Posts by Snork

    Es ist schon erstaunlich, wie eine kleine Truppe linker Aktivisten versucht, die Senatsverwaltung und die Jury unter Druck zu setzen. Bei den Werkstattveranstaltungen zum Molkenmarkt gab es eigentlich nur einen einzigen Teilnehmer, der sich unermüdlich und beharrlich gegen den Albers-Malcovati- und für den Czyborra-Entwurf eingesetzt hat, die übrigen Stimmen - auch von Anwohnern - waren eher pro-Albers-Malcovati. Dieser Teilnehmer verfügt anscheinend über exzellente Kontakte zur Presse, in diesem Fall bekanntermaßen ja auch zum Tagesspiegel.

    Letztlich stellt es sich wohl so dar, dass es gar nicht mehr darum geht, mit dem Czyborra-Entwurf dem besseren städtebaulichen Entwurf zum Erfolg zu verhelfen, sondern darum, den "bürgerlicheren", kleinteiligeren und differenzierteren Entwurf von Albers und Malcovati zu verhindern, warum auch immer. Hierfür werden mit der vermeintlichen besseren Klimawandel-Kompatibilität und den behaupteten niedrigeren Baupreisen des Czyborra-Entwurfs Argumente ins Feld geführt, die gefällig klingen, jedoch bei genauerem Hinsehen kaum wirklich Substanz haben.

    Vielleicht sollte man in diesem Fall noch einmal daran erinnern, was im Koalitionsvertrag steht: "Für den Molkenmarkt streben wir eine kleinteilige Bebauung mit vielfältiger Nutzung und sehr guter Architektur an". Die Grundlage hierfür wäre der Entwurf von Albers und Malcovati, nicht der die historischen Parzellen großmaßstäblich überbauende und Leitbauten faktisch unmöglich machende Czyborra-Entwurf.

    Was dort womöglich entstehen soll, ist sehr, sehr grässlich:

    https://crest-investment.com/p…erlin-halensee-grunewald/

    Das tolle Einfahrtstor ist auf der Visu nicht mehr da.

    Sieht man sich alle Abbildungen auf der verlinkten Projektseite an, scheint es wirklich etwas verwirrend: das alte Eingangstor und der kleine Pavillon werden werbend abgebildet, jedoch zeigt die Straßenseiten-Visualisierung ein direkt an der Straße gelegenes Haus. Sieht man sich das Grundstück in der Aufsicht an (Maps), scheint aber seeseitig des Eingangstors und des Pavillons noch genügend Platz für den Neubau zu sein, so dass es eigentlich nicht "nötig" erscheint, den schönen Pavillon und das Eingangstor plattzumachen. Womöglich handelt es sich um einen Fehler bei der Visualisierung der Straßenseite des Hauses, das vermutlich, hoffentlich wesentlich weiter von der Straße entfernt stehen wird.

    Ich sehe das Problem bei diesem Bau in der ungeschickten Gestaltung mit den unharmonisch zusammengesetzten Rechteck-Quadern. Die Seeseite scheint etwas gelungener, auch wenn das weit überkragende Terrassengeschoss tendenziell erdrückend auf die unteren Geschosse wirken dürfte. Ich finde, dass puristisch im Bauhausstil gebaute Häuser durchaus ihren Reiz haben können (Z B hier), dieser Entwurf scheint mir jedoch verunglückt.

    Die Lage ist natürlich ausgezeichnet, Vermarktungsprobleme nicht zu erwarten. Gerade in der nahegelegenen Hilde-Ephraim-Straße zeigen die dort in den letzten 15 Jahren entstandenen Neubauten recht gut, was dabei herauskommt, wenn Architekten keine gründliche und ernsthafte baukünstlerische Ausbildung mehr erhalten, so wie es bei uns ja schon seit gut 100 Jahren der Fall ist.


