Posts by Philon

    Meinen letzten Beitrag hat es ja schon im zarten Alter von nicht einmal 2 Stunden erwischt. Sehr schade...........

    Wenn man versucht, mit einem völlig themenfremden Trollbeitrag eine Diskussion über die Corona-Demos von letztem Wochenende zu provozieren, darf einen nicht wundern, wenn der gelöscht wird.

    Was provoziert als ehemalige Bewohner ist halt die selbstverliebtheit der Stadt. Wie oft wurde mich die Schönheit der Stadt gelobt. Mustergultige Wiederaufbau! Mittelalterliche Grundriss! Wunderschöne Altstadt. Uberall wird die Schönheit von manche Burger so hochgelobt dass man ganz verwirrt wird. Wo liegt diese Stadt die die alle so beschwören!

    Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, um zu verstehen, warum Nürnberg hier so viel Kritik auf sich zieht. Diese provinzielle Selbstverliebtheit vieler Nürnberger und ihre Wirtschaftswunder-Nostalgie, die die große Geschichte und Architektur dieser Stadt geradezu aggressiv leugnet.

    Wenn man sein Auto nach einem Unfall zur Reparatur in die Werkstatt gibt und es mit fast genauso viel Beulen und Lackschäden zurückbekommt wie vorher, dann ist man auch eher auf eine Werkstatt sauer, die einem weismachen will, das Auto wäre wieder so schön und toll wie vorher als auf eine Werkstatt, die einem eingesteht, dass sie Mist gebaut hat.


    Hinzukommt, dass eben diese ungerechtfertigte Selbstverliebtheit, dieses ständige lächerliche Schönreden des Nachkriegsschrotts, der heute die Nürnberg Altstadt prägt, jede Verbesserung unmöglich macht. Das regt mich schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf, seit ich zum ersten Mal in Franken gelebt habe.


    Man darf auch nie vergessen, dass die Architektur der 50'er Jahre eine bewußte Abkehr vom mittelalterlichen Nürnberg und seinen Gestaltungsprinzipien war. Das ist nicht einfach so passiert, sondern wurde von Heinz Schmeißner und Wilhelm Schlegtendal, die ja schon von den Nazis als Architekten des Nürnberger Wiederaufbaus vorgesehen worden waren, von oben verordnet.

    Siehe z.B. Schmeißners Verbot in der Altstadt beim Wiederaufbau gotische Dachneigungen zu bauen. Das macht einen halt noch wütender, wenn man zugleich weiß, dass es in Nürnberg in den ersten Nachkriegsjahren auch durchaus Bestrebungen zu einer echten Rekonstruktion der Altstadt gab.

    Ob sie dies auch als "Erbfeindschaft" oder aucz nur grundsätzliche Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich gesehen haben

    Ich habe nicht behauptet, dass die Zeitgenossen das als Erbfeindschaft gesehen haben, sondern dass die gegen Deutschland gerichteten französischen Eroberungskriege des 17. und 18. Jahrhunderts die Wurzel dessen waren, was später "Erbfeindschaft" genannt wurde.

    "Reichspatriotismus", ist aus meiner Sicht etwas anders als Denken in Nationalstaatlichen Kategorien.

    Was ist dann deiner Auffassung nach ein "Denken in nationalstaatlichen Kategorien"?


    Zitat:

    "Ohne Zweifel ist Mélac der am meisten genannte und beschriebene Akteur in den Flugschriften zur ersten Zerstörung Heidelbergs. Er verkörpert für die Zeitgenossen alles Böse und Grausame. Das heißt allerdings nicht, dass er allein für die Grausamkeiten der französischen Truppen verantwortlich gemacht wird – schließlich ist es stets nicht nur der französische Offizier, sondern er „samt seiner verfluchten Französischen Rott", der Heidelberg und das Umland terrorisiert; nicht nur ein einziger Offizier fällt über die Pfalz her, sondern „Die Barbarischen und Tyrannischen Franzosen“. Der Brigadier wird jedoch stets aus dieser anonymen Masse herausgehoben als Exempel französischer Grausamkeit. Er bildet gewissermaßen das personalisierte Feindbild." (Quelle: Bothe, Jan Philipp: Von Mordbrennern und Feuer-Hunden. Heidelbergs Zerstörungen im Neunjährigen Krieg als frühneuzeitliche Medienereignisse, S. 24)
    Ist das kein "Denken in nationalstaatlichen Kategorien"?

