Jena - Neubebauung des Eichplatzes

  • In unmittelbarer Nähe zur Altstadt

    Nein, nicht "in unmittelbarer Nähe zur Altstadt", sondern in der Altstadt, definitiv. Hier war einst ein altertümliches, eng bebautes Viertel.

  • Auch in den Kommentaren der MDR-Website wird nur negativ über das Projekt gesprochen.


    Die Argumente: Verschandelung des Stadtbilds, Zubau freier lichtbringender Flächen und das Verschwinden einer Fläche, die als belebter Veranstaltungsort und als Platz für dringend benötigte Parkeinheiten genutzt wird.


    Ich persönlich kann mich nur anschließen. Solche Hotelklötze mitten in das Herz einer historischen Stadt zu platzieren, empfinde ich schon als etwas gewissenlos. Scheinbar ist dieser Verlust eines Teils des Stadtbild ein Kompromiss, um Geld in die Kasse der Stadt spülen zu können. Aber inwiefern das die Attraktivität der Stadt beeinflusst, muss die Stadt selbst wissen.

  • Wobei im Baumassen-Modell diese drei kleinen Hochhäuser den extremen Gegensatz zwischen Jentower und Altstadt ausgleichen und abmildern. Der Knackpunkt ist für mich die individuelle Gestaltung der einzelnen Gebäude, wobei ich - ehlich gesagt - da keine großen Hoffnungen habe.

  • Deiner Äußerung scheint die Anschauung zugrundezuliegen, dass es vorteilhaft sein könnte, zwischen dem Jentower auf der einen Seite und der Altstadt auf der anderen Seite einen Übergang zu schaffen. Ich sage es noch einmal: Es ist nicht etwa so, dass die Altstadt nur östlich des Eichplatzes liegen würde, sondern alles befindet sich in der Altstadt. Der Jentower und die Vorfläche, wo einst die Buchhandlung war und jetzt das Einkaufszentrum.


    Nördlich des Jentowers steht das Johannistor; im Anschluss befindet sich die erhaltene Nordseite der Johannisstraße. Ist es nicht mehr als offensichtlich, dass auch das Gebiet an der Südseite der Johannisstraße in der Altstadt liegt?


    Einen derartigen Übergang zu schaffen zwischen Jentower und dem noch als Teil der Altstadt leicht erkennbaren Gebiet um den Marktplatz bedeutet, die schwere Altstadtzerstörung durch den Jentower nicht zu entschärfen, sondern weiterzuführen und zu verschlimmern. Ursprünglich war anstelle des Altstadtviertels der jetzige Jentower das einzige hohe Gebäude. Diese massive Zerstörung wird mit Deiner Argumentation, Dr. Haus, fortgesetzt. Dass ich so etwas in diesem Forum lesen muss, ist schockierend. So nach dem Motto, wenn man einmal mit der Zerstörung angefangen hat, dann darf man damit immer weitermachen. Solange, bis man irgendwo an einen gut erhaltenen Bereich anstößt, der dann gnädiglich als "die Altstadt" bezeichnet wird, weil er der bisherigen Zerstörungen (noch?) entgangen ist. Nach dieser Logik kann man in Jena die ganze Altstadt modern überbauen, da man ja, wie gesagt, nach dieser, nicht nach meiner, Logik, die Wirkung des hohen Jentowers durch eine hohe Bebauung um ihn herum dämpfen dürfe (oder gar müsse?). Wenn nach dieser Logik verfahren wird, dann zieht die Zerstörung des Altstadtteiles durch den seinerzeitigen Uniturm im Nachhinein die Zerstörung einer wesentlich größeren Fläche nach sich. Dann haben die gewonnen, die schon immer das alte Jena auslöschen wollten. Ist das unsere Sicht der Dinge? Das ist keine Stadtreparatur, sondern man nimmt die Sünden der Vergangenheit zum Anlass, jetzt gnadenlos weiterzumachen mit der modernistischen Zerstörung.


    Wie gesagt, mir wäre es lieber gewesen, man hätte es so gelassen, mit einem großen Eichplatz.

