Posts by Civitas fortis

    Das ist wirklich ein interessantes Phänomen. Auch in Dresden (Achtung, kleiner Exkurs) ist nach dem Krieg kaum ein ansehnliches Schulgebäude entstanden (in den 1950er Jahren mit Abstrichen) und auch heutzutage neu errichtete Schulgebäude werden konsequent als Klötze mit meist horizontaler Betonung ausgeführt, auch in historischem Umfeld.


    Die im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert entstandenen Großschulgebäude (in Dresden oft durch den aus dem Berchtesgadener Land stammenden Stadtbaurat Hans Erlwein, der in München studierte, im Reformstil) sind allesamt solche "Paläste der Bildung" und für mich ein Ausdruck der hohen Wertschätzung von Bildung als gesellschaftlichem Wert an sich.


    Die Schulneubauten nach dem Krieg hingegen atmen überwiegend eine einheitliche technische und unkreative Sachlichkeit. Man müsste mal eine Untersuchung machen, wie sich die Architektur des Schulgebäudes auf die Lernergebnisse auswirkt. Bei uns wurde jedenfalls das denkmalgeschützte Erlweinsche Schulgebäude immer in Unterrichtsinhalte einbezogen, z.B. im Kunst- und Geschichtsunterricht, jeder Schüler wusste um den Wert des Gebäudes. Ich war als frischgebackener Gymnasiast, von einer DDR-Typenbau-Grundschule kommend, regelrecht überwältigt. Und dabei war das Gebäude damals nur in einem nach dem Krieg vereinfacht wiederaufgebauten Zustand.


    Es freut mich daher besonders, solche großartigen Gebäude, wie auch hier in München, weiterhin als Schule genutzt und in tadellosem Zustand zu sehen.

    Überhaupt gehört die Nordseite der Strehlener Straße bis zur Feuerwache wieder bebaut. Stattdessen sind per B-Plan (Blatt 1, 2 und 3) riesige Parkplätze vorgesehen.


    Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Sächsischen Staatseisenbahn an der Strehlener Straße 1 wäre eigentlich als Erweiterungsbau für die HTW Dresden geeignet gewesen.


    Aber das ist wohl ein Thema für den Strang Dresden - Ortsamtsbereich Plauen (Coschütz, Gittersee Kaitz, Mockritz, Plauen, Räcknitz, Südvorstadt, Zschertnitz).

    Gibt es Engagierte in Bonn? Das Hotel Bristol soll demnächst abgerissen werden, eine Neubebauung soll wohl im Zuge des Projektes "Constanze" erfolgen. Die Visualisierungen zeigen einfallslose Würfel - vielleicht wäre eine Rekonstruktion des Bürgervereins-Gebäudes an der wichtigen Ecke drin?


    Hier nochmal die oben gezeigte Postkartenansicht des Bürgervereins-Gebäudes:

    Bonn-Buergerverein-Reprint-ca-1970.jpg

    oldthing.de


    Und die "beispielhafte" Planung (Beitrag in einem Architekturwettbewerb) - es geht um die Ecke oben rechts:

    constance-bauvorhaben-ueberblick.jpg

    CORPUS SIREO Aurum GmbH & Co. KG


    Heutige Ansicht:

    2013-08-27_Hotel_Bristol%2C_Prinz-Albert-Stra%C3%9Fe_2%2C_Bonn_IMG_5227.jpg

    Foto: Eckhard Henkel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons


    Die Bürger wünschen sich dort wohl eine "urbanitätsstiftende" Nutzung, z.B. Hotel oder Gastronomie. Der Mietvertrag des Hotels Bristol läuft wohl noch bis 2029. Der B-Plan (Planteil, Textteil) sieht allerdings an der Ecke eine Höhenbetonung mit sieben Vollgeschossen vor.

    P.S. Hier wird berichtet, dass der Vertrag wegen Baumängeln bereits aufgehoben worden ist und ursprünglich bis 2024 lief.

