Posts by Wikos

    Ich habe die Frage nicht umsonst gestellt. Ich habe meine ersten 12 Lebensjahre im heute sogenannten Wrangelkiez gelebt. Wobei das noch relativ gut erhaltene Häuser waren. Aber auch dort habe ich enge, dunkle Hinterhöfe gesehen mit heruntergekommenen Hinter-und Quergebäuden, in denen die Menschen in wirklich unwürdigen Zuständen wohnen mussten. Auch meine Familie lebte bis 1964 im Hinterhaus mit Gemeinschaftstoilette und ohne Bad. Ein Bad in der Wohnung hatten wir überhaupt erst ab 1971 in Lichterfelde, aber selbst dort noch mit Ofenheizung und ohne fließend Warmwasser. Nur dasss es kein Hinterhaus gab und viel Sonne in der Wohnung.
    Und im Wedding gab es ähnliche und noch schlimmere Zustände, wenn ich die Bilder aus dem Film sehe.


    Ich finde es unglaublich überheblich, die damaligen Stadtplaner einer durch den Krieg und die Teilung geschundenen Stadt zu kritisieren.

    Und die von Euch so hochgelobten, heutzutage sanierten und auf modernsten Stand gebrachten und von vielen wirklich geschätzten Gründerzeitler findet man in Charlottenburg, Schöneberg, Steglitz, Neukölln oder anderen Bezirken und höchstens im Vorderhaus.

    Bei verdunktelten, prekären Hinterhofsituationen mit Gemeinschaftstoiletten war in der Tat oftmals eine Entkernung der beste Weg. Doch was im Brunnenviertel im Wedding, rund um den Kotti in Kreuzberg etc. gemacht wurde, dass war eine rücksichtslose Kahlschlagsanierung bei der ganze Altbauviertel inklusive sanierungsfähiger Vorderhäuser abgerissen wurden. Nicht umsonst bildete sich später Protest dagegen, der schließlich in eine behutsamere Stadtsanierung überging. Links von der Bernauer Straße findest Du das kahlschlagsanierte Brunnenviertel - rechts davon den Prenzelberg und Mitte mit begehrten Gründerzeitbauten, die selbst nach Jahrzehnten Verfall mittlerweile bestens saniert sind. Das schreibe ich übrigens nicht aus der Theorie, aus dem fernen Frankfurt am Main, sondern als ehemaliger langjähriger Einwohner von Berlin der viele Altbauviertel aus Ost und West aus eigener Erfahrung kennt.

    Das hat der Stadtbaumeister da im Film halt gesagt, dass es um Hinterhofhäuser geht. Gesehen habe ich ein gesprengtes Gebäude mit deutlich erkennbarer Ornamentik, was wohl kein Hinterhofbau sein kann. Wenn die Realität eine andere war, so kann ich das aus der Ferne eben nicht beurteilen, ich konnte mich nur auf diese Aussage stützen.

    Bei Aussagen von Stadtbaumeistern der 60iger und 70iger Jahre zu angeblich notwendigen Abrissen historischer Bausubstanz sollte man stets skeptisch sein :smile:

    In dem Video wird zumindest gesagt, dass es sich bei den Abrissen um Hinterhofhäuser handeln würde. Eventuell hatten diese nochmal eine andere Qualität. Speziell die Aufnahmen aus dem Inneren mit diesen Verschachtelungen deuten darauf hin. Der Grundriss ist gerade bei Gebäuden mit massiven Wänden ein wichtiger Faktor, insbesondere, wenn man vorhat Sanitäreinrichtungen neu einzubauen, eventuell sogar Wohnungszuschnitte neu vornehmen muss. Beliebte Gründerzeitler heute zeichnen sich aus durch ihre klaren, eher großzügigen Grundrisse, die teils sogar den Einbau von Fahrstühlen ermöglichen, weil die Gebäude oft in einem Zug errichtet wurden.


    Ich muss sagen mir hat das Video sehr gut gefallen, denn es vermittelt, dass unsere Altvorderen nicht komplett durchgedreht waren, sondern für ihre Zeit Abwägungen getroffen haben, die für uns heute schwer nachkonstruierbar sind und damit nicht leicht nachvollziehbar erscheinen.

