Berlin - Marien- und Heiliggeistviertel - Rathausforum, Marx-Engels-Forum

  • Wichtiger Veranstaltungshinweis: heute startet das "Mitte-Festival", organisiert von der Stiftung Mitte Berlin und 14 Bürgervereinen, die sich für die historische Mitte Berlins engagieren.

    Bis Sonntag in der Parochialkirche, täglich von 12 bis 20 Uhr! Der Stadtbild Deutschland Ortsverband Berlin ist natürlich auch vor Ort. <3:)

    Siehe: https://stiftung-mitte-berlin.de/festival.php

  • Eigentlich nichts Neues: Der Status quo am Marx-Engels-Forum soll erhalten bleiben. Sorry dass ich jetzt zum "Neuen Deutschland" verlinke.

    Senatsbaudirektorin Kahlfeldt wendet sich gegen eine Wiederbebauung des Quartiers (vermutlich nicht unbedingt aus Überzeugung):

    »Das Marx-Engels-Forum wird umgesetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Staat eine Planungssicherheit schuldet, dass nicht alle vier, fünf Jahre wieder alles aufgedröselt wird«, sagte Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt (parteilos, für SPD) zum Abschluss des Mitte-Festivals, ...

    Hinsichtlich der geplanten landschaftarchitektonischen Aufwertung ist Folgendes zu lesen:

    Derzeit erarbeitet die landeseigene Grün Berlin GmbH die konkrete Planung, denn es gibt noch einige Knackpunkte, die gelöst werden müssen. Das berichtet Landeskonservator Christoph Rauhut am Dienstagabend. Unter anderem sein Landesdenkmalschutzamt hat noch Änderungswünsche. (…)

    Der große Steinkreis mit dem Kommunisten-Denkmal soll unverändert bleiben, wetten?

    Und abschließend noch der Brüller des Tages:

    »Man sieht dem Raum an, dass er aus einem Guss gemacht worden ist«, lobt Theresa Keilhacker, die Präsidentin der Berliner Architektenkammer die gestalterische Qualität des Areals zwischen Fernsehturm und Spree inklusive der Randbebauung an Rathaus- und Karl-Liebknecht-Straße.

    Genosse Honecker würde sich vor Freude im Grab umdrehen, wenn er dieses Lob vernehmen könnte.

  • Der Blog "Entwicklungstadt" berichtet dass Sentatsbaudirektorin Kahlfeldt wohl derzeit versucht doch noch Türen zum Wiederaufbau des Marienviertels zu öffnen. Offenbar mit wenig Erfolg. >> Link

  • Mal sehen, wie die Meinungsbildung hier weiterläuft.

    Ein paar Gedanken zur Stadtbibliothek möchte ich noch kurz teilen.

    Es wurde immer mal wieder über einen Neubau auf dem Marx-Engels-Forum diskutiert. Ich würde das alles so lassen wie bisher und nur punktuell deutlich aufrüsten. Warum? Durch die U5 und deren westliche Vernetzung mit der U6 und am Hauptbahnhof mit der Stadtbahn ist dieser JWD-(janz weit draußen)-Ort Breite Straße plötzlich viel bequemer (per Aufzug / U Museumsinsel) zu erreichen. Die Anreise ist ein einziger Kunstgenuss. Später wird analog durch die Straßenbahnlinie M2 eine umsteigefreie Verbindung von der Stadtbibliothek in Mitte mit dem Teil in Kreuzberg (AGB / U Hallesches Tor) geschaffen. Aktuell finden auch schon wieder Sanierungsarbeiten in unmittelbarer Umgebung (Hochschule für Musik) statt. Das Umfeld entwickelt sich also.

