Posts by Riegel

    Jetzt, wo Du auf den Unterschied der Fassadendekorationen bei Boener um 1700 und bei Delsenbach um 1720 aufmerksam machst, sehe ich das auch, obwohl die Abbildungen der Künstler nur 20 Jahre auseinander liegen. Gerade bei den vielen Sandsteinfassaden dachte ich oft, dass diesen Malereien keine lange Lebensdauer beschieden sein konnte, weil Sandstein kein optimaler Träger für Farbe ist. Nur so kann ich mir das aprupte Verschwinden der Fassadenbemalungen nach dem Ratsbeschluss von 1695 erklären. Und auf einen andern Aspekt in Bezug auf die Ansichten Delsenbachs wies ich schon oft hin, nämlich das weitgehende Fehlen von Fensterläden in der Altstadt schon damals!

    Franka Mir ist aufgefallen, dass Du in deinen Entwürfen oft die Farben Blau und Rot verwendet hast. Nun bin ich bei meinen Forschungen zu gotischen Blendarkadengiebeln in Nürnberg auf ein Farbkonzept ebenfalls mit denselben Farben gestossen: Nürnberg - Blendarkadengiebel in der Altstadt.


    Füll 18 Rekonstruktion c farbig blauRekonstruktionsversuch für den Treppengiebel von Füll 18 mit dem Farbkonzept des Giebels von Burgstr. 8 in einer Abbildung von J. G. Böttinger von 1840. Planzeichnung Riegel.

    Der Bahnhof von Bad Holzhausen wurde hochwertig saniert: https://www.bruch-suhr.de/projekt/alter-…in-neuem-glanz/

    Bei den vielen Horrormeldungen, die uns Ostwestfale zumutet ( :wink: ), sind die Bilder von der Renovation dieses Bahnhofs eine Wohltat. Es wurden viele Details, die an das Bahnhofleben erinnern, übernommen. Ganz speziell finde ich die Integration des Schalters mit Glastrennwand und Sprechöffnung, des Gepäckaufgabeschalters, Fliesenbodens, die Erhaltung historischer Fenster mit Innenaufdoppelung neuer Fenster zu Kastenfenstern, Doppelschwingtüren vorbildlich. Auch die Holzfassaden wurden mit viel Liebe zum Detail restauriert. Der Güterschuppen ist ebenfalls als solcher völlig erkennbar geblieben. Sein Inneres ist offenbar noch nicht an die Hand genommen worden, und man kann gespannt sein, was dort noch entstehen wird. Vielleicht erfährt Ostwestfale, wenn auch das über die Bühne gegangen ist, und wird uns hoffentlich wieder informieren. Apropos 'Bühnen': die beiden Verladerampen wirken fast als solche, wenn wieder Leben in den Bahnhof zurückgekehrt ist.

    Trotz des Grundrisses für die einstige Bahnhofnutzung, die nach dem Umbau noch erlebbar ist, entstand eine sehr unkonventionelle 'Wohnlandschaft'. Ich nehme an, dass hier seitens der Bauherrschaft viel weiter gegangen ist als sich die Denkmalpfleger nur erträumen können. Und endlich wieder mal ein Architekt und eine Bauherrschaft, die sich nicht selbst verwirklicht haben, sondern Respekt vor dem Bestehenden zollten! Insofern ist mir das ':(' von Eiserner Pirat völlig unverständlich.

    Jedenfalls scheinen die Erinnerungen an das meiste hier Gezeigte ausgelöscht.

    johan v2 Jetzt, wo Du mehr Bilder von Seitengassen und Höfen gezeigt hast, erkenne ich die Stadt langsam wieder. Ich war als Teenager 1976 in Edinburgh, als wir mit unserer Familie drei Wochen England per Eisenbahn bereisten. Ich hatte diese unendlich lange Strasse in der Altstadt noch in Erinnerung, jedoch nicht mit dieser dominierenden Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert. Mit den Bildern aus den Seitengassen und Höfen kommt mir die Erinnerung langsam wieder.

    Der erste Eindruck war natürlich der Weg vom Bahnhof zum Hotel, und dort lagen in einer ungemähten Wiese in einer Parkanlage viele Statuen einfach ungeschützt am Boden:


    Edinburgh Scott Monument


    Damals war gerade das Scott Monument in Renovation, und dazu wurden die Statuen abgenommen. Wenige Jahre nach dieser Reise sah ich Fotos vom fertig restaurierten Monument, natürlich schön hell. Mittlerweile sind seine Steine wieder dunkel geworden.

    In der englischsprachigen Wikipedia gibt es einen Artikel über das Monument, inklusive einer Fotografie von 1844!

