Posts by Riegel

    Interessant, welche Spuren älterer Fensteröffnungen und Blendnischen durch das Abschlagen des Verputzes zu Tage getreten sind. Das Erdgeschoss ist in moderner Zeit vorgemauert worden; dahinter haben sich vielleicht ebenfalls Reste älterer Bausubstanz erhalten können. Bemerkenswert ist auch das Obergeschoss der Seitenfassade in Fachwerk. Ob die eigenwillige Giebelkontur noch die ursprüngliche ist, vermag ich aufgrund des Fugenbildes nicht zu sagen.


    Ich vermute zudem, dass das 1. Obergeschoss einmal erhöht wurde und dadurch die Fenster des 1. Dachgeschosses ein bisschen nach oben versetzt werden mussten. Demnach müssten auch die Maueranker der Dachbalkenlage (in Form der vier Ziffern '1650') nach oben versetzt worden sein, und tatsächlich kann man fünf Flicke im Mauerwerk drei Backsteinreihen weiter unten erkennen, wo diese Maueranker wohl ursprünglich sassen.


    Wismar Rekonstruktion

    Nachgezeichnete ehemalige Fensteröffnungen und Blendnischen in die entzerrte Fotografie aus dem Zitat.

    ursus carpaticus Ich habe mich jetzt nochmals mit der Burg Kreuzenstein beschäftigt. Nebst diesem Galeriegang im Burghof konnte ich zwei weitere Fachwerkpartien entdecken; siehe hier. Aber als Fazit auch hier, dass kaum ein Nürnberger Fachwerkhaus 1:1 übernommen wurde.

    @UC: Dieser 'man' hat womöglich nie existiert, und im ganzen Strang - auch auf Seite 1 - gibt es keine Spur dieses 'mans'.

    'Ein missglückter Restaurierungsversuch': 1956 wird der Mitteltrakt zurückgebaut, sodass zwei Teilschlösser entstanden sind. Keine Rede von Hausschwamm.



    offenbar wollte man gewisse Gründerzeitelemente "rückbauen".

    Genauer heisst es gemäss letztem Link:

    Quote
    1956: Dachreparaturen und Winterfestmachung werden unterlassen, der Schlosszustand verschlechtert sich. Walter Ohle (Leiter der Arbeitsstelle Schwerin des Instituts für Denkmalpflege der DDR) erstellt Gutachten zum Rückbau des Schlosses auf die klassizistische Gebäudeform vor dem Brand im Jahr 1865. Der mittlere Schlosstrakt wird schließlich rückgebaut: Links ein Schloss, rechts ein Schloss, in der Mitte ein Luftschloss, scherzen bald die Putbusser

    Ob der Rückbau des Mitteltraktes diesem Gutachten entsprach, wage ich aber zu bezweifeln.

    Noch einmal ein paar Vorkriegsaufnahmen des Doms (kurz vor bzw. nach Fertigstellung)



    Nun habe ich die ursprünglichen Kuppeln mal ein bisschen abgeändert und vereinfacht. Bemerkt man einen grossen Unterschied?


    Dom803x

    Ich bin zufällig auf folgende Seite gestossen:

    https://www.nuernberg.museum/p…che-holzgalerie-nuernberg


    Dort wird über Holzgalerien mit geschnitzten Brüstungen berichtet, die angeblich 1896 vom Kutscherhof (Brunnengässchen 16) ins Schloss Lauenstein in der Nähe von Ludwigsstadt verbracht und dort 1902 eingebaut worden sein sollen. Gemäss dem Text lässt sich deren Provenienz aus dem Kutscherhof nicht nachweisen, zumal dieser bis 1945 noch vollständig erhalten war. Wenn ich aber die bayerische Uraufnahme ab 1808 betrachte, war der Komplex des Kutscherhofes damals noch grösser. Fehlende Abbildungen des damaligen Zustandes und nicht mehr vorhandene Kaufunterlagen sind wohl der Grund, dass der ursprüngliche Standort der Galerien nicht nachgewiesen werden kann.

    Wir sind vor einigen Jahren schon mal auf ein angeblich im 19. Jh. in Nürnberg abgebrochenes und auf der Burg Kreuzenstein (Niederösterreich) wiederaufgebautes Haus gestossen. Allerdings nahm ich an, dass dieses Haus wohl nur als Materiallieferant für einzelne Teile gedient hatte. Mehr hierzu hier.

    Das ist sicher ein entstuckter Gründerzeitler, allein schon der grossen Raumhöhen wegen. Aber der Gestalter der heutigen Fassadenoptik muss wirklich nicht bei vollen Sinnen gewesen sein, als ihm dieser "Wurf" einfiel. Auf den Grundputz kam dann dieser grobe Deckputz, von welchen diese Fugen ausgespart blieben.

    Ja ich weiß,es ist jetzt von mir etwas kleinlich, die Fotoaufnahmen des RZ hier zeitlich zuzuordnen.

    Nein, das ist sicher nicht kleinlich, sondern hilfreich. Gerade hier im Forum, wo oft historische Ansichten kopiert und weitergegeben werden, sind richtige Datierungen wichtig. Sonst werden laufend falsche Aufnahme- und Baudaten weiter in Umlauf gesetzt. Oft bemerken wir doch zufällig auch Gebäude im Hintergrund, die uns in einem andern Zusammenhang interessieren oder interessiert haben.