    Warum immer so viel Geld ausgeben für Prestigeprojekte? Diese bleiben in Berlin nie im Zeit- und Kostenrahmen, deshalb:

    Das eigentliche Bibliotheksgebäude benötigt nur 5 - 6 neue Obergeschosse für Sammlungen wie den Büchern zum Themenbereich Wirtschaft und Recht = 2.OG (Nähe der Wirtschafts- und Rechtsfakultäten von HU + EMST), zu der gesamten Thematik des Humboldt Forums = 3. OG, zum Themenbereich Musik = 4. OG (Nähe der Musik-Hochschule), zu den übrigen Themenbereichen der HU (u.a. Theologie) = 5. OG und eine zeitgemäße Kartenabteilung = 6. OG. Mehr Investionen sind tatsächlich nicht wirklich notwendig. Die Sammlungen im EG werden durch diese Maßnahmen weiter entzerrt (Naturwissenschaften, Medizin, Sport) und bekommen dadurch neue Kapazitäten. Also lieber klein, aber fein und gut in das Umfeld eingebunden.

  • Also, ich hoffe nicht, dass diese Grünflächengestaltung des "Rathausforums" noch umgesetzt ist. Ich erkenne keinerlei Mehrwert, sondern nur herausgeschmissenes Geld. Zur Belastung durch eine erneute Baustelle braucht es zudem nicht viele Worte.

  • Der schon im Bauakademie-Thread erwähnte Artikel des Blog "Entwicklungstadt" berichtet dass die neue Berliner GroKo offenbar die bisherigen Planungen zur Erhaltung der Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree zur Disposition stellt und eine Neuplanung auf Basis eines neu zu entwickelnden Masterplans anvisiert. (Link)

    Das kling sehr erfreulich, aber ist das wohl auch realistisch? Schließlich wurde doch vor wenigen Jahren durch Regula Lüscher und durch einen Beschluss des Abgeordnetenhauses auf Grundlage einer "Bürgerbefragung" (die im Prinzip eine Farce war, klar) die Erhaltung der Freifläche beschlossen. Damit könnten deren Befürworter argumentieren dass die Freifläche Mehrheitswille und demokratisch legitimiert sei. Insofern bin ich skeptisch ob eine "neue Altstadt" eine realistische Chance hat. :augenrollengruen:

  • Ich habe dazu eine ganz klare Position. Im ersten Schritt muss sowohl bei der Bauakademie als auch beim Molkenmarkt eine Weichenstellung hin zu schöner historischer und menschlicher Architektur erfolgen. Die Freifläche des ME-Forums würde ich nicht anfassen. Sobald wirklich überzeugende Entwürfe vorliegen - siehe Dresden, Potsdam etc. - kann dann über eine Ausweitung dieser Art der Stadtrevitalisierung auch an anderen Stellen nachgedacht werden. Die Gesellschaft Historisches Berlin hatte doch eine wunderschöne Visualisierung des Lutherdenkmals an der Marienkirche mit der Platzsituation erarbeiten lassen. In Phase 2 würde eine Entscheidung für den Neptunbrunnen am Schloss und einen Berolinabrunnen an der jetzigen Stelle des Neptunbrunnens erforderlich werden. Eine echte Win-Win-Situation für mich: Mein Wunsch, alles so zu belassen und dem Schlossplatz etwas Schönes zurückzugeben würde damit erfüllt. Der Bau der Straßenbahn zum Potsdamer Platz wird zudem noch viel Grün auf die Straßen bringen. Wenn das alles bis 2030 fertig ist, wird Bilanz gezogen. Der Fokus muss aber bis dahin auf einem wunderschönen Molkenmarkt + Viertel liegen.

  • Die Freifläche des ME-Forums würde ich nicht anfassen.

    Nunja, sie wird doch sowieso "angefasst", wenn nächstes oder übernächstes Jahr die Neugestaltung beginnen soll.
    Da wahrscheinlich Fördermittel usw. fließen, wäre die Gestaltung damit für etwa 20 Jahre unveränderbar. Darum gilt es schon, jetzt Grundsatzentscheidungen zu treffen. Das heißt ja natürlich nicht, dass man direkt anfängt zu bauen oder gleich genaue Architekturen vorlegen muss. Zunächst müssten wohl eh nochmal die Archäologen anrücken.

    Selbst am Molkenmarkt geht's ja voraussichtlich frühestens 2028 los mit dem Bauen.

