Posts by Riegel

    herisau_15_P1140174_reformierte_kirche.jpeg
    Reformierte Kirche, vom Platz aus.

    In der reformierten Kirche St. Laurentius (schöner kann man doch nicht heissen... :koenig: ) hängt übrigens die zweitschwerste Glocke der Schweiz. 9,12 t wiegt sie und hing ursprünglich im Kloster Salem, von wo aus sie nach der Klosteraufhebung 1807 nach Herisau verkauft wurde.

    Nur eine ist schwerer
    HERISAU. Walter Bach hat das Gewicht der Glocke der reformierten Kirche in Herisau neu berechnet. Damit sind alle Zweifel ausgeräumt: Nur die Glocke des Berner…
    www.tagblatt.ch

    Hörprobe: https://www.srf.ch/radio-srf-musi…u-st-laurentius

    Infolge eines Ebay-Angebots mit einer Ansicht des in der Novemberrevolution beschädigten Hauses Grosse Frankfurter Str. 12 bin ich auf das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich gestossen, welches einige interessante Fotos von Berlin (und auch Leipzig) besitzt.

    Ich habe mich nicht gross in die Seite eingearbeitet, sondern gebe einfach mal einen Link mit dem Suchwort 'Deutschland', 20. Seite an:
    https://www.bild-video-ton.ch/suche/in/dcCO_geopo/Deutschland/950

    Zwei Beispiele:
    https://www.bild-video-ton.ch/bestand/objekt/Sozarch_F_5068-Ka-2819
    https://www.bild-video-ton.ch/bestand/objekt/Sozarch_F_5068-Ka-2823

    Ich hoffe, dass der eine oder andere Berlin-Kenner hier fündig wird.

    ursus carpaticus Hier habe ich jetzt eine unscheinbare Ansicht gekauft, die sich auf den ersten Blick nicht von tausenden Blicken auf die Kaiserburg unterscheidet; im Gegenteil, der Vordergrund sieht nicht einmal so attraktiv aus. Aber es ist ein sehr seltener Blick auf das obere Ende der Stadtmauer beim Westtor. Ein Teil meiner Nürnberg-Sammlung ist die detaillierte Dokumentation der Stadtmauer mit all ihren Türmen, Mauern, Gräben und Zwingern.

    Den gezeigten Mauerabschnitt hatten wir in diesem Strang bereits hier schon angetroffen, und nun kann ich ihn mit einer weiteren Aufnahme auch am oberen Ende dokumentieren. Und natürlich ausführlicher auch im Baukulturforum. Es ist der Mauerabschnitt, der offenbar erst für das 1957 wiederaufgebaute Altenheim geopfert wurde. Heute steht hier ein Fantasie-Stadtmauerturm. Zum Glück sind solche die historische Stadtmauer verfälschende Fantasiebauten die Ausnahme.

    Ak-Westtor-1941.jpg
    Westtormauer bei der Mohrengasse mit Blick zur Burg. 1941 gelaufene Ansichtskarte, Andro-Verlag, Nürnberg.

    Also wenn ich Bücher von oder über Architekten und deren Projekte lese, sind doch meistens auch die Entwurfsskizzen mit ihren ursprünglichen Ideen publiziert, direkt aus dem Skizzenbuch. Da laufend weniger Bücher gedruckt werden, sondern nur noch Internetseiten veröffentlicht werden, geht diese Gewohnheit leider verloren. Fragt mich nicht nach den Gründen, denn ich weiss sie selber nicht. Aber ich finde das schade.

    Die Skizzen meiner Semesterarbeiten und Diplomarbeit hüte ich immer noch :) Und sie bedeuten mir auch etwas.

    Eine Ansicht aus den 1930er Jahren eines recht eigenwilligen Gebäudes: Eschenheimer Anlage 38.

    Escheinheimer-Anlage-38-um-1935.jpg

    Ansichtskarte vor 1939, unbekannter Verlag.

    Eine kunsthistorische Umschreibung des Gebäudes fällt mir recht schwer. Auf den ersten Blick meine ich hier einen purifizierten Gründerzeitstumpf zu sehen. Der kräftig vorstehende Sockel (Souterraingeschoss) mit seinen Stichbogenfenstern, das hohe Erdgeschoss und der oktogonale Vorbau könnten dafür sprechen. Die beiden runden Eckbalkone sehen aber nach Bauhaus aus. Die Fensterrahmen am 1. Obergeschoss und vor allem das mittlere Fenster am 2. Obergeschoss mit seinen drei Säulchen und dem Architrav als Fenstersturz würde ich in die 1920er Jahre datieren. Irgendwie faszinierend empfinde ich zuoberst die geschlossene Terrassenbrüstung, die an zwei Stellen für den Schriftzug 'Falk - Cafe' ausgeschnitten ist.

