Posts by Snork

    frage ich mich aber schon, wie eine Diskussion über die Hagia Sophia geführt werden kann, ohne Politisches anzuschneiden.

    Dass man in Beiträgen zur Umwidmung der Hagia Sophia auch die politischen und geschichtlichen Hintergründe beleuchtet und diskutiert, sollte kein Problem sein. Dafür ist dieses Forum da.

    Nicht gut für dieses Forum ist es, wenn einzelne Forumsteilnehmer die in den Strängen gegebenen Stichworte nur aufgreifen, um dann ihre politische Weltsicht auszubreiten. Dies führt dann zu den uns allen bekannten streitträchtigen Sekundärdiskussionen, die nur noch den Forumsfrieden stören, aber keine Erkenntnisse mehr für den Inhalt des Themas bringen.


    Aber Deine politischen Einlassungen lesen sich stets so, als hätten Claus Kleber und der Papst sie Dir persönlich ins Ohr geflüstert.

    In meinen Augen ist so eine Aussage schon grenzwertig. Sicherlich kann man sich über Beiträge ärgern, in denen eine andere Meinung oder Weltsicht ausgeführt wird, als man sie selbst hat. Dies soll jedoch nicht dazu führen, dass man den anderen dann in einer pauschalen Weise abwertend bezeichnet. Dies entspricht nicht den angestrebten Werten von Höflichkeit und Respekt in der Forumskultur.

    Hier einige Impressionen der letztgenannten Wohnanlage Im Bogen - auch durchaus sehr gelungen. Die mittels Ziegelsteineinlagen erfolgte Betonung der Horizontalen war ja, wie oben im Strang gezeigt, ein damals recht modernes und weit verbreitetes Stilelement des Neuen Bauens:


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    In der kleinen Parallelstraße zur Zeppelinstraße, der "Stadtheide", finden sich einige Reihenhäuser der Siedlung im englischen Cottage-Stil, der beispielsweise auch beim kurz zuvor erbauten Schloß Cecilienhof zur Anwendung kam:


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Wohnsiedlung Stadtheide Potsdam


    Weitere Reihenhäuser mit teilweise rekonstruierter Farbigkeit:


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Auch dieses recht originelle, von Potsdam-Fan 2015 vorgestellte Bauwerk mit der Aufschrift "Erbaut & entworfen 1919-23, umfassend restauriert 2011-12":


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Wohnsiedlung Stadtheide Potsdam

    Ansicht von der Bundesstraße 1/Zeppelinstraße:


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Siedlung Stadtheide Potsdam


    Straße Im Bogen, Blick Richtung Zeppelinstraße, rechts die Wohnanlage von Heinrich A. Kaiser, links die bereits deutlich "expressionistischere" Wohnanlage Im Bogen 19-28, nach Entwürfen von Bauinspektor Kurth aus dem städtischen Hochbauamt 1923 - 26 erbaut:


    Siedlung Stadtheide Potsdam

    Sich an Baustilen vergangener Epochen zu orientieren, ja diese auch ein Stück weit zu idealisieren, ist keineswegs eine Besonderheit heutiger Zeiten. Wie wir weiter oben im Strang sehen konnten, hingen durchaus bedeutende und produktive Architekten der Weimarer Zeit der "guten Alten Zeit" der Baukunst um 1800 nach. Es ist hingegen schon eher eine Neuheit und Besonderheit der heutigen Zeit, mit einer gewissen Verachtung auf Architekten hinabzublicken, die sich die Baukunst und Stilcharakeristika früherer Epochen in ihren Entwürfen zum Vorbild nehmen. Wer ein wenig zur Frage der zeitgenössischen Rezeption konservativer, ja "rückwärtsgewandter" Bauvorhaben der Zeit nach dem 1. Weltkrieg recherchiert, wird feststellen, dass diese damals von vielen Architekturkritikern positiv besprochen und als vorbildhaft gelobt wurden. Heute scheint auf den Autoren von Architekturkritiken in Fachpublikationen und im Feuilleton ein wesentlich höherer Konformitätsdruck zu lasten. Auch für die Jurys heutiger Architekturwettbewerbe scheint dies leider zu gelten - mit der regelmäßigen Konsequenz, dass konservative, einer nicht-"modernen" Tradition verpflichtete Bauentwürfe nicht einmal mehr eingereicht werden. Wozu sollte man sich auch die Mühe machen, wenn die Realisierungswahrscheinlichkeit bei null liegt? Dieser subtile, aber tief wirkende, einengende Konformitätsdruck, der auf der Gegenwartsarchitektur lastet, führt eben letztlich auch dazu, dass wir in diesem Forum mit Worten und Bildern dokumentieren und zu verstehen versuchen, warum die bauliche Welt der letzten 60 Jahre, in der wir leben müssen, so ungut und schwer zu ertragen ist - und warum es anscheinend so enorm schwer ist, etwas daran zu ändern.


