Posts by Philon

    Paris weniger..., Buenos Aires erinnert mich ein wenig an Madrid, wobei es auch da viele Unterschiede gibt, allein schon die Lage Küste vs. Landesinnere.

    So ähnlich war auch mein Eindruck bei meinem bislang einzigen Aufenthalt in Buenos Aires. Mir schien es wie eine südeuropäische Großstadt (freilich ohne Altstadt), die irgendwie versehentlich auf einem anderen Kontinent gelandet war.

    Wenn man in Ouro Preto weilt, dann kann man sich auch die Orte Tiradentes und Sao Joa del Rei anschauen. Die liegen recht nahe für brasilianische Verhältnisse.


    Ich hatte vor 5 Jahren etwa schon mal Bilder eingestellt. Die müsste man doch noch finden. Oder?!


    Ich werde demnächst dann auch Bilder von Rio de Janeiro einstellen!

    Toll, vielen Dank für die Hinweise!

    Vielen Dank für die beiden tollen Brasilien-Galerien, Spreetunnel!

    Da ich jetzt etwas länger in dem Land sein werde, werde ich es hoffentlich schaffen, mir Ouro Preto und Salvador anzuschauen. Daneben steht an Städten noch Recifé bzw. Olinda auf dem Programm. Gibt es sonst noch eine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss?

    Ich war vor 4 Wochen in Ouro Preto und habe 383 Fotos geschossen

    Optimal. Ich werde so schnell nicht in den Süden kommen. Von daher würde das doch hervorragend passen.

    Falls nicht jemand vorher dran ist, dann im März, auch Salvador falls gewünscht

    Ich denke, dass ich vermutlich erst im Mai oder Juni nach Salvador und Recife komme. Eine Salvador-Galerie wäre von daher ebenfalls im März gerne gesehen.

    Die nächsten möglichen Weiterentwicklungsareale der Altstadt wurden bereits mehrfach erwähnt. Sie liegen westlich des Römerbergs, im Bereich zwischen Limpurgergasse und Alte Mainzer Gasse. (Altstadt 2.0)

    Darüber würde ich gerne mehr erfahren. In den (sozialen und sonstigen) Medien ist immer nur von dem Projekt Alte Börse die Rede, das mir allerdings persönlich nicht wirklich am Herzen liegt und für das ich daher auch kaum große Begeisterung oder großes Engagement entwickeln kann.

    Für eine Weiterführung der Altstadtrekonstruktion westlich des Römers wäre ich dagegen sofort Feuer und Flamme.

    Ich werde auf jeden Fall versuchen, während meines Aufenthaltes in Brasilien noch die alten barocken Kolonialstädte Salvador da Bahia (gegründet 1547), sowie Recife ( gegründet 1537 und als "Mauritsstad" 1630 bis 1654 Hauptstadt des kurzlebigen "Niederländisch-Brasilien") und seine Schwesterstadt Olinda (ebenfalls 1537 gegründet) zu besuchen, die alle richtige geschlossene Altstädte aus dem 17.-18. Jahrhundert aufweisen.

    Das wird dann sicher für das Forum auch interessanter.

    Netter wird es dann in Aquiraz, etwa 17 km westlich von Fortaleza, wo ich aktuell auch untergebracht bin. Die Stadt wurde 1699 gegründet und war bis 1726 die erste Hauptstadt des heutigen brasilianischen Bundesstaates Ceará.


    Das Stadtbild wird von einer recht stattlichen Barockkirche aus dem Jahr 1713 beherrscht:



    Direkt dahinter eine alte Markthalle:



    Das Haus des Generalkapitäns von Ceará, das Erdgeschoß stammt aus der Gründungszeit der Stadt, der erste Stock wurde im frühen 19. Jahrhundert ergänzt:


    Zum Abschluß einige Straßenszenen aus Aquiraz und als Dreingabe ein Strandbild:





    Weiter geht es mit einigen ganz typischen Impressionen aus den Vierteln um die Innenstadt herum, fotografiert auf einer Autofahrt aus dem Universitätsviertel nach Osten. Das ist wohlgemerkt noch eines der normalen Wohnviertel, keine Favela oder ähnliches. Hier wohnen Arbeiter, kleine Angestellte und Dienstleister:





    Wie ihr seht, ist gerade Regenzeit ... Fortaleza liegt nur etwa 250 km südlich des Äquators und ist entsprechend feuchtwarm. Putz oder Farbe halten hier nicht lange.


