Posts by Wikos

    Warum man überhaupt die überheblichen Ideen hatte INTAKTE Wohnungen abzureißen?

    Die größenwahnsinnigen Abrisspläne gab es in ganz Deutschland. Im Wedding z. B. beseitigte man 9.000 von 14.700 Altbauwohnungen und machte in den 60iger Jahren aus dem Berliner Brunnenviertel eine banale, moderne Großsiedlung. Hätte man die Gründerzeitler stehen gelassen wäre es heute vielleicht ein zweiter Prenzlauer Berg. https://www.berliner-mieterver…/online/mm1113/111320.htm Der zu dieser Zeit regierende Bürgermeister Willy Brandt verkündete damals das grausame Stadterneuerungsprogramm.

    Ich will nicht provozieren. Und ich bin für die Rekonstruktion der Synagoge. Das vorweg.


    Aber mir fällt gerade der Unterschied im Umgang mit Bodenmosaiken in der Diskussion auf. In Hamburg ist das Mosaik zweitrangig, wenn etwas darauf gebaut wird, in Berlin beim Einheitsdenkmal hingegen ist die Erhaltung des Mosaiks das non plus ultra. Siehe: Nicht nur die Modernisten, sondern auch die Traditionalisten legen sich Argumente zurecht, wie es ihnen eben gut passt. Ist ja legitim und irgendwie menschlich.

    Der Vergleich hinkt etwas. In Berlin ist das Bodenmosaik teil der ursprünglichen historischen Bebauung. In Hamburg wurde das Mosaik erst nach der Zerstörung des historischen Ursprungsbaus angebracht.

    Es ist bemerkenswert mit welcher Arroganz der Rekonstruktionswunsch der jüdischen Gemeinde mit allen Mitteln negiert wird. Die jüdische Gemeinde hat ja ihre Synagoge nicht selbst zerstört. Es gleicht einer zweiten Zerstörung, wenn nun einige Vertreter der Moderne der Gemeinde eine Rekonstruktion verbieten möchten. In einer mit erkalteten Ritualen erstarrten Erinnerungskultur wird den Juden in Deutschland nicht nur der Rahmen vorgegeben wie an die Naziverbrechen erinnert werden soll, sondern jetzt auch noch diktatorisch bestimmt wie der Wiederaufbau ihrer zerstörten Synagoge aussehen soll.

    Mit einem modernen Beton- und Glaskasten würde diesem Ort, die letzte Würde genommen werden. Wie in einer Art Disneyland würde dort ein Gebäude entstehen, das dort niemals stand. Die Geschichte würde damit nicht nur verklärt und banalisiert werden, sondern schlimmer noch, es würde eine gefährliche Geschichtsklitterung vorgenommen werden, die die Zerstörung relativieren würde. Nichts würde dann mehr an die tradionsreiche Kontinuität der jüdischen Gemeinde erinnern. So, als sei nie etwas geschehen, würde diese Stätte des Judentums mit einem ahistorischen Neubau auf erschreckende Weise verfälscht werden.

    Ja, es stimmt das wird gerne unterschätzt - es gibt einige Städte mit historischen Kern in den USA. Das Ganze steht im starken Kontrast zu den Downtowns und Vororten mit ganzen Straßenzügen von zeltenden Obdachlosen. Die USA hat gewaltige soziale Probleme, wie z. B, dieser Film zeigt (ab 5:00 Min.)

    Neben dem "Wiederaufbau der Nachkriegszeit" gab es noch eine grenzenlose Abrisswelle nach dem Krieg. Eine Liste des Grauens - eine erschreckende Übersicht zu den Bausünden und Abrissen der Nachkriegszeit: http://stadtgestaltung-deutsch…groten-bausunden-der.html

    Besonders bedenklich finde ich den Abriss des Völkerkundemuseums 1958 in Berlin und der Abriss des alten Theaters in Heilbronn 1970. Das Theater muss einer der wenigen Bauten gewesen sein, welches den Weltkrieg im Zentrum überstanden hatte.

    Wikos,kann man das schon sagen das nur Corona die Städte und das Bauen nachhaltig verändert? Ich denke es ist grundsätzlich die zunehmend sich stark verbreitende Digitalisierung die einen großteil von hauptsächlich gemieteten Büroflächen in naher Zukunft überflüssig werden lässt (Homeoffice).Corona beschleunigt die Sache nur etwas ,würde ich sagen.Ob die Digitalisierung für die Menschen nur Vorteile mit sich bringt?:/

    Ja, das stimmt. Aber wer hätte noch vor zwei Jahren im Ernst Fußgängerzonen in Frage gestellt oder hätte gedacht, dass Einkaufscenter in eine Krise geraten?

    Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und der Städtebaubeiratsvorsitzende Torsten Becker beklagen zu viel Beton am Bau und zu wenig Nachhaltigkeit. Man solle zukünftig auch Hochhäuser aus Holz und Wohnvierteln aus Lehm bauen (keine Ahnung ob das funktioniert).