    Und nicht zuletzt gibt es auf der Ausstellungsseite auch ungelösten Räteslbilder (nach unten scrollen), mit dem Aufruf, seine Erkenntnisse oder Vermutungen einzuschicken:

    https://www.remixing-schmidt.nuernberg.de

    Sind das die einzigen drei unbekannten Ansichten aus Nürnberg? Rechts ist der Kutschershof abgebildet, Brunnengässchen 16. Dieser befand sich südlich der Stöpselgasse. Heutige Ansicht: Google maps

    Ich habe sogar eine Ecke mit den Spenderziegeln gefunden.

    Alle Innenwände bis weit nach oben sind doch voll von Spenderziegeln! :wink: Und weiter oben werden in die jetzt noch offenen Rillen weitere Spenderziegel eingemauert werden. Sie haben allerdings nicht das Format eines ganzen Ziegels, sondern sind der Länge nach halbiert.

    Das grösste Manko sind die fehlenden sechs frei stehenden Säulen, und dieses wird sich von jeder Seite als solches präsentieren. Insbesondere in einer 45°-Ansicht wird dies besonders auffallen. Jetzt ist es so, dass der Rücksprung des 1. Turmabsatzes gegenüber dem Turmmezzanin viel zu gross ist, und der nächst obere Rücksprung zum 2. Turmabsatz zu klein. Die frei stehenden Säulen gleichen diesen Unterschied aus.

    doch passen Sie von den Maßen nicht mehr in die rekonstruierte Hülle.

    Da ist man schon fast versucht zu sagen, dass es in dem Fall keine gute Rekonstruktion ist. Kann es sein, dass diese Reste der Wandausstattung erst nach der Rekonstruktion gefunden wurden, und die Rekonstruktion der Höhenmasse ausschliesslich nach Fotos geschätzt werden mussten? Den Grundriss konnte man ja 1 : 1 übernehmen.

    Maxileen Duuu hast mir mit deinen Links wieder eine lange Nacht beschert!!


    Sehr toll diese Jahresberichte, und zudem schön aufgemacht. In Lübeck (und wohl wie an den meisten Orten oder Bundesländern) wird zwischen Bodenarchäologie und Bauforschung unterschieden. Das ist bei uns in St. Gallen auch so, aber dort werden jeweils dem Jahresbericht der kantonalen Denkmalpflege auch die Berichte der Kantonsarchäologie beigesellt, und so hat man manchmal zum gleichen Objekt zwei Berichte, die sich ergänzen.


    Gibt es in Lübeck auch eine Bauforschung, oder werden solche Aufträge von der Denkmalpflege an private Bauforscher vergeben? Und gibt es hierzu auch öffentlich einsehbare Zusammenfassungen? Frank1204 hat mir bereits einige Literaturempfehlungen allgemein zu den Lübecker Altstadtbauten zukommen lassen.


    In den Jahresberichten der Archäologie fand ich viele Angaben zu den historischen Ziegelformaten, und auch spezielle Fachbegriffe werden dort verwendet. Mir kommt jetzt beispielsweise der Begriff 'Viertelstab-Backstein' in den Sinn. So sprechen die Fachleute alle dieselbe Sprache. Ich habe ja kürzlich im BKF begonnen, mich mit den Fassaden in der Lübecker Altstadt zu beschäftigen, und dann ist es nur von Vorteil, wenn man dieselbe Sprache spricht.


    Beispiele, wie ich mich an das Thema herantaste:

    - Bei den gotischen und Renaissance-Backsteinfassaden sind mir diese viertelsrunden Profilierungen an den Hochblenden (z. B. Hundestr. 68), an den Fensterleibungen (z. B. Hundestr. 76) oder auch an beiden Architekturteilen (Mengstr. 25, Grosse Burgstr. 24) aufgefallen. Hierzu wurden eben die erwähnten 'Viertelstab-Backsteine' verwendet. Normalerweise sind diese nicht rund, sondern mit einer 45°-Abschrägung versehen.

    - Backsteinstrukturen, die ältere Bauzustände (veränderte einstige Treppengiebel, andere Geschosshöhen) zeigen.


    Hierzu muss ich erwähnen, dass in der Denkmalliste bei Wikipedia hervorragende, hochaufgelöste Fotos vorhanden sind, die eine Beschäftigung mit den Fassaden aus der Ferne ermöglichen. Ich war 1973 als Kind einmal in Lübeck. In Erinnerung geblieben sind mir nur noch das Holstentor, die Salzspeicher und die Stützbalken zwischen den Domtürmen. :wink:


    Zur Grabung an der Fischergrube / Ellerbrook: Gerade vor einer Woche hatte ich mit Schmunzeln den Blog einer Nachbarin angeschaut, die Euch bei der Arbeit zugeschaut hatte. Dort sind auch Bilder dabei, welche zeigen, wie eure Arbeit und die baulichen Befunde mit Flies und Kies wieder zugeschüttet wurde und somit der Nachwelt erhalten bleibt. Der Neubau (so ein dummer Schmarren) wurde ja ohne Untergeschoss daraufgesetzt. Einzig tat mir die Vorstellung weh, wie dieser wunderbare Backsteinboden im ehemaligen Braulokal von Fischergrube 63 von Bohrpfählen durchbohrt wurde (Jahresbericht 2019, S. 23). Die Nachbarin hat in ihrem Blog just diesen Moment am 10./11. November 2019 festgehalten.