    Schließlich kommen wir zum Haus des Volks- und Heimatdichters José de Alencar, das ursprünglich etwas außerhalb der Stadt lag, heute aber mitten in einem etwas "schwierigen", von hoher Kriminalität geprägten Vorstadtviertel liegt. José de Alnecar muss man sich ein bißchen wie einen Ludwig Ganghofer mit Indios vorstellen:



    So, liebe Leute, mich hat es für einige Zeit beruflich nach Brasilien, genauer gesagt in den Nordosten nach Fortaleza verschlagen. Ich bin erst seit gut zwei Wochen hier und wollte euch meine ersten Eindrücke (die durchaus sehr gemischt sind) nicht vorenthalten.


    Fangen wir mit meinem aktuellen Arbeitsplatz an, der Universidade Federal do Céara, und zwar dem Hauptgebäude:




    Das Gebäude ist eine ehemalige Industriellenvilla im früheren Villenviertel von Fortaleza - von dem allerdings außer dem Hauptgebäude der Universität praktisch nichts mehr vorhanden ist.

    Überhaupt ist von dem Fortaleza des 19. Jahrhunderts (die Stadt war kaum älter) kaum etwas übrig geblieben. In der Innenstadt gibt es noch einige Straßen mit Bebauung aus der Zeit von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts , die ich mir aber noch nicht näher angesehen habe. Das kommt aber in den nächsten Wochen auf jeden Fall. In den 60'iger bis 80'iger Jahren wurde ansonsten fast alles abgerissen, was etwas älter war und durch Hochhäuser oder ärmliche einstöckige Bebauung ersetzt.


    Der größte Teil der Innenstadt sieht daher so aus, immer wieder aber durch ärmliche Ecken unterbrochen, wie man im zweiten Foto sieht, wo im wahrsten Sinn des Wortes eine Favela "eingebaut" ist:






    Die Strandpromenade sieht leider nicht viel besser aus:



    Früher standen hier wohl zahlreiche Marine- und Yachtclubs wie an einer Perlenschnur aufgereiht nebeneinander. Überlebt hat die Abriss- und Neubauwut wohl nur einer:



    Zum Abschluß noch eine Skurrilität, die hinter der Strandpromenade zu finden ist:


    Gerade in München und Dresden stehen zwei besonders abschreckende Beispiele für moderne Synagogen.

    Was Dresden angeht, gebe ich dir vollkommen recht. Allerdings nicht, was München angeht, die dortige Synagoge gehört zum besten, was in München in der Nachkriegszeit gebaut wurde. Den Bau muss man im Original sehen; die Fotos geben keinen gute Eindruck davon wieder.


    P.S.: Glückwunsch an die jüdische Gemeinde in Hamburg!

    Franka und wo liegt jetzt der Unterschied zur meiner Aussage?


    Über große Altstädte gern was sagen aber über die kleinen noch erhalten nicht sprechen?

    Na ja, das Nürnberg-Zitat ist ein Grenzfall, aber ich denke, dass Tieck schon recht deutlich macht, dass er Nürnberg in gewisser Weise für repräsentativ für deutsche Altstädte hält ("die feste Spur von unserer alten vaterländischen Kunst").

    Mir ging es nur darum, dass der thread sich nicht dahin ausweitet, dass jedes beliebige Zitat eines Dichters oder Philosophen über eine Stadt angeführt wird, sonst enden wir mit Aussagen wie "Köln hat schöne Kneipen." Zumindest ein Architekturbezug sollte doch vorhanden sein und das sehe ich bei dem Heine-Zitat eher nicht (überhaupt scheint es mir von Heine doch eher ironisch gemeint zu sein).

    Münden zählt zu einer der 8 schönst gelegenen Städte der Welt (Heinrich Heine)

    Ich meinte jetzt eher über deutsche Altstädte und deren Baukunst im allgemeinen. Oder ggf. auch über Städten oder Bauten, die dafür im jeweiligen Zitat als besonders repräsentativ benannt werden, wie z.B. Goethes Reflexionen über die deutsche Architektur des Mittelalters insgesamt am konkreten Beispiel des Straßburger Münsters.