  • Es wird ein Parkplatz in bester Stadtlage einer neuen Nutzung zugeführt. Hier von Zerstörung zu sprechen, macht die Position der Stadtbild-Deutschländer nicht unbedingt überzeugender. Das Konzept Jenas als junger Mikro-Metropole finde ich überaus charmant.

  • Verweser: Was meinst Du mit Mikro-Metropole? Die Vermarktung von Jena ist durchgängig gescheitert. Während Erfurt und Weimar, dank der Wahrung des historischen Stadtildes, touristisch bestens im Saft steht, wird Jena als kalte Plattenbausiedlung wahrgenommen. Die verfehlte, hochprofinzellle weitere Stadtlanung mit der missratenen Bebauung des Eichplatzes, wird die verfehlte Vermarktung von Jena weiter unterstützen. Da ist nichts charmant, sondern einfach nur peinlich. Mit Konzepten aus den 70iger Jahren wird man diese Stadt nicht nach vorne bringen. Ich gebe dir recht, ein Parkplatz ist keine gute Lösung, aber diesen Platz mit unmaßstäblichen Kisten zu füllen ist einfach nur ein Armutszeugnis.

  • Von Stadtbildzerstörung zu reden ist schon etwas weit hergeholt, bedenkt man dass an der Stelle sich momentan nichts befindet. Auch an Hochhäusern ist grundsätzlich nichts schlimm, im Gegenteil sie bereichern die Stadtsilhouette wenn sie ein stimmiges Ensemble bilden. Neben den Schwächen derzeitiger Architektur wird die Tatsache dass wieder mal alles von einem Architekt geplant wird das größere Problem sein.

  • @Jört Machen: Hochhäuser bereichern die Stadtsilhoette? Ja, Hochhäuser können die Stadtsilhoette bereichern in Hong Kong, Shangai und New York. Vielleicht würden sie sogar die Plattensiedlung Jena-Lobeda bereichern, aber in der Altstadt bleiben sie auch als Ergänzung zum Jentower ein Fremdkörper. Jena hat +-110.00 Einwohner. Hier ist Stadtreparatur angesagt und nicht ein Pseudo-Potsdamer Platz in der Provinz.

  • Verweser: Was meinst Du mit Mikro-Metropole? Die Vermarktung von Jena ist durchgängig gescheitert. Während Erfurt und Weimar, dank der Wahrung des historischen Stadtildes, touristisch bestens im Saft steht, wird Jena als kalte Plattenbausiedlung wahrgenommen. Die verfehlte, hochprofinzellle weitere Stadtlanung mit der missratenen Bebauung des Eichplatzes, wird die verfehlte Vermarktung von Jena weiter unterstützen. Da ist nichts charmant, sondern einfach nur peinlich. Mit Konzepten aus den 70iger Jahren wird man diese Stadt nicht nach vorne bringen. Ich gebe dir recht, ein Parkplatz ist keine gute Lösung, aber diesen Platz mit unmaßstäblichen Kisten zu füllen ist einfach nur ein Armutszeugnis.

    Das ist unzutreffend. Seit der Jahrtausendwende ist Jenas Bevölkerung um 10% gewachsen. Zuletzt bereiteten der Stadt besonders steigende Wohnungspreise Probleme.


    https://www.welt.de/finanzen/i…ossen-an-ihre-Grenze.html

  • Der Knackpunkt ist für mich die individuelle Gestaltung der einzelnen Gebäude, wobei ich - ehlich gesagt - da keine großen Hoffnungen habe.

    Vielleicht wird es ja so attraktiv wie der "Sonnenhof" in unmittelbarer Nähe?


    http://www.sto.de/de/topnav/pr…essemeldungen_114176.html


    http://jena.otz.de/web/lokal/w…ebendigem-Grau-1725164088
    (Da schmeckt die Bionade)


    http://www.dtoday.de/regionen/…in-Jena-_arid,302869.html


    Zitat daraus:

    Quote

    „Der Bogen, der geschaffen wurde zwischen der Sanierung von Altem und dem Mut zu Neuem ist einzigartig“, lobte Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD). Das Gebäudeensemble sei ein „architektonisches Highlight in Jena“.

