Meldungen aus der Schweiz

  • Auch in der Schweiz wird rekonstruiert... aber Rekonstruktionen beschränken sich vor allem auf vorausgegangene Unglücksfälle.


    Gestrige Wiedereröffnung des "Zunfthauses zur Zimmerleuten" in Zürich:


    Pressemitteilung:
    http://www.bluewin.ch/beta/de/…ws/konzerteundkultur/sda/


    Bilder:
    http://www.zimmerleuten.ch/upl…l_leporello_290909_01.pdf
    http://www.zimmerleuten.ch/uploads/media/ZzZ-Konzept.pdf (4. Seite)


    Und wie man im 1. PDF-Dokument sieht, werden bei uns Dachstühle noch komplet aus Holz erbaut, trotz verschachtelter, enger Bebauung!

  • Quote

    Rund acht Jahre nach dem Projektwettbewerb ist in Zürich der Spatenstich zur Sanierung des denkmalgeschützten Hauses zum Rechberg erfolgt. Nebst dem Palais werden bis Ende 2013 auch die Nebengebäude und der dazugehörige Rechberggarten erneuert.

    Barockjuwel in Zürcher Innenstadt wird saniert (Zürich, Stadt und Region, NZZ Online)

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Quote


    70 Jahre nach der letzten Renovation soll das von 1406 bis 1414 erbaute Rathaus zu Bern wieder der Zeit angepasst und vorsichtig umgebaut werden. Dies jedenfalls ist die Absicht des neunköpfigen Büros des Grossen Rates.


    Dem Begehren des Ratsbüros steht der Regierungsrat grundsätzlich positiv gegenüber: «Eine massvolle Modernisierung mit subtilen Eingriffen, um den Ansprüchen einer modernen Staatsführung zu entsprechen, kann diskutiert werden.» Immer vorausgesetzt, das kulturell wertvolle Erbe bleibe bewahrt. Allerdings wird die Erwartungshaltung der Ratsführung gedämpft: «Der Regierungsrat muss bereits an dieser Stelle auf die beschränkten finanziellen Mittel hinweisen. Dies zwingt uns, strikte Prioritäten zu setzen.»

    Rathaus soll für 28 Millionen saniert werden - News Region: Kanton Bern - bernerzeitung.ch

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Tut mir leid, aber in der Schweiz haben sie offenbar teils zu viel Geld, zu viel Langeweile und - daraus resultierend - einen leichten Dachschaden.


    Erst jetzt bin ich auf die Umgestaltung des Grossratsgebäudes in Chur aufmerksam geworden.


    Hier sieht man das Gebäude aus dem 1860er Jahren vor der Neugestaltung des Eingangsbereichs und seit 2008/2009:
    http://de.wikipedia.org/wiki/G…tsgeb%C3%A4ude_%28Chur%29


    Hier zur unglaublich kreativen Idee des Architekten:
    http://www.graubuendenkultur.c…_grossen_rates_2009.51392

  • Bestimmt kein Vorbild gelungener Umgestaltung, aber definitiv nicht der Regelfall in der Schweiz und vor allem reversibel.
    Die Aufregung halte ich daher für latent überzogen und die Reaktion gerade auch mit Blick auf die verheerende Architekturgestaltung in Deutschland für unreflektiert. Hierzulande wäre das historische Gebäude infolge zahlreicher Umbauten oder gänzlich fehlendem Denkmalschutz vielleicht mit weniger Geld, stattdessen mit Übereifer, für einen langweiligen, modernen Kasten bereitwillig dem Erdboden gleichgemacht worden...

  • Zur Erklärung. Ich bin zu meinem zugegebenermaßen emotionalen Pauschalurteil durch verschiedene Eindrücke gekommen. Zum einen hallt da noch mein Entsetzen über einen Basel-Besuch nach. Ich dachte, ich fahre in eine vom Krieg unversehrte Stadt und entdecke, zumindest abseits des touristischen engeren Altstadtbereichs, die gleichen Bausünden wie in Deutschland. Die Stadt sah weitenteils wie eine normale deutsche Stadt aus, und je mehr man in die Neubaugebiete kam, umso alptraumhafter wurde alles... Zum anderen werden einem immer wieder Neubauten aus der Alpenrepublik präsentiert, die dazu bestimmt sind, das romantische Bild der Schweiz nachhaltig zu zerstören. Ich stieß bei der Recherche über das Ratsgebäude in Chur auf zahlreiche dieser Bilder. Einige von Altgebäude entstellenden Anbauten finde ich aber leider jetzt nicht mehr.


    Hier mal Beispiele des für den obigen Anbau verantwortlichen Churer Architekten:
    http://de.academic.ru/pictures…_National_Parc_Zernez.jpg
    http://de.academic.ru/pictures…/70/Flims_Gelbes_Haus.jpg
    http://de.academic.ru/pictures/dewiki/83/School_Paspels.jpg


    Dann solche Anbauten aus schweizer Regionen:
    Villa Garbald, Castasegna
    http://www.ethlife.ethz.ch/arc…_Villa_Garbald_l3%3Fhires
    http://www.ethlife.ethz.ch/arc…ngszentren_L1.jpg%3Fhires
    Freilichtmuseum Ballenberg
    http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/78801/
    Anbau in Bettlach
    http://www.swiss-architects.co…ichten_Anbau_Arbeiterhaus


    Ja, tut mir leid. Bei diesem Sichtbetonfetischismus sowie diesen Altbau- und Landschafts-Entstellungen schwillt mir im Moment des Entdeckens so der Kamm, dass ich dann vermutlich ungerecht werde, pauschalisiere. Sicherlich sind die Schweizer ganz liebe Kerle. Ich wollte also keine regionalpatriotischen Gefühle verletzten.


