Posts by Civitas fortis

    Fordern tut die Denkmalpflege in der Regel nicht. Sie erstellt Gutachten, wenn man mit Umbauwünschen an sie herantritt.

    Ist nicht genau das die ideologische Komponente des Denkmalschutzes, indem er nämlich ganz individuell entscheidet, ob eine zeitgenössische Zutat am Baudenkmal vertretbar ist, oder nicht? Solange der als zeitgenössisch angenommene Stil absolut unterscheidbar vom Stil des Denkmals ist, wird die Denkmalbehörde wohl nichts dagegen haben, bildet doch die damit entstehende heutige Zeitschicht erkennbar eine Zutat neueren Datums. Dass heutige zeitgenössische Architektur aber so ganz konträr zum Denkmal zu sein hat, wird dabei willkürlich zugrunde gelegt. Dabei ist nirgends festgelegt, welcher der aktuell gültige zeitgenössische Stil ist.


    Das Beispiel neugotischer Um- oder Anbauten an einem gotischen Gebäude wäre genau dieser Fall, der im Denkmalschutz heute nicht mehr ginge, oder? Wenn der "Bruch" gesetzt ist, dann schwingt sich die Denkmalbehörde zum Richter über zeitgenössische Architektur auf. Sie entscheidet, dass sowas möglich ist, aber eine stilgerechte Erweiterung eines solchen denkmalgeschützten Gebäudes nicht. Ich frage mich, was das Denkmal (nicht nur in seiner Substanz, sondern auch und v.a. in seiner Wirkung) mehr beeinträchtigt.


    P.S. Hier eine deutlichere Aufnahme meines Beispiels von oben, man sieht den massiven Substanzverlust.


    P.P.S. Gleichzeitig verweigert die Denkmalschutzbehörde eine (Wieder-)Bebauung einer Fläche vor einem denkmalgeschützten Gebäude aus DDR-Zeiten wegen Beeinträchtigung der Wirkung, siehe hier, obwohl das geplante Gebäude doch eindeutig vom Stil her als Zutat unterscheidbar wäre.


    Wie sind denn diese beiden Entscheidungen wissenschaftlich zu begründen?

    Aus dem SZ-Artikel:

    [Die] Gerchgroup [...] wartet noch auf eine Beschlussfassung der Stadt, was mit der Robotron-Kantine passieren soll, die Teil der Fläche ist.

    ... also wohl, ob die Stadt die Kantine doch noch für knapp 12 Mio. Euro kaufen will. Soweit ich weiß, gilt noch der Stadtratsbeschluss, dass die Kantine erhalten werden soll, auch wenn der Eigentümer daran wohl nicht gebunden ist.

    Querido Der Eiffelturm ist aber nun gerade kein Beispiel für Architektur, er ist eher eine Skulptur, kein Gebäude im klassischen Sinne. Ansonsten stimme ich natürlich zu, dass ortsfremde Architektur heimelig, schön und identitätsstiftend sein kann. Aber dafür braucht sie erstmal überhaupt eine Identität, ein Gesicht. Die Schwedenhütte im Ruhrpott ist eben immer noch eine Schwedenhütte.


    Die klassizistische Architektur in Amerika (und übrigens auch in ehemaligen Kolonien) ist natürlich ein Sonderfall. In Amerika haben sie kaum bis keine natürlichen Vorgänger oder sie wurden absichtlich ignoriert. Die europäischen Siedler haben ihre Kultur mitgebracht und in diesem Sinne sind die Bauten dann auch regionaltypisch, bzw. kulturtypisch, was wohl der eigentlich passende Begriff wäre.


    Was die globale, internationale, moderne, modernistische, oder wie auch immer genannte Gestaltung an eigener Identität mitbringt, ist mir, wie gesagt, zu wenig. Vielleicht wird das in 50 oder 100 Jahren anders sein und der "berlin cube" ist das neue Wahrzeichen Berlins, wie der Eiffelturm für Paris. Ich bezweifle das aber und ich finde diese Gestaltung nach wie vor nicht schön, weil zu wenig am Menschen und der Natur ausgerichtet (bzgl. Proportionen, Materialien und Umgebung).