    Ob dies angeordnet oder systematisch war und über das in Kriegen in dieser Zeit "Übliche" hinausging, müssten wir, soweit dies hierweiter diskutiert werden sollte, seriöser weise erst einmal prüfen.

    Das müssen wir nicht diskutieren. Diese Fragen sind in der Geschichtswissenschaft längst geklärt:
    1.) Die Verwüstungen der Pfalz waren von oben angeordnet (was ist der Anweisung Ludwigs XIV. "Brûlez le Palatinat!" mißverständlich?).
    2.) Sie gingen deutlich über das in der damaligen Zeit Übliche hinaus. Plünderungen und Brandschatzungen erfolgten bis dahin im Europa der Frühen Neuzeit weitgehend unsystematisch und ohne übergreifende Planung oder Zielsetzung.
    Das Neue am Pfälzischen Erbfolgekrieg war, dass die Taktik der verbrannten Erde erstmals in einem europäischen Krieg der Frühen Neuzeit planmäßig, gezielt und systematisch angewandt wurde (und wie gesagt: das ist Konsens in der Geschichtswissenschaft).

    Trotzt der Kriege hatte aber während des 18. Jahrhunderts in den Ländern des deutschen Reiches hingegen Frankreich durchaus einen positiven Ruf, auch noch zu Beginn der Revolutionskriege, zumindest bei einem Großteil der Bevölkerung.

    Bei den Fürsten vielleicht, die Frankreich nachzuahmen versuchten. In der (süddeutschen) Bevölkerung sicherlich nicht, wie die bürgerliche Publizistik im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg sehr eindrücklich zeigt.

    In nationalstattlichen Kategorien wird bis dahin auch Niemand, zumindest nicht Viele, gedacht haben.

    Auch falsch. Siehe den "Reichspatriotismus" des 17. und 18. Jahrhunderts. Ohne den wäre auch kaum erklärbar, warum die protestantischen Reichsstände dem katholischen Kaiser mit einer großen Armee zu Hilfe kamen und die Pfalz verteidigten. Erst diese Hilfe hat den Krieg zugunsten des Reichs entschieden.

    Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (der ja nichts anderes war als ein imperialistischer Eroberungskrieg) haben französische Truppen ja, wie Kurpfalz richtig bemerkt, praktisch sämtliche Städte und Dörfer der Pfalz und vielen angrenzenden Gebieten zerstört, sobald klar war, dass Frankreich sie würde räumen müssen.
    Unter den größeren Städten der Region, die niedergebrannt wurden, waren unter anderem: Speyer, Worms, Heidelberg, Trier (teilweise), Saarbrücken, Zweibrücken, Homburg, Lemberg, Pirmasens (teilweise), Mannheim, Durlach etc. Während der Plünderungen und Brandschatzungen kam es auch zu Massenvergewaltigungen und Massakern unter der Zivilbevölkerung durch die französischen Truppen.

    Dieser Krieg begründete in Deutschland erst die "Erbfeindschaft" und den (nicht ganz unberechtigten) Haß gegen Frankreich, das auch in den etwas über 150 Jahren bis 1815 diese Art der Kriegführung immer wieder in Süd- und Westdeutschland betrieb, wenn auch meistens nicht mit der enormen, von Ludwig XIV. angeordneten Brutalität wie im Pfälzischen Erbfolgekrieg.

    verbürgerlichtes Christentum, das nur noch aus Tradition und Gewohnheit besteht

    Es ist zwar off topic, aber: warum sollte ein solches "Kultur- und Traditionschristentum" nicht auch durchdacht sein können? Das kann eine durchaus hochreflektierte Position sein.
    Um nur eine Analogie aus dem Bereich der Ethik und Sozialphilosophie zu nennen: Hegels Argumentation für die "substantielle Sittlichkeit" (d.h. die Sitten und Traditionen eines jeweils besonderen Volkes) als Grundlage von Recht und Ethik besteht aus einer hochkomplexen kritischen Reflexion aller alternativen Möglichkeiten einer Fundierung von Normativität und dem ebenso komplexen Versuch des Nachweises, dass sich gerade in den besonderen Sitten und Traditionen einer Gemeinschaft die einzige Möglichkeit findet, so etwas wie eine praktisch verwirklichte Vernünftigkeit zu denken.

