Posts by Philon

    Die Senatsverwaltung wird jetzt ein Werkstattverfahren mit breiter öffentlicher Beteilung starten. Die erste Bürgerwerkstatt ist für Februar, die zweite für April anberaumt. Dort können Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken, Wünsche und Anregungen abgeben.

    Snork hat dazu ja schon etwas geschrieben, aber vielleicht noch einmal ganz konkret nachgefragt: Haben wir (sprich: der Ortsverband Berlin) denn für diese Bürgerwerkstatt ein ausgearbeitetes Leitbauten-Konzept, das wir da einbringen können?

    Entschuldigt die Wutrede. Es wäre so einfach, die deutschen Städte zu rekonstruieren, wenn es nur um bautechnische und finanzielle Möglichkeiten ginge. Natürlich würde die Sache Zeit brauchen, vielleicht eine oder auch zwei Generationen. Dies wird aber nicht passieren, weil eine Mehrheit gar nicht dieses Ziel verfolgt, ja, es torpediert, aus Selbsthass oder warum auch immer.

    Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ich habe es auch aufgegeben, noch in meiner Lebenszeit wirklich etwas an dieser Situation ändern zu wollen. Das Zeitfenster der großflächigen Rekonstruktionen ganzer Stadtviertel, das es von Mitte der 90er bis Mitte der 2000er Jahre einmal gegeben hat, hat sich geschlossen. Jetzt ist überall an den Schaltstellen der Macht und der Universitäten die "Generation Selbsthass" am Ruder und macht alle platt, die anders denken.


    Mehr als eine Handvoll irrelevanter Mini- und Teilrekonstruktionen à la Turmspitze vom "Langen Franz" wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Egal wie sehr viele Leute sich hier im Forum das Gegenteil einreden wollen, nicht zuletzt, weil sie furchtbare Angst davor haben, mit dem Zeitgeist in Konflikt zu kommen.

    Deshalb ist jetzt etwas anderes notwendig: nämlich die Idee der Rekonstruktion für künftige Generationen zu bewahren und weiterzugeben, in der Hoffnung, dass die Situation in 30 oder 40 Jahren wieder anders aussieht. Mehr ist im Moment nicht möglich.

    Es wäre hilfreich, wenn die Moderation diese parteipolitische Äußerungen - zumal von den politischen Rändern - von sich aus löscht, bevor sich daraus eine "Diskussion" ergibt ....die man dann anschließend beklagt.

    Also, jetzt wird es langsam wirklich absurd: Du warst es doch, der die Diskussion erst so richtig hat eskalieren lassen und der zu persönlichen Angriffen auf ein Forumsmitglied übergegangen ist. Dazu hat dich niemand gezwungen.


    Ich möchte auch darauf hinweisen, dass der Ausgangspunkt der ganzen Diskussion nicht der Beitrag von Heimdall war, sondern eine kleine Spitze im Beitrag von Heinzer. Darauf hätte niemand reagieren müssen und deshalb haben wir auch erst nicht reagiert. Von uns aus hätte das stehen bleiben können, aber nachdem dann Heimdall darauf reagiert hat und du dann Heimdall persönlich angegriffen hast, mussten wir einschreiten.


    Ja, wir warten oft einfach mal ab und lassen Sachen stehen, bei denen die Forumsregeln nicht ganz eindeutig und mit 100%iger Sicherheit verletzt sind, bei denen es also im Hinblick auf die Forumsregeln einen Abwägungsspielraum gibt. Unsere Löschpolitik ist, anders gesagt, die des "benefit of doubt" oder, wenn du es anders nennen möchtest, des "in dubio pro reo". Davon werden wir sicherlich nicht abrücken, nur weil einige meinen, sie müssten bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Politdebatte lostreten.


    Wenn eine Diskussion dann aber von einzelnen Forumsmitgliedern eskaliert wird, weil sie meinen, unbedingt ihre politischen Sympathien und Antipathien im Forum ausbreiten zu müssen und/oder meinen, andere Nutzer persönlich angreifen zu müssen, dann schreiten wir ein und dann muss eben die ganze Diskussion gelöscht werden. Das hätte auch schon für die politisierende Reaktion von Heimdall auf Heinzers kleine Spitze gegolten. Die hätten wir gelöscht, wenn wir sie rechtzeitig gesehen hätten. Aber wir können nicht ständig jeden Strang überwachen, zumal wenn es so ellenlange Beiträge sind wie hier im Strang, wo dann mal einmal irgendwas in einem Nebensatz oder Unterabschnitt fällt.

