Wuppertal - Hauptbahnhof

  • In Wuppertal gibt es eine Diskussion darüber ob das klassizistische Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs weitesgehend im Original wiederhergestellt werden soll, oder ob man die einfachere Variante wählten möchte.


    Bis vor 2 Jahren war das Gebäude durch einen Vorbau aus den 1960er-Jahren verstellt, inzwischen ist dieser Vorbau im Rahmen der Großbaustelle Döppersberg beseitigt worden. Die Stadt möchte die Fassade, die bisher durch den Vorbau verdeckt war, möglichst zügig, aber nicht originalgetreu wiederherstellen. Eine Bürgerinitiative jedoch hat eine Online-Petition erstellt und setzt sich für die Reko der Rundbögen-Fenster ein, siehe:


    Link.


    Das Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofs ist neben dem Augsburger Bahnhof eines der ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude in Deutschland, es stammt noch aus dem Jahre 1848. Sicherlich handelt es sich um eine Detailfrage, aber dennoch denke ich, dass originale Bausubstanz immer besser ankommt. Wer Lust hat kann uns ja unterstützen. :)

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kosten enorm steigen, bloß weil man statt rechteckiger Fenster Rundbögen einsetzt. Diese Rekonstruktion ist eine kleine Chance für die Stadt zur Verbesserung ihres Erscheinungsbildes. Insofern ein Muss.

  • Die Fenster wären eine Minimalforderung. Auf der Visualisierung der Petition ist auch der Vorbau/Balkon/Eingangsbereich mit den runden Fenstern breiter. Selbst wenn die breitere Variante abgelehnt werden würde, sollten die Fenster schon möglich sein.

  • Ich habe natürlich auch unterschrieben. Das sollte für alle APH-Mitglieder selbstverständlich sein.


    Seit wann sind die Rundbögen eigentlich weg? Auf diesem Bild von 1928, sind die Fenster schon eckig.

    Die Rundbögen am Hauptbahnhof verschwanden erstmals um 1900, als man einen Vorbau vor die klassizistische Fassade setzte. Das klassizistische Empfangsgebäude war seinerzeit zu klein geworden für die immer größer werdende Stadt Elberfeld. Dieser gründerzeitliche Vorbau wurde dann um 1960 durch einen modernen Vorbau ersetzt, welcher mittlerweile - zum Glück - zurückgebaut ist. Nach aktuellen Planungen sollen das Reisezentrum und die Einzelhändler in einer unterirdischen Halle untergebracht werden und ein Vorbau ist somit nicht mehr erforderlich.


    Die Stadt argumentiert zum einen übrigens damit, dass die Deutsche Bahn die Rundbögenfenster angeblich nicht will, zum anderen, dass die Pläne aufwendigst geändert werden müssten und alles viel zu teuer (typisch deutsches Argument) würde. Für einen langweiligen Investoren-Kubus am Döppersberg konnten die Pläne jedoch kurzfristig geändert werden... ;)

  • Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. - Über das Thema mit den Bahnhofsfenstern wurde gestern auch in der WDR Lokalzeit berichtet.


    http://www1.wdr.de/mediathek/v…isches-land-vom--216.html


    Die Stadt Wuppertal redet sich hier mit nicht nachvollziehbaren Ausreden heraus. Es sei bereits zu spät, sich noch für runde Fenster umzuentscheiden. :gehtsnoch: Die Baumaßnahmen am Erdgeschoss sind doch lange nicht abgeschlossen.

  • Hallo zusammen. Ich erhielt noch einmal eine Mail, in der auf die Dringlichkeit der folgenden Petition verwiesen wird.
    Wer noch nicht unterschrieben hat, sollte dies bitte schleunigst nachholen.


    Desweiteren wird um große Streuung der Petition gebeten.


    Mal ne Frage, wann geht es denn mal endlich auf der Facebook-Seite von Stadtbild Deutschland e.V. weiter? Dort wäre eine Verlinkung ebenfalls sehr angebracht. Vielleicht kann der Pressesprecher ja auch noch etwas bewerkstelligen, wenn nicht schon geschehen?


    HIER ENTLANG

  • Ich habe da jetzt auch unterschieben. Hoffen wir mal, das es was nützt. Ich fürchte nur, das die Quadratschädel in der Stadtverwaltung trotzdem diesen Fehlgriff bei der Sanierung durchdrücken werden...

    "Warum beschäftigen sich so viele Menschen damit, künstliche Intelligenz zu erschaffen und nur so wenige damit, natürliche Dummheit zu beseitigen?"

  • Die Sanierung des histor. Bahnhofsgebäudes in Wuppertal scheint sich nun langsam zu konkretisieren. Was jedoch aus der Reko der Rundbögenfenstern wird, ist nach wie vor unklar und wird von DB und Stadt nicht favorisiert.


    Ein Link, wonach es nun konkreter mit der Sanierung wird: http://www1.wdr.de/nachrichten…ahnhof-sanierung-100.html


    Die DB kündigt zwar an, aus dem Hauptbahnhof ein Schmuckstück machen zu wollen, doch in NRW darf man nicht allzu große Hoffnungen an derartige Worthülsen knüpfen. Aber warten wir´s ab.