    Die Materialität eines Gebäudes trägt meiner Ansicht nach genau wegen der regionalen Verfügbarkeit zu einem Regionalgefühl bei. In Dresden wirken Gebäude mit Sandstein oder Meißner Granit einfach viel passender, als z.B. mit Basalt oder Kalkstein. Beton, Stahl und Glas als nicht-natürliche Werkstoffe können solch eine regionale Identität per se nicht haben.

    ich glaube eigentlich nicht, dass man das so pauschal sagen kann, dass regionaltypische Architektur per se ästhetischer, qualitätvoller oder identitätsstiftender wäre.

    Pauschal lässt sich das, da stimme ich zu, natürlich nicht sagen. Aber wie ich schon sagte: Regionalität macht meiner Ansicht nach im Vergleich zu anderen Merkmalen einen Großteil der Qualität von Architektur aus, wenn sie als Kunst des Bauens in einem kulturellen Umfeld betrachtet wird, zumindest heutzutage, da es wenige Alternativen gibt; will heißen, da man z.B. keinen kunstvollen Barock als Vorbild aus Italien importieren kann und da z.B. chinoise Gestaltung nicht mehr als en vogue für kosmopolitische Zeitgenossen gilt.

    Können wir. Ich frage mich nur, ob solche Orte mit "guter Architektur" ohne Regionalbezug schön oder erstrebenswert sind. Wenn ein Ort ästhetisch daherkommt, ohne eine Identität aufzuweisen, dieses Konzept gar absichtlich negiert, dann nützt auch die "gute" Architektur wenig. Der Mensch sucht nicht nur Schönheit, sondern auch Identität.


    Wenn ich z.B. in Kopenhagen am Hauptbahnhof aussteige, sehe ich, dass ich mich in einem nordeuropäischen Land, in einer nordeuropäischen Kultur befinde. Stehe ich vor St. Pancras in London, sehe ich am Baustil sofort, wo ich bin. In Berlin passiert mir das nicht. Der Bahnhof, das Umfeld oder die neuen Bundesbauten - sie könnten alle auch woanders stehen. Die Architektur vermittelt kein Ortsgefühl, folgt keinem genius loci.


    Gut, die sogenannte Europacity kommt insgesamt, quasi aus einem Guss, im internationalen Stil daher. Aber wo ist der Unterschied zu La Défense in Paris, zum Europaviertel in Brüssel oder zu Kop van Zuid in Rotterdam? Überall dort erkennt man, wenn überhaupt, nur anhand von Solitärbauten, die man jedoch vorher als solche kennen muss, wo man sich befindet. Sie sind globale Orte, wie Flughäfen. Das ist mir als Konzept für die Stadt nicht ausreichend. Das ist für mich kein Stadtbild.

    Von Dogma war keine Rede. Wir sollten, gerade bei ausschließlich schriftlichen Diskussionen, genau darauf achten, was gesagt (i.e. geschrieben) wird und was nicht.


    Was ich also ausdrücken wollte: Regionalität als Merkmal von Gebäuden, die von einer messbaren Mehrheit als schöner empfunden werden als welche ohne dieses Merkmal, ist zweifelsohne ein aktuelles Qualitätsmerkmal von Architektur (und genau das hattest du bezweifelt) - wenngleich nicht das einzige. Ich glaube jedoch, dass das sichtbare Berufen auf Bautraditionen eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Architektur ist.


    Architektur gewinnt weiterhin überwiegend durch Anpassung an ein Stadtbild, nicht unbedingt durch Skulpturalität als Solitär. Der "cube berlin" mag vielen gefallen, im Vergleich zu erhaltenen Altstadtquartieren aber, mutmaße ich, wird das gesamte Areal nicht gerade als ästhetischer Gewinner dastehen.

    Woraus sollte sich das ergeben? Das galt nicht einmal in historischer Zeit.

    Das ergibt sich für mich aus messbarem allgemeinem Schönheitsempfinden und der Akzeptanz durch die Menschen. Kunst- und kulturhistorisch lässt sich das sicher nicht immer begründen, aber Historie ist lediglich das Abbild des Gewesenen, unabhängig von der Rezeption der Zeitgenossen.


