Posts by Snork

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021

    "Rekonstruktion" ist ein Begriff, den ich nicht mehr so gerne verwende, scheint er doch eine weitgehend vollständige Wiederherstellung eines früheren Bauwerks zu meinen, außen wie innen. Hier wird man sich schnell mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, dass solche Bauten heute überhaupt nicht mehr nutzbar wären, nicht genehmigungsfähig, usw. Der Begriff "Rekonstruktion" bringt einen relativ schnell in eine Abseitsposition, aus der heraus dann womöglich nicht mehr viel zu erreichen ist, außer vielleicht in sehr speziellen Fällen wie der Bauakademie oder der Goldenen Waage.


    In gleichgesinnten Foren und intern den Begriff Rekonstruktion zu verwenden, geht doch völlig in Ordnung. Mache ich auch. Eine andere Frage ist, ob dieser spezielle Begriff in Situationen hilfreich ist, wo es darum geht, eine vermutlich kritisch gesinnte Öffentlichkeit, Medien und Entscheidungsträger zu adressieren. Da kann es ratsam sein, eine Sprache zu verwenden, die möglichst nicht dazu führt, schon beim ersten Lesen oder Zuhören in eine Negativ-Schublade gesteckt zu werden. Denn dann hat man gegebenenfalls einen kräftigen Begriff verwendet, wird aber schlussendlich viel weniger erreichen als mit einem geeigneteren Vokabular. Zum Beispiel könnte es zielführender sein, von einer "Wiederherstellung" zu sprechen als von einer Rekonstruktion. Für uns mag diese Feinheit irrelevant sein, denn wir wissen ja, dass ein und dasselbe gemeint ist. Für viele Menschen ist eine "Wiederherstellung" aber positiv assoziiert und eine "Rekonstruktion" leider heutzutage negativ, letztlich als Folge des dazugehörigen medialen Framings.

    Wir sehen ja immer wieder: Sprache ist wichtig. Die Konnotation von Begriffen, das Framing ist nicht selten sogar entscheidend dafür, ob sich Dinge durchsetzen lassen. Statt darauf zu beharren, sich mit einer einem selbst einleuchtend erscheinenden Sprachrüstung in Kämpfe zu verstricken und womöglich nicht viel zu erreichen, ist es vielleicht zielführender, Begriffswelten der Gegenseite für die eigenen Idealsetzungen zu verwenden: "Nachhaltigkeit", "Unzeitgemäßheit", um nur zwei Beispiele zu nennen.

    Für mich heißt das nicht, sich vorauseilend dem Gegner zu unterwerfen. Eher geht es um die schwierige Aufgabe, erfolgreich im Feindesland zu operieren, um hier in der Metapher zu bleiben.

    In Berlin sind es die städtischen Wohnungsgesellschaften, die die Altbauten noch am besten in Schuss halten. Bei den privaten Kleinbesitzern ist es erkennbar sehr unterschiedlich, da spielt anscheinend die individuelle Einstellung und Zielsetzung des Eigentümers die Hauptrolle bezüglich der Erhaltung. Ich sehe es inzwischen auch so, dass es schlichtweg Denkmalschutz oder sonstige Erhaltungsvorschriften für alle Altbauten geben müsste, sonst ist die Abrissgefahr zu groß. Wir haben dieses Thema derzeit auch im Berliner Stadtbild-Ortsverband, da sich auch in Berlin durch den hohen Druck auf dem Immobilienmarkt die Fälle häufen, bei denen Privateigentümer ihre nicht geschützten Immobilien nach langem gewollten Verfall abreissen lassen, natürlich zulasten des Stadtbilds. Es muss über die Politik laufen, sonst sehe ich schwarz.

    Zu den sehr schönen, kontinuierlich gepflegten lokalen Bautraditionen in Deutschland gehört das Uthlandfriesische Haus, besser bekannt als Friesenhaus. Gemeint sind die oft reetgedeckten Häuser, die man an den Küsten Nordfrieslands und auf den Halligen und Inseln findet. Stellten diese früher den aus den lokalen Gegebenheiten gewachsenen, "natürlichen" Baustil dieser windigen und baumarmen Küstenregionen dar, so wird dieser regionale Baustil seit der Gründerzeit auch aus nostalgischen Gründen und heimatlicher Verbundenheit gepflegt. An vielen Orten in Norddeutschland gibt es gemeindliche Bauvorschriften, die sich an lokalen Traditionen orientieren, und meines Wissens wird der Baustil des Friesenhauses in touristischen Gegenden an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküsten sogar gezielt empfohlen oder verlangt.