  • Muss das eigentlich sein? Die nächste aufgerissene Dauerbaustelle? Warum kann man nicht alles so lassen, wie es ist?

    Das meine ich auch. Das einzige was diesen Stadtraum wenigstens ein bisschen angenehm macht sind die unter Erich Honecker gepflanzten Bäume. Allesamt mittlerweile recht groß herangewachsen. Eine archäologische Grabung macht deren Erhaltung unmöglich. Von daher: Erst buddeln, wenn eine Wiedererrichtung des Marienviertels ernsthaft geplant wird.

  • Diese Fläche wird später die einzige größere schattenspendende Grünfläche in diesem Gebiet sein.

    Der Lustgarten ist als Sonnenoase bekannt. Im James-Simon-Park mit seinem abgenutzen Rasen möchte ich nicht verweilen.

    Und Monbijou hat zwar schöne Ecken ist aber eher klein.

    Wenn das Klosterviertel zugebaut und die Sommerhitze unterträglich ist, wird man den kühlenden Effekt des ME-Forums zu schätzen wissen.

  • Jetzt wird hier auch schon mit diesen antistädtischen Thesen angefangen...

    Es spricht ja überhaupt nichts gegen schmucke Stadtplätze mit Grünflächen und Bäumen im Herzen der Berliner Altstadt.
    Doch das ist es nunmal: das Herz der Berliner Altstadt. Die jetzige zugige Leere dort ist doch absolut unwürdig und provinziell.

  • Der neue Senat hat die Weichen für die Erarbeitung eines Masterplans für das Rathaus- und Marx-Engels-Forum in die Wege geleitet. Ein Trend in Richtung Wiederaufbau der Altstadt lässt sich hieraus aber wohl eher nicht ableiten:

    Zum Rathaus- und Marx-Engels-Forum gab es in der Fachgruppe zu Stadtentwicklung in den Koalitionsverhandlungen offenbar einen Dissens: Auf der Grundlage des im August 2021 bekanntgegebenen Siegerentwurfs solle das Forum „als öffentlicher und nachhaltiger Freiraum zügig partizipativ realisiert werden“, wünschte sich die SPD. Die CDU war dagegen und hatte sich auch in der Vergangenheit bereits immer wieder dafür ausgesprochen, hier eine Art Altstadt zu rekonstruieren. Letztendlich gab es im Koalitionsvertrag dann gar keine Formulierung zum Rathaus- und Marx-Engels-Forum.

    Der Masterplan dient vermutlich zunächst nur dazu den Dissens zwischen CDU und SPD zu kanalisieren. Davon, die vom Vorgänger-Senat für 2024 beschlossene Weiterentwicklung zur einer riesigen Parkfläche in die Wege zu leiten, ist nun keine Rede mehr. Es bleibt also vermutlich bis auf weiteres wieder mal beim Staus quo, sprich bei einer langweiligen, verwahrlosten Grünfläche mit den beiden Kommunisten-Opas in der Mitte.

  • Während Senatsbaudirektorin von einer Wiederbebauung der Fläche zwischen Fernsehturm und Spree träumt, scheint die Bauverwaltung Fakten zu schaffen. Die Vorplanungen für die (bereits beschlossene) landschaftsgärtnerische Umgestaltung sind weit fortgeschritten und sollen ab Herbst 2024 realisiert werden. Streit mit der Denkmalpflege gibt es noch darüber ob Marx und Engels in ihrem Steinpflaster-Kreis verharren müssen oder ob diese Stelle auch begrünt wird.

    So soll es bald am Roten Rathaus aussehen
    Ob das dem Regierenden Kai Wegner (50, CDU) gefällt? Vor sein Rathaus kommt ein roter Platz und das Marx-Engels-Denkmal wird nicht verrückt.
    www.bz-berlin.de

    .

