Posts by Wikos

    Auch wenn nur ein winziger Teil der ursprünglicher Altstadt aufgebaut wurde, so hat sich die Stadt doch grundlegend geändert. Vorher gab es Besucher, die dachten die Stadt sei erst 60 Jahre alt. Es gab Bewohner, die wussten noch nicht einmal, dass Frankfurt am Main eine Altstadt besaß. Mit dem Bau der Altstadt gab es einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Selbstwahrnehmung der Stadt. Einhergehend mit dem DomRömer-Projekt gab es hunderte Veröffentlichungen zur Altstadt und zur Stadtgeschichte. Die Geschichtsvergessenheit der Nachkriegszeit, der Verdrängungsmechanismus bezüglich der Kriegszerstörungen wurde durchbrochen. Die Stadt nimmt sich jetzt nicht mehr nur als Konsum- und Eventstadt mit einer Ansammlung von Wolkenkratzern für Banker wahr, sondern hat sein historisches Herz wieder entdeckt. Das die Stadt nach Fertigstellung der Altstadt auch (vor Corona) noch als Destination zulegen konnte (mehr Besucher, Ausweitung der Aufenthaltstage, Schaffung neuer Arbeitsplätze, höherer Umsatz in der Innenstadt) kommt als schöner, wirtschaftlicher Nebeneffekt hinzu.

    Ich muss Dir recht geben Heinzer wir jammern in Deutschland im Vergleich zu vielen Ländern auf der Welt auf einem sehr hohen Niveau. Trotzdem teile ich nicht Deine Meinung bezüglich des Arbeitsmarktes. Abseits von gesuchten Berufen (IT, Ingenieure, Pflege) beobachte ich im Bekanntenkreis, besonders in den letzten Jahren, selbst im hochqualifizierten Arbeitsbereichen einen verzweifelten Bewerbungsmarathon der oftmals zum Dauerzustand wird oder in befristete oder schlecht bezahlte Jobs mündet. Und ich spreche hier nicht von Lauchhammer oder Bautzen, sondern von Metropolregionen wie Stuttgart und Frankfurt am Main. Ich habe das Gefühl die amtliche Statistik hat sich völlig von der Lebensrealität abgekoppelt. Die Ursachen dafür sind mir nicht bekannt, aber es ist augenfällig das der Arbeitsmarkt nicht so positiv ist, wie er in den Medien vermittelt wird.

    Die schrittweise ausgerollte, radikale Parkraumbewirtschaftung in Frankfurt am Main hat einen holprigen Start hingelegt. Anwohner müssen für einen Bewohnerparkausweis bezahlen und finden trotzdem keinen Parkplatz. Pendler die sich keine Wohnung in der Stadt leisten können - und mit dem ÖPNV nicht ihren Zielort erreichen - kapitulieren und kündigen ihre Stelle in der Stadt (darunter leider auch Pflegekräfte in den Krankenhäusern). Leider hat man den Eindruck, dass sich nichts gebessert hat (außer höhere Einnahmen für die Stadt, die nun von 7-19h den Parkraum bewirtschaftet. https://www.fr.de/frankfurt/pa…efuerchtung-91043453.html

    Meine Antwort war keinesfalls böse gemeint. Nur stellen sich hier wie so oft die Fragen: Wer ist der Investor? Was bleibt erhalten? Gibt es langfristige Nutzer für die Villen (und ich kenne die Gebäude, stand selbst davor)? Wie soll das Kaufhaus sonst zukunftsfähig gemacht werden?


    Klar finde ich es auch schade, dass die alten Gebäude verschwinden werden. Keine Frage. Jedoch werden wir als Fans "des Alten" manche Kröte schlucken müssen, um anderes zu bewahren.

    Sehe ich nicht so, das man solche "Kröte" schlucken muss, um in diesem Fall den Wünschen des Kaufhaus-Investors entgegenzukommen. Das jedes Kaufhaus sein eigenes Parkhaus braucht, dieses Konzept stammt noch aus der autogerechten Stadt der 60iger und 70iger Jahre. Zu dieser Zeit gab es auch noch keine Parkleitsysteme o.ä. Reichte der Parkraum nicht aus, so vergrößerte man einfach den Parkraum auf Kosten von teils historischen Bauten. Heute fahren die Menschen nicht mehr gezielt zu einem Kaufhaus, sondern nutzen den Innenstadtmix. Und da spielt es keine Rolle mehr, ob der Parkplatz 50m oder 100m entfernt ist. Auch in Görlitz gibt es genügend Parkmöglichkeiten in der Nähe des Kaufhauses. Das Argument Abriss wegen Parkmöglichkeiten halten ich daher für nicht schlüssig. Intelligenter wäre es z. B. die beiden Häuser weiterzuentwickeln um mehr Besucher auch von außerhalb von Görlitz anzuziehen. Ein schönes Beispiel wie man eine Villa sinnvoll weiterentwickeln kann ist z. B. in Alsfeld mit der Villa Raab zu bewundern.

