Posts by Konstantindegeer

    heute und auch Zukunft wird der schnellste Weg vom Prenzlauer Berg in die City-West durch die Altstadt sein - dank der neuen Mühlendammbrücke. Das Problem haben die meisten europäischen Städte schon mit Ringstraße gelöst. Aber hier wird die Stadtautobahn durch ein monströses, 40 Meter breites Betonbrett gelöst. Das Ganze nennt sich "Verkehrswende" unter einer grünen Verkehrssenatorin.

    Copyright: Arup/COBE, SenUVK

    Hier geht es ja kaum darum in welchem Maße die DDR-Bevölkerung die Benennungen des Staates in den Sprachgebarcht übernommen hat. Ich kenne in Potsdam ältere Damen, die auch zu DDR-Zeiten zu "Karstadt" kingen, wenn sie im Kaufhaus in der Brandenburger Straße einkauften.


    Relevant für die Stadt Potsdam war die Verwaltungsdichte und der damit verbundene Zuzug von SED-treuen Fachkräftigen sächsischer Zunge.

    Also Historiker kenne ich bei den "Neudenkern" nicht. Frauke Roeth ist in Halle-Neustadt aufgewachsen - da muß man ihr auch abnehmen, daß sie die 70er-Jahre quasi mit der Muttermilch aufgenommen hat und mildernde Umstände walten lassen. Steffen Pfrogner hat noch zu DDR-Tagen Architektur studiert. Sein Oevre ist nach über 20 Jahren Berufstätigkeit eher überschaubar (2 Häuser). Er ist Mitglied der SED, PDS und der Linken und dies nach eigenem bekunden "auf dem linken Flügel". Sein Engagement ist eher familienbedingt: sein Vater Ernst Pfrogner war Architekt der DDR-Eliten und baute in den 1960er-Jahren den sog. "Verbinder" zwischen dem Lehmannschen haus von Knobelsdorff und dem Alten Rathaus, der heute den Haupteingang des Potsdam-Museums darstellt. Bei beiden ist das Engagement also eher biographisch.

    André Tomczak, der früher so aktiv war, muß nach dem Studium nun selbst Geld verdienen und hat sich zurückgezogen.


    Die tatsächlichen Strippenzieher sind Lutz Böde und Carsten Linke - deren hauptanliegen ist weniger die "Rettung" der DDDR-Moderne sondern die die Verhinderung der Wiederherstellung einer historischen Stadt Potsdam. Zu diesem Zweck ist jede erfolgversprechende Argumentation recht und viele junge Menschen, die z.B. zum Studium nach Potsdam kommen, glauben ja diese Märchen von der systematischen Vernichtung von DDR-Architektur durch die "Wessis".


    Das ist genauso wie es Gregor Gysi - im übrigen im Verein mit Lothar de Mazière, gelungen ist den jungen Leuten einzureden der Palast der Republik sei ein in breiten Schichten der Bevölkerung beliebtes Gebäude gewesen. Tatsächlich nannten die Menschen den Palast "Palazzo Prozzo" oder "Erichs Lampenladen", was eher für eine Popularität der anderen Art spricht und wenn man ein Jahr (sic!) vorher reservieren mußte, um ohne Parteikontakte in die Bowlingbahn zu kommen, kann man auch nicht von besonderer Beliebtheit sprechen. Es gibt leider viel zu wenige, die solchen Legenden offen widersprechen.

    Die Debatte um Abbrüche von Gebäuden aus den 1970er-Jahren als Anti-DDR-Debatte zu führen ist doch absurd, da es darum gar nicht geht. Diese These entspricht der Legende, die die Anderen und die Sozialisten verbreiten es gehe um eine systematisch Tilgung von Spuren der DDR durch zugezogene Westdeutsche und damit um eine Entwurzelung der Bevölkerung mit DDR-Vergangenheit.


    In den 1970er Jahren wollte die Staatsspitze die Bezirksstadt Potsdam zu einer autogerechten Stadt umbauen und ihr ein neues, damals für modern gehaltenes Zentrum geben. Nach diesem Programm wurde die Altstadt fast vollständig (bis auf die Nikolaikirche, das Alte Rathaus und das Lehmannsche Haus) abgerissen und neu gestaltet. So etwas gab es in den 1970er Jahren überall in Europa, der real existierende Sozialismus bot für solche Umgestaltungen durch die Aussetzung des Eigentumsrechtes nur die besseren Voraussetzungen.


