Völklingen

  • Völklingen, eine bedeutende Industriestadt an der Saar, wird um einen Schandfleck ärmer. Nach langem Hin und Her wird das seit 1999 leerstehende Gebäude des früheren Kaufhofes endlich abgerissen. Auch das Parkhaus soll dem Bagger zum Opfer fallen.


    Völklingen bei Wikipedia



    Zentral im Bild die Ruine des ehemaligen Kaufhofes mit dem Parkhaus, unten rechts das Alte Rathaus.



    Artikel Saarbrücker Zeitung


    Auch wenn ein möglicher Nachfolgebau, bisher gibt es nur sehr grobe Planungen, sicherlich in keinster Weise irgendwelche historischen Bezüge aufnehmen wird, so kann es doch eigentlich nur besser werden!

  • Freut mich :daumenoben: Ja diese “Kaufhausruine“ hat das Stadtbild von Völklingen sehr geschadet! Vielleicht kann die Kleinstadt so einen kleinen “Neuanfang“ beginnen, denn seit dem Bau der neuen Stahlhütte in den 80/90er Jahren wurden viele Leute arbeitslos. Die Innenstadt selbs (die Hauptstraße bis zum Globus) sieht leider ziemlich tot aus: viele Geschäfte stehen leer . Zum Glück hat dies nicht davon abgehalten die schönen Jugendstilbauten wie u.a. das Rathaus umfassend zu renovieren ;)

  • Der Abriss beginnt endlich. In diesem Artikel klick ist auch davon die Rede 14 Wohn- und Geschäftshäuser abzureissen. Welche Häuser der Abrissbirne zum Opfer fallen werden weiß ich leider nicht.

  • Oh je 14 Wohn-und Geschäftshäuser die abgerissen werden, das klingt heftig! Ich fürchte, dass wahrscheinlich der halbe südliche Straßenzug der Rathausstraße, alte Schulstraße entfernt wird (siehe Foto die vernachlässigten Gebäude links und rechts der Kaufhausruine). Leider sind auch einige historistische Gebäude und sogar Häuser aus dem Jugenstil dabei. Aber leider ist Völklingen wirklich sehr arm und muss mit Leerständen kämpfen!

  • Heute war ich in Völklingen, um mir dieses bauliche Dilemma anzuschauen und habe Fotos gemacht, die ich hier einstellen werde:


    Das Bauschild vor dem ehem. Kaufhof mit Projektbeschreibung und offensichtilich noch von der EU gefördert!


    Ein sogenanntes "City-Center" ein gigantischer "Modepark" soll entstehen ist, aber noch nicht sicher: Visualisierung


    Das Haus Rathausstraße 5 wird ebenfalls abgerissen, ein schlichter Altbau mit Mansardendach, aber trotzdem erhaltenswert wie ich finde!



    In der Karl-Janssen direkt vor dem Jugendstilrathaus, werden mehrere Häuser abgerissen: nachdem schon das gründerzeitliche Eckhaus im Zuge des Abbruchs des Seitenflügels des ehem. Kaufhofs abgerissen wurde, klafft dort eine Lücke. Direkt daneben, ein kleines bescheidenenes Haus im neoklassizistischen Stil mit alten Ladeneinbau. Bis jetzt wehren sich die Besitzer als Einzigste, es zu verkaufen, damit es wie seine linken Nachbarn abgerissen werden kann.






    Die zwei linken Nachbarhäuser Nr 6 und 8 werden schon vorbereitet auf den Abriss :weinen:





    Hier eine wichtige Gesamtansicht, um auch den Bezug zum Rathaus herzustellen. Die beiden ersten Gebäude von links werden abgerissen, der drittte von links weigert sich. Ein Stadtbild wird blindwütig zerstört und eine bedeutende Anischt auf das alte Rathaus wird beeinträchtigt



    Aber kommen wir zu den von der Substanz her wichtigeren Häusern in der alten Schulstraße, die schon entkernt werden.
    Das Bild zeigt rechts die betroffenen Abrisskandidaten, die sich gut in das Ensemble aus ebenfalls Gründerzeitbauten links am St. Martins-Platz einfügen, Teil davon noch sind und ein stimmungsvolles Viertel bilden.



