Berlin - Pariser Platz und Brandenburger Tor

  • ... so ganz weiß ich immer noch nicht, was ich davon halten soll. Zum einen natürlich eine top Architektur für einen Neubau, zum anderen wäre mir eine Rekosntruktion natürlich deutlich lieber gewesen... ich meine von so:

    Die FUNDUS-Gruppe
    zu so:

    Berlin - Offizielles Stadtportal der Hauptstadt Deutschlands - Berlin.de


    ... das ist doch ein großer Unterschied! Komplett anderes Dach, fehlende Ornamentik usw..


    Passen denn die Geschosshöhen? Wäre es möglich, eine am Vorgängerbau orientierte Stukkatur anzubringen?
    Sind Innenräume zumindest kritisch rekonstruiert worden?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Also, ich bin mit dem Gebäude total zufrieden. Die anderen Gebäude am Pariser Platz hätten da eine Fassadenumgestaltung glaube ich eher nötig (französische und britische Botschaft und in Zukunft wahrscheinlich auch die amerikanische; an die Akademie der Künste kann ich mich gar nicht mehr erinnern, war aber glaube ich auch nicht der Knaller)!

  • Für ein Neubau ist das doch nicht soooo schlecht! Es nimmt auch das Argument, daß es ein Disney-Land-Bau ist, weil es eine neue Interpretation ist!
    Ich frage mich nur warum immer dieses Kunstsoff-Kupfer als Dachbedeckung genommen wird- fehlte da etwa das Geld :zwinkern: ?
    Das ist doch das wahre Disney-Land!

  • @ booni
    das neue adlon ist um ein stockwerk höher als das alte.


    mir gefällt es eigentlich ganz gut, bis auf das dach (viel zu eckig!)

  • Wieso Kunststoff-Kupfer? Das ist doch einfach künstlich oxidiertes Kupfer, oder? Normalerweise kommt so ein grüner Schleier nach 8-15 Jahren, hier war er eben schon zum Richtfest da. Sieht natürlich ein bißchen künstlich (weil zu gleichmäßig) aus, aber immer noch besser als graues Blech oder Glas.


    Was mir erst aufgefallen ist, als ich davor stand: Nicht die ganze Fassade ist aus Sandstein, sondern nur Teile, der Rest ist nur angestrichener Putz. Sieht ein bißchen billig aus (hätten die nicht irgendwo anders sparen können?). Oder war das beim alten Adlon auch so? Auf dem Bild sieht es aber aus wie komplett Sandstein.


    Das Dach ist etwas zu hoch und die Gauben zu groß und zu eckig. Aber sonst finde ich es okay. Und da es sich unverkennbar optisch an ein Gebäude anlehnt, das bis 1945 tatsächlich genau dort stand, gab es auch kaum LasVegas/Disneyland-Sprüche. Es wurde nur gejammert über diese altmodische Architektur, aber das passiert ja immer, wenn irgendwo so gebaut wird. Das Volk freut sich, der Feuilleton mault, die Architekten lästern. Sollen sie...

  • Ich finde das Neue Adlon sehr gelungen :) und soviel wie ich gezählt habe sind es sogar zwei Stockwerke mehr, wenn ich mich nicht täusche!
    Finde es sogar besser, dass man es nicht hunderprozentig neu gebaut hat.
    So würde es nur in die Fusstapfen des alten Adlon treten, es wäre eine komplette Kopie etc. Nun ist es aber ein Neues Adlon, welches an die Tradition des alten Hauses anknüpft und das finde ich persönlich besser.

  • Ich finde es auch recht gelungen. Es soll ja nur an das alte Adlon anknuepfen. Schliesslich stand dort fuer 60 Jahre nichts. Neben dem Brandenburger Tor ist es immer noch der beste Bau am Pariser Platz.

  • Quote from "Jörn"

    und soviel wie ich gezählt habe sind es sogar zwei Stockwerke mehr wenn ich mich nicht täusche!
    besser


    Das ist genau das Problem. Durch die unruhige Stockwerksaufteilung der Neuinterpretation bekommt man den Eindruck, daß zugunsten der Gesamtfläche mehr als ein Stockwerk hinzugebaut wurde, obwohl dies gar nicht der Fall ist, was wohl daran liegt, daß die Vertikalwirkung der Etagen 1-3 weggelassen wurde. Stattdessen gibt es mehrere Gesimse, die glauben machen, der Bau würde mehrmals zurückspringen.
    Die Patzschkes sind dabei bei ihren jüngeren Bauten geschickter vorgegangen. Vielleicht wäre es eine Option gewesen, das Sockelgeschoß über 2 Etagen gehen zu lassen, wie z.B. am Hausvogteiplatz.
    Die Beibehaltung der Kubatur und die 5. Etage + umlaufedem balkonartigen Gitter sowie Sockelgeschoß scheinen mir noch die größten Wiedererkennungsfaktoren bez. des alten Adlons zu sein.