    Der Frankfurter Architekt und Gestaltungsratsmitglied Mäckler war hierfür die treibende Kraft, August 2011: "Wir werden so wenig wie möglich rekonstruieren."

    Es ist zwar off-topic, aber vielen Dank noch einmal für dieses Zitat, das die Mäckler-Fans hier im Forum hoffentlich eines Besseren belehrt.

    @ Rastrelli: Na ja, das Interview ist an vielen Stellen schon substantieller, z.B. in der Kritik des Poststrukturalismus oder der Analyse des linken Moralismus

    Außerdem übergehst du die ganzen Ausführungen zu Architektur und Städtebau im Mittelteil.

    Philon,verständlich und interessant ist dieses Interview nur für jene Foristen die der Englischen Spache mächtig sind,alle anderen ohne Englischkenntnisse haben leider nichts von diesem Interview.

    Das ist natürlich bedauerlich. Aber soll ich einen interessanten, für unser Anliegen relevanten Beitrag , den viele Leute verstehen können, nicht einstellen, weil einige ihn (leider) nicht verstehen?

    Und noch einmal ein wunderbares Interview mit Roger Scruton aus dem Jahr 2017:


    Um Architektur geht es im Mittelteil des Interviews, aber der Rest ist auch hörenswert. Insbesondere der Teil über Meinungsfreiheit und neulinken Moralismus.

    Gibt es eigentlich Gründe, warum Heidelberg im 2. WK nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde? Der Fokus lag ja auf Kulturstädten?

    Es wird gelegentlich kolportiert, die Amerikaner hätten Heidelberg als künftiges Hauptquartier ihrer Bestzungstruppen ausersehen und daher bei den Briten interveniert, die Stadt nicht zu bombardieren. Dasselbe wird aber praktisch von jeder anderen unzerstörten westdeutschen Stadt auch kolportiert.


    Plausibler scheint mir daher eine These, die ich in Heidelberg auch öfter gehört habe: nämlich, dass viele hochrangige Militärs in Großbritannien und den USA noch vor dem 1. Weltkrieg die Stadt als Studenten oder während ihrer "Kavalierstour" durch Kontinentaleuropa (bei der Heidelberg, anders als z.B. Dresden oder Frankfurt, praktisch immer auf dem Programm stand) kennengelernt hätten.

    Heidelberg war dementsprechend ein Ort, mit dem sie schöne Jugenderinnerungen verbanden. Deshalb hätten sie bei ihren "Kollegen" darauf hin gewirkt, dass es nicht zerstört wird.

    Wir haben jetzt alle Beiträge deaktiviert, die nicht Architektur und Rekonstruktionen zum Thema hatten. Ich halte die Diskussion, die hier geführt wurde, für wichtig, aber dieses Forum ist nicht der angemessene Ort dafür. Wir haben diese Art von politisch-gesellschaftlichen Debatten ohne Architekturbezug in unseren Regeln ausgeschlossen.

    Wäre es nicht besser, sichere Wissensspeicher anzulegen und diese für einen dereinstigen ‚Großen Wiederaufbau’ vorzuhalten, der eines fernen Tages – nach dem totalen Bankrott des jetzigen Zeitgeistes – in Angriff genommen werden wird müssen?