    Heute möchte ich für einen kleinen Exkurs die geografischen Grenzen dieses Strangs verlassen und eine Wohnanlage in Potsdam vorstellen, die sich, wie manch andere hier gezeigte und damals hochgelobte Wohnanlage, an einer noch älteren Stilepoche orientiert - dem Stil der barocken Potsdamer Stadterweiterungen. Potsdam-Fan hatte 2015 schon einen kurzen Einblick in die Geschichte der Siedlung Stadtheide gegeben, die man passiert, wenn man Potsdam in südwestlicher Richtung auf der Bundesstraße 1 verlässt. Würde die zwischen Zeppelinstraße, Im Bogen und Stadtheide gelegene Wohnanlage nicht so weit abseits des historischen Zentrums liegen, könnte man bei oberflächlicher Betrachtung meinen, eine weitere barocke Stadterweiterung vor sich zu haben. Tatsächlich wurde sie von 1919 bis 1923 nach Entwürfen des Architekten und Malers Heinrich Alfred Kaiser (1883 - 1946) und Karl Wagenknecht errichtet. Der Denkmalpfleger Jörg Limberg schrieb 2011 in seinem sehr lesenswerten Artikel "Potsdam. Moderne und Tradition. Zur Baukunst von 1919 bis 1933", Brandenburgische Denkmalpflege 2011, Heft 2: "Die Siedlung galt als Vorbild und wurde in allen wichtigen Bauzeitungen veröffentlicht".


    Link zum Artikel. pdf, 32 Seiten (sehr lesenswert!)


    Lage bei Maps (kein Streetview verfügbar)


    Potsdam-Wiki


    Bilder folgen ...

    Auch von mir ein herzliches Willkommen zurück!

    Hier sollte niemand allzu nachtragend sein; besser ist es doch, nach vorne zu blicken, denn jede hilfreiche Stimme für Bremen wird in diesem Forum gebraucht!

    Gesims geputzt und Auflage in Sandstein, wenn ich das richtig sehe?

    Hier noch eine etwas detailliertere Ansicht:


    Garnisonkirche Potsdam 4.7.20


    Auf diesem Bild sieht man, dass es sich beim Gesims wohl um Sandstein handelt - laut der folgenden Bauzeichnung um den vergleichsweise harten Warthauer Sandstein.:



    Quelle: Stiftung Garnisonkirche Potsdam


    Etwas gewundert habe ich mich über die unterschiedlichen Gelbtöne der Balustradenquader, laut Bauzeichnung Postaer Sandstein. Vielleicht von unterschiedlichen Steinbrüchen oder verschiedenen Bereichen desselben Steinbruchs? Westseite:


    Garnisonkirche Potsdam 4.7.20


    Etwas homogener das Bild an der Ostseite:


    Garnisonkirche Potsdam 4.7.20


    Garnisonkirche Potsdam 4.7.20

    Beiträge zu Brückenbauwerken in Berlin können künftig in diesem Strang zusammengefasst und gesammelt werden. Die Eröffnung eigener Threads für einzelne Brücken würde die Zahl der Stränge wohl zu stark erhöhen.

    Ich wäre für den Erhalt - um eine lebendige Anschauung davon zu erhalten, wie schlecht wetterexponierter Sichtbeton altert. Nach einigen Jahrzehnten ist eine Sanierung offenbar kaum noch möglich.

    Klasse, wie hier Kommentare zensiert werden. Tolle Grundlage um eine Diskussion zu haben. Hauptsache keine anderen Meinungen zulassen. Viel Spaß in eurer Filterblase.

    Weißt Du was, rymatentra? Ich hab Deinen Beitrag jetzt wieder reaktiviert, inklusive des sich darauf beziehenden Kommentars von Valjean. So können sich alle ein Bild von Deinem herausragend informativen und leider zunächst deaktivierten Post machen, der diesen Themenstrang wirklich bereichert hat.

    Hier nochmal Dein Text zur Ansicht:


    Der Begriff des "Weißen" in den USA ist unter ähnlichen Voraussetzungen wie der des "Ariers" entstanden. Wenn man sich dann noch überlegt, dass man mit dem Manifest Destiny quasi einen Generalplan Ost zur Vollendung gebracht, ja, dann muss man sich nicht wundern, dass selbst Jahrhunderte später sich solche Szenen abspielen

    Die Moderation möchte alle Diskussionsteilnehmer bitten, sich nicht allzu weit vom Thema - Umgang mit Denkmälern und Bilderstürmerei - zu entfernen und politisch-historische Exkurse zu vermeiden.