    Es erstaunt wenig, dass der Friesenhausstil in den Nachkriegsjahrzehnten seine schlechtesten Zeiten hatte - also den geringsten, wenn auch oft noch erkennbaren Bezug zu der originalen Bauweise. Seit den 1990er Jahren kann man jedoch beobachten, dass insbesondere in den Urlaubsgebieten der nordfriesischen Küste immer "perfektere" Friesenhäuser entstehen. Reetdach, schöne Ziegelsteine, Backsteinornament, gesprosste Holzfenster, Feldsteingärten mit den ortstypischen Wildrosen - oft werden keine Kosten und Mühen gescheut, um quasi ideale Friesenhäuser mit den passenden Gärten zu erschaffen. Viele dieser Häuser vermieten sich gut als Ferienwohnungen und sind beliebte Investitionen. Das lokale Bauhandwerk kann hiervon langfristig profitieren.

    Nachfolgend einige Urlaubsimpressionen aus den letzten zehn Jahren, als kleiner Eindruck.


    Von der Insel Amrum:

    Baujahr 1995:


    Friesenhaus Amrum, Norddorf


    Friesenhaus Amrum, Norddorf


    Wunderbar duftende Wildrosen:


    Friesenhaus in Amrum, Nebel


    Baujahr 2012:


    Friesenhaus in Amrum, Nebel


    Sankt Peter Ording, Halbinsel Eiderstedt:, Baujahr ca. 2019:


    Uthlandfriesisches Haus St Peter Ording


    Hier stimmt jedes Detail:


    Uthlandfriesisches Haus St Peter Ording


    Uthlandfriesisches Haus St Peter Ording


    :harfe:

    Kurprinz : das mag ja alles richtig sein. Dennoch ist doch für jeden Laien offensichtlich, dass es erhebliche regionale Unterschiede in der Behandlung ein und derselben Sandsteinsorte gibt. Allein entlang der Elbe findet man die unterschiedlichsten Vorgehensweisen. Während beispielsweise die Hamburger stolz auf die nahezu perfekt entschwärzte Sandsteinfassade ihres Rathauses sind und Berlin in dieser Hinsicht eine Mittelstellung einnimmt, legt man in Sachsen größten Wert darauf, alles weitgehend so zu lassen, wie es ist. Die Erklärung scheint eben darin zu liegen, dass die Wertigkeit einer "schönen", hellen, gleichmäßigen Erscheinung der Sandsteinfassade ebenso regional unterschiedlich eingeschätzt wird wie die Erhaltung der originalen, konservierenden Oberfläche.

    Es ist nicht zu übersehen, dass es zu diesem Thema unterschiedliche Traditionen, Einstellungen, Prioritäten und Vorgehensweisen gibt. Hier täte es den Vertretern bestimmter denkmalpflegerischer Dogmen sicherlich gut, auch mal etwas über den Tellerrand zu blicken.

    Deutsche Denkmalschützer werden ja auch nicht müde zu betonen, dass ihnen das Kriterium "Schönheit" irrelevant, suspekt, ja geradezu widerlich ist. Mich erinnert dies manchmal an die ebenfalls typisch deutsche Zwölftonmusik - theoretisch ist sie die Gerechtigkeit und Ordnung der Töne schlechthin und die Krone der musikalischen Schöpfung, aber in der Praxis hört sich das kaum jemand freiwillig an.

    Sorry für diesen Exkurs.

    Wir hatten diese Diskussion um den Umgang mit verschwärzten Sandsteinfassaden ja schon mehrmals hier im Forum, mit den immergleichen Argumenten. In anderen Ländern ist es völlig selbstverständlich, eine von Verschwärzungen gereinigte Natursteinfassade als Idealzustand anzusehen. Dass dort infolge der schichtweisen Abtragung von Originalsubstanz größere Probleme aufgetreten sind, habe ich noch nicht gehört. Ich halte dieses Argument für rationalisierten, typisch deutschen Substanzpurismus, wie er eben derzeit in der Denkmalpflege angesagt ist.

    In Berlin werden verschwärzte Sandsteinfassaden zumeist gründlich gereinigt. In Dresden hingegen überhaupt nicht.

    Mir gefällt die gereinigte Version besser, Details der Ornamentik sind wesentlich besser erkennbar, der Eindruck ist heiterer. In Dresden wirken die verschwärzten, scheckigen Fassaden auf mich hässlich und grob. Aber sei's drum.

    Halbwegs normal empfindende Menschen müssen es erst einmal begreifen: sie wollen es einfach nicht - das schöne, harmonische, zusammenpassende, ja "geheilte" Stadtbild. Das macht ratlos, so wie einen Arzt der Patient ratlos macht, der überhaupt nicht gesund werden will, weil er es eben besser findet, krank zu sein.