  • Zwischenbericht über die Neugestaltung des Döppersbergs am Wuppertaler Hauptbahnhof


    Vor einigen Tagen wurde die Bundesallee im Bereich Döppersberg wieder für den Verkehr freigegeben; Zeit einen kleinen Zwischenbericht mit Vergleichsfotos zu bringen:


    Wuppertal-Elberfeld, Eisenbahndirektion: schön finde ich den neuen Blick auf das klassizistische Verwaltungsgebäude der Bergisch-Märkischen-Eisenbahngesellschaft. Der Bau steht zur Zeit leer, hier soll mittelfristig ein Outlet eröffnet werden. Das birgt natürlich die Gefahr unschöner Veränderungen, zwar steht die Anlage (zumindest äußerlich) unter Denkmalschutz, aber in NRW heißt das ja leider nur wenig.


    Wuppertal-Elberfeld, Hauptbahnhof und Eisenbahndirektion: im Vordergrund stand bis 1943 die Villa des Eisenbahn-Direktors, außerdem war ein Fels des Berges im Wege, der abgetragen wurde; hier entsteht der neue ZOB.



    Wuppertal-Elberfeld, Döppersberg: rechts erkennen wir den umstrittenen Investoren-Bau; im Hintergrund teilw. Hauptbahnhof und Eisenbahndirektion. Das kleine Gebäude hinter der Überführungs-Brücke zwischen der Bahnhofserweiterung (das zart-rosa Gebäude) und der Direktion wird womöglich abgerissen, dort ist eine Seilbahnstation angedacht, deren Gondeln zur Universität und in den Stadtteil Küllenhahn fahren sollen.



    Wuppertal-Elberfeld, der umstrittene Investoren-Bau, frontal



    Vergleichsfotographien:



    Wuppertal-Elberfeld, Bundesallee (um 2013)



    Wuppertal-Elberfeld, Bundesallee (07 / 2017)



    Wuppertal-Elberfeld, Döppersberger Brücke - Blick zum Hbf (um 2012)



    Wuppertal-Elberfeld, Döppersberger Brücke - Blick zum Hbf (06 / 2017)



    Wuppertal-Elberfeld, Hauptbahnhof (um 2011)



    Wuppertal-Elberfeld, Hauptbahnhof (07 / 2017)



    Mein Fazit: auf jeden Fall wesentlich besser als vor dem Umbau, aber letztlich auch nur NRW-Standard. Schön finde ich, dass der klassizistische Bahnhof wieder besser zur Geltung kommt, der zuvor durch die Bundesallee komplett von der City abgetrennt - und nur über einen Tunnel erreichbar war.

  • Quote from Sebaldt


    Das Bild erinnert mich spontan an Potsdam. Der Turm der Sparkasse stört genauso wie das Mercure-Hochhaus. :-)





    Quote from Sebaldt


    Auf den ersten Blick hielt ich das Gebäude für eine Visualisierung/Computergrafik. Aber es ist ein Photo. Ich muss gestehen, daß ich das Ding gar nicht so übel finde.




    Quote from Sebaldt


    Zwar sieht die Straßensituation jetzt deutlich besser aus, aber dieser enorme grau-schwarze Riegel auf der Brücke, wäre doch sicher etwas dezenter zu realisieren gewesen.

  • Neußer: Ja, man wollte bei der neuen Fußgängerbrücke leider unbedingt Geschäfte integrieren. Daher resultiert der überdimensionale grau-schwarze Riegel auf der Brücke.

  • Das geht mir genau anders herum. Der Turm im Hintergrund stört mich nicht die Bohne. Und ich finde die Kritik an dieser "Störung" etwas sehr geschmäcklerisch, wenn einen gleichzeitig ein den Straßenraum dominierender unförmiger Glas-Blech-Kasten gar nicht stört, dieser sogar als "nicht übel" tituliert wird.
    Die Geschmäcker sind also mal wieder verschieden. Für meinen Geschmack ist Wuppertal durch das goldene Selbstdarstellungs-Ding nicht schöner geworden, auch wenn sich die städtebauliche Situation insgesamt gebessert haben mag.

  • @Heimdall Das Problem ist, dass die Situation am Döppersberg vor Beginn der Sanierung wirklich massiv unerträglich war. Nicht nur, dass das Baukonzept (geplant von Prof. Friedrich Hetzelt) der Anlage völlig überholt war, sondern auch ihr Erhaltungszustand gestaltete sich mehr als erbärmlich. Entsprechend konnte man den Wuppertalern nun wirklich alles vorsetzen, sie hätten es immer besser gefunden als vorher. Der Investoren-Bau ist trotzdem umstritten, aber ich weiß nicht ob man ihn wegen seiner Architektur ablehnt, oder vielmehr weil die Kaufhauskette "Primark" dort einziehen wird.


    Nichtsdestotrotz will ich den neuen Döppersberg natürlich in keinster Weise völlig schlechtreden, teilweise hat man nun wieder eine schönere Sicht auf die "Elberfelder Akropolis" (so bezeichnet man das klassizistische Ensemble von Bahnhof und ehem. Eisenbahndirektion), und auch die Verkehrssituation ist entspannter. Aber man hätte natürlich aus dem Platz wesentlich mehr machen können! Die Vorkriegssituation des Döppersbergs / Braunswerths gestaltete sich wie ein klassizistisch-gründerzeitlicher Schmuckplatz; schaut man historische Bilder, so glaubte man in einer Residenzstadt zu sein: 1. Döppersberg 1915, 2. Brausenwerth 1905



    Man hätte z. B. durch Rekonstruktionen, Neubauten der klassischen Moderne und / oder Bauten des New Urbanism versuchen können wieder an den alten Döppersberg anzuknüpfen. Leider sind in NRW derartige Rekos oder klassisch-modernen Baustile noch eine Rarität, dabei liegen die Niederlande, mit zahlreichen großartigen Beispielen, nur wenige Kilometer von hier entfernt. Es fehlt an Phantasie!