    Ja, und das Haus steht immer noch, Burgstrasse 1. Der Erker ist mit 1888 bezeichnet und steht zusammen mit der Engelsfigur an der rechten Hausecke unter Denkamschutz: https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/s…=bau&koid=79143. Vom einst viergeschossigen Erker sind nur noch die unteren beiden Geschosse erhalten. Was mit den oberen beiden und dem (oder der) Eckerker passiert ist, nähme mich wunder...

    Heutige Ansicht: https://maps.app.goo.gl/2VJR51cCLTWuAafs7.

    Im 'Forum des Gartenbahn-Stammtisch Nürnberg' gibt es einen Strang mit Bildern von der Schuttberäumung auf Augenhöhe... recht verstörend, vor allem das letzte Bild in Farbe... Wirklich die Stunde Null!

    https://forum.gartenbahn-stammtisch.de/viewtopic.php?f=54&t=1405&p=15675&hilit=trümmerbahn#p15675

    Gerade vor wenigen Tagen bin ich auf einen Link gestossen, der sich intensiv mit der Anlage der Trümmerbahngeleise und den Umladestationen beschäftigt, sogar der Verlegung einzelner Streckenabschnitte. Er ist in zehn Kapitel gegliedert und voll von Abbildungen und Hintergrundinformationen.

    Die Nürnberger Trümmerbahn

    Das 2. Kapitel 'Räumung während des Krieges' ist sehr empfehlenswert.

    Nachdem seit Monaten niemand von der Moderation trotz mehrmaligem Darauf-aufmerksam-machens reagiert hat und die Moderation Beiträge sogar in einen falschen Strang verschoben hat, eröffne ich hiermit einen Spezialstrang zur Fassadenrenovation von Friedrich-Ebert-Str. 118.

    1. Ich halte mal fest, dass das Gebäude nicht in den barocken Stadterweiterungen Potsdams liegt. Irgend jemand von der Moderation hatte die ersten Beiträge fälschlicherweise dorthin verschoben.

    2. Im Strang 'Potsdam - zwischen Plantage und Neuem Markt' sind die Beiträge auch nicht gut aufgehoben, da das Haus nicht dazwischen liegt, sondern unmittelbar östlich davon.

    3. Stadtgeographisch läge das Haus im Gebiet des 'Stranges 'Potsdam - Quartier Synasgoge und Acht-Ecken-Kreuzung', hat aber weder mit der Nachbarschaft der Synagoge noch mit dem Spezialbaugeschehen an der Acht-Ecken-Kreuzung etwas zu tun. Friedrich-Ebert-Str. 118 würde in diesem Strang untergehen.

    4. Somit lohnt es sich, für diese erfreuliche Fassadenrenovation einen eigenen Strang zu eröffnen.


    Deshalb: Franka  Snork  Centralbahnhof  Philon  Zellerfelder  Philoikódomos  MagdeburgerKind :

    - Die Beiträge mit den jetzigen Nummern 184-192, 196, 203, 214-219, 221 bitte in diesen neuen Strang verschieben!

    - Die Beiträge mit den jetzigen Nummern 193-195, 220 und 222 löschen.

    Ursus Carpaticus ist ja der Ansicht, dass die Nachkriegsmoderne in Nürnberg quasi keine qualitätsvollen Bauten hervorgebracht hat. Hier würde mich ein Überblick schon sehr interessieren.

    Ich habe im BayernAtlas mal ein Sattelitenbild der Innenstadt von Nürnberg mit aktivierten Baudenkmälern eingestellt:

    BayernAtlas
    Der BayernAtlas – der Kartenviewer des Freistaates Bayern mit Karten, Luftbildern und vielfältigen Themenkarten
    geoportal.bayern.de

    Für ein Bild des jeweiligen Hauses einfach auf das Haus klicken und es öffnet sich ein zweites Fenster. Auf der Karte sind natürlich alle Baudenkmäler verzeichnet, nicht nur die Nachkriegsbaudenkmäler, aber mit einem guten Auge wird man letztere erkennen.

    Franka Ich habe gerade bemerkt, dass ich Dich missverstanden hatte. Du gingst von einer Sanierung der bestehenden Pellerhausfassade aus, und ich von einer Versetzung:

    Falls dies mit der Kältebrücke zutrifft, müsste das bei der Sanierung gelöst werden.

    Ohne an den Dimensionen der bestehenden Bauteile etwas zu verändern, wäre das tatsächlich eine sehr schwierige Aufgabe. Eine Lösung dazu kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln.

    Falls dies mit der Kältebrücke zutrifft, müsste das bei der Sanierung gelöst werden. Wäre das aufwendig? Ich kenne ein Siebziger-Jahre-Bau, dessen Kältebrücke fast ein unlösbares Problem darstellte, (außer die Gestaltung mit dem Balkon über den Haufen zu werfen).

