Posts by Civitas fortis

    Man muss trotzdem sagen, dass mehr als zwei übereinander liegende gleichartig gestaltete Geschosse nicht ausgewogen erscheinen; das Auge kann die häufige Wiederholung nicht auf einen Blick erfassen. Wegen der heutzutage geringeren Geschosshöhen bin ich eigentlich fast immer für die optische Zusammenfassung von EG und 1. OG und eine abweichende Gestaltung des obersten Geschosses (z. B. andere Fensterformate), was bei diesem Gebäude noch drei Mittelgeschosse übrig gelassen hätte, die man mit einem Gesims und z. B. unterschiedlichen Fensterrahmungen o. ä. noch hätte voneinander unterscheiden können. Diese Änderungen würden sicher nur wenig Mehraufwand und bzgl. der gestalterischen Grundkonzeption keine grundlegende Abweichung bedeuten, zumal das Architekturbüro sein Handwerk bzgl. traditioneller Gestaltung ja versteht.

    Alter Leipziger Bahnhof

    Zuletzt hier:


    Das Preisgericht hat einen Gewinner im Wettbewerb gekürt, wie die Stadt in einer Pressemitteilung berichtet, ebenso wie daraufhin die Sächsische Zeitung. Zu sehen ist das Ergebnis auch auf der Informationsseite der Stadt.

    Quote from Landeshauptstadt Dresden

    1. Preis: KOPPERROTH Architektur & Stadtumbau PartGmbB mit Fabulism GbR und Station C23
    2. Preis: Yellow Z – Abel Bormann Koch Architekten und Stadtplaner PartGmbB mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
    3. Preis: rheinflügel severin mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten
    4. Preis: Machleidt GmbH Städtebau + Stadtplanung mit UKL – Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten

    Am 21. März 2024 werden die Ergebnisse präsentiert und anschließend bis 13. April ausgestellt.


    Hier nochmal der Entwurf:

    Kopperroth Architektur & Stadtumbau PartGmbB mit Fabulism GbR und Station C23

    ALB_Pers7_Kopperroth.png

    Bildnachweis: © Kopperroth Architektur & Stadtumbau PartGmbB mit Fabulism GbR und Station C23 in: dresden.de

    Das wäre doch ein Präzedenzfall für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bzgl. Unterstützung einer Rekonstruktion und evtl. gibt es Versicherungsleistungen, denn laut Artikel ist die Verpuffung dadurch begründet gewesen, dass ein Anwohner unerlaubt in das Gebäude zurückgekehrt ist. Inwiefern das als (fahrlässige) rechtswidrige Zerstörung eines Kulturdenkmals oder als Unfall einzuordnen ist (bis zu 500.000 Euro Geldbuße nach § 28 Abs. 2), wird dabei eine Rolle spielen, aber wenn sich z. B. die Gemeinde für einen Wiederaufbau positionieren würde und es Fördermittel gäbe, könnte es theoretisch eine Chance auf Wiederaufbau geben.

    Zwischen der Reichenbachstraße und der Bahn ist in den letzten Jahrzehnten so viel Kraut und Rüben entstanden, dass ein einheitliches Bebauungskonzept (Villengegend oder Blockrand) gar nicht mehr möglich ist, höchstens etwas Kosmetik an freien Blockkanten oder durch Ersatz von Plattenbauten. Vor allem letzteres kann man sich mittlerweile abschminken. Statt jeden Block gesamtheitlich zu beplanen hat man einfach alle freien Stellen mit irgendwas (Zweckbauten, Einfamilienhäuser, Kindertagesstätten, Parkplätze, etc.) zugestellt. Das Projekt (bei dem ich mir aber nicht sicher bin, ob die Visualisierung aktuell ist oder überhaupt dem in der Gestaltungskommission vorgestellten Vorhaben entspricht) reiht sich da wunderbar ein.


    So sah's an der Ecke übrigens vor 1945 aus (rechts Eckgebäude, Blick Richtung Strehlener Platz):

    stre0531.jpg

    Bildnachweis: altesdresden.de


    Hier noch ein Senkrechtluftbild des Gebiets.

    Ich durfte Prora als Teenager in den 90-er Jahren bereits kennenlernen.

    Wahrscheinlich als einer von denen, die uns damals hinterm Parkplatz zum heimlichen Rauchen verführen wollten :wink:


    ... und doch stellt man sich diesen Komplex vor dem inneren Auge vollständig und in lebhaftem Betrieb vor, wenn man kopfschüttelnd davor steht. So ging es mir in den 90ern, als ich dort als Grundschüler schon wegen der damaligen Kasernenhaftigkeit der Jugendherberge, der Ausmaße des Komplexes, und der Trostlosigkeit des Areals immens beeindruckt war, und so ging es mir letztes Jahr, als ich knapp 30 Jahre später den Ort nochmal ausgiebig erkundete, um meine Erinnerung zu überprüfen.


