Posts by Snork

    Das Beispiel Dorfen zeigt einmal mehr, dass die eigentlichen Hotspots der Stadtbildzerstörung in Deutschland heute eher die wenig prominenten Kleinstädte mit weitgehend intaktem historischen Zentrum sind, von denen es noch hunderte in Deutschland gibt.

    Das Problem besteht hier anscheinend darin, dass wenige entschlossene Lokalpolitiker, die bezüglich eines Abrisses einer Meinung sind, hier in den meisten Fällen mit ihren Plänen durchkommen - zum Schaden des teils jahrhundertealten Stadtbilds und der nachfolgenden Generationen. Diese können den Verlust kaum noch rückgängig machen können, weil die "Schöpfungshöhe" des abgerissenen Altbaus für eine Rekonstruktion kaum vorhanden war, da dieser eher im Ensemble wirkte.

    Diese kleinmaßstäblichen, aber teilweise gravierenden Verluste werden meist nur in der Lokalpresse thematisiert und bleiben in aller Regel unter dem Radarschirm der überörtlichen Öffentlichkeit. So vollzieht sich Jahr für Jahr ein irreversibler Verlust historisch gewachsener Stadtbilder in diesem Land. Ich finde, dass der Verein Stadtbild Deutschland erwägen sollte, wie er seine Einflussmöglichkeiten für das Ziel eines besseren Schutzes für die historischen Stadtbilder hierzulande geltend machen könnte. Ich habe es bereits im Vereinsforum thematisiert.

    Danke für die Bilder, Bohnenstange! Das abgebildete Observatorium in Potsdam-Babelsberg wurde 1911 bis 1913 erbaut, und zwar interessanterweise mit den Mitteln aus dem Erlös des Verkaufs des Grundstücks der 1830 nach Entwürfen von Schinkel errichteten Berliner Sternwarte in Berlin-Kreuzberg, die nach dem Grundstücksverkauf leider auch abgebrochen wurde. In der Berliner Sternwarte entdeckte Johann Gottfried Galle im Jahre 1846 den Planeten Neptun nach Berechnungen des Franzosen Le Verrier.

    Dem Humboldt-Carrée in der Behrenstraße, nahe dem Gendarmenmarkt, im Hauptgebäude 1901 fertiggestellt, wurde 2007 dieser wirklich schlimme zweigeschossige Aufbau raufgesetzt:






    Hier wäre es doch relativ einfach gewesen, dem Dachaufbau mithilfe von Schrägen zumindest eine historisch anmutende Kubatur zu verleihen. Im letzten Bild sieht man links angeschnitten ein Beispiel für ein wenigstens in der Formgebung halbwegs angepasstes Dach. Aber nein! Zugleich wirbt man auf der Homepage mit der langen Geschichte des Standorts, den Humboldts etc. Und dann so einen groben Klotz obendrauf gehauen, der in seiner monströsen Dysproportionalität eigentlich den ganzen Bau versaut... Aua. :kopfschuetteln:

    Zum Sonntag für Euch noch ein paar sonnige Schlossperspektiven von heute:


    Die Kuppelarbeiten mal etwas herangezoomt:



    Die im Vordergrund sichtbare, in den Kupfergraben gesetzte Betonwand wird derzeit zurückgebaut. Es handelt sich um eine temporäre Bauwand für die Station Museumsinsel der in Bau befindlichen U5. In etwa an der Stelle soll später die Freitreppe zum Wasser entstehen:



    Die Kuppel macht sich jetzt schon sehr gut im Stadtbild:




    Ich denke, Ihr braucht Euch keine Sorge um die Fassade zu machen. Die kommt nach der Sanierung sicherlich originalgetreu wieder ran. Immerhin liegt das Gebäude - wie die gesamte Linienstraße - im Denkmalbereich Spandauer Vorstadt. Ich finde es selbst erstaunlich, aber tatsächlich scheint es mitunter sinnvoller, wohl sogar wirtschaftlicher zu sein, Stuckfassaden bei Sanierungen ganz abzunehmen und schließlich wiederherzustellen. Am Kurfürstendamm gab es vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall bei einem gründerzeitlichen Eckbau, bei dem nach der kompletten Entfernung der Stuckfassade hier ähnliche Befürchtungen geäußert wurden. Als das Gebäude dann später abgerüstet wurde, war kein Unterschied zum Originalzustand zu erkennen.