    Bei der Sanierung von gewöhnlichen Wohnblöcken werden solche Balkone abgefräst und entsorgt, die Fassade dann durchgehend wärmeisoliert und schliesslich neue Balkonkonstruktionen aus Stahl davor gesetzt.

    Die Bodenplatten der Pellerhausbalkone müssten während der Abtragung sorgfältig abgefräst werden, aber allein die Abbrucharbeiten wären schon sehr aufwändig. Vom Gewicht her sollten diese in eine neue, selbsttragende Pellerhausfassade eingebaut weden können. Jedenfalls wäre es für einen Bautechniker ein interessantes Novum, eine 50er Jahre-Fassade zu versetzen.

    Barmbeker Die Diskussion fand ab hier statt:
    https://www.stadtbild-deutschland.org/forum/index.php?thread/1003-nürnberg-rekonstruktion-des-pellerhauses/&postID=420878#post420878

    Auf die meiner Meinung nach Unmöglichkeit der Translozierung der jetzigen Pellerhausfassade möchte ich später eingehender zurückkommen.

    Im übrigen sind die Altstadtfreunde der größte Altstadtverein Deutschlands und zumindest so beliebt und anerkannt, dass sogar die Stadt Nürnberg "Problemimmobilien" an sie abgibt.

    Das war ein sehr wichtiger Vorgang für das Ansehen der Altstadtfreunde gegenüber der Verwaltung und Politik. Er beweist, dass die Altstadtfreunde als sehr ernstzunehmende 'Partei' oder Partner wahrgenommen und behandelt werden und stärkt somit deren Position.


    Im Internet findet man aber unter anderem Bilder von einem Treppenhaus, dem ich eine gewisse Qualität nicht absprechen kann.

    Hier findet man viele Ansichten und Pläne des Umbauprojekts zum 'Haus des Spiels' von Architekt R. Rechenauer:
    Pellerhaus ⁄ Haus des Spiels * Robert Rechenauer Architekten

    Man sieht den Standort der Treppe unmittelbar rechts anstossend ans Pellerhaus.


    Die Translozierung der jetzigen Pellerhausfassade an einen anderen Ort halte ich bautechnisch und finanziell nicht als vertretbar. Die Fassade ist nicht wie bei einem Fachwerkhaus und Sandsteinfassaden, die zerlegt und abgebaut werden können, abnehmbar. Zudem ist das Mauerwerk wohl mit Zement gemauert und nicht mit Kalk, womit es nicht zweitverwendet werden kann. Ebenso vermute ich, dass die Betondecken bis zu den vorgehängten Balkonen durchgehend sind - also eine massive Kältebrücke. Würde man die Fassade tatsächlich tranlozieren und bauphysikalisch korrekt vor ein anderes Gebäude setzen wollen, kämen für den Abbau nur immense Fräsarbeiten in Frage. Man müsste auch auf die andern Bauteile zu sprechen kommen wie die originalen Fenster (auch da gäbe es Lösungen mit neuen Glasscheiben in den originalen Rahmen) und auf die halbrunden Dachabschlüsse.

    Ist der hohe schmucklose Giebel 2. Bild rechts original, rekonstruiert, nachempfunden oder erfunden?

    Der Giebel ist 'erfunden', aber durchaus in schlichtem Nürnbergerstil

    in SCHLECHTEM Nürnbergstil wäre treffender. hab nie gefunden, dass das von der Füll aus schön ausschaut.

    Diese zwei Häuser sind wirklich was, das man als guten Wiederaufbau gelten lassen kann:

    79940-20240606-211405-jpg

    Ich würde da gar nicht von "Anpassung" reden, die repräsentieren einen Wert sui generis, ein "richtiges Altnürnberger Ensemble".

    Auch mit einem schlichten Giebel, einfach backsteinsichtig.


    Hier zwei weitere historische schlichte Nürnberger Giebel, der erste verputzt, der zweite mit geschlämmtem Burgsandstein:

    Am Weinmarkt.


    K-nigstra-e-46-44-um-1875-Im-Wandel-Seite-66-Abb-51.jpg

    Königstr. 46, 1896 abgebrochen.


    Was ist an diesen Giebeln SCHLECHT?

    Ist der hohe schmucklose Giebel 2. Bild rechts original, rekonstruiert, nachempfunden oder erfunden?

    Der Giebel ist 'erfunden', aber durchaus in schlichtem Nürnbergerstil (um den Giebel von Albrecht-Dürer-Str. 3 rechts auf diesem Bild geht es). Auch die feine Zahnung der Giebellinie sieht man oft auf historischen Gebäuden. Hier der Eintrag in der Denkmalliste: https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/s…=bau&koid=78869.