    Man steht dort und sucht nach Vergleichen, und seltsamerweise würde man insgeheim sogar diese Anlage in Funktion, allein wegen der Faszination, die diese Gigantomanie auslöst - nur, um zu sehen, wie es gewesen wäre - einem gesichtslosen Mittelmeerstrand mit aneinandergereihten Beton-Bettenburgen vorziehen - logischerweise ohne den ideologischen Hintergrund und logischerweise unabhängig davon, dass die idyllische Insel Rügen für diese Art Tourismus absolut der falsche Ort ist.


    Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen mit Balkonen, Terrassen, Vorplätzen, Anbauten, usw. wirken völlig verloren und man merkt dem Komplex und der Umgebung immer noch an, dass keiner wirklich etwas damit anzufangen weiß; dass man damit vielleicht auch gar nichts anfangen kann. Als authentischste Nutzung erschien mir noch der Sandparkplatz am Nordende, wo sich am Wochenende die örtliche Jugend mit ihren aufgemotzten Karren zum Feiern vor den Ruinen traf. Noch "authentischer" wäre wohl nur die ursprünglich geplante Nutzung, mit Zaun drumherum und Kassenhäuschen, als Themenpark für ideologischen Irrsinn.

    Laut Sächsischer Zeitung soll vor dem Plattenbauhochhaus Strehlener Straße 20 an der Ecke zur Franklinstraße (Standort im Themenstadtplan) ein Neubau mit gleicher Höhe (34 Meter) entstehen. Details wurden nicht erläutert, man findet jedoch diese Bebauungsstudie, die jedoch vier Geschosse weniger aufweist:

    01_heftol_strehlener_strasse_20_strasse_210614_02_shiftn-1920x1480.jpg.webp

    Bildnachweis: Archlab


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    Bildnachweis: Archlab


    Es sollen Mikroappartements in beiden Gebäuden entstehen, z. B. für Studenten.


    Offenbar ist es das Vorhaben, das in der letzten Sitzung der Gestaltungskommission behandelt wurde. War zufällig jemand vor Ort und kann Details beitragen?

    Bergsiedlung

    Die in den späten 1990er Jahren entstandene sogenannte Bergsiedlung im Weixdorfer Ortsteil Lausa soll per Bebauungsplan auf einer mit Gehölzen bestandenen Fläche erweitert werden. Die bisherigen Gebäude am oberen Ende der Bergsiedlung sind ausschließlich Holzhäuser ("Schwedenhäuser") und überhaupt existieren in der gesamten Ortschaft überwiegend "klassische" Bauformen mit Satteldach.


    Schwedenhaus_Bergsiedlung.jpg

    Bildnachweis: Wolfgang W, Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Deutschland in: Stadtwiki Dresden


    Der Bebauungsplan (Standort im Themenstadtplan) sieht dort nun allerdings explizit "begrünte Flachdächer" für 18 neue Einfamilienhäuser vor. Der Plan liegt vom 19.02.2024 bis einschließlich 22.03.2024 aus; Stellungnahmen können während dieses Zeitraums abgegeben werden:

    Bildnachweis: Landeshauptstadt Dresden in: Bebauungsplan Nr. 3067 Dresden-Lausa Nr. 1 Wohnbebauung Bergsiedlung


    Jetzt ist diese Siedlung an sich nichts besonderes und am äußersten Rand und am Ende einer Sackgasse gelegen, aber warum auch und gerade hier jetzt auch solche unnötigen Brüche eingeführt werden müssen, erschließt sich mir überhaupt nicht. Wäre interessant zu erfahren, was die bisherigen Bewohner davon halten.

    Das einzige, was Köln beim Wiederaufbau richtig gemacht hat, nämlich die Parzellierung beizubehalten, wird offenbar Stück für Stück "korrigiert". Ist das nur mein Eindruck?

    Es gilt, Innenstadtlagen neu zu denken, damit diese weiterhin leben und pulsieren.

    Na dann denkt euch doch endlich mal was neues aus, als immer die gleichen Rasterblöcke!


    Achso: Man behalte die Visualisierung im Kopf und vergleiche nach Bauabschluss mit der Realität. Ich prophezeie, dass das ganze Grünzeug fehlen und die Sockelzone ein dunkles Loch sein wird. Ob man das Dach (welche Form soll das eigentlich genau haben?) später von unten sehen wird, ist bei der Enge auch fraglich, denn offenbar gibt's ja eine Dachterrasse vor der Traufe.

    Combahnviertel

    Das Satzungsverfahren zur Aufstellung einer Denkmalbereichssatzung muss von vorne begonnen werden, weil die Verwaltung die öffentliche Auslegung des Aufstellungsbeschlusses versäumt hatte. Damit besteht bisher auch kein vorläufiger Denkmalschutz für das Combahnviertel. Das nun neu zu beginnende Verfahren wird dann aufgrund der Neufassung des NRW-Denkmalschutzgesetzes, mit dem ein vorläufiger Schutz während der Aufstellung eingeführt wurde, erfolgen. Der vorläufige Schutz wird dann mit Bekanntmachung des Aufstellungsbeschlusses beginnen.