    Bei dem folgenden, zunächst wenig spektakulär aussehendem Gebäude handelt es sich um das 1888 errichtete Paläomagnetische Labor, heute zum Deutschen Geoforschungszentrum gehörend. Hier wurde damals und wird heute wieder das Erdmagnetfeld vermessen. Hierzu durften bei dem Gebäude keine eisenhaltigen Baustoffe wie Nägel, Ziegelsteine und Zement verwendet werden, stattdessen Kupfer- und Bronzenägel, Kalk- und Sandstein.

    Mich beeindruckt vor allem, dass man damals auch bei rein wissenschaftlich ausgerichteten Zweckbauten wie selbstverständlich Wert auf ein angenehmes, harmonisches und wohlproportioniertes Erscheinungsbild gelegt hat - nach 1945 war es damit vorbei, wie kann das nur sein? :crying:




    Folgend das Süring-Haus, benannt nach dem Meteorologen Reinhard Süring, der 1901 vom Tempelhofer Feld einen Aufstieg im offenen Ballon bis auf 10.500 m Höhe unternahm und dort beweisen konnte, dass die Lufttemperatur ab einer Höhe von ca. 8.000 m wieder ansteigt - ein wichtiger Beitrag zur Entdeckung der Stratosphäre.





    Im folgenden Gebäude befindet sich der große Refraktor , mit einem Linsendurchmesser von 80 cm das viertgrößte Linsenteleskop der Welt und heute noch bzw wieder in Funktion. Der Bau wurde 1899 fertiggestellt. 1904 entdeckte Johannes Hartmann mit dem Teleskop die interstellare Materie.




    Weitere Nebengebäude:



    Danke für diese schönen Fotografien voller Poesie! Wieder ein Fenster zu einer unbekannten Welt geöffnet.

    Die Bilder zeigen auch: damals war Schönheit und Harmonie in der Gestaltung der alltäglichsten wie auch der heiligsten Dinge einfach eine Selbstverständlichkeit. Es ist doch auch die Verzweiflung und das Rätseln darüber, warum dies verloren ging, weshalb wir dieses Forum besuchen.

    Das wohl bekannteste Gebäude auf dem Telegrafenberg ist der 1920-22 im expressionistischen Stil erbaute Einsteinturm . Architekt was Erich Mendelsohn. Das hochaufragende, skulpturale Gebäude enthielt ein Sonnenobservatorium, mit welchem die von Albert Einstein vorhergesagte gravitative Rotverschiebung des Lichts beobachtet werden sollte - was jedoch auf Grund der Turbulenzen der Sonnenatmosphäre nicht gelang. Dennoch wird das Sonnenteleskop im Einsteinturm heute noch wissenschaftlich genutzt und gehört zum Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam.

    Der Bau selbst wurde teils aus Beton, teils aus Ziegelmauerwerk gebaut und verputzt, was leider zu gravierenden bauphysikalischen Problemen auf Grund der unterschiedlichen thermischen Eigenschaften der Materialien führte. 1997 bis 1999 wurde die letzte Sanierung durchgeführt. Die Lage des Baus dicht an einem Waldrand scheint einem Algenbewuchs der Putzoberfläche förderlich zu sein, wodurch der Gesamteindruck derzeit etwas beeinträchtigt wird.


    Modell, in einem Schaukasten ausgestellt:




    Rückseite:




    Aufnahme wohl kurz nach der letzten Sanierung:



    Foto: Astrophysikalisches Institut Potsdam, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=633860

    Gibt es eigentlich so etwas wie einen regionalen städtischen Baustil in Köln? Ich hatte bisher gedacht, die nahezu glatten Fassaden der Stadthäuser mit ihren seltsam zusammengestauchten Spitzdächern wären eine Erfindung der Wiederaufbauzeit gewesen. Wie man auf dem unteren Foto sieht, sahen viele Häuser in der Kölner Altstadt schon vor dem Krieg so aus...:gehtsnoch:

    Im Newsletter des Tagesspiegels stand heute, dass das Landesdenkmalamt den Denkmalschutz von Vorderhaus und Strassendurchgang des Hauses Wilhelmsaue 17 eingerichtet hat. Die Eintragung in die Denkmalliste stehe noch aus.