    Die Marke und damit das Stempeldatum sind leider entfernt worden, aber der Werbestempel lautet 'Deine Stimme dem Führer!'. Der Fotograf stand mit dem Rücken zum Eschenheimer Torturm. Weiss jemand mehr über das Gebäude? Heute steht hier ein 50er Jahre-Bau.

    Heutige Ansicht: Google maps.

    Wenn man im verlinkten Artikel über das Hotel nicht lesen könnte, dass es schon von Anfang an als 'Hotel Kölner Hof' fungierte, hätte ich gleich gefragt, ob das ursprünglich nicht 'Nürnberger Hof' hiess. Die Architektur mit den vielen Masswerkbrüstungen und den Neurenaissancegiebel erinnert mich sehr an die Historismusbauten in Nürnberg. Wir haben ja schon oft solche Bauten in diversen deutschen Städten entdeckt, die ein Hotel oder eine Gaststube im typischen Nürnberger Stil beherbergten. Ganz bemerkenswert - aber negativ - empfinde ich die eingeschnittenen französischen (sprich bodentiefen) Fenster. Der Historismus konnte mit solchen Fenstern umgehen, hier aber ist es misslungen.


    ... das 50er-Jahre-Grau...

    Pellerhof Baustelle Arkaden

    Das geht natürlich gar nicht! Eine ganz typisch denkmalpflege-theoretische Entscheidung, die am Objekt vorbei geht! Der Denkmalpfleger meinte wohl, dass die Farbe zu den 50er-Jahre Fenster passen müsse, und man müsse doch vom Pellerhof aus sehen, dass sich nebenan ein 50er Jahre-Gebäude befindet. Aber die Badezimmer-Bodenfliesen und das Grau passen doch wunderbar zusammen...

    Zur hellen Farbe mit dem weissen Fugenstrich: Ich war ja anfänglich unsicher, ob eine Quadermalerei passend ist, oder ob es zu viel des Guten würde - neben den echten Sandsteinwänden. Historische Quadermalereien wurden ja immer wieder gefunden. Die jetzige Lösung ist sehr dezent geworden, so dezent sogar, dass man sich fragen kann, ob es die Fugenmalerei überhaupt gebraucht hätte, da man sie ja kaum wahrnimmt. Hier geht's zu den ersten beiden Beiträgen zur Quadermalerei.

    diese während der NS-Diktatur 1936-1937 mit Sicherheit aus ideologischen Gründen durchgeführten Umbauten

    das Gebäude von der Vereinnahmung durch die Gesinnung dieser dunklen Zeit

    Dieser Umbau in den 1930er Jahren hat doch nichts mit NS-Diktatur zu tun und erfolgte auch nicht aus ideologischen Gründen. Der Umbau entspricht einfach dem damaligen Zeitgeist, in welchem purifiziert wurde. Purifizierung und glatte Flächen sind dem Bauhaus geschuldet, aber sicher nicht einer politischen Gesinnung.

    Der Mittelrisallit resp. seine dekorativen Elemente machen eben gerade den neugotischen Anteil von 1827 aus, ebenso auch die beiden Portalbekrönungen und die Blendarkadenfriese unter der Traufe.

    Den klassizistischen Zustand von ca. 1800 bis 1827 kann man sich wohl in der gleichen Grundform des Hauses samt Mittellukarne vorstellen, ohne den neugotischen Zierrat, aber mit regelmässiger Fensteranordnung ohne Mittenbetonung. Insofern stimmt VonSalzas Aussage.

    frederic Was ist denn das für ein Plan? Ist das ein nachgezeichneter, digitaler Stadtplan von 1945?