    Die Berliner Zeitung (Paywall) berichtet über den Stand der Dinge bei der Rekonstruktion der großen Wappenkartusche an Portal III. Das 8 m breite 1:1-Gipsmodell wurde nunmehr in der Werkstatt des Berliner Steinbildhauers Andreas Hoferick fertiggestellt. In Kürze soll das Gipsmodell in die nahegelegene Metallbau- und Kunstschmiedewerkstatt Fittkau in Berlin-Weißensee überführt werden, wo dann die Kupfertreibarbeiten ausgeführt werden sollen.

    Die Hoferick-Werkstatt fertigt derzeit auch die exakte Kopie das altindischen Sanchi-Tors aus Mainsandstein, welche an der Lustgartenseite des Schlosses gegenüber dem Dom aufgestellt werden solle.

    Es ist dankens- und bewundernswert, was diese Kunsthandwerker leisten!

    "Diese Gedenktafel errichtete der Verschönerungsverein Wemding 1908" - ein Gruß aus einer Zeit, als noch selbstverständliche Einigkeit darüber herrschte, was Schönheit ist: Schönheit halt. Es gab noch keine arrogante institutionell-medial-akademische Elite, die, an den Schaltstellen der Macht, die Auffassung und den Wert von Schönheit ins Lachhafte ziehen konnte.

    Der Berliner "Tagesspiegel" macht weiter Stimmung gegen das Schloss und den Förderverein.


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    (...) Der Förderverein Berliner Schloss hat über 100 Millionen Euro Spenden für den Wiederaufbau der preußischen Fassaden zusammengebracht und geriert sich als eine Art ideeller Eigentümer und Hüter heiliger Tradition. Der Verein verweigert nach wie vor die Herausgabe der Spendernamen, obwohl begründeter Verdacht besteht, dass Anhänger rechtsextremer Ansichten darunter sind. (...)

    In diesem Zusammenhang wurde die Ehrentafel für Ehrhardt Bödecker, einen verstorbenen Großspender des Humboldt Forums, der sich antisemitisch geäußert hatte, im Gebäude entfernt. Der reaktionäre Schlossverein mit dem Geschäftsführer Wilhelm von Boddien und dem Vorsitzenden Richard Schröder mauert und beschimpft Kritiker. Sein „Berliner Extrablatt“ darf im Foyer des Humboldt Forum nicht verteilt werden.

    Der etwas konfus wirkende Text im Kulturteil bringt keine neuen Erkenntnisse, ist ganz offensichtlich nur um abwertendes Framing des Kulturbaus mit den rekonstruierten Fassaden bemüht. Noch kurz vor Fertigstellung der Fassadenarbeiten lässt es sich der Autor nicht entgehen, den Schlossfreunden doch noch einmal in die Suppe zu spucken:

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    Außerdem sind Teile des wilhelminischen Fassadenschmucks – von Architekt Franco Stella vorgesehen – noch nicht aufgestellt. Auch da gibt es Diskussionsbedarf.

    Wer will so etwas lesen? Die ehedem angestammte Leserschaft des Tagesspiegels, das liberale West-Berliner Bürgertum, sicherlich eher nicht. Aber das scheint der Redaktion des Tagesspiegels inzwischen egal zu sein. Vielleicht hat man sich hier am Beispiel des SPIEGELS orientiert und neue Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen, die Abonnentenzahlungen weniger wichtig erscheinen lassen.




    Ein durchaus schön angelegter Stadtplatz mitten in der Siedlung:



    Bank aus Betonwerkstein:




    Das Straßenbild ist vielerorts durchaus abwechslungsreich und differenziert:



    Brücke über den Hirtengraben:



    Stürzt das Foto oder ist der Turm tatsächlich schief ?

    Leider bin ich kein Meister im Kamera-Geradehalten, auch die Bildverzerrung mag ihren Teil zur Schiefheit beitragen - aber der Turm und alle übrigen Bauten dort standen "in Wirklichkeit" kerzengerade...