  • Jena war doch nie eine Stadt wie Erfurt oder Weimar, mit vielen überregional bedeutenden Ensembles und Einzeldenkmalen und über Deutschland hinausreichendem Ruf. Die Altstadt hat man bereits Anfang des 20. Jahrhunderts und dann zu DDR-Zeiten perforiert und im Charakter verändert.


    Insofern ist die nun folgende Verdichtung eher zu begrüßen, zumal die neuen Hochhäuser einen kleinen Pulk mit der Keksrolle bilden und diese optisch besser einzubinden vermögen. Freilich mit möglichst gefälliger optischer Gestaltung, gern auch etwas klassischer nach dem Vorbild der Berliner Potsdamer Platzes.


    Ansonsten ist Jena auch ein hochattraktiver Standort, in akademischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Eine wachsende, junge und dynamische Stadt. "Mikrometropole" ist durchaus auch eine passende Bezeichnung, weil die Stadt doch sehr kompakt ist und sich durch das konzentrierte Studentenleben, die Wirtschaftsdichte und ja, auch durch die Hochhäuser in Verbindung mit der Topographie, recht kosmopolitisch anfühlt.

  • Da soll man sich vom Nachkriegsjena mal nicht täuschen lassen. Die Stadt war natürlich sehr bedeutend. Immerhin hat eines der ältesten Rathäuser Deutschlands überlebt. Das lässt erahnen, was verloren gegangen ist. Zumal die Stadt eng verwoben war und ist mit einer der bedeutendsten Universitäten Deutschlands. Die Tallage Jenas ist darüberhinaus natürlich äußerst reizvoll. Das hat man Weimar und Erfurt voraus. Wikos hat schon Recht. Im Tourismus wird Jena nicht wirklich wahrgenommen. Da gibt es in Thüringen reizvollere Ziele. Wirkliche Anstrengungen der Stadt dagegen zu steuern erkenne ich auch nicht. Man lebt gut von der Uni sowie von Zeiss, Schott und Jenoptik.

  • Ansonsten ist Jena auch ein hochattraktiver Standort, in akademischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Eine wachsende, junge und dynamische Stadt.

    Und deswegen kann man damit weitermachen, den Wert der Altstadt zu ignorieren und im Herz der Stadt Hochhäuser hinstellen?


    Eine "dynamische" und "junge" Stadt benötigt also keine Geschichte, keinen historischen Mittelpunkt. Deine Logik, Erbse, ist dieselbe wie die von Dr. Haus. Euch scheint es normal und faszinierend, dass in der Altstadt das Unihochhaus steht (die Namen Intershop-Tower oder neuerdings Jentower machen es nicht besser), das in den 60er-Jahren einen Teil der Altstadt ausgelöscht hat. Und Ihr scheint nicht genug zu kriegen von Hochhäusern.


    Da kommt es der Argumentation natürlich entgegen, wenn man behaupten kann, Jena sei schon immer belanglos gewesen (Was ist denn an der Altstadt von Weimar so toll? Ödet mich an wie selten eine Altstadt.). Und Sprüche wie "dynamische, aufstrebende Metropole" scheinen Euch passend, Eure Verachtung des historischen Jena untermauert zu bekommen.

  • Zeno, man muss eben auch die Realität anerkennen und mit ihr arbeiten. So wie in Berlins historischer Mitte der Fernsehturm ein Faktum ist und bleiben wird, genauso wie der Uniturm und andere Hochhäuser im Herzen von Leipzig, so wird das in Jena mit der Keksrolle sein. Ich finde es schade, dass Jena diesen Weg zu Ungunsten seines historischen Stadtbildes gegangen ist. Besser wären die Türme außerhalb davon aufgehoben gewesen. Aber so ist es nunmal und nun muss man damit arbeiten. Und da finde ich einen positiven Bezug auf den Wolkenkratzer und eine harmonischere Einfügung statt das Belassen als Solitär doch besser.