    Fernbusterminal und Fahrradparkhaus

    Die neueste Skizze für Fernbusstation mit Fahrradparkhaus von Knerer und Lang in der Sächsischen Zeitung sieht so aus:


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    © S&G Development GmbH/KNERER UND LANG Architekten in: Sächsische Zeitung


    Laut Artikel plant der Investor, übrigens die S&G Development GmbH, die die Station samt Parkhaus in Leipzig baute,

    [...] ein Gebäudeensemble aus vier miteinander verbundenen Baukörpern unterschiedlicher Höhe. [...] Unten, also zu ebener Erde, entsteht das Busterminal mit zehn überdachten Bussteigen, oben sind moderne Büros mit 1.500 Arbeitsplätzen vorgesehen. Highlight soll eine öffentliche Plaza über den Bussteigen werden – mit Gastronomie sowie Aussicht auf den Wiener Platz und den Hauptbahnhof.

    ... laut Investor ...

    Quote

    [...] keine "langweilige Beliebigkeitsarchitektur"

    ... also hoffentlich etwas gefälligeres als in Leipzig.


    Davor soll eine neue Straßenbahnhaltestelle entstehen, nur jeweils ca. 300 Meter von denjenigen am Hauptbahnhof und der Budapester Straße entfernt.

    Stadtteilhaus Johannstadt

    Der Bürgerdialog zum neuen Stadtteilhaus Johannstadt fand am 26. Februar 2021 als Online-Veranstaltung statt und wurde live im Internet übertragen und aufgezeichnet.



    Die Präsentationen der Beteiligten sind ebenfalls einsehbar:

    Weitere Informationen auf der Website der Stadt

    Neuer Vorschlag (Artikel der Sächsischen Zeitung) des Sport- und Finanzbürgermeisters Peter Lames, wie das Sachsenbad mit ursprünglicher Nutzung erhalten bleiben könnte: Erhalt der Außenwände und Einbau einer modernen Schwimmhalle, um auf "normale Betriebskosten" zu kommen. Das Hindernis sei in diesem Fall der Denkmalschutz, zu dem Lames sagt:

    Dafür müssten Veränderungen im Sinne eines wohlverstandenen Denkmalschutzes möglich sein - derzeit werden noch zu sehr Steine bewahrt und zu wenig der Geist und die Aufgabe des Gebäudes.

    Die städtische Entwicklungsgesellschaft STESAD wurde mit einer neuen Studie beauftragt, die Alternativen zum bisher anstehenden Verkauf (und danach Umbau zum Bürogebäude) aufzeigen soll. Lames' Vorschlag solle dabei in Abstimmung mit den Denkmalschützern berücksichtigt werden.


    Fotos aus dem Inneren des Sachsenbades gibt es hier, historische Innenansichten hier oder hier.


    wurzi183.jpg
    Bildnachweis: altesdresden.de

    Nachdem im Jahr 2015 der CDU-Baubürgermeister Marx durch den GRÜNen Baubürgermeister Schmidt-Lamontain abgelöst wurde, hat man jetzt erkannt, dass man irgendwann mal Dachbegrünung an städtischen Gebäuden umsetzten will... Super.

    Dazu Umweltbürgermeisterin Jähnigen in ihrer Antwort an Fridays For Future:

    Die im Dezember 2019 beschlossene verwaltungsinterne Richtlinie „Dresden baut grün“ verpflichtet zur Begrünung kommunaler Gebäude.

    Hier kann man sich die Richtlinie ansehen. Bis es da Ergebnisse gibt, wird es also auch weiterhin noch etwas dauern, u.a. weil es in Punkt 2 des Beschlusses des OB dazu heißt:

    Für die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften ist Innerhalb von zwei Jahren eine Bestandsaufnahme zu bereits bestehenden Gebäudebegrünungen sowie der vorgesehenen zukünftigen Maßnahmen durchzuführen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen ist eine Anwendung von Beschlusspunkt 1 auch für die städtischen Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften vorzusehen

    Alle zwei Jahre soll dem OB berichtet werden.

