Posts by Snork

    Seitdem die Denkmalpflege ihr Herz für die 1960er und 70er Jahre entdeckt hat, beschleicht mich regelmäßig ein flaues Gefühl, wenn ich von neuen Unterschutzstellungen lese. Das war bis vor wenigen Jahren noch anders. Allzu oft werden nun mittels Denkmalrecht städtebauliche Brutalitäten auf alle Zeiten quasi in Kunstharz gegossen, während der Großteil der wesentlich älteren Gründerzeitbauten weiterhin nach Belieben verhunzt und abgebrochen werden darf, insbesondere in Berlin.

    Bei dem Film fällt auf, dass es vor allem die Bewohner und Nutzer der Betonkästen und die Denkmalschützer sind, die von diesen Bauwerken schwärmen. Alle anderen finden es nur grauenhaft.

    Eine Brache war es zuvor meines Wissens nicht, sondern dort befanden sich, nur wenige 100 m südlich des Kurfürstendamms, Kleingärten.

    So einen zurückgezogenen Eingangshof nennt man auch Ehrenhof.

    Haus Straße zum Löwen 1 in Berlin Wannsee


    StreetView (verpixelt) mit Umgebung


    In Berlin Wannsee wurde vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf die Abrissgenehmigung für ein 1871 erbautes Sommerhaus der Villenkolonie Alsen, Straße zum Löwen 1, erteilt. Der Tagesspiegel berichtete darüber am 12.5.21 in einem ausführlichen Artikel von Boris Buchholz, der leider derzeit nicht online verfügbar ist.

    Die Denkmalwürdigkeit des im Krieg unzerstört gebliebenen Hauses sei vom Landesdenkmalamt geprüft und wegen erfolgter Umbauten als nicht gegeben angesehen worden. Da es für diesen Bereich, so wie für den Großteil der ausgedehnten historischen Villengebiete im Berliner Südwesten, keinen Denkmalschutz und keine Erhaltungssatzung gibt, hatte der Bezirk keine rechtliche Möglichkeit, den Abrissantrag abzulehnen. Protestiert haben zahlreiche Initiativen und Vereine, so die Pückler-Stiftung, der Heimatverein Zehlendorf, der Verein für Geschichte und Kultur Wannsee, der BUND Südwest. Der Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland hat sich nun auch mit einem Schreiben an die Bezirksverordneten, die zuständigen Bezirksverwaltungen und die Abgeordneten des Berliner Parlaments gewendet, da wir der Meinung sind, dass es im gesamten Stadtgebiet städtebauliche Erhaltungsverordnungen nach § 172 Abs 1 S.1 Nr.1 Baugesetzbuch oder andere geeignete, in der Kompetenz von Politik und Verwaltung liegende Rahmenbedingungen geben müsste, um auch in Zukunft die weiterhin schleichend stattfindenden Abrisse historischer Gebäude in Berlin wirksamer zu verhindern:


    "An die

    Damen und Herren Abgeordneten im Abgeordnetenhaus von Berlin, Niederkirchnerstraße 5,10117 Berlin

    Die Bezirksverordneten von Steglitz-Zehlendorf


    Alte Häuser sind in Berlin nicht ausreichend vor Abrissen geschützt – es liegt in Ihrer Hand, mit Hilfe von Erhaltungssatzungen daran etwas zu ändern.


    Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Berliner Parlaments, sehr geehrte Bezirksverordnete,


    über Abrisse von Gebäuden des 19. Jahrhunderts wird in Berlin meist nur, wenn überhaupt, in bezirklichen Lokalseiten von Zeitungen berichtet – aktuell im Tagesspiegel vom 12.5.21 über die „Conrad-Villa Nr. 3“, 1871 als eines der ersten Sommerhäuser der Villenkolonie Alsen in Wannsee erbaut. Für dieses Haus wurde vom bezirklichen Bauamt eine Abrissgenehmigung erteilt, Proteste mehrerer Vereine und Initiativen blieben bislang erfolglos. Eine Unterschutzstellung des 150 Jahre alten Hauses wurde durch das Landesdenkmalamt abgelehnt - mit der Begründung, das Gebäude sei wegen durchgeführter Umbauten nicht mehr schutzwürdig.