    Vielen Dank!

    Es ist so wohlfeil, peinlich und unhöflich gegenüber seinen sehr freundlichen Interviewpartnern, was der Moderator dort von sich gibt. Es ist nicht zu übersehen, wie er seinen Gesprächspartner Ingo Schulze in Verlegenheit bringt durch das völlig themenferne, arrogante Anprangern einer vermeintlich "rechten" Haltung Dresdner Bürger. Zum Fremdschämen.

    Tja, während sich die heutige Kunstwelt über die Rekonstruktion verlorener Baukunst oft abfällig äußert, ist die Ausstellung rekonstruierter Kunstwerke in Museen unumstritten. Ich finde sie auch sehr gut, gibt sie doch einen Eindruck der sinnlichen Wirkung des Originals, an den keine Abbildung herankommen kann. Mir geläufige Beispiele sind der Schatz des Priamos und der Eberswalder Goldschatz im Neuen Museum.

    Lagebeziehung zu den Cecilienhöfen entlang der Rubensstraße in Berlin-Schöneberg: links die Cecilienhöfe (1922 - 27), rechts die Wohnanlage Rubensstraße von Mebes und Emmerich (1926 - 28):


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Ansicht Streetview


    Statt den bei Wohnanlagen des Neuen Bauens häufig verwendeten Backsteinrahmungen werden hier offenbar vorgefertigte Kunststeinrahmen für Portale und Balkone werwendet:


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Einfahrt zur Traegerstraße:


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Hinten links geht es zur 1924 - 28 vom gleichen Träger erbaute Wohnanlage Eisackstraße, deren gezackte Erker - bei gleicher Farbgebung - auf einen anderen Architekten schließen lässt: in diesem Fall Heinrich Lassen , dem Entwurfsplaner der oben vorgestellten Ceciliengärten:


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin


    Eintrag Denkmaldatenbank


    Gegenüber erkennbar in den 1950er Jahren errichtete Wohnbauten - gleiche Traufhöhe, 1 Etage mehr:


    Wohnanlage Rubensstraße Berlin

    Auch vor 1914 konnten sich nicht alle Bauvorhaben einer üppigen Finanzausstattung erfreuen. Dennoch erscheint es dem heutigen Betrachter offensichtlich, dass bei vor 1914 errichteten Bauten ein gewisses Niveau der Gestaltungsqualität niemals unterschritten wurde. In den 1920er Jahren begann in dieser Hinsicht ein neues Zeitalter der Architekturgeschichte: es wurden nun erstmals äußerlich gänzlich anspruchslose Wohnanlagen errichtet, bei denen die Bemühung um eine harmonische oder gar "schöne" Gestaltung der Straßenfassaden offensichtlich weitgehend zum Erliegen kam. Vielleicht stellten die Architekten sich nun mitunter die Frage, welche negativen Konsequenzen es eigentlich haben würde, sich alleine auf die angeforderte Beschaffenheit der Wohnungen zu konzentrieren und keinen nennenswerten Aufwand mit der äußeren Gestaltung mehr zu betreiben, die "Baukunst" im Sinne einer Bereicherung des schönen Stadtbilds also aufzugeben. Die Antwort lautete: gar keine.

    Diese Entwicklung möchte ich exemplarisch am Werk des Architekten Paul Mebes belegen, der zwischen 1906 und 1938 in Berlin und anderen Städten zahlreiche Einzelbauten und Wohnsiedlungen entwarf. In dem verlinkten Wikipedia-Artikel sind eine ganze Reihe seiner Bauten mit Fotografien dargestellt. Ich hatte weiter oben bereits die kurz nach dem 1. Weltkrieg von diesem Architekten noch mit wesentlich höherem Gestaltungsanspruch entworfene Wohnanlage "Heidehof" vorgestellt. Heute hingegen möchte ich Bilder der 1926 - 1928 errichteten Wohnanlage Rubensstraße in Berlin-Schöneberg zeigen - benachbart den in den vorangegangenen Beiträgen gezeigten Ceciliengärten. Die Wohnanlage wurde nach Entwürfen der Architektengemeinschaft Mebes und Emmerich durch die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Heerstraße errichtet.


    Eintrag Denkmaldatenbank

    Diese Gedenktafel erinnert an den obersten Planer und damaligen Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen (1864 - 1953):


    Wohnsiedlung Ceciliengärten Berlin-Schöneberg Juni 2020


    Namenspatronin für die vorbildliche Wohnsiedlung war die vormalige Kronprinzessin Cecilie von Preußen - die Monarchie war zur Zeit der Erbauung bereits Geschichte.