    Anscheinend beschränken sich meine oben ausgesuchten Bildbeispiele auf wenige Ausschnitte des Gebietes (ich war noch nie dort), die aber für sich aus meiner Sicht städtebaulich positive Aspekte haben:

    • Der MIV ist nicht ausgeschlossen
    • Andere Verkehrsträger werden explizit eingeschlossen
    • Es gibt Blockrandbebauung
    • mit teilweise (halb-)öffentlicher EG-Nutzung
    • genrell wohl gemischte Nutzung
    • straßenbegleitendes Grün
    • den Versuch, Blöcke zu parzellieren
    • Ansätze, nicht nur schachbrettartige Stadtgrundrisse zu produzieren

    Dass die Architektur grauenhaft ist, steht außer Frage. Dass die Beschränkung dieser Prinzipien auf wenige Straßen nicht ausreicht, auch. Man muss meiner Meinung nach bedenken, dass es sich um eine Planstadt handelt und nicht um ein organisch gewachsenes Stadtbild. Das Ergebnis für solche waren im letzten Jahrhundert Berlin-Marzahn, Halle-Neustadt und Köln-Chorweiler. Verglichen dazu ist die oben zu sehende Art von Städtebau um Meilen weiter, wenngleich noch lange nicht am Ziel.


    Es ist natürlich Quatsch, das durch irgendeine Ideologie zu begründen, es zählen einfach die Ansprüche der (gesamten!) Gesellschaft. Die einen nennen das "gendergerecht", andere finden das einfach ganz normal.


    Übrigens ist solch eine Praxis mittlerweile Usus im Planungsprozess. Genauso wie Umweltverträglichkeit und Rechtssicherheit von Planungsunterlagen geprüft werden, wirft der Gleichstellungsbeauftragte einen Blick drauf, ob nicht Verbesserungen im Sinne verschiedenster Gesellschaftsgruppen möglich sind. Im Rahmen solcher Prüfungen kommen dann z.B. Blindenleitsysteme, abgesenkte Bordsteine, Eltern-Kind-Parkplätze, ausreichende Anzahl und Dimensionierung von Fußgängerquerungen und Parkplätzen an Straßen, Sicherung der Nahversorgung, etc. in Bebauungspläne. Zumindest findet sich immer ein allgemeiner Satz diesbezüglich in der Begründung von Bauplanungen, z.B. hier.

    Die Seestadt Aspern wird in dem Artikel ja explizit als Beispiel für die Anwendung der Prinzipien genannt und in der Tat erscheinen mir diese Bilder (wenngleich auch nicht architektonisch) als Schritt in die richtige Richtung im Städtebau:


    Wien_XXII_Maria-Tusch-Stra%C3%9Fe_18.06.18_JM_%282%29.jpg
    Wien, Seestadt Aspern, Maria-Tusch-Straße. Johannes Maximilian, GFDL 1.2 <http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html>, via Wikimedia Commons


    Ilse-Arlt-Strasse_Vienna_19-20_IMG_2235.jpg
    Wien, Seestadt Aspern, Ilse-Arlt-Straße. Alexander Migl, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons


    Wien_22_Seestadt_Aspern_f.jpg
    Wien, Seestadt Aspern, Sonnenallee, Gugerell, CC0, via Wikimedia Commons


    Das kann natürlich täuschen, immerhin scheint dort (noch) nicht viel los zu sein und irgendwie wirken die Bilder auf mich - v.a. wegen der schlechten Architektur - wie eine Mischung aus HaNeu oder Gorbitz während der Bauzeit, irgendeinem Vorort an der Türkischen Riviera und der nächsten chinesischen Retortenmetropole.


    Die im Artikel genannten Grundsätze sind aber, wie erwähnt, überhaupt nicht neu. Wenn man gute Dinge "neu erfindet" und sie anders nennt oder begründet, ist das schlussendlich aber egal, Hauptsache unsere Städte werden wieder schöner.

    Den Film hatte ich in TV-Tips verlinkt, u.a. auch bei der bpb, wo er evtl. länger zu sehen ist.


    Ich finde die Positionen ausgewogen dargestellt, wobei natürlich die These des Films an sich äußerst provokant und abwegig ist. Anscheinend gibt es aber tatsächlich Leute, die Architektur, v.a. historische oder daran angelehnte, partout nicht unpolitisch sehen können. Frau Heckmanns Kommentar war mir hier auch ein Lichtblick, wobei sie meiner Meinung nach nicht unbedingt ein Verfechter von Stadtreparatur nach historischem Vorbild (auch nicht städtebaulich) ist. Ansonsten blieb es bei den Kritikern des Wiederaufbaus ja auch nur bei "Das kann's ja auch nicht sein" oder "Ich hätte mir was anderes gewünscht". Stadt einfach wegen der Schönheit schön zu bauen scheint heutzutage nicht sehr opportun zu sein.


