Berliner Stadtschloss - Umfeld (Schlossplatz, Schlossfreiheit, Lustgarten & Spreeufer)

  • Das Problem mit dem Brunnen liegt darin, dass er zusammen mit dem Fernsehturm, dem Roten Rathaus , dem Denkmal von Marx und Engels auf der grünen Wiese der ehemaligen Altstadt ein städtebauliches Ensemble des DDR Städtebaus bildet, das von vielen verteidigt wird.

    Sollte er versetzt werden ist dieses sogenannte Marx >Engels Forum als gescheitert anzusehen.

  • Und das ist meiner persönlichen Meinung nach kompletter Schwachsinn... (nicht Deine Beurteilung, sondern, das, was die Verteidiger des Ist-Zustands meinen könnten.)

    Das Rathaus stammt von 1869, der Brunnen ist Kaiserzeit und beide haben erst im Sozialismus eine räumliche Nähe zueinander bekommen. Und seit wann sind eigentlich Marx und Engels Persönlichkeiten, die eine Bedeutung für unsere seit 1949 bestehende Gesellschaftsordnung haben.

    (Im Rahmen der derzeitigen Debatte um belastete Persönlichkeiten steht der Rauschebart aus Trier nach derzeitigem Wissensstand ohnehin nicht positiv aus)

    Der Palast der Republik ist seit vielen Jahren nicht mehr da. Das Ensemble ist bereits damit nicht mehr komplett. Das sogenannte Marx-Engels-Forum ist also ohnehin jetzt schon "gescheitert".

    Auch wenn ich es persönlich nicht mehr erleben werde, dass es verändert wird. Aber das jetzige Sammelsurium aus Sozialismus und Alt-Berliner Versatzstücken ist einfach nur peinlich und ein Bereich, in dem ich mich sehr ungern bewege.

  • Jetzt hört doch mal bitte auf Euch so in politischen Haltungen zu verschanzen!!!

    Politik vergiftet ALLES!

    Ich will doch nur eine schöne Schloss-Umgebung aus der sämtliche Schichten der Geschichte erlesbar und erlebbar sind.


    Und ich hoffe, dass ich da nicht der Einzige bin...


    Das Problem mit der Schloss-Umgebung ist, dass in den letzten Jahrzehnten die Machthaber Geschichte schreiben wollten, indem sie alles Vorangegangene und einmal Gewesene spurlos ausgemerzt haben um den freigewordenen Platz mit den Symbolen der eigenen Ideologie zu füllen.

  • Donnerwetter das hätte ich der Berliner Zeitung gar nicht zugetraut. Daumen hoch :thumbup: auch wenn es zu spät ist und ich bin überzeugt daß diese Verschaukelungswippe nicht im Kostenrahmen bleibt.

  • Der eher linke "Berliner Kurier" hat den Artikel heute ebenfalls abgedruckt.

    Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

    Sollten die Leute tatsächlich aufgewacht sein ?

    Sogar den geforderten Baustopp halte ich nun für möglich.

  • Der eher linke "Berliner Kurier" hat den Artikel heute ebenfalls abgedruckt.

    Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

    Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Die Frage nach architektonischer Schönheit und Sinnhaftigkeit von Bauprojekten ist eben nicht zwangsläufig mit politischen Präferenzen gleichzusetzen.

  • Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Die Frage nach architektonischer Schönheit und Sinnhaftigkeit von Bauprojekten ist eben nicht zwangsläufig mit politischen Präferenzen gleichzusetzen.

    Das wurde doch aber - gerade bei diesem Projekt - bisher gemacht.

  • Das wurde doch aber - gerade bei diesem Projekt - bisher gemacht.

    Ja, ist das so einfach? Alle Medien, die links sind (wie auch immer sich das definiert), haben das Vorhaben gelobt und alle, die rechts sind haben dagegen gewettert. Und wie sieht es mit den Medien der Mitte aus? Hast du das so genau analysiert?


    Dabei liegt die Erklärung doch auf der Hand: Dieses Narrativ der immer linken Rekonstruktionsgegner hat noch nie gestimmt. Solange man sich davon leiten lässt, wird man gegen Wände rennen.

  • Die Blätter des Berliner Verlages entziehen sich momentan den herrschenden politischen Gesäßgeographien. Der Hintergrund ist bekannt, es geht um die neuen Eigentümer, das Ehepaar Friedrich. Nach dessen Übernahme erscheinen immer wieder Artikel mit überraschenden Tendenzen, mitunter verstörend, mitunter aufmunternd.


    Ableitungen auf die Gesamtgesellschaft sind m.E.n. aus diesen Stücken nicht möglich. Selbst die Berliner Politik wird durch die inzwischen zunehmend verzwergte Auflage der Berliner Zeitung kaum mehr beeinflußt. Die Daten des einst großen Blattes sind bei Statista abrufbar und liegen inzwischen bei unter 80.000 verkauften Exemplaren, inklusive der vergreisten Abos aus sozialistischen Tagen. Der Mitbewerber Tagesspiegel liegt bei ca. 130.000 Exemplaren.