    Pressemitteilung der Bundesstadt Bonn

    Du beziehst Dich also eher auf die Skizze als auf das Vorhaben selbst?

    Ich beziehe mich allgemein auf unrealistische Visualisierungen, derer die Skizze für dieses Vorhaben eine ist. Meine Aufzählung ist nicht nur diesem Bild entsprungen. Nun also zum dritten Mal :smile: - ja, trotzdem eine deutliche Verbesserung zum Vorzustand, meine Rede.

    Wäre etwas besser, wenn stattdesen hässliche Bilder produziert werden würden?

    Ja, natürlich! Das wäre nämlich ehrlich und würde tatsächlich nachhaltige Methoden des Bauens sichtbarer machen. Alle diese symbolischen Zeichnungen, Spiegelungen, falschen von Norden strahlenden Sonnen, wie ein Christbaum leuchtenden Glaskästen, an mehrspurigen Straßen wuchernden Dschungel, psychedelisch verwaschenen Illusionen, etc. beeinflussen Entscheider und die Öffentlichkeit nämlich erheblich, und am Ende will es keiner gewesen sein. Das passiert aber überwiegend bei Bauvorhaben, die - würde man sie von Anfang an realistisch darstellen - wegen Fehlens aller durch die Visualisierung vorgetäuschten positiven Eigenschaften eine viel geringere Akzeptanz erhielten.


    Aber wie gesagt, immerhin besser als vorher, da stimme ich natürlich zu.

    Man wird sicherlich die genaue Fassadengestaltung noch abwarten müssen, aber das gehört so mit zum Besten, was heute außerhalb von klar historischen Kontexten gebaut wird, Blockrand wiederhergestellt, zumindest abwechslungsreiche Fassaden mit betonter Erdgeschosszone

    Ich spiele ja gern den Advocatus Diaboli, daher mal zur Anregung (falls man sich zu sehr vom Visualisierungsstil einlullen lässt):

    • keine Parzellierung, das ist ein riesiger Gebäudekomplex, der mit wechselnder Fassadenfarbe (wenn überhaupt) Kleinteiligkeit vortäuschen will
    • Dach-, Fassaden- und Innenhofbegrünung werden so üppig ganz sicher nicht kommen - färbt gedanklich mal die Dächer in Kiesgrau ein und bedenkt, dass der Innenhof eigentlich das Dach des Erdgeschosses ist (also trotzdem versiegelt und als Biotop so gut wie wertlos)
    • keine regionalen Materialien (vielleicht Klinkertapete im EG), keine Dächer (wie aber offenbar typisch zumindest bei Altbauten in der nahen Umgebung) - auch hier, färbt mal gedanklich die in angenehmen Naturfarben dargestellten Fassaden in üblichem grau, anthrazit, weiß, …
    • keine Fassadengestaltung - außer alberne überhöhte Bögen als "Schmankerl", aber überhaupt nicht auf die vorgetäuschten Parzellen abgestimmt und sicher nicht handwerklich gemauert
    • Außerdem: die Bestandsbebauung ist nur als Klötzchenmodell zu sehen, da erscheint jedes noch so grobe Detail wie ein Ornament - lasst euch von solchen Bildern nicht täuschen!

    Solche Projekte sind in meinen Augen kein Fortschritt. Selbst wenn es echte Dächer gäbe und evtl. irgendwelche die Fassade strukturierende Elemente oder verschiedene Materialien, kommt am Ende keine Kleinteiligkeit raus. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist das - direkter Vergleich der Wirkung zweier Straßenseiten - sicherlich mit aufgrund der Lage höherem Anspruch.


    Mehr als "immerhin besser als vorher" fällt mir dazu leider nicht ein., und für mich ist auch die Umgebung kein Argument, denn alles außerhalb von Altstädten und historischen Quartieren der Beliebigkeit preiszugeben, hat uns ja erst dahin geführt, wo wir heute sind.


    Mich stört vor allem diese Vortäuschung von Nachhaltigkeit, Begrünung, menschlichen Maßstabs - letztlich die angebliche Bedienung heutiger Erwartungen, ohne am Grundverständnis von Bauen etwas zu ändern. Schöne Bilder zu produzieren reicht heutzutage offenbar in unserer oberflächlichen Gesellschaft.

    Wo ist das Problem? Wer sich angemeldet hat und kommentiert, kann die Fotos auch sehen. Ich mache keine Fotos für die ganze Welt (inkl. Suchmaschinen, KI-Modelle, etc.), sondern zeige einige meiner privaten Bilder den Leuten, die sich hier aktiv dafür interessieren. Das ist in anderen Foren seit Jahrzehnten Usus, also keine neue Marotte.