Dresden - die Johannstadt

  • In der Johannstadt fände ich die Rekonstruktion des Hauptgebäudes des Bürgerhospitals, des heutigen Clara-Zetkin-Heims, schön, wenn der Plattenbau an dessen Stelle mal zur Disposition steht, zumindest aber der beiden äußeren Giebel der Seitentrakte zur Pfotenhauerstraße, an deren Stelle sich heute Walmdächer befinden.


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    Bildnachweis: altesdresden.de


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    Bildnachweis: Bybbisch94, Christian Gebhardt, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons


    Ansonsten sollte man in der Johannstadt bei Neubauten an die gründerzeitliche Bebauung anschließen, v.a. bei Eckgebäuden (Türmchen, etc.), und bei Verdichtungen konsequent am historischen Stadtgrundriss festhalten, bzw. ihn wiederherstellen, z.B. im Bereich Hopfgartenstraße. und Arnold-/Blumenstraße - also auf Bebauungspläne und Gestaltungs-, bzw. Denkmalschutzsatzungen hinwirken.

  • Vielleicht wurde diese Meldung von einem der Dresdner Mitglieder bereits gepostet. Die alte Schokoladenfabrik in der Johannstadt wird saniert und soll danach als Treffpunkt des Stadtteils dienen.



    Alte Dresdner Schokofabrik wird saniert (Bezahlschranke)

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Blick auf das johannstädter Ufer. Ich meine wenn man noch paar Türmchen drauf setzten würde wäre es doch eine Annäherung an die jägerkaserne.

    Aber mit dem Stadtplanungsamt in dresden ist kein Kaktus mehr zu gewinnen.

    Schön ist anders.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Schön ist anders.

    Hm... also das sehe ich nicht so. Ich denke, das ist ein ganz gelungener Entwurf, der hier zur Umsetzung kommt.

    Und ich trauere weder der ollen Jägerkaserne noch den Türmchen hier nach. Denn große Architektur war das letztlich auch nicht.....

  • Ich denke, das ist ein ganz gelungener Entwurf, der hier zur Umsetzung kommt.

    Und ich trauere weder der ollen Jägerkaserne noch den Türmchen hier nach.

    Das heißt, Du findest diesen, für mich nichtssagenden Wohnblock (https://images.app.goo.gl/wokoPi8ZYT6zFoQr5) besser als diesen gründerzeitlichen Komplex (https://de.wikipedia.org/wiki/…erne_Johannstadt_1908.jpg). Das ist eine Aussage. Gründerzeit ist bekanntlich nicht Dein Ding. Ich denke, dass das 100 Prozent der städtischen Planer und der Architektenschaft ebenso sehen. Sie würden übrigens ähnlich urteilen, wenn die Jägerkaserne aus der Barockzeit stammen würde. Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass das 95 Prozent der normalen Bürger ganz anders sehen. Mich eingeschlossen.

  • Sorry, da bleibe ich bei meiner Meinung.


    Der Neubau ist vielleicht nicht besser, aber definitiv auch nicht schlechter als dieser langweilige 08/15-Gründerzeitbau.


    Außerdem finde ich, dass schlichtere, glattere Fassaden [man beachte die Hervorhebungen!] mehr mit Dresden zu tun haben, als dieses 1900-Geschnörkele

  • Außerdem finde ich, dass schlichtere, glattere Fassaden [man beachte die Hervorhebungen!] mehr mit Dresden zu tun haben, als dieses 1900-Geschnörkele

    Wie?! Resurrectus, Glattheit,Schlichtheit hat mehr mit DD zu tun,als dieses 1900 Geschnörkele?:kopfschuetteln:Na dann müssten auch alle Bauten aus dem Barock in DD Geschnörkele sein.Also das schlichtere und glattere Fassaden mehr mit DD (Baugeschichtlich gesehen) zu tun haben,das glaube ich nun absolut nicht.Gerade diese "Schnörkelbauten"ob um 17,18,oder 1900 gebaut (zumindest was heute noch von ihnen übrig ist),machen DD so ja einmalig ,bekannt und beliebt.

  • Ich sehe es eher auch wie Resurrectus, der sich meiner Vermutung nach auf den Dresdner Barock der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bezog. Und der ist glatt und schlicht (Dresdner Hungerstil!). Das ist auch für mich eher die Referenz als die darin eingestreuten Prunkbauten wie Zwinger und Hofkirche, um im 18. Jahrhundert zu bleiben. Auch die Frauenkirche beeindruckt nicht durch Schnörkel sondern durch die singuläre Baugestalt im Stadtraum.


    Grüße vom Frank.

  • Frank

    Danke fürs Beispringen.

    Ich beziehe mich aber nicht nur auf das Ende des 18. Jhs., sondern im Prinzip auf die gesamte "klasssische" Dresdner Archiktekturhaltung, v. a. seit der zweiten Hälfte des 17. (!) Jhs. (die letztlich bis zum ende des 18. Jhs. beibehalten wurde), die immer von prägnant geschlossenen Umrissen, flächigen Fassaden mit nur partiell eingestreutem Ornament geprägt war.