    Ich würde aufgrund der Stadtpläne jetzt nicht mehr weiter spekulieren, wo genau die Parzellengrenzen liegen und was in einer Hand vereinigt war. Beobachtungen in den Stadtplänen dienen mir lediglich als Grundlage für die weitere Erforschung in den Archiven oder Grundbüchern. Das ist ein ständiges Hin und Her zwischen Plänen und schriftlichen Quellen. Betreffend 'etagenweisem Verkaufen': Natürlich bin ich mir nicht sicher, ob es das in Nürnberg gab, aber ausschliessen darf man nie etwas. Solche Vorgänge konnten manchmal sehr kompliziert gewesen sein. Wieder ein Beispiel aus St. Gallen: 1839 wurde das Multertor abgebrochen. Die Stadttore waren im Besitz der Ortsbürgergemeinde, dem Überbleibsel der alten Stadtrepublik vor 1798. Nach der Zeit der Helvetik und Napoleon wurde die politische Gemeinde gegründet (beide Körperschaften gibt es heute noch!). Für das Strassen- und Polizeiwesen war die politische Gemeinde zuständig, welche die Tore der Ortsbürgergemeinde zuerst abkaufen musste, um sie niederlegen zu können. Zwei Geschosse des Tores waren aber im Besitz eines Anstössers. Auch mit diesem musste verhandelt werden. Das waren alles Vorgänge, die man auf keinem Plan oder Bild ersehen kann.

    Andersdenkender Was hast Du auch mit diesen Gauben, um die es hier gar nicht geht? Die Gauben müssen ja nicht bis zur Fassadenebene gereicht haben. Ok, ich habe wohl die Begriffe ungenau verwendet. Eine Lukarne oder Zwerchhaus ist fassadenbündig; sie stehen also auf der Traufe. Eine Gaube kann irgendwo auf dem Dach sitzen, unabhängig von der Fassadenebene. Ich habe deshalb in meinem ersten Beitrag zu diesem Hinterhaus den Begriff 'Lukarne' durchgestrichen und durch 'Gaube' ersetzt. So ist es genug neutral geschrieben. In Nürnberg werden die Lukarnen 'Dacherker' genannt. Unter sie fallen fassadenbündige oder auskragende Aufzugslukarnen, aber auch die fassadenbündigen Wohndacherker mit einem Spitzhelm darüber, die eher ein turmmässiges Aussehen haben als das einer Lukarne.

    Das ist gut möglich, insbesondere wenn man das dritte Bild ansieht. Die bayerische Uraufnahme ab 1808 gibt hier nicht eindeutig Auskunft bezüglich der Parzellengrenzen, die jeweils dicker und sogar mit feinen Schatten gezeichnet sind. Manchmal unterscheiden sie sich aber nur schwach von andern Linien. Wenn man genau hinschaut, ist es wohl so, dass Nr. 731, das Hinterhaus und Nr. 732 tatsächlich in einer Hand vereinigt waren. Der Stadtplan von 1945 ist da weniger klar. Jedenfalls gehörte Haus / Liegenschaft Nr. 748 nicht dazu, sondern zu einem Nachbarhaus des Grolandhauses (Nr. 746). Deshalb die doppelte Aufführung der Nr. '748'.

    Keine Auskunft geben solche Stadtpläne in Fällen, wo die Geschosse verschiedenen Besitzern gehörten. Deshalb liess ich diese Möglichkeit in meinem ersten Beitrag zum Hinterhaus ebenfalls zu. Und wenn man die vier Fotos betrachtet, sieht man, dass im Treppentürmchen alle Fenster zugemauert sind. Das muss ja auch seinen Grund gehabt haben... Es muss auch bedacht werden, dass einzelne Geschosse mal verkauft und irgendwann wieder mal zurückgekauft worden sind. Weiter möchte ich aber nicht spekulieren, denn mit diesen gesammelten Angaben hätte ein Historiker genug Grundlagen, in Archivalien zu forschen und eine Hausgeschichte zu schreiben.

    (Weshalb ich mich zu dieser Frage der Brandwand und dem zugehörigen Hinterhaus so ausführlich äussere, hat seine Ursache in einem Hinterhaus in St. Gallen, dessen Geschichte ich kürzlich entschlüsseln konnte: Mein Geschichtsprofessor am Gymnasium, der damals gerade ein Standardwerk über die Stadtgeschichte schrieb, fragte mich vor gut vierzig Jahren, ob ich wisse, was das für ein spezielles Gebäude sei, das er auf einer Ansicht gefunden hatte. Diese entstand auf Grundlage der Merian-Ansicht, bei der alle Wohn- und Nebenbauten weggelassen waren, sodass nur die Stadtbefestigung, kirchlichen und öffentlichen Bauten eingetragen waren. Das fragliche Hinterhaus war aber mitsamt Treppenturm und einem Bogenfenster ebenfalls eingezeichnet, sodass man auf den Gedanken kommen musste, dass hier einst eine Kapelle stand, die aber nirgends nachgewiesen werden konnte. Nun habe ich kürzlich herausgefunden, dass es ein zweigeschossiges, massiv gemauertes Hintergebäude mit Kreuzgratgewölben war, das als Lagerhaus diente. Man muss bedenken, dass vor 1800 Versicherungen unüblich waren, sodass jeder Kaufmann für einen allfälligen Verlust seiner Ware selber aufkommen musste, wenn ein Schaden passierte. Deshalb können auch Hinterhäuser sehr massiv gemauert sein, quasi als 'Tresor' eines Kaufmanns. Das Lagerhaus verblieb fälschlicherweise auf dieser Ansicht und kann einen Forscher auf die falsche Fährte führen.