    Architektur soll den Menschen dienen, die damit konfrontiert werden, also den heute und morgen lebenden. Und diese empfinden historische (und damit fast immer regionale oder zumindest nicht "globale") Architektur eben überwiegend als angenehmer als den heutigen internationalen Stil. Wenn das einmal anders war, und internationale Stile als angenehm empfunden worden waren, mag das sehr gut sein. Heute ist es überwiegend nicht so. Ich nehme an, dass überregionale Stile z.B. in der Gotik oder im Barock bereits zu ihrer Zeit beliebt waren, zumal sie Ausdruck von Kultur und menschlicher Verwirklichung waren - ganz im Gegensatz zur modernistischen Architektur, die sich überwiegend utilitaristisch oder avantgardistisch sieht, also in keiner natürlich-menschlichen Dimension.


    Ich hätte wohl eher schreiben sollen: Regionale Züge sind unbedingt ein Qualitätsmerkmal heutiger Architektur.


    Die fehlende Regionalität des Berliner Hauptbahnhofs und z.B. auch des "Bandes des Bundes", finde ich übrigens besonders banal, weil gerade solche Bauten eigentlich identitätsabbildend sein sollten. Was sonst bietet sich da neben dem Aufnehmen regionaler Bautraditionen an, wenn die Identität regional (Hauptbahnhof von Berlin), bzw. sogar national (Bahnhof der Bundeshauptstadt und Bauten nationalstaatlicher Organe) ist?


    In so eine durch Regionalität geprägte Umgebung würde der "cube berlin" meiner Meinung nach nicht passen. Da sie das nicht ist, passt er zwar vielleicht dort hin und hat darin sogar eine besondere Stellung. Architektur für den Menschen ist aber das gesamte Umfeld nicht, eher Demonstration von Technik, als von menschlich-künstlerischer Ausdruckskraft, mithin also keine qualitätsvolle Architektur im Sinne von menschlicher Bau-Kunst.

    Zeitgenössische Architektur trägt meist keine regionalen Züge. Ich halte das auch nicht für ein Qualitätsmerkmal, es sei denn, es gibt eine Wechselwirkung mit der benachbarten Architektur.

    Regionale Züge sind unbedingt ein Qualitätsmerkmal von Architektur. Wie diese sich über die Zeit ausformen, ist eine zweite Frage. Allerdings ist der genius loci oberste Maxime bei Bebauung, v.a. in Städten. Wie dieser bei Orten wie am Berliner Hauptbahnhof mittlerweile zu bestimmen ist, ist ebenfalls eine weitere Frage. Aber das künstliche Verändern oder Ersetzen des "Geistes des Ortes", anstatt ihm zu folgen, ist ein Merkmal vieler zeitgenössischer Architekturen, das ich wiederum nicht als Qualitätsmerkmal betrachte.

    Die DNN hatten das wohl 2017 so gemeldet:

    „Es wurde festgestellt, dass die Schaffung von Baurecht über ein Bebauungsplanverfahren aufgrund der Lage der Grundstücke in einem faktischen Gewerbegebiet [...] sowie durch die Lage an der unmittelbar angrenzenden Bahnanlage (S-Bahn Richtung Pirna, Fernverkehr Richtung Prag) und den angrenzenden Straßen mit den sich daraus ergebenden hohen Lärmbelastungen kritisch gesehen wird“

    allerdings auch:

    Nichts desto trotz könnte eine akustische Machbarkeitsstudie klären, inwieweit eine städtebauliche Entwicklung in Richtung Wohnbebauung überhaupt möglich wäre.

    Über so eine Studie konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen, ich nehme an, es gibt keine. Es gibt doch genügend Wohnbebauung an Bahnstrecken, das sollte doch theoretisch gehen.


    Bleibt die Frage: Was macht man mit einem ruinösen Baudenkmal im Gewerbegebiet? Warten oder illegaler Warmabriss (die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung) scheinen traurigerweise die wirtschaftlichsten Varianten für solche Objekte zu sein.

    Malzfabrik Gbr. Pick

    Das Industriedenkmal Malzfabrik in Niedersedlitz (Standort, Historische Ansichten) steht seit heute Morgen in Flammen, wie Sächsische Zeitung und Dresdner Neueste Nachrichten berichten.


    Beschreibung des Objekts bei Oiger.


    Fotos von 2013 wurden hier gezeigt. Damals wollte die Ventar AG das Objekt sanieren und Eigentumswohnungen einbauen. Weiß jemand, warum das nichts wurde und ob das Objekt ggf. verkauft wurde?