    Dieser Fall ist beispielhaft auch für andere Abrisse im Berliner Stadtgebiet. Viele baukulturell, in ihrer Ensemblewirkung oder bereits auf Grund ihres Alters wertvolle Gebäude sind in den letzten Jahrzehnten durch Neubauten ersetzt worden - und das Abrissgeschehen setzt sich auf Grund letztlich unveränderter Gesetze und des anhaltenden Verwertungsdrucks auf dem Immobilienmarkt schleichend, aber kontinuierlich fort. Manche Abrisse hat man später bereut, viele fast schon vergessen. So haben sich manche stadtgeschichtlich bedeutenden Quartiere Berlins, die Krieg und Verfall mit Glück überstanden haben, bereits irreversibel verändert und zeigen sich heute in weiten Bereichen inhomogen und überformt, die ursprüngliche Ensemblewirkung ist kaum mehr erlebbar.


    Doch aus den Verlusten wurden keine ausreichenden Lehren und Konsequenzen gezogen. In Berlin gibt es Denkmalschutz weiterhin nur für wenige, kulturell bedeutende Bauwerke. Das Erkennen früherer Fehler sollte normalerweise Anlass dazu geben, diese fortan zu vermeiden, ja eine Wiedergutmachung zu erwägen – nicht jedoch, diese weiterhin zu ignorieren oder gar fortzusetzen. Es wäre ein Zeichen von Respekt für die baukünstlerischen Leistungen der Menschen früherer Zeiten, nachträgliche Umbauten an jahrhundertealten Gebäuden nicht als Begründung zu nehmen, diese ganz zu beseitigen - sondern einen Erhalt dieser Häuser als Selbstverständlichkeit anzusehen, vielleicht gar Unterstützung dafür zu bieten, das Erscheinungsbild des Hauses in Anlehnung an seine ursprüngliche baukünstlerische Intention wiederherzustellen. Es liegt in unseren Möglichkeiten und ist Teil unserer Verantwortung gegenüber früheren, aber auch in Zukunft hier lebenden Menschen, das Abrissgeschehen zu beenden und zu retten, was noch zu retten ist. Zu viel ist schon verloren gegangen.


    Hierfür müssen jedoch auch von Seiten der Gesetzgebung die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Unserer Meinung nach ist es der falsche Weg, wenn der Abriss eines Hauses grundsätzlich zulässig ist, sofern nicht im Einzelfall Denkmalschutz, quartiergebundene Erhaltungssatzungen oder das Zweckentfremdungsverbot dem entgegenstehen – und die Bezirksämter mit den Abrissgenehmigungen quasi allein gelassen werden. Für eine an Nachhaltigkeit orientierte, der Baukultur aller Zeiten Respekt entgegenbringende Stadtgesellschaft wäre der umgekehrte Weg besser: Abrissen stadtweit einen wirksamen Genehmigungsvorbehalt entgegenzustellen, beispielsweise durch die Ausdehnung von Geltungsbereichen des §172 Abs. 1 S.1 Nr. 1 Baugesetzbuch (Satzung zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebiets auf Grund seiner städtebaulichen Gestalt) im gesamten Stadtgebiet, oder durch andere gesetzliche Maßnahmen. Dies sollte verbunden werden mit einer geeigneten Bezuschussung von bauhistorisch angemessenen Sanierungen der zu erhaltenden Bausubstanz - auch wenn diese nicht als Baudenkmal anerkannt ist, so wie der Großteil der Berliner Altbauten.


    Wenn Bezirksverwaltungen keine Möglichkeiten haben, Abrisse baukulturell wertvoller Häuser zu verhindern, zeigt sich darin letztlich ein Mangel in der gesetzlichen Regelung, oder auch ein nicht ausreichender Geltungsbereich anwendbarer Erhaltungsverordnungen. Unser Appell lautet daher: bitte setzen Sie Ihre Gestaltungsmöglichkeiten in Gesetzgebung und Verwaltung dafür ein, die Voraussetzungen für einen dauerhaften Erhalt bisher ungeschützter historischer Gebäude und Quartiere in Berlin zu schaffen.