    Die neuen Elemente waren im wesentlichen das Lehrerbildungsinstitut "Rosa Luxemburg", das durch Margot Honecker eröffnet wurde, das Haus des Reisens und das Interhotel. Paralell zu diese Umgestaltung wurden die beiden Fernverkehrsstraßen (heutige B1 und B2) kreuzförmig und mehrspurig mit Gewalt durch die historische Innenstadt gebrochen. Die Inennstadt sollte mit einem Kranz an Hochhäusern umgeben werden. Auch das ist in Westdeutscland nicht unüblich gewesen.


    Die erste frei gewählte SVV, in der naturgemäß kein "Wessi" saß, beschloß mit Blick auf diese Umgestaltung die "behutsame Wiederannährung an den historischen Stadtgrundriß" - dieser Beschluß wurde seitdem etwa 20 mal bestätigt. Die Großbauten der 70er wurden nicht aus architektonischen oder politischen Gründen abgebrochen, sondern wegen ihrer städtebaulich exekutierende Funktion auf die Altstadt. Das Leitbautenkonzept, das die Grundlage für diesem Umbau ist, hat seinerzeit die Stimmen von SPD, CDU, FDP, Grünen und der Linken bekommen - inklusive des Wiederaufbaus des Stadtschlosses als Landtag. Das wird immer gern vergessen.

    Die Anhänger des Mayerbaus machen deshalb einen so großen Aufstand, weil die Wiederherstellung der Fassade des Scharzen Pellerhauses die Schönheit der historischen Patrizierhausarchitektur in Farbe und dreidimensional zeigen würde und nicht nur auf unscharfen Schwarzweißfotos. Der Druck auf den Mayerbau nähme nach Fertigstellung erheblich zu, da auch der Laie die Möglichkeiten erkennen würde.

    Jahrzehntelang erzählen uns Denkmalpfleger, häufig selbst studierte Architekten, daß man neben einem Baudenkmal „kontrastierend“ bauen müsse. Gerade der Kontrast bringe das historische Baudenkmal ganz besonders zum Strahlen.


    Daß dieses Argument in der Regel nur vorgeschoben ist, um überall und immer abstrakt modern zu bauen zeigt der aktuelle Fall aus Nürnberg. Der noch 1945 durch englische Bomber zerstörte Renaissaicepalast von Martin Peller (um 1600) wurde in den 1950er Jahren durch eine neue Fassade des Architekten Georg Mayer ersetzt, die heute ihrerseits unter Denkmalschutz steht. Um einen zweiten Fluchtweg elegant in einem Neubau zu verstecken plant die Stadt Nürnberg nun auf dem benachbarten Brachgelände das „schwarze Pellerhaus“, ein kleineres Patrizierhaus, das seinen Namen aus der Pestzeit herleitet, zu rekonstruieren. Teile des zerstörten Originalbaus stehen noch vor Ort.


    Nun schwappt eine Welle der Empörung, vor allem von Architekten, durch die Gazetten: alt neben neu? Unmöglich! Der Mayerbau, also die Fassade der 50er-Jahre, werde durch die historische Fassade auf dem Nachbargrundstück „entwertet“. Moderne, möchte man anfügen, ist eben nur als Solitär im Ruinenfeld schön, so hat sich Monsieur Jeannaret das vorgestellt.


    Historisch neben modern geht also gar nicht, modern neben historisch jedoch selbstverständlich. Die Schlussfolgerung ist also: man muß immer abstrakt modern bauen, so zeitgenössisch das Rekonstruieren Angesicht so vieler Beispiele in Europa auch sein mag.



    Wenn an Kritik nicht mehr übrigbleibt als "mangelnde Eloquenz der Ausstattung" (was soll das bitte sein?) und das angeblich fehlende Grün im Schlüterhof (Baustil Barock nicht verstanden) - dann ist der Kasten ein voller Erfolg. Und die Museen in Paris, Moskau und London werden ihre Vergangenheit auch nicht los - das will ja auch keiner.

    Das glaube ich weniger, der Sandstein ist wettergeschützt und nicht so empfindlich.