    Erst recht gilt es aber, wenn dann jemand meint, er müsste dann vollständig auf Politik umschalten und andere Nutzer ad hominem attackieren.

    So, und wieder einmal mussten wir eine parteipolitische Diskussion, die zudem auch wieder einmal in persönliche Angriffe gegen einzelne Forumsteilnehmer mündete, unterbinden. Könnt ihr es nicht einfach lassen?

    Wir haben gegen das eine wie das andere klare Forumsregeln.

    Das ist nun echt nicht Böse gemeint...aber der Gleichgewichtssinn ist echt elementar.

    Defizite erhöhen etwa auch bei Senioren die Sturzgefahr beim Treppensteigen o.ä.

    Es ist ja nicht so, dass ich nicht auf zwei Beinen stehen könnte. Ich kann halt nur alles nicht, was einen etwas anspruchsvolleren Gleichgewichtssinn erfordert: Mit dem Rad komplizierte Kurven fahren oder auf das Rad auf-oder absteigen (da falle ich immer um); auf einem Surfbrett oder einem wackeligen Boot stehen; Balancieren; auf einem Bein stehen etc.
    Geht alles nicht.

    weil es nämlich verdammt viele Gründe FÜR und verdammt wenig Gründe GEGEN Fahrradfahren gibt als Alltagsfortbewegungsmittel.


    Tut mir leid, Philon, aber das beelendet mich dann schon ein bisschen. Ich schreibe 4 Absätze lang etwas darüber, dass niemand über jemand anderen urteilen sollte bzgl. seiner Wahl des Verkehrsmittels, und Du zitierst einen Satz, an dem dann trotzdem nichts falsch ist, oder möchtest Du etwa nicht, dass Fahrradfahrer mehr Platz bekommen in unseren autogerecht umgebauten Städten?

    Das habe ich schon verstanden, deshalb habe ich mich auch lediglich auf den oben noch einmal der Übersichtlichkeit halber zitierten Satz bezogen.

    Erstens habe ich das geschrieben, was ich geschrieben habe, weil ich die Aussagen in dem Text etwas widersprüchlich fand: Zum einen hast du gesagt, dass es eine individuelle Entscheidung mit individuellen Gründen sei und du über niemanden urteilen würdest; dann wolltest du aber gleichzeitig die individuellen Gründe, die Elbegeist angeführt hat, nicht gelten lassen. Das war zumindest irritierend und nicht zuletzt diese Irritation hat meine Replik motiviert.


    Zweitens wollte ich darauf hinaus, dass ich denke, dass es eben viele solcher individuellen Gründe gibt (weshalb ich denn auch meine genannt habe) - meiner Meinung nach zu viele, als dass sich die von dir prognostizierte Steigerung des Anteils an Fahrrädern im Individualverkehr wirklich ohne Druck seitens der Politik erreichen lassen würde.


    Von der "autogerechten Stadt" halt ich auch nichts. Ich bin für Städte, in denen in der Altstadt alles auf die Fußgänger abgestimmt ist und jenseits der Altstadt ein gut ausgebauter ÖPNV existiert (auf dem Land wird man ohnehin auch auf längere Sicht nicht um das Auto herumkommen). Gegen den weiteren Ausbau von Radwegen etc. habe ich nichts, aber ich möchte eben keinen noch so vermeintlich "sanften" Druck sehen, auf das Rad umzusteigen.

    Ich nehme an, wenn Du so schreibst, dann war die Stadt für die komplette Nahversorgung zuständig?

    Richtig.

    Auch zählt natürlich rein dabei, wie direkt eine solche Verbindung ist. Wenn ich bei einer täglichen einfachen Fahrt von einer Stunde auch noch mehr als einmal umsteigen muss, dann macht das wohl in der Praxis kaum einer.

    Zweimal umsteigen und dann kam man noch in einer Ecke der Stadt raus, die ca. 1,5 Kilometer außerhalb des Zentrums lag. Bis zum Zentrum also nochmal mindestens 20 Minuten mit dem Bus oder 30 min. zu Fuß.

    Bei einem jungen bis mittelalten Durchschnittarbeitnehmer würde ich pro Tag Gesamtfahrtzeiten bis maximal 2 Stunden ansetzen für alle Erledigungen.

    Das geht halt nur, wenn du feste Arbeitszeiten hast. Wenn du Überstunden machen musst, als Selbständiger tätig bist oder - wie in meinem damals Fall - unter massivem Druck stehst, zu publizieren und Drittmittel einzuwerben, um deinen Job nicht zu verlieren (den ich dann doch aus politischen Gründen verloren habe, wie du dich erinnern wirst), dann kannst du dir zwei Stunden pro Tag für Erledigungen, Pendeln etc. schlicht nicht leisten.