    Mit freundlichen Grüßen


    Unterschriften"

    Blick durch Portal V Richtung Alte Nationalgalerie:


    Schlüterhof Berlin 12.6.21


    Etwas Schönes zu bauen, ohne es gleich wieder halb zu vermasseln, fällt in Berlin besonders schwer, wie mir beim Anblick dieser Holzverschläge auf den Balkonen schien:


    Schlüterhof Berlin 12.6.21


    Schlüterhof Berlin 12.6.21


    Schlüterhof Berlin 12.6.21

    Durchgang von der Stella-Passage zum Schlüterhof:


    Schlüterhof 12.6.21


    Falls man sich fragen sollte, wo man sich hier befindet:


    Schlüterhof 12.6.21


    Mittig:


    Schlüterhof 12.6.21


    Blick nach rechts Richtung Süd bzw. Portal I:


    Schlüterhof 12.6.21


    Schlüterhof 12.6.21


    Blick nach links Richtung Nord bzw. Portal V:


    Schlüterhof 12.6.21


    Schlüterhof 12.6.21


    Das Bistro fand ich unprätentiös und eigentlich recht nett. Man saß dort sehr angenehm.

    Eintritt durch Portal IV zur Stella-Passage. Beim Betreten wird man an allen vier Portalen mit seltsamen Tonkompositionen aus Lautsprechern empfangen: "Soundinstallation Mixtur - eine Klangreise in die Vielfalt der Welt" laut einem Aufstellschild.


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Optisch etwas unruhig wirkend das seitliche Heraustreten der Schrift auf diesen Stelen:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Blick zurück auf das Alte Museum, dahinter die Kräne der Pergamonmuseum-Baustelle:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Blickrichtung Süd:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Beeindruckend:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Das Pflaster:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Blickrichtung Nord:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21


    Herrlich:


    Stellapassage Berliner Schloss 12.6.21

    Und noch ein Schwung frischer Bilder...


    Damit man sich nicht zu sehr freut, wenn man nahe genug am Schlossbau ist, um das Dachrestaurant nicht mehr zu sehen, gibt es ja jetzt das famose Aufzugshäuschen:wink::


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Die Pflasterung macht Fortschritte:


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Hier grünt es jetzt schon mehr:


    Berliner Schloss 12.6.21


    Auf den Bildern sieht man das nicht so gut, aber vor dem Schloss ist das Bodenprofil ziemlich wellig.


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21


    Berliner Schloss 12.6.21

    Habe mir heute die neuen Beete angesehen. Sie verbessern die stadträumliche Qualität doch ungemein. Bin begeistert.


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Nach oben hin leicht gewölbter Granitstein:


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    (Noch) unsanierter östlicherer Teil:


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Und zum Schluss noch ein Blick auf die schönen, bereits lange fertiggestellten Anlagen auf dem Pariser Platz:


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021


    Unter den Linden, neue Beete 6-2021

    Meines Erachtens ist besonders diese Aussage der Senatsbaudirektorin bemerkenswert (kursive Hervorhebung von mir):


    "Die „Bürgerleitlinie 2“ zur Berliner Mitte sieht vor, dass die vielschichtige Historie des Freiraums und der früher hier bestehenden Quartiere durch sichtbare, wie auch durch die Freilegung von im Erdreich verborgenen historischen Zeugnissen, stärker erlebbar gemacht werden soll. Diese Leitlinie bezieht sich auch auf die Gestaltungsphase der Nachkriegsmoderne, die den Neptunbrunnen hier integriert hat.
    Die Berücksichtigung dieser Prämisse in der Wettbewerbsauslobung für das Rathaus- und Marx-Engels-Forum muss nicht als grundsätzlich Absage an die Wiedererrichtung eines Neptunbrunnens auf dem Schlossplatz verstanden werden. Kongenial zu den hochwertig kopierten Schlossfassaden kann dort auch ein gleichartig gestalteter Brunnen als qualitätvolle Replik entstehen. Bisher fehlen jedoch die politischen Beschlüsse zur Planung eines Brunnens am Humboldtforum sowie eine auskömmliche Finanzierung."