    Unsere Fachleute sagen: offenbar drückt das Gebälk auf die Oberkanten des Gesimses, so das diese abbrechen. Die Sandsteinteile sind mit Abstandsplättchen verbaut, die hier offenbar zu weit vorne an der Kante lagen, so dass das Gewicht des Gebälks auf die Kante gedrückt hat.


    Einbaufehler. entweder von der Royal BAM Group oder von der Firma die für die sächsischen Sandsteinwerke nach der Pleite die Ersatzvornahme umgesetzt haben.


    Für den Landtag jedenfalls kein Problem, da er das Gebäude ja im Mietkauf erworben hat und so die am noch viele Jahre für die Bauunterhaltung zuständig ist.

    Freunde, beruhigt Euch. In unserem Staat darf man jeden Blödsinn behaupten und die Demo (Bild) hat immerhin gezeigt daß Palastfans und die "Dekolonisize"-Truppe nicht mal 50 Menschen auf die Beine bringen und damit nur über die Medienresonanz lebt. Zudem zeigt die Demo, daß mit Anti-Reko-Sein allein kein Staat zu machen ist - ohne Benin-Bronzen und Mohrenstraße kommen nichtmal die 50 People zusammen.


    Also: Entspannt Euch.


    Chiericati vs. Noacksches Haus


    Unify: ein säulengestützer Altan und eine 5-achsiges Haus machen beim Noackschen Haus weder Kopie noch Adaption aus. Das Charakteristische beim Palazzo Chiericati ist die zweigeschossige Säulenreihe, die in Potsdam völlig fehlt. Aber auch der Altan sieht ganz anders aus: es fehlen die Triglyphen und der Eingang mit dem Rundbogen im Basisbau.


    Im Obergeschoß entwirtft Gontard eine rustizierte Fassade, die der angebliche Vorbildbau nicht kennt und wählt auch ganz andere Fensterformate. Zudem kommen an dem zentralen Kreuzungspunkt Berleiner Straße/Alter Markt zwei Hermespilaster zum Einsatz.


    Fazit: nicht jede palladianische Säule ist eine "Kopie" berühmter Palladiobauten sondern in diesem Fall ist es ein von Gotard entworfener Verbindungsbau zwischen den beiden Palästen Barberini und Pompei, der zweifelsfrei palladianische Elemente aufweist aber wirklich keine Kopie ist.


    Wer sich näher damit befassen will: Der falsche Chiericati.pdf

    Es dürfte wohl auch an den finanziellen Mitteln fehlen - oder?

    Bei der unklaren Lage wird sich auch private Spendenbereitschaft in Grenzen halten.


    Die Lage ist doch klar: die Figuren bleiben in Berlin. Daran werden die Minderheitsvoten des Schloßvereins nichts ändern.


    Für die Sanierung der Originale sind eine halbe Millionen Euro Steuergeld eingeplant, weil sich die Universät nicht traut, die Figuren abnehmen zu lassen sondern extra ein Gerüst zur Sanierung in situ baut. Offenbar befürchtet man, daß die Figuren nicht wiederkehren, wenn sie einmal abgebaut sind. Hierfür ist also genut Geld da.


    Für die Kopien fehlen natürlich die mittel: wer spendet schon für eine Kopie, wenn das Original noch da ist? Der Schloßverein hat der Universität vorgeschlagen, die Figuren von der Schlösserstiftung zu kaufen , wenn sie schon dauerhaft in Berlin bleiben sollen. Für den Kaufpreis könnte man die Kopien in Auftrag geben. Hochschule und Stiftung haben aber empört abgelehnt.


    Na, bis die Figuren 2024 in Berlin saniert sind (bertintypisch muß man ja noch ein, zwei Jahre auf die Pläne draufrechnen) fliesst noch viel Wasser Spree und Havel hinunter.

    Ich vermute fast, der Neubau des Einsiedlers wird eher fertig als das benachbarte Achteckenhaus (Dauerbaustelle).:wink:

    Das Achteckenhaus ist eine komplexe Fassade mit einer handgemauerten Vormauerschale und Faschen sowie Bauschmuck in Rabitztechnik. Daß solche Konstruktionen länger dauern als ein paar Betonplatten zusammenzustellen und einen Glattputz draufzuhauen ist klar.