    Um zum Thema zurückzukommen: Mir sind solche Ideen nicht fremd und sie haben auch etwas mit einer strategischen Grundsatzdiskussion zu tun, die seit längerem hier unterschwellig geführt wird. Meinem Eindruck nach gibt es zwei Ansätze in der Reko-Debatte:


    Die einen sind der Auffassung, dass man jegliche politisch-gesellschaftliche Debatte in Bezug auf Rekonstruktionen unterlassen sollte und versuchen sollte, mit Appellen an Schönheit und Lokalpatriotismus immer mal wieder hier und da ein oder zwei Rekonstruktionen durchzusetzen.


    Die anderen meinen, dass das letztlich ein Kampf gegen Windmühlen ist, so lange nicht ein grundsätzlicher Bewußtseinswandel im Land stattfindet und so lange die entscheidenden Stellen in den Institutionen von Leuten besetzt sind, die alles hassen, was mit Tradition, Nation und kulturellem Erbe zu tun hat. Diese Leute (zu denen ich mich inzwischen - früher was das anders - eher auch zähle), sehen die Aufgabe der Rekonstruktionsbewegung ehe darin, diesen Bewußtseinswandel (mit) herbeizuführen.


    Die nächste Steigerung wäre dann, um es mit Pagentorns Worten zu sagen, das Wissen und die Argumente für eine bessere Zeit aufzubewahren und weiterzugeben, so wie einst Benedikt von Nursia versucht hat, in den Klöstern das Wissen der Antike zu bewahren und der Zukunft weiterzugeben.

    Darin sehe ich inzwischen auch am ehesten meinen Weg. Ich bin nämlich leider inzwischen auch skeptisch, ob ich jenen Bewußtseinswandel überhaupt noch erleben werde. Es ist alles so festgefahren, hysterisch und totalitär geworden. Dementsprechend ist es ist auch individuell bedrohlich und existenzgefährdend geworden, sich für ein konservatives oder nationalkonservatives Denken einzusetzen.

    Ich bin daher auch an einem Punkt angekommen, an dem ich für mich nur noch die Alternative der "Inneren Emigration" sehe, wenn ich irgendwie noch eine Chance haben will, meinen Lebensunterhalt in Deutschland zu verdienen. Einen Job im linksdominierten Unibetrieb habe ich schon verloren, weil ich meine Meinung öffentlich bekannt habe. So etwas will ich nicht noch einmal erleben. Also halte ich den Mund und schreibe für die Schublade.


    Es gab meinem Eindruck nach mal Ende der 90'iger und Anfang der 2000'er Jahre ein kleines Zeitfenster, in dem man freier reden konnte, in dem man z.B. den alliierten Bombenkrieg als Verbrechen benennen konnte, ohne zum Nazi erklärt zu werden; gegen massenhafte Migration sein konnte, ohne zum Rechtsradikalen abgestempelt zu werden; Diskriminierung von Männern als Mittel der "Gleichstellung" ablehnen oder ein aufgeklärtes Nationalbewußtsein als Ziel vertreten konnte. Und genau in dem Zeitfenster war es auch möglich, größere Rekonstruktionsprojekte wie in Frankfurt oder Dresden oder Postdam anzustoßen. Aber die Zeit ist offenkundig vorbei.

    Der linksliberale Totalitarismus, der sofort versucht, deine wirtschaftliche und bürgerliche Existenz zu vernichten, wenn dein Denken von seinen Vorgaben abweichst, hat auf ganzer Linie gesiegt. Jetzt heißt es als Bürgerlich-Konservativer in die "innere Emigration" gehen und dort überwintern.

    tegula:


    https://www.nzz.ch/feuilleton/monika-maron-es-liegt-mir-fern-die-bundesrepublik-mit-der-ddr-zu-vergleich-ld.1519713


    "Natürlich, Deutschland ist ein Rechtsstaat; darum werden Bücher nicht verboten und Schriftsteller nicht verhaftet. Aber es gibt auch in einem Rechtsstaat Möglichkeiten, Menschen wegen unerwünschter Meinungen die Existenz zu erschweren oder sogar zu zerstören. Wenn Zweifel schon verdächtig sind, wenn Fragen als Provokationen wahrgenommen werden, wenn Bedenken als reaktionär gelten, wenn im Streit nur eine Partei immer recht hat, können einen alte Gefühle eben überkommen." (Monika Maron)