    Somit kann man wohl die Schlussfolgerung ziehen, dass, wenn die Abgeordnetenhauswahl im Herbst keinen Machtwechsel bringen wird (und danach sieht es derzeit aus), nicht damit zu rechnen ist, dass in absehbarer Zeit mit einer Rückversetzung des Schloßbrunnens von seinem derzeitigen Aufstellungsort auf den Schloßplatz gerechnet werden kann. Der Senat ist dagegen. Auch durch den Denkmalschutz wurde die jetzige Situation ja inzwischen zementiert - und in Berlin ist es anscheinend generell schwer, gegen Festlegungen des Landesdenkmalamts anzukommen.

    In Zukunft könnte sich für den bedeutenden Teil der Bürgerschaft, der eine Wiederkehr des Neptunbrunnens auf den Schlossplatz wünscht, also womöglich nur die von der Senatsbaudirektorin genannte Möglichkeit ergeben, dort Nachgüsse der Brunnenfiguren in einer rekonstruierten Brunnenschale (das Original der Brunnenschale ist ohnehin verloren) aufzustellen. Hierfür könnte es gegebenenfalls eine Spendenkampagne geben. (Vielleicht wäre dies ein zukünftiges Projekt für den Berliner Stadtbild-Ortsverband.) Berlin hätte dann zwei Schlossbrunnen - einen auf dem Rathausforum, einen 300 m entfernt auf dem Schlossplatz.

    Nachfolgend im Direktzitat die im Internet verfügbare Drucksache 18/27 584 in der Berliner Parlamentsdokumentation


    "Schriftliche Anfrage
    des Abgeordneten Sebastian Czaja (FDP)
    vom 12. Mai 2021 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 14. Mai 2021)
    zum Thema:
    Kann der Neptunbrunnen zum Schlossbrunnen werden?
    und Antwort vom 28. Mai 2021 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 01. Juni 2021)

    1
    Senatsverwaltung für
    Stadtentwicklung und Wohnen
    Herrn Abgeordneten Sebastian Czaja (FDP)
    über
    den Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin
    über Senatskanzlei - G Sen -
    A n t w o r t
    auf die Schriftliche Anfrage Nr. 18/27584
    vom 12.05.2021
    über Kann der Neptunbrunnen zum Schlossbrunnen werden?
    Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:
    Vorbemerkung des Abgeordneten: Die vom Abgeordnetenhaus am 2. Juli 2016 angenommenen zehn
    Bürgerleitlinien wurden im Juni 2017 durch die Festlegung eines Denkmalensembles „ehemalige
    sozialistische Zentrumsfläche“ auf einem 20 Meter breiten Streifen zwischen Fernsehturm und Spree
    wesentlich verändert.


    Frage 1:
    Warum wurde diese wesentliche Entscheidung der Denkmalschutzbehörde nach Verabschiedung der
    Bürgerleitlinien durch das Abgeordnetenhaus nicht im Abgeordnetenhaus behandelt?


    Antwort zu 1:
    Die Unterschutzstellung des Neptunbrunnens als ortsgebundenes Denkmal erfolgte
    bereits vor der Beschlussfassung zu den Bürgerleitlinien. Fachliche Entscheidungen des
    Landesdankmalamtes dazu unterliegen den Regelungen des Berliner Denkmalschutz–
    gesetzes. Der Senat geht deshalb davon aus, dass diese bei der Entscheidung zur
    Festlegung des Denkmalensembles eingehalten wurden. Dem Berliner Abgeordnetenhaus
    steht es im Rahmen seiner parlamentarischen Kontrollbefugnisse selbstverständlich frei,
    inhaltliche Entscheidungen einer zuständigen Fachbehörde zur Besprechung im
    Abgeordnetenhaus aufzurufen.