    Zu einzelnen Städten gibt es natürlich jede Menge, das würde den thread komplett sprengen.

    Ich habe gerade in Fichtes "Reden an die deutsche Nation" (die ich für einen Handbuchartikel lesen muss) folgende schöne Stelle über die mittelalterlichen Altstädte Deutschlands gelesen:


    "Es entstanden unter ihnen [den Deutschen des Mittelalters] indessen Städte, die durch Glieder aus dem Volk errichtet wurden. In diesen entwickelte sich schnell jeder Zweig des gebildeten Lebens zur schönsten Blüte, In ihnen entstanden, zwar auf Kleines berechnete, dennoch aber trefflich bürgerliche Verfassungen, und Einrichtungen, und von ihnen aus verbreitete sich ein Bild von Ordnung und eine Liebe derselben erst über das übrige Land. Ihr ausgebreiteter Handel half die Welt entdecken. Ihren Bund fürchteten Könige. Die Denkmäler ihrer Baukunst dauern noch, haben der Zerstörung von Jahrhunderten getrotzt, die Nachwelt steht bewundernd vor ihnen und bekennt ihre eigene Ohnmacht." (J. G. Fichte: Reden an die deutsche Nation, Sechste Rede)


    Vielleicht könnte man in diesem thread vergleichbare Aussagen von Dichtern und Philosophen über die deutschen Altstädte sammeln.

    Das Fichte-Zitat darf übrigens gerne kommentiert und diskutiert werden.

    Bei Roger Scruton lernt man auch, was ein genuiner Konservatismus jenseits der bundesdeutschen Schwundstufe (Wirtschaftsliberalismus plus ein bißchen Familenwerte) bedeuten kann und muss:


    - Antitotalitarismus

    - Kritisch gegenüber den ästhetischen und gesellschaftlichen Verirrungen der Moderne

    - Verteidigung des Rechtsstaats

    - Verteidigung und Bewahrung der nationalen Identität, der überlieferten Kultur und der Gemeinschaft

    - Bewahrung der Schöpfung

    - Skepsis gegenüber Marktradikalismus
    (https://en.wikipedia.org/wiki/Roger_Scruton)

    Da es voerst unser letzter Ausflug war, werde ich Deine Sicht und Analysen sehr vermissen.

    Es war nur unser letzter gemeinsamer Ausflug bis zum Sommer. Und vielleicht sogar nur bis Ostern. Die Bilder aus dem fernen Lateinamerika verspreche ich jetzt schon allen!

    Statt eines Nachrufs:
    Wie Franka bereits geschrieben hat, ist am 12. Januar der Philosoph Sir Roger Scruton verstorben. Sir Roger war einer der ganz Großen der konservativen Architekturtheorie. Sein Werk "The Aesthetics of Architecture" von 1979 ist der vielleicht wichtigste theoretische Beitrag zur "traditionellen Architektur" überhaupt.


    Besonders traurig ist, dass er als Vorsitzender der "Building Better, Building Beautiful Commission" für 2019 eine Reise nach Deutschland geplant hatte, um sich die Rekonstruktionsprojekte in Frankfurt und Dresden anzusehen. In diesem Zusammenhang sollte auch ein Treffen mit Vertretern von Stadtbild Deutschland stattfinden.

    Dazu ist es nicht mehr gekommen, weil er im April 2019 zunächst das Opfer der Verleumdungskampagne eines Journalisten wurde und dann kurz nach seiner Rehabilitation schwer erkrankte. Wir hätten ihm gewünscht, dass er noch hätte sehen können, was in Dresden und Frankfurt entstanden ist.


    Wir werden ihn als einen unserer Vordenker in Erinnerung behalten. Wer seine Gedanken zur Architektur nachlesen will, findet sie hier:

    https://portalconservador.com/…etics-of-Architecture.pdf

    Die Exponate waren toll in Szene gesetzt, es gab viel zu sehen, nur leider müsste man studierter Historiker sein, um die Exponate mit den entsprechenden Zitate einzuordnen.