    Hier sieht man das Haus im Jahr 1701 auf einem Stich von J A. Böner: https://online-service.nuernberg.de/viewer/fullscreen/06113056/111/

    Das Dach wurde beim Wiederaufbau bis 1953 um neunzig Grad gedreht. Der Grund war wohl der, dass man in der Füll als Abschluss gegen Westen einen Giebel passender empfand als ein traufständiges Gebäude. Auf Flugaufnahmen aus den 1930er Jahren sieht man, dass das Haus auch damals noch zu beiden Seiten hin traufständig war.

    Die Gasse in der Mitte zeigt das Schulgässchen, in der die Sebaldsklause lag, oder:

    Nein, das war die Waaggasse. Das Schulgässchen mündete unmittelbar links ausserhalb des Fotos in die Winklerstrasse, also links des 'Ruinenhauses' Winklerstr. 24.

    Im heutigen Stadtbild fällt mir spontan nur Winklerstraße 37/Weinmarkt 1 ein, das von Norden (also vom Weinmarkt her) auch diese Abfolge zeigt. Allerdings hat der Vorder- und Hinterhaus verbindende Flügel dort ein Satteldach, wohl weil das Haus nach Norden nie einen Nachbarn, sondern schon immer eine Straßenfassade hatte.

    Gerade das erste Bild der vorangehenden Galerie zeigt das Anwesen Weinmarkt 1. Man sieht hier deutlich, wie es zur Traufbildung des Mittelteils kam, einfach im kleineren Massstab als bei der Nordseite des Hauptmarkts. Das Satteldach musste allerdings einer Terrasse Platz machen.

    ursus carpaticus An der Nordseite des Hauptmarkts wurden vor einigen Jahrhunderten Häuser abgebrochen und dadurch die Brandseitenwand des ersten stehengebliebenen Hauses freigelegt, das dadurch zum Eckhaus geworden war. Links sieht man auf die seitliche Giebelwand mit Treppengiebel des Haupthauses, dessen Hauptfassade auf die Verbindungsstrasse zum Rathausplatz ausgerichtet war. In der Mitte folgt dann der Seitenflügel mit einem gegen den Hof gerichteten Pultdach. Oberhalb dieses wehrgangartigen Frieses ist der First dieses Pultdaches. Nach rechts (ausserhalb der folgenden Ansichtskarte) folgt dann das Dach des Hinterhauses mit einem halben Treppengiebel, da es niedriger als der Seitenflügel war:

    Die Situation ist vergleichbar mit dem Pellerhaus und Pellerhof heute. Auf einer Vogelschauansicht von Osten dasselbe Bild mit der Seitenwand des neuen Pellerhauses, dann die Rückwand des rekonstruierten Pellerhofes und rechts dann das Hinterhaus (heute leider erst als Wandscheibe).

    Vor diese Brandmauer am Hauptmarkt, die allmählich zur Fassade umgestaltet worden war, gesellten sich einzelne Markthäuschen, die dann zu dieser 'Giebel-an-Giebel'-Front heranwuchsen und im Lauf des 19. Jahrhunderts grösstenteils aufgestockt und mit einem Flachdach versehen wurden. So verblieb dann die Nordseite des Hauptmarkts bis 1943/45.

    Wann dieser Abbruch stattfand, weiss ich nicht. Der Hauptmarkt und Obstmarkt entstanden nach 1349, nachdem die Juden vertrieben und ihre Wohnhäuser dort zerstört wurden. Ob die Brandseitenwand von diesem Akt stammte oder von einer späteren Vergrösserung des Hauptmarkts, weiss ich nicht.

    Hier die Situation auf der Bayerischen Uraufnahme von 1808.

    Nr. 875 ist das Eckhaus mit den Seitenflügeln und dem Hinterhaus. Der Grundriss ist exakt auch auf das Pellerhaus übertragbar.
    Nrn. 876 u. 877 sind dann diese Markthäuschen.
    Nrn. 878 u. 879 zeigen vielleicht die ältere Bauflucht vor dem Abbruch an. Auch diese Häuser (vier- und fünfgeschossig) blieben bis 1943/45 stehen.

    Aus städtebauhistorischer Sicht ist das Ganze natürlich keine Glanzleistung. Auf folgender Fotografie von 1891 sieht man, das links irgendein Bauvolumen fehlt:

    1003px-Die_Baudenkmäler_der_Stadt_Nürnberg_037_Hauptmarkt.jpg
    (Bild gemeinfrei, 2011 digitalisiert von der Ohm-Hochschulbibliothek Nürnberg auf commons.wikimedia.)