    Dennoch bin ich über das Adlon als Wegbereiter sehr froh.

  • Ja, etwas mehr Stuck oder vielleicht etws mehr Farbvielfalt bzw. -variabilität zw. dem Putz und dem Stein erzeugen können...Das grüne Dach find eich sher schön!


    Die Traufhöhe war bestimmt im Bebauungsplan vorgégeben, und daraus resultiert nun Mal auch die Geschosszahl...


    Ich habe Mal etwas rumgespielt, und jeweils die erste


    die zweite


    und die vierte Etage


    entfernt, um einerseits einfach Mal zu sehen, wie es etw. kleiner wirkt und andererseits um mal zu gucken, welche Etage nun "zu viel" ist....

  • Remy:


    ein hervorragender Artikel. Besonders interessant fand ich, dass der Autor zu folgender Einsicht gelangt (die hier im Forum alle schon seit langem teilen :prosit: :(


    Quote

    Läßt man den zukünftigen Pariser Platz vor dem inneren Auge erstehen und vergleicht ihn mit dem Zustand vor dem Krieg, fällt der Verlust an architektonischer Verfeinerung auf, der Mangel an nuancierten Profilierungen und Details, die die meisten heutigen Architekten nicht mehr entwerfen wollen oder können.


    und


    Quote

    ...der eine oder andere wird angesichts der vergröberten Neuschöpfungen wohl der untergegangenen Baukunst nachtrauern.

  • @ Ben


    Raffinierte Bildtüftelei!


    Ich finde das oberste Bild am besten: Denn es kommt dem Original am nächsten. Man sieht doch genau, daß es die 1. Etage (direkt über den Arkaden) ist, die eigentlich nicht da hingehört, die die Patzschkes sozusagen dazuerfunden haben. Sie stört nicht massiv, es ist ganz elegant gelöst, aber das ändert nichts daran, daß sie eigentlich überzählig ist.

  • @ Philon
    soweit ich weiß schrieb rainer haubrich schon immer artikel in "unserem sinne", also war es nicht anders zu erwarten.

  • Ist es nicht schrecklich, was aus der Akademie der Künste direkt neben dem Adlon geworden ist???



    Hier ein passender Artikel dazu:


    Berlins große Bühne
    Greisenmoderne: Kritischer Blick auf die Architektur des Akademie-Neubaus am Pariser Platz


    Von Rainer Haubrich
    Nach einer skandalösen Baugeschichte ist der Neubau der Akademie der Künste fast vollendet. Obwohl der Entwurf von Günter Behnisch ein Anachronismus ist, fasziniert das Zusammenspiel von Historie und Moderne.



    Die Akademie der Künste gehört nicht zu jenen Institutionen, die man ohne Zögern für einen Innovationspreis vorschlagen würde. In der Abgeschiedenheit ihres Domizils im durchgrünten Hansaviertel aus den fünfziger Jahren werkelten in Würde ergraute Honoratioren über Jahre an den immergleichen, alten Themen, während sich im wahren Leben die Republik und ihre Hauptstadt dramatisch veränderten.


    Deshalb wirkte es so grotesk, daß ausgerechnet diese Institution bei ihrem Neubau am historischen Standort Pariser Platz dem angeblich so "rückwärtsgewandten" Berlin mal zeigen wollte, wie zeitgenössische Baukultur auszusehen habe: "transparent" und "offen". Sie entschied sich für die Greisenmoderne des Günter Behnisch, Architekt des Münchner Olympiastadions und des neuen Plenarsaals des Bundestags in Bonn. Der Gestaltungssatzung für einen einheitlichen, steinernen Pariser Platz wollte man sich partout nicht "unterwerfen". Alle Hebel bis zum damaligen Bundespräsidenten wurden in Bewegung gesetzt, schließlich genehmigte ausgerechnet der als konservativer Baupolitiker angetretene Senator Klemann die gläserne Front.


    Nach einer skandalösen Baugeschichte von Schlamperei und Verzögerung ist der Neubau nun fast vollendet. Und es erweist sich, daß der eigentlich anachronistische Bau am Pariser Platz nicht das "Adlon", sondern die Akademie der Künste ist, die in weiten Teilen wirkt, als stamme sie aus den längst vergangenen Zeiten einer angestrengt heiteren Bundesrepublik.


    Zwar strahlt die Fassade nach Anbruch der Dunkelheit von innen heraus, lenkt die Blicke tief ins Innere. Aber tagsüber erweist sich die immer wieder beschworene "Transparenz" als eine modische Lüge. Aus der Nähe entpuppt sich die mit großem theoretischen Aufwand gerechtfertigte Front als graue Allerweltskonstruktion.


    Aus panischer Angst vor dem als "herrisch" empfundenen rechten Winkel hat Behnisch überall Bauteile verkantet. Das schaut auf den ersten Blick hübsch durcheinander aus, doch sind solche Kapriolen kaum mit Anstand zusammenzufügen.