    Ich glaube ich bin im falschen Film! Hast Du Dir überhaupt den Film angeschaut? Es ist deutlich zu sehen, dass nicht nur Hinterhofbauten abgerissen wurden, sondern auch Blockrandbauten. Alleine im Wedding im Gebiet Brunnenstraße wurden 9.000 Wohnungen zerstört.Das Gebiet ist heute Brennpunktgebiet ohne funktionale Mischung. Nicht nur die ursprüngliche Mieterstruktur wurde zerstört, sondern auch Handel und Gewerbe wurden dort zerstört. Hier wie auch in Kreuzberg wurde auf brutalste Weise Stadtzerstörung betrieben.

    Wirklich und ganz ehrlich: Dann leben wir in zwei völlig verschiedenen Welten. Millionen Deutsche radeln jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, vom Monteur zum Anzugträger. Wie schaffen die das bloß, bei all dem Regen und der brutalen Hitze unter den ganzen Regenjackenschichten?


    Es ist vollkommen in Ordnung, nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Es gibt dafür medizinische Gründe und persönliche Gründe, es geht mich einen Sch...dreck an, warum Du meinst, nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können. Aber diese Wettergeschichte ist wirklich, wirklich arm und extrem leicht widerlegbar. In Finnland fahren Kinder (!) den ganzen Winter durch (!) trotz hoher Schneedecken und eisiger Minustemperaturen (!) mit dem Fahrrad zur Schule. Sogar in Schottland fahren in den Städten viele Leute mit dem Fahrrad zur Arbeit.


    ...

    Zahl der Autos pro Haushalt nimmt zu: https://www.tagesschau.de/wirt…ulassung-zunahme-101.html "...In den privaten Haushalten ging der Trend in den vergangenen zehn Jahren offenbar allen Klimasorgen zum Trotz zum Zweit- oder Drittwagen" und weiter "...Gerade einmal rund 13 Prozent nutzten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel wie Bus, Straßenbahn, U-Bahn oder Zug für ihren Arbeitsweg. Jeder zehnte Erwerbstätige fährt regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit."

    Immer mehr Autos im Rhein-Main-Gebiet: https://www.fr.de/frankfurt/im…main-gebiet-90033465.html

    Immer mehr Autos in den Städten: https://www.tz.de/auto/stau-st…e-office-zr-90813189.html

    Wozu zahlen wir Rundfunkbeitrag? Beim MDR könnt ihr alles lesen - ohne Paywall, ohne Werbung.


    mdr.de/wissen/fahrrad-statussymbol-fuer-bildung

    Die vielleicht wichtigste Studie zum Thema Mobilitätswende / Rad !

    "...Vielleicht ist es auch der innere Trieb der Gelehrten, ihre Mitmenschen zu belehren. Mit dem Finger zu zeigen – auf sich als gutes Vorbild, auf andere, die noch die vergangene Welt des motorisierten Individualverkehrs leben."

    Und für den Turm eines bedeutenden historischen Wahrzeichens (siehe thread "Langer Franz") muss man um 1 Mio. durch Spenden kämpfen, damit überhaupt was draus wird. Absurd das alles.

    Absurd finde ich auch, dass sich die Modernisten regelmäßig über die angeblich hohen Kosten von Rekonstruktionen echauffieren, aber bei millionenschweren Sanierungsfällen der Moderne nichts einzuwenden haben.

    Aus dem Wörterbuch über "Hass".


    Der Psychologe Georg Juckel über Hass:

    Hm, wie sind solche Äußerungen einzuordnen? Was ist das nun? Hass auf das Schloss, Wut, Abneigung oder sachliche Kritik? :/ Ach wär' ich doch Psychologe... :wink:

    ...

    Ich hatte 2019 das "Vergnügen" Trüby bei seiner Rechte-Räume-Tournee im Frankfurter Mousonturm zu erleben. Eine sehr verstörende Veranstaltung, die einen Bogen von Hitlers Geburtshaus und Mussolini-Bauten zu den Frankfurter Altstadtbauten spannte. Trüby kam sympathisch rüber - gebildet aber nicht eingebildet und sehr charismatisch. Ein Menschenfänger, mit dem man sich wahrscheinlich prima über alle möglichen Themen, abseits von Rekonstruktionen, im IC unterhalten kann. Es waren einige Rekobefürworter im Publikum, die zumeist sachlich argumentierend sich zu den teils irritierenden Vorträgen äußerten. Trüby brauchte auf die meisten Einwände nicht eingehen. Seine Helfer (oder vielleicht besser gesagt "Jünger") übernahmen das und hielten die Diskussion teils sachlich, teils aggressiv in Schach.