    Alle Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf hatten sich in der letzten Woche für eine Unterschutzstellung des Hauses ausgesprochen, dieses Ansinnen wurde vom Baustadtrat an das Landesdenkmalamt übermittelt.

    Lieber Pirat, die untere der abgebildeten Figuren kann auf Grund der unterschiedlichen Beinhaltung nicht identisch mit der auf dem oberen Foto sein. Auch ist auf dem unteren Foto meiner Meinung nach der im Bodemuseum verwendete Marmor der Säulen zu sehen. Die dort im Durchgang früher aufgestellten Schlüter-Plastiken sollen tatsächlich ins Humboldtforum umziehen, vermutlich ist auf Deinem unteren Foto der Abtransport dorthin zu sehen.


    Edit: SchortschiBähr war schneller...

    Grimminger: ich würde sagen, das geht gerade noch bei Deinen Bildern. Die Menschen, die zu sehen sind, sind infolge der Lichtverhältnisse oder der Entfernung nicht allzu auffällig oder gross auf Deinen Fotos. Eher wie zufällige Passanten, die auf Grund des Gedränges nun mal nicht aus dem Bild herauszuhalten waren.

    Es stimmt aber grundsätzlich schon, dass Gesichter und Nummernschilder vor der Veröffentlichung eines Fotos unkenntlich gemacht werden sollten, wenn sie recht deutlich zu erkennen sind.

    Weiterer Artikel in der Berliner Woche vom 17.1.20 zum Thema Wilhelmsaue 17 mit interessanten Informationen:

    Von Seiten des Baustadtrates Schruofrfenegger sei bestätigt worden, dass der Eigentümer des Hauses Abriss und Neubau geplant hätte. Allerdings habe der Baustadtrat "aus dem Landesdenkmalamt Signal erhalten, dass es das Haus wohl auf die Denkmalliste des Bezirks schaffe".

    Eine eigene Galerie zum Potsdamer Telegrafenberg hatten wir noch nicht. Der 94 m hohe Telegrafenberg, seit 1832 auch "hinterer Brauhausberg" genannt, liegt südlich des 88 m hohen Brauhausberges, anscheinend als weitere Spitze, jedoch zu ein und derselben Endmoränenerhebung der letzten Eiszeit gehörend.

    An der Spitze des Telegrafenbergs befinden sich die historischen sowie einige moderne Gebäude des "Wissenschaftsparks Albert Einstein", von denen ich die bemerkenswertesten vorstellen möchte.

    Historischer Eingang, (hinein geht es, am Pförtner vorbei, jedoch ein Stückchen rechts davon):



    Hier zeigt sich schon der schöne, horizontal betonte Backsteinstil der historischen Gebäude aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.


    Beginnen wir gleich mit dem zentral im Parkgelände gelegenen Michelson-Haus , 1879 als Hauptsitz des Königlichen Astrophysikalischen Instituts Potsdam in Betrieb genommen. Im Keller dieses Hauses führte der amerikanische Physiker deutscher Herkunft Albert A. Michelson 1881 eine erste Ausführung des bedeutenden Michelson-Morley-Experiments durch. Vereinfacht dargestellt ging man bis zu dem Zeitpunkt davon aus, dass die Eigenbewegung der Erde um die Sonne (etwa 30 km/s) dazu führen müsste, dass sich Lichtstrahlen in Flugrichtung der Erde etwas langsamer fortbewegen müssten als entgegen der Flugrichtung. Mit dem von Michelson entwickelten Interferometer wäre es möglich gewesen, auch kleinste Unterschiede in der Geschwindigkeit des Lichtes zu erfassen. Das Ergebnis dieses Experiments war jedoch, dass das Licht sich in alle Richtungen gleich schnell ausbreitet und zurückkommt, was sich beispielsweise von der bewegungsabhängigen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls unterscheidet. Erst Albert Einstein gelang es Jahrzehnte später, diese Beobachtung theoretisch mit Hilfe seiner Speziellen Relativitätsstheorie widerspruchsfrei zu erklären.


    In einem der drei Observatorien-Türme befindet sich heute noch ein Teleskop:






    Rückseite: