toplerhaus war aber viel edler proportioniert als der gedrungen wirkende Gründerzeitbau.


    Hier eine Ansichtskarte um 1900/1910:


    Neue Gasse Grübel-Brunnen I

    Kommt der Begriff des "schwarzen Pellerhauses" nicht durch die Nutzung als Pesthaus?

    Nein, ein Pesthaus lag meines Wissens nie innerhalb von Stadtmauern.


    Westlich vom 'Schwarzen Pellerhaus' stand bis 1945 der 'Peststadel'. Dieses Gebäude wurde 1480 als Kornhaus erbaut und erfuhr im 19. Jahrhundert diverse Umnutzungen. Den Namen hat es aber vom zeitweiligen Einstellen der Pestwagen.

    Es sind keine aufgehübschten Bilder des Ursprungsentwurfs, sondern sie zeigen tatsächlich eine überarbeitete Fassade. Jedenfalls sehe ich Unterschiede, die die Fassade ein bisschen zum Besseren gewandelt haben.


    "Zeitlos" als Adjektiv für einen Entwurf kann man tatsächlich verwenden. Mit zeitlos meint man nicht, dass es sich um eine Architektur handelt, die man zeitlich nicht einordnen kann, sondern eine Architektur, die sich auch noch nach Jahrzehnten sehen lassen lässt, ohne dass sie einem verleidet ist oder altertümlich wirkt. Das trifft für 50er-Jahre-Bauten durchaus zu, nicht aber für übertriebene postmoderne Bauten oder die ewigen Strichcode- und Schüttelfensterfassaden. Ein Grossteil der Wiederaufbauarchitektur in der Nürnberger Altstadt sehe ich auch als zeitlos an, genau wie eine schön gestaltete 50er-Jahre-Rasterfassade. Futuristischer Mist, wie er derzeit z.B. in Frankfurt und Berlin mit amorphen Fassaden-Formelementen gebaut wird, wird auch nie zeitlos sein.


    Auch zeitloser kann man verwenden: Ein Haus mit Einzelfenstern und Satteldach ist für mich auch zeitloser als ein Kubus mit Fensterbändern.

    Danke für die beiden Bildlinks, mittels denen man auf weitere historische Ansichten Nürnbergs gelangt. Immerhin sieht man darauf, dass das alte Gebäude aus zwei Fachwerkgeschossen bestand, und an der Rückseite nur aus einem, mindestens mal bei der südlichen Hälfte. Die Kapelle war zwar mit der nördlichen Hälfte zusammengebaut, die man nicht sieht. Aber die Bilder sind ein Indiz darauf, weshalb an der Kapelle fast keine Abbruchspuren zu sehen sind.

    Beim Einfügen des Links ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich habe den Link in meinem letzten Beitrag korrigiert und nun sollte die Farbfotografie samt Gedanken zu den Steinfarben sichtbar sein.

    East_Clintwood So schön das Bild (im mittlerweile gelöschten Vorgängerbeitrag) auch geworden ist, solltest Du es aber unbedingt zuerst überarbeiten und nicht so weiterverbreiten. Das Toplerhaus wahr sehr wahrscheinlich aus beigem Burgsandstein errichtet, und nicht aus rötlichem. Es gibt in Nürnberg Bauten, die beide Steinfarben aufweisen, dann aber keinesfalls zur Hervorhebung eines Bauteils, wie hier der beiden Erker. Ich habe bereits letztes Jahr hier eine Farbfotografie des Toplerhauses eingestellt und einige Gedanken zu den Steinfarben geschrieben.


    Nebenbei: dein koloriertes Bild des Germanischen Nationalmuseums ist mir als Avatar in einem anderen Forum gerade heute Morgen früh aufgefallen. :wink:

    Nochmals zur Heilig-Grab-kapelle:

    Ich habe aus der Fotografie von G. M. Eckert (s. vier Beiträge vorher) die Kapelle in einem Ausschnitt vergrössert:


    nuernberg heilig-grab-kapelle g.m.eckert


    Wenn man mit der Bayerischen Uraufnahme ab 1808 nochmals vergleicht, sieht man, dass die Kapelle schon vor dem Bau des Norisstifts an der Ostfassade (Eingang) und nördlichen Seitenfassade von Bauten eingeschlossen war - also just die beiden abgebildeten Fassaden. Freilich geht aus der Uraufnahme nicht hervor, wieviele Geschosse die Bauten jeweils aufwiesen.


    So frei, wie es hier den Anschein hat, war sie aber auch vor dem Krieg nicht mehr dagestanden: Auf dem Bild ein paar Beiträge vorher sind schon die Vorbereitungen für den Bau des Norisstifts erkennbar, das der Kapelle unmittelbar vor die Ostfassade gestellt wurde.


    Ich gehe aber davon aus, dass der Vorgängerbau des Norisstifts auch jünger als die Kapelle war, und somit dessen Mauern an die Kapelle angefügt oder um sie herumgebaut wurden. Denn auf der Fotografie sieht man praktisch keine Abbruchspuren, ausser dem sorgfältig abgeschlagenen Gesims über dem Masswerkfries und der fehlenden Eingangsstufe(n). Der Bretterverschlag am Giebeldreieck sieht merkwürdig billig und wie provisorisch aus. Aber auch hier gehe ich davon aus, dass dieser sehr alt war, denn die Bretter waren sonnengebräunt und schienen nicht in Zweitverwendung zu sein. Auch das auskragende Giebeldreieck schien sehr alt zu sein.


    Gibt es eine Abbildung vom Vorgängerbau des Norisstifts, wo man allenfalls auch die Kapelle sieht? Die Kenntnis der Anzahl der Geschosse wäre interessant.

    Danke für diese Aufklärung über den ehemaligen Standort der Kapelle; ich habe bei meinem Beitrag oben einen entsprechenden Hinweis über meine Fehleinschätzung angefügt. Lange hatte ich nach ihrem exakten Standort gesucht, auch vor zwei Jahren schon einmal. Ich orientierte mich an der Bayerischen Uraufnahme ab 1808 und dem Stadtplan von 1945. Der Fotograf musste so vor der Kapelle gestanden haben, dass man zwischen den Türmen von St. Lorenz hindurch sah. Ich nahm aber die Türme auf dem Stadtplan zu dick an und kam so auf einen Winkel, dass er viel östlicher gestanden haben musste, was zu meiner falschen Annahme führte.


    Heilig-Grab-Kapelle um 1870.


    Die Fotografie stammt von Georg Maria Eckert (1828-1901) und ist im Werk Nürnberger Studien, Teil III enthalten (Teil I und II findet man hier). Diese Fotos sind für mich die eindrücklichsten Fotos der Nürnberger Altstadt!


    Auf der Fotografie irritierte mich auch, dass man vom Südflügel des Heilig-Geist-Spitals entlang der Pegnitz nichts sieht, ausser diesem relativ kurzen Baukörper unmittelbar rechts des Kapellendaches. Der grössere Teil wird vom Kapellendach verdeckt. Auch der Bayerische Denkmalatlas hilft bezüglich der Baugeschichte dieses Flügels nicht weiter, da er die drei Baukörper nicht sonderlich unterscheidet. Die entsprechende Passage dazu:

    zur Pegnitz zweigeschossiger hölzerner Laubengang, im Ursprung wohl vor 1620, nach Zerstörung von 1945 1952-54 wiederaufgebaut

    Wenn man nun auf der Bayerischen Uraufnahme ab 1808 schaut, sieht man, dass damals noch kein 'anständiger' Südflügel entlang der Pegnitz vorhanden war, sondern nur der Ostflügel, auf den die Jahrzahl 1620 zutreffen dürfte (es handelt sich um den winkelförmigen Bau im Südosten des Spitalareals). Dort sieht man die Kapelle mit einem Kreuz auf der Hofseite des Baus. Ein Blick auf die historische Fotografie zeigt aber, dass dieser Trakt Ende des 19. Jahrhunderts vollständig niedergelegt wurde. Diesbezüglich ist die Denkmalbeschreibung sehr irreführend. In entgegengesetzter Richtung sah die Baustelle so aus:


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    Heilig-Geist-Spital und Schuldturm um 1870. Fotografie von G. M. Eckert, Teil I.


    Auf dem Stadtplan von 1945 ist dieser winkelförmige Flügel aus dem 19. Jahrhundert eingezeichnet und als öffentlicher Bau auch schraffiert. Das 'Kapellenanhängsel' ist ebenfalls eingezeichnet, aber nicht schraffiert, sodass es unklar erscheint, ob die Kapelle vor dem Krieg überhaupt noch existiert hat oder die fehlende Schraffur ein Fehler im Stadtplan ist.


    Spitalareal 1945

    Ausschnitt Stadtplan 1945


    Wenn ich wiederum mit dem Satellitenbild im Denkmalatlas vergleiche, steht der heutige Bau noch auf den Fundamenten aus dem 19. Jahrhundert, womit durch den Osttrakt der Standort der Kapelle wohl nicht überbaut wurde (auf der Aufnahme ist dort ein dunkles Auto parkiert). Er wurde beim Wiederaufbau hingegen nördlich bis an die Pegnitz verlängert. Der Hof sieht heute so aus: Fotos Bayerischer Denkmalatlas. Auf dem ersten Bild müsste die Kapelle rechts von der rundbogigen Durchfahrt gestanden haben.


    Ich ziehe aus all dem Geschriebenen nun den Schluss, dass die westliche Hoffassade des winkelförmigen Trakts (Norisstift) Ende des 19. Jahrhunderts unmittelbar auf die Flucht der Eingangsfassade der Kapelle gesetzt wurde, so wie das Norimbergus eben geschrieben hat. Somit war der Kapellenraum wohl direkt vom Norisstift aus betretbar. Weshalb ist der Raum im Stadtplan von 1945 nicht auch schraffiert? Wohl ein Fehler im Stadtplan, denn ich denke kaum, dass die Kapelle zwischen den 1870er-jahren und 1945 niedergelegt wurde. Beim Wiederaufbau des Norisstifts 1952-54 wurde die Flucht der westlichen Hoffassade aus dem 19. Jahrhundert übernommen.


    Für eine Rekonstruktion heisst das nun:

    - die Eingangsfront der Heilig-Grab-Kapelle ist als Ganzes nicht wiederherstellbar, da von der jetzigen Hoffassade überbaut.

    - das Innere ist nur in einer Beschreibung überliefert.


    Also keine gute Voraussetzungen für eine Rekonstruktion. Sicher könnte man den unteren Teil mit dem Portal rekonstruieren und vom Innern des heutigen Baus sichtbar machen. Der schöne Blendarkadenfries würde aber wohl auf Deckenhöhe zu liegen kommen und somit nicht sichtbar sein. Zudem entstünde im Innern des heutigen Baus der optische Eindruck, dass da beim Wiederaufbau 1952-54 eine stehengebliebene Kapelle aus dem 15. Jahrhundert integriert wurde. Also eine totale Geschichtsverfälschung!



    Jetzt ist mir auch klar, um was für ein Gebäude es sich handelt, das vor den Türmen von St. Lorenz steht (mit den beiden neugotischen Treppengiebeln). Gemäss Denkmalatlas war das die ehemalige Bayerische Staatsbank. Das heutige Ministerium der Finanzen und für Heimat am Lorenzer Platz steht auf seinen Fundamenten.

    Edit. Das nachfolgend Geschriebene stimmt nicht, da ich einem Irrtum unterlaufen bin. Siehe dazu den Beitrag von Norimbergus fünf Beiträge später:


    Ihr einstiger Standort ist nicht überbaut, aber er wird für Freizeitaktivitäten rege benutzt (Jahrmärkte, Spielplatz, Fussballkäfige, Buddha Meditationswiese...). So sieht es dort heute aus (ziemlich gleiche Perspektive wie die beiden historischen Ansichten): https://goo.gl/maps/tyN4JfhDJEF8q8Fm8. Dafür ist ihr einstiger Standort und die heutige Freizeitaktivitätsanlage von einem Parkhaus unterbaut. Und im Süden der Vorderen Insel Schütt habe ich noch den Stadtstrand vergessen: https://goo.gl/maps/sja63TCNxQu6ruYz7


    Wunderbare Voraussetzungen und Umgebung für ein zu rekonstruierendes Bauwerk, das niemand braucht...