    Frage 2:
    Warum wurden Meinungsäußerungen des Regierenden Bürgermeisters und Gesamtberliner Meinungs–
    umfragen, die mit überwältigender Mehrheit für eine Verlegung des Neptunbrunnens als Schlossbrunnen auf
    den Schlossplatz votierten (Berliner Woche), bei der Entscheidung zu einem Denkmalschutz nicht
    berücksichtigt?


    Antwort zu 2:
    Bei der partizipativen Erarbeitung der Bürgerleitlinien aber auch bei konkretisierenden
    Beteiligungsverfahren zur Vorbereitung der Wettbewerbsausschreibung wurde kein
    mehrheitliches Votum für eine Entfernung des Neptunbrunnens von seinem heutigen
    Standort abgegeben.
    Der Regierende Bürgermeister und die Senatskanzlei waren an der Abstimmung der
    Wettbewerbsausschreibung beteiligt und sind in der Jury vertreten. Die Vorgabe, den
    Neptunbrunnen an seinem jetzigen Standort zu belassen, wurde dabei zu keinem
    Zeitpunkt infrage gestellt.


    Frage 3:
    Bei der Ausschreibung des Wettbewerbs „Freiraumgestaltung Rathaus-und Marx-Engels-Forum im März
    diesen Jahres wurde eine Verlegung des Brunnens noch nicht einmal alternativ ausgeschrieben. Warum wird
    auf eine Alternativlösung für den Freiraum vor dem Roten Rathaus im Ausschreibungsverfahren schon am
    Anfang verzichtet?


    Antwort zu 3:
    Die „Bürgerleitlinie 2“ zur Berliner Mitte sieht vor, dass die vielschichtige Historie des
    Freiraums und der früher hier bestehenden Quartiere durch sichtbare, wie auch durch die
    Freilegung von im Erdreich verborgenen historischen Zeugnissen, stärker erlebbar
    gemacht werden soll. Diese Leitlinie bezieht sich auch auf die Gestaltungsphase der
    Nachkriegsmoderne, die den Neptunbrunnen hier integriert hat.
    Die Berücksichtigung dieser Prämisse in der Wettbewerbsauslobung für das Rathaus- und
    Marx-Engels-Forum muss nicht als grundsätzlich Absage an die Wiedererrichtung eines
    Neptunbrunnens auf dem Schlossplatz verstanden werden. Kongenial zu den hochwertig
    kopierten Schlossfassaden kann dort auch ein gleichartig gestalteter Brunnen als qualitätvolle Replik entstehen. Bisher fehlen jedoch die politischen Beschlüsse zur Planung eines
    Brunnens am Humboldtforum sowie eine auskömmliche Finanzierung.


    Frage 4:
    Warum wurde die kontroverse Diskussion zwischen Standortbewahrern und Verlegungsbefürwortern nicht
    im Abgeordnetenhaus behandelt?


    Antwort zu 4:
    siehe Antwort zu Frage 1


    Frage 5:
    In welchem Umfang hat das Land Berlin die zur Verfügung stehenden Bundesmittel abgerufen und zu
    welchem konkreten Zweck und wann wurde vom Land Berlin die Auflösung dieses Haushaltstitels
    veranlasst?


    Antwort zu 5:
    Das Land Berlin hat keine Mittel abgerufen. Bereits im Bundeshaushalt 2018 waren keine
    Mittel für den Neptunbrunnen mehr eingestellt gewesen. Das Bundesministerium der
    Finanzen hatte unter Hinweis auf die fehlende Etatreife mangels Konsens mit dem Land
    Berlin die Veranschlagung im Regierungsentwurf 2017 abgelehnt.


    Frage 6:
    Wer ist für die Sanierung des Neptunbrunnen zuständig?

    Antwort zu 6:
    Für die Sanierung ist das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirksamtes Mitte von Berlin
    zuständig.


    Frage 7:
    Ist derzeit eine Sanierung geplant und wann ist mit Sanierung zu rechnen?


    Antwort zu 7:
    Es ist derzeit keine Sanierung geplant.


    Frage 8:
    Wie hoch werden sich die vom Landeshaushalt zu tragenden Kosten sein?
    Antwort zu 8:
    Es liegen keine Kostenansätze für eine Sanierung vor.