    Die größte Stärke von Behnischs Entwurf besteht darin, daß er der historischen Substanz aus der Kaiserzeit, den erhaltenen fünf Sälen, großen Respekt zollt. Da gibt es den wilhelminischen Empfangsraum, in dem einst der Kaiserthron stand; es folgen die Oberlichtsäle, in denen Albert Speer mit Adolf Hitler seine Pläne für das "Germania" genannte Berlin der Zukunft vorführte; darunter liegen die ehemaligen Heizungskeller aus der Zeit der DDR-Akademie, in denen die Meisterschüler ihre offiziell unerwünschten abstrakt-expressionistischen Bilder auf Backsteinwände malten - sie sind bis heute erhalten. Das Wandbild "Gastmahl des Wilddiebs" von Harald Metzkes wurde ausgebaut und ziert jetzt den rückwärtigen Zugang zur Akademie. Selbst an die "Grenzverletzer", die in diesen Räumen verhört wurden, wird erinnert.


    Zum Pariser Platz hin liegt der öffentliche Lesesaal, darüber der Plenarsaal und als unvergleichlicher Olymp des Hauses der Clubraum für Akademie-Mitglieder und Gäste. An einer kleinen Buffetzeile werden Kaltgetränke bereitgehalten, und auch die geliebten "Lümmelbretter" haben die Architekten eingebaut: schmale, hölzerne Tresen, auf denen man ein Glas absetzen oder sich zu später Stunde aufstützen kann. Rückwärtig schaut man auf den Skulpturen-Dachgarten, zum Pariser Platz hin bietet eine Terrasse einen grandiosen Blick auf Brandenburger Tor, Reichstag und Tiergarten.


    Selbst in den unterirdischen Magazin-Etagen entstanden Veranstaltungsräume, darunter der wohl dramatischste des Hauses: die sogenannte "Blackbox", in der man, vollkommen von der Außenwelt abgeschottet, Theaterstücke, Filme oder Musik vorführen kann. Leider ist der Raum immer noch im Rohzustand, weil man nach dem Desaster der Bauplanung eine Million Euro einsparen mußte. Es werden Sponsoren gesucht.


    Nachdem die Berliner Akademie von Kulturstaatsministerin Christina Weiss als Ziehkind des Bundes adoptiert wurde, hat die traditionsreiche Institution mit dem Neubau jetzt nicht nur eine erstklassige Adresse erhalten, sondern auch eine vielfach bespielbare Bühne, aus der sich Großes machen läßt. Sollte die Akademie diese Chance vergeigen, hätte sie endgültig ihre Daseinsberechtigung verwirkt.


    Die Ausstellung "Vom Denkmal zum Neubau" ist vom 26. Jan. bis 29. März in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Behrenstr. 42, Mitte) zu sehen.



    Und so sah das Gebäude früher einmal aus:


  • Quote from "saibo"

    ... die Greisenmoderne des Günter Behnisch...


    Haubrich spricht mir aus dem Herzen. Der 82jährige Behnisch sollte
    endlich in Rente gehen und es sich mit "seinen Katzen" gemütlich machen !


    Quote

    ZEIT: Und dass sich viele Menschen nach Gemütlichkeit und Geborgenheit sehnen?


    Behnisch: Wenn jemand Gemütlichkeit braucht, soll er sich eine Katze anschaffen. Ich habe zwei Katzen zu Hause, das ist gemütlich.


    http://www.zeit.de/2004/08/InterviewBehnisch

  • AUS DEM RAHMEN
    ... fällt Behnischs Akademie der Künste - sein bisher letztes Modell




    Hoffen wir doch es tatsaeclih sein letztes modell is!! zum ko....zen ist dieser entwurf und noch schlimmer ist es dass dieser sch..... entwurf von der senat akzeptiert bezw.gutbefunden worden ist: damit sieht man mal wieder was fuer ein sch.... geschmack der berliner Senat hat. Und nein, diese worte nehme ich NICHT zureuck!! :boese:

  • Angeblich zitiert ja das neue Gebäude die Fassadenstrktur des Vorgängerbaus. Ich kann da allerdings, wenn ich mir die Bilder anschaue, nicht viele Gemeinsamkeiten erkennen. Das Ganze ist eine ziemlich banale Glaskiste geworden. Die meisten anderen Gebäude, bei denen Szein oder Putz verwendet wurde, taugen allerdings auch nichts....


    Auf dem Nachkriegsbild sieht man ganz gut, daß die Fassade der alten Akademie noch ganz gut erhalten war, wie auch die des Adlon (dasselbe galt auch für die US- und Französische Botschaft und deren Nachbargebäude, aber da hat die DDR eben leider radikal alles abgeräumt).


    Der Behnisch-Bau ist zwar häßlich, aber immerhin ist die Baulücke geschlossen. Und vielleicht kriegt das Ding ja eines Tages eine andere Fassade...