    Das war genau das Problem dieser Ausstellung: Tolle, absolut hochkarätige Einzelstücke aus der Zeit von 500 bis 1800. Aber keines davon war irgendwie in politische oder kulturelle Kontexte eingeordnet. Wenn man von bayrischer Geschichte keine Ahnung hatte, hat man dort auch nichts gelernt (wenn man sich auskannte und die Stücke einordnen konnte, hat man durchaus profitiert).


    Stattdessen wurden die Stücke durch, wie Franka schon bemerkte, größtenteils erfundene Zitate realer oder selbst wieder nur erfundener Personen der jeweiligen Zeit ergänzt.

    Dass die Zitate bzw. Personen nur erfunden waren, wurde aber nirgends gesagt. Ich habe das selbst nur durch Internetrecherche herausgefunden, da einige der Zitate mir doch etwas spanisch vorkamen. Der unbedarfte Museumsbesucher wird wohl gedacht haben, dass das reale Zitate sind. Das soll vermutlich moderne Museumsdidaktik sein, aber eigentlich ist es schlicht eine Frechheit.

    Das wird nur immer behauptet, aber der klobige Würfelrechteckbrei, der heutzutage überall entsteht hat doch nichts mit dem Bauhaus gemeinsam.

    Das sehe ich überhaupt nicht so. Das Bauhaus war sicher deutlich qualitätvoller als das, was heute die Nachkriegsstädte verschandelt, aber die grundlegenden Prinzipien sind dieselben: Abkehr von der Blockrandbebauung; Abkehr vom Ornament; skulpturale Auffassung von Bauwerken statt Denken in Ensembles; radikaler Bruch mit der architektonischen Tradition etc.


    Von daher hat das alles schon sehr viel mit dem Bauhaus zu tun bzw. handelt es sich bei der Nachkriegsmoderne durchaus um eine konsequente Weiterentwicklung der Bauhaus-Gedanken unter den Bedingungen von Ressourcenknappheit (in der ersten Nachkriegszeit) und Renditeoptimierung (heute).


    Das Verhältnis ist vielleicht am ehesten so zu beschreiben wie das zwischen romantischer Architektur (Schinkel, Semper u.a.) und spätem Historismus: die Romantik hat alte Formen, besonders des Mittelalters und der Renaissance, kreativ und phantasievoll aufgegriffen und weiterentwickelt, während der anschließende Historismus zwischen ca. 1885 und 1905 oft (zum Glück nicht immer) dazu erstarrt ist, mit bloßen Versatzstücken aus Mittelalter, Renaissance und Barock zu arbeiten. Das eine ist dann zwar die Verfallsform des anderen, zu tun haben sie aber schon miteinander.

    In Nürnberg wundert mich nichts mehr. Interessant ist aber aber das Foto vom Baufortschritt und auch traurig.
    Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich den Entwürfen von Helmut Jahn mal hinterherweinen würde. Es geht noch schlimmer.

    Das Jahn-Projekt wäre zumindest interessanter gewesen als die 0815-Investorenarchitektur, die da jetzt gebaut wird.
    Ich verstehe auch nicht wirklich das Agieren der Altstadtfreunde in der ganzen Sache: Gegen das Jahn-Projekt hat man voll mobilisiert - und es mit Erfolg verhindert -, aber gegen den ungleich schlechteren alpha-Gruppe-Bau haben die AF keinen Finger gerührt.


    Überhaupt wäre das sinnvollste gewesen, die Altstadtfreunde hätten gleichzeitig mit der Verhinderung des Jahn-Entwurfs ein Rekoprojekt à la Altstadt Frankfurt oder Dresdner Neumarkt für das Areal vorgelegt. So wie man halt in Frankfurt nicht nur gegen die damaligen Pläne einer modernistischen Bebauung, sondern auch gleichzeitig für Rekonstruktionen auf dem Areal des Technischen Rathauses eingetreten ist.
    Aber so weit waren die Altstadtfreunde in Nürnberg wohl in den 90'iger Jahren noch nicht. Selbst 10 bis 15 Jahre später gab es anläßlich des Pellerhofs ja noch massive Kontroversen innerhalb der AF, ob man sich überhaupt für Rekonstruktionen einsetzen sollte.