    Frage 9:
    Ist ein aktuelles zeitnahes Gutachten von der Denkmalpflege, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa,
    und dem Tiefbauamt Mitte geplant?
    Antwort zu 9:
    Das Landesdenkmalamt Berlin plant derzeit kein Gutachten.


    28.5.21, in Vertretung

    Lüscher"

    Danke für Deine immer sehenswerten Galerien, Heinzer! Ein generell wertschätzender Umgang mit gründerzeitlichen Fassaden ist auch in Bremerhaven festzustellen, wie mir scheint. Schöne gründerzeitliche Straßenbilder! In Berlin gibt es diesbezüglich leider große Defizite.



    Kennzeichen Lehes sind leider auch diese grellen, vollkommen unpassenden Fassadenanstriche, die in den 2000er Jahren irgendwie "erfrischend" wirken sollten. Sie sind nach der Gestaltungssatzung für das Goethequartier mittlerweile erfreulicherweise verboten, aber es gilt natürlich Bestandsschutz:

    Auch das ist in Berlin ein weiterhin großes Problem. Schon eine stadtweite Gestaltungssatzung für Gründerzeitbauten erscheint in Berlin fast wie eine Utopie.


    Aber auch einige unfassbar runtergekommene Häuser, die früher mal prachtvoll gewesen sein müssen:

    Da musste ich fast schmunzeln. Geschätzt 80% aller Berliner Altbauten sind wohl in einem schlechteren Zustand als dieser Bau. Der allgemein und stadtweit eher schlechte, verunstaltete Zustand der Gründerzeitbauten ist in Berlin überhaupt kein Thema.

    Die linke Figurengruppe des russischen Bildhauers deutschbaltischer Abstammung Peter Clodt von Jürgensburg, 1842 vor dem Portal IV des Berliner Schlosses aufgestellt. Sie waren laut Wikipedia Geschenke des russischen Zaren Nikolaus I an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Zitat aus dem Wiki-Artikel: 'Alexander von Humboldt und Christian Rauch waren an der Wahl des Standorts beteiligt und von der Wirkung der Rossebändiger begeistert. Der letzte Schlossbaumeister Albert Geyer schrieb: "die prächtigen Kunstwerke, im Maßstab gut passend, gereichen der Schlossterrasse und damit dem Schlosse zur Zierde"'.


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Beide Rossebändiger mit der Betonfläche dazwischen:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Zunächst also die von der Parkseite her gesehen linke Gruppe:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Detail:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Laterne vor dem Portal des Kammergerichts:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Fahrradständer...:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021

    Um die Rossebändiger von ihrem jetzigen, unwürdigen und abseits der Besucherströme gelegenen Aufstellungsort im Kleistpark in Schöneberg zurück vor die Lustgartenseite des Humboldtforums zu bringen, würde es wohl einer deutlichen Fürsprache von Seiten des Senats und der Bundespolitik bedürfen.

    Zur Diskussion um den Aufstellungsort hier exemplarisch ein Zeitungsartikel der Berliner Woche von 2015.

    Wikipedia-Artikel mit einigen alten Fotografien


    Zur Geschichte des denkmalgeschützten Kleistparks


    Im Folgenden möchte ich den jetzigen Zustand dokumentieren:


    Ansicht des Kleistparks von der Potsdamer Straße, im Vordergrund die 1910 vom Alexanderplatz hierher versetzten Säulengänge der Königskolonnaden von Gontard (1780 fertiggestellt):


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Im Hintergrund das 1909-1913 errichtete neobarocke Kammergerichtsgebäude.


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Umgekehrte Blickrichtung nach Osten:


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Hier seit 1945 aufgestellte Bronzefigur "Genius des Geistes" vom Sockel des im Krieg zerstörten Reiterdenkmals für Friedrich Wilhelm III im Lustgarten, 1871 von Albert Wolff.


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Rossebändiger Kleistpark Mai 2021


    Fortsetzung folgt...