    Und: sie sind die Gestaltungskommission und sitzen an den Schalthebeln der Macht.

    Vielleicht würden geeignet konzipierte Meinungsumfragen in solchen Situationen hilfreich sein, denn man gelangt in einen Bereich, wo man mit Argumenten kaum mehr weiterkommt. So könnte man immerhin nachweisen, dass die Gestaltungskommission eine (gleichwohl schlagkräftige) Minderheit vertritt - im Bereich der Stadtgestaltung, der nun einmal jeden Menschen betrifft.

    Wahnsinn, was ist denn das für eine Stadtgestaltungskommission? Selbst in Berlin lässt mal traditionalistische Architekten in Gegenden, die von gründerzeitlichen Gebäuden geprägt sind, gewähren und greift sie nicht noch an. Die Äußerungen der tonangebenden Kommissionsmitglieder sind nicht nur für sich genommen ein Hohn, sondern auch unkollegial gegenüber dem Architekten des Entwurfs. Den Stil eines Kollegen lässt man eben gelten, wenn er in sich stimmig ist. Es verlangt ja auch kein Traditionalist von einem Moderne-Architekten, seinem Entwurf Gesimse und Erker anzufügen.

    Welche "Auftragsvergaben an die Grundstückseigentümer" sind denn gemeint. Ds gehört doch alles dem Land. Der Wohnungsbau soll doch ausschließlich von landeseigenen WBGen realisiert werden und wie die sowas machen ist ja am Köllnischen Fischmarkt zu besichtigen.

    Entschuldigung, aber müssen nicht auch die städtischen Wohnbaugesellschaften Architekten beauftragen? Dass hierbei auch Vorgaben gemacht werden können, sieht man doch derzeit in Potsdam bei den Quartieren am Alten Markt. Diese werden auch von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften bebaut, die durchaus manierliche Entwürfe abgeliefert haben.


    Schon klar, dass die Ausgangslage in Berlin nicht so rosig ist, was die Ergebnisse betrifft, die ohne jedwede Vorgaben zu erwarten wären. Aber soll man die Konsequenz daraus ziehen, sich deswegen gleich in die Schmollecke zurückzuziehen und nur noch im Internet rumzumosern?

    Oberbaumbrücke: Nein, der Drops ist vermutlich eben nicht gelutscht, sondern jetzt wird es langsam wirklich interessant am Molkenmarkt und im Klosterviertel: die Auftragsvergaben an die Grundstückseigentümer stehen an, und hierbei wird sich doch entscheiden, wie das Quartier schlussendlich aussieht. Die Vorgaben des Bebauungsplans von 2016 schliessen doch zumindest eine ansprechende Architektur nicht aus. Der Berliner Ortsverband hat sich für dies Jahr vorgenommen, mit Vorschlägen zu einer Gestaltungssatzung für das Quartier an die Öffentlichkeit zu gehen. In Resignation und Weltschmerz verfallen können wir im Zweifelsfall später immer noch.

    Wie ich uns Deutsche kenne sind wir ja gerne Weltmeister, und ganz besonders im Büßen. Das bedeutet im konkreten Fall, dass wir sicher als erste (Weltmeister!) und viel umfassender als alle anderen europäischen Kolonialisten die Exponate restituieren werden.

    Frankreich und die Niederlande sind da in der Tat schon um einiges weiter als wir (beispielhafte Quelle).

    Auch typisch deutsch wäre es andererseits, Dinge, die man einmal als richtig erkannt zu haben glaubt, bis in die letzte Konsequenz in der Praxis durchzuziehen. Das gilt ja für die Linke ebenso für für andere politische Strömungen und wird derzeit mit dem grassierenden Moralismus eher noch ausgeprägter. Das Problem bei den Restitutionen ist doch auch die Frage, wo - wenn man einmal damit anfängt - denn die natürliche "juristische" Grenze für Rückgaben liegen soll. Viele zu kolonialen Zeiten nach Deutschland gekommene Artefakte wurden durchaus "erworben", nur waren es eben Kaufverträge zwischen ungleichen und abhängigen Partnern, und damit nach unserem heutigen Verständnis sozusagen sittenwidrig. Aber müssten wir auf der Basis dieser Einschätzung nicht auch so gut wie alle Kunstwerke aus unseren Museen an Ägypten zurückgeben, die vorderasiatischen Museen leeren, auch viele Antiken nach Italien zurückbringen, da sie beispielsweise aus geplünderten Gräbern stammen?