    Allerdings, lieber "zeitlos", bist ja selbst auch nicht ganz unpauschal und abwägend. Denn in Deutschland werden auch nicht alle Altbauten einfach so platt gemacht. Vor allem nicht, wenn es sich um historisch bedeutsame Gebäude geht (Rathäuser, Parlamentsgebäude usw.). Ganz so schlimm ist es in Deutschland nun wirklich nicht, wenngleich der Südwesten einen weit größeren Modernisierungswahn zu zeigen scheint, als manch andere (und ärmere) Teile des Landes.

  • Ja, und gerade deswegen, weil in der Schweiz nicht selten (und natürlich auch alles andere als immer und ausnahmslos) so schrecklich verunstaltet wird, deswegen erscheint der Anbau an das Churer Grossratsgebäude so harmlos. Gemessen an an den anderen Zumutungen ist das noch eher hinnehmbar, wenngleich es niemand von uns gutheißen würde.

  • Quote

    Die Stadt sah weitenteils wie eine normale deutsche Stadt aus, und je
    mehr man in die Neubaugebiete kam, umso alptraumhafter wurde alles...

    Das trifft wohl auf die meisten Großstädte in der Schweiz zu, wobei mir Bern am besten und Montreux mit Abstand am schlechtesten gefallen hat - da wurde auch im Zentrum ein Großteil der alten Bausubstanz durch besonders häßliche Neubauten aus Sichtbeton ersetzt. In Luzern gibt es zwar entlang der Reuss auf beiden Seiten noch einen schmalen Streifen mit alter Bebauung, unmittelbar dahinter unterscheidet sich Luzern dann nicht mehr von einer beliebigen deutschen Stadt...


    Chur zählt sicherlich zu den schönsten Schweizer (Klein-)Städten, mit einem sehr gut erhaltenen Zentrum, aber wie für die Schweiz typisch, äußerst unattraktiven Vororten und überraschend vielen Wohnblöcken am Stadtrand (angesichts von gerade einmal knapp 40.000 Einwohnern).


    Bislang hat mir Neuchâtel am besten gefallen, aber schon das benachbarte Biel/Bienne mit seinen Bauhaus-Bauten im Zentrum (und jeder Menge aktuellerer Bausünden) war wieder eine Enttäuschung...

  • Quote

    Abriss in der Schweiz
    Europas älteste Häuser


    Im Kantonsstädtchen Schwyz sind alte Gebäude nicht vor dem Abriss sicher. Am lukrativen Zürichsee ist Baugrund begehrt und deshalb knapp. Bisher wurden Abrissgenehmigungen schnell erteilt.

    http://www.faz.net/aktuell/sti…ste-haeuser-13212179.html

  • In Zürich steht ein neues "Hochhaus" - da die Swissmill-Mühle in Basel dem Novartis-Campus weichen muss, sind sie nach Zürich umgezogen. Im Vollrausch des Glücks, dass ein Stück handwerkliche Produktion nach Zürich kommt wollten die Stadtoberen etwas ganz besonderes - und hat nach O-Ton des Architekturbüros "ein schlankes Symbol der elementaren Brotproduktion" bekommen... oder eben einen häßlichen Betonpfosten.


    118 Meter Hässlichkeit - Artikel in der NZZ


    Aber, immerhin: "Im obersten Stockwerk wurde auf Anregung der Stadt ein Sitzungszimmer eingebaut, das auch vom Stadtrat genutzt werden kann." (Zitat aus oben verlinktem Artikel)

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • 118 Meter Hässlichkeit - Artikel in der NZZ


    Und noch ein Zitat von dort:

    Quote from http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/swissmill-turm-118-meter-haesslichkeit-ld.14312

    Laut Stadtregierung gliedert sich der Swissmill-Turm vorbildlich in seine Umgebung ein.


    Ja, natürlich. Wunderbar fügt er sich ein. Und die Erde ist eine Scheibe.

  • Ist das jetzt ernst gemeint? Das "Hochhaus" sieht aus wie ein Flak-Bunker. Wenn die da oben irgendwelche martialischen Luftabwehr-Geschütze platzieren würden, hätte es fast schon wieder morbiden Charme.

  • Die größte Bausünde in der Luzerner Altstadt wird abgerissen, ein Beton-Brutalismus-Kaufhaus von 1962. Ich hoffe stark auf einen altstadtgerechten Neubau an dieser sensiblen Stelle, da eine Rekonstruktion des Vorgängerbaus höchst unwahrscheinlich ist.


    Quote

    Doch wie wird das neue Haus dereinst aussehen? «Der Ersatzneubau soll sich optimal ins ortsbauliche Gefüge einpassen und eine angemessene Ergänzung zur bestehenden Bebauung bilden, so dass ein gefestigtes Gesamtbild von hoher Qualität entsteht, sagt Stalder dazu. Und Stadtarchitekt Rehsteiner wünscht sich ein Gebäude, «das die ganz spezielle und attraktive Situation am Kapellplatz respektiert und besser mit ihr korrespondiert. Es soll offener sein und sich selbstverständlicher in seiner Umgebung einordnen». Dem Neubau dürfe man aber durchaus auch ansehen, dass er aus dem 21. Jahrhundert stamme. :|


    Hässlichstes Haus der Altstadt wird abgerissen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.