    Beklagt wird die Kälte des modernen Europaviertel und gefordert wird eine Kleinteiligkeit, wie sie in Gründerzeitbauvierteln zu finden ist. Erstaunliche Aussagen. Langsam scheint den Verantwortlichen in der Stadt zu dämmern, dass die trist-moderne Monobaukultur der letzten Jahrzehnte keine Zukunft mehr hat... https://www.fr.de/frankfurt/ti…des-teufels-90190613.html

    Ja, der ganze FR-Text strotz vor Intoleranz. Immer wieder wird von den Modernisten Geschichte und Architektur in einem Kontext gesetzt. Bin ich für das historische Schauspielhaus dann bin ich ein Anhänger von Pickelhauben und Kaiserzeit. Setze ich mich für den Wiederaufbau der Altstadt ein, bin ich ein Nazi. Das man einfach nur Architektur schön findet, scheint außerhalb der Vorstellungskraft von Modernisten zu liegen. Die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus hat an keiner Stelle damit geworben, mit dem Schauspielhaus auch die Kaiserzeit wieder zu errichten.

    Aus Sicht der Modernisten ist nur der Anhänger der Moderne ein guter Mensch. Dabei ist die "Moderne" auch schon über hundert Jahre Alt. Der zweite Weltkrieg lag in der Epoche der Moderne und nicht in der Gründerzeit oder im Mittelalter.

    Zurück zur unsachlich, dämlichen Diskussion über das Schauspielhaus: Hätte man in den sechziger Jahren nicht das Gebäude brutal verstümmelt, dann würde heute keiner das alte Schauspielhaus zur Disposition stellen bzw. einen modernen Neubau fordern. Es würde genauso stolz als Theater oder Opernstätte genutzt werden wie hunderte andere alte Schauspielhäuser in Europa.

    Der Artikel versucht das Thema irgendwie in eine erhabene, kultur-geschichtlich beflissene Feuilleton-Sprache zu übersetzen. Leider reicht das ganze nicht an den leider zu früh gestorbenen Primus der Architekturkritik Dieter Bartetzko heran. Es bleibt bei dem Versuch, die Aktionsgemeinschaft in eine revanchistische Ecke zu drängen und den Architekten Heinrich Seeling als drittklassigen Architekten abzustempeln. Zitat "...einem Baumeister aus der damals dritten Reihe ". Alleine das ist schon falsch: Seeling war zu dieser Zeit einer der hervorstechenden Architekten für Theaterbauten.

    Vielleicht hätte man es einfach so wie im übrigen Europa machen sollen: Einfach das historische Opernhaus nutzen, statt ein sanierungunfähiges Betonmonster zu bauen. Im vom Krieg pulverisierten Köln hatte man nichts besseres zu tun, als das nur leicht beschädigte alte Opernhaus 1958 abzureißen und die triste moderne Oper zu bauen: https://www.ksta.de/koeln/der-…22702118?cb=1611684877976

    Ja, das Stimmt Heimdall - hineingeschlittert ist die Stadt in diese Misere nicht. Bei Zeiten wurde das Geld mit vollen Händen, für teils aberwitzige Dinge, hinausgeblasen. Frankfurt am Main ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Nach Corona werden die Städte nicht mehr so aussehen wie wir sie kennen. Vergessen bei meiner Aufzählung habe ich noch die großen Einkaufscenter und Kaufhäuser, die ihre beste Zeit hinter sich haben und wie große Saurier in die Knie gehen werden. Es wird in den nächsten Jahren riesige leerstehende Bauten in den Innenstädten geben. Das schlimmste daran: Die Städte haben keinerlei Plan, wie sie damit umgehen werden.

    Zurück zu Frankfurt am Main: Die Zeiten der Spendierhose sind endgültig vorbei. Mit anderen Worten: Es ist im nächsten Jahrzehnt nicht damit zu rechnen, das ein Stararchitekt für einige hundert Millionen Euro ein futuristisches, neues Opernhaus in die Stadt setzen wird. Auch andere Großprojekte werden auf Eis gelegt werden. Museen werden in der Tat vor großen Herausforderungen stehen.

    OB Felmann hat jetzt den "Frankfurt Plan" aus der Tasche gezogen, um die angeschlagene Stadt nach Corona wieder auf Trab zu bringen. Mit Nightshopping, Pop-Up-Store´s und günstigen Angeboten für Frankfurter in den Hotels soll Frankfurt am Main reaktiviert werden.

    Das ganze grenzt schon an purer Verzweiflung. Einige Zeilläden, von Online-Shoppern schon geschädigt, sind während der Corona-Zeit in die Knie gegangen. In der Gastronomie wird wahrscheinlich einiges nicht mehr öffnen. Die Stadt ist hoch verschuldet und hängt mit Corona-Transferleistungen am Tropf des Landes. Weniger Pendler und Corona-Angst sorgen für weniger Fahrgäste. Auch der Büromarkt scheint angeschlagen - "Home Office" lässt die Büroflächen schwinden. Die Kultur ist am Boden. Das traditonsreiche Berger-Kino schließt. Das Grandhotel "Hessischer Hof" - eine Institution hat Dicht gemacht. Schwere Zeiten in der Stadt auch wenn in den Medien von den wirtschaftlichen Begleiterscheinungen nur sehr wenig berichtet wird - man hat den Eindruck, das die Stadt in die wahrscheinlich schwerste Nachkriegskrise hineinschlittert...

    Klar, das Ganze ist sehr hypothetisch. Es gab wohl Überlegungen zu einem geplanten Ruinenpark bei den Nazis. Aber wäre es wirklich so gekommen? Vielleicht hätte die auch einen Teil der Altstadt wieder aufgebaut, oder ein modernistisches Großprojekt in die Altstadt gepflanzt. Alles letztendlich Spekulationen. Zum Thema Altstadtsanierung: Die umgesetzten Pläne unterscheiden sich wahrscheinlich nicht großartig mit einer Altstadtsanierung, die im damaligen Zeitgeist der Moderne umgesetzt worden wären.