    Der Zwinger zählt nicht, da vollkommen singulär. Aber selbst da sind alle Teile mit Ausnahme von Kronentor und Wallpavillon bekannternaßen von "renaisscancehafter Schlichtheit" im Gesamten.

    Ich huldig(t)e hier auch nicht "modernen" Bauhausfassaden , ohne jegliche Struktur, Ornament und Dächern und mit Liegefenstern, sondern sprach von eher schlichteren und flächigen Architekturen.

    Das frühe 19. Jh. in Dresden - klassischer Historismus, nicht die Gründerzeit seit 1870, nahm diese Tendenzen genau wieder auf, Stichwort Semper-Nicolai-Schule, aber das kennt und schätzt hier im APH kaum einer.....

    Stattdessen huldigt man Gründerzeitlern mit Ornament und Türmchen (in Dresden völlig untypisch) ohne Ende, die eben fremdartig in dieser Stadt von ihrer klassischen Bauweise her waren. Stangenware der Zeit 1880-1900.

    Bereits Erlwein ging mit seinem großartigen Bauten bewusst wieder auf die klassische Dresdner Linie zurück - nur hier mit etwas süddeutschem Einschlag nd dabei im besten Sinne des Wortes "modern", d. h. völlig zeitgemäß (und trotzdem traditionsverhaftet - genial!), oder der Reformstil seit ca. 1910 bis in die 30er Jahre.

    Diese hier so geschätzten und als das Nonplusultra gepriesenen "Gründertzeitler" waren Ausreißer in einer 200 jährigen Entwicklung für ca. 25 Jahre und bereits in ihrer Zeit von Architekten, die alles andere als tumbe "Bauhäusler" waren, nicht geschätzt - wie quasi überall in Deutschland in der Zeit um 1900.

    Nochmals: Ich rede vom Stil, nicht von der städtebaulichen Wirkmächtigkeit, da waren sie natürlich toll - ohne Frage. Aber es gibt halt auch noch etwas anderes, wenn es um Architektur geht.....Stichwort Qualität.

  • Wobei man natürlich beachten muss, dass die Johannstadt sich erst städtebaulich zu entwickeln begann, als 1874 das Bauverbot aufgehoben wurde, und die Bebauung überwiegend in genau diesem ornamentreichen "Grünerzeitler"-Stil entstand. In der Johannstadt war danach genau dieser Stil typisch und ich wage zu behaupten, dass solche Gründerzeitviertel auch einen guten Teil zur Schönheit und dem "Mythos" dieser Stadt beigetragen haben, auch wenn sie beliebige Stangenware geworden waren.


    Alleine, dass Fassadengestaltung überhaupt so selbstverständlich, ja essentiell war in dieser Zeit, ist ja v.a. im Vergleich mit heutigen Entwürfen äußerst bemerkenswert. Und deswegen werden, denke ich, solche im Ansatz guten Entwürfe, wie sie derzeit an der Florian-Geyer-Straße umgesetzt werden, trotzdem kritisiert. Zurecht, finde ich, denn im direkten Vergleich sieht man der erhaltenen Gründerzeitarchitektur trotzdem eine mehr von der "klassischen" Architektur kommende Herangehensweise des Entwurfs an, während der Entwurf der FLÜWO ganz deutlich von innen, von der Raumnutzung, und nicht von der Außenwirkung ausgeht.


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  • Das waren doch unglaublich ansprechende und lebenswerte Stadträume. Sie wären heute mE wie die Äußere Neustadt ausgesprochen begehrte Lebensstandorte und Kieze. Womöglich würde sogar dort das eigentliche urbane Herz Dresdens schlagen, während die Altstadt eher einen sehenswerten Schau- und Besuchsraum darstellte.


    Der wahrgenommene Status der Gründerzeit ist meiner Wahrnehmung nach eine reine Kopfsache bei Fachleuten. Noch, das ändert sich ja allmählich auch (der Berliner Landeskonservator nennt das 19. bereits sein "Lieblingsjahrhundert"). So wie sich die jahrzehntelange Bevorzugung für sogenannte "Schlichtheit" bei Fachleuten allmählich wandelt. Der Wunsch des Neuanfangs war nach 1945 zwar verständlich, aber auch pathologisch und emotional zweifelhaft aufgeladen.


    Wenn wir uns z.B. die Studien von Colin Ellard hernehmen, dem Architekturpsychologen der Universität Waterloo, zeigen diese deutlich, dass schlichte Fassaden uns unglücklicher und gestresster machen als reichhaltig geschmückte. Und auch, wenn wir schauen, welche Bauten und Viertel denn besonders begehrt sind und was die überwältigende Mehrheit der Menschen schätzt. Oder wo Architekten so wohnen: laut einer schwedischen Studie leben über 80 Prozent der Architekten in Gebäuden, die vor 1920 errichtet wurden. Überwiegend in Historismusbauten - "Überraschung".