    Insofern würde ich derartige Überraschungen im Blätterwald nicht wirklich als Tendenz beschreiben.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • ZITAT AUS DEM XIII. MERKWORT FÜR DAS NEUE NATIONAL-DENKMAL

    Zitat: "Sobald die Schlossfreiheit für das Denkmal gewählt wird, muss in Betracht gezogen werden, dass der große Platz (...) von der Schlossfassade mit dem gewaltigen Mittelportal beherrscht wird, und das vor allem die Schlosskuppel in Masse und Umriss einen so beherrschenden Einfluss gegenüber der übrigen Umgebung ausübt, dass das zu errichtende Denkmal nie dieselbe erreichen kann oder gar übertreffen kann. Deshalb wird es nur möglich, der Kuppel eine Ergänzung zu ihrer architektonischen Wirkung zu schaffen. Dies war zu erreichen, indem man die ganze Denkmalanlage in Beziehung zur Schlossfassade, insbesondere zum mittleren Triumphbogen und der Kuppel brachte."
    QUELLE: BLÄTTER FÜR ARCHITEKTUR UND KUNSTHANDWERK AUSG. 3 VON 1890
    Gibt es auch Gedanken dazu von den Planern der Wippe, oder muss heutzutage das Umfeld nicht mehr berücksichtigt werden?

  • Dabei liegt die Erklärung doch auf der Hand: Dieses Narrativ der immer linken Rekonstruktionsgegner hat noch nie gestimmt. Solange man sich davon leiten lässt, wird man gegen Wände rennen.

    Für mich liegt nur auf der Hand, dass Ausnahmen die Regel bestätigen.

  • Wie sähe es eigentlich mit der Sicherheit für den Brunnen aus, wenn dort die Autos in unmittelbarer Nähe vorbeibrettern? Würde man dann Beton- oder ---Mod---- Poller (wie es einer auszudrücken beliebt) zwischen Brunnen und Fahrbahnrand platzieren, damit nicht ein Autofahrer, der die Kontrolle verliert, gegen den doch recht nahen Brunnen rast? Und wie sieht es mit der Aufenthaltsqualität an dem Brunnen aus, wenn dieser so nah an einer Durchgangsstraße steht?

    Also, ich weiß nicht so recht, ob der Brunnen am gegenwärtigen Platz nicht sicherer steht... huh:)


    Modhinweis (Onkel Henry): auch wenn es ironisch gemeint ist, bitte keine Spitzen gegen Politiker.

  • Der ehemalige Schlossplatz nahm seinerzeit als große Verkehrsfläche, abgesehen von den Bürgersteigen, quasi die gesamte Fläche vor der Südseite des Schlosses ein.


    Der historische Standort des Neptunbrunnens war ziemlich im Zentrum des ehemaligen Schlossplatztes und durchaus eine ganzes Stück weit vom Schloss entfernt (siehe Link).


    https://de.m.wikipedia.org/wik…%9Fplatz,_Berlin_1900.jpg


    Die heutige Struktur des Schlossplatztes ist aber anders als früher. Die als Platz wahrnehbare, künftig gepflasterte Fläche vor der Südeseite des Schlosses wird von einer geteerten Fahrbahn umfahren.


    Würde man den Schlossbrunnen also nun auf seine historische Stelle (aber umgeben von der aktuellen Struktur) aufstellen, wie manche es hier im Forum fordern, würde er eher am Rand der gepflasterten Platzfläche stehen bzw. ggf. sogar auf die Fahrbahn ragen (vielleicht kann einer unserer versierten Mitforisten ja mal eine solche Collage herstellen).


    Ich finde das würde höchst seltsam aussehen. Außerdem würde es, wie gesagt, das gute Stück zusätzlich den Gefahren durch den motorisierten Straßenverkehr aussetzen.


    Insofern sollte man, sofern man den Brunnen wieder aufstellt, diesen (mit verkleinertem, ursprünglichem Becken) im Zentrum der neuen Platzfläche, also näher am Schloss, platzieren.

  • die jetzige Nähe der Fahrbahn liegt hauptsächlich an den überdimensionierten Ausbau der Breiten Straße, da ja in Berlin der Ausbau von Fahrradspuren bzw. Fahrradstraßen jetzt verstärkt in Angriff genommen wird könnte ja man den nördlichen Teil der Breiten Straße als Fahrradstraße ausbauen und den südlichen Teil für den Fahrzeugverkehr belassen.


    die Breite Strasse in der ursprünglichen Breite



    die Breite Straße in Blickrichtung Schloss




    und ein paar Aufnahmen des Neptunbrunnens an seinem ursprünglichen Standort






    1936 eine Nachtaufnahme

  • Nette alte Fotos. Bloß fahren eben heute keine Pferdedroschken dort mehr vorbei. Und angesichts der realen Verkehrssituation ist eben zu fragen, ob der Brunnen an dieser Stelle noch Sinn macht. Die Idee, ihn näher an das Schloss zu rücken, halte ich für interessant. Es wäre eben zu prüfen, wieviel Platz dann noch zwischen Brunnen und Schloss ist. Und wie das optisch wirken würde. Und ob an der Stelle überhaupt Aufenthaltsqualität entstünde oder das Potenzial des im Moment ja gut angenommenen Brunnens in dieser Hinsicht nicht mehr oder weniger verschenkt würde.