    Angesicht der langen Abwesenheit des zweiten Achteckenhauses kann es von mir aus auch noch ein Jahr länger dauern, wenn das Ergebnis gut, detailliert, filigran und damit dauerhaft wird. Die Kreuzung selbst wird ja noch eine lange Zeit Baustelle bleiben, da die Fassade des vierten 8-Eckenhauses erst im Herbst entschieden wird und beim dritten 8-Eckenhaus erst im Herbst mit den Bauarbeiten begonnen wird.


    Wer keine Geduld hat sollte sich ein anderes Hobby suchen als die Beobachtung von anspruchsvollen Rekonstruktionen.

    ^Das Bildprogramm ist bekannt - beliebte Liebespaare aus den Metamorphosen des Ovid; das Heinrichspalais war ein Hochzeitgeschenk. Der Stil der Bildhauer Leonard Storch und Gottlieb Heymüller ist auch bekannt, zudem gibt es noch eine Reihe von Fotografien, auch wenn diese in der Regel das Gesamtgebäude zeigen.


    Da aber die Hochschulleitung, dieSchlösserstiftung und das Landesdenkmalamt dagegen sind wird ein Nachschöpfung nicht stattfinden.

    Der Kurfürst

    Die Figuren auf dem Mittelrisalit der Humboldt-Universität konnten rekonstruiert werden und die stehen dort auch. Das Gebäude hat aber noch zwei Seitenflügel und dort konnte man nicht rekonstruieren, wie Konstantin erläutert hatte. Deshalb hat man auf die Risalite der Seitenflügel die Potsdamer Figuren gestellt, auch wenn sie etwas zu klein sind.


    Weitere Infos und Bildmaterial: de.wikipedia.org/wiki/Palais_des_Prinzen_Heinrich

    Danke, Rastrelli. Es geht wirklich stets von vorn los. Nicht mal bei Wiki nachschalgen aber vollmundig und meinungsstark rumpusten - so sind eben viele hier auf dem Forum.

    Der Schloßverein bemüht sich seit geraumer Zeit um die Erlaubnis zur Kopie, da die Originale in sehr schlechtem Zustand sind. Aktuell sollen die Figuren in 2024 saniert werden - vorher machen Kopien auch keinen Sinn.


    @ Andersdenkender: die Vertragslage ist klar, wobei umstritten ist ob die SPSG die Rechtnachfolge des kommunalen VEB Sanssouci der DDR ist. Der tatsächliche Hinderungsgrund der Rückführung ist, daß der Berliner Landeskonservator Rauhut eine Veränderung des Baudenkmals Humboldt-Uni ungtersagt, da er auch den Mißbrauch der Potsdamer Skulpturen für eine schützenwerte Zeitschicht hält.

    Die Figuren sind exakt einen preußischen Fuß, also 0,31418 Meter, zu klein. Ordendliche Abbildungen der Ovidschen Liebespaare, die Friedrich II. für das Hochzeitgeschenk an seinen Bruder Heinrich ausgesicht hatte, sind mir leider nicht bekannt. Nur die Figuren auf dem Mittelrisalit sind gut dokumentiert und - bis auf eine Erhaltene - zu DDR-Tagen akkurat rekonstruiert worden.



    Der ursprüngliche Versuch, zeitgenössiche Figuren des sozialistischen Realismus zu schaffen (Abbildung der Bozetti unten), schuf nach Ansicht des DDR-Instituts für Denkmalpflege fehl, weshalb man sich dann aus Kostengründen an die Figuren des frisch weggesprengten Potsdamer Stadtschlosses erinerte.


    "Denkmalpflegerische Stellungnahme

    Die Konstruktionselemente des Gebäudes erinnern mit filigranen Stützen und Kappendecken an historische Bautechniken. Der Entwurf mit der zweigeschos-sigen Glasfassade überschreitet allerdings die im Wettbewerb genannten Maxi-malhöhen und muss daher dringend in Höhe und Proportionierung umgear-beitet werden. Die östliche Grenze des Baufeldes sollte beachtet werden und auch die übrigen Wettbewerbsvorgaben sind bei der von der Jury angemahnten Überarbeitung des Entwurfes einzuhalten. "


    Der Entwurf von Ivan Reimann (zweitplatziert) ist jedenfalls deutlich besser. Holz und ein Schrägdach.