    Alte Schulstraße Nr 12. Dieser Altbau steht direkt neben dem alten Parkhaus vom Kaufhof. Von oben sieht man dass der gesamte Dachstuhl zerstört wurde. Auch bei den Nachbarhäusern wurden mehrere Ziegeln von den Dächer absichtlich entfernt, auf Youtube findet man sogar Videos, die diese Schäden von oben zeigen.




    Beim Nachbarhaus Nr 14 sind schon die Fenster rausgerissen worden:




    Gegenüber wird auch alles abgerissen:





    Das größte Verbrechen ist, dass man auch dieses Haus abreißen will, ein wunderschönes, dreigeschossiges Neorenaissancegebäude (Nr 19) und das noch ziemlich gut erhalten ist:







    Aber auch das rote kleinere Nachbarhaus wird leider verschwinden. Hier sieht man übrigens alle 5 Gründerzeithäuser die abgerissen werden:





  • Mir fehlen die Worte...
    Man muss da glaub ich nichts mehr zu sagen. Eine Schande! Unverantwortlich! Eine grausame Zäsur in die Historie einer Kleinstadt wie Völklingen. Bekommen die Architekten denn da gar kein schlechtes Gewissen? Früher war man über jedes bewohnbare Haus froh und heute...
    Wertvolles architektonisches Kulturgut einfach weg. Ich fürchte schon, dass wir unseren Enkeln irgendwann mal erklären müssen, was ein Satteldach ist oder wie Gründerzeit aussieht, weil die das alles nicht mehr kennen werden.
    Ich hoffe mal, dass sich der "Modepark" wenigstens rentiert und mit dem Geld andere Objekte saniert werden können. Modisch sieht die Visualisierung aber trotzdem nicht aus.


    Trotzdem vielen Dank für die Zusammenfassung der entstehenden Schäden!

  • Das kannst Du vergessen. Der Betreiber wird den Gewinn eher so weiterinvestieren, dass er woanders das nächste alternativlose Modecenter hinstellt.

    Ich ging vom Guten im Menschen aus. Aber Habgier und Geiz überwiegen offenbar allem: Verstand und Gewissen

  • Um den Neorenaissance-Bau ist es sehr schade. Aber mich wundert die Entwicklung nicht. Die Leute wollen heute shoppen gehen. Zumindest wird ihnen das als zentrales Freizeiterlebnis vermittelt. Was zählen da ein paar "alte Buden"?

  • Das ist ja wirklich eine Schande - erbärmlich, erschreckend. Das sind ja die finstersten 60er Jahre, die hier wiederkehren. Wie kann man sowas nur machen? Und bei der Nr. 19 wäre es doch so einfach, wenn jemand wenigstens die Sandstein-Teile der Fassade ausbauen und erhalten würde! Die Teile könnte man problemlos einer Neubaufassade mit normalen hellen Baumarktziegeln vorblenden; wenn es gut gemacht ist, könnte man die Straßenfassade praktisch 1:1 an anderer Stelle rekonstruieren. Aber nein - das wird dann also alles geschreddert. Hört das denn niemals auf, diese Vernichtung? Erst der Krieg, dann die Nachkriegszeit, und es geht einfach weiter...
    disgust:)

  • Bei dem Zustand der Altbauten kann ich durchaus verstehen, dass man den Wunsch nach "Aufbruch" und "Erneuerung" verspürt. Offenbar ist dabei niemand auf die Idee gekommen, dass dieser Aufbruch gerade mit liebevoll sanierten Altbauten viel besser gelingen kann. Als Kompromiss könnte man vorschlagen, zumindest die Fassaden zu erhalten und zu sanieren, und dahinter Neubauten hochzuziehen, wenns sein muss auch in deutlich größerem Format. Aber es muss eine Möglichkeit geben, zumindest einen Teil des alten Stadtbildes zu erhalten!


    Ich finde, es sollte dazu eine Pressemitteilung von Stadtbild Deutschland geben, die Alternativen aufzeigt. Eine Stadtbildzerstörung in diesem Ausmaß darf von uns nicht ignoriert werden!