    Ihr redet halt alle aus sehr aus ökonomisch und sozial sehr privilegierten Positionen heraus. Denkt halt einfach mal darüber nach, wie sich diese Diskussionen für Leute anhören, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht.

    Wenn alles andere versagt, würde ein dreirädriges Fahrrad helfen.

    Ja, die kosten halt nur 2000 bis 3000 €. Wovon soll ich mir das als unbezahlter (also de facto arbeitsloser, wenngleich mit Lehrverpflichtungen bedachter) außerplanmäßiger Professor leisten? Das ist wieder nur was für die Privilegierten.

    Übrigens ist das nicht nur irgendeine Idiosynkrasie von meiner Seite. Ich meine mich daran zu erinnern, einmal in einer Studie gelesen zu haben, dass 60% derjenigen, die das Auto für innerstädtische Strecken bevorzugen, nur deshalb nicht das Rad benutzen, weil sie Angst vor dem Radfahren haben.

    Da hilft eine bessere Ökobilanz des Fahrrads gar nichts.

    Übrigens hatte ich die Angst vor Radfahren auch schon vor dem Unfall; der hat sie nur verstärkt.

    Für mich ist die Idee, auf einem Gefährt zu sitzen, das nur dann nicht umfällt, wenn es sich bewegt, völlig kontraintuitiv und deshalb eben angsteinflössend. Das war immer schon. Vielleicht, weil ich immer schon so einen schlechten Gleichgewichtssinn hatte.

    Ich bin als Kind auch mal heftig mit dem Fahrrad gestürzt und hab mir einen Zahn ausgeschlagen, fühle mich deshalb heute aber nicht unsicher auf dem Rad.

    Schön für Sie, aber auf so etwas reagiert halt jeder anders, je nach Charakterdisposition.

    Philon Mal unabhängig vom Fahrradfahren: wurden die Gründe für den schlechten Gleichgewichtssinn mediznisch abgeklärt? Ansonsten kann man den auch trainieren.

    Wie soll ich den trainieren, wenn ich bei jeder Radfahrt Angstzustände bekomme und das Radfahren deshalb, wo immer es geht, vermeide?

    Zumindest, wenn man für diese echte Freiheit kämpft, überall mit irgendeinem sauberen Verkehrsmittel zu angemessenen Kosten und Aufwand zu kommen.

    Wer definiert, was "angemessene Kosten und Aufwand" sind? Ich habe längere Zeit in einer ländlichen Gegend in Bayern gelebt; da hätte ich zur nächstgelegenen Stadt knapp zwei Stunden gebraucht, wenn ich den Bus benutzt hätte. Fahrrad fiel aus den im vorigen Beitrag genannten Gründen weg. Im Auto habe ich 15 Minuten gebraucht.

    weil es nämlich verdammt viele Gründe FÜR und verdammt wenig Gründe GEGEN Fahrradfahren gibt als Alltagsfortbewegungsmittel.

    Ich habe einen ganz schlechten Gleichgewichtssinn, bin als Kind mal mit dem Fahrrad richtig auf die Nase geflogen und fühle mich auf dem Fahrrad extrem unsicher, zumal im Stadtverkehr, aber nicht nur dort. Radfahren ist für mich jedes mal mit regelrechten Angstzuständen verbunden.
    Das ist für mich ein verdammt guter Grund GEGEN Radfahren. Ich reagiere dementsprechend auch ziemlich allergisch, wenn mir jemand das Radfahren aufdrängen will.

    Das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche äußert sich wohlwollend zum Kompromissvorschlag. Rathauschef Schubert stellt klar: Kein städtisches Geld für Wiederaufbau der Garnisonkirche.

    Ich verstehe immer noch nicht, was daran ein "Kompromiss" sein soll. Die Gegner der Rekonstruktion haben sich auf ganzer Linie durchgesetzt und verkaufen das nun als Kompromiss? Lächerliches Framing.
    Das ist so, als würde die Gewerkschaft bei Tarifverhandlungen 5% mehr Lohn fordern und die Arbeitgeber 0,5% anbieten und am Ende stimmt die Gewerkschaft dann den 0,5% zu, weil die Arbeitgeber am längeren Hebel sitzen - und dann verkaufen die Arbeitgeber das als gelungenen "Kompromiss".

    Wer lässt sich durch so ein durchsichtiges Manöver eigentlich ins Bockshorn jagen?