    Gemäss einer Verkaufsurkunde von 1817 gehörte es damals zwei Besitzern. In den 1840er Jahren wurde das Obergeschoss an einen Nachbar verkauft. Dazu musste der Treppenturm niedergelegt und andernorts eine neue Aussentreppe angelegt werden. Von 1866 bis 1880 war hier die erste Synagoge seit dem Mittelalter eingemietet. 1931 wurde es abgebrochen. Eine Fotografie von 1931 ist im Stadtarchiv mit 'Katharinenhof' bezeichnet, obwohl sich dieser in einem andern Altstadtquartier befand. Zudem ist die Fotografie seitenverkehrt im Onlinekatalog abgebildet... Meine Korrekturen dazu sind aufgenommen worden, der Titel aber lautet nach wie vor 'Katharinenhof' anstatt 'Spitalgasse 5a' und das Bild blieb seitenverkehrt. Irgendwann konnte ich vier Abbruchfotos erwerben, welche das Innenleben des Lagerhauses mit seinen Gewölben zeigten.

    Auch so 'unbedeutende' Hinterhäuser habe ihre Geschichte, welche ich in nächster Zeit aufschreiben werde. Frankas Frage zur Brandwand liess mich sofort an dieses Hinterhaus denken.)

    Richtig überzeugen tut das Imhoff-Haus nur in der gotischen Form (die NS-Purifizierung ist zwar nicht unstimmig, aber doch recht langweilig).

    Es wäre eine interessante Diskussion, wie ein neues Imhoff-Haus aussehen würde, stimmte man dessen Rekonstruktion zu. Allein weil ja zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal an eine Rekonstruktion der Pellerhausfassade und jener des Schwarzen Pellerhauses gedacht werden kann, wäre es umso müssiger, über ein 'Wie' der Rekonstruktion des Imhoff-Hauses zu diskutieren. Trotzdem ist die Fragestellung interessant, um bei diesem Fall die Schwierigkeiten einer Rekonstruktion wenigstens theoretisch darzulegen und einander gegenüber zu stellen.

    Es gibt vier bekannte Zustände der Fassade:

    • ab 1465 die gotische Fassade mit drei Zwerchhäusern und 5 Statuen auf Säulen (zwei recht unterschiedliche Abbildungen)
    • ab etwa 1800 - 1827 die klassizistische Fassade (von diesem Zustand gibt es offenbar keine Abbildung)
    • 1827 - 1936 die neugotische Fassade von C. A. Heideloff (Fotos)
    • 1936 - 1944/45 die auf Nürnberger Mittelalter getrimmte Fassade (Pläne, Fotos).

    Eine Rekonstruktion der gotischen Fassade müsste sehr schöpferisch angegangen werden, da von diesem Zustand nur zwei rudimentäre Ansichten bekannt sind. Man müsste sich auch auf Analogien abstützen. Eine Rekonstruktion generell - und dazu noch eine vage Rekonstruktion - dürfte es sehr schwer haben.

    Eine Rekonstruktion der klassizistischen Fassade wäre baulich wohl am leichtesten zu bewerkstelligen. Sie ist bildlich wohl nicht überliefert. Da es aber in der Altstadt viele klassizistische Fassaden gab, könnte auch hier mit Analogien gearbeitet werden. Edit.: noricum hat weiter unten ein Bild dieses Zustandes gefunden.

    Eine Rekonstruktion der neugotischen Fassade von C. A. Heideloff ist fotografisch gut dokumentiert, und sie hatte gut hundert Jahre Bestand. Allein dieser Hang Heideloffs zur akademisch wie auch künstlerisch perfekten Neugotik empfinde ich schon beinahe als neurotisch für die Nürnberger Altstadt. Sie ist nicht das Werk einer Epoche, sondern nur das Werk eines Einzelnen.