    Das ist vielleicht auch das erstaunliche, dass man Trüby mit seiner ansonsten zurückhaltenden, zivilisierten Art, dieses Geschwurbel nicht zutrauen würde. Seine Anhänger allerdings haben teilweise den aggressiven Tonfall, den er in seinen Meinungsartikeln hat übernommen.

    Ganz schlechte Argumentation! Die Bewegung, für die Trüby steht, tendiert zu immer weiterer Radikalisierung. Wenn du solchen Leuten Inkonsequenzen in ihrem Denken nachweist, dann bringt sie das nicht zur Vernunft, sondern sie werden daran arbeiten, diese Inkonsequenzen im Sinne ihrer Weltanschauung zu beseitigen. Angriffe in die von dir aufgezeigte Richtung laufen bereits seit Jahren. Im Rahmen der geschichtspolitischen Säuberungen steht inzwischen auch Konrad Adenauer auf der Abschussliste. Kritik an "Stararchitekten", die "für Putin" bauen, hattest du an anderer Stelle selbst schon mal gepostet. Aber auch neoklassische Büros aus Deutschland bauen in Russland, mithin "für Putin". Du kannst im Grunde jeden abschießen, der nicht zum engen Zirkel der "Moralwächter" gehört. Das liegt in der Natur solcher Denksysteme begründet. Wie gefährlich sie werden, hängt davon ab, wie viel Macht sie erhalten.

    ...

    Wenn, dann musst Du mich schon richtig zitieren und nicht den wichtigsten Satz weglassen. Ich schrieb: "Warum empört sich Trüby immer nur, wenn es um Rekonstruktionen geht? Naziarchitekten, die im Wesentlichen den modernen Wiederaufbau in Deutschland bestimmten, Starachitekten die teilweise für zweifelhafte Machthaber und Diktatoren auf der ganzen Welt bauen, sind diesem Mann keine Recherche wert."


    Das ist der entscheidende Punkt. Es geht nur darum eine Argumentation gegen Rekonstruktionen zu finden. Und bei dabei sehen die Kritiker nur den Splitter im Auge des Gegners, aber nicht den Balken im eigenen Auge.

    Warum empört sich Trüby immer nur, wenn es um Rekonstruktionen geht? Naziarchitekten, die im Wesentlichen den modernen Wiederaufbau in Deutschland bestimmten, Starachitekten die teilweise für zweifelhafte Machthaber und Diktatoren auf der ganzen Welt bauen, sind diesem Mann keine Recherche wert.

    Wir sollten dem Veränderungsdruck widerstehen und diese Reko unbedingt verhindern. Es ist zu befürchten, dass im direkten Umfeld der Charakter des Kiezes verloren geht. Es werden viele Shishabars und Wettbüros verschwinden. Die entstuckten Gründerzeitler im Umfeld werden vielleicht renoviert und das ganze Viertel aufgewertet werden. Alles das sollten wir verhindern. Ironie aus.


    Hier noch ein anderer schöner Megabau - das Ullsteinhaus in Berlin-Tempelhof https://de.wikipedia.org/wiki/…lsteinhaus_march_2015.jpg

    Die Crowdfunding-Spendenaktion ist nun gestartet: https://www.startnext.com/derlangefranz

    Pressemeldung dazu: https://frankfurt.de/aktuelle-…-den-Langen-Franz-startet

    Es gibt dazu auch den ersten Großspender: "...Gustav und Ingeborg Stabernack sind die ersten Spender, die sich bereit erklärt haben, die Patenschaften für die beiden neu zu errichtenden Gauben des Langen Franz zu übernehmen." Auf der Crowdfunding-Seite ist eine Gauben-Partnerschaft mit 15.000 Euro angegeben. "...der gemeinnützige Verein hat mittlerweile mit mehr als 400 Einzelspenden über 212.000 Euro für den Langen Franz gesammelt."