    Nur wäre es auch kein erstrebenswertes Endziel, dass man in jedem Land quasi nur noch Kunst zu sehen bekommt, die innerhalb der eigenen Landesgrenzen hergestellt wurde. Gerade die Ausstellung internationaler Kunstwerke möglichst vieler Kulturen und Epochen in den Museen ist es doch, was den Horizont erweitert und den inspirierenden Vergleich ermöglicht. Ein Dilemma...

    Wir hatten das Thema im November ja schon mal behandelt.

    In den Bürgerleitlinien wird klargestellt, dass die Teilnehmer im Beteiligungsverfahren gegen eine Wiederbebauung des Viertels auf historischem Grundriss ausgesprochen haben - wenngleich in den Leitlinien keine quantitativen Angaben gemacht wurden. Aus anderen Anwohnerbefragungen in Berlin ist allerdings hinlänglich bekannt, dass der Anteil der Anwohner, der für eine stärkere Bebauung seiner Nachbarschaft eintritt, in der Regel ziemlich genau 0% beträgt - zu groß sind die lokalen Nachteile einer neuen Wohnbebauung im Hinblick auf Parkplätze, Freiflächen, Passantenzahlen usw.

    Ich finde allerdings auch, dass an diesem besonderen Ort keine Neubebauung auf historischem Grundriss angestrebt werden sollte, denn es ist einfach unrealistisch zu erwarten, dass daraus architektonisch ansprechende Ergebnisse resultieren. Im Ergebnis würden somit die Nachteile überwiegen: Verdichtung eines ohnehin schon dicht bewohnten und versiegelten Gebietes mit wenig Grünflächen in der näheren Umgebung, Privatisierung und Unzugänglichmachung öffentlichen Raumes, Ziel- und Parkverkehr, Verbau von Sichtbeziehungen, und und und.


    Ich finde es nachvollziehbar, dass die dreieckigen Vorplatz-Beetanlagen auf dem Platz vor dem Fernsehturm denkmalgeschützt sind. Es handelt sich doch, wenn man die oft ja löblichen Intentionen des Denkmalschutzes ernstnimmt, um den mitgestalteten Vorplatz eines architektonisch bedeutenden, für eine bestimmte Zeitepoche prägenden Baus, den Fernsehturm - so wie ein Garten eben auch zu einem Schloss gehört und mit diesem ein Ensemble bildet. Das heißt allerdings nicht, dass man die Beete und den Bodenbelag im Denkmalareal nicht qualitativ verbessern könnte und sollte.

    Auch der Neptunbrunnen wurde in diesen Denkmalbereich eingeschlossen. Hier sehe ich mehrere mögliche Lösungen:

    Wäre der starke Wunsch vorhanden, den Brunnen, so wie er ist, zurück an den Schlossplatz zu translozieren, so wäre es vielleicht möglich, mit den Denkmalbehörden einen Kompromiss zu finden. Beispielsweise durch die Neuausschreibung eines Wettbewerbs für einen passenden Brunnen mit vergleichbaren Qualitätsmerkmalen.

    Eine andere Option wäre, den Neptunbrunnen dort vor der Marienkirche zu belassen und auf dem Schlossplatz eine Kopie aufzustellen - so wie es das Portal V am Stadtschloss ja auch DDR-bedingt nun zweimal gibt. Die Granitschale des Neptunbrunnens am Fernsehturm ist m.W. sowieso eine vergrößerte Nachbildung des zerstörten Originals (habe die Quelle gerade nicht parat) und schon etwas ramponiert, so dass es doch ein akzeptabler Kompromiss sein könnte, die Schale für den Schlossplatz in den originalen Maßen neu anzufertigen, und auch die Figurengruppe hierfür zu kopieren. Dazu könnten die bereits zur Verfügung angebotenen Finanzmittel des Bundes verwendet werden - oder es gäbe eben eine Spendensammlung, was meines Erachtens auch keine allzu große Hürde darstellen würde.


    Sieht man sich die Denkmalkarte etwas genauer an, so verbleiben doch viele Bereiche in dem betreffenden Areal weiterhin nicht geschützt und könnten durchgreifend neugestaltet werden: die Fläche vor dem Roten Rathaus, der größte Teil des Marx-Engels-Forums, die überbreiten Straßen, die übrigen Grün- und Beetflächen. So darf man gespannt sein, welche Ergebnisse der Wettbewerb bringt. Dass es bis zur schlussendlichen Realisierung mehr als 10 Jahre dauern wird, ist in Berlin ja bekanntermaßen nicht unüblich, zumal einige Fragen, wie die des Neptunbrunnens, eben noch ungelöst sind.