    Ein paar weitere Schnappschüsse aus Brandenburg, ungezielt während eines Stadtspaziergangs entstanden:


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Im Hintergrund der Turm der Katharinenkirche in der Neustadt:


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Blick Richtung Altstadt:


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Wasserflächen durchqueren und umgeben die Stadt:


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Zwei etwas großformatigere Gründerzeitler:


    Brandenburg Havel Sept 2020


    Brandenburg Havel Sept 2020

    In der Innenstadt aufgestellten Informationstafeln war zu entnehmen, dass noch in den 1970er Jahren geplant war, in den kommenden Jahrzehnten - ein Fortbestehen der DDR natürlich vorausgesetzt - praktisch alle älteren Häuser der Stadt Brandenburg durch Neubauten zu ersetzen, so bis zum Jahr 2000 alle vor 1918 errichteten Gebäude. Allerdings setzte wohl bereits in den 1980er Jahren diesbezüglich ein Umdenken ein, und heute sieht man in Brandenburg an der Havel einen insgesamt guten Erhaltungs- und Sanierungszustand der gesamten - also auch gründerzeitlichen - Bausubstanz.

    Mein Eindruck ist, dass es durchaus typisch für die im Bombenkrieg wenig zerstörten kleineren Städte im Gebiet der ehemaligen DDR ist, dass man heutzutage ein recht harmonisches Straßenbild mit weitgehend erhaltenem gründerzeitlichen Baubestand vorfindet. Der Umgang mit gründerzeitlichen Füllbauten scheint eine Art Charaktertest für Stadtgesellschaften zu sein, der etwas darüber aussagt, wie das Gleichgewicht zwischen Verwertbarkeit und stadtbaukulturellem Ideal im Zusammenspiel von Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in einer Kommune tariert wird.

    Oder anders gesagt: herausragende Baudenkmale wie Kirchen, Rathäuser und Schlösser werden in Ost wie West als erhaltenswert angesehen. Gründerzeitliche Füllbauten werden im Südwesten, Westen und Nordwesten Deutschlands seit Jahrzehnten und auch weiterhin als nicht sonderlich schützenswert betrachtet, sukzessive abgerissen und durch Neubauten ersetzt - was zu einem kontinuierlichen und irreversiblen Schädigung des Stadtbilds führt und, schlimmer noch, zu einer Art Rutschbahneffekt hin zum Komplettverlust dann nicht mehr kohärenter, schließlich ganz preisgegebener gründerzeitlicher Straßenbilder. Das Ergebnis sind die vielen durchwachsenen, überformten, verhunzten Straßenbilder einstmals schöner, geschlossen erhaltener, gründerzeitlich geprägter Kleinstädte des Westens, die aus Verwertungsgier, ohne Not und ohne wirksamen Einspruch der Bürgerschaft ruiniert wurden. Im Osten hingegen scheint es trotz größerer Probleme mit Leerstand und geringerer Wirtschaftskraft weithin selbstverständlich zu sein, gründerzeitliche Füllbauten zu erhalten und sogar in ihrer bauzeitlichen Schönheit wiederherzustellen. Es ist anscheinend die Einstellung zum ideellen Wert eines intakten und kohärenten Stadtbilds in einer Stadtgesellschaft, die den Unterschied macht.

    Ein paar Ansichten des Innenraums der Katharinenkirche:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Altar von 1474:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Schöne Kanzel aus der Spätrenaissance, gestiftet 1668:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Orgelprospekt von 1726:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Bedeutend auch die Wandmalereien des frühen 15. Jhd.


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Tür zur Sakristei:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Epitaph im Renaissancestil:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel

    Ein paar Handyfotos hätte ich von meinem Besuch im vergangenen Jahr in der schön in der Havellandschaft gelegenen, alten Stadt Brandenburg zu bieten.

    Da wäre zunächst die bemerkenswerte, spätgotische Backsteinkirche St. Katharinen in der Neustadt zu erwähnen 1401 eingeweiht, nachfolgend einige Eindrücke:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Der Westturm musste laut Infotafel nach Einsturz 1582-92 neu errichtet werden.


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Chor:


    Katharinenkirche Brandenburg Havel


    Katharinenkirche Brandenburg Havel