    Immerhin hat der Film keinen Kommentar, so kann sich jeder selbst eine Meinung bilden.


    An dieser Stelle nochmal der Hinweis, dass der Johannstädter Kulturtreff den Film am Sonntag online zeigt und anschließend eine Diskussion per Videokonferenz veranstaltet, zu der sich Interessierte anmelden können (Informationen).

    Die Sächsische Zeitung hat die Vorstände der WGJ nach ihrer Meinung zum Hochhausleitbild gefragt, daraus:

    Vor allem der letzte Satz ist verständlich, wenn man sieht, wie das Stadtplanungsamt und die WiD selbst mit dem (freilich noch nicht beschlossenen) Hochhausleitbild umgehen. Die nächsten "30 Jahre" werden also von einer Zementierung der Struktur geprägt sein, wie man jetzt schon an der Pfotenhauerstraße (Aldi-Flachdach-Neubau mit Parkdeck), der Hopfgartenstraße (Kindergarten-Flachbau) und der Pfeifferhannsstraße (Stadtteilhaus-Flach-Neubau) sieht - aktuelle Bilder siehe hier.


    Notwendig für eine urbanere und gemischtere Entwicklung ist hier also, Druck auszuüben, das Hochhausleitbild tatsächlich anzuwenden und in Bebauungsplänen die Hochhausbauten rechtssicher als nicht zu erhalten zu deklarieren, damit drumherum bei jeder Gelegenheit eine echte Reparatur des Stadtbildes erfolgen kann. Und natürlich dürfen stattdessen nicht weiter nur Flachdachkisten und Gewerbebauten entstehen, wo gemischte Nutzung und v.a. Wohnen angesagt wäre.


    Fazit: Die Wohnungsgenossenschaften erweisen sich mit ihren riesigen Beständen nicht als Partner bei der Stadtbildentwicklung. Vom Status Quo wird nur abgewichen, wenn es nicht anders geht oder Fördermittel winken. Und das wäre wahrscheinlich ein weiterer Ansatz, den man hier auch verfolgen könnte - ein Stadtbild-Fonds als Anreiz. Denn außer den Kosten gibt es so gut wie keine Nachteile, die Plattenbauten zumindest an neuralgischen Punkten durch Komplettierung der zerschnittenen Blockrandquartiere zu ersetzen. Im Gegenteil würden sogar auch Wohnungen entstehen können, die, laut Aussage im Artikel, derzeit im Viertel fehlen, nämlich Vierraumwohnungen für Familien mit Kindern; insgesamt hätte Blockrandbebauung im Vergleich sogar etwas mehr Wohn-/Nutzfläche und ein attraktiveres Umfeld.


    Ein Beispiel: Zwischen Käthe-Kollwitz-Ufer, Pfeifferhannsstraße und Blumenstraße stehen fünf Eingänge von Plattenbau-10-Geschossern teils quer auf dem ursprünglichen Blockrand. Jeder Eingang hat ca. 330 m² Grundfläche, sind zusammen also 16500 m² Geschossfläche. Blockrandbebauung mit sechs Vollgeschossen hätte pro Gebäude ca. 230 m² Grundfläche, was bei 12 Gebäuden ungefähr die gleiche Geschossfläche ausmacht; hinzu kämen ausgebaute Dachgeschosse oder Hinterhäuser, bzw. Seitenflügel im Hof. Dazu die Möglichkeit der Wieder-Verbindung der Blumenstraße, ein attraktiver Platz an der Florian-Geyer-Straße, ein geschlossener Innenhof für die Bewohner und insgesamt eine erhebliche Aufwertung des Stadtbildes an dieser Stelle. Diese Rechnung könnte man für fast alle Plattenbauten in der Johannstadt aufmachen.


    Hoffen wir mal, dass das in den nächsten 30 Jahren möglich ist ...