    Rathaus- und Marx-Engels-Forum: Planungen zur Weiterentwicklung schreiten voran
    Im Rahmen einer Bürger*innen-Informationsveranstaltung wurde der aktuelle Stand vorgestellt.
    gruen-berlin.de

    Und: Broschüre

  • Mir ist ehrlich gesagt so eine Grünplanung lieber, als eine unangemessene Bebauung. Dass es für eine Hauptstadt mit angespanntem Wohnungsmarkt und ausgebombtem historischen Zentrum unangemessen ist, in zentralsten gut erschlossenen Bereichen einen weitläufigen Kinderspielplatz und ähnliche extensive und nicht-repräsentativen Nutzungen einzurichten, dürfte wohl niemandem dauerhaft verschlossen bleiben. Gleichzeitig eignet sich die Achse eher nicht, wie beim sich aufdrängenden Vergleich mit Paris, als repräsentative Schauachse zum Fernsehturm, analog zum Champ de Mars zum Eifelturm. Insofern bleibt eine naheliegende Lösung mit hoch qualitativer, historisch angelehnter Bebauung weiter greifbar mit der Zementierung des Status quo.

  • Dieser ganze Ort ist dermaßen ramschig und schäbig. Ich war gestern wieder da. Entweder finden dort irgendwelche trashigen Rummel-Veranstaltungen statt, oder Leute hängen da mit ihrem aus den umgebenden Fast-Food-Läden gekauften Essens-, Papier- und Plastikmüll rum.

    Das alles wird durch Neugestaltung als Freifläche auch nur marginal besser. Dort fehlt einfach eine würdige bauliche Rahmung, die das Uferlose besser einfängt. Mindestens entlang der Spandauer Straße, am Neuen Markt / Marienkirche, und als Rahmung für das Rathausforum sollte es hochwertige Bebauung im Alt-Berliner Stil geben. Rekos braucht es dafür nicht unbedingt, vielleicht ein paar historisch bedeutsame Häuser wie das Mendelssohn-Haus.

    Man kann jetzt noch Jahrhunderte auf "baukulturell bessere Zeiten" hoffen, das halte ich aber für einen fatalistischen Ansatz, der nicht zu befriedigenden Lösungen führt. Lieber jetzt die Voraussetzungen für eine gute Rahmenbebauung schaffen. Ob und wann die dann umgesetzt wird, steht in Berlin eh wieder auf einem anderen Blatt. Zumindest wird die Gegend am Alexanderplatz nun auch merklich verdichtet und erhält mehr "Business-Class-Publikum".

  • So schlecht sieht es ja nicht aus. Immerhin eine Verbesserung zum Ist-Zustand. Eine Neubebauung müsste eh ewig diskutiert und gegen vielfältigste Widerstände erkämpft werden. Ich könnte erstmal damit leben. Dann kann man sich erstmal um die dringend verbesserungswürdigen Randbereiche kümmern. Karl-Liebknecht-Straße, die unsäglichen Rathauspassagen z.B. - so kann es eigentlich nicht bleiben. Was passiert eigentlich jetzt mit dem Lutherdenkmal? Auch das Thema Molkenmarkt muss angegangen werden. Wenn auch nicht direkte Umgebung, aber nah dran: die Denkmalskirche vom Dom sollte auch wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden. Es gibt genug, an dem man sich abarbeiten kann, so dass eine Wiederbebauung des Heiliggeistviertels erstmal vernachlässigt werden kann.

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Ausländer fragen mich immer: wo gibt es der Innenstadt Berlins? Und dann ist nur das Nikolaiviertel da mit einigen Wunderschönen Häuser.

    Um der Neuen Markt herum aber ist alles tabula rasa gemacht worden.

    Das kann doch nicht immer so bleiben, oder........?

  • Ausländer fragen mich immer: wo gibt es der Innenstadt Berlins? Und dann ist nur das Nikolaiviertel da mit einigen Wunderschönen Häuser.

    Wie wärs mit Spandauer Vorstadt? Außerdem hat Berlin bekanntlich 2 Innenstädte. Die andere hat durchaus mehr zu bieten, was Altbauten angeht. Kudamm und Kantstraße und was dazwischen liegt. (Charlottenburger) Schlossstr. und Seitenstraßen, auch wenn man das vielleicht nicht mehr als "Innenstadt" sehen könnte.