    Ich verachte Jena keineswegs, ich liebe es, gerade auch das alte.
    Das Stadtbild und die Einzeldenkmale Jenas waren und sind dennoch nicht in einer Liga mit Weimar (v.a. bedeutende Einzeldenkmale) oder gar Erfurt (Wahnsinnsensemble) zu nennen. Selbst mit Gotha nicht, das immerhin bedeutsame Residenzstadt war.
    Das Rathaus mag alt sein, aber architektonisch ist es nicht übermäßig bedeutsam. Wobei ich Jena nicht schlechtreden will, die Kulturdenkmalliste gibt schon einiges Schönes und Interessantes her. Aber wie gesagt wenig von nationalem oder gar europäischem Rang. Daher wird es touristisch auch wohl nie sonderlich bedeutsam werden. Außer vielleicht, man baute auf dem Stadtgebiet ein größeres Resort, einen Freizeitpark oder derlei.


    Es muss aber auch nicht jede Mittel- oder kleinere Großstadt touristisch überrannt werden. Das hat durchaus diverse Vorzüge.
    Kann ja regelmäßig z.B. zwischen meiner Heimatstadt Neubrandenburg und dann mit Stralsund, Wismar, Warnemünde und Usedom vergleichen, wo ich regelmäßig verkehre.

  • In Deinem letzten Beitrag hast Du es noch deutlicher ausgesprochen: Es geht Dir überhaupt nicht darum, Jenas Stadtbild zu erhalten. Dir geht es nur darum, dass es ein paar attraktive Orte gibt, wo Du Urlaub machen kannst. Und Orte, die jetzt schon nicht übermäßig attraktiv sind, als Urlaubsorte für Dich mithin nicht gut genug sind, verdienen deiner Meinung nach keine Stadtbildpflege. Hauptsache, dort wo Dein Urlaub stattfindet, ist es schön. Man kann diese Sicht der Dinge natürlich mit hochtrabenden Worten verbrämen. Du redest wie ein Politiker.


    Dieses Forum nennt sich "Architektur für den Menschen". Und bei diesen Menschen handelt es sich meiner Auffassung nach um die Menschen, die in einem bestimmten Ort zuhause sind. Sie sollen ihr vertrautes Stadtbild behalten können. Es nützt ihnen nichts, wenn es woanders ein schönes Stadtbild gibt.


    Nach Deinen Kriterien könnte ich genausogut sagen, ganz Mecklenburg könnt Ihr plattmachen, weil ich dort sowieso nie Urlaub machen werde. Natürlich sage ich das nicht, denn Ihr wollt Eure Stadtbilder doch um Euretwillen bewahren und nicht, weil ich vielleicht mal dorthin komme und zum Tourismus beitrage. Die Menschen von Jena sind der Maßstab! Oder willst Du ihnen sagen, Eure Stadt ist nichts wert, weil die Touristen sowieso nicht nach Jena kommen? Als Dank dafür, dass in den 60ern so ein Monster in die Stadt gestellt wurde, darf man jetzt dasselbe tun, weil sowieso schon alles zu spät ist?


    Und wenn das Stadtbild ganz, ganz mies ist, dann darf man sich ganz besonders freuen, denn dann wird man wenigstens nicht vom Tourismus überrannt. Du redest immer noch vom falschen Thema. Es geht nicht um Tourismus, sondern um Stadtbildpflege.

  • Zeno, du redest weiter an allen Realitäten vorbei.
    Ich bin aus vielerlei Gründen schon häufiger in Jena gewesen. Wie oft warst du denn dort, überhaupt schon? Ich habe Zweifel.
    Die Jenaer und auch die Zugezogenen, die ich dort kenne, reden sehr positiv von ihrer Stadt und haben einen guten Bezug. Gerade auch zu "ihrer" Keksrolle, die nunmal einfach das überregionale Wahrzeichen Jenas ist. Habe noch keinen sagen hören, dass er diese ganz schrecklich fände, im Gegenteil. Was ich zB vom HKB-Turm ("Kultur_mittel_finger") in meiner Heimatstadt Neubrandenburg eher nicht sagen kann, der ist auch bei den NBurgern ziemlich verhasst, und wurde leider auch noch "originalgetreu" saniert.


    In allem anderen war ich präzise genug, etwa, dass ich die Hochhäuser lieber außerhalb der Altstadt gesehen hätte, es nunmal aber heute diese Realität gibt, die bereits mit den Zeissbauten ihren Anfang nahm. Aber du missverstehst mich leider absichtlich.