  • Ich ging vom Guten im Menschen aus.

    Mit diesem Irrglauben sind schon viele auf die Schnauze gefallen, als sie mit der Wirklichkeit konfrontiert wurden. Es ist besser, sich auf die Wirklichkeit einzustellen, als diese zu verdrängen und in einer Traumwelt zu leben.

  • Es gibt nun eine erste Visualisierung des Nachfolgebaus auf dem ehemaligen Kaufhofgelände.


    Saarbrücker Zeitung: Modepark Röther nimmt Gestalt an


    Die Anordnung im denkmalgeschützten Umfeld des Alten Rathauses lasse ein spannendes Nebeneinander von Alt und Neu erwarten.


    Auf der Visualiserung ist ja nicht wirklich viel zu erkennen. Über den modernen Klotz muss sicher nicht viel gesagt werden, auch wenn ich der Hoffnung bin, dass er etwas weniger wuchtig als der Vorgänger wird. Positiv sehe ich die Integration von Wohnungen um mehr Leben im Stadtzentrum zu schaffen.

  • In Ludweiler, ein Stadtteil Völkingens, wurde durch private Initiative die Wendalinuskapelle umfangreich saniert und somit gerettet.


    Das Türmchen ist die Krönung


    Auch in den Nachrichten wurde davon berichtet (ab Minute 15:20):


    aktueller bericht


    Ich persönlich finde es immer wieder aufmunternd, dass in einem Land, dessen Bewohner sich (vermeintlich?) immer mehr von der christlichen Kultur distanzieren, doch noch solch eine Energie aufgebracht werden kann, und demnächst eine neue Glocke im Ort erschallen wird.

  • Der unter dem CDU-Oberbürgermeister Klaus Lorig beschlossene Abriss des Büroturms des Neuen Rathaus wurde nun von der neuen SPD-Oberbürgermeisterin Christiane Blatt abgeblasen. Stattdessen soll der Turm aus dem Jahre 1970 für 12,5 Millionen Euro saniert werden (Saarbrücker Zeitung).
    In meinen Augen wird dadurch dieser optische Sperrblock für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Es war übrigens kein Neubau vorgesehen, sondern der Umzug in zwei leerstehende Gebäude aus den 1950er Jahren.


    Hier das Neue Rathaus in seiner Lage am Hindenburgplatz.



    (Foto: Bredel Becker / Saarbrücker Zeitung)



    Blick vom Rathaus auf den Hindenburgplatz.





    (Foto: Michael Demmer / Saarbrücker Zeitung)




    (Foto: Hell / voelklingen-im-wandel.de)

  • Auch das alte Rathaus in Völklingen - errichtet 1876 und 1907 erweitert - wird nun für 2 Millionen Euro saniert.


    Saarbrücker Zeitung


    Der Abschluss der Arbeiten ist für Ende 2020 geplant, um im Frühjahr 2021 zusammen mit dem gegenüberliegenden Einkaufszentrum, welches dann seine Tore öffnen soll, das Stadtbild aufzuwerten.

  • Das oben gezeigte klassizistische Haus, dessen Eigentümer sich gegen einen Abriss gewehrt hatten, wurde nun wohl doch abgerissen. Vielleicht können Leute vor Ort mal näheres zu den Planungen des Einkaufzentrums berichten.


    https://www.voelklingen-im-wan…-weisse-haus-kann-fallen/


    Eigentlich ist das ein völlig "reaktionäres" Konzept. Anstatt die kleinteilige Bestandsstruktur zu sanieren und zu beleben, setzt man auf einen Großentwickler, der einen riesigen Klotz ins Stadtzentrum stellt. Wenn dieser ökonomisch nicht funktioniert, und das ist bei dem wachsenden Online-Handel und der Strukturschwäche des Saarlands zu befürchten, hat man irgendwann eine gigantische, verwahrlosende Bauruine in der Innenstadt herumstehen.
    Phantasielos und gefährlich kurzsichtig ist eine solche Stadtplanung. Die Verantwortlichen werden sich aber rechtzeitig verdrückt haben und ihre Pension zu genießen versuchen.