    Ich bin gespaltener Meinung. Einerseits ist das Umfeld wenig inspirierend. Andererseits hätte dort z.B. auch ein eckbetonendes solitäres Schmuckstück hingepasst, das an den Seiten die ellenlangen Fassaden des WTC aufnehmen und zu einem gestalterischen Abschluss hätte bringen können. Einerseits ist es eine Genossenschaft, die eigentlich nur sanieren wollte. Andererseits ist die Gestaltungschance bei einem ohnehin notwendigen Neubau vertan.

    Bzgl. Materialien heißt es im Protokoll der Sitzung der Gestaltungskommission vom 3. Mai 2019 (Wiedervorlage):

    Der Wiederaufbau des Palais Kaskel-Oppenheim wird mehrheitlich vom Stadtrat gewünscht und ist planungsrechtlich möglich:

    Ein Neubau von Gebäuden nach historischem Vorbild wie z. B. das Palais Kaskel-Oppenheim ist durch die Festsetzungen des Bebauungsplans gegeben.

    Es wird ja diskutiert, ein neu zu schaffendes jüdisches Museum evtl. dort einziehen zu lassen. Die DNN berichteten erst vor zwei Tagen wieder über diese Möglichkeit.

    Das Platten-Hochhaus Ammonstraße 68 wird derzeit für den Abriss vorbereitet. Dass die Sanierung wegen der ungünstigen Grundrisse und hoher Kosten unwirtschaftlich ist, war ja schon länger bekannt, nun zeigt die Sächsische Zeitung in einem Artikel aber eine Visualisierung des geplanten Neubaus (Bild), der zwei Geschosse weniger haben wird und sich somit an das angrenzende World Trade Center anpassen soll.


    Ein Bild des Vorzustandes ohne Gerüste zeigte die Sächsische Zeitung im Januar (Bild).


    Abriss und Neubau sollen übrigens rund neun Millionen Euro kosten.

    Zur Zukunft des Sachsenbades findet am 16. November ab 18:00 Uhr eine Einwohnerversammlung statt, bei der der neue Baubürgermeister ausführlich über die Vorlage zum Verkauf des Bades informieren wird. Es können bis 15. November Fragen eingereicht und die Versammlung live im Internet verfolgt werden, siehe Seite der Stadt.


    Eine ausführliche Beschreibung des aktuellen Sachverhalts zum Sachsenbad liefert Pieschen-aktuell.de.


    Die Bürgerinitiative, die die Bürgerbeteiligung durch eine Unterschriftensammlung erzwungen hatte, informiert auf ihrer Seite "Endlich Wasser ins Sachsenbad!".

    S-Bahnhof Plauen

    Die DNN zeigen Visualisierungen (Artikel dazu), wie der Haltepunkt Plauen nach dem nun beginnenden Umbau aussehen soll, nachdem bereits Anfang 2019 die alten Brücken durch eine Behelfskonstruktion ersetzt werden mussten. Die hölzerne Bahnsteigüberdachung (Bilder 8, 9, 10) wird im Zuge der Sanierung leider verschwinden. Unter der Brücke wird es nach dem Umbau "steril" zugehen (Bild 3 und Bild 4). Derzeit ist der Zugang mit einem Wandbild gestaltet (Bild 11).


    So notwendig die Sanierung ist, so schade ist es um das Erscheinungsbild der historischen Anlage (Zustand 2008 in Google Street View), die wohl nicht unter Denkmalschutz steht/stand. Solche Verkehrsanlagen gehören eben auch zum Stadtbild und sollten meiner Meinung nach nicht nur gesichtslose Zweckbauten sein.

    Die Grünanlagengestaltung am westlichen Promenadenring hat den 1. Platz des Wettbewerbs "Gärten in der Stadt" des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen e. V. gewonnen, so berichtet die Stadt.


    Was sie nicht berichtet: Die Auszeichnung erfolgte wohl in der Kategorie "Außenanlagen in Wohngebieten oder Erholungsbereiche innerhalb von Gewerbegebieten" (das schreibt die DNN unter das Foto in der Bildergalerie zu ihrem Artikel zum Thema), was ja nicht gerade zur Kategorisierung des Promenadenrings als zentrale öffentliche Grünanlage in der Inneren Altstadt passt, wie ich finde, aber den Charakter der Anlage, der hier ja schon kontrovers diskutiert wurde, ganz gut beschreibt.