    Eine Rekonstruktion des Letztzustandes mit der auf Mittelalter getrimmten Fassade... sie dürfte sich von der grossen Menge an Wiederaufbauarchitektur der 1950/60er Jahre nicht gross abheben.

    Franka Ja, das ist eine Brandmauer, und zwar die Rückseite des Hinterhauses von Tetzelgasse 22, einem am Paniersplatz liegenden Wohnhaus (links oberhalb des blauen Pfeils, mit einer einfachen Lukarne). Dieses Hinterhaus lag unter einem Pultdach, von dem wir hier nur den First sehen, und auf dem drei kleine Zwerchhäuser Gauben sassen. Das Hinterhaus grenzte an die nördliche Seite des Schwarzen Pellerhaus-Grundstücks und hinter einen Teil des Hinterhauses des Pellerhofs (von dem jetzt nur die Rückfassade als Kulisse rekonstruiert worden ist).

    Zwischen dem Wohn- und Hinterhaus besteht ein Werkstattgebäude mit Flachdach, anstelle dessen auf der bayerischen Uraufnahme ab 1808 noch eine Gartenanlage eingezeichnet ist, mit der Grundstücks-oder Hausnummer 731. Der grosse Baum rechts vom blauen Pfeil könnte noch zu diesem Garten gehört haben, oder er gehörte bereits knapp dem rechten Nachbarn.

    Mauern dieser Höhe brauchen eine bestimmte Stärke, damit sie überhaupt das Eigengewicht tragen und auch dem Winddruck widerstehen können. Um teures Steinmaterial einsparen zu können, wurden einzelne Partien mit geringerer Stärke errichtet. Das wären dann die Bogennischen. Das tragende Mauerwerk sind die Mauerpfeiler und Bogen. Die dünneren Partien in den Bogennischen könnten von der Statik her weglassen werden, sodass das Mauergerippe analog einem Skelettbau selbsttragend wäre (analog dem Wandaufbau gotischer Kathedralen). Wegen des eigentlichen Zwecks der Brandmauer mussten diese Öffnungen natürlich verschlossen sein. Solche Mauern findet man überall in Städten mit Massivbauten, nicht nur in Nürnberg. Eine solche Mauer wird einfach 'Mauer mit Bogennischen' genannt, oder - wenn die Bogennischen sehr nah aneinander gerückt sind, sodass dazwischen nur noch Säulen Platz haben - 'Mauer mit Blendarkaden'.

    Auch das Pellerhaus selbst weist zwei solche Nischen auf, und zwar unterhalb des Treppenturms zwischen dem Vorderhaus und dem westlichen (linken) Arkadengang. Hier hatte die Mauer auch das Gewicht des Treppenturmes zu tragen, weshalb sie an der Rückseite verstärkt und zur Materialersparnis auch mit zwei solchen Nischen versehen wurde. Diese Wand war nie zugebaut und im Hof des Schwarzen Pellerhauses sichtbar, so wie sie es heute noch ist: Google maps (Sicht 'durch' das schwarze Pellerhaus).

    Links von der Bogennischenwand erkennt man auf der Flugaufnahme noch ein Türmchen mit spitzem Helm. Dieses gehörte zur westlich anstossenden Liegenschaft (in der Uraufnahme Nr. 732, auf der Fotografie mit flacher geneigtem Satteldach als jenem des Peststadels davor), macht aber allein und ohne Verbindung zu einem Hinterhaus keinen Sinn. Es ist möglich, dass das Hinterhaus mit der Bogennischenwand in der Höhe auf zwei Eigentümer aufgeteilt war - das Erdgeschoss zu Nr. 731 und das Obergeschoss zu Nr. 732.

    Das ist jetzt natürlich alles sehr spekulativ, aber solche Thesen helfen dem Forscher, mal in eine Richtung in den Archivalien zu forschen zu beginnen.

    Über die vor zwei Jahren vorgenommene bauhistorische Untersuchung des Hauses Bergstrasse 9 gibt es bei Youtube einen Filmbeitrag:

    External Content www.youtube.com
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    Franka Wenn Du Häuser entwirfst, solltest Du immer dreidimensional denken, oder neben einem Fassadenentwurf ein Skizzenpapier bereit haben, auf das Du Details von deinen Ideen dreidimensional aufzeichnen kannst. Architektur ist nun mal dreidimensional. Versuch das mal mit dem Haus rechts in deinem letzten Entwurf.