    ...

    Zweitens widerspreche ich, dass diejenigen, die den Klimaumbau propagieren und von Verzicht reden, wirklich verzichten. Wirklich in Existenznöte kommen die kleinen Leute, nicht die Bionade trinkenden "Grün"-Anhänger in ihren sanierten Altbauwohnungen. Die propagieren mehr "Buntheit", aber natürlich nicht in ihrem Haus. Andere müssen die Buntheit täglich erleben. Die propagieren Solardachzwang oder Elektroauto oder Straßensperrungen, weil sie keine Auswirkungen spüren. Andere hingegen wissen nicht mehr, wie sie zur Arbeit kommen können. Diese Typen verdienen 5000 Euro aufwärts. Denen macht die Verteuerung des Liters Benzin auf 2,50 Euro und die Verteuerung von Flügen um 500 Euro nichts aus. Dem kleinen Arbeiter/Angestellten mit 1800 Euro netto hingegen schon. Das ist das bigotte. Wenn der kleine Arbeiter 500 Euro mehr für den Flug zahlen soll, dann sollen diese Leute gefälligst 2000 Euro mehr für den Flug zahlen, und 8 Euro für den Liter Benzin. Und das Solardach soll für sie 100.000 Euro mehr kosten. Und die Miete wird ihnen in Relation zu der des kleinen Angestellten verdreifacht. Alles andere ist Klassenkampf von oben.

    Ja, so ist es wohl. Viele Jugendliche, die für die Klimawende demonstrieren, fliegen wenig später zum Rucksack-Jahr nach Australien. Bei den linksalternativen 1. Mai Demos laufen gut situierte Akademikerkinder und keine Arbeiter mit und bei den Anti-Rassismus-Demos sind teilweise Menschen dabei, die keinen einzigen Ausländer in der Nachbarschaft haben. Finde ich alles nicht so schlimm, jeder kann machen was er will. Wenn er sich dabei besser fühlt, oder sein Leben positiv aufladen kann - alles gut. Was mich stört (weiter oben schon gesagt), ist die oftmals anzutreffende moralische Überheblichkeit dieser Menschen. Jeder Mensch auf der Welt ist schlau genug, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Gut und schlecht lässt sich nicht durch die Anzahl von Demo-Teilnahmen o.ä. bewerten.

    ...

    Menschen sind immer inkonsequent, ansonsten sind es knallharte Ideologen oder eine Religion. Anstatt also die legitimen Bedürnisse der Jugend zu zerreisen, daran, dass sie nicht extrem sind, sollte man eher daraus lernen, dass Unsere heutige Gesellschaft offenbar eine umweltgerechte Lebensweise extrem unattraktiv macht. Es ist unredlich diesen Kindern Verzicht auf einen hohen Lebensstandard zu verschreiben, nur weil sie dessen schmutzige Folgen politisch gelöst haben wollen.

    Ich finde es zunächst einmal gut, wenn (gerade junge Menschen) sich gesellschaftspolitisch engagieren und für ihre Anliegen auf die Straße gehen. Gerade beim Thema Klimaerwärmung finde ich die Anliegen richtig und wichtig. Womit ich ein Problem habe ist eine moralische Überheblichkeit, die ich immer wieder im Gespräch mit Aktivisten spüre. Keiner dieser Friday for Future- oder anderer Ökoaktivisten ist ein besserer Mensch, weil er sein Anliegen auf Demos oder durch Belehrungen seiner Mitmenschen nach Außen trägt. Die Inkonsequenz ist wirklich frappierend:

    - Junge Kollegen die mich verächtlich beim Thema Plastik, Ernährung oder Auto belehren, selber aber mindestens einmal im Jahr eine Fernreise mit dem Flugzeug machen

    - Radfahrer die mich als Autofahrer im Straßenverkehr belehren, selber aber mit ihrem Fahrstil rüpelhaft zu Fußgänger sind

    uvm.

    Und was ist an diesem Gebäude jetzt abrisswürdig?

    "Die Eigentümer verteidigen ihren Neubau und erklären, nur damit würde Platz für die offengelegte Lutter geschaffen." Sieht doch total romantisch aus der Neubau mit dem Mühlrad ;(

    Es ist etwas befremdlich, dass im Zeitalter der Klimaeffizienz aufheizende Glasfassaden immer noch erlaubt sind, und effizient gemauerte Gründerzeitler mit Dämmstoffmaterial zugekleistert werden sollen.