    Hm, da hätte man besser daran getan, gleich auch die originale Dachlandschaft einschließlich Eckturm wiederherzustellen. So sieht es aus wie ein Frankfurter Altbau in Innenstadtlage, der nach dem Krieg mit einem vereinfachten Dach wiederhergestellt wurde.

    Oslo ist leider ein gutes Beispiel für eine Stadt, die auch ohne Kriegsschäden ziemlich versaut wurde. Insbesondere der Bereich zwischen Rathaus und Schloss ist zugig und trist.

    Müggelheimer Straße 13:


    Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick vom 12.11.20:


    "Dem Bezirksamt wird empfohlen, sich beim Landesamt (für Denkmalschutz) dafür einzusetzen, dass eine erneute Prüfung erfolgt, damit das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus Müggelheimer Straße 13 als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt beziehungsweise in die Denkmalliste aufgenommen werden kann."


    Inzwischen liegt eine Stellungnahme des Landeskonservators nach Ortsbegehung und Auswertung der Bauakte vor: eine Denkmalfähigkeit des Objekts wird nicht gesehen.


    Damit gibt es für den Bezirk keine Rechtsgrundlage, den Erhalt des Gebäudes durchzusetzen - auch wenn die Bezirksverordnetenversammlung praktisch geschlossen ihren diesbezüglichen Willen bekundet hat.


    Nun bleibt abzuwarten, wann es tatsächlich zum von der Eigentümerin bereits in Aussicht gestellten Abriss kommt.

    Sollte es dazu kommen, werden wir erneut öffentlich protestieren.

    Der Ortsverband wird an der Sache dranbleiben und weiterhin versuchen, auf das Thema aufmerksam zu machen.

    Zugleich sind wir bemüht, dem Problem der sich häufenden Renditeabrisse mehr Beachtung zu verschaffen und weitere Medienvertreter, Politiker und Ansprechpartner in der Verwaltung zu kontaktieren. Leider sind aktuell auch weitere gründerzeitliche Stadthäuser bedroht, wie erst kürzlich hier in einem Nachbarforum berichtet. Die Entwicklungen in London und Wien sollten uns eine Mahnung sein.


    Das bedrohte 1897 erbaute Haus Müggelheimer Straße 13/Ecke Wendenschloßstraße in Berlin-Köpenick:


    Das folgende Beispiel ist nur etwas für Forumsbesucher mit starken Nerven. Ist mir ein Rätsel, wie so etwas im Denkmalbereich genehmigt werden konnte - vermutlich erst vor wenigen Jahren. Wenn so etwas Schule macht, dann gute Nacht.

    Dämmung raufgeknallt, fertig:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Hoffentlich kommt das eines Tages wieder runter, und ab in den Sondermüll:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Wohl ein einstmals mit Pilastern ausgestatteter, vereinfacht wiederhergestellter Gründerzeitler:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Ein weiterer abgestuckter Gründerzeitler. Etwas schräge Idee, die Holzrahmen der Fenster knallrot anzumalen. Wenn es hierfür keine wirksame Gestaltungsvorgabe gibt, bringt die freie Farbwahl eben auch solche Resultate:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Lobenswert - bis auf das Dachgeschoss:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    So, das war's erstmal.

    Fazit: in diesem wichtigen Bereich der Berliner Innenstadt ist viel erreicht worden bei der denkmalgerechte Sanierung der zu Wendezeiten überwiegend entstuckten und heruntergekommenen Altbauten. Die Wiederannäherung an das bauzeitliche Fassadenbild bleibt allerdings zumeist unterhalb der in Potsdam oder Leipzig zu sehenden Perfektion. Dennoch zeigen viele Sanierungsergebnisse, dass mit vergleichsweise einfachen Mitteln deutliche Verbesserungen erreicht werden können.

    Auch sehr schön. Diese schlichten Fensterverdachungen passen am besten. Nur die Ecke hat man irgendwie vergessen:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Beim folgenden Bau sieht man sehr gut, wie negativ sich eine fehlende Fassadengliederung auf das Fassadenbild auswirkt:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Recht schön:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Angepasste Plattenbauten aus den 1980er Jahren. Ganz ordentlich gemacht:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Der nachfolgend mittige Eckbau ist schon auf den ersten Blick passender, schöner als der links im Hintergrund sichtbare Eckbau an der Torstraße. Bei letzterem wirkt die fehlende EG-Rustizierung und die fehlenden Gesimse schon von weitem nachteilig. Dabei kann man mit vergleichsweise geringem Aufwand eine entstuckte Fassade ganz erheblich verbessern:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    So wie hier:


    Spandauer Vorstadt 11-2020


    Oder hier:


    Spandauer Vorstadt 11-2020