    Weitere Eindrücke:





    Eine Schule:




    Diese "verspielten", eher funktionslosen Bauteile, Bögen und Vorblendungen sind typische Gestaltungen der Postmoderne:





    Das solide Fassadenmaterial der Sockelzone und die leicht zurückgesetzte Dachzone wirken sich gleich positiv auf den Gesamteindruck aus:


    Der Hirtengraben mit Bankreihe:



    Schmierereien konzentrieren sich hier auf die Werksteingeländer der Brücken:



    Die aufgemalten Rustizierungen und Gesimse sollen zur Differenzierung der Fassaden beitragen:




    In einigen Fällen wurden diese auch plastisch ausgeführt:





    Die Siedlung Kirchsteigfeld ist an das Potsdamer Straßenbahnnetz angeschlossen.

    Das Bemühen um eine abwechslungsreiche Gestaltung innerhalb des weitgehend einheitlichen Maßstabs ist erkennbar:




    Krier und Kohl waren für die Gesamtplanung und wohl einzelne Gebäude verantwortlich, vor einigen Häusern standen auch kleine Schilder mit den entwerfenden Architekten, unter anderem Burelli + Gennaro (Venedig/Udine), Krüger Schuberth Vandreike (Berlin), Nielebock & Partner (Berlin).

    Ich war an einem Wochentag vormittags dort. Bis auf eine Handvoll Mütter mit Kinderwagen war kaum jemand auf den Straßen zu sehen, auch nicht auf dem zentralen Platz mit der Kirche. Auf den durchaus zahlreichen Bänken auf den Plätzen und entlang des Hirtengrabens saß niemand, was aber natürlich auch damit zusammenhängen mag, dass dem durchschnittlichen Brandenburger das Sitzen auf öffentlichen Bänken, gar verbunden mit dem Betreiben von Konversation, schlicht wesensfremd ist. Generell war die Sauberkeit in der Siedlung gut, die Wohnqualität anscheinend hoch. Ich fand es schön dort.

    Zur Architektur wäre zu sagen, dass es sich vorwiegend um blockartig gruppierte Einzelhäuser mit Vorgärten handelt, "Gassen" oder eine wirkliche Blockrandbebauung gibt es nicht im Kirchsteigfeld. Die 1990er Jahre waren die erste Hochphase der Putz-auf-Polystyrol-Fassaden, die in der Siedlung Kirchsteigfeld das Bild bestimmen. Dies ist meines Erachtens zugleich auch der größte ästhetische Schwachpunkt der Siedlung, denn diese Fassaden-Bauart lässt wegen ihrer unzureichenden Festigkeit nur eine relativ grobe Ausdifferenzierung der gestalterischen Elemente zu. Das dadurch bedingte weitgehende Fehlen von Gesimsen und Fensterverdachungen lässt viele Fassaden etwas plump wirken. Ein weiteres gravierendes Problem stellt die nach nunmehr 25 Jahren offensichtliche schlechte Alterung von WDVS-Fassaden und Beton-Kunststein dar.


    Die 1997 fertiggestellte Versöhnungskirche am Hauptplatz von Augusto Burelli:






    Weitere Bauten am Platz:







    Lässt sich die Europäische Stadt in einem Stück reproduzieren, quasi aus der Retorte? Rob Krier und Christoph Kohl haben es Mitte der 1990er Jahre in Potsdam Drewitz, im Kirchsteigfeld versucht. Hier möchte ich Euch die Eindrücke von einem kleinen Rundgang durch die im Stil der Postmoderne 1993-97 quasi auf der grünen Wiese erbaute Wohnsiedlung zeigen.

    Überblick bei Google Maps


    Etwas unscheinbar am Rand der Siedlung steht diese Skulptur:





    Mit einer Übersicht - die eigentliche Wohnsiedlung befindet sich auf der rechten Seite:



    ... und der Unterschrift von Rob Krier:


    In der nördlichen Speicherstadt nähern sich die Wohnblöcke und der NIU-Hotelbau der Fertigstellung:



    Die Wohngebäude finde ich ganz passabel in ihrer Fernansicht. Positiv wirken sich hier die flachen Schrägdächer aus, auch die horizontale Gliederung und die angenehme Farbgebung:




    Diese "Installation" fand ich auf dem Steubenplatz, anscheinend von Abrissgegnern der Fachhochschule dort platziert.





    Was könnte man antworten, welche Lehren können aus dem Abriss gezogen werden?