  • Stattdessen huldigt man Gründerzeitlern mit Ornament und Türmchen (in Dresden völlig untypisch) ohne Ende, die eben fremdartig in dieser Stadt von ihrer klassischen Bauweise her waren. Stangenware der Zeit 1880-1900.

    Nochmals: Ich rede vom Stil, nicht von der städtebaulichen Wirkmächtigkeit

    Da ist er wieder, der Seitenhieb gegen den Kaiserpalast -ohne ihn diesmal genannt zu haben. :smile: Aber ich glaube, die Meisten hier schätzen ihn tatsächlich einzig und allein wegen seiner städtebaulichen Wirkmächtigkeit.

  • In Leipzig lachen die sich kaputt über unser oststyleverliebtes Stadtplanungsamt und Denkmalschutz. Dort werden historische Bauten in einem Maß erhalten und ertüchtigt, da schlackern dir hierseits die Ohren. Sogar Rekonstruktionen und Wiederbestuckungen sind drin. Und alles ohne aufgepfropfte Scheindebatte über Ideologien. Gleichzeitig werden Neubauten errichtet, die wirklich eine Aussage haben und wirklich nach was aussehen. Keine en masse 08/15 Kisten wie in Dresden. Und vor diesem recht still vorangehenden Hintergrund wächst diese Stadt ins unermessliche und hat eine Anziehungskraft, die die von Dresden längst überholt hat. Und das kommt nicht von ungefähr.


    Dresden hat halt in den Entscheidungsstuben Leute sitzen, die noch immer die große Gleichmacherei der Ostzeiten verfolgen und vor lauter Rückgratlosigkeit immer auf den kleinsten einsamen Nenner fokussiert den Stiefel jener durchziehen, die fest im Amtssessel sitzen.


    Und dieser Absturz in die (wenigstens architektonische) Bedeutungslosigkeit ist seit Jahren ja schon fast Prämisse von Stadtplanungsamt und nutz-, wie kenntnislosen Baubürgermeistern samt der vernetzten Splittergruppen um Zeitgenossen und Ostmoderne, deren Griffel an jeder Schaltzentrale des Dresdner Baugeschehens der Stadt jedes weitere Aufblühen und progressive (und besonders ästhetische) Weiterentwickeln verhindern. Von Umweltaspekten und klimatischen Herausforderungen der Zukunft braucht man ja gar nicht erst anfangen, wie sie regelrecht im Keim erstickt oder in potjomkinscher Manier dauerdebattiert "umgesetzt" werden.


    Und hier gibts Leute, die ernsthaft ein schnörkelloses Dresden als ein der Art der Stadt am besten entsprechendes Gesamtbild herbeiargumentieren. Wo sind bitte diese Energien falsch abgebogen? Und wie nutzlos ist das in den richtigen Handlungsprämissen im echten Leben da draußen?!


    Achtung: rethorische Frage - keine Antwort nötig - die kennt man

  • Und vor diesem recht still vorangehenden Hintergrund wächst diese Stadt ins unermessliche und hat eine Anziehungskraft, die die von Dresden längst überholt hat

    Das kann man so nicht sagen. Wenn die Pandemiebeeinträchtigungen verschwunden sind und die Touristen wieder den barocken Neumarkt bevölkern, wird keiner mehr von der Gründerzeitwüste seitlich der Landeshauptstadt Dresden Notiz nehmen.

  • @"Rob Berg"

    Ich will gar nicht widersprechen, aber mal nachfragen. Es wird ja öfter über die Baubehörden in Dresden geklagt.

    Aber kann man das auch konkret an Personen und deren Biographien festmachen? Und in Vergleich zu dem Personal in Leipzig setzen.

  • Und hier gibts Leute, die ernsthaft ein schnörkelloses Dresden als ein der Art der Stadt am besten entsprechendes Gesamtbild herbeiargumentieren.

    DAS habe ICH nie gesagt bzw. geschrieben.

    Ich glaube, man versteht mich hier überhaupt nicht.

  • Die Historismus-Architektur sah schon fast überall in Mitteleuropa recht ähnlich aus, keine Frage.
    Wir dürfen aber auch mal die unglaubliche Leistung anerkennen: in welch kurzer Zeit damals Wohnraum und Stadtgefüge von hoher urbaner Qualität in kürzester Zeit entstanden. Und dabei immernoch sehr individuell und ortsbezogen gebaut wurde. Viele Dresdner Gründerzeitbauten sind schon gut lokal zu verorten, wie ich finde. Und Villenviertel wie Blasewitz und Weißer Hirsch sind einfach unglaublich schön, genauso wie die Äußere Neustadt eine tolle Urbanität und Kiez-Atmosphäre aufweist.

  • Nochmals: Ich mache einen Riesenunterschied zw. Historismus (ab ca. 1820), den ich sehr schätze und Gründerzeitarchitektur (ab 1870), den ich weniger mag, aber es gibt natürlich auch hier gute Beispiele.


    Ich habe den Eindruck, die meisten hier verstehen diesen Unterschied gar nicht....