    Wir mussten seitens der Moderation mal wieder parteipolitische Aussagen aus mehreren Beiträgen herauseditieren. Könnt ihr es nicht einfach mal lassen? Es gibt dazu klare Forumsregeln.

    Langsam reicht es wirklich. Trüby behauptet allen Ernstes, das Schloss sei mit Einnahmen aus dem Sklavenhandel in Groß-Friedrichsburg finanziert worden. Das ist völlig absurd. Die brandenburgischen Einnahmen aus dem kolonialen Abenteuer von Groß-Friedrichsburg haben nie mehr als einen verschwindend geringen Teil der Einnahmen Brandenburgs ausgemacht. Damit kann man kein Schloss finanzieren.

    Ebenso wenig gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass die Einnahmen aus der Kolonie gezielt für den Schlossbau verwendet worden wären. Wäre auch gar nicht gegangen, denn ab allerspätestens 1700, wahrscheinlich schon einige Jahre früher, war die Kolonie defizitär, ein Verlustgeschäft. Der barocke Neubau des Schlosses begann aber erst 1699. Und mit einem Verlustgeschäft kann man nun wirklich keinen Schlossbau finanzieren.


    Was Herr Trüby da verbreitet, ist nicht mal mehr Geschichtsklitterung, das sind einfach nur noch gezielte Unwahrheiten.

    Die russische Kirche will heilen und versöhnen. Der Gedanke, Wunden offen zu halten, ist aus ihrer Sicht widersinnig. Sie strebt vielmehr nach Harmonie, auch nach einer harmonischen Verbindung mit den Vorfahren. Selbst ein völlig neu geschaffener Kirchenraum sieht daher immer aus wie eine russische Kirche.

    Das ist in der Tat ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Protestantismus und der Orthodoxie (die Katholische Kirche steht irgendwo dazwischen).

    Das hat ganz tiefe Wurzeln in der europäischen Geistesgeschichte, genauer gesagt in der Frage nach Sündenfall und Erbsünde und damit nach der Soteriologie: Das Denken der Westkirchen hat seit Augustinus (der ja Luthers eigentlicher Lehrmeister war) den Tod Christi als Erlösung von einer tatsächlich von Individuum zu Individuum weitervererbten Ursünde Adams und Evas verstanden. (Augustinus - der m.E. nach in seinem tiefsten Inneren immer Manichäer geblieben ist - ging ja in seinen spätesten Schriften sogar so weit, eine Reinkarnationslehre anzunehmen, um begründen zu können, wie man eine individuelle Schuld sollte denken können, die nicht durch das eigene Handeln, sondern durch Vererbung entsteht).

    Der Kreuzestod Christi erscheint damit als eine paradoxe Selbstbestrafung Gottes zur Tilgung der vermeintlichen Schuld der Menschen. Das hat in den Westkirchen insgesamt, aber vor allem im Protestantismus, zu einer ungesunden Obsession mit der Schuld und einer geradezu pathologischen Fixierung auf Leid und Tod Christi geführt.

    Das Fortwirken dieses Denkens in säkularisierter Form erklärt dann m.E. auch die ganze gedankliche Pathologie um Rekonstruktionen, mit der wir hierzulande konfrontiert sind.


    Im Denken der Ostkirchen wurde die Erbsünde dagegen nicht als individuelle Schuld der Nachgeborenen, sondern einfach als Grund und Ursache von Tod, Leid und Schlechtigkeit in der Welt gesehen. Der Kreuzestod Christi wird damit nicht als eine stellvertretende Selbstbestrafung Gottes für die Sünden anderer verstanden, sondern einfach als Überwindung der Folgen der Erbsünde in Form von Leid, Tod und Schlechtigkeit gesehen.

    Deshalb ist die Orthodoxie auch nicht auf Schuld, Leid, Tod und Sünde fixiert, sondern auf den Sieg Christi über den Tod und das Böse: Die zentrale Ikonographie der Orthodoxie ist nicht die Darstellung von Christus am Kreuz, sondern Christus Pantokrator.

    Daher sind orthodoxe Länder auch deutlich weniger auf "Sünden der Vergangenheit" fixiert und wollen nicht um jeden Preis irgendwelche "Wunden offenhalten".

    Ich halte Augustinus tatsächlich für die Nemesis des Westens. Wenn wir es nicht schaffen, uns von den Nachwirkungen seiner unseligen (und philosophisch wie theologisch auch unsinnigen) Erbsündenlehre und Soteriologie zu befreien, ist der Westen verloren. Augustinus hat den Keim all dessen in das westliche Christentum eingepflanzt und Luther und Calvin haben nochmal ordentlich nachgelegt.