    Man sollte stets darauf achten, dass ein neu zu errichtendes Gebäude in einem historischen Stadtzentrum den Grundriss und die Wegebeziehungen der gewachsenen Stadt respektiert und aufnimmt. Dies hatten die Architekten der Fachhochschule hochmütig ignoriert, und das war der wichtigste Grund dafür, dass das Gebäude wieder abgebrochen werden musste.

    Die größte Wahrscheinlichkeit, auch in späteren Zeiten wertgeschätzt und erhalten zu werden, haben Häuser, die sich in ihrer Materialwahl und Gestaltung an der vorgefundenen Baukultur orientieren.

    Die Betrachtung zeitgenössischer Architektur führt einen immer wieder zu der ernüchternden Erkenntnis, dass ein ungeschickt angebrachtes Treppenhaus eine ganze Fassade versauen kann.


    Es fängt eigentlich ganz respektabel an:



    Nagelneu:



    Dann der ernüchternde Moment:



    Muss man dazu noch viele Erklärungen abgeben? Ja, es ist praktisch, ein Treppenhaus so schön belichtet genau da hinzusetzen, wo die Wohnungsgrundrisse dies nahelegen.


    Gut gedämmt:


    Im zu West-Berlin gehörenden Bereich Lützow-/Pohlstraße wurden schon in den 1980er Jahren im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 Stadtreparatur-Bauten im postmodernen Stil errichtet.


    Hier immerhin mit klassischer Dreiteilung der Fassade und geteilten Fenstern, damals nach den "Exzessen" der 1970er Jahre ein von vielen als wohltuend empfundener Rückgriff auf Motive der klassischen Architektur. Nur die Farbe Grau wirkt nicht gerade erheiternd:



    Es wurden auch "antike" gusseiserne Säulen in den Bau integriert, womöglich handelt es sich um frühere Eisenbahnbrücken-Träger:




    Die schwungvollen Bauten von Hinrich und Inken Baller haben einen hohen Wiedererkennungswert (Pohl- Ecke Potsdamer Straße, 1982-85):




    Ein weiteres im Kontext der IBA 1987 errichtetes Eckhaus, ganz gelungen wie ich finde:


    Leider ist der Schaden, der durch schlechte, rücksichtslose Architektur am Stadtbild angerichtet wird, erheblich und meist kaum wiedergutzumachen. Zum Glück gibt es aber auch gute Neubauten, die sich sensibel in den baulichen Kontext einfügen, im besten Fall das Quartier baulich bereichern. Folgend nun ein meines Erachtens positives Beispiel zeitgenössischer Architektur, die "3 Höfe" in der Lützowstraße von Sergei Tchoban - ein Architekt, der stets auch die stadtbildliche und baukünstlerische Gesamtwirkung seiner Bauten im Blick behält.

    In der Lützowstraße, die im Weltkrieg stark zerstört wurde, finden sich noch einzelne respektable Gründerzeitbauten, so dieser Gewerbebau in unmittelbarer Nähe der "3 Höfe":



    Die Straßenansicht der "3 Höfe", die sich derzeit der endgültigen Fertigstellung nähern:




    Interessant die Durchfahrt - hoffen wir, dass dort stets nur ausreichend kleine Fahrzeuge durchfahren wollen:




    2. Durchfahrt:



    In den straßenabgewandten Bereichen des Komplexes befinden sich auch Wohnungen:



    Teilweise Vollziegel, teilweise Riemchen:


    Interessanterweise hat das bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts universell gültige Prinzip, dass sich auch die höchsten Anforderungen an Funktionalität und Komfort letztlich der äußeren Schönheit unterzuordnen haben, beim Autobau bis heute überlebt, nicht jedoch in der Architektur. Bei den Automarken des gehobenen Segments bestimmt die stimmige Eleganz der äußeren Form letztlich die Kaufentscheidung. Neubauten dagegen dürfen nach außen hin hässlich sein, den betrachtenden Passanten seelischen Schmerz zufügen, Hauptsache sie bieten den gewünschten Wohnkomfort und verfügen über eine gute